Geboren von der Jungfrau Maria


Hausarbeit, 2003

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Praktizierte und gelehrte Marienverehrung

3. Die Jungfrauengeburt im Neuen Testament

4. Die Jungfrauengeburt als Symbol der Exklusivität Jesu?

5. Die Jungfrauengeburt steht nicht im Zentrum des christlichen Glaubens

6. Der Glaube an die Wahrheit des Schöpferwillens Gottes

7. Quellennachweis

1. Einleitung.

Jesus von Nazareth wurde nach biblischer Überlieferung von einer jungen Frau namens Maria geboren, von der Christinnen und Christen weltweit bekennen, sie sei am Tag der Niederkunft Jungfrau gewesen. „Geboren von der Jungfrau Maria“ heißt der entsprechende Bekenntnissatz im christologischen Teil des Credos, über dessen Wahrheitsgehalt und Bedeutung für den Glauben an Jesus Christus kontrovers diskutiert wird. Wenn nun das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Messias, dem Gottessohn diesen Glaubenssatz enthält, ist es dann auch verpflichtend für Christinnen und Christen, daran zu glauben? Oder ist man etwa kein Christ, wenn man diese Jungfrauengeburt nicht zu glauben gewillt oder imstande ist? Stellt die Jungfrauengeburt ein historisches Faktum dar? Der Frage nach der Bedeutung und dem Stellenwert der jungfräulichen Geburt für den Glauben soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.

2. Praktizierte und gelehrte Marienverehrung.

In der Katholischen Kirche kann man einen wahren Kult um die Verehrung der Mutter Jesu feststellen. Wenn ich im Folgenden undifferenziert von der Katholischen Kirche behaupte, sie betreibe eine solch starke Marienverehrung und lehre eine gar heldenhafte Darstellung der Mutter Jesu, so muss jedoch festgehalten werden, dass die Diskussion um die Jungfrauengeburt keineswegs eine rein katholische ist, sondern, dass es sehr wohl katholische Theologen gibt, „die hier eher schweigen, und evangelische Theologen, die hier – wie beispielsweise Karl Barth – das ‚Geheimnis der Weihnacht’ erblicken.“[1] Es lässt sich also nicht pauschal sagen, die eine Konfession bezeuge die Jungfrauengeburt als Wahrheit, eine andere nicht. Der Streit um die Jungfrauengeburt ist folglich kein konfessioneller, sondern entbrennt in allen Konfessionen.[2]

In der Katholischen Kirche jedenfalls bestimmt die Marienverehrung zu großen Teilen das gelehrte Glaubensbild; im römischen Katholizismus hat sich im Zusammenhang mit dieser z.T. stark ausgeprägten Verehrung gar eine umfangreiche Lehre ausgebildet: die Mariologie. Es werden vier Mariendogmen unterschieden.[3] Den Ursprung der Verehrung finden Mariologen im ersten (hier thematisierten) Dogma von der jungfräulichen Geburt Jesu. Begründet wird dieses mit Lk. 1,26ff. und Mt. 1,18ff. und fand wie bereits erwähnt und hinlänglich bekannt Einzug in das apostolische Glaubensbekenntnis. Während die Reformierten Kirchen lediglich von der jungfräulichen Geburt Jesu ausgehen, hält die Marienverehrung der Katholischen Kirche an einer immerwährenden Jungfräulichkeit fest. Diese Überzeugung jedoch scheint unhaltbar. „Oder sollten etwa auch Jakobus, Joses, Simon und Judas sowie einige Schwestern jungfräulich geboren sein? Davon ist nicht die Rede.“[4] Die Katholische Kirche hilft sich, indem die Geschwister Jesu nicht als solche anerkannt werden, sondern als Vettern gelten und der Mutter Maria nur eine Geburt zugeschrieben wird. Des Weiteren findet sich das Dogma von Maria als Gottesgebärerin (431)[5] und jenes von der Empfängnis Marias ohne Erbsünde (1854)[6], zu dem jeglicher Schrift- und Traditionsbeweis fehlt. Schließlich muss doch die Gebärerin eines Gottes frei von jeder Sünde sein; Maria ist also von Anfang ihrer persönlichen Existenz an geheiligt. Zuletzt aufgestellt wurde das Dogma der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel (1950)[7], da eine Himmelfahrt einer jungfräulichen Gottesgebärerin »angemessen« schien. Es macht fast den Anschein, als bedinge jedes dieser Dogmen ein folgendes, um letztlich der Mutter Jesu die Ehre zu erweisen, die ihr nach mariologischer Auffassung gebührt und ihre besondere Funktion angemessen darzustellen.

Welche Folgen jedoch eine solche Darstellung, eine solche Schaffung eines weiblichen Idols haben kann, soll folgende Überlegung verdeutlichen:

Die Figur der Maria stellt in dieser Form der Verehrung ein idealisiertes Frauenbild dar, eine Heldin mit Idolcharakter. Aber kann diese Maria, die jungfräuliche Mutter, die frei ist von Erbsünde und jedem Makel, die in ihrer Leiblichkeit in den Himmel aufgenommen wurde, ein wahres Vorbild sein? Bietet sie eine empfehlenswerte Orientierung für das Leben einer Frau von heute – ich denke nicht. Niemals wird eine Frau auch nur annähernd an dieses Ideal heranreichen, denn sie kann sich nur entscheiden, gemeinsam mit einem Mann Kinder zu bekommen, also das Idealbild der Mutter zu erfüllen, oder aber das andere Ideal der Jungfräulichkeit zu leben. Die reale Frau blieb und bleibt also immer fehlerhaft. Zudem trug das Vorbild der demütigen, gehorsamen, dienenden Maria mit zur Rolle der Frau als unterwürfige Untertanin des Mannes bei. Eine Frau aus heutiger Zeit kann sich also kaum mit dieser Maria identifizieren und wird unbedingt von vornherein scheitern, bei dem Versuch, ein derart vorbildhaftes Leben für sich selbst zu führen. Dies ist nur ein kurzer Einblick in die Kritik, die z.B. die feministische Theologie zum Thema der Marienverehrung vorbringt.

Jungfräuliche Gottesmütter sind uns durchaus auch aus anderen Traditionen bereits bekannt. Nehmen wir als Beispiel Hathor: „Wie sie aus jungfräulichem Leib allmorgendlich den Sonnenball gebiert und am Abend wieder in sich aufnimmt, bringt sie ohne Empfängnis auch Horus zur Welt. Die Jungfräulichkeit der Großen Göttin hat allerdings nichts mit körperlicher »Reinheit« oder gar Sexualfeindlichkeit zu tun. Sie ist vielmehr Ausdruck weiblicher Vollkommenheit. […] In der christlichen Gottesmutter dagegen verwandelte sich die aus eigener Vollkommenheit heraus gebärende Göttin des frühen Mythos zur »reinen« Jungfrau, die nicht mit der Sünde des Sexualaktes behaftet ist.“[8] Augustinus und später Thomas von Aquin entwickelten eine derartig starke Abscheu vor der Sexualität, dass Maria nur durch den Heiligen Geist empfangen haben kann, „andernfalls wäre auch der durch sie geborene Erlöser mit dem Makel solcher Unreinheit behaftet worden.“[9]

„Diese Jungfräulichkeit aber heute noch biologistisch auszulegen, wie der Papst das tut, ist nicht nur eine Beleidigung der menschlichen Vernunft, es fördert auch die Irrlehre von der Sündhaftigkeit der Sexualität und trägt mit bei zur Aufrechterhaltung weiblichkeitsverachtender Tendenzen.“[10]

[...]


[1] Orth, 2002, S.80. / zum ‘Geheimnis der Weihnacht’ vgl. Barth, 1947, S.124ff.

[2] Vgl. Orth, 2002, S.80.

[3] Vgl. Leonhardt, 2001, S.212ff.

[4] Ben-Chorin, 1982 (b), S.16.

[5] Vgl. auch Baumer, 1993, S.289ff.

[6] Vgl. ebd., S.289ff.

[7] Vgl. ebd.,S.289ff.

[8] ebd., S.294.

[9] ebd., S.294.

[10] ebd., S.296.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Geboren von der Jungfrau Maria
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
9
Katalognummer
V33646
ISBN (eBook)
9783638340731
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit / Kurzrecherche Dogmatik
Schlagworte
Geboren, Jungfrau, Maria
Arbeit zitieren
Dipl.Rel.Paed./Diakon Florian Elsner (Autor), 2003, Geboren von der Jungfrau Maria, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33646

Kommentare

  • Gast am 12.8.2008

    Hallo.

    Kleine Anmerkung:
    Die reformatorischen Bekenntnisse halten ebenfalls an dem Theotokos-Dogma fest, auch an der Jungfräulichkeit während und nach der Geburt. Blöd, wenn die eigene Lehre nicht bekannt ist...was liberale evangelische Theologen und "Bischöfe" heute sagen, ist da irrelevant.

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