War der Irakkrieg 2003 ein Groupthink Phänomen? Entscheidungsprozesstheorie nach Irving L. Janis


Hausarbeit, 2015
11 Seiten, Note: 1,0
Veronika V. (Autor)

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Das Groupthink-Modell nach Jarving L. Janis
2.1 Rahmenbedingungen (Antecendent Conditions)
2.2 vermittelnder Mechanismus
2.3 Beobachtbare Konsequenzen (Observable Consequences)
2.3.1 Symptome von Groupthink
2.3.2 Symptome fehlerhafter Entscheidungsprozesse

3. Fallbeispiel
3.1 Kurzer Abriss der Ereignisse
3.2 Rahmenbedingungen (Antecedent Conditions)
3.3 Beobachtbare Konsequenzen (Observable Consequences)

4. Fazit

5. Verzeichnisse

1. Einführung

In einigen Fällen werden Entscheidungen politischer Führungskräfte in Krisensituationen fehlerhaft getroffen. Dabei passiert es, dass bei diesen Entscheidungen die möglichen Alternativen oder weitere Informationen zu wenig bis überhaupt nicht berücksichtigt werden.

Wenn man in diesem Zusammenhang die politischen Entscheidungen in der amerikanischen Geschichte genauer betrachtet, kann man mehrere dieser fehlerhaften Entschlüsse finden. Beispiele hierfür sind die Geiselbefreiung in Teheran, der Korea-Krieg, die Invasion der Schweinebucht oder auch der Irakkrieg im Jahr 2003.

Es kann sich hierbei die Frage gestellt werden, wie es denn sein kann, dass hohe politische Führungspersönlichkeiten mit ihrem Beraterkreis, der meist auch aus durchaus klugen Köpfen besteht, solche Fehlentscheidungen treffen können. Der US-amerikanische Sozial- und Forschungspsychologe Irving L. Janis erforschte eine Entscheidungsprozesstheorie und entwickelte das sogenannte Groupthink- Modell. Hierbei hat er die Entscheidungsbildung innerhalb von Gruppen genauer untersucht. Janis stellt in seiner Theorie vor allem Fiaskos, resultierend aus politischen Fehlentscheidungen, in den Mittelpunkt.

Dieses Modell von Janis soll nun in dieser Arbeit genauer thematisiert werden und anhand des Fallbeispiels Irakkrieg 2003 analysiert werden. Dieses Beispiel wurde gewählt, da es sich um eine Fehlentscheidung einer politischen Entscheidungsgruppe, die in einem Fiasko endete, handelt. Hierbei wird vor allem der Frage, in welchen Punkten, Symptome und Aspekte von Groupthink in der Entscheidungsgruppe sichtbar werden, nachgegangen.

In dieser Arbeit wird zunächst das Groupthink- Modell nach Janis theoretisch dargestellt. Im Anschluss daran wird anhand dieses Modells das zeitgeschichtliche Ereignis, der Irakkrieg 2003 im Hinblick auf das Groupthink- Phänomen untersucht. Den Schluss der Arbeit bildet ein kurzes Fazit.

2. Das Groupthink- Modell nach Jarving L. Janis

Der Kern des Modells bezieht sich auf die Analyse von Entscheidungen in der Außenpolitik, welche von Kleingruppen getroffen werden. Laut Janis kann jede Entscheidungsgruppe und auch jede einzelne Person dem Groupthink- Phänomen verfallen. Dies kann einerseits durch bestimmte individuelle Persönlichkeitsfaktoren, wie beispielsweise Stressverhalten, passieren, aber auch bei Personen, die ein selbstbewusstes Auftreten haben und Selbstvertrauen haben, kann es sein, dass sie sich dem Gruppenzwang unterwerfen.1 Das Groupthink-Modell nimmt vor allem politische Fiaskos in den Blickpunkt.

2.1 Rahmenbedingungen (Antecendent Conditions)

Irving L. Janis nimmt bei seinem Modell zuerst bestimmte Rahmenbedingungen näher in den Blick. Hierbei treten drei Vorbedingungen auf (A; B-1; B-2). Der Block A bezieht sich auf die Einheit der Entscheidungsgruppe.2 Eine hohe Gruppenkohäsion zeigt sich dadurch, dass unter den Mitgliedern der Gruppe ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht. Das Auftreten des Groupthink- Phänomens verstärkt sich indem sich die Mitglieder gegenseitig schätzen und auch ihre eigene Mitgliedschaft in der Gruppe als sehr positiv betrachten.3 So kann man sagen, je geschlossener eine Entscheidungsgruppe ist, desto wahrscheinlicher ist eine Bildung von Groupthink.

Bei den beiden anderen Vorbedingungen (B-1; B-2) handelt es sich einmal um die administrativenstrukturellen Faktoren (B-1) und einmal um die situativen Faktoren (B-2).

Zunächst zu den administrativen-strukturellen Faktoren. Diese Faktoren bezieht der amerikanische Psychologe auf die internen Entwicklungen, die Zusammensetzung und die Einordnung der Entscheidungsgruppe in einer Organisation.4

Strukturelle Mängel liegen dann vor, wenn die Entscheidungsgruppe homogen besetzt ist. Das bedeutet Groupthink wird begünstigt, wenn die an der Entscheidung beteiligten Personen den gleichen sozialen Hintergrund haben und die gleichen Überzeugungen vertreten. In Bezug auf die internen Abläufe bzw. Entwicklungen wird es schwierig, wenn die Entscheidungsgruppe keine festen und anerkannten Regeln kennt. Diese Regeln bilden die Grundlage von Abläufen, bei denen es zu Gewinnung, Prüfung und auch Bearbeitung von Informationen kommt.5 Dazu kommt, dass Mängel auftreten können, wenn die Gruppe nach außen hin isoliert ist. So passiert es, dass die Gruppe von Informationen oder Beurteilungen, welche von außen kommen, abgeschottet sind.

Die nächsten Faktoren, der situative Ansatz (B-2), begünstigen das Auftreten von Groupthink. Die Mitglieder der Gruppe fühlen sich einem Stress von außen ausgesetzt. Doch dieser Stress von außen bewirkt nur im Zusammenspiel mit einer geringen Hoffnung in der Gruppe, eine bessere Lösung als der Gruppenführer zu finden, das Groupthinkverhalten.6 Der Stress von außen und die Überzeugung, dass der Gruppenführer die beste Lösung findet, tragen laut Janis zu Groupthink bei.7

Des Weiteren wird Groupthink auch durch interne Stressfaktoren gefördert. Diese Art von Stress führt dazu, dass in der Gruppe das Selbstvertrauen gemindert wird. Janis bringt Beispiele für diesen internen Stress. Hierbei nennt er beispielsweise erlittene Fehlschläge.8

Zusammenfassend bestimmen eben diese drei vorgestellten Vorbedingungen die Aussicht, dass Groupthink in Entscheidungsgruppen auftritt. Für die Mitglieder werden die Bewahrung der inneren Einheit und ihre weitere Mitgliedschaft wichtig. Kritisches Denken, welches vielleicht den Zusammenhalt der Gruppe gefährden könnte, rücken in den Hintergrund.

Wichtig hierbei ist noch zu erwähnen, dass nicht alle Aspekte zutreffen müssen. Wenn ein oder mehrere Punkte auftauchen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Groupthink aufkommt.

2.2 vermittelnder Mechanismus

Die sogenannte Concurrence-Seeking Tendency (das Streben nach Übereinstimmung) ist nach Janis der gruppenbedingte Mechanismus, welcher dazu führt, dass sich die verschiedenen Meinungen der Gruppenmitglieder annähern. Innerhalb der Gruppe steht die Loyalität an höchster Stelle. Das bedeutet, dass sich die einzelnen Mitglieder in ihren Meinungen zurückhalten müssen, damit der Gruppenkonsens nicht gestört wird. So ist eine objektive Entscheidungsfindung schwer durchzuführen.9

2.3 Beobachtbare Konsequenzen (Observable Consequences)

2.3.1 Symptome von Groupthink

Janis teilt Groupthink in drei Kategorien ein (C):

1. Selbstüberschätzung der Gruppe:

Unter diese Kategorie fallen die Illusion der Unverwundbarkeit und die Überzeugung, moralische Standards zu besitzen. Die Illusion der Unverwundbarkeit offenbart sich indem die Gruppe einen unrealistischen Optimismus hegt und fest daran glaubt, dass die Gruppe ihrem Weg treu bleibt. Dies führt dazu, dass man eine größere Bereitschaft zeigt, Risiken einzugehen. Der zweite Aspekt dieser Kategorie zeigt sich ebenfalls in einer Selbstüberschätzung der Fähigkeiten. Innerhalb der Gruppe ist man überzeugt, die richtigen moralischen Ansichten zu besitzen und damit davon, dass die Einschätzung richtig ist.10

2. Geschlossene Ansichten:

Hierunter fallen die Symptome Kollektive Rationalisierung und Stereotypisierung der Outgroup. Ersteres bewirkt, dass das Gruppendenken in gewisser Weise gleichgeschaltet wird. Widersprüchliche Informationen oder auch Warnungen werden nicht beachtet. Das zweite Symptom führt dazu, dass man eine feste Meinung zu Outgroups hat. Das hat zur Folge, dass diese Gruppen abgewertet werden. Falls negatives bei Entscheidungen auftaucht, wird dies meist den Outgroups zugeschrieben. Ein Zweifel an der eigenen vertretenden Position wird dadurch unterdrückt.11

3. Druck in Richtung Einheitlichkeit/Konformität

Diese Kategorie setzt sich aus vier Symptomen zusammen. Die Gruppe zensiert andere bzw. abweichende Meinungen. Des Weiteren entsteht die Illusion der völligen Meinungsübereinstimmung. Es wird Druck auf Andersdenkende ausgeübt und viertens gibt es selbsternannte Mindguards. Treten eine oder mehrere dieser Symptome auf, so kann die Entscheidungsfindung der Gruppe verzerrt werden.12

2.3.2 Symptome fehlerhafter Entscheidungsprozesse

Janis legt sieben verschiedene Fehler, die in Bezug auf Entscheidungsprozesse gemacht werden können fest (D):

1. keine umfassende Prüfung von Alternativen
2. keine umfassende Prüfung der Fakten
3. Risiken der präferierten Entscheidung werden nicht abgewogen und überprüft
4. keine Neubewertung von bereits ausgewählten Alternativen
5. schlechte Informationssuche
6. Neigung zur selektiven Informationssuche in Richtung der eigenen Meinungen
7. Fehlende Ausarbeitung von stringenten Handlungsplänen13

[...]


1 Brummer, Klaus; Oppermann, Kai: Außenpolitikanalyse. München 2014. S. 194-195.

2 Ebd. S. 196

3 Janis Irving L.: Groupthink. Psychological Studies of Policy Decisions and Fiascoes. Boston 1982. S. 176.

4 Brummer, Klaus; Oppermann, Kai: Außenpolitikanalyse. S. 196.

5 Ebd. S. 196.

6 Ebd. S. 197.

7 Janis, Irving L.: Groupthink. S. 254.

8 Janis, Irving L.: Groupthink. S. 255.

9 Kipmann, Ulrike: Gruppendynamik in Politik und Pädagogik. Positive und negative Aspekte der Gruppendynamik unter besonderer Berücksichtigung des Groupthink Phänomens. Norderstedt 2006. S. 9.

10 Kipmann, Ulrike: Gruppendynamik in Politik und Pädagogik. Positive und negative Aspekte der Gruppendynamik unter besonderer Berücksichtigung des Groupthink Phänomens. Norderstedt 2006. S. 10.

11 Janis, Irving L.: Grouthink. S. 174.

12 Ebd. S. 174-175.

13 Ebd. S. 175.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
War der Irakkrieg 2003 ein Groupthink Phänomen? Entscheidungsprozesstheorie nach Irving L. Janis
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Außenpolitik und Internationale Politik
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V336254
ISBN (eBook)
9783668260412
ISBN (Buch)
9783668260429
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Irak Gruopthink
Arbeit zitieren
Veronika V. (Autor), 2015, War der Irakkrieg 2003 ein Groupthink Phänomen? Entscheidungsprozesstheorie nach Irving L. Janis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336254

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