Das Ziel dieser Studienarbeit ist die kritische Analyse von Methoden der Lieferantenbewertung. Diese sollen die Grundlage für ein strategisches Lieferantenmanagement bilden.
Aus der existierenden Literatur zu diesem Thema ergibt sich eine Vielzahl möglicher Methoden. Die vorliegende Arbeit stellt die wichtigsten und in der Praxis am häufigsten eingesetzten Verfahren vor und analysiert diese.
Lange Zeit hatten Lieferantenbeziehungen für viele Unternehmen nur eine geringe Bedeutung und wurden häufig ähnlich einem Wettbewerbsverhältnis geführt. Die Lieferanten wurden meist als Konkurrenten gesehen und durch fortlaufende Preisverhandlungen oft unter Druck gesetzt. Dadurch wurden nicht nur hohe Kosten verursacht, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Lieferanten verschlechtert. Die Bewertung der Lieferanten wurde nur unter subjektiven Kriterien vorgenommen und oft inkonsequent durchgeführt. Für die meisten Unternehmen war das Ziel so günstige Einkaufspreise wie möglich zu erzielen.
Durch die zunehmende Globalisierung der internationalen Beschaffungsmärkte, verkürzten Produktlebenszyklen, steigenden Kosten und durch das Internet besser informierte Kunden werden die Unternehmen gezwungen nach neuen Wertschöpfungspotentialen zu suchen. Der steigende Preis- und Margendruck leitet viele Unternehmen dazu, den Schwerpunkt auf ihre Kernkompetenzen zu legen und besser mit ihren Lieferanten zusammen zu arbeiten.
Die meisten Unternehmen kommen zu dem Ergebnis, dass der Preis nur einer von vielen Faktoren ist, den es bei der Leistungsbewertung von Lieferanten zu berücksichtigen gilt. Vielmehr ist die Gesamtleistung der Lieferanten entscheidend für den eigenen Unternehmenserfolg.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen der Lieferantenbewertung
2.1 Bedeutung der Lieferantenbewertung
2.2 Ziele und Nutzen der Lieferantenbewertung
2.3 Bewertungskriterien für eine Lieferantenbewertung
2.3.1 Preis und Zahlungsbedingungen
2.3.2 Qualität
2.3.3 Lieferperformance
2.3.4 Service und Nebenleistungen
2.3.5 Innovationskraft
3 Quantitative Methoden der Lieferantenbewertung
3.1 Bilanzanalyse
3.2 Preis-Entscheidungsanalyse
3.3 Kosten-Entscheidungsanalyse
3.4 Optimierungsverfahren
3.5 Kennzahlenverfahren
4 Qualitative Methoden der Lieferantenbewertung
4.1 Numerische Verfahren
4.1.1 Notensysteme
4.1.2 Punktbewertungsverfahren
4.1.3 Matrix Approach
4.1.4 Nutzwertanalyse
4.2 Verbale Verfahren
4.2.1 Checklistenverfahren
4.2.2 Portfolio-Analyse
4.2.3 Lieferantentypologien
4.3 Grafische Verfahren
4.3.1 Profilanalyse
4.3.2 Lieferanten-Gap-Analyse
5 Ergänzende Methoden der Lieferantenbewertung
5.1 Fuzzy Logic
5.2 European Foundation for Quality Management-Modell
5.3 Geldwertmethode
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die kritische Analyse verschiedener Methoden zur Lieferantenbewertung, um eine fundierte Grundlage für ein strategisches Lieferantenmanagement zu schaffen und die Eignung verschiedener Verfahren in unterschiedlichen Unternehmenskontexten zu beleuchten.
- Methoden der quantitativen Lieferantenbewertung (z.B. Bilanz- und Kennzahlenanalyse)
- Methoden der qualitativen Lieferantenbewertung (z.B. Scoring-Modelle, Portfolio-Analysen)
- Kritische Analyse von Stärken und Schwächen der jeweiligen Ansätze
- Einsatzmöglichkeiten für verschiedene Beschaffungsziele
- Bedeutung der Lieferantenbewertung für den Unternehmenserfolg
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Portfolio-Analyse
Die Portfolio-Analyse kommt aus dem Bereich der Finanzwirtschaft und wurde bereits Anfang der 70er Jahre von der Boston Consulting Group (BCG) mitentwickelt. Das klassische Portfoliokonzept widmet sich strategischen Geschäftsfeldern innerhalb des Unternehmens und analysiert diese in Hinsicht auf Ertrags- und Risikogesichtspunkte. Um dieses Instrument für eine Lieferantenbewertung zu benutzen, wird die klassische Produkt-Markt-Kombination in die Kombination Lieferanten-Markt umgewandelt, so dass die Ertrags- und Risikopositionen jedes Lieferanten bewertet werden können. Für eine übersichtliche Darstellung werden die Lieferanten in einer zweidimensionalen Portfolio-Matrix dargestellt. Auf der Abszisse (x-Achse) wird der relative Marktanteil und auf der Ordinate (y-Achse) das Marktwachstum des jeweiligen Lieferanten abgebildet. In der Matrix steht ein Kreis für jeweils einen Lieferanten, wobei der Umfang des Kreises die Bedeutung des Lieferanten im Unternehmen wiederspiegelt.
Durch die Einordnung in die Portfolio-Matrix lassen sich die Lieferanten nach Cash Cows (dt.: Melkkühe), Poor Dogs (dt.: Arme Hunde), Stars (dt.: Sterne) und Question Marks (dt.: Fragezeichen) klassifizieren, für die folgende Strategien gelten:
Cash Cows sind erfolgreiche Lieferanten auf stagnierenden Märkten, die hohe Erträge erzielen. Die Erträge sollten so lange wie möglich abgeschöpft werden, da der Markt keine Zukunftsperspektive verspricht. Langfristig ist daher ein Austausch dieser Lieferanten zu empfehlen.
Poor Dogs haben weder einen hohen Marktanteil noch ein großes Wachstum. Dennoch kann der Markt aus Sicht des Abnehmers attraktiv sein (z.B. bei Spezialisierungsmärkten). Abnehmer solcher Lieferanten haben einen starken Standpunkt für Preisverhandlungen. Für Lieferanten in diesem Bereich wird trotzdem ein Rückzug aus dem Markt empfohlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung von Lieferantenbeziehungen in einem globalisierten Umfeld und definiert das Ziel der Arbeit, Methoden der Lieferantenbewertung kritisch zu analysieren.
2 Grundlagen der Lieferantenbewertung: Dieses Kapitel definiert den Prozess der Lieferantenbewertung, dessen Ziele und Nutzen sowie die für die Praxis relevanten Bewertungskriterien.
3 Quantitative Methoden der Lieferantenbewertung: Hier werden datenbasierte Ansätze wie Bilanzanalysen, Preis- und Kostenentscheidungsanalysen sowie Kennzahlenverfahren untersucht, die primär auf mathematisch messbaren Werten basieren.
4 Qualitative Methoden der Lieferantenbewertung: Dieses Kapitel erläutert Verfahren, die subjektive Einschätzungen und Meinungen integrieren, unterteilt in numerische, verbale und grafische Methoden wie die Portfolio-Analyse.
5 Ergänzende Methoden der Lieferantenbewertung: Es werden ergänzende, in der Literatur weniger verbreitete Ansätze vorgestellt, darunter Fuzzy Logic, das EFQM-Modell und die Geldwertmethode.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Methoden zu kombinieren, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für das Lieferantenmanagement zu erhalten.
Schlüsselwörter
Lieferantenbewertung, Lieferantenmanagement, Beschaffung, Lieferantenbeziehung, Kennzahlen, Portfolio-Analyse, Scoring-Modell, Nutzwertanalyse, Bilanzanalyse, Lieferperformance, Beschaffungsstrategie, Lieferantenauswahl, Wettbewerbsvorteil, Risikomanagement, Lieferantentypologien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Studienarbeit befasst sich mit der kritischen Analyse verschiedener Methoden zur Lieferantenbewertung, um Unternehmen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für ihr strategisches Lieferantenmanagement zu bieten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung von Lieferantenbeziehungen, die Definition von Bewertungskriterien sowie die detaillierte Klassifizierung von Bewertungsverfahren in quantitative, qualitative und ergänzende Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die wichtigsten in der Praxis eingesetzten Verfahren vorzustellen, ihre Vor- und Nachteile aufzuzeigen und Strategien für die Auswahl geeigneter Bewertungsinstrumente abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, in der verschiedene Ansätze zur Lieferantenbewertung, die in Fachbüchern und Publikationen beschrieben sind, kritisch gegenübergestellt und theoretisch bewertet werden.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung quantitativer (z.B. Kennzahlen) und qualitativer (z.B. Portfolio-Analyse) Methoden sowie einiger innovativer Ansätze wie der Fuzzy Logic.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Lieferantenbewertung, Beschaffungsmanagement, Lieferantenbeziehung, Scoring-Modell, Kennzahlen und strategische Lieferantenentwicklung.
Worin liegt der Unterschied zwischen quantitativen und qualitativen Methoden?
Quantitative Methoden stützen sich auf mathematisch messbare Daten (z.B. Bilanzkennzahlen), während qualitative Methoden zusätzlich subjektive Einschätzungen und nicht-monetäre Kriterien wie Serviceleistung integrieren.
Warum wird die Portfolio-Analyse für Lieferanten eingesetzt?
Sie dient dazu, Lieferanten strategisch in einer zweidimensionalen Matrix (Marktanteil vs. Marktwachstum) einzuordnen, um daraus spezifische Handlungsstrategien abzuleiten.
Ist ein einziges Bewertungsverfahren für Unternehmen ausreichend?
Nein, die Arbeit empfiehlt, verschiedene Methoden zu kombinieren, um Schwachstellen einzelner Ansätze auszugleichen und eine ganzheitliche, mehrkriterielle Bewertung zu erreichen.
Welche Herausforderungen bestehen bei der Lieferantenbewertung?
Zu den Herausforderungen gehören der hohe Aufwand für die Informationsbeschaffung, die Subjektivität bei qualitativen Bewertungen und die Schwierigkeit, eine für das Unternehmen optimale, exakte Methode zu finden.
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- Michael Zeller (Author), 2015, Strategisches Lieferantenmanagement. Kritische Analyse der Lieferantenbewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336325