Jesus von Nazareth wurde nach biblischer Überlieferung von einer jungen Frau namens Maria
geboren, von der Christinnen und Christen weltweit bekennen, sie sei am Tag der Niederkunft
Jungfrau gewesen. „Geboren von der Jungfrau Maria“ heißt der entsprechende Bekenntnissatz im
christologischen Teil des Credos, über dessen Wahrheitsgehalt und Bedeutung für den Glauben an
Jesus Christus kontrovers diskutiert wird. Wenn nun das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem
Messias, dem Gottessohn diesen Glaubenssatz enthält, ist es dann auch verpflichtend für
Christinnen und Christen, daran zu glauben? Oder ist man etwa kein Christ, wenn man diese
Jungfrauengeburt nicht zu glauben gewillt oder imstande ist? Stellt die Jungfrauengeburt ein
historisches Faktum dar? Der Frage nach der Bedeutung und dem Stellenwert der jungfräulichen
Geburt für den Glauben soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Praktizierte und gelehrte Marienverehrung
3. Die Jungfrauengeburt im Neuen Testament
4. Die Jungfrauengeburt als Symbol der Exklusivität Jesu?
5. Die Jungfrauengeburt steht nicht im Zentrum des christlichen Glaubens
6. Der Glaube an die Wahrheit des Schöpferwillens Gottes
7. Quellennachweis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wahrheitsgehalt und die Bedeutung des christologischen Bekenntnissatzes „Geboren von der Jungfrau Maria“. Das Ziel ist es, den theologischen Stellenwert der Jungfrauengeburt kritisch zu hinterfragen und zu klären, ob dieser Glaubenssatz eine zwingende Voraussetzung für das Christsein darstellt oder ob er eine symbolische Deutung der Menschwerdung Gottes im Sinne eines neuen Anfangs darstellt.
- Kritische Auseinandersetzung mit der gelehrten und praktizierten Marienverehrung
- Analyse der neutestamentlichen Quellenlage zur Jungfrauengeburt
- Untersuchung der Jungfrauengeburt als theologisches Symbol statt als historisches Faktum
- Abgrenzung der christlichen Perspektive vom Mythos der jungfräulichen Gottesmütter
- Herausarbeitung der zentralen Bedeutung des Schöpferwillens Gottes gegenüber der biologischen Frage
Auszug aus dem Buch
Die Jungfrauengeburt im Neuen Testament.
Sucht man nach Ursachen für die oben beschriebene Ausübung einer Marienverehrung, so liegt es nahe, Nachweise in der Heiligen Schrift, vorzugsweise im Neuen Testament zu finden. Die Evangelien nach Matthäus und Lukas sind die einzigen Schriften des Neuen Testaments, die überhaupt eine Kindheitsgeschichte Jesu liefern, beinhaltend seinen Stammbaum, die Nennung der Eltern, die Geistzeugung und die jungfräuliche Geburt. Das älteste Evangelium des Markus kennt diese Geschichte nicht und auch die paulinischen Briefe, die frühesten Dokumente des Neuen Testamentes, nennen nicht den Namen der Mutter, sondern sprechen nur von der Geburt Jesu »aus der Frau« (Gal. 4,4) zur Betonung der Menschlichkeit Jesu, nicht aber »aus der Jungfrau«. Die Informationen, die das Neue Testament über die Jungfrauengeburt liefert, sind also mehr als spärlich.
Bei genauerer Betrachtung fällt dann auf, dass selbst diese beiden Evangelisten keine übereinstimmende Schilderung der Situation liefern, sondern im Gegensatz dazu sich sogar unvereinbar widersprechen. Die Botschaft des Engels betreffend die Schwangerschaft Marias z.B. erfolgt bei Matthäus an Joseph (Mt. 1,20), bei Lukas an Maria (Lk. 1,30). Die einzigen sicheren Übereinstimmungen der beiden Evangelisten sind die Namen Joseph und Maria sowie die Tatsache der Jungfrauengeburt in Bethlehem. Diese Übereinstimmungen lassen sich begründen. Bereits der Prophet Jesaja „erwartet einen zukünftigen König, der, von Gottes Geist befähigt, Frieden, Recht und Gotteserkenntnis durchsetzen wird.“ Dort heißt es: „Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“ (Jes. 7,14). Die Geburt des Messias durch eine Jungfrau war der Gemeinde folglich aus dem griechischen Alten Testament bekannt, ebenso der Geburtsort Bethlehem.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wahrheitsanspruch des Bekenntnissatzes „Geboren von der Jungfrau Maria“ und fragt nach dessen Verbindlichkeit für den christlichen Glauben.
2. Praktizierte und gelehrte Marienverehrung: Dieses Kapitel kritisiert die Idealisierung Marias in der Mariologie und beleuchtet die problematischen Folgen eines solchen Frauenbildes.
3. Die Jungfrauengeburt im Neuen Testament: Es wird dargelegt, dass die neutestamentlichen Berichte spärlich und widersprüchlich sind, wobei der Begriff „Jungfrau“ maßgeblich auf einem Übersetzungsfehler beruht.
4. Die Jungfrauengeburt als Symbol der Exklusivität Jesu?: Das Kapitel diskutiert, ob die Erzählung als Stilmittel diente, um Jesus in die Reihe antiker großer Männer einzuordnen, ohne jedoch seine Exklusivität zu betonen.
5. Die Jungfrauengeburt steht nicht im Zentrum des christlichen Glaubens: Die Erzählung wird als ätiologische Legende und Ursymbol interpretiert, das weniger ein biologisches Faktum als vielmehr eine tiefenpsychologische und theologische Deutung darstellt.
6. Der Glaube an die Wahrheit des Schöpferwillens Gottes: Das Schlusskapitel betont, dass der Glaube an Jesus Christus vom Glauben an die historische Jungfrauengeburt entkoppelt ist und der Fokus auf dem Schöpferwillen Gottes liegen sollte.
7. Quellennachweis: Auflistung der verwendeten theologischen und exegetischen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Jungfrauengeburt, Marienverehrung, christologisches Credo, Neues Testament, Exegese, Mariologie, Schöpferwille Gottes, Mythos, Ursymbol, Gottessohnschaft, feministische Theologie, historisches Faktum, biblische Überlieferung, Immanuel, Verkündigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wahrheitsgehalt und die Bedeutung des Glaubenssatzes „Geboren von der Jungfrau Maria“ im christlichen Credo und hinterfragt dessen Rolle für das moderne Christentum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Recherche?
Die Themen umfassen die Marienverehrung, die Analyse neutestamentlicher Kindheitsgeschichten, den Vergleich biblischer Texte mit mythischen Motiven sowie die Rolle der Exegese.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung, ob die Jungfrauengeburt ein historisches Faktum sein muss, um den Glauben an Jesus als Messias zu rechtfertigen, oder ob sie eher als symbolische Aussage über Gottes Wirken verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine historisch-kritische sowie eine literarische Analyse der biblischen Quellen und zieht psychologische sowie feministisch-theologische Perspektiven zur Interpretation heran.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Widersprüchlichkeit der Berichte bei Matthäus und Lukas, die Entstehung des Begriffs durch Übersetzungsfehler aus dem Alten Testament und die psychologische Bedeutung des „göttlichen Kindes“ als Archetyp.
Welche Schlüsselbegriffe prägen diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Jungfrauengeburt, Mariologie, Schöpferwille Gottes, Ursymbol, biblische Exegese und der Anspruch des „Christseins“.
Warum ist der Begriff „Jungfrau“ im Neuen Testament laut Autor problematisch?
Der Autor weist darauf hin, dass der Begriff auf einer falschen Übersetzung des hebräischen Wortes „alma“ (junge Frau) durch das griechische „parthénos“ (Jungfrau) basiert.
Inwiefern beeinflusst das Marienbild das moderne Rollenverständnis der Frau?
Das idealisierte Bild einer sündenfreien, unterwürfigen Jungfrau und Mutter wird als realitätsfern und potenziell unterdrückend für das Selbstbild heutiger Frauen kritisiert.
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- Dipl.Rel.Paed./Diakon Florian Elsner (Author), 2003, Geboren von der Jungfrau Maria, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33646