Projekt „Be a hero“. Helden als Vorbilder der Jugendkultur im Kunstunterricht


Magisterarbeit, 2013

82 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Prolog - Helden als notwendiges Konstrukt zweier paralleler Welten

II. Grundlegende Klärung: Was heißt „Held“? Gibt es die eine Heldenvorstellung überhaupt?
II. 1. Die Bedeutung von „Held“
II. 2. Der Wandel der Bedeutung des Heldenbegriffs als multifaktorielles Erscheinungsbild - Der Versuch einer schematischen Darstellung

III. Heldenrollen im Wandel der Zeit: Die Dialektik von Heldencharakter und gesellschaftlichen Wandel - Eine phänomenologische Betrachtung
III. 1. Der Ursprung des Helden im Mythos der Antike
III. 2. Der Aufstieg des Christenhelden Jesus Christus
III. 3. Der fromme Held Ritter Siegfried?
III. 4. Kriegshelden und Staatsdiener als Wegbereiter der Superhelden und Idole
III. 5. Die Medialisierung der Helden: Medienhelden - Helden der (Post)Moderne
III. 6. Die Virtualisierung der Welt: Helden der Zukunft

IV. Die Lichtung des Maskulinen durch die Emanzipation der Frau: Heldinnen und ihr Kampf um Anerkennung

V. Heldenmoral - Das Moralkonstrukt der Helden zwischen Affektion und Vernunft

VI. Helden des Alltags als Vorbilder für das Weltbild des Heranwachsenden - Ein Erziehungsauftrag
VI. 1. Die Erziehungsrolle der Eltern und die Bedeutung von Geschwistern
VI. 2. Lehrer/innen als Erziehungsberechtigte des 21. Jahrhunderts?

VII. Medienhelden: Ergebnisse der aktuellen Forschung zur Vorbildrolle der Helden aus den Medien
VII. 1. Medienhelden als Vorbilder in der Kindheit
VII. 2. Medienhelden als Vorbilder der Jugend

VIII. Ein entwicklungspsychologischer Überblick vom Kind bis zum jungen Erwachsenen: Kognition - Moral - Vorbildrolle

IX. Die Identitätsbildung im Jugendalter: Die Bedeutung von Helden im Identitätsbildungsprozess der Jugendlichen

X. Projekt: Be a hero
X. 1. Was ist Projekt-Unterricht?
X. 2. Didaktische Überlegungen - Didaktische Konzeptionen
X. 3. Eine Unterrichtseinheit über Helden im Comic
X. 3. 1. Ablauf
X. 3. 2. Begründung
X. 3. 3. Reflexion
X. 4. Eine Projektsequenz über Helden im Comic
X. 4. 1. Ablauf
X. 4. 2. Begründung
X. 4. 3. Reflexion
X. 5. Überlegungen zu performativen Herangehensweisen im Umgang mit der Thematik „Ein Held sein“

XI. Epilog - Zusammenfassung

XII. Literaturverzeichnis

XIII. Abbildungen

XIV. Abbildungsverzeichnis

XV. Anhang
XV. 1. Arbeitsblätter
XV. 2. Tafelbilder
XV. 3. Didaktische Pläne

I. Prolog - Helden als notwendiges Konstrukt zweier paralleler Welten

Aus den Schornsteinen der Waffenfabriken steigen schwarze Rauchwolken auf und verfinstern den Himmel. Häuser sind ausgeplündert und angezündet. Menschen hungern und sind ohne Obdach. Abends herrscht Ausgangssperre. Feste, Versammlungen, Musik und Kunst sind verboten. Zuwiderhandeln wird geahndet. Homosexuelle, Gläubige und Arbeits- sowie Kriegsverweigerer werden weggesperrt oder hingerichtet. Die Steuern werden zum gro ß en Teil für Staatsbankette und private Vergnügungen der Staatsführung verwendet. Schulen wurden schon vor langer Zeit wegen der Einsturzgefahr durch Bombeneinschläge geschlossen. Die Frauen und Mädchen arbeiten in den Waffenfabriken und die Männer und Jungen ziehen in den Kampf für den Herrscher. Gekämpft wird bis zum letzten Mann im Krieg um die Machtüber die letzten Ö lvorräte, nicht um Freiheit.

Eine solche Weltbeschreibung verweist auf eine Fiktion, eine Utopie ohne Helden, ein „Antitopia“. Hierzu soll als Kontrast die umgekehrte Polarität einer Super-Utopie1 aufgezeigt werden, welche Helden als allgegenwärtig und omnipräsent beschreibt.

Industrie spielt keine Rolle. Atomkraft und fossile Brennstoffe sind zur Bewahrung der Natur verboten. Man lebt in Eintracht mit der Natur. Jeder hilft jedem. Niemand muss hungern und dürsten. Es gilt das Prinzip der Nächstenliebe als oberstes Leitbild der menschlichen Weltbev ö lkerung. Das Staatsoberhaupt wird demokratisch von einer Mehrheit gewählt. Seine Aufgabe ist nur Repräsentanz und Verkündung von Volksentscheiden. Die eigentlichen Entscheidungen liegen beim Volk, das durch Mehrheitsentscheideüber diverse Themen entscheidet. Arbeit gründet sich auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und der Solidarität. Jeder arbeitet, weil er einen Beitrag für die Gesellschaft leisten will. Steuerliche Verpflichtungen an sich gibt es nicht, weil jeder einen Beitrag für die Gesellschaft leistet, indem er bestimmte Aufgabenübernimmt. Geld hat nur eine untergeordnete Rolle, weil alles nach dem Prinzip der Zweckm äß igkeit funktioniert. Kriege sind ein Fremdwort in dieser Welt, weil Grenzen nur zur Gebietsverwaltung und nicht zur Abgrenzung gegen andere Kulturen dienen.

Die erste Welt ist eine zu meidende und die zweite eine wünschenswerte Welt. Unsere Zivilisation befindet sich zwischen diesen beiden Paralleluniversen. Hierbei sei darauf verwiesen, dass sich einige Kulturen mehr einem diktatorischen Weltbild wie in der ersten Beschreibung annähern, z. B. Iran und Russland. Demgegenüber weisen einige Kulturen ein hohes Vorbildpotential im Sinne des zweiten beschriebenen Weltentwurfs auf, z. B. Norwegen. Bei den beiden aufgeführten Utopien sind zwei konträre Heldenkonstruktionen vorstellbar. Zum einen der Antiheld und zum anderen der Alltagsheld. Wie zeigen sich nun Helden wirklich in unserer Welt?

Macht bedeutet Geld. Alltagshelden sind sowohl arm als auch reich. Ihre guten Taten bleiben meistens ungeachtet oder werden durch die Medien im entgegengesetzten Sinn gedeutet. Politiker entscheiden nicht ausschlie ß lich für das Volk, sondern auch für die lukrativste Interessensgruppe. Im Film verhindern diverse Heldendarstellungen, von tragisch bis superutopisch, die Missstände in der Welt, auch gegen den drohenden Weltuntergang. Dabei scheitern sie auch, so wie im realen Leben die Schauspieler, die sie spielen. Soldaten fallen im Krieg gegen den Terror und geraten in Vergessenheit. Linksextremismus kämpft in Demos gegen Rechtsextremismus. Tiere verenden an den Folgen von Verschmutzung und Klimawandel, trotz Greenpeace und anderen Hilfsorganisationen. Helden sindüberall und nirgendwo, bedeutend und unbedeutend, sch ö n und hässlich, lebendig und tot.

Eine solche Welt ist eine Welt mit guten und schlechten Vorbildern. Sie ist mit Hoffnung gespeist sowie geschürt von Missgunst und Angst. Dennoch erscheint sie nicht so unreal wie die zweite Welt, welche zu schön klingt, als dass sie wahr sein könnte. Außerdem ist sie zwar teilweise grausam, aber nicht so traurig und hoffnungslos wie der erste Weltentwurf von „Antitopia“. D. h. unsere Welt ist eine Welt geprägt von Protagonisten und Antagonisten. Dieser Dualismus treibt unsere Welt an.

Dennoch, um dem ersten Weltentwurf einer Anti-Welt entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass Jugendliche Vorbilder haben, weil in ihnen unsere Zukunft liegt. Schlechte Vorbilder können dazu führen, dass sich der erste Weltentwurf verwirklicht. Demgegenüber führen gute Vorbilder zur Entwicklung von kritischen Menschen, die unsere Welt in die Richtung eines Ideals, der Super-Utopie, führen. Hierbei erscheinen Helden als Vorbilder der Jugendkultur angemessen, weil sie eine Brücke von „Antitopia“ zu „Utopia“ darstellen.

Hieran schließen sich folgende Fragen, welche in dieser Arbeit thematisiert werden: Wer sind Helden? Wodurch zeichnen sie sich aus? Welche Bedeutung haben Helden für die Heranwachsenden? Wie kann man die Helden der Jugendkultur im Kunstunterricht zur Entwicklung der Heranwachsenden nutzbar machen?

Im ersten Schritt soll auf die Frage nach der Bedeutung des Heldenbegriffs eingegangen werden, wobei auch Parallelen zu ähnlichen Begriffen in einem Schaubild aufgezeigt werden. Danach wird eine phänomenologische Betrachtung von verschiedenen Heldentypen vorgenommen, wobei das Heldenbild der Antike den Ausgangspunkt markiert. Weiterhin werden Christus, Siegfried der Ritter, der Kriegs- und der Superheld, das Idol, der Medienheld und der Avatar auf ihre Bedeutung als Heldengestalten hin untersucht. Im Anschluss wird gesondert die Rolle der Frau in Hinblick auf Heldenbilder thematisiert. Der vierte Schritt dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Moral des Helden, wobei eine Schematisierung im Hinblick auf supererogatorisches Handeln und ausgewählte philosophische Theorien erfolgt. Daraufhin geht es um die Vorbildrolle als Erziehungsauftrag. Dabei wird zum einen die Erziehungsrolle der Eltern und Geschwister sowie der Lehrer untersucht. Im sechsten Schritt wird das Phänomen der Medienhelden als Vorbilder ins Visier genommen, wobei auf aktuelle Forschungsberichte und Studien eingegangen wird, welche die Wirksamkeit dieser Vorbilder für die Entwicklung der Heranwachsenden im Kindes- und Jugendalter untersuchen. Anschließend wird ein Überblick über die Entwicklung des Kindes zum jungen Erwachsenen gegeben. Im vorletzten Schritt stellt sich die Frage nach der Identitätsbildung. Zum Schluss geht es um die Frage der Nutzbarmachung von Heldenideologien von Jugendlichen für den Kunstunterricht. Hierbei werden zwei konkrete Unterrichtsstunden und ein Projektansatz zum Thema Helden veranschaulicht sowie ein Ausblick auf eine mögliche Weiterführung dieser Thematik im Hinblick auf die Identitätsentwicklung von Jugendlichen gegeben, wobei das Augenmerk auf performativen Herangehensweisen liegt.

II. Grundlegende Klärung: Was heißt Held? Gibt es die eine Heldenvorstellung überhaupt?

Im Folgenden soll eine differenzierte Betrachtung des Wortes „Held“ erfolgen. Hierbei werden etymologische Herkunft und Wortwandel durch differenzierte Nutzungen des Wortes „Held“ eine zentrale Rolle spielen.

II. 1. Die Bedeutung von „Held“

Das mittelhochdeutsche Wort „helt“ stammt vom althochdeutschen „hal“ ab. „Hal“ leitet sich von „helan“ ab, was „verbergen“ bzw. „bedecken“ bedeutet. Der „Häle-Mann“, der Held, war demnach ein „bekleideter Krieger“.2 Ursprünglich bedeutete Held auch nur „Mann“, was sich „von der allgemeinen Wehrhaftigkeit“3 herleitete. Aber mit der Zeit weitete sich der Begriff und erfuhr eine Erweiterung auf alle Menschen und verschiedene Lebensbereiche: Ein Held ist

1. „jemand, der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt oder eine ungewöhnl[iche], bewunderungswürdige Tat vollbringt“;
2. „im allgemeinen Sinn Hauptperson und Handlungsträger in einem literar[ischen] (epischen oder dramat[ischen]) Werk“4, aber auch im Film;5
3. „jemand, der sich durch außergewöhnliche Tapferkeit im Krieg auszeichnet und durch sein Verhalten zum Vorbild wird“6 ;
4. jemand, „der auf irgendeinem Gebiete etwas Ausgezeichnetes, Hervorragendes geleistet hat.“7

Hagen Bonn verweist im Besonderen darauf, dass Helden nicht einfach hergestellt werden können, sondern „von der Masse getragen und akzeptiert“ werden müssen: „[E]s braucht die Verehrung und emotionale Verbundenheit derer, die [den Helden] anerkennen.“8 Insofern werden Personen durch ihren Ruhm, den sie durch ihre besonderen Tätigkeiten erlangen, von ihren Fans zu Helden erhöht.9

II. 2. Der Wandel der Bedeutung des Heldenbegriffs als multifaktorielles Erscheinungsbild - Der Versuch einer schematischen Darstellung

Die Übergänge zwischen „Held“, „Vorbild“ und „Idol“ sind fließend.10 Diese Begriffe sind nicht eindeutig voneinander abzugrenzen. Dies lässt sich durch den Einfluss der Medien erklären, welche selbst eine offensive Vermischung der Heldenvorstellungen vornehmen. Grundsätzlich sind bestimmte Vorstellungen zu einem Begriff immer von der jeweiligen Zeit und den in ihr lebenden Menschen abhängig und werden dadurch geprägt. Auch der Heldenbegriff unterliegt dementsprechend dem Wandel der gesellschaftlichen Strukturen und Ideologien.

In der folgenden Darstellung wird ein erweitertes Verständnis des Heldenbegriffs visualisiert, wobei aktuelle und vergangene Heldenvorstellungen zusammen in den Blick genommen werden sollen.11 Die rot dargestellten Begriffe entsprechen unserem derzeitigen Verständnis eines Helden. Die blauen Linien stehen für Querverbindungen. Eine genauere Ausführung zum Wandel der Heldenrolle erfolgt im nächsten Kapitel. Dabei wird auf das Wesen des Helden zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Gesellschaftsstruktur im Detail eingegangen.

III. Heldenrollen im Wandel der Zeit: Die Dialektik von Heldencharakter und gesellschaftlichen Wandel

„Sicher ist, es finden sich in der gesamten Menschheitsgeschichte Heldenwesen. Menschliche, göttliche und auch allerlei Zwischenstufen davon.“12 Im Folgenden wird eine phänomenologische Übersicht vom antiken Heros, über den Gottessohn Christus, den christlichen Ritter, den Kriegsheld, den Staatsdiener, den Superheld, das Idol, bis zum Medienheld und Avatar gegeben. Durch diesen Abriss über den Wandel der Heldenvorstellungen soll verdeutlicht werden, wie sich dieselben von göttlich zu banal und individuell verändert haben.

III. 1. Der Ursprung des Helden im Mythos der Antike

Heroen waren Halbgötter13 und wurden als Götter verehrt. Als Halbgötter mussten sie „ ununterbrochen, flexibel und kontextsensitiv im dynamischen Gleichgewicht zwischen Gesetz und Zufall, Ordnung und Chaos, Strukturzwang und Freiheit, Berechnung und Spontaneität, hin- und herpendeln.“14

Gottlieb Guntern verweist auf die besonderen Aufgaben der Helden, welche sterbliche Menschen durch ihre Beschränktheit nicht lösen konnten.15 Sie verfügten über eine besondere „strategische Sachkompetenz“16 zur Problemlösung. Daher seien sie „Leadershipfiguren“17. Sie traten immer dann in Erscheinung im Kampf gegen einen Tyrannen, wenn das Elend einer gesellschaftlichen Ordnung zu groß wurde.18

Helden sind „zweimal Geborene[]“19, weil sie eine Metamorphose vom Gehandicapten über den Rüpel hin zum wahren Helden durchlaufen. Der Held begibt sich meistens auf eine Reise, eine Suche nach etwas oder jemanden, wozu er seine „Alltagswelt“20 verlassen muss. Der reisende Held in den Abenteurerreisen zu unbekannten Außenwelten ist eine Metapher für die „Reise in die fremde eigene Innenwelt“21. Herkules, auch Herakles genannt, begegnete als junger Mann zwei Frauen, „Tugend“ und „Genuss“, welche um seine Gunsten warben: „Genuss“ bot ihm ein bequemes Leben, wogegen „Tugend“ ein Leben der Anstrengung und Mühe anpries, an dessen Ende ihm Ruhm als Aussicht geboten würde.22 Guntern fasst die Metamorphose des Helden als einen Grundzyklus von mehreren Stadien zusammen: „Krise, Initiation, Tod, Wiedergeburt; Trennung, Vorstoß zu einer außergewöhnlichen Kraftquelle, Rückkehr mit einer energiespendenden Lebensmethode.“23

Wie wurde man in der Antike wirklich ein Held? Cäsaren bzw. Kaiser des römischen Reiches erhoben sich meistens nach einem Triumph über andere Völker oder bereits zu Amtsantritt. Sie erbauten sich zu Lebzeiten Triumphbögen und ließen Selbstbildnisse aus Stein anfertigen. Zudem sahen sie sich als Götter und wollten auch als solche verehrt werden.24 Alexander der Große oder Kaiser Commodus verstanden sich selbst als neuer Herkules und sprachen sich göttliche, „herkulische“ Eigenschaften zu.25 In diese Fußstapfen traten auch Napoleon, Mussolini oder Karl der Große, welche sich als göttlich erachteten. Der normale Bürger konnte kein Held werden. Er musste entweder dem Cäsarengeschlecht entsprungen sein oder als Gladiator im Kampf triumphieren. Ein siegreicher Gladiator erfuhr unter Umständen ein Denkmal aus Stein, wodurch er die ruhmreiche Unsterblichkeit erfuhr, wonach viele strebten.

III. 2. Der Aufstieg des Christenhelden Jesus Christus

Jesus als Held26 sei ein „wunderbarer, tugendhafter nahezu göttlicher Mensch“.27 Laut Guntern gilt Jesus Christus als „universelle[r] Held“, weil er „eine Botschaft für die ganze Welt“28 brachte. Er wird hauptsächlich wegen seiner Wunderkraft verehrt, die Göttliches verkörpert.29 Sein Märtyrertod wurde als glorreicher Sieg umgedeutet, wobei der Gottessohn sich für die Sünden der Menschen opferte.30 Dadurch wurde er zum Messias und Heiland der Christen.31 Außerdem erfuhr Jesus durch seinen Gehorsam und seine Selbsterniedrigung eine

Erhöhung: „Er, der in göttlicher Gestalt war, […] entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und […] erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht“32. Die Menschen die seinem Vorbild folgten, die „imitatio Christi“33 betrieben, wurden durch ihr Martyrium zu Heiligen, welche unter Christen wie Helden verehrt wurden. Menschen, die an Jesus glauben, die Christen, konnten also selbst Erhöhung erfahren bzw. Helden werden, indem sie dem Vorbild von Jesus als Wundertäter und Helfer der Kranken und Schwachen folgten oder im äußersten Fall zu Märtyrern wurden.

III. 3. Der fromme Held Ritter Siegfried?

Im 10. Jahrhundert setzte sich ein neues Leitbild für die adelige Männlichkeit durch: Der „Miles Christi“34. Der „miles Christi“35, das Ideal des christlichen Ritters, sollte den adeligen Krieger ablösen. Die neue Männlichkeitsvorstellung beinhaltete zwar immer noch, dass der Krieger mit Gewalt, auch der Lizenz zum Töten, regieren durfte, aber nun war er an die Ziele der Kirche gebunden: Die Waffen durfte er nur zur Wahrung von Frieden und Recht, aber auch zum Schutz der Armen, der Bedrängten, der Kirche sowie des christlichen Glaubens einsetzen.36 Damit bewirkte das neue Ideal des „miles Christi“ die Kontrolle und Disziplinierung des Aggressionstriebes des adeligen Kriegers.37

Siegfried38 ist eine Figur der heroischen Volksdichtung, nämlich des Nibelungenlieds aus dem 12. Jahrhundert. Seine großen Taten waren die Tötung des Drachen Fafnir und des Zwergen Alberich den Hort. Er verkörpert trotzdem nicht das Ideal des „miles Christi“ wegen seines Einzelgängertums und seiner Tragik.39 Dennoch gilt Siegfried als „nationale[r] Held“, weil er „eine Botschaft fürs eigene Volk“40 brachte.

Mit der Zeit änderte sich das Bild vom tragischen Siegfried zum „sonnigen Held“, einer „Dichotomie vom Kampf des Lichtes gegen die Finsternis“41. 1918 wurde im Kaiserreich die Verteidigungslinie zum Rückzug „Siegfriedlinie“ genannt, was aber den Feind nicht sonderlich beeindruckte.42 Der Held aus Xanten galt als Idealbild des Deutschen und wurde auch als Vorlage des Herrenmenschen im Nationalsozialismus missbraucht.43 sie gestorben und auferstanden ist. So kennen wir von jetzt ab niemanden mehr auf fleischliche Weise; […]. […] Das Alte ist vergangen; siehe da, Neues ist geworden.“ 2. Kor 5, 14-17.

III. 4. Kriegshelden und Staatsdiener als Wegbereiter der Superhelden und Idole

Schon früh wurde die sog. Hitlerjugend darauf getrimmt ihrem Land zu dienen. Das „Deutsche“ wurde als ein arisches Ideal vermittelt. Andersartigkeit sollte nicht geduldet werden und wurde es auch nicht. „Heldentum“ verstand sich als Opferbereitschaft für „Hitlerdeutschland“44. Ein Held war unter Hitler nur eine Ressource, ein Mittel zum Zweck, insofern ein Leibeigener, der sein Leben für einen „Irren“ aufgab: Ein Kriegsheld.45 Die Mütter der Kriegshelden waren insofern „Heldenmütter“, weil sie ihre Söhne zu Kriegshelden erziehen sowie „für Führer, Volk und Vaterland zu opfern“46 hatten. Eine Konsequenz dieser kritischen Umstände war die Entstehung des Superhelden-Comics.

„Superman“ war 1938 der erste Comic-Superheld.47 Der Titel kann in seinem ideologischen Gehalt als “Übermensch” übersetzt werden. Eine Bezeichnung, welche aus dem Gedankengut von Friedrich Nietzsche entsprungen war und die Befreiung vom affektiven Tierreich und der Göttermoral bedeutete. Es erscheint hierbei „Superman“ als Gegenkonstrukt zum arischen Übermensch.48 Daher verwundert es nicht, dass Comic-Superhelden in fiktiven Kriegen gegen Superschurken49 wie Hitler kämpften.50 Hierbei zeigen sich Parallelen zum Kampf der Amerikaner gegen Deutschland und dessen Alliierte.

Comic-Superhelden entstanden als Reaktion des „Gesamtwillen[s] einer Gesellschaft“51. Sie dienten und dienen zur „Weltflucht“52. Bonn spricht von einem „Nährboden“ für Superhelden, Außerdem waren die Nibelungen im Unterricht zur Nazizeit eine beliebte Lektüre für „rassenbewusstes Denken“. Vgl. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 98. der durch diverse Schicksalsschläge begünstigt wurde: „Wenn wir die widersprüchliche Zeit nach dem 1. Weltkrieg, die schwere Weltwirtschaftskrise und die Not der Menschen mit ihrer Heilserwartung und ihrer Hilfsbedürftigkeit verbinden, entsteht der Nährboden, der Superführer wie Superhelden erst möglich machen kann.“53 Superhelden unterscheiden sich von Helden dadurch, dass sie ihre besonderen Kräfte von „außerhalb der Welt“54 beziehen. D. h. sie unterliegen nicht wie die normal-sterblichen Helden den Naturgesetzen. Aber sie sind auch keine metaphysischen Wesen wie Gott.

In östlichen Ländern gab es keine Comics mit Superhelden, weil sie aufgrund ihres bürgerlichen Charakters nicht gern gesehen waren.55 Eher ließen sich die Staatschefs selbst wie Superhelden feiern.

Dafür kann aber jemand zum Held werden, „der auf seinem Gebiet Hervorragendes, gesellschaftlich Bedeutendes leistet“56. Hierbei ist auf den Ehrentitel des „Helden der Arbeit“ zu verweisen, der auf Parteitagen oder in Großbetrieben verliehen wurde. In der UdSSR war damals der Ehrentitel „Held der Sowjetunion“ die höchste zu verleihende Auszeichnung. Mit diesem Titel wurden „persönliche oder kollektive Heldentaten für Staat und Gesellschaft“57 gewürdigt. Diesen Staatssystemen war die Erhöhung eines getreuen Bürgers zu einem Helden gemein. Diese Ehrung wurde natürlich nur solchen Menschen zuteil, welche sich staatskonform verhielten. Also ähnlich wie bei Hitler konnte nur jemand ein Held sein, welcher besonders treu gegenüber seinem Führer und den vertretenen Werten sowie Normen des entsprechenden Staatsapparates war. Ein Modell, wie es heute noch in Russland unter Putin und diversen anderen diktatorischen Staatsordnungen anzutreffen ist.

Dennoch gab es Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts auch Personen, welche offensichtlich Helden waren, insbesondere weil sie sich nicht staatskonform verhielten. Der Geistliche Martin Luther King setzte sich Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts als Anwalt der Afroamerikaner gegen das Rassentrennungsgesetz ein: „Wir wollen nicht den Triumph über die weiße Bevölkerung. […] Wenn es uns gelingt, gewaltlos zu sein in Worten und Taten, wird eine Gesellschaft ohne Rassengrenzen entstehen, deren Grundlage die Freiheit für alle ist.“58 Sein Marsch nach Washington mobilisierte Millionen von Afroamerikanern.59 Seine Ermordung durch einen Faschisten, einen Anhänger der Rassentrennung, machte ihn zu einem

Wahl: Drogen, Religionen, Vereinstätigkeit, Ablenkung durch Massenmedien, Flucht in unsere Arbeit, das Versinken im Hobbykeller und vieles mehr bieten sich an.“ Bonn 2011, S. 72. „In Umbruchsituationen und Krisen ist der Boden für die Entfaltung von Mystizismus, Irrationalismus und Weltflucht besonders fruchtbar. Der Mensch sucht von jeher Sicherheit, Sinn, Frieden und ein von Leid befreites Leben. Diese Suche ist ein natürlicher und nicht unwesentlicher Motor der menschlichen Existenz. Produktiv verfolgt, sichert Fortschritt und begründet unsere Humanität.“ Bonn 2011, S. 74.

Symbol der Bürgerrechtsbewegung mit dem Ziel der „geliebten Gemeinschaft“60. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Indien der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Mahatma61 Gandhi führte Indien in die Unabhängigkeit von den Kolonialmächten, den „Weißen“: „Wir alle sind in erster Linie menschliche Wesen und müssen auf der Basis dieser nackten Voraussetzungen miteinander in Beziehung treten.“62 Er vertrat eine asketische Lebenslehre und entwickelte eine Methode zum Lösen sozialer und politischer Konflikte: „satyagraha“.63 Auch ihn ereilte das Schicksal einer Ermordung durch einen fanatischen Hindu, wodurch er zum Symbol des gewaltfreien Widerstandes und eines befreiten Indiens wurde.

Ihr gemeinsamer Wesenszug ist, dass sie als Führungspersönlichkeiten64 zu Idolen65 wurden, weil sie von der Norm abwichen und mehr als die allgemeine Pflicht taten66 sowie eine größere Menge von Menschen für Ihre Ideologien begeistern konnten. D. h. sie wurden selbst ein Mythos, so wie einst Herkules, der sich gegen die Hydra stellte. Nur kämpften sie nicht gegen Monster, sondern gegen die Unmoral und Ungerechtigkeit, die von Menschen ausging.

III. 5. Die Medialisierung der Helden: Medienhelden - Helden der (Post)Moderne

Mit der Entstehung des Kinos und Fernsehens bildeten sich erstmals Heldenbilder, die nicht auf direkter Begegnung, mündlicher Überlieferung oder dem Lesen von Büchern und der Zeitung beruhten. Bereits Bücher stellten „Brücken“, was „Medien“67 übersetzt heißt, dar, aber sie beruhten noch auf einem höheren Grad der kognitiven Anstrengung durch den Akt der lesenden Aneignung. Demgegenüber sind Funkmedien wie Radio und Fernsehen leichter zu „verdauen“, weil sie einen passiven Betrachter und Zuhörer voraussetzen, der sich von Geschehnissen aus der Ferne „berieseln“ lässt. Das Fernsehen ist aber dem Radio gegenüber direkter in der Reproduktion einer empfangenen Realität, weil hierbei der Ton durch ein Bild unterstützt wird, wobei das Radio noch ein kognitiven Prozess der Einbildungskraft des Gegenübers voraussetzt, weil dieser nicht visuell präsent ist.

Durch die „modernen Massenmedien und die Individualisierung der Lebensläufe […] [wurde] dazu beigetragen, dass es heute unwahrscheinlich viele verschiedene Vorbildpersönlichkeiten gleichzeitig gibt.“68 Heute sprechen wir nicht mehr von Held69, höchstens in der Kommunikations- und Medienwissenschaft von „Medienheld“, wobei das Spektrum von realen bis fiktionalen Figuren der Medienwelt reicht. Wir verwenden eher die Begriffe „Promi“70, „Star“71 oder „Celebrity“72, aber nicht trennscharf.73 Idole74 sind der Jugend von heute nicht mehr großartig bekannt, weil ihr geschichtliches Verständnis auf dem Nachmittagsprogramm aus Action und Fun beruht, wodurch Dokumentationen über bedeutende Menschen eine eher untergeordnete Rolle erhalten.75

Des Weiteren gibt es aufgrund des Prozesses der Individualisierung die Tendenz, dass „[j]eder […] ein Held sein“76 will. Fußballer erlangen durch ein erzieltes Tor mehr Ruhm als ein „Spitzenpolitiker“ durch eine erfolgreiche Legislaturperiode oder ein Wissenschaftler durch eine für die Menschheit bedeutende Erfindung. Jugendliche und junge Erwachsene können in sog. „Castingshows“ durch ihre Sangeskünste bei „Deutschland sucht den Superstar“, durch ihr Aussehen bei „Germanys Next Topmodel“77 oder durch ihre diversen anderen Talente bei „Das Supertalent“ zu Promis auf Zeit oder Dauer werden. Formate wie „Das Dschungelcamp“ oder „Promi BigBrother“ ermöglichen sogar sog. „C-Promis“ oder vergessenen Promis bzw. Stars durch Selbstläuterung Ruhm und ein wenig „Sternenstaub“ zu ergattern.78

III. 6. Die Virtualisierung der Welt: Helden der Zukunft

Durch die Entstehung von Computern und Internet sind den Menschen des 21. Jahrhunderts unbegrenzte Möglichkeiten gegeben. Der neue Hyperspace ermöglicht uns Informationen über große Distanzen zu verschicken. Im Grunde wird alles verfügbar und übermittelbar.79 Zwischen diesen Polen liegt der Nutzen des World Wide Web: Information, Kommunikation, Transformation und Verkörperung.

Information. Durch diverse Internetseiten, Homepages und Newsletter wird das gemeine Individuum über verschiedene Aspekte in der Welt bereits vor den gedruckten Medien, wie der Zeitung, informiert. Prominente und deren Ungeschicke können auf „YouTube“ gesehen werden.80

Kommunikation. Alle möglichen Interessengruppen, wie z. B. Tierliebhaber, Berufsgruppen oder Fetischisten, können über spezielle Chatrooms Informationen austauschen.81 Die Welt trifft sich im Internet zum „Quatschen“. Ein „IRL“82 -Treffen spielt nur noch sekundär eine Rolle. Wenn man jemand kennenlernen will, so wirft man einen Blick auf sein „Facebook“- Profil. Hier kann das ganze Leben in Bildern bewundert werden, meistens sogar kommentiert, wovon auch Großkonzerne bei ihrer Produktplanung profitieren.83 Über „YouTube“ kann man Tradition oder das Lebensmodell gibt: „Dass heute alle Helden sein können und so viele es wollen, hat natürlich damit zu tun, dass unsere Gesellschaft uns immer weniger mit fixen Lebensmodellen versorgt.“ Probst 2013, 14. Greiwe spricht im Hinblick auf die Individualisierung von einer „Collagen-Religiosität“. Greiwe 1998, S. 46. gemäß dem Slogan „broadcast yourself!“ seine neuen Sangeskünste und Meinungen zu diversen Themen, sogar Tutorien, z. B. zum Schminken, der Welt verkünden. Hierbei erhofft sich das einzelne Individuum eine gewisse Anerkennung durch die Masse, was auch manchmal funktioniert. Dadurch werden dann sog. „Clip-Stars“ geboren, die in diversen Talkshows und anderen Formaten diskutiert und kommentiert werden. Einige wenige „YouTuber“ werden sogar über den Prominentenstatus hinaus zu Stars, wie z. B. Justin Bieber.

Transformation. Ein außerordentliches Phänomen des Cyberspace stellt „Second Life“ dar, ein „Metaversum“84 und „MUD“85. Es stellt eine direkte Abkopplung zum „First Life“, dem „Real Life“, dar.86 Die zweite Welt verfügt über einen eigenen Wirtschaftskreislauf und eine eigene Währung, den „Linden Dollar“. In ihr finden z. B. Mitarbeitermeetings von Konzernen wie „IBM“ oder Vorlesungen und Seminare an virtuellen Universitäten statt.87 Anders als in Online-Computerspielen wie „WOW“88 geht es in „Second Life“ nicht um die Erfüllung einer „Quest“, sondern um „den sozialen Austausch mit anderen und das Erkunden der eigenen Persönlichkeit“89. Der „Avatar“90 nimmt als „virtueller Stellvertreter einer Person“ eine bedeutende Rolle ein, denn er ist die „Visitenkarte“91 derselben. Er wird zum virtuellen Held des Nutzers, eine Online-Identität92, weil er in der neuen Welt fliegen, Reichtum erlangen und diverse andere Dinge kann, welche der realen Person im „Real Life“ verwehrt bleiben.93

Verkörperung. „Anders als jene theatralen und medialen Figuren, die in direkten Kontakt mit dem Publikum treten oder ihm etwas vorspielen, fordern Avatare zur Kontrolle auf und verkörpern so die Selbstwirksamkeit des Spielers.“94 Ein Avatar ist wie eine Maske, welche ohne Träger ein lebloses Objekt bleibt. Das Besondere an dieser Art von Maske ist, dass sie dem Spieler als Werkzeug eine „zeitweilige[] Erhabenheit“95 zuteil werden lassen kann. So versteht sich z. B. „Lara Croft“, ein Avatar des gleichnamigen „Ego-Shooter“-Spiels, als eine Maske, welche ihre Träger 2008 in Allison Carroll auf den „Game Conventions“ zum neuen Computerspiel oder bereits 2001 und 2003 in Angelina Jolie in den Kinofilmen zu „Lara Croft“ fand.96 Hierbei handelt es sich um ein Phänomen des 21. Jahrhunderts namens „Cosplay“97. Cosplayer sind Menschen, die sich als Anime- oder Computerspielfiguren verkleiden.98 Weitere vergleichbare Phänomene des Rollenspiels stellen LARP, Geeks, Furrys oder Maskottchen dar.99 Diesen Phänomenen ist gemein, dass der Rollenträger zur Verkörperung des Helden wird. D. h. er ist nicht mehr der, welcher er im normalen Leben ist, sondern er geht in der Rolle auf und verkörpert sie im vollen Umfang.

IV. Die Lichtung des Maskulinen durch die Emanzipation der Frau: Heldinnen und ihr Kampf um Anerkennung

Warum gibt es scheinbar so viele Helden und so wenig Heldinnen? Frauen erfuhren seit jeher eine Unterdrückung, weil sie als passiv galten.100 Insbesondere galt der Mann bis nach dem zweiten Weltkrieg als Familienoberhaupt. So verwundert es nicht, dass Frauen, welche Juden im Zweiten Weltkrieg Unterkunft gaben, nicht als die Helden gefeiert wurden, als welche sie eigentlich hätten gelten müssen. Dokumentationen porträtierten Männer; Frauen spielten in Dokumentarfilmen nur Nebenrollen.101 Maya Götz bestätigt dieses Erscheinungsbild mit dem Verweis darauf, dass sich in einer Analyse von 101 Kinofilmen zw. 1990 und 2005 nur ca. 28 % der Charaktere als weiblich erwiesen.102 Dies sei bei theoretisch 51 % Mädchen und Frauen auf der Welt eine Unterpräsentation von Weiblichkeit im Fernsehen.103

Die Grundproblematik der verwehrten Freiheit der Frau durch den Mann liegt im Chauvinismus und Sexismus der männlichen Domäne begründet. Die Frauen mussten Stärke gewinnen, sich emanzipieren, um vom Mann als vollwertig gleichberechtigt anerkannt zu werden. Also sprengten sie die Ketten des Passiv-Seins und wurden selbst zu aktiven Gestaltern der Gesellschaft.

Solche Inkarnationen der Emanzipation104 finden sich z. B. in Pippi Langstrumpf, einer literarischen Figur von Astrid Lindgren, die ihr Leben unabhängig von Erwachsenen bewerkstelligt und sich gegen Einbrecher und Diebe aktiv zu wehren weiß. Zwei vergleichbar starke literarische Figuren finden sich in Alice aus „Alice im Wunderland“ und Dorothy aus „Der Zauberer von Oz“. Beide stellen sich großen Herausforderungen und beweisen Mut, indem sie ihre persönlichen Grenzen überschreiten und zu Heldinnen werden: Alice durch den Kampf gegen die Herzkönigin und Dorothy im Kampf gegen die böse Hexe.

Die meisten emanzipierten Heldinnen lassen sich scheinbar nur in der Welt der Medien verorten.105 So stellen sich Carrie Bradshaw und ihre Freundinnen aus „Sex and the City“ als starke Heldinnen dar. Sie sind Frauen, die ihre Sexualität als Instrument der Macht zu nutzen wissen und sich von keinem Mann den Mund verbieten lassen. Das weibliche Geschlecht zeigt sich im Fernsehen zudem auch in Gestalt von

1. starken Führerinnen, z. B. als Petty Hewes in der Serie „Damages“,
2. Kämpferinnen gegen „dunkle Mächte“, z. B. Buffy in der gleichnamigen Serie,
3. Familienoberhauptern und Einzelkämpferinnen im alltäglichen Leben, z. B. als Lorelai Gilmore in der Serie „Gilmore Girls“, oder
4. intelligenten und starken Agentinnen für ihr Vaterland gegen feindliche Übergriffe und für die Wahrheit, z. B. als Sidney Bristow in „Alias“.

Dennoch gibt es auch starke Frauen in der Realität: In Führungspositionen, z. B. Angela Merkel, oder als Stars, die für Minderheiten kämpfen, z. B. Angelina Jolie.106 In der Vergangenheit hatten es Frauen, wie bereits skizziert, schwer sich gegen die männliche Dominanz zu behaupten. Die ersten Heldinnen waren vermutlich Amazonen107, welche in den Heldengeschichten der Vergangenheit am Rande erwähnt wurden. Sie waren Kriegerinnen in exotischen Ländern. Starke politische Führerinnen zeigten sich z. B. in Cleopatra und Elisabeth I., der Königin von England. Beide Lebensgeschichten wurden in gleichnamigen Filmen übertragen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der „Päpstin“, einem Film über eine Frau, die in die Rolle eines Mannes schlüpfte, um zum Kirchenoberhaupt gewählt zu werden. Dennoch handelt es sich hierbei um Mutmaßungen, die noch nicht gänzlich beweiskräftig sind.108 Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten Frauen das öffentliche Leben als sog. „Trümmerfrauen“, weil sie ihre Männer im Krieg verloren hatten.109 Frauen wurden zum Zeichen des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit. Ein Beispiel für eine christliche Heldenfigur der Moderne stellt Mutter Teresa dar, welche die Kranken in Ghettos pflegte und unterrichtete. Sie gilt bis heute als Vorbild für viele Christen sowie Atheisten, weil sie wahrhafte Hilfestellungen für Bedürftige mit ihrem Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ außerhalb des Klosters leistete.

V. Heldenmoral - Das Moralkonstrukt der Helden zwischen Affektion und Vernunft

Laut Hegel beruht jegliches heldenhaftes Handeln auf einem System der Sittlichkeit, wonach der Held nach einem „Gesetz der Ehre“110 operiert. Dieses Handlungsmodell ließ sich besonders in der Antike beobachten, wobei nur der Sittliche der Heldenhafte, ein Ruhmvoller, war. Die Hauptmotivation liegt in der Tugend selbst, wodurch der Held aus Selbstverständlichkeit moralisch richtig handelt: „Heroen sind Individuen, welche aus der Selbständigkeit ihres Charakters und ihrer Willkür heraus das Ganze einer Handlung auf sich nehmen und vollbringen und bei denen es daher als individuelle Gesinnung erscheint, wenn sie das ausführen, was das Rechte und Sittliche ist.“111 Eine Einstellung welche sich auch in Aristoteles´ Tugendethik finden lässt.

Friedrich Nietzsche hingegen verweist auf eine Heldenvorstellung, die über das Menschliche hinausgeht: „Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll.“112 Dieses Theorem gründet auf seiner Annahme des Todes von Gott, wodurch sich einige Wenige zu „Übermenschen“ im Sinne von Herrschern über andere erheben könnten. Sein Gedanke verweist auf zweierlei:

1. die Unterdrückung vieler Schwacher durch wenige Starke und
2. die Heraushebung von Stärke zum Schutz der Schwachen: „der Über-Held“113.

Inwiefern für Nietzsche der zweite Gedanke ein bedeutsamer war, bleibt fraglich, da seine „Übermensch“-Vorstellung die Grundlage von Hitler zur Unterdrückung vieler Randgruppierungen wurde: „Der Rest: das sind immer die Allermeisten, der Alltag, der Überfluss, die Viel-zu-Vielen - diese alle sind feige!“114

Kants Gesinnungsethik benennt den guten Willen als das Maß aller Dinge. Er konstruiert das Bild eines Vernunftwesens, das sich seiner Triebe zu entledigen versucht, indem es als Motivation die Achtung vorm Sittengesetz als Maßstab allen Handelns fokussiert. In seinem Kategorischen Imperativ verweist Kant auf selbstgestellte Regeln des Vernunftwesens. Dieser moralisch gute Mensch formuliert diese Regeln dann zu Gesetzen, die er für alle als Handlungsgrundlage erachtet: „[ H ] andle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, da [ ss ] sie ein allgemeines Gesetz werde.“115 Kant verweist auf den moralisch guten Menschen als Vernunftwesen, das moralisch schlechtes Handeln, d. h. triebgesteuertes Handeln, aus Achtung vor dem Sittengesetz unterlässt. Zudem hat das Vernunftwesen vor jedem Achtung, weil die Gesetze von jedem gewollt sein müssen.

In „Wir waren keine Helden“116 berichtet die Sozialpsychologin Eva Fogelman über Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, um anderen, meist jüdischen Mitbürgern, das Leben zu retten, indem sie diese vor den Nazis versteckten. Ihre Motivation war prinzipiell Altruismus.117 Sie sind Helden, weil sie einem übergeordneten moralischen Prinzip und nicht einem Hitler-Ideal folgten. Fogelman weist auf eine Retter-Moral hin, die Menschen zu

Helden werden ließ. Diese Moral der Retter jüdischer Mitbürger zu Zeiten des Nationalsozialismus war ihrer Ansicht nach von dreierlei Art gewesen:

1. Weltanschaulich (Hilfe aus ethischen Überzeugungen, insbesondere ethischen Gerechtigkeitsvorstellungen),
2. religiös (Hilfe gemäß dem Gebot der Nächstenliebe) und/oder
3. emotional (Hilfe aus Mitgefühl und Mitleid, mit einer von Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein geprägten Gesinnung).118

Alle hier angerissenen Theorien zur Heldenmoral deuten auf ein und dasselbe hin: Die Supererogation. Das Wort „Supererogation“ setzt sich aus den lateinischen Wörtern „super“, „oberhalb“ oder „darüber hinaus“, und „erogatio“, „Ausgabe“, was sich von „erogare“, „verausgaben“ oder „ausgeben“, herleitet, zusammen und bedeutet demnach „Überausgabe“.

D. h. supererogatorisches Handeln ist eine Tätigkeit, welche über die Pflicht zum Handeln hinausgeht. Dieter Witschen benennt mehrere Eigenschaften der Supererogation in seiner Forschungsarbeit: Das supererogatorische Handeln

1. geht „über grundlegende moralische Forderungen hinaus“119,
2. bringt „gravierende persönliche Nachteile mit sich oder verlang[t] einen ungewöhnlichen Einsatz“120,
3. geschieht freiwillig121,
4. orientiert sich an einem „persönlichen Ideal“122 mit „altruistischen Charakter“123 und
5. hat „Vorbildcharakter“124.

[...]


1 Die beschriebene „Super-Utopie“ orientiert sich an Morus Werk „Utopia“, wobei es um ein friedliches Volk auf einem Inselstaat geht. Vgl. Morus, Thomas: Utopia, ergänzte Ausgabe, Stuttgart 2003. Das Wort „Super-Utopie“ erscheint treffender als „Utopie“, weil es die positive Bedeutung eines Nicht-Ortes betont.

2 Vgl. Rolfes, Britta: Helden(bilder) im Wandel - Die Nibelungenhelden in neureren Adaptionen der Kinder- und Jugendliteratur, Erlangen 2005, S. 4.

3 Wirth, Hans-Jürgen: Die Sehnsucht nach Vollkommenheit - Zur Psychoanalyse der Heldenverehrung, In: Wirth, Hans-Jürgen (Hg.): psychosozial, Helden, Nr. 31, 10. Jahrgang, München-Weinheim 1987, S. 96. Im Altdeutschen bedeutet das Wort „Wer“ soviel wie „Mann“.

4 Zwahr, Annette (red. Leitung): Brockhaus Enzyklopädie - in 30 Bänden, 21. Auflage, Band 12, Leipzig 2006, S. 266.

5 „Held, […] im neueren Sprachgebrauch der Literatur- bzw. Filmkritik eine Person, die im Mittelpunkt eines Dramas, Romans oder Films (eigene Hervorhebung) steht“. Zwahr, Annette (red. Leitung): Meyers grosses Taschenlexikon - in 26 Bänden, 9. Auflage, Band 9, Mannheim 2003, S. 2979. „Schließlich wird der Begriff Held weiter verallgemeinert zu dem Mann, der den Mittelpunkt einer Begebenheit, einer Handlung bildet[:] […] [D]ie Hauptperson eines Dramas oder Epos [sowie außerdem] […] der Schauspieler, der den Helden eines Stückes agiert, [ist] ein Bühnenheld “. Wirth 1987, S. 96.

6 O. N.: Held, URL: http://www.duden.de/node/662043/revisions/1162425/view (18. August 2013)

7 Wirth 1987, S. 96.

8 Bonn, Hagen: Auf der Flucht - Die Welt als Superhelden-Comic und Heftroman, Bonn 2011, S. 46. „Der Held erfährt seine Besonderheit erst durch sein Gegenüber, den ‚Nicht-Helden‘.“ Paus-Haase, Igrid: Heldenbilder im Fernsehen - Eine Untersuchung zur Symbolik von Serienfavoriten in Kindergarten, Peer-Group und Kinderfreundschaften, Opladen/Wiesbaden 1998, S. 14.

9 Ein Phänomen, das sich heute auf „YouTube“, in sog. „Clip-Stars“ äußert, aber auch im Wett- oder Wahlkampf sowie in Castingshows beobachten lässt. In Kapitel III. 5. und III. 6. wird auf diese Phänomene eingegangen.

10 Vgl. Rolfes 2005, S. 4 f. Es zeigen sich aber auch Verwischungen zwischen den Begriffen Held, Star und Sieger. Dies ist durch die neue Castingkultur bedingt, welche jeden Sieger einer Castingshow zu einem Star auf Zeit macht, welcher als Held und somit auch als Vorbild für die Heranwachsenden agiert. Hierzu mehr in Kapitel III. 5.

11 Als Informationsquellen dienten „www.duden.de“, die „Brockhaus Enzyklopädie“ und „Meyers großes Taschenlexikon“.

12 Bonn 2011, S. 21.

13 „In der klassischen Mythologie ist der Held ein Halbgott, gezeugt von einem Menschen und einer Gottheit.“ Dallapiazza, Michael, Anichini, Federica, und Bravi, Francesca (Hg.): Krieg, Helden und Antihelden in der Literatur des Mittelalters - Beiträge der II. Internationalen Giornata di Studio sul Medioevo in Urbino, Göppingen 2007, S. 16. Sind doch „die Heroen der griechischen Sage freilich gerade nicht von Natur unsterbliche Götter, sondern Menschen, die durch ihre Taten göttliche Verehrung und Würde erlangen.“ Hengel, M.: Mors turpissima crucis - Die Kreuzigung in der antiken Welt und die „ Torheit “ des „ Wortes vom Kreuz “, In: Friedrich, J. (Hg.): Rechtfertigung, Tübingen/Göttingen 1976, S. 181.

14 Guntern, Gottlieb: G ö tter, Helden und Schamanen - Archetypen der kreativen Eliten, Zürich 2001, S. 16.

15 Vgl. Guntern 2001, S. 15.

16 Guntern 2001, S. 77.

17 Guntern 2001, S. 15. „Der Held ist letzlich ein spiritueller Leader, ein Mensch, der Entfremdung und Sinnverlust aufhebt und die unbewusst-intuitiv erkannte Einheit zwischen allen Dingen, Lebewesen und Ereignissen wiederherstellt. Er sorgt dafür, dass der Fluss der kosmischen Kräfte ungehemmt fließen und so den beschädigten Körper der Welt regenerieren kann.“ Guntern 2001, S. 107.

18 Vgl. Guntern 2001, S. 86. „Kriege, Hungersnöte oder andere Katastrophen forderten ganz besondere Kraftanstrengungen geradezu heraus! Meist waren es dramatische Einschnitte von historischer Bedeutung, die der Heldentätigkeit bedurften.“ Bonn 2011, S. 21.

19 Guntern 2001, S. 101.

20 Guntern 2001, S. 105. „Der Prototyp des Helden ist der junge, im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte stehende Mann, der sich anschickt, sich von seiner Herkunftfamilie, von Heim und Heimat zu lösen, um in der Ferne fremde Abenteuer zu bestehen.“ Wirth 1987, S. 97.

21 Guntern 2001, S. 78.

22 Vgl. Blanshard, Alastair: Herkules - Aus dem Leben eines Helden, Berlin 2005, S. 54. Bei Herkules endete der Ruhm in der Überhöhung zum Gott.

23 Guntern 2001, S. 106. Maximilian Probst verweist auf ein ähnliches Heldengeschichten-Muster von Joseph Campell von 1949: „Ruf zum Abenteuer, Aufbruch, Begegnung mit einem Mentor, Gefährten finden, erste Prüfung, Entscheidungsschlacht, Rückkehr, bereichert um das, was auf dem Spiel gestanden hat.“ Probst, Maximilian: Wer ist ein Held? - Das kannst du auch!, In: Schmidt, Helmut, und Joffe, Josef (Hg.): Die Zeit - Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Wissen und Kultur, Nr. 30, 18. Juli 2013, Hamburg 2013, S. 13.

24 Vgl. Blanshard 2005, S. 76.

25 Vgl. Blanshard 2005, S. 15. Das Bodybuilding wurde am 12. Juni 1893 mit einer performativen Darbietung, namens „Adonis“, von Eugene Sandow im Zirkus geboren. Sandow erachtete sich als „neuen Herkules“, aufgrund seiner physischen Erscheinung und einem Löwenfell als Verkleidung. Blanshard 2005, S. 173 f. Der typische „Herkules-Look“ fand sich beim „Herkules Farnese“. Vgl. Blanshard 2005, S. 176. Diese Vorstellung des Herkulischen fand z. B. durch Arnold Schwarzenegger in den Film „Hercules in New York“ Einzug. Vgl. Blanshard 2005, S. 182.

26 Hierbei sei darauf verwiesen, dass jede andere Religion auch ihre Helden oder ihren Messias hat. Jesus Christus stellt nur ein Beispiel eines Helden dar, welcher aus einem religiösen Kontext hervorgegangen war.

27 Zilling, Henrike Maria: Jesus als Held - Odysseus und Herakles als Vorbilder christlicher Heldenmytologie, Paderborn 2011, S. 25.

28 Guntern 2001, S. 106.

29 Vgl. Zilling 2011, S. 25. Durch die besonderen Begabungen hebt sich der Held zu einem „Quasi-Gott“ empor. Vgl. Zilling 2011, S. 25.

30 Vgl. Zilling 2011, S. 35. „Denn er selbst wird ein Heiland aller Menschen, besonders der Gläubigen genannt‘, und von seinem Christus heißt es, dass er ‚eine Sühne für unsere Sünden ist‘, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die ganze Welt.“ Joh 2, 2.

31 „Denn uns beherrscht die Liebe Christi, urteilen wir doch so: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Und für alle ist er gestorben, damit die Lebenden nicht mehr sich selber leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. So kennen wir von jetzt ab niemanden mehr auf fleischliche Weise; […]. […] Das Alte ist vergangen; siehe da, Neues ist geworden.“ 2. Kor 5, 14-17.

32 Phil 2, 7 ff.

33 „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ Lk 9, 23.

34 Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 28.

35 Wörtlich übersetzt heißt „miles Christi“ soviel wie „der Krieger von Christus“ oder „der Soldat des Christus“.

36 Vgl. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 28. Als nichtverdienstliche Kämpfe galten solche, die auf materielle Bereicherung oder Rache zielten.

37 Vgl. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 28.

38 Er ist auch unter den Namen Seyfried oder Sigurd bekannt.

39 Vgl. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 95. „[I]n Wirklichkeit [ist Siegfried] eine überhebliche, lügnerische und opportunistische Figur“, die ohne reines Herz die Schwächsten nicht verteidigt. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 95.

40 Guntern 2001, S. 106.

41 Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 96.

42 Vgl. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 96. Der „Supersoldat“ sollte mit seinem „nibelungische[n] Heldentum“ die Soldaten des Kaisers motivieren. Vgl. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 96.

43 Vgl. Dallapiazza, Anichini, und Bravi 2007, S. 96. Siegfried galt als Idealbild des Deutschen unter Hitler, wegen seiner blonden Haare und blauen Augen. Ein eher nordisches und nicht deutsches Menschenbild.

44 Bereits zu Hitlers Zeiten befand sich die Welt in einem Prozess der Globalisierung. Daher erscheint „Hilterdeutschland“ als angemessener Begriff, weil der Rest der Welt, bis auf wenige Ausnahmen, seinen Horizont zur Welt hin öffnete.

45 „Der richtige Mann ging, um zu kämpfen, während jedermann sonst zu Hause blieb.“ Gerzon, Mark: Heroismus, Männlichkeit und Gewalt - Das wechselnde Gesicht amerikanischer Männlichkeit, In: Wirth, Hans- Jürgen (Hg.): psychosozial, Helden, Nr. 31, 10. Jahrgang, Juni 1987, München-Weinheim 1987, S. 60. Mit diesem Zitat wird, darauf verwiesen, dass früher männlicher Mut auch Opferbereitschaft für das Vaterland bedeutete.

46 Szepansky, Gerda: „ Blitzmädels “ - „ Heldenmutter “ - „ Kriegerwitwe “ - Frauenleben im Zweiten Weltkrieg, Frankfurt am Main 1986, S. 14. „Soldaten, Kämpfer genannt, starben niemals: sie verblichen oder umarmten ihr Schicksal. Dem Feind ins Auge zu schauen, war mannhaft. Man sagte niemals tapfer, sondern lieber galant, ritterlich, standhaft oder heldenmutig. […] Der Trick war, jeden Grundzug des Krieges heroisch zu machen, als ob das Drama sich auf einer kosmischen Bühne entfaltete. Alles Konkrete wurde abstrahiert, mit metaphysischer Signifikanz aufgebläht.“ Gerzon 1987, S. 63. „Ohne Krieg hätten Mann und Nation ihre Männlichkeit verloren.“ Gerzon 1987, S. 64. Es galt der „Mythos vom heldischen Krieg“, wobei die „brutale Wahrheit […] unterdrückt werden“ musste. Gerzon 1987, S. 66.

47 Im Folgenden eine Auflistung der Ersterscheinungen von heute allseits bekannten Comic-Superhelden: 1. 1938 Superman; 2. 1939 Batman; 3. 1940 Flash, Green Lantern und die Justice Society of America; 4. 1941 Wonder Woman, Captain Marvel jr., Plastic Man und Captain America; 5. 1961 Fantastic Four; 6. 1962 Hulk und Thor; 7. 1963 Spiderman und X-Men. Dennoch gab es bereits 1934 „Flash Gordon“ oder 1936 „The Phantom“, die dem Profil von Superhelden schon recht nahe kamen. „Ein Superheld ist eine mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattete, sich heldenhaft verhaltende und meist mit einer Geheimidentität versehene, fiktive Figur in trivialen Darstellungen bestimmter Medien, wie Comics, Heftromanen, Büchern, TV-Serien und Kinofilmen.“ Bonn 2011, S. 40.

48 In Kapitel V. wird nochmal auf Nietzsches „Übermensch“ eingegangen. Hitler missbrauchte Nietzsches „Übermensch“-Vorstellung, um sich und sein arisches Volk vom Rest, insbesondere den Juden, abzuheben.

49 „Der Superschurke: ein böser Bube, eine Figur mit Superfähigkeiten und einer superkranken Einstellung zu Menschen, Erde und Universum.“ Bonn 2011, S. 49.

50 Hierbei sei auch im besonderen auf Captain America verwiesen, welcher sich offensiv gegen das Regime von Hitler zur Wehr setzte. Sein Beweggrund war stets der Schutz seines Vaterlandes.

51 Bonn 2011, S. 47.

52 „Alle Handlungen, die eine Umdeutung der Wirklichkeit ermöglichen oder erleichtern, sind dabei Mittel der 11

53 Bonn 2011, S. 47.

54 Bonn 2011, S. 119. „Dabei handelt es sich entweder um gesteigerte körperliche und geistige Grundfähigkeiten (Batman), um außerirdisch erworbene Kräfte (Superman, Captain Marvel), um die Folgen von chemischen oder biologischen Unfällen (Spiderman, Daredevil, Hulk), oder um technologische Fortschritte (Iron Man). Auch Magie oder göttlich zugewiesene Kräfte kommen zum Einsatz (Thor, Samson). Manche Fähigkeiten werden von höheren Wesen dem Helden verliehen (Perry Rhodans Unsterblichkeit).“ Bonn 2011, S. 41.

55 Vgl. Bonn 2011, S. 27.

56 O. N.: Held, URL: http://www.duden.de/node/662043/revisions/1162425/view (18. August 2013)

57 Bonn 2011, S. 27.

58 Gardner, Howard: Die Zukunft der Vorbilder - Das Profil der innovativen Führungskraft, Stuttgart 1997, S. 383. Kings Leitmotiv in den Reden war immer „I have a dream“ („Ich habe einen Traum“). Gardner 1997, S. 398. Sein Traum wurde von Barack Obama, den ersten afroamerikanischen Präsidenten von der USA, mit dem Slogan „Yes we can“ gekrönt.

59 Vgl. Gardner 1997, S. 25.

60 Gardner 1997, S. 404.

61 „Mahatma“ bedeutet „Dessen Seele groß ist“. Ein Titel den Mohandas Karamchand Gandhi, so lautet Mahatma Gandhis eigentlicher Name, als Ehrentitel von den Indern erhielt.

62 Gardner 1997, S. 517.

63 Vgl. Gardner 1997, S. 26. Sein gewaltloser Widerstand beruht auf der Annahme, dass den Menschen mehr verbindet als trennt. Vgl. Garnder 1997, S. 498. Zuerst musste der „satyagrahi“ die Auffassung des Opponenten kennen und dieser Person mit Achtung begegnen. Dann erfolgte der Versuch einer gütigen Einigung. Wenn es keine Einigung gab, so wurde Gehorsam verweigert, gestreikt, gefastet oder in Reden einem Publikum der Inhalt des Konflikts vermittelt. Vgl. Gardner 1997, S. 512. Martin Luther King sagte über diese Methode, dass sie „die einzige moralisch und praktisch vertretbare Methode [sei], die den Unterdrückten im Kampf um die Freiheit offensteht.“ Gardner 1997, S. 503.

64Menschen, die durch ihr Wort und/oder pers ö nliches Beispiel auf das Verhalten, Denken und/oder Fühlen einer bedeutenden Anzahl ihrer Mitmenschen (hier als Anhänger oder Adressaten bezeichnet) einen erkennbaren Einflu ß ausüben.“ Gardner 1997, S. 26.

65 „Idole sind eben keine richtigen Götter, bestenfalls Ersatzgötter, Anbetungsobjekte eines heidnischen Kults.“ Grau, Alexander: Vorbilder und Archetypen - Wandlungen und Konstanten eines psychokulturellen Motivs, In: von Gottberg, Joachim : tv diskurs - Verantwortung in audiovisuellen Medien, Vorbilder - Unsere Suche nach Idealen, 03/2013, 17. Jg., Berlin 2013, S. 15. „Beim ‚Idol‘ geht die biografische Person direkt im Rollen-Image auf. Das Publikum sieht in einem Idol nicht jemanden, der eine Rolle spielt, sondern diese Rolle tatsächlich ist und diesen Umstand auch nicht ändern kann. Die Darstellungskunst ist irrelevant, denn ein Idol zeichnet nicht unbedingt Talent aus, sondern die Verkörperung eines spezifischen Mythos, der es unter den Normalsterblichen hervorhebt und damit das Geheimnis seiner Herkunft.“ Matz, Cornelia: Vorbilder in den Medien - Ihre Wirkungen und Folgen für Heranwachsende, Frankfurt am Main 2005, S. 67. Cornelia Matz verweist außerdem auf vier Typen von Idolen: 1. Das „ tragische Idol “, 2. das „ konservative Idol “, 3. das „rebellische Idol“ und 4. das „ posthumane […] geklonte Idol “. Matz 2005, S. 68 f.

66 King forderte z. B. „eine Revolution der Werte“: „Jahrelang bin ich mit der Idee umgegangen, die bestehenden Institutionen der Gesellschaft zu reformieren, eine kleine Veränderung hier, ein kleiner Wandel da. Heute ist meine Einstellung eine andere geworden. Ich glaube, die Veränderung muß aus der Gesamtgesellschaft heraus kommen, wir brauchen eine Revolution der Werte.“ Gardner 1997, S. 402.

67 Wiegerling verweist auf die Medien als „Transzendierungsmaschinerien“, wodurch der Mensch zu einem „animal mediatum“, „medialen Wesen“, wird. Wiegerling, Klaus: Mediatisierte Menschenbilder, In: Grimm, Petra, und Capurro, Rafael (Hg.): Menschenbilder in den Medien - ethische Vorbilder, Stuttgart 2002, S. 23.

68 Grau 2013, S. 11. „Galten in der Vergangenheit ausschließlich Menschen als Vorbilder, die Bedeutendes für die Menschheit geleistet haben, so kann gegenwärtig von einem breiteren Vorbild-Begriff ausgegangen werden. Dieser umfasst neben ‚klassischen‘ Vorbildern - wie etwa unmittelbaren Bezugspersonen oder Menschen aus dem humanitären, sozialen oder politischen Umfeld - auch mediale Persönlichkeiten.“ Klein, Cornelia: Die Bedeutung medialer Vorbilder im Laufe des Lebens, In: von Gottberg, Joachim : tv diskurs - Verantwortung in audiovisuellen Medien, Vorbilder - Unsere Suche nach Idealen, 03/2013, 17. Jg., Berlin 2013, S. 18.

69 „Auch wenn das Urbild des Helden, der Krieger, in der demokratischen Gesellschaft weitgehend entmystifiziert ist, beeinflussen Heldenmythen auch heute noch auf vielfältige Weise unser tägliches Leben.“ Wirth, Hans-Jürgen: Vorwort, In: Wirth, Hans-Jürgen (Hg.): psychosozial, Helden, Nr. 31, 10. Jahrgang, München-Weinheim 1987, S. 6.

70 Das lateinische Wort „prominere“ bedeutet „herausragend, bedeutend, maßgebend und berühmt“. Der Begriff „Prominente“ bezieht sich „auf Menschen, die einem Großteil der Bevölkerung zumindest namentlich bekannt sind und deren ungefähre Tätigkeit von vielen Bürgern zugeordnet werden kann.“ Matz 2005, S. 66. „Nicht alle Prominenten sind Stars, doch sind sicherlich alle Stars gleichzeitig auch prominent.“ Matz 2005, S. 70.

71 „Der Begriff ‚Star‘ bezeichnet eine berühmte bzw. prominente Persönlichkeit, die öffentlichkeitswirksam und durch die Medien bekannt geworden ist.“ Matz 2005, S. 70. Weiter schreibt Schuegraf, dass Stars Schauspieler, Musiker, aber auch Politiker, Sportler oder Modemodels seien. Daher sei der Begriff des „Sterns“ als „etwas Überirdisches, Glänzendes und sogar Entrücktes“ ein trefflicher Begriff. Schuegraf, Martina: Celebrity als Star, Vorbild, Idol und Held, In: von Gottberg, Joachim : tv diskurs - Verantwortung in audiovisuellen Medien, Vorbilder - Unsere Suche nach Idealen, 03/2013, 17. Jg., Berlin 2013, S. 24. Aufgrund dieser begrifflichen Bedeutung liegen „Stars“ in der „Nähe von Helden“, aber auch in der Nähe von Idolen (Siehe Anmerkung 64). Vgl. Schuegraf 2013, S. 25. „Demnach kann der Oberbegriff Star in „Star im engeren Sinn“ und „Idol“ unterteilt werden.“ Matz 2005, S. 66.

72 „Celebritiy“ ist synonym mit „Star“, obwohl hierbei mehr der Fokus auf Kinderstars liegt, die wie eine Marke bestimmten Mustern entsprechen: Z. B. musste Britney Spears die unschuldige Jungfrau spielen. Vgl. Schuegraf 2013, S. 25.

73 Maximilian Probst verweist darauf, dass wir heute von einem sog. „Pop-Heroismus“ sprechen müssen, der eine eher nehmende als gebende Rolle verkörpert. Vgl. Probst 2013, S. 14.

74 Schuegraf verweist darauf, dass bei dem, was Idole verkörpern „nicht mehr von Vorbildern für ganze Generationen gesprochen werden“ kann. Schuegraf 2013, S. 25.

75 Ein Grund liegt darin, dass „Generationswechsel […] auch Vorbildwechsel“ bedeutet. Greiwe, Ulrich: Die Kraft der Vorbilder - Ihre Rolle gestern, heute und morgen, München 1998, S. 44.

76 „[I]n Wahrheit [will] jeder von uns transformiert werden […]. Jeder von uns hege im tiefsten Inneren den Wunsch, sich zu verändern, auszubrechen aus dem Trott. Jeder will ein Held sein. […] Überall rufen Helden uns zu: ‚Komm schon, sei auch einer!‘“ Probst 2013, S. 14. Probst sieht einen Grund darin, dass es nicht mehr die

77 Eine Studie zu dem Quotenerfolg von GNTM und der Bedeutung von Castingshows für die Jugendlichen verwies auf eine hohe Bedeutung für die Mädchen. Vgl. Götz, Maya, und Gather, Johanna: Ich habe heute leider kein Foto für dich - Die Faszination Germany ´ s next Topmodel, In: Götz, Maya (Hg.): Die Fernsehheld(inn)en der Mädchen und Jungen - Geschlechterspezifische Studien zum Kinderfernsehen, München 2013, S. 473-528.

78 “Virtualisierung meint nicht nur die Enträumlichung von Geschäftprozessen oder Forschung und Lehre, sondern auch die Entstehung (und zunehmende Nutzung) von virtuellen (Kommunikations-)Umgebungen sowie die immer stärker verwischenden Grenzen zwischen Simulation und Wirklichkeit.” Eck, Cornelia: Second Life und Identität - Potentiale virtueller Existenz, Baden-Baden 2011, S. 15.

79 „Während Printmedien als statische Speicher nur den passiven Abruf der eingelagerten Daten erlaubte, ermöglichen die Computertechnologien den aktiven Umgang mit den dynamischen Speichern der neuen Medien.“ Otto, Ulf: Internetauftritte - Eine Theatergeschichte der neuen Medien, Bielefeld 2013, S. 140.

80 „Gleichzeitig sorgen Internetplattformen wie YouTube, Facebook, Twitter etc. für Möglichkeiten der Selbstdarstellung und Aufmerksamkeitserzeugung, die sowohl von Stars als auch anderen Inszenierungs- und Partizipierwilligen genutzt werden.“ Schuegraf 2013, S. 25.

81 „Die Nutzer überführen mit sprachlichen Mitteln Körper und Raum in den Cyberspace“. Dabei dienen Chatrooms als „metaphorische[] Verweisräume[]“. „Die Raum-Metapher ermöglicht nicht nur die soziale Verortung der Kommunikationsteilnehmer, sondern erzeugt auch Nähe und Gegenwärtigkeit, da dieser Raum virtuell geteilt wird.“ Eck 2011, S. 80.

82 „IRL“ bedeutet „in real life“.

83 „Die Maske, die in der Moderne zum Gesicht geworden ist, weicht dem Facebook, das zugleich mit dem Erlebnis und der Veröffentlichung des Selbst lockt. Das personalisierte Selbst wählt und wird selbst zum Gegenstand der Wahl, es gestaltet sich seine Figuren, wie es sich selbst der Wahl zur Verfügung stellt, wird selbst User, muss Benutzerfreundlichkeit garantieren und sich Ratings beweisen. Sein Auftritt als Profilseller und Profilerstellter, als Datenversorger und Marktteilnehmer klingt sich in die Kreisläufe der Informationsverwaltung ein.“ Otto 2013, S. 262.

84 Der Begriff „Metaversum“ stammt aus dem SciFi-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson von 1995. Dieser Roman diente als Konstruktionsvorlage für „Second Life“.

85 „MUD“ bedeutet „Multi User Dungeon“. Eine neue Klasse der MUD sind MMORPGs (Massively Multyplayer Online Role-Playing Games), wozu auch „WOW“ zählt.

86 „Wir entvölkern die alte und bevölkern die künstliche neue Welt. […] Zum ersten Mal simuliert der Mensch die Erschaffung der Welt und die Selbsterschaffung gleich mit.“ Casati, Rebecca, Matussek, Mathias, Oehmke, Philipp, und Uslar, Moritz: Alles im Wunderland, In: Der Spiegel, Der digitale Maskenball - Zweite Leben im Internet, Heft 8, Hamburg 2007, S. 153.

87 Vgl. Eck 2011, S. 17.

88 „WOW“ bedeutet „World of Warcraft“.

89 Eck 2011, S. 18.

90 „Avatar“, ein Begriff aus dem Sanskrit, bezeichnet die Inkarnation eines Hindu-Gottes. Vgl. Boellstorff, Tom: Coming of age in second life - an anthropologist explores the virtually human, Princeton, New Jersey 2008, S. 128. Das Wort “avatara” bedeutet “Wechsel vom Virtuellen ins Reale”. In “Second Life“ bedeutet „avatara“ „Dekarnation oder Invirtualisation“. Eck 2011, S. 118 f. Ulf Otto verweist darauf, dass ein Avatar kein „schattenhaftes Abbild“, sondern „ein Stellvertreter in einem zweifachen Sinn“ ist: „Einerseits ist der Avatar ein operativer Stellvertreter, der seine Wirksamkeit als funktionales Element innerhalb eines Modells erhält. […] Andererseits aber ist der Avatar auch ein symbolischer Stellvertreter, der eben stellvertretend für diese figurative Praxis [des Verkörpern einer Rolle], aus der er hervorgeht, auf- und in Erscheinung tritt.“ Otto 2013, S. 109.

91 Eck 2011, S. 18. Der Avatar „besitzt einen individuellen, selbst bestimmbaren Namen, der ihn unverkennbar macht, und kann mit Hilfe von über 150 optischen Parametern bis ins kleinste Detail nach den persönlichen Vorstellungen gestaltet werden, ganz gleich, ob das Äußere des virtuellen Stellvertreters vollkommen frei erfunden, einer prominenten Person oder gar dem eigenen Aussehen nachempfunden wird.“ Eck 2011, S. 18. Der Name, das Pseudonym, ist im Gegensatz zum Erscheinungsbild ein „un(ver)wechselbares Identitätszeichen“, was über den Köpfen der Avatare schwebt. Eck 2011, S. 117. Boellstorff spricht daher bei der Gestaltung eines Avatars von einem „slider self for the Age of Techne“. Boellstorff 2008, S. 129.

92 Boellstorff spricht vom sogenannten „homo cyber“, welcher sich in der Abkopplung von der Realität in einer virtuellen Welt bewegt. Vgl. Boellstorff 2008, S. 25. “In einer Welt unsterblicher und unverletzlicher Agenten herrschen nur noch Selektion und Konkurrenz, die Gesetze des Marktes. Alle anderen Probleme, die uns zum Handeln und zu ethischen Reflexionen nötigen, Krankheiten, ungleiche Güterverteilung, Knappheit der materiellen Ressourcen, Unterdrückung usw. gibt es im neuen Reich der Freiheit nicht mehr. Die Frage freilich bleibt, wie dieser Markt der virtuellen Güter funktionieren soll, wo doch leibliche Bedürfnisse nicht mehr existieren, Triebe nicht mehr gereizt und befriedigt werden müssen.“ Wiegerling 2002, S. 21. „Alles agieren im körperlosen Raum ist ohne Konsequenz. Wie Engel bedürfen die Cyberexistenzen keiner Ethik.“ Wiegerling 2002, S. 22.

93 „Im Netz […] können sich die Menschen von ihrem tatsächlichen Aussehen, Beruf oder Charakter lösen und in eine andere Rolle schlüpfen.“ Eck 2011, S. 93. Bei den Avataren kann es sich um „mediale[] Schönheitsideal[e]“, meint „retuschierte Darstellungen des eigenen Selbst handeln“. Eck 2011, S. 161. „Am Bildschirm ist ein Rollentausch oberflächlich betrachtet um vieles einfacher.“ Eck 2011, S. 95. Das Problem hierbei liegt in der „Vermischung von Realität und Virtualität“, was zum sog. „alternate world syndrome“ oder zu „dissoziativen oder multiplen Persönlichkeitsstörungen“ führen kann. Eck 2011, S. 138.

94 Otto 2013, S. 182.

95 Otto 2013, S. 182.

96 Vgl. Otto 2013, S. 186 f. Otto fasst daher zusammen: “Lara Croft hat viele Avatare. Wie jede Figur ist sie mehr als ihr Leihkörper.” Otto 2013, S. 188. Jeder kann „Lara Croft“ sein. Dies ist eine Botschaft, die in diesem Phänomen enthalten ist.

97 Vgl. Egbers, Marcel: Cosplay, In: Wohne, Kerstin: Schüler - Wissen für Lehrer, Online_offline - Aufwachen mit virtuellen Welten, Seelze 2011, S. 72 f.

98 Auf der Leipziger Buchmesse kann man jährlich dieses Phänomen beobachten. Hierbei ist zu erkennen, dass bevorzugt Jugendliche Cosplay betreiben. Auf „www.cosplay.de“ kann man diverse Rollenverkörperungen betrachten. Aber: „Im Gegensatz zu den Körpern, die zu Bildern wurden , [die Avatare des „Second Life“,] ergreifen hier die Bilder von den Körpern Besitz.“ Otto 2013, S. 190. Diese Szene verbreitet sich ausschließlich über das Internet und trifft sich auf großen Conventions. Vgl. Hugger, Kai-Uwe, und Cwielong, Ilona: Jugendszene online - Vorurteile und Erkenntnisse, In: Wohne, Kerstin: Schüler - Wissen für Lehrer, Online_offline - Aufwachen mit virtuellen Welten, Seelze 2011, S. 9.

99 „LARP“ bedeutet „Life Action Role Playing“ und ist „die Bezeichnung für diejenige Art des Rollenspielens, bei der jeder Spieler eine Spielfigur (z. B. Ritter, Knechte, Feen) physisch darstellt und seine ausgewählte Rolle möglichst authentisch mit Leben zu füllen versucht.“ Hugger und Cwielong 2011, S. 10. „Geeks“ sind z. B. Menschen, die sich wie westliche Comichelden verkleiden. Dieses Phänomen lässt sich hauptsächlich in Amerika z. B. in New York auf der diesjährigen „Comic-Con“ beobachten. „Furrys“ sind Menschen, die sich als „pelzige“ Tiere als eine Art von Fetisch verkleiden. Auf der diesjährigen „19. Eurofurence Convention“ im Magdeburger Zoo fand Deutschland größtes Furry-Treffen statt. Der Ursprung dieser Phänomene liegt vermutlich beim Maskottchen. Maskottchen sind Personen, die sich zu Werbezwecken als niedliche Wesen verkleiden. In Japan haben Maskottchen einen hohen Stellenwert. Dies lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass sich Japaner selten bzw. wenig umarmen. In Japan hat jeder Bezirk ein eigenes Maskottchen und es gibt sogar in Japan die weltweit einzige Maskottchenschule.

100 „Das Vorbild der Schwäche reproduzierte das Vorbild der Schwäche. […] Immer herrschte sicherheitshalber die Einschätzung, dass ‚auch kluge Frauen nur die Idee des Mannes zurückstrahlen‘.“ Greiwe 1998, S. 28.

101 Vgl. Fogelman, Eva: Wir waren keine Helden - Lebensretter im Angesicht des Holocaust - Motive, Geschichten, Hintergründe, München 1998, S. 242.

102 Vgl. Götz, Maya: Frauen und Männer, Jungen und Mädchen im Fernsehen: die Inszenierung von Weiblichkeit und Männlichkeit - Forschungsstand und offene Fragen, In: Götz, Maya (Hg.): Die Fernsehheld(inn)en der Mädchen und Jungen - Geschlechterspezifische Studien zum Kinderfernsehen, München 2013, S. 18.

103 Vgl. Götz 2013, S. 18.

104 „Das Ergebnis: Betrachtet man von den 26.342 Hauptfiguren der fiktionalen Sendungen der weltweiten Stichprobe die 25.439 Figuren, denen eindeutig ein Geschlecht zugeordnet werden konnte, sind 32 % Frauen- oder Mädchenfiguren und 68 % Männer- oder Jungenfiguren. Zahlenmäßig repräsentiert das Kinderfernsehen in seinen Hauptfiguren also eindeutig nicht die reale Verteilung der Menschheit in 51 % Frauen und Mädchen und 49 % Jungen und Männer.“ Götz 2013, S. 37.

105 „Gezeigt werden neue Heldinnen, die sich mit Aggressivität und Gewalt in einer von Männern dominierten Gesellschaft durchsetzen - aber gleichzeitig in bestimmten Stereotypen und Hypersexualisierung verbleiben“. Götz 2013, S. 19.

106 „Auch in einer gewandelten Männerwelt werden Mädchen und Frauen vorläufig das vorbildärmere Geschlecht sein. […] Führende Frauen, die einer neuen Frauengeneration als Vorbild an Courage und organisatorischem Einfallsreichtum gelten, sind noch immer dünn gesät.“ Greiwe 1998, S. 30. In Elisabeth Sandmanns und Eva Römers „Heldinnen“ finden sich Heldenkonstruktionen der weiblichen Domäne, die als Vorbilder für Mädchen und Frauen angepriesen werden. Vgl. Sandmann, Elisabeth, und Römer, Eva: Heldinnen - 45 Vorbilder fürs Leben, München 2013.

107 Die kriegerischen Amazonen waren die Helden des Matriarchismus. Guntern verweist zwar auf die Symbolik von Helden, wodurch ein männlicher Held auch ein weiblicher Held sein könnte. Dennoch zeigen sich in den Heldenepen primär typisch männliche Helden, welche typische kriegerische Handlungen vollführen, die nicht die Raffinesse einer weiblichen Heldin haben. Vgl. Guntern 2001, S. 78 f.

108 Meistens ist die Filmindustrie schneller als die Historiker, wodurch die Wirklichkeit verzerrt dargestellt wird.,

109 Vgl. Szepansky 1986, S. 16 f.

110 Martinsen, Renate: Der Wille zum Helden - Formen des Heroismus in Texten des 20. Jahrhunderts, Wiesbaden 1990, S. 16.

111 Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Ä sthetik, Berlin 1972, S. 205 f.

112 Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra - Ein Buch für alle und keinen, In: Colli, Giorgio, und Montinari, Mazzino (Hg.): Nietzsche Werke - Kritische Gesamtausgabe, Band 1, Berlin 1968, S. 8 f. Gott muss als nun abwesend von der Welt und non-aktiv überwunden werden. Die aktive Gestaltung der Welt liegt nun bei den Kindern Gottes, so die Bibel und die Grundlage Nietzsches.

113 Nietzsche 1968, S. 148. Wir würden heute vermutlich den Begriff Superheld verwenden, aber für Nietzsche war ein „Über-Held“ jemand der alles heldenhafte an sich hat.

114 Nietzsche 1968, S. 223. „Das absolute Ideal vollkommener Schönheit war geradezu die Bedingung dafür, die lebendigen Körper als mit Makeln behaftet zu stigmatisieren und zu vernichten.“ Wirth 1987, S. 107.

115 Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Frankfurt am Main 2007, S. 421.

116 Fogelman 1998.

117 Es lassen sich fünf Retter-Gruppen unterscheiden: 1. „ Menschen mit moralischen Beweggründen, die durch ihr Gewissen genötigt wurden, Juden und Jüdinnen zu retten; [2.] Judeophile, die ein besonderes Verhältnis zu einzelnen jüdischen Menschen hatten oder sich dem jüdischen Volk als Ganzes verbunden fühlten; [3.] Mitglieder eines Netzwerkes, die von einer antinazistischen Weltanschauung getragen wurden und sich mit anderen zusammentaten, um politischen Widerstand zu leisten; [4.] Menschen, die sich aus beruflichen Gründen engagierten, wie Ärzte und Sozialarbeiter, und damit ihre berufliche Tätigkeit natürlich logisch fortschritten; und [5.] Kinder und Jugendliche, die auf Geheiß ihrer Eltern halfen, jüdische Mitmenschen zu retten.“ Fogelman 1998, S. 175. In Hinblick auf den Altruismus sei auf einen Artikel des Spiegels verwiesen, welcher von „Weltsanierern“, „Weltbürgern“ und „Weltrettern“ spricht. Alle drei Auffassungen verweisen darauf, dass es Menschen gibt, die eine Verantwortung für eine größere Menge von Menschen und Tieren sowie die Natur an sich übernehmen wollen und dies vor einer größeren Menschenmenge verkünden. Brinkbäumer, Klaus, und Fichtner, Ullrich: Die Weltsanierer, In: Der Spiegel, Die Retter der Welt - Der Feldzug der Reichen gegen Armut, Aids und Klimawandel, Heft 30, Hamburg 2007, S. 42-56.

118 Vgl. Fogelman 1998, S. 178 ff.

119 Witschen, Dieter: Mehr als die Pflicht - Studien zu supererogatorischen Handlungen und ethischen Idealen, Freiburg in der Schweiz 2006, S. 17.

120 Witschen 2006, S. 19. Das Opfer, z. B. das eigene Leben für einen anderen, erfolgt nicht zum Nutzen von einem selbst, sondern immer nur zum Nutzen eines anderen, demjenigen welcher die Hilfe erfährt.

121 Vgl. Witschen 2006, S. 20. „‚Freiwillig‘ meint in diesem Kontext, dass die handelnde Person aus eigenem Antrieb zugunsten ihr bislang unbekannter, fremder oder ferner Menschen aktiv wird, ohne dass sie ihnen nach unseren Maßstäben ein solches Handeln schuldet. Zwischen Akteur und Adressatem besteht also keine spezifische Bindung, wie sie sich aus sozialen Rollen, aus institutionell vermittelten Verantwortlichkeiten oder aus persönlicher Nähe ergibt.“ Witschen 2006, S. 39.

122 Witschen 2006, S. 20. Vgl. Witschen 2006, S. 50 f. Hierbei sei auf Lawrence Kohlbergs sechs Stufen der Moralentwicklung verwiesen, wobei die sechste Stufe, der postkonventionellen Phase, die Ausrichtung auf ein übergeordnetes Ideal beinhaltet. Individuen, die diese Stufe erreichen, verfügen über die Fähigkeit der moralischen Reflexion. Eine Positionierung, welche nur Helden, auch potentielle Heldenanwärter, innehaben. Eine vertiefende Betrachtung von Kohlbergs Stufen erfolgt in Kapitel VIII, wo ein Überblick zur Moralpsychologie beinhaltet ist.

123 Witschen 2006, S. 47 ff.

124 Witschen 2006, S. 21. „Wer 15 dieser Kriterien erfüllt, hat […] die Chance, Vorbild zu sein. […] Im Einzelnen sind dies: Weisheit, Gerechtigkeit, Redlichkeit, Klugheit, Mut, Tapferkeit, Zivilcourage, Besonnenheit, Gelassenheit, Standfestigkeit, Glaubensstärke, Gottvertrauen, Nächstenliebe, Mitleid, Erbarmen, Mitmenschlichkeit, Freundschaft, Hingabe, Toleranz, Weltoffenheit, Unabhängigkeit, Solidarität, Loyalität, Treue, Friedenswille, Gewaltlosigkeit, Gemeinsinn, Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit, Tat- und Schaffenskraft, Arbeitsamkeit, Fleiß, Selbsterziehung, maßvolles Handeln, Selbsterkenntnis, Naturbewahrung, ökologische Verantwortung, Rechtschaffenheit. […] Zu den mindestens 15 von 40 Qualitäten, wobei einzelne Eigenschaften mit anderen eng verwandt sind, muss allerdings jene charismatische Gestaltungskraft kommen, die das Nacheifern zur Freude macht. Freudlos befolgte Vorbilder wären ein Widerspruch in sich.“ Greiwe 1998, S. 149.

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten

Details

Titel
Projekt „Be a hero“. Helden als Vorbilder der Jugendkultur im Kunstunterricht
Hochschule
Universität Erfurt  (Professur für Künstlerische Praxis)
Note
1,6
Autor
Jahr
2013
Seiten
82
Katalognummer
V336179
ISBN (eBook)
9783668262317
ISBN (Buch)
9783668262324
Dateigröße
3510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Helden, Projektunterricht, Projekt, Handlungsorientierter Unterricht, Helden als Vorbilder, Vorbildrolle, Lehrer als Vorbilder, Medienhelden, mediale Vorbilder, Alltagshelden, Identitätsbildung, Heldenkonstruktion, Moralkonstruktion, Heldenmoral, Identitätsbildungsprozess, Comichelden, Performativität, Performance, Held sein, Utopien, Heldentypen, Kriegsheld, Superheld, Idol, Avatar, Heldenideologien, Ritter Siegfried, Star, Celebrity, Wegbereiter, Heiland, Kämpfer, Halbgötter, Christus, Herkules, Staatsdiener, Übermensch, Heldenmütter, Mahatma Gandhi, Ideologie, Heros, Promi, Clip-Star, Cosplay, Familienoberhaupt, Inkarnation der Emanzipation, emazipierte Frauen, emanzipierte Heldinnen, Tugendhaftigkeit, Tugend, Supererogation, Vorbildcharakter, Vorbild, Berufsheld, Antiheld, Imitation, Identifikation, Bezugsperson, Eltern als primäre Vorbilder, Helden des Alltags, Themen der Adoleszens, Helden der Kindheit, Trend Tracking, Comic
Arbeit zitieren
Carsten Lincke (Autor:in), 2013, Projekt „Be a hero“. Helden als Vorbilder der Jugendkultur im Kunstunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336179

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