Der Einfluss der demographischen Entwicklung auf den politischen Prozess in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
31 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsangabe:

I. Einleitung

II. Demographische Lage
II.1 Ursachen des Alterungsprozesses
II.2 Der Alterungsprozess im internationalen Vergleich

III. Probleme alternder Gesellschaften
III.1 Das Verhältnis zwischen den Generationen

IV. Die politische Partizipation von Senioren
IV.1 Wahlberechtigte und Wahlbeteiligung
IV.2 Die Verteilung älterer Wähler auf die Parteien
IV.3 Repräsentation älterer Menschen im Parlament
IV.4 Mitgliedschaft in Parteien

V. Schlussbemerkung

Literaturverzeichniss:

I. Einleitung

Die deutsche Bevölkerung wird immer älter, allerdings steht unsere Nation mit diesem Problem nicht alleine da. Das Phänomen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung stellt die entwickelten Industrienationen der Welt vor enorme Herausforderungen. Viele Bereiche der aktuellen Politik werden durch die demographische Entwicklung beeinflusst. Insbesondere die Problematik um den Umbau ( Abbau) des Sozialstaates sei hier genannt. Verschärfend kommt hinzu das dies ein langfristige Entwicklung ist, die sich nicht durch kurzfristig angelegte Gegenmaßnahmen aufhalten lassen wird. Das Ausmas der Alterung der Gesellschaft, lässt sich auch an ihrer Präsenz in der öffentlichen Diskussion erkennen. Begriffe wie „Generationengerechtigkeit“, „Gesellschaftsvertrag“ und „Rentner- schwemme“ sind allgegenwärtig.

In dieser Arbeit soll versucht werden die demographischen Veränderungen der Bevölkerung in Deutschland aufzuzeigen und einen Ausblick in die Zukunft darzustellen. Folgend sollen die Ursachen für diesen Prozess näher erläutert werden. Basis hierfür bilden die Entwicklungen der Fertilität, Mortalität und Migration.

In Kapitel III sollen die Probleme alternder Gesellschaften und ihre Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen den Generationen aufgezeigt werden. Der Einfluss der demographischen Entwicklung auf den politischen Prozess in Deutschland insbesondere auf die Partizipation und das Wahlverhalten der älteren Generation werden im darauffolgenden Kapitel untersucht. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Verteilung der älteren Wähler auf die Parteien gerichtet und speziell auf den Anteil der älteren Abgeordneten im Bundestag.

Abschließend soll der Frage nachgegangen werden ob die ältere Generation tatsächlich auch in der Praxis einen größeren Einfluss auf das politische Geschehen ausübt. Und ob von einem allgemeinen Interesse d

Diese Arbeit ist eine Gemeinschaftsarbeit und von beiden Autoren zu gleichen Teilen verfasst worden. Um die Benotung zu erleichtern steht unter den einzelnen Kapiteln jeweils der Name des Autors.

II. Demographische Lage

Die Bevölkerung der Bundrepublik Deutschland wird, wie auch in den meisten anderen Industriestaaten, zunehmend älter. Dadurch, dass die Bevölkerung immer mehr alte Menschen umfasst steigt das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung an.

Der Prozess des alterns der Gesellschaft ist weder zufällig noch ergibt er sich aus heiterem Himmel. Demographische Entwicklungen sind immer langfristig und daher wird sich der Alterungsprozess der deutschen Bevölkerung auch in den nächsten Jahren fortsetzen.

Eine eindeutige Definition für den sozialen Begriff „Alter“ existiert nicht, üblicherweise misst man den Alterungsprozess einer Gesellschaft allerdings anhand der Personen die 60 Jahre und älter sind. In der vorliegenden Arbeit werden wir uns daher an diesem Wert orientieren.

Betrachtet man die Entwicklung des Bevölkerungsanteils der über 60- jährigen von 1900 bis 1995, so ist die Entwicklung eindeutig zu erkennen. Der Anteil der über 60- jährigen Frauen ist in diesem Zeitraum von 8,4% auf 24,9%, der der Männer von 7,1% auf 17,0% gestiegen. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes[1] wird dieser Prozess andauern. Der Anteil der über 60- jährigen Frauen wird dieser Prognose zufolge bis zum Jahr 2040 auf 38% der weiblichen Bevölkerung ansteigen. Desweitern soll der Anteil der über 60- jährigen an der männlichen Gesamtbevölkerung 2040 knapp 32% betragen.

Tabelle 1: Entwicklung der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung von 1995-2040[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser Alterungsprozess lässt sich anhand der oben genannten Prognose auch folgendermaßen beschreiben:

Im Jahr 1900 war jeder zwölfte deutsche älter als 60 Jahre. Im Jahr 1990 war es jeder fünfte und im Jahr 2040 wird jeder dritte deutsche diese Altergrenze überschritten habe.

Neben dem Anstieg des Anteils alter Menschen an der Gesamtbevölkerung lässt sich noch eine weitere damit verbundene Entwicklung erkennen: der Gesellschaft gehören nicht nur immer mehr alte Menschen an, sondern diese alten Menschen werden auch zunehmend immer älter, was eine Verlängerung der „Lebensphase Alter“ bewirkt. 1950 betrug der Anteil der hochaltrigen[3] Menschen in Deutschland 1%, bis 1995 stieg dieser Anteil auf 4% und für das Jahr 2040 rechnet man damit, dass der Anteil hochaltriger Menschen 8,4% beträgt.

II.1 Ursachen des Alterungsprozesses

Der demographische Alterunsgprozeß wird von drei Faktoren positiv oder negativ beeinflusst: Fertilität, Mortalität und Migration.

Sofern diese Faktoren konstant bleiben, verändert sich die Alterstruktur der Bevölkerung nicht. Die Veränderung eines einzelnen Faktors kann jedoch schon Veränderungen in der Alterstruktur bewirken, verändern sich mehrere Faktoren in die gleiche Richtung hat dies weitreichende Konsequenzen auf die Alterszusammensetzung einer Gesellschaft.

Die Fertilität stellt den wichtigsten Einflussfaktor für demographische Veränderung dar. Steigt die Geburtenzahl, so sinkt das Durchschnittsalter der Bevölkerung, ist die Geburtenanzahl rückläufig, erhöht dies das Durchschnittsalter und bewirkt eine demographische Alterung.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden noch von jeder Frau ungefähr 5 Kinder geboren, bis zum Jahr 1930 sank diese Zahl konstant ab. Danach schwankte die Geburtenentwicklung bis in die 60er- Jahre um dann von einem niedrigeren Niveau ausgehend erneut abzunehmen.

Mit Ausnahme der 70er Jahre war diese Entwicklung in Ost- und Westdeutschland identisch[4]. Ihren Tiefstand erreichte die Geburtenrate in Ostdeutschland 1994 mit 0,77 Geburten je Frau und in Westdeutschland 1985 mit 1,28 Kindern je Frau. Mittlerweile steigt die Geburtenrate zwar wieder an, für den einfachen Generationenersatz genügt die Geburtenzahl allerdings noch immer nicht. Um den einfachen Generationenersatz zu gewährleisten und damit die Altersstruktur der Bevölkerung konstant zu halten sind 2,1 Geburten je Frau notwendig[5]. Dies war in Westdeutschland bis 1970 und in Ostdeutschland bis 1972 der Fall, seitdem erreicht die Anzahl der Geburten nicht mehr das nötige Reproduktionsniveau.

Ursachen für den Geburtenrückgang sind politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen. Durch die Herausbildung wohlfahrtsstaatlicher Systeme sind die ökonomischen Motive für die Geburt von Kindern, die Absicherung der Eltern im Alter oder bei Krankheit, entfallen. Die industrielle Massenproduktion bewirkte in der ganzen Gesellschaft die Verstärkung der individuellen Konsumption, potentielle Eltern verzichten heute aus Karrieregründen auf Kinder. Weitere Gründe für den Geburtenrückgang sind unter anderem der „Mangel an bezahlbaren Wohnungen für kinderreiche Familien, fortschreitende Emanzipation, Verstädterung, Entkirchlichung, die Abnahme kollektiver Orientierungen und die unzureichenden Möglichkeiten außerfamiliärer Kinderbetreuung“[6].

Tabelle 2: Entwicklung der Geburtenrate von 1871-1995[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der 2. Faktor der die Altersstruktur der Bevölkerung maßgeblich beeinflusst ist die Mortalität.

Sterben weniger junge Menschen, so bedeutet dies eine Verjüngung der Bevölkerung, steigt allerdings die Lebenserwartung älterer Menschen stärker als die der jungen, dann trägt dies zu einem Alterungsprozess der Gesellschaft bei.

Sowohl die Lebenserwartung der Männer als auch die der Frauen ist im letzten Jahrhundert enorm gestiegen. Im Zeitraum von 1871/80 bis 1993/95 ist die Lebenserwartung in Westdeutschland von 36 auf 73, Jahre und in Ostdeutschland auf 70,7 Jahre gestiegen[8]. Bei den Frauen ist diese Entwicklung noch etwas deutlicher, die Lebenserwartung stieg im gleichen Zeitraum von 39 auf 80 Jahre. Der starke Anstieg der Lebenserwartung erklärt sich zunächst hauptsächlich aus dem enormen Rückgang der Säuglingssterblichkeit (aufgrund besserer Hygiene, Ernährung und medizinische Fortschritte). Für die demographische Alterung ausschlaggebend ist jedoch, wie viele Menschen letztendlich 60 Jahre und älter werden. Die Fortschritte in der Medizin haben natürlich auch zu einem verringerten Streberisiko im Alter beigetragen, ebenso wie die Veränderungen in den Lebensbedingungen im Verlauf des letzten Jahrhunderts und das Aufkommen neuer Lebensstile[9].

„In den entwickelten Ländern findet man inzwischen eine sehr niedrige Kinder und Säuglingssterblichkeit. Die potentiellen Mortalitätsfortschritte in den jungen Lebensjahren sind zum größten Teil bereits realisiert. Die weitere Zunahme der Lebenserwartung kommt in diesen Ländern ganz überwiegend durch die Reduktion des Sterberisikos in mittleren und höheren Altersgruppen zustande“[10].

Tabelle 3: Entwicklung der Lebenserwartung[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der 3. Faktor, welcher die demographische Entwicklung beeinflusst, ist die Migration. Da zumeist jüngere Menschen in andere Länder emigrieren verstärken Abwanderungen die Alterung der Gesellschaft, während Zuwanderungen diese abschwächen.

Westdeutschland ist seit den 50 Jahren des 20. Jahrhunderts ein Einwanderungsland und sämtliche Prognosen zur Bevölkerungs-Entwicklung bestätigen das dies in absehbarer Zeit so bleiben wird.

Die Zuwanderung wirkt sich verjüngend auf die Alterstruktur der deutschen Bevölkerung aus, allerdings wird für die Zukunft nur noch ein Migrationgewinn von ca. 100000 Personen pro Jahr angenommen (8. Koordinierte Bevölkerungsvoraussage), was den Alterungsprozess nur bedingt abschwächt. Laut Prognosen von Dinkel/Lebok zeigt sich, „dass selbst bei jährlich 250 000 Zuwanderern mit dieser eher günstigen Alterstruktur (15-19 Jahre) die Alterung der gesamten deutschen Wohnbevölkerung erkennbar fortschreiten würde“[12].

Würden die Zuwanderungen 300000 Personen umfassen, „dann wäre der Anteil der 60jährigen und älteren bis zum Jahr 2030 um knapp 2% niedriger, also bei 32,7% und nicht bei 34,6%“[13].

[...]


[1] 8. Koordinierte Bevölkerungsvoraussage

[2] Tabelle 1

[3] 80 Jahre und älter

[4] in den 70er Jahren betrieb das DDR-Regime eine pronatalistische Bevölkerungspolitik, was einen kurzfristigen Anstieg der Geburtenrate zur Folge hatte.

[5] Vgl. Hillmann S. 258

[6] Vgl. Hillmann S. 258

[7] Tabelle2

[8] Die unterschiedlichen Lebenserwartungen in West- und Ostdeutschland werden mit systembedingten differenten Lebensverhältnissen erklärt (dieser mögliche Einfluß gilt auch für die weiteren demographischen Prozesse. Vgl. hierzu Dinkel 1992

[9] Vgl. Die Alten der Zukunft S. 13

[10] Lenz/Rudolph/Sickendiek S. 12

[11] Ztabelle3

[12] Dinkel/Lebok 1993, S. 396

[13] Lenz/Rudolph/Sickendiek S. 15

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der demographischen Entwicklung auf den politischen Prozess in Deutschland
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Soziologie Heidelberg)
Veranstaltung
Oberseminar: Ökonomische und politische Probleme der Alterssicherung
Note
1,8
Autor
Jahr
2001
Seiten
31
Katalognummer
V33620
ISBN (eBook)
9783638340533
Dateigröße
1138 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Entwicklung, Prozess, Deutschland, Oberseminar, Probleme, Alterssicherung
Arbeit zitieren
Kay Rentsch (Autor), 2001, Der Einfluss der demographischen Entwicklung auf den politischen Prozess in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33620

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