Auswirkungen der Euro-Einführung auf den europäischen Handel


Seminararbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Motive für die Schaffung einer gemeinsamen Währung

3. Wie die Euro-Einführung den europäischen Handel beeinflusste
3.1. Der „Rose-Effekt“
3.2. Folgestudien und der tatsächliche Euro-Effekt auf den Handel

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Am 1. Januar 1999 wurde der Euro als Buchgeld eingeführt. Damit diente er anfangs lediglich zu Kontoführungszwecken. Am 1. Januar 2002 wurde der Euro schließlich zu feststehenden Wechselkursen als Bargeld eingeführt und ersetzte somit nationales Münzgeld sowie die entsprechenden Geldscheine. Aktuell wird der Euro in 17 Ländern als gesetzliches Zahlungsmittel verwendet.1 Ab dem 1. Januar 2014 darf Lettland als 18. EU-Land den Euro einführen.2

Die Euro-Einführung gilt nach wie vor als Jahrhundertprojekt und Meilenstein der europäischen Integration. Die Ziele hinter der Euro-Einführung waren u. a. das Wachstum des Binnenmarktes, die Preisstabilität in Europa sowie die Planungssicherheit für Handel und Investitionen durch z. B. die Eliminierung von Währungsrisiken. Ein großer und liquider Finanzmarkt sollte geschaffen werden.3

Die intuitive Erwartung, dass der Euro als Gemeinschaftswährung den Handel unter den EWWU-Mitgliedern stärkt/erhöht, hat sich wohl bestätigt, jedoch muss man konstatie- ren, dass es äußerst schwierig ist, die Handelseffekte des Euros zu messen und zu analy- sieren.4

Die vorliegende Arbeit greift diese Thematik auf und setzt sich mit den einschlägigen Studien und Arbeiten u.a. von Andrew Rose (2000) auseinander. In Absatz 2 erfolgt eine kurze Einführung in die Motive zur Schaffung einer Gemeinschaftswährung. Im folgenden Abschnitt werden die Erkenntnisse von Rose (2000) dargestellt (siehe 3.1). Seine Annahme, dass die Einführung einer Gemeinschaftswährung einen dreifach höhe- ren Handel zur Folge hat („Rose-Effekt“), gab Anlass zu einer Vielzahl weiterer Studi- en, die alle im Ergebnis weitaus geringere Effekte konstatierten. Um den Rahmen der vorliegenden Arbeit zu wahren, werden unter 3.2 nur einige ausgewählte Studien vorge- stellt.

Eine kurze Zusammenfassung und eine Einschätzung des Verfassers der vorliegenden Arbeit unter 4 bilden deren Abschluss.

2. Motive für die Schaffung einer gemeinsamen Währung

Der Euro als gemeinschaftliche europäische Währung spaltet die Bevölkerungen der Mitgliedsländer der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) seit seiner Einführung in Befürworter und Zweifler.5 Jüngst macht die 2013 gegründete Partei Alternative für Deutschlad (AfD) als Euro-kritische Partei auf sich aufmerksam und verzeichnet nennenswerte Zuläufe.6

Im Folgenden sollen daher die politischen und ökonomischen Motive für die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Währung dargestellt werden.

Die Regierungen der EG-Mitgliedsstaaten berieten sich bereits in den 1980er Jahren darüber, wie man den USA und Japan auf wirtschaftlicher und politischer Ebene begegnen könnte und kamen überein, die europäische Integration beschleunigen zu wollen. Daraufhin formulierten sie die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes sowie die Einführung einer gemeinsamen Währung als entsprechende Ziele. Die Ausgabe sowie die Steuerung des Geldes sollten durch eine neue europäische Institution - die Europäischen Zentralbank - durchgeführt werden. Die Gründung einer solchen zentralen europäischen Institution sollte zudem die Stellung der Deutschen Bundesbank im damaligen Europäischen Währungssystem (EWS) abschwächen.7

Aus ökonomischer Sicht ist eine gemeinsame europäische Währung vor allem interessant, da es in einem integrierten gemeinsamen Markt mit nationalen Währungen, sprich ohne eine gemeinsame Währung, immer wieder zu Reibungen in Bereichen der Güter-, Dienstleistungs- und/oder Kapitalmärkten kommt. Unterschiedliche geld-, lohn- und finanzpolitische Ansätze führen zwangsläufig zu Spannungen, wie das Scheitern des EWS letztlich auch bewiesen hat.8

Darüber hinaus entfallen durch eine standardisierte Währung Transaktionskosten in Form von Umtausch- und Wechselkurssicherungskosten, so dass man annehmen darf, dass eine Gemeinschaftswährung den Handel der Mitgliedsstaaten untereinander för- dert.9

Ein noch größerer Effekt als auf den Realmärkten wurde im Finanzsektor und im Be- reich der Direktinvestitionen erwartet, was auf entsprechende Größenvorteile im Finanzmarktbereich zurückzuführen ist.10

Ein weiteres ökonomisches Motiv zur Schaffung einer gemeinsamen europäischen Währung ist der Gedanke, dass durch die entfallenden Transaktionskosten und die gleichzeitig steigende Markttransparenz die Risikoprämien in den Zinsen der einzelnen Länder sinken, was sich wiederum positiv auf Investitionen und letztlich das Wachstum auswirkt.11

3. Wie die Euro-Einführung den europäischen Handel beeinflusste

3.1. Der „Rose-Effekt“

Andrew K. Rose von der University of California in Berkeley veröffentlichte 2000 seine Arbeit „One Money, One Market: Estimating the Effect of Common Currencies on Trade”, in welcher er die Ergebnisse seiner Untersuchung von Gemeinschaftswährungen auf den internationalen Handel darlegt.12

In Rahmen seiner Studie untersuchte Rose (2000) mittels eines erweiterten Gravitäts- modells die Effekte von Wechselkursvolatilitäten sowie Währungsunionen auf den bila- teralen Handel. Der von ihm verwendete Datensatz umfasste 186 Länder, deren Han- delsaktivitäten er in fünf verschiedenen Jahren im Zeitraum von 1970 bis 1990 entspre- chend beobachtete.13

Das originäre Gravitätsmodell etablierte sich in den letzten Jahrzehnten als gängigste und beste Methode zur Quantifizierung von Handelseffekten.14 Dabei sind das BIP (Größe) der jeweiligen Handelspartner sowie deren Entfernung (Distanz) zueinander die entscheidenden Faktoren, wodurch sich auch der Name des Modells erklärt.15 Rose (2000) hingegen erweiterte das Gravitätsmodell, um eine Vielzahl weiterer Faktoren.16 Im Rahmen seiner Untersuchung lagen Rose (2000) 330 Beobachtungen von Handels- aktivitäten zwischen zwei Ländern mit der gleichen Währung vor. Bei diesen Ländern handelte es sich zumeist um kleine und/oder arme Länder, im Gegensatz zu den damali- gen elf Mitgliedsländern der EWWU, weshalb Rose (2000) feststellt, dass seine Ergeb- nisse nicht ohne Weiteres auf die EWWU übertragbar seien.17

Rose (2000) belegt, dass sowohl zwischen BIP, BIP pro Kopf, Einkommen pro Kopf sowie flächenmäßiger Größe eines Landes und Handelsvolumen ein positiver Zusammenhang besteht, während sich eine größere geografische Distanz zwischen den Handelspartnern negativ auf den bilateralen Handel auswirkt. Des Weiteren beeinflussen gemeinsame Landesgrenzen, gleiche Sprache oder entsprechende Handelsabkommen den Handel zwischen zwei Ländern ebenso positiv.18

Darüber hinaus bestehen zwischen ehemaligen Kolonien und deren Kolonisatoren oder Ländern mit den gleichen Ex-Kolonisatoren überdurchschnittlich intensive Handelsbe- ziehungen. Dieser Effekt, dass Länder zu Handelsaktivitäten mit Ländern neigen, die große Ähnlichkeiten oder Gemeinsamkeiten aufweisen, wird in der Literatur als „home bias“ bezeichnet.19

Von oben genannten Faktoren abgesehen, beschreibt Rose (2000) den Einfluss des je- weiligen Währungsregimes auf den Handel. Er postuliert einen mehr als dreimal so ho- hen Handel zwischen Ländern, die die gleiche Währung verwenden im Vergleich zu Handelspartnern mit unterschiedlichen Währungen. Dieser außerordentlich große posi- tive Effekt auf den bilateralen Handel sei weitaus bedeutender als der Effekt einer Re- duzierung der Wechselkursvolatilitäten zwischen Handelspartnern mit unterschiedlichen Währungen.20

Dieser beachtliche und aufgrund seiner Größenordnung beinahe unglaubliche Effekt einer gemeinsamen Währung auf den bilateralen Handel wird in der späteren Literatur als „Rose-Effekt“ bezeichnet und ist Grundlage einer Vielzahl von Kommentaren, Kri- tiken und Folgestudien, wie auch Richard Baldwin 2006 in seinem Werk „The Euro’s Trade Effects“ festhält.21

[...]


1 Vgl. URL: http://www.ecb.int/euro/intro/html/index.de.html [abgerufen am 10.08.2013 um 17:11 Uhr]

2 Vgl. Spiegel Online vom 09.07.2013, URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro- finanzminister-lettland-darf-den-euro-einfuehren-a-910294.html [abgerufen am 12.08.2013 um 15:32 Uhr].

3 Vgl. Becker (2008), S. 3.

4 Vgl. ebenda, S. 8.

5 Vgl. Junius et al. (2002), S. 4.

6 Vgl. Handelsblatt Online vom 01.08.2013, URL: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundestagswahl-2013/deutsche-bank-studie-euro- skeptiker-koennten-an-einfluss-gewinnen/8580104.html [abgerufen am 05.08.2013 um 20:39 Uhr]

7 Vgl. Junius et al. (2002), S. 8.

8 Vgl. ebenda, S. 6.

9 Vgl. ebenda, S. 7.

10 Vgl. Junius et al. (2002), S, 7.

11 Vgl. ebenda, S. 7 f.

12 Vgl. Rose (2000), S. 1 f.

13 Vgl. ebenda.

14 Vgl. Anderson (1979), S. 106.

15 Vgl. ebenda; vgl. Anderson, van Wincoop (2001), S. 1; vgl. Rose (2000), S. 10.

16 Vgl. Rose (2000), S. 9 f.

17 Vgl. Rose (2000), S. 11.

18 Vgl. ebenda, S. 13.

19 Vgl. ebenda.

20 Vgl. ebenda, S. 14.

21 Vgl. Baldwin (2006), S. 7.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Euro-Einführung auf den europäischen Handel
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,0
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V336018
ISBN (eBook)
9783668259959
ISBN (Buch)
9783668259966
Dateigröße
1092 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euro, Euro-Einführung, Handel, Europäischer Handel, Preisstabilität, Andrew Rose
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Auswirkungen der Euro-Einführung auf den europäischen Handel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336018

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