Der "Aufstand des 17. Juni 1953" in der DDR im Spiegel französischer Tageszeitungen


Seminararbeit, 2015

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufstand in der DDR 1953

3 Berichterstattung in den französischen Zeitungen
3.1 L'Humanité
3.2 Le Figaro
3.3 Le Monde

4 Schlussbetrachtung

5 Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellenverzeichnis
5.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ost-Berlin, 16. Juni 1953 gegen Mittag: Vor dem Haus der Ministerien der Deutschen Demokratischen Republik steht eine sich empörende Menschenansammlung. Plötzlich fällt das Wort "Generalstreik"[1] und verbreitet sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land. Am nächsten Tag sind die Bürgerinnen und Bürger der DDR auf den Straßen, um ihrem Unmut und ihrer Unzufriedenheit mit den Arbeitsverhältnissen und der Regierung öffentlich Ausdruck zu verleihen. Als "Aufstand des 17. Juni 1953" wird dieses Ereignis in die Geschichte eingehen.

Zahlreiche Veröffentlichungen, insbesondere zum 50. Jubiläum des Ereignisses, haben sich diesem Themenkomplex gewidmet. Zum Beispiel wurde den Ereignissen in den verschiedenen Städten der DDR nachgegangen[2] und die internationalen Reaktionen auf den Aufstand beleuchtet.[3] Neben Darstellungen zu den Reaktionen der USA, Großbritanniens, der Tschechoslowakei oder Polens fehlt jedoch eine Auseinandersetzung mit den französischen Standpunkten zu den Ereignissen abseits der westalliierten Gesamtposition.[4] Zur Schließung dieser Forschungslücke möchte diese Arbeit einen Beitrag leisten, indem die Berichterstattung in den französischen Zeitungen analysiert wird. Die theoretische Grundüberlegung der Zeitungsanalyse orientiert sich dabei an dem Uses-Gratification-Ansatz[5]. So wird vorausgesetzt, dass die Leser sich aus bestimmten politischen Tendenzen ihre Tageszeitung auswählen. Die Zeitungen möchten wiederum Meinungen bilden und beeinflussen, müssen aber auch aus ökonomischen Gründen auf die Meinungen und Bedürfnisse ihrer Leserschaft Rücksicht nehmen. Unter dieser Annahme spiegelt die Zeitung zumindest in Tendenzen die Meinung ihrer Leser wider. Dadurch bieten Zeitungen eine geeignete Quellengrundlage, um ein grobes Meinungsbild innerhalb der Gesellschaft nachzeichnen zu können.

Im Rahmen dieser Arbeit wird sich die Analyse auf drei große, überregionale Tageszeitungen mit unterschiedlichem politischen Hintergrund beschränken. Ausgewählt wurden folgende Zeitungen: zum einen die linksliberale Zeitung Le Monde [6], zum anderen die konservative Zeitung Le Figaro [7] sowie das kommunistische Blatt L'Humanité, damaliges Zentralorgan der Parti Communiste Français[8]. Diese Auswahl gewährleistet eine relativ breite Abbildung der unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Standpunkte. Die dieser Arbeit zugrunde liegende Fragestellung ist demnach, wie die französischen Tageszeitungen über den Aufstand des 17. Juni 1953 in der DDR berichtet haben und ob sich hierbei politische Standpunkte oder Tendenzen abzeichnen. Dabei wird folgender Hypothese nachgegangen: Auch wenn Frankreichs Regierung sich nach dem Zweiten Weltkrieg und im Zuge des Kalten Krieges auf die Seite der Westalliierten stellte, kommen abweichende politische Standpunkte bei der Analyse der französischen Tageszeitungen zur Geltung.

Als Einstieg in das Thema wird der Aufstand im Juni 1953 in der DDR und dessen Ursachen skizziert. Im Hauptteil werden die ausgewählten Zeitungen genauer betrachtet. Dazu wird zunächst auf die politische Grundhaltung innerhalb der Bevölkerung Frankreichs eingegangen bevor die Zeitungen in einzelnen Unterkapiteln nacheinander analysiert werden. Der untersuchte Zeitraum erstreckt sich vom 11. Juni 1953, dem Tag an dem die SED den "Neuen Kurs" in ihrer Zeitung Neues Deutschland veröffentlichte, bis Anfang Juli, da die Berichterstattung über die Ereignisse ab diesem Zeitpunkt stark nachlässt. Die Frage nach den Tätern und ihren Methoden, Zeugen der Ereignisse sowie die Reaktionen sowohl der SED als auch der Sowjetunion stehen im Fokus der Analyse. Am Ende eines jeden Unterkapitels wird ein kurzes Fazit gezogen. In der Schlussbetrachtung der Arbeit werden die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst.

Die Analyse stützt sich auf die Zeitungsartikel der ausgewählten Zeitungen, die in Bezug zum 17. Juni 1953 in der DDR stehen. Zitate aus den französischen Zeitungen wurden ins Deutsche übersetzt, um einen besseren Lesefluss zu gewährleisten. Außerdem wurde diverse Sekundärliteratur für diese Arbeit herangezogen. Darunter befinden sich unter anderem eine Monographie und einen Sammelband (mit-)herausgegeben von Ilko-Sascha Kowalczuk, Mitarbeiter bei der Behörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR[9], sowie Werke von Ulrich Pfeil, der sich als einer von wenigen dem Forschungsfeld der Beziehungen zwischen der DDR und Frankreich annahm.[10]

2 Aufstand in der DDR 1953

Der Aufstand im Juni 1953 in der DDR war eine Verkettung von Umständen, die im Folgenden skizziert werden. Auf der 2. Parteikonferenz der SED vom 9. bis 12. Juli 1952 verkündete Walter Ulbricht, der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees, das Programm "Aufbau des Sozialismus".[11] Dieses Programm enthielt verschiedene politische und wirtschaftliche Maßnahmen, die den Aufbau des Sozialismus in der DDR beschleunigen sollten. Zum einen wurden die fünf Länder der DDR aufgelöst und 14 zentral verwaltete Bezirke geschaffen. Ziel dessen war es, die gesamte Macht in die Zentrale in Ost-Berlin zu legen. Ferner wurde eine "Kasernierte Volkspolizei" (KVP) geschaffen und die Schwer- und Rüstungsindustrie gefördert. Zur Kollektivierung der Landwirtschaft und des Handwerk sollten "Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften" (LPG) bzw. "Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) gegründet werden. Eigentlich sollte dies auf freiwilliger Basis geschehen, allerdings wurde dem Prozess mit politischem Druck sowie wirtschaftlichen und juristischen Mitteln nachgeholfen. Bauern oder Handwerker, die sich diesem widersetzen wollten, hatten mit Konsequenzen wie höheren Steuern und Abgaben, Abschneiden von staatlichen Zuteilungen oder gar mit Enteignung zu rechnen. Enteignet wurden zudem Bauern, die mehr als zwanzig Hektar Land besaßen.[12]

Die Regierung der DDR hatte zu jener Zeit weitere Maßnahmen beschlossen. Der Kampf gegen die Kirchen wurde Anfang 1953 verschärft. Besonders betroffen davon war die "Junge Gemeinde", eine Jugendgruppe innerhalb der evangelischen Kirche. Von der Regierung als "Tarnorganisation für Kriegshetzer, Sabotage und Spionage"[13] eingeordnet, die im Auftrag des angloamerikanischen Imperialismus unterwegs seien, waren die Jugendlichen einer Repressionskampagne ausgesetzt. Zahlreiche Schüler und Studenten wurden der Oberschulen und Universitäten verwiesen oder bei besonderem Engagement sogar verhaftet. Ziel dieser Kampagne war, die Jugend an die eigenen, der SED zugehörigen Organisationen zu binden.[14]

Bereits nach wenigen Monaten hatte die Einführung des Programms "Aufbau des Sozialismus"[15], in der DDR eine Wirtschafts- und Versorgungskrise ausgelöst.[16] Die Lebensmittelversorgung verschlechterte sich aufgrund der oft nicht reibungslos funktionierenden landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), die im Zuge des Programms eingeführt worden waren. Zahlreiche Höfe wurden nicht mehr bewirtschaftet, da Bauern in den Westen gingen, um der Kollektivierung ihrer Höfe zu entgehen. Während im Westen ein wirtschaftlicher Aufschwung zu verzeichnen war, sanken die Reallöhne der Beschäftigten in der DDR. Ein Produktionsarbeiter konnte sich schließlich nur noch das Allernötigste leisten. Die Förderung der Schwer- und Rüstungsindustrie ging zu Lasten der Konsumgüterproduktion und führte zu einem Loch im Staatshaushalt. Junge Fachkräfte fehlten aufgrund der Schaffung der Kasernierten Volkspolizei (KVP) sowie der steigenden Fluchtbewegung. Infolge der wachsenden Zahl politischer Häftlinge hatten mehr und mehr Menschen Angehörige und Bekannte, die grundlos im Gefängnis saßen.[17]

Der SED blieb diese Krise nicht verborgen. Als Gegenmaßnahme wurde der Beschluss zur "Einführung eines strengen Sparsamkeitsregimes"[18] gefasst. Im März 1953 wurde zunächst auf freiwilliger Basis, Ende Mai schließlich per Gesetz, die Erhöhung der Arbeitsnormen beschlossen. Für die meisten Arbeiter bedeutete die Umsetzung eine deutliche Lohnsenkung, weil sie aufgrund des Materialmangels ihre individuelle Arbeitsleistung meist nicht erhöhen konnten. Zudem wurden ab Mai 1953 etwa 10% der Bevölkerung die Lebensmittelkarten entzogen. Betroffen davon waren unter anderem private Unternehmer, freiberufliche Rechtsanwälte und sogenannte "Grenzgänger" (im Westen arbeitende Bürger), also dem sozialistischen System der DDR widerstrebende Berufstätige. Diese Personengruppen wollte man auf diese Weise zurechtweisen. Um die Nachfrage nach Lebensmitteln zu drosseln, wurden die Preise in den staatlichen Handelsorganisationen (HO) erhöht. Folglich gab es wegen der schlechten Lebensmittelversorgung nur noch wenige Nahrungsmittel zu hohen Preisen.[19] Daraufhin kam es zu punktuellen Arbeitsniederlegungen, Protesten und Diskussionen.[20]

Infolge der wirtschaftlichen Probleme und der Massenflucht befürchtete die neue Regierung in Moskau den Zusammenbruch der DDR und bestellte die Spitze der SED nach Moskau.[21] Auf Anordnung aus Moskau musste die SED am 11. Juni 1953 in der Zeitung Neues Deutschland einen Kurswechsel veröffentlichen, um die innenpolitische Lage in der DDR zu entspannen. Zahlreiche Beschlüsse der Regierung, die im Zuge des Programms "Aufbau des Sozialismus" getroffen worden sind, sollten laut des Kommuniqués revidiert werden. Private Gewerbetreibende sollten beispielsweise wieder Lebensmittelkarten bekommen und Geschäftseigentümer und Bauern, deren Geschäft geschlossen oder Hof verlassen worden waren, die Möglichkeit bekommen, zu diesen zurückzukehren oder gegebenenfalls einen Ausgleich bekommen. Entlassungen von Untersuchungshäftlingen sollten geprüft werden.[22] Außerdem wurde die SED dazu bewegt, Gespräche mit der Kirche aufzunehmen.[23]

Die Bekanntmachung des Kurswechsels führte zu zahlreichen Spekulationen innerhalb der Bevölkerung aber auch innerhalb der SED. Der plötzliche Kurswechsel wurde als Bankrotterklärung der Regierung betrachtet und innerparteiliche Kritiker gingen davon aus, dass Ulbricht von der Regierung in Moskau abgesetzt würde.[24] Aber es gab auch Enttäuschung über die Bekanntmachung. Arbeiter und Bauern fühlten sich übergangen. Es war keine Rede von der Rücknahme der Arbeitsnormen. Der Kurswechsel sah keine Auflösung der LPGs vor und Einzelbauern blieben bei Steuern und Abgaben weiterhin benachteiligt. Des Weiteren mussten Strafprozesse erst überprüft werden, bevor Häftlinge freigelassen werden konnten. Die Parteibasis reagierte verstört, weil die Maßnahmen, die sie in den letzten Monaten hatte verteidigen müssen, von der eigenen Führung plötzlich als falsch hingestellt wurden.[25] So führte der neue Kurs letztlich zu einer Zuspitzung der Lage in der DDR.

Die Forderung nach der Einlösung der Regierungsversprechen und die Forderung der Rücknahme der Arbeitsnormenerhöhung der Arbeiter wurden immer nachdrücklicher. Ein Schreiben gegen die Arbeitsnormenerhöhung vom 15. Juni 1953 aus der Feder der Bauarbeiter der Stalinallee in Berlin an den 1. Ministerpräsidenten Otto Grotewohl blieb von diesem unbeantwortet. Stattdessen erklärte der Vorsitzende des Zentralvorstandes der IG Bau-Holz am Morgen des 16. Juni, dass an dem Beschluss nicht zu rütteln sei. Daraufhin zog am Vormittag ein Zug von Demonstranten von den Baustellen der Stalinallee hin zum Haus der Ministerien. Zu dem Zug gesellten sich neben den Bauleuten auch Hausbewohner, Büroangestellte und Straßenpassanten, die auf den Zug aufmerksam geworden waren. Doch stießen die Demonstranten am Haus der Ministerien auf verschlossene Türen. Insgesamt standen sie etwa eine Stunde vor dem Ministerium. Ein Bauarbeiter rief wohl aus: "Wenn Ulbricht oder Grotewohl nicht in einer halben Stunde hier sind, dann marschieren wir durch die Straßen und rufen zum Generalstreik aus."[26] Das Schlagwort "Generalstreik" war bald in aller Munde. Schließlich kam ein SED-Mitglied zu den Demonstranten und versuchte diese zu beruhigen, indem er die Rücknahme der Normenerhöhung verkündete. Die Regierung hatte damit den Forderungen der Arbeiter nachgegeben. Das späte Nachgeben der Regierung hatte die Demonstranten jedoch nicht beschwichtigt. Vielmehr hat das Zugeständnis sie ermutigt, ihren Unmut weiter auf die Straße zu tragen. Auf dem Rückweg wurde zum Generalstreik für den 17. Juni 1953 um 7 Uhr am Strausberger Platz aufgerufen.[27]

Die Nachricht vom Generalstreik verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land.[28] Hunderttausende Bürger beteiligten sich an unterschiedlichen Aktionen über die DDR verteilt – von Versammlungen und Diskussionen über Streiks hin zu Demonstrationen.[29] Bekannt wurde diese Welle von Aktionen als "Aufstand des 17. Juni 1953". Der Verlauf des Aufstandes oder der Aufstände am 17. Juni war je nach Region unterschiedlich.[30] Allerdings lässt sich eine Tendenz der Radikalisierung ausmachen. In den meisten Orten begann der Aufstand damit, dass die Arbeiter der Großbetriebe meist in disziplinierten Kolonnen in die Innenstädte zogen, die in Kundgebungen mündeten. Dabei dominierten immer mehr politische Forderungen gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen, die am Vortag noch eine wichtige Rolle gespielt hatten.[31] Zum Teil kam es zu offenen Aufständen. Etwa 1.200-1.400 politische Gefangene wurden von den Demonstranten befreit. In einigen Städten kam es sogar zu einem gewaltsamen Vorgehen gegen den SED-Staat. Rathäuser und Gemeindeverwaltungen wurden besetzt, vereinzelt gab es Ausschreitungen und Plünderungen. So wurden Bilder, Losungen und Akten, aber auch Regierungswagen und Propagandakioske als symbolische Vernichtung der Parteidiktatur zerstört. Auch kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten.[32] In wenigen Orten sind sogar die lokalen Machthaber kurzzeitig entmachtet worden.[33]

Die SED-Regierung konnte den Aufstand nicht mit Hilfe ihrer eigenen Polizei und Armee niederschlagen. Aus diesem Grund wurden sowjetische Truppen hinzugezogen. Die sowjetischen Verantwortlichen verfolgten bei ihrem Einsatz eine Taktik der massiven Einschüchterung, indem sie den Ausnahmezustand verhängten, Panzer und automatische Waffen einsetzten und standrechtliche Erschießungen durchführten.[34] Mit dem Erscheinen von sowjetischen Panzern zerstreuten sich die Demonstranten in der Regel, dennoch kam es zu Schüssen und Auseinandersetzungen. Schätzungsweise starben mindestens 50 Demonstranten und zehn Sicherheitskräfte bei den Unruhen, hunderte wurden verletzt.[35] Der Aufstand konnte schließlich mit Hilfe der sowjetischen Soldaten noch am 17. Juni weitgehend unter Kontrolle gebracht werden.[36] An den darauffolgenden Tagen kam es nur noch vereinzelt zu weiteren Protesten. Die sowjetischen Panzer und Militärpatrouillen dominierten jedoch noch tagelang die Stadtbilder.[37]

Die SED-Regierung vertuschte die Ursachen des Aufstandes bewusst und bezeichnete diesen als "faschistischen Putschversuch". Auch berichtete sie nur von Unruhen in Berlin.[38]

3 Berichterstattung in den französischen Zeitungen

Nach dem Zweiten Weltkrieg genossen die französischen Kommunisten aufgrund ihrer herausragenden Rolle in der französischen Widerstandsbewegung – im Französischen "Résistance" - besonderes Ansehen. Dies spiegelte sich in den ersten Wahlergebnissen der Nachkriegszeit wider. Die Parti communiste français (PCF) erzielte bei der Wahl am 21. Oktober 1945 mit 26,1% das höchste Wahlergebnis. In der darauffolgenden Wahl am 2. Juni 1946 erhielt die PCF 25,9% und stellte zusammen mit der sozialistischen Partei Section française de l'Internationale ouvrière (SFIO) und der christdemokratischen Partei Mouvement républicain populaire (MRP) als sogenannten Tripartismus die Regierung.[39]

In Anbetracht des fortschreitenden Kalten Krieges wurden die Kommunisten bald nicht mehr als regierungsfähiger Partner angesehen. Der sozialistische Ministerpräsident Paul Ramadier entließ am 4. Mai 1947 seine fünf kommunistischen Minister aus der Regierungsverantwortung, obwohl die Kommunisten innerhalb der Bevölkerung weiterhin starken Zuspruch fanden.[40] Die PCF organisierte in der Folgezeit eine Reihe von Streiks und Sabotageakte, die von Stalin dirigiert worden sein sollen. Diese führten zu einer Distanzierung der Bevölkerung von der PCF. In Frankreich votierte die Mehrheit schließlich für eine feste Anbindung des Landes an den Westen.[41] Auch wenn sich Frankreich politisch an den Westen band, gab es dennoch Interesse am östlichen Teil Deutschlands, wenn auch in begrenztem Ausmaß.[42]

Im weiteren Verlauf wird nun auf die Berichterstattungen zum 17. Juni 1953 in der DDR in den verschiedenen Zeitungen eingegangen. Zunächst wird das kommunistische Blatt L'Humanité analysiert bevor auf die konservativen Zeitung Le Figaro eingegangen wird. Zuletzt wird die Berichterstattung der linksliberale Zeitung Le Monde untersucht.

[...]


[1] Zitiert nach Hubertus Knabe: 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand, München 2003, S. 119; vgl. Ilko-Sascha Kowalczuk: 17. Juni 1953. Geschichte eines Aufstands, Bonn 2013, S. 38-42.

[2] Zum Beispiel Knabe: 17. Juni 1953; Kowalczuk: 17. Juni 1953.

[3] Zum Beispiel Kowalczuk: 17. Juni 1953; Wilfried Loth: Der 17. Juni 1953 im internationalen Kontext, in: Martin Greschat/Jochen-Christoph Kaiser (Hg.): Die Kirchen im Umfeld des 17. Juni 1953, Stuttgart 2003, S. 15-48; Heiner Timmermann (Hg.): Juni 1953 in Deutschland. Der Aufstand im Fadenkreuz von Kaltem Krieg, Katastrophe und Katharsis, Münster/Hamburg/London 2003.

[4] Vgl. Anne Kwaschik/Ulrich Pfeil: Die DDR in den deutsch-französischen Beziehungen: eine Einführung, in: dies. (Hg.): Die DDR in den deutsch-französischen Beziehungen, Brüssel 2013, S. 24f; vgl. Ulrich Pfeil: Die "anderen" deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949-1990, Köln 2004, S. 26, 30ff.

[5] Vgl. Kai-Uwe Hugger: Uses-and-Gratification-Approach und Nutzenansatz, in: Uwe Sander/Friederike von Gross/Kai-Uwe Hugger (Hg.): Handbuch Medienpädagogik, Wiesbaden 2008, S. 173-178.

[6] Vgl Isabelle Bourgeois: Le Monde, in: Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (Hg.): Mediendatenbank (URL: http://www.mediadb.eu/forum/zeitungsportraets/le-monde.html) 2012 (Zugriff: 4.04.2015; 17:24); vgl. Dominique Lormier: Histoire de la presse en France, Paris 2004, S. 82.

[7] Vgl. Pierre Albert/Fernand Terrou: Histoire de la presse, Paris 1970, S. 123; vgl. Lormier: Histoire de la presse en France, S. 37.

[8] Vgl. Albert/ Terrou: Histoire de la presse, S. 121; vgl. Lormier: Histoire de la presse en France, S. 44, 88.

[9] Vgl. Nina Schwarz: Mitarbeiter. Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk, (URL: http://www.bstu.bund .de/DE/Wissen/Forschung/Mitarbeiter/kowalczuk.html) (Zugriff: 20.03.2015, 17:14).

[10] Vgl. Carine Germond, Rezension von: Ulrich Pfeil: Die anderen" deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949-1990, Köln 2003, in: H-Soz-Kult, 2005, (URL: http://www.hsozkult.de/review/id/rezbuecher-3170?title=u-pfeil-die-anderen-deutsch-franzoesisch en-beziehungen&recno=16&q=ulrich%20pfeil&sort=newestPublished&fq=&total=22) (Zugriff: 20.03.2015, 17:28).

[11] Vgl. Karl Wilhelm Fri - Vorgeschichte und Verlauf, in: Roger Engelmann/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.): Volkserhebung gegen den SED-Staat, Göttingen 2005, S. 45; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 9; vgl. Gerhard A. Ritter: Der "17. Juni 1953". Eine historische Ortsbestimmung, in: Roger Engelmann/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.): Volkserhebung gegen den SED-Staat, Göttingen 2005, S. 21.

[12] Vgl. Fri, S. 47-53; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 9-20; vgl. A. Ritter: Der "17. Juni 1953", S. 21ff; vgl. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1949-1990, Bonn 2010, S. 27-31.

[13] Extrablatt der FDJ-Zeitung "Junge Welt“ vom April 1953: Propaganda-Ausgabe gegen die Junge Gemeinde, in: Hans Hermann Hertle: Dossier. Der Aufstand des 17. Juni 1953 (URL: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-einheit/der-aufstand-des-17-juni-1953/154325/der-weg-in-die-krise) 2013 (Zugriff: 4.04.2015, 15:47).

[14] Vgl. Fri, S. 50; vgl. Ilko-Sascha Kowalczuk: "Energisches 'Handeln' erfordert die besondere Lage". Politische Strafverfolgung vor und nach dem "17. Juni 1953", in: Roger Engelmann/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.): Volkserhebung gegen den SED-Staat, Göttingen 2005, S. 215f; vgl. Ilko-Sascha Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 18.

[15] Vgl. Fri, S. 48-51; vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 35ff.

[16] Weitere Faktoren, wie Demontagen und Reparationen, spielten ebenfalls eine Rolle für die Wirtschafts- und Versorgungskrise, die aus Platzgründen an dieser Stelle jedoch nicht genannt werden können und für das weitere Verständnis nicht von Notwendigkeit sind.: vgl. Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, S. 89ff.

[17] Im Mai 1953 betrug die Anzahl der Inhaftierten etwa 67.000. Fricke schätzt den Anteil der politischen Häftlinge auf etwa 30 bis 40 Prozent.: Vgl. Fri, S. 48; vgl. Knabe: 17. Juni, S. 53, 62; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 9-20; vgl. Ehrhart Neubert: Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989, Berlin 1997, S. 64-69; vgl. Ritter: Der "17. Juni 1953, S. 21ff.; vgl. Tobias Wunschlik: Die Befreiung der Gefangenen im Juni 1953, in: Roger Engelmann/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.): Volkserhebung gegen den SED-Staat, Göttingen 2005, S. 177f.

[18] Vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 34; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 20ff.

[19] Vgl. Friftn20">

[20] Vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 21f.

[21] Vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 59; vgl. Ritter: Der "17. Juni 1953", S. 24.

[22] Vgl. Friftn23">

[23] Vgl. Ritter: Der "17. Juni 1953", S. 24f.

[24] Vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 79f.; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 29f.

[25] Vgl. Fri, S. 54; vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 80f.; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 30f.; vgl. Wunschik: Die Befreiung der Gefangenen, S. 179-182.

[26] Zitiert nach Knabe: 17. Juni 1953, S. 119; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 38-42.

[27] Vgl. Friftn28">

[28] Vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 45; vgl. Neubert: Geschichte der Opposition, S. 81f.

[29] Vgl. Fri, S. 56; vgl. Ritter: Der "17. Juni 1953", S. 26f.; vgl. Bernd Stöver: Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947-1991, München 2007, S. 122.

[30] Vgl. Fri, S. 456.

[31] Vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 131-145, 152, 157f.

[32] Vgl. Torsten Diedrich: Waffen gegen das Volk - oder - Macht und Ohnmacht des Militärs. Neue Aspekte zur Niederschlagung des Volksaufstandes, in: Roger Engelmann/Ilko-Sascha Kowalczuk: Volkserhebung gegen den SED-Staat, Göttingen 2005, S. 67; vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 152f.; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 46-49; vgl. Neubert: Geschichte der Opposition, S. 82f.; Wunschik: Die Befreiung der Gefangenen, S. 186-196.

[33] Beispiele hierfür sind die Städte Görlitz, Niesky, Halle und Bitterfeld. Vgl. dazu Knabe: 17. Juni 1953, S. 201-231; vgl. Neubert: Geschichte der Opposition, S. 83f.; vgl. Heidi Roth: Der 17. Juni 1953 in Sachsen: Dier Erstürmung der MfS-Kreisdienststellen in Görlitz und Niesky, in: Roger Engelmann/Ilko-Sascha Kowalczuk: Volkserhebung gegen den SED-Staat, Göttingen 2005, S. 325-348.

[34] Vgl. Diedrich: Waffen gegen das Volk, S. 80; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 46; vgl. Loth: Der 17. Juni 1953 im internationalen Kontext, S. 40.

[35] Vgl. Diedrich: Waffen gegen das Volk, S. 82f.; vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 50ff.; vgl. Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, S. 30.

[36] Vgl. Kowalczuk: 17. Juni 1953, S. 50ff.

[37] Vgl. Knabe: 17. Juni 1953, S. 345.

[38] Vgl. Diedrich: Waffen gegen das Volk, S. 68f.; vgl. Ritter: Der "17. Juni 1953", S. 33.

[39] Vgl. Eckart Lohse: Östliche Lockungen und westliche Zwänge. Paris und die deutsche Teilung 1949 bis 1955, München 1995, S. 28f; vgl. Pfeil: Die "anderen" deutsch-französischen Beziehungen, S. 183, 241; vgl. Jörg Requate: Frankreich seit 1945, Göttingen 2011, S. 23, 26f., 43; vgl. Wolfgang Schmale: Geschichte Frankreichs, Stuttgart 2000, S. 363f.; vgl. Stöver: Der Kalte Krieg, S. 53.

[40] Vgl. Requate: Frankreich seit 1945, S. 31f., 42; vgl. Stöver: Der Kalte Krieg, S. 53.

[41] Vgl. Pfeil: Die "anderen" deutsch-französischen Beziehungen, S. 47; vgl. Requate: Frankreich seit 1945, S. 43; vgl. Stöver: Der Kalte Krieg, S. 53.

[42] Vgl. Chantal Metzger: Vierzig Jahre Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR, in: Dorothee Röseberg (Hg.): Frankreich und "Das andere Deutschland". Analysen und Zeitzeugnisse, Tübingen 1999, S. 19-27; vgl. Michel Cullin: Die französischen Sozialisten und die DDR, in: ebd.: S. 35f. vgl. Kwaschik/ Pfeil: Die DDR in den deutsch-französischen Beziehungen, S. 20; vgl. Ulrich Pfeil: Frankreich und der 17. Juni 1953, in: Heiner Timmermann (Hg.): Juni 1953 in Deutschland. Der Aufstand im Fadenkreuz von Kaltem Krieg, Katastrophe und Katharsis, Münster/Hamburg/London 2003, S. 91f.

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Details

Titel
Der "Aufstand des 17. Juni 1953" in der DDR im Spiegel französischer Tageszeitungen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
34
Katalognummer
V335852
ISBN (eBook)
9783668255777
ISBN (Buch)
9783668255784
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitungsanalyse, DDR, 1953, Tageszeitung, Frankreich, Aufstand, Medienberichterstattung
Arbeit zitieren
Maria Kock (Autor), 2015, Der "Aufstand des 17. Juni 1953" in der DDR im Spiegel französischer Tageszeitungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335852

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