Gerechtigkeit als Leitbegriff der Bergpredigt


Hausarbeit, 2004

8 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definition von Gerechtigkeit aus christlich- religiöser Sicht

3. Gerechtigkeit in Lateinamerika

4. Sinn der Bergpredigt speziell, der Seligpreisungen
4.1. Die Wirkungsgeschichte der Seligpreisungen
4.2. Forderungen der Bergpredigt

5. Direkter Bezug von der Bergpredigt und befreiungstheologischer

Gerechtigkeit

1. Einleitung:

Da es in diesem Seminar generell um die Befreiungstheologie in Lateinamerika mit direktem Bezug zur Bibel geht, befasse ich mich im Weiteren mit dem Gerechtigkeitsaspekt, insbesondere mit der Gerechtigkeit in der Bergpredigt.

Die Befreiungstheologie hat die Option für die Armen als zentralen Mittelpunkt ihrer Intention und somit spielt auch Gerechtigkeit eine wesentliche Rolle. Der Begriff „Theologie der Befreiung beinhaltet die umfassende Herausführung aller Menschen aus materiellen, politischen, ideologischen, soziokulturellen und religiösen Zwängen. Diese sog. Befreiung ist gerade für die Armen in Lateinamerika nur unter nahezu uneingeschränkter Gerechtigkeit möglich. Uneingeschränkte Gerechtigkeit ist leider heutzutage in fast keiner Region mehr existent und daher liegt es nahe sich auf die ursprüngliche Forderung von Gerechtigkeit zu beziehen: Die Bibel.

Die Bergpredigt steht im Neuen Testament im Matthäusevangelium (Mt 5,1-7,29) geschrieben und handelt von der wahren Gerechtigkeit. In ihr enthalten sind unter anderem die Seligpreisungen, das Talionsrecht, die Antithesen Jesu‘ vom Ehebruch und von der Ehescheidung sowie die Rede von der falschen und der rechten Sorge als auch die bekannte Goldene Regel.

Von allen Texten der Bibel und besonders des neuen Testamentes kommt der Bergpredigt eine besondere Ehre zu. Sie ist der bekannteste Text aus der Bibel weltweit. Hier finden Sie Sprichwörter wie zum Beispiel „Das Licht nicht unter den Scheffel stellen“ – „Hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“. Das berühmte Vaterunser findet in der Bergpredigt auch seinen Ursprung.

2. Die Definition von Gerechtigkeit aus christlich- religiöser Sicht

„Nach biblischer Lehre bezeichnet Gerechtigkeit Gottes das stets seinem eigenen Wesen und Willen gerecht werdende und auf Ordnung und Heil gerichtete Handeln Gottes, das sich dem Menschen als Gerechtigkeit schenkendes Erbarmen oder als Gerechtigkeit forderndes Gericht bekundet. Gerechtigkeit des Menschen bezeichnet seine ganzheitliche Rechtheit, die ihm aus der Eingliederung in den göttlichen Willen erwächst, indem er diesen glaubend annimmt.“[1]

3. Gerechtigkeit in Lateinamerika

Ganz Lateinamerika befindet sich seit langer Zeit in einer Situation der Ungerechtigkeit. Die Länder Lateinamerikas sind weitestgehend klassenzerissene Gesellschaften, in denen die Minderheit die Macht besitzt, während die Masse das verarmte Volk darstellt. Daher fordert die in Armut lebende Masse des Volkes Gerechtigkeit, Freiheit und ein Leben, das den Grundrechten des Menschen gerecht wird. Die Herausforderung in Lateinamerika ist also in erster Linie die distributive Gerechtigkeit. Das Problem, das jedoch bei der Durchsetzung von Gerechtigkeit erkennbar wird, ist, dass die distributive Gerechtigkeit für die kollektive Mehrheit der Bevölkerung herbeigeführt werden muss, während die zu Gerechtigkeit aufgeforderten Menschen die Minderheit darstellt. Das anzustrebende Ziel ist also eine strukturelle Gerechtigkeit zugunsten der Gesamtheit des Volkes. Die Grundprinzipien zur Erlangung der Gerechtigkeit sollten gerade daher äußerst differenziert gesehen werden, um wirklich wahre Gerechtigkeit zu erreichen zu können. Die Kompetenzen der untersten Schicht müssen anerkennt, ja sogar gefördert werden. Ebenso ist es wichtig die Persönlichkeit jedes einzelnen zu respektieren und zu achten, womit die Menschenrechte geltend gemacht werden. Die Solidarität, die wir hier auch als Nächstenliebe oder Gemeinschaftstreue definieren können, ist auch ein wichtiger Aspekt, der keineswegs übergangen werden darf. Weiterhin sollten für die Armen durch Ermöglichung besserer materieller Lebensbedingungen Menschenwürde, Gleichheit und Freiheit wieder zur Realität werden. Aus Sicht der Befreiungstheologen sind es jedoch nicht nur zwischenmenschlichen Kontakte, die die Gerechtigkeit so schwierig machen. Grosse Schwierigkeiten entstehen auch durch das Problem von Grund und Boden infolgedessen die Vertreibung vom Land, die Arbeitslosigkeit, die Verelendung, Hunger, Kriminalität, Gewalt, in Stich gelassene Jugend, verwahrloste Kinder…etc. . Weiterhin machen die Außenverschuldungen der Länder das Gerechtigkeitsziel nicht einfacher.

Gerade in so schwierigen von gesellschaftlicher Armut gekennzeichneten Zeiten berufen sich die Befreiungstheologen auf religiöse Gebote, die in vielen Regionen der Welt schon in Vergessenheit geraten oder gedrängt worden sind. Ein Beispiel für diese Lehre ist die alte Unterscheidung von natürlichem Recht und positivem Recht. Nach natürlichem Recht gehören alle lebensnotwendigen Güter allen Menschen wohingegen das positive Recht nun die Verteilung der Güter je nach Umständen regelt. Es ist nicht richtig, dass die Kirche sich uneingeschränkt für das Privateigentum einsetzt. Es gibt sogar Kirchenoberhäupter, die der Meinung sind Privateigentum entspreche weniger der Natur als Gütergemeinschaft. Daraus folglich ist, dass in Fällen absoluter Not, die in Lateinamerika unumstritten vorhanden ist, das natürliche Recht an erster Stelle tritt und das positive auf den zweiten Platz verweist. Weiterhin wäre dann der Anspruch zu stellen was auf örtlicher Ebene gilt, sollte auch auf internationaler Ebene in Kraft treten. Es kommt zu einer Forderung einer neuen Weltwirtschaftsordnung.

Die Voraussetzung für einen gesamtheitlichen Frieden ist die Durchsetzung dieser Gerechtigkeit. Das Leben dieser Gerechtigkeit stellt sowohl in Armut, als auch in Reichtum das christliche Ideal menschlichen Zusammenlebens dar und wird somit zum Inhalt jeglicher Verkündigungen. Eine von Gott geschenkte Gerechtigkeit sollte in unserer heutigen Praxis Bedeutung gewinnen und stets weiter getragen werden.[2]

[...]


[1] Das moderne Lexikon Ger- Har, Bnd.7 Hrsg.: Bertelsmann in Zusammenarbeit mit Dr. H.F. Müller. Gütersloh 1971, S. 7

[2] Vgl. Kleines Lexikon zur Theologie der Befreiung. Hrsg. Horst Goldstein unter Mitarbeit von Raul Fornet- Betancourt, Kuno Füssel, Norbert Greinacher, Carlos Lenkersdorf, Othmar Noggler und Christel Voß- Goldstein. 1. Aufl. Düsseldorf 1991, S. 72- 76

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Gerechtigkeit als Leitbegriff der Bergpredigt
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
8
Katalognummer
V33629
ISBN (eBook)
9783638340601
ISBN (Buch)
9783656867418
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerechtigkeit, Leitbegriff, Bergpredigt
Arbeit zitieren
Kathrin Lückmann (Autor), 2004, Gerechtigkeit als Leitbegriff der Bergpredigt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33629

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