In der vorliegenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob es für Biokunden bei der Wahl der Einkaufsstätte eine Rolle spielt, ob sie in einem inhabergeführten Geschäft einkaufen oder in der Filiale einer Kette. Dieser Frage liegt die Vermutung zu Grunde, dass Biokunden einer Gruppe angehören, der es wichtig ist, den lokalen Einzelhandel zu unterstützen.
Da zu diesem Thema in der bisherigen Forschung, sowohl in der Geographie als auch in anderen Fachbereichen, noch keine Analysen vorliegen, war es Ziel dieser Forschung durch eine quantitative Befragung mit Hilfe eines Fragebogens sowie durch die Analyse von zwei qualitativen Interviews mit Bonner Biokunden, herauszufinden welche Faktoren für alltägliche Einkaufsentscheidungen von besonderer Bedeutung sind. Um die Antworten der Konsumenten besser einordnen zu können, wurde eine Erhebung und Kartierung aller Bioläden in Bonn durchgeführt. Dabei wurden die Geschäfte jeweils der Kategorie „inhabergeführt“ oder „Filiale einer deutschlandweiten Kette“ zugeordnet.
Die Relevanz des Themas für die Humangeographie, die sich mit dem „Raum-Machen“ der Gesellschaft befasst, wird dann deutlich, wenn man die Raumwirksamkeit von Einkaufsentscheidungen betrachtet. Diese sollen hier aus Perspektive der Konsumgeographie betrachtet werden, die als Teilbereich der Geographie in Deutschland erst in den letzten Jahren zunehmende Beachtung fand. Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen Raum und Konsum, denn was und wo die Menschen konsumieren hat einen bedeutenden Einfluss auf die lokale Ökonomie. Die gebotenen Konsummöglichkeiten beeinflussen allerdings wiederum das individuelle Verhalten. Man könnte also sagen, dass die geographische Konsumforschung einerseits betrachtet, wie sich der Raum auf die Gesellschaft und ihr Handeln auswirkt und andererseits untersucht, wie sich dieses Handeln im Raum ausdrückt und diesen somit formt und.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsstand und Theorie
2.1 Geographische Konsumforschung
2.1.1 Faktoren von Konsumentenentscheidungen
2.1.2 Konsum als Alltagspraxis
2.2 Theorie der Praktiken
2.2.1 Theorie der Praktiken im Hinblick auf geographische Konsumforschung
2.2.2 Theorie der Praktiken und Methodik
3 Der Naturkosteinzelhandel
3.1 Begriffsabgrenzung
3.2 Bedeutung des Naturkosteinzelhandels für den Gesamtumsatz an Biolebensmitteln
3.3 Entwicklung des Naturkosteinzelhandels von 2003-2013
3.4 Vergleich zum Strukturwandel im klassischen Lebensmitteleinzelhandel
4 Methodische Vorgehensweise
4.1 Durchführung und Auswertung der quantitativen Methoden
4.2 Durchführung und Auswertung der qualitativen Methoden.
4.3 Diskussion der Methodik
5 Forschungsergebnisse
5.1 Darstellung der Bioläden in Bonn
5.2 Charakterisierung der Befragten
5.3 Ergebnisanalyse
5.3.1 Alltägliche Einkaufspraktiken – verschiedene Faktoren
5.3.2 Sortiment als Faktor von Konsumentenentscheidungen
5.3.3 Service und Atmosphäre als Faktoren von Konsumentenentscheidungen
5.3.4 Preise und spezielle Angebote als Faktoren von Konsumentenentscheidungen
5.3.5 Zwischenfazit: Konsumentenentscheidung im Kontext alltäglicher Routinen
5.4 Relevanz des Geschäftsmodells aus Kundensicht
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Strukturwandel im Naturkosteinzelhandel aus der Perspektive der Konsumenten. Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, welche Faktoren für Bonner Biokunden bei der Wahl ihrer Einkaufsstätte entscheidend sind und welche Rolle dabei die Größe sowie das Geschäftsmodell (inhabergeführt vs. Filialkette) spielen.
- Strukturwandel im Naturkosteinzelhandel
- Einfluss alltäglicher Routinen und sozialer Kontexte
- Bedeutung von Standort, Sortiment, Service und Atmosphäre
- Preiswahrnehmung und Kundentreue
- Rolle inhabergeführter Geschäfte im Vergleich zu Filialketten
Auszug aus dem Buch
5.3.1 Alltägliche Einkaufspraktiken – verschiedene Faktoren
Bei der Befragung der Teilnehmer wurde bei vielen Personen deutlich, dass die Entscheidung in welchem Geschäft eingekauft wird, Teil von in Routinen eingebetteten Alltagspraktiken ist. Es handelt sich also um Handlungsabläufe, die durch verschiedene für den Handelnden alltägliche Gegebenheiten beeinflusst werden und den Alltag selbst mitgestalten. So kommt dem Standort der untersuchten Geschäfte eine enorme Bedeutung zu. Hierbei ist die Erreichbarkeit, also zum Beispiel die Verkehrsanbindung oder die Parkmöglichkeiten, von Bedeutung, vor allem aber ist die Nähe zum Wohn- oder Arbeitsort relevant. Auch die Möglichkeit zur Kombination mit anderen Erledigungen spielt eine Rolle. Befinden sich andere Geschäfte, Ärzte oder Restaurants und Cafés in der Nähe, so kann dies ein Grund sein den Laden aufzusuchen. Schließlich ist auch das soziale Umfeld wie die Familie oder Freunde von besonderer Bedeutung für eine Entscheidung hinsichtlich des Geschäfts, der Art oder der Größe des Einkaufs: Hat der Befragte ein kleines unruhiges Kind, dann wird der Einkauf möglichst schnell erledigt. Ist der Konsument mit einer Freundin unterwegs, die gerade in dem einen Geschäft einkauft, so ist dies ein Anreiz, die Besorgungen im gleichen Geschäft zu erledigen. Außerdem wurde Einkaufen in Bioläden in den Interviews auch jeweils als gesellschaftliches Symbol für bestimmte Personen diskutiert.
Wie im Theorieteil erwähnt, entwickeln sich durch die wiederholte Ausübung von Praktiken, wie Einkaufen in bestimmten Geschäften, Routinen. Aus diesen Routinen wird das konstruiert was wir als Alltag bezeichnen. Außerdem kann man sagen, dass andere Routinen, wie Arbeiten und der Weg dorthin, dafür verantwortlich sind, wie sich Einkaufspraktiken darstellen. Häufig ist es daher eine Kombination verschiedener Faktoren, die entscheidend ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Strukturwandel im Naturkosteinzelhandel in Bonn und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Bedeutung der Einkaufsstättenwahl für Konsumenten.
2 Forschungsstand und Theorie: Dieses Kapitel stellt theoretische Konzepte der geographischen Konsumforschung vor, insbesondere die Theorie der Praktiken, um alltägliche Handlungsabläufe zu erklären.
3 Der Naturkosteinzelhandel: Hier wird die strukturelle Entwicklung der Biobranche, einschließlich Umsatzdaten und des zunehmenden Filialisierungsgrades, analysiert und mit dem klassischen Lebensmitteleinzelhandel verglichen.
4 Methodische Vorgehensweise: Das Kapitel beschreibt die Kombination aus quantitativer Befragung und qualitativen Interviews sowie die kritische Reflexion der gewählten Methoden.
5 Forschungsergebnisse: Die Ergebnisse der empirischen Studie werden dargestellt, wobei Faktoren wie Einkaufspraktiken, Sortiment, Atmosphäre und das Geschäftsmodell im Vordergrund stehen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, wonach Einkaufsentscheidungen meist im Kontext alltäglicher Routinen getroffen werden und das Geschäftsmodell für einen Teil der Kunden an Bedeutung gewinnt.
Schlüsselwörter
Naturkosteinzelhandel, Strukturwandel, Geographische Konsumforschung, Theorie der Praktiken, Einkaufspraktiken, Bioläden, Konsumentenentscheidung, Filialisierung, Alltag, Bonn, Sortiment, Atmosphäre, Lokalität, Kundennutzen, Biobranche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Strukturwandel im Naturkosteinzelhandel in Bonn und untersucht, welche Faktoren das Einkaufsverhalten von Biokunden beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die geographische Konsumforschung, die Theorie der Praktiken, die Entwicklung der Biobranche und die empirische Untersuchung von Kaufentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit erforscht, ob und warum Biokunden bei ihrer Einkaufsstätte zwischen inhabergeführten Läden und Filialketten unterscheiden und welche Faktoren ihre täglichen Entscheidungen prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein Methoden-Mix aus einer quantitativen Online-Befragung von 146 Personen und zwei vertiefenden qualitativen Interviews gewählt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Konsums, die Marktentwicklung des Naturkosteinzelhandels und wertet die empirischen Daten zu Einkaufspraktiken aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Naturkosteinzelhandel, Strukturwandel, Konsumgeographie, Theorie der Praktiken, Bioläden und Einkaufspraktiken.
Welchen Einfluss hat das soziale Umfeld auf den Einkauf?
Das soziale Umfeld, wie Familie oder Freunde, beeinflusst stark, wo und wie eingekauft wird, etwa durch die Notwendigkeit, Einkäufe schnell mit Kind zu erledigen oder soziale Treffen mit dem Einkauf zu verbinden.
Warum kaufen manche Kunden bevorzugt in inhabergeführten Geschäften?
Kunden schätzen hier oft die besondere Atmosphäre, eine persönlichere Beratung, Vertrauensbeziehungen zum Inhaber und den Wunsch, lokale Ökonomien statt großer Ketten zu unterstützen.
Wie beeinflussen Preise das Kaufverhalten im Bioladen?
Der Preis spielt eine Rolle, jedoch meist als Preis-Leistungs-Verhältnis. Kunden, die auf den Preis achten, bevorzugen häufiger Filialketten, da diese oft günstiger sind als kleine Spezialgeschäfte.
- Quote paper
- Ronja Volles (Author), 2016, Geographische Konsumforschung. Strukturwandel im Naturkosteinzelhandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336245