Karl Mays Orient und 'die bösen Araber' im Roman „Durch die Wüste“


Masterarbeit, 2016

92 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 HISTORISCHE SITUATION ZUR ENTSTEHUNGSZEIT VON „DURCH DIE WÜSTE“. EIN ÜBERBLICK
2.1 Islamkunde und Orientalistik zur Zeit Mays
2.2 Der deutsche Orientalismus
2.3 Die Orientalisten und Afrikareisenden im Dienst des Deutschen Reiches
2.4 Präsenz der Kolonialmächte England und Frankreich und Deutsche Ambitionen
2.5 Das Streben Ägyptens nach Eigenständigkeit
2.6 Der Abenteuerroman im 19. Jh. und Karl May: Allgemeine charakteristische Züge

3 DER ROMAN „DURCH DIE WÜSTE“
3.1 Zur Person des Autors
3.2 Aufbau des Romans „Durch die Wüste“
3.3 Die Darstellung der Araber im Roman „Durch die Wüste“
3.4 Die Charakterisierung Kara Ben Nemsis
3.5 Die anderen Völker
3.6 Hadschi Halef Omar als Bild für die Araber bzw. die Muslime
3.7 Kara Ben Nemsi im Vergleich mit Halef Omar

4 ISLAMBILDIM ROMAN
4.1 Missionierungsverhalten des Romanhelden im Land der Araber
4.2 Mays Darstellung der islamischen Lehre
4.3 Die Gegenüberstellung von Islam und Christentum und das Bild der 'Orientlischen Frauen'

5 ZU DEN QUELLEN VON KARL MAY
5.1 Die Reiseberichte von Alfred Brehm
5.2 Die Reiseberichte von Gerhard Rohlfs
5.3 Quellen zum Islambild

6 VERSCHIEDENE DEUTUNGEN VON MAYS ROMAN
6.1 Deutungen von Mays Romanen als Abenteuerliteratur
6.2 Besondere psychologische Deutung von Mays Romanen. Eine Auswahl

7 DIE BOTSCHAFT KARL MAYS: TOLERANZ ODER AUSDRUCK VON IMPERIALISTISCHEN IDEEN?
7.1 Die Diskrepanz zwischen Kara Ben Nemsi und seiner Umwelt
7.2 Mays Orientdarstellung
7.3 Verschiedene Beurteilungen der imperialistischen Tendenzen in Mays Werk

8 FAZIT

9 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Tief über die Mähne der Pferde gebückt, mit wilden, schwarzen Gesichtem und geschwungenen Säbeln, so stürmen die arabischen Reiterschwärme über das menschenverlassene Land. Unter den trommelnden Hufen krümmt sich die gepeinigte Erde. Zerstampft sind die Äcker, niedergewalzt die Behausungen der Menschen. Kein Halm bleibt, wo der heillose Wüstenspuk vorüberbraust...[1]

Mit diesen düsteren Worten beschreibt Sigrid Hunke in ihrem Buch „Allahs Sonne über dem Abendland“ aus dem Jahr1960 das Araberbild, das sie als in den deutschen Schulen ihrer Zeit vorherrschend betrachtet. Dieses Bild hat eine lange Tradition. Im vorletzten Jahrhundert assoziierte man im Westen mit dem Orient, der in seinem weit­reichenden Sinn den Raum von China bis zum südlichen Mittelmeerraum umfasst,[2] et­was Mysteriöses und auch eine Welt der Illusionen, der Liebe, des Vergnügens oder des absolut Bösen.[3] Dieses Bild war und ist diskussionswürdig. Die wissenschaftliche Be­trachtung des Orients stand zu Beginn der Eroberung des Orients durch den Westen noch im Hintergrund. Stattdessen wurden die islamischen Länder nach der napoleoni- schen Invasion Ägyptens 1798 noch als eine Art Übungsfeld, Laboratorium und Schauplatz für den Sieg des westlichen Wissens über den Orient betrachtet.[4] Erst im Laufe der Zeit veränderte sich der Blick zu einer wissenschaftlichen Untersuchung des Orients.

Die Themen der Unterhaltungsliteratur blieben dagegen überwiegend auf einen mär­chenhaften Orient beschränkt, der durch seine Fremdheit faszinierte. Ob und wie die wissenschaftlich arbeitenden Orientalisten[5] das Bild der Araber in der Unterhaltungsli­teratur beeinflussen konnten, soll in dieser Arbeit exemplarisch am Roman Durch die Wüste (1880-1881) von Karl May analysiert werden, dessen Handlung sich in dem geografischen Raum von Nordafrika bis zum Irak abspielt. Dabei soll gezeigt werden, welcher Anteil im Werk Karl Mays reine Fiktion ist und welchen er von den Werken der europäischen Orientalisten übernahm. May schrieb diesen Roman in einer Zeit, in der die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Orient schon fortgeschritten war und die Länder, in denen der Roman spielt, bereits erheblich vom Westen geprägt waren.

In dieser Arbeit soll also das Bild des islamischen Ostens bzw. das Bild der Araber ausgearbeitet werden, wie es von Karl May in diesem Roman entworfen wird. Die in dem Roman behandelte arabische Welt enthält unterschiedliche Themen, die mit dem Araber und seinem Erscheinungsbild beginnen und dann mit seiner Kultur, Religion und seinem Charakter fortgesetzt und den westlichen Äquivalenten gegenübergestellt werden. Diese Darstellung der arabischen Welt soll mit der damaligen wissenschaftli­chen Beschäftigung mit dem Orient verglichen werden. Hierbei sollen auch die Quel­len analysiert werden, auf die May bei seiner Arbeit an dem Roman zurückgreifen konnte. So kann gezeigt werden, auf welche Informationen über die arabische Welt er bei seiner Arbeit Zugriff hatte und ob sie Spuren in seinem Roman hinterlassen haben. Ein weiterer Anlass für die Auswahl des Themas liegt darin, dass dieser Roman von Karl May nicht nur in den deutschsprachigen Ländern, sondern auch in vielen anderen Ländern verbreitet wurde, was durchaus zu Ressentiments gegen den 'Orientalen' in den Köpfen des Westens geführt hat. Der Einfluss, den Mays Romane auf die Leser hatte, ist sowohl von seinen Anhängern wie auch von seinen Gegnern oft betont wor­den. So stellt Schmiedt[6] fest, dass das „quantitativ zu erfassende Ausmaß der Wirkung schnell umschlägt in die qualitative Manipulation der Denkkategorien seiner Leser­schar“.

Dabei zitiert Schmiedt einen Bericht von Fedor Mamoth aus der Frankfurter Zeitung von 1899: „[D]ieser Schriftsteller ist auf Wegen, die abseits von der politischen Tages­presse liegen, ein Faktor in den geistigen Strebungen der Gegenwart geworden, mit dem man zu rechnen hat“.[7]

Die Arbeitshypothese dieser Arbeit lautet, dass Karl Mays Roman keine neutrale Schil­derung des Orients oder der Araber darstellt, sondern eine von Vorurteilen und Stereo­typen dominierte Darstellung ist, deren wissenschaftliche (historische) Grundlage sich in den geografischen Daten und Ortsnamen bereits erschöpft. Daran schließt sich die Frage an, wie er diese Vorurteile und Stereotype einsetzt und warum er auf diese Weise arbeitet. Durch die jetzigen dramatischen Ereignisse, die in der arabischen Welt vor und zu Beginn des Arabischen Frühlings und nicht zuletzt mit Kriegen, Elend, Zwie­spalt und einer neuen fanatischen Ideologie eingetreten sind, mag diese Arbeit ihre Ak­tualität erlangen.

2 Historische Situation zur Entstehungszeit von „Durch die Wüste“. Ein Überblick

In diesem Kapitel sollen die verschiedenen Herangehensweisen der westlichen For­schung an die arabische Wissenschaft der Islamkunde sowie die Art und Weise der Kontakte zwischen Orient und Europa dargestellt werden. Ziel ist es, zu analysieren, welchen Stand die Islamwissenschaft zur Zeit der Entstehung des Romans „Durch die Wüste“ hatte, so dass dann verglichen werden kann, ob und wie weit Karl May sich auf die zu dieser Zeit zugänglichen Quellen gestützt hat. Hierzu gehört auch eine Ana­lyse der geografischen Fakten aus diesem Roman und die Überprüfung auf ihre Rich­tigkeit. Um die historische Situation zur Entstehungszeit dieses Romans genauer zu verstehen, wird in diesem Kapitel zum Schluss noch auf die Tradition des Abenteuer­romans iml9. Jh. eingegangen.

2.1 Islamkunde und Orientalistik zur Zeit Mays

Der Inhalt des Korans blieb jahrhundertelang im Abendland unbekannt, bis die erste Auflage der lateinischen Übersetzung des Italieners Robertus Ketensis im Jahr 1543 erschien. Nicht nur die Angst der Muslime, dass der Koran - aus ihrer Sicht - von Un­gläubigen entweiht werde, führte zu dem Verbot, Koranexemplare ins Feindland - die okzidentale Welt - mitzunehmen, sondern auch der Glaube, dass der Koran, das Buch Allahs, so heilig sei, dass er nur von Gläubigen mit reinen Händen berührt und getra­gen werden dürfe. Die Überzeugung von der Unnachahmlichkeit des Korans „ließ auchjeden Versuch einer Übersetzung in eine fremde Sprache als aussichtslos erschei­nen, und bei der Ausbreitung des Islams spielt[e] es [die Verbreitung des Korans, Anm. des Autors] infolgedessen keine Rolle“[8]. Der Islam breitete sich also aus, ohne dass der Koran dabei ebenfalls verbreitet worden wäre. Obwohl die Koranübersetzung von - oben genanntem - Robertus erhebliche Mängel bei den Paraphrasen und der wörtli­chen Treue aufweist, wurde im Jahr 1616 eine Übersetzung aus dem Italienischen ins Deutsche und in andere europäische Sprachen herausgegeben.[9]

Was Orientalisten wie Johann Hottinger[10] und Johan Selden[11] zum Studium christ­lich-arabischer Quellen führte, war ausschließlich das kirchlich-theologische Interesse. Wegen des Übergewichtes des arabischen Schrifttums wurde der Blick der Forscher dabei immer mehr auf den Islam selbst gelenkt. Diese Tendenz wurde durch den Machtzerfall des osmanischen Reiches, der zu Ende des 17. Jahrhunderts immer deut­licher sichtbar wurde, befördert. Als der Ansturm der Osmanen vor den Mauern Wiens 1683 scheiterte, änderte sich die politische Haltung der europäischen Länder. Denn mit dem Rückzug der Osmanen „schuf das Gefühl der Ruhe und Erleichterung nun mehr auch die Voraussetzungen für eine von Hass und Leidenschaften ungetrübte Beurtei­lung der Religion des Gegners“[12]. Dieses Ereignis ebnete den Weg zum neuen, sachli­chen Nachdenken über die Religion und die Kultur des 'Anderen'. Von der Aufklärung gingen die entscheidenden Anstöße aus, welche die Arabistik aus dem Bannkreis theo­logischer Gedankengänge hinausführten. Hier begann eine Phase zum Verständnis der theologischen Lehre des Islam und des Kulturgutes des 'Anderen'.

Der Islam und nicht zuletzt seine Geschichte verbreiteten sich weit in Afrika, Asien und noch dazu in vielen Teilen Europas. Diese Verbreitung des Islam, die nun nicht mehr als bedrohlich wahrgenommen wurde, führte dazu, dass die Orientalisten von der kirchlichen Auslegung, die islamische Lehre sei absurd und lächerlich, nicht mehr überzeugt waren. Die Orientalisten wollten das kulturelle und wissenschaftliche Erbe dieser Welt sowie den Islam durch ernsthafte Auseinandersetzung und neutrale Beob­achtung ohne dogmatische Voreingenommenheit studieren. Von einer exaltierten Be­geisterung für den Orient wurde die Welt Europas sogar bereits im 17. Jahrhundert er­fasst.[13]

Während in Frankreich durch den Verlauf der politischen Entwicklung zu Ende des 18. Jahrhunderts die Voraussetzungen für kirchlich freie Arabistik begründet wurden, hatte diese in den deutschen Hochschulen nach wie vor eine untergeordnete Stellung inne, „welche die sacra Philologia den orientalischen Studien insgemein zuwies“[14]. Dies führte dazu,

daß nicht bei den berufenen Vertretern der Wissenschaft, sondern in den Laienkreisen des gebildeten Bürgertums das neue, von der Aufklärung geformte Orientbild zuerst zur vollen Anerkennung kam, und daß es Liebhaber waren, welche dem Studium des Orients ihre Muße widmeten.[15]

Im Jahr 1845 in Leipzig wurde die Deutsche Morgenländische Gesellschaft nach dem Muster der Société Asiatique in Paris und der Royal Asiatic Society in London gegrün­det. In Wien erschien aber vorher die „Fundgrube des Orients“ in Form eines Jour­nals.[16]

Neben der Islamkunde gab es über die Religion hinaus auch Interesse an Land und Leuten. Die westliche Welt gab sich Mühe, diese - aus ihrer Sicht - exotische Welt zu erkunden, aus der Nähe zu beobachten und wissenschaftlich zu erforschen. Eine Moti­vation dafür mag gewesen sein, eine zukünftige Bedrohung vom damaligen osmani- schen Reich für Europa zu verhindern und diese Länder wiederum politisch und wirt­schaftlich einzudämmen und demnach die absolute Herrschaft über sie als Kolonien innezuhaben.[17]

Die Kenntnisse über die Sahara waren im Westen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sehr fragmentarisch geblieben. Im Jahr 1788 wurde in England die Gesellschaft zur Förderung der Entdeckung der inneren Teile Afrikas zur planmäßigen Erforschung Afrikas gegründet. Die gegründete Gesellschaft verfolgte u.a. das Anliegen Englands, die unerschlossenen Gebiete der englischen Wirtschaft als Rohstoffquellen und Ab­satzmärkte nutzbar zu machen. Die Erforschung der Sahara, wo sich die Handlung des in dieser Arbeit vorgestellten Romans vollzieht, wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Gegenstand eines internationalen Wettstreites. Im Vordergrund standen dabei für die Auftraggeber nationales Prestige und zunehmend ökonomische Interes­sen. Methodisch ließen sich die neuen mutigen Forscher von den früheren fragmentari­schen Forschungsperioden nicht manipulieren, sondern sie ließen sich, ihrer üblichen Methodik folgend, von tiefem humanitären Streben leiten, um die Vervollkommnung des Weltbilds zu erreichen. Damit endete die klassische Zeit der Saharaforschung und es begann eine neue Phase.[18] Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Forschun­gen zu ,,[s]taatliche[n] Expeditionen mit politischen und ökonomischen Zielstellungen, die sich häufig mit brutaler militärischer Gewalt den Weg bahnten“[19].

England und Frankreich waren in der Phase der großen kolonialen Expansion um 1870 im Orient stark präsent. Im islamischen Osten herrschte England damals in Ägypten, Sudan, der Kolonie Aden (heutiges Jemen und Oman) und Al Bahrain. Frankreich be­saß in Nordafrika nicht nur Teile von Libyen, Tunesien, Algerien und später Marokko, sondern auch später Syrien in Asien. Mit dem Datum von 1870 hatte - nach Edward Said - eine neue Phase des Orientalismus angefangen, nämlich »Orientalismus heute«, und sie knüpft da an, wo die vorherige abbrach, nämlich etwa im Jahr 1870, der Phase der großen kolonialen Expansion in den Orient, und gipfelt im zweiten Weltkrieg.[20]

2.2 Der deutsche Orientalismus

Der Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland betriebene Orientalismus war nicht vergleichbar mit dem auf diesem Gebiet schon weiter fortgeschrittenen Orientalismus des Nachbarn Frankreich. Auf der institutionellen Ebene litten die deutschen Orienta­listen nicht nur unter den Fesseln der theologischen Studien und Denkschablonen über den Orient, sondern auch unter der grundsätzlichen und strukturellen Benachteiligung der Orientalisten innerhalb der Universität und des akademischen Milieus. In den frü­hen Jahren des 19. Jahrhunderts konnten die Orientalisten nicht einmal einen Doktor­grad erwerben.[21] Wegen der institutionellen Hindernisse, die das ordentliche und aus­schließliche Studium der orientalischen Sprachen bis in die 1940er Jahre an den deut­schen Universitäten praktisch verhinderten, mussten die deutschen Orientalisten tem­porär ihren eigenen Ausbildungsweg gehen. Dafür kamen weder die heimischen Uni­versitäten und noch nicht einmal die Wiener Orientalische Akademie infrage, sondern vor allem die Pariser Ecole spèciale des langues orientales.[22]

Aus Paris kamen über persönliche Berichte oder wissenschaftliche Zeitschriften seit Beginn des 19. Jahrhunderts immer neue Mitteilungen über den Fortgang der orientali­schen Wissenschaften. Die orientalischen Bibliotheken in Paris verfügten über einen immer aktuellen Wissensstand, der jeden anlockte, aus diesem umfangreichen Reper­toire zu schöpfen. Im Vergleich dazu waren die orientalischen deutschen Bibliotheken im frühen 19. Jahrhundert von miserablen Verhältnissen geprägt. Den deutschen Ori­entalisten fehlten orientalische Manuskripte, ohne die sie nicht arbeiten konnten. Da­mit waren die Universitäten schlecht ausgestattet:[23]

Durch die jahrelange Vernachlässigung der Orientalischen Studien bzw. wegen ihrer theologischen Ausrichtung fehlten im frühen 19. Jahrhundert an den meisten Hochschulen sowohl orientalische Manuskripte und Drucke als auch neuere Grammatiken und Wörterbücher. Dies traf die Orientalisten um so mehr, als sie nur selten über eigene Textausgaben und Hilfsmittel verfügten: Orientalien waren wegen ihrer Seltenheit extrem kostspielig und überdies oft nur schwer zu erhalten.[24]

Die Ausstattung der Universitätsbibliotheken blieb auf dem Gebiet des Orientalismus an kleineren Universitäten oft bis über die Jahrhundertmitte hinaus ärmlich.[25] Zu den hervorragenden französischen Lehrkräften wie Silvestre de Sacy pilgerten die deut­schen Studenten nach Paris. Es ist kein Wunder, wenn der Orientalistik-Student Flei­scher Neumann aus Paris an seinen Freund Gustav Flügel in Dresden schreibt:

,Was Du in deinem Briefe als Dein subjectives Glaubensbekenntnis aussprichst, daß es, zur Genauigkeit und Vervollkommnung unserer Studien geradezu notwendig ist, Deutschland auf einige Zeit zu verlaßen’ - das ist auch das meinige und wird es immer mehr. (...) Solange wir noch einen Sacy haben, und solange nirgends anders als in Paris öffentlich angestellte Leute zu finden sind, die das Neu-Arabische auf Ort und Stelle gelernt haben - so lange gibt’s außer Paris kein Heil für unsere Studien.’[26]

Paris musste als ein leuchtendes Vorbild erscheinen, solange in Deutschland die not­wendigen Manuskripte fehlten und die Universitäten noch immer die Theologen-Ori- entalisten priorisierten.[27] Und wie der damalige kümmerliche Zustand des orientali­schen Studiums, war auch der politische und wirtschaftliche Verkehr zwischen Deutschland und den Ländern des Nahen Ostens mit Frankreich nicht vergleichbar. Der französische Verkehr mit dem Orient wurde direkt durch einen wirtschaftlichen und politischen Berührungspunkt geformt. Man kann auch feststellen, dass dieser Kon­takt eher eine intellektuelle und kulturelle Verbindung war. Mit einfachen Worten: Die Franzosen waren schon fest mit eigenen Füßen im Orient verankert, während die Deut­schen erst am Beginn ihres wirklichen Orientstudiums standen.

Die unmittelbare Verbindung mit dem Orient macht nicht nur die Versorgung mit ori­entalischen Handschriften und Drucken möglich, sondern ermöglicht auch den franzö­sischen Orientalisten, die arabische Sprache vor Ort, also im Orient, zu lernen und im Zusammenleben mit den Leuten aus der Nähe zu beobachten, wie sie ihren islami­schen Kult ausüben.

Hier spricht man über den Antriebsunterschied z.B. zwischen dem französischen und dem deutschen Orientalismus. Während Länder wie England, Frankreich, Holland, Ita­lien und Russland mit wirtschaftlichen und imperialistischen Ambitionen äußere Ver­anlassungen hatten, „in ihrem unmittelbaren Verkehre mit den orientalischen Ländern in dieser oder jener Beziehung auf ein eifriges Studium ihrer Sprachen zu dringen“[28], fehlte den deutschen Gelehrten und Orientalisten die politische Unterstützung und ih­nen blieb nur ihr innerer Enthusiasmus und der wissenschaftliche Erkenntnistrieb. Das Streben nach forschender Erkenntnis führte zum Aufstieg der Orientalistik an den deutschen Universitäten - praktisch-politische Überlegungen waren nicht das Ziel zu Beginn der wissenschaftlichen Orientalistik in Deutschland.[29]

Zu den deutschen Orientalisten dieser Phase, die in Frankreich in die Lehre gegangen waren, zählt man u.a. Johann Gottfried Ludwig, Karl Friedrich Neumann, Markus Müller, Georg Wilhelm Freytag, Heinrich Leberecht Fleischer und Gustav Flügel. Von den Werken der drei letztgenannten findet man schon manche in Mays Bibliothek.[30]

Viel verdankt der deutsche Orientalismus im Laufe des 19. Jahrhunderts neben den französischen Orientalisten, die dem deutschen Orientalismus seine wissenschaftliche Basis gegeben haben, besonders auch den Studenten von de Sacy, die ihre aus Frank­reich erworbenen Kenntnisse in den deutschen Orientalismus einbrachten. Mit Orien­talisten wie dem Leipziger Heinrich Leberecht Fleischer, der seine orientalistische Ausbildung bei de Sacy absolvierte und mit dem bei ihm erworbenen kritischen Stil nach Deutschland zurückkehrte, gewannen die orientalischen Studien ihre wissen­schaftlichen Züge. Fleischer z.B. „setzte [...] im Namen Sacys die verbindlichen wis­senschaftlichen Standards orientalistischer Arbeit, beherrschte das Kommunikations-system und erhob die Orientalischen Studien in Deutschland 'auf die Höhe einer selb­ständigen und exakten Wissenschaft'“[31].

Das Bemühen der neuen Orientalisten in Deutschland um ernste Wissenschaftlichkeit war immens. Ihnen war es gleichbedeutend, sie neben der Philologisierung der Orien­talischen Studien auch von der Theologie zu emanzipieren und inhaltlich als Sprach- und Literatur-Studium zu bezeichnen. Durch diese Anstrengungen löste der Orientalis­mus sich 1844 endgültig von der Theologie.

Fleischer nahm in Deutschland die Rolle ein, die de Sacy in Frankreich innehatte. Nicht nur die wissenschaftlichen Methoden und Disziplinen übernahm Fleischer von de Sacy, sondern er bewirkte auch durch sein persönliches Beispiel die vollständige Philologisierung der Orientalischen Studien. Seine Schüler wie auch Biografen er­kannten ihn als hervorragenden Lehrer an, dem „die deutschen Arabisten ihre streng grammatische Erziehung zu sprachlicher Genauigkeit und Sauberkeit verdanken.“[32] Zur dauerhaften Etablierung des Faches an den deutschen Universitäten trug Fleischer über diese Methodisierung der orientalischen Studien bei, um den Weg zur Institutio­nalisierungsphase an den deutschen Universitäten zu ebnen. Dadurch bekam nun Deutschland auch für die wachsende Zahl an Orientalistik-Sudierenden aus Frankreich, Dänemark, Russland, Ungarn und Norwegen eine höhere Anziehungskraft. Und wie die Deutschen vorher nach Paris gepilgert waren, kamen jetzt die Franzosen nach Deutschland, um die orientalischen Sprachen zu studieren. Nicht mehr Paris, sondern Leipzig wurde nun Anziehungspunkt für die europäischen Orientalisten während des 19. Jahrhunderts, was die Überlegenheit der deutschen und die Unterlegenheit der französischen Wissenschaft während dieser Epoche demonstrierte: „Neidvoll blickten die französischen Wissenschaftler nun auf die spezifisch deutsche Organisationsstruk­tur der Universitäten und die Wissenschaftsfreiheit ihrer Kollegen, von der auch die Orientalisten profitierten“[33]. Dank Orientalisten wie von Hammer-Purgstall, Alfred von Kramer, Aloys Sprenger, Heinrich Leberecht Fleischer, Theodor Nöldeke und vielen anderen wurde der deutsche Orientalismus zu einem fachlichen Spezialgebiet, in dem die Anfänge der modernen Islamkunde entstanden.

Trotz dieses enormen Fortschritts im deutschen Orientalismus und seiner endgültigen Emanzipation von der Theologie zur Philologie und Sprach- und Literaturkritik unter Fleischer, Hammer Purgstall, Friedrich Rückert und ihres Gleichen, wandten sich eini­ge deutsche Orientalisten der Historie zu, wie beispielsweise derjüdische Gelehrte Gu­stav Weil, der 1833 das Buch Was hat Mohammed aus dem Judentum übernommen veröffentlichte. Er hatte das Vorhaben, bei seiner Untersuchung das Material gründlich zu sichten und aus „diesem Gewebe der Verblendung und Lüge“[34] die historische Wahrheit zu ziehen.[35]

So konnte die fremde Kultur in ihrem eigenen Licht betrachtet werden:

Im Gegensatz zur Aufklärungshistoriographie betonte der Historismus, ähnlich wie die Romantik, die historische Individualität und Einmaligkeit aller Ereignisse und ließ damit auch fremde Kulturen in ihrer Andersartigkeit und ihrem Eigenrecht gleichberechtigt Gegenstand historischer Forschung werden.[36]

Die orientalischen Studien erhielten neue wissenschaftliche Züge und auf sie wurden an vielen deutschen Universitäten methodische Disziplinen angewendet. Wie ihre Vor­läufer in England und Frankreich und die seit 1842 in Boston bestehende American Oriental Society wurde von den Orientalisten im Jahr 1845 die Deutsche Morgenländi­sche Gesellschaft (DMG) außerhalb der Universitäten gegründet. In dem Bereich Ori­entalismus entstanden neue Zweige wie Ägyptologie und Islamkunde, jedoch diesmal auf einem wissenschaftlichen Verständnis basierend.[37]

Die deutschen Orientalisten hatten während des 19. Jahrhunderts die orientalischen Studien fundiert entwickelt, sich einen guten internationalen Ruf verschafft und „para- phrasierten [...] stolz die Rede eines Amerikaners, der, zum Beweise der Abhängigkeit der amerikanischen von der deutschen Wissenschaft daraufhinwies, daß man orientali­sche Sprachen in Deutschland, und zwar bei Theodor Nöldeke in Straßburg, studieren müsse“[38]. Viele deutsche Expeditionsforscher, u.a. Carsten Niebuhr, Gerhard Rohlfs und Heinrich von Maltzan erforschten die orientalischen Regionen, jedoch fehlte dem deutschen Orientalismus die praktische Präsenz vor Ort, wie sie die Engländer und Franzosen über ihre Kolonien hatten.

Der Orientalismus sowie seine Experten verdanken ihre Entwicklung und Entfaltung dem anglofranzösischen Kolonialismus. Was die anglofranzösischen Orientalisten an offizieller und politischer Unterstützung erlangt hatten, verschaffte ihnen Reputation und die Stellung als Pioniere des Zweigs der anthropologischen Wissenschaft „Orien­talismus“. Zwar unterwarfen die beiden Kolonialmächte Frankreich und England die islamische und arabische Welt ihrer Herrschaft, und so wurde das Ansehen der franzö­sischen und britischen Orientalisten dort und ihre Dominanz über diese Kenntnisse im Westen nicht in Frage gestellt, aber dies bedeutet nicht, dass der deutsche Orientalis­mus und seine Experten nichts geleistet hätten oder ihre Leistungen nicht einflussreich gewesen wären. Im Gegenteil besitzen und genießen die deutschen orientalischen Wer­ke und ihre Forscher eine führende Rolle auf diesem Spezialgebiet. Ohne dieses reich­haltige und sachdienliche Repertoire zumindest zu berücksichtigen, könnte kaum eine kritische Arbeit über die europäische Grundvorstellung vom Orient - im Gegensatz zur Ansicht von Said[39] - verfasst werden.[40]

2.3 Die Orientalisten und Afrikareisenden im Dienst des Deutschen Reiches

German Orientalist scholars clearly participated in colonialist and Eurocentric discussions about the world, read the works of Orientalists that were written in various languages, and were familiar with debates as they occurred across Europe. While individual scholars pursued research that may have had no direct bearing upon contemporary events, none could ignore the political questions being raised during this period.[41]

Die koloniale Ideologie Mitte des 19. Jahrhunderts beeinflusste offensichtlich die For­schung der deutschen Orientalisten. Obwohl das Deutsche Reich über keine Kolonien im Nahen Osten verfügte, entwickelten und vertraten jedoch einige deutsche Wissen­schaftler eine Meinung über Muslime und den Islam und verbanden diese mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands.[42]

Im Wilhelminischen Kaiserreich steigerte sich der Druck auf die Wissenschaft, mehr Orientierungswissen bereit zu stellen und die imperialistische Weltpolitik zu unterstüt­zen.[43] Diese Verbindung zwischen dem imperialistischen Begehren Deutschlands und der Anwendung der angewandten Wissenschaft im Dienst an der Nation und damit an der Weltpolitik des Deutschen Reiches brachte die Islamkunde dem Imperialismus und Kolonialismus nah. Dass die Bewegungen innerhalb der Orientalistik in klarem Zu­sammenhang mit der wechselnden außenpolitischen Lage des Deutschen Reiches unter Wilhelm II waren, lässt sich nicht bestreiten. Der Blick der Orientalisten auf ihr For­schungsobjekt wurde durch die neue außenpolitische Signifikanz der orientalischen Welt beeinflusst und bewegte „einige von ihnen zur Konzeption einer gegenwartsori­entierten und anwendungsbezogenen Islamkunde“[44].

Einer der wenigen politisch engagierten Orientalisten war der begeisterte Carl Heinrich Becker, der meinte, dass der Islam selbst als Problem erscheine und nicht länger als re­ligiöses, sondern als politisches und wirtschaftliches Problem betrachtet werden solle. Er fügte auch hinzu, dass die politischen und gesellschaftlichen Modifikationen eine andere Wahrnehmung des Forschungsprojekts benötigten. Er rechtfertigte seine Aussa­gen mit der geforderten Anpassung der wissenschaftlichen Erforschung an die orienta­lische und islamische Moderne sowie an die außenpolitischen und wirtschaftlichen In­teressen Deutschlands und sanktionierte damit die Politisierung der Orientalistik im Zeitalter des Imperialismus. Damit brachte Becker, ebenso wie die Orientalisten am Berliner Seminar für Orientalische Sprachen, die neue Islamkunde in den Dienst der imperialistischen Begehren des Reiches.[45]

Ab diesem Zeitpunkt unterscheidet man zwischen den Orientforschern bzw. Islam- kundlern, die nicht stark am staatlichen Kolonialismus bezüglich des Orients teilge­nommen haben und einen informellen Imperialismus bevorzugten und den Orientfor­schern, die sich auf die Philologie fokussierten. Diese letzten versuchten, die tages­politische Situation aus ihren Forschungen fernzuhalten und bestanden am stärksten auf der Neutralität ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Dies bedeutete aber nicht, sich schon von der Außenpolitik Deutschlands distanziert zu haben.

Die Islamwissenschaftler bzw. Islamkundler auf der anderen Seite hatten als Motiv für ihre Einmischung in außenpolitische Anliegen des Deutschen Reiches ihr eigenes Wis­senschaftsgebiet, um sich dadurch sich selbst zu unterstützen und sich neue Ressour­cen zu erschließen:[46]

Damit bejahten die Islamkundler anders als die traditionellen Orientalischen Philologen die wechselseitige Abhängigkeit von Politik und Wissenschaft, von der beide Sphären profitierten. Sie machten sich für ein auswärtiges Kulturengagement stark, das ihrer Wissenschaft zugute kam und dem es gleichzeitig darum ging, den kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Einfluß Deutschlands im Orient zu vergrößern[47].

Hinsichtlich der Orient- und Afrikareisenden zeigt sich, dass diese Forscher in Bezug auf die kolonialistische Expansionszeit im 19. Jahrhundert an den Rand gedrängt wur­den, und nur noch in ganz bestimmten Zusammenhängen Erwähnung finden, obwohl manche von den Afrikareisenden eine Funktion als Wegbereiter des imperialistischen Ausgreifens des Deutschen Kaiserreiches innehatten. Man kann auch hinzufügen, dass die deutschen Expeditionsforscher durch ihre verfassten Texte aktiv an der Inbesitz­nahme des Afrikanischen Kontinents mitgewirkt haben. Ihre Beiträge haben auch bei der durch die Afrikaforschung beförderten Popularisierung des Afrikadiskurses in Deutschland während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geholfen, die Kolonial­begeisterung in den 1870ern zu fördern.[48] „Ein freudiges Gefühl durchbebte die Brust eines jeden Deutschen, als im Sommer 1883 die Zeitungen die wunderbare Mär ver­kündeten, ein Deutscher habe ein bisher unabhängig gewesenes Gebiet an der West­küste von Afrika als eigen erworben“[49].

Zu dem Zeitpunkt, als Deutschland als koloniale Macht auftrat, wurden die deutschen Afrikareisenden als Wegbereiter dafür gefeiert. Die von ihnen geleistete Forschung und Wissenschaft bezüglich Afrika unterstützte das deutsche Kaiserreich dabei, seine Ambitionen als Weltmacht zu konsolidieren. Dazu zählen Afrikareisende mit akademi­scher Ausbildung, wie Heinrich Barth, Georg Schweinfurth und Gustav Nachtigal. Sehr bekannt wurde auch Alfred Edmund Brehm, der seine akademische Ausbildung nach seiner großen Afrika-Expedition, an der er als Gehilfe teilnahm, abschloss. Mit Brehm soll sich in dieser Arbeit in Kapitel 5 noch beschäftigt werden, da seine Reise­berichte sehr populär waren und Brehm als eine wichtige Quelle für May betrachtet werden kann, wie Helmut Lieblng anhand von Vokabel-Vergleichen demonstriert.[50]

Eine zweite Gruppe war militärisch ausgerichtet, wie Hermann von Wissmann und der Bremer Gerhard Rohlfs.[51]

Es gab damals Expeditionen wie z.B. nach Angola und das südliche Kongobecken, die durch den Dispositionsfonds von Kaiser Wilhelm I. finanziert wurden, was den Expe­ditionen ihre rein wissenschaftlichen Züge nahm. Mit Gründung der Internationalen Afrikaassoziation und eines deutschen Nationalkomitees auf dem internationalen Geo­graphenkongress in Brüssel und ihre Fusionierung 1878 zur Afrikanischen Gesell­schaft in Deutschland, standen damit deutlich die wirtschaftlichen und politischen Zie­le stärker als zuvor im Vordergrund der Afrikaforschung.[52]

Der deutsche Heinrich Barth hatte Mitte des 19. Jahrhunderts im Auftrag des britischen Empire in Nord- und Zentralafrika für reine politische und wirtschaftliche Ziele gear­beitet und war der einzige Überlebende, der fünf Jahre später nach Europa zurückkehr­te. Viele Forschungsreisende brachen in den späten 50er und 60er Jahren des 19. Jahr­hunderts nach Afrika auf und dadurch konnten sich Leute wie Gerhard Rohlfs, Gustav Nachtigal und Georg Schweinfurth große Berühmtheit erwerben. Durch Stifter und Auftraggeber in Berlin und Hamburg hatte sich die Afrikaforschung in wenigen Jahren entscheidend verändert. Die deutschen Expeditionen hatten sich dadurch nicht nur ver­mehrt, sondern es gab nun auch Afrikareisende, die mit deutschen Geldgebern und Or­ganisationen im Hintergrund Afrika bereisten, was der wachsenden Geographenschaft neue wissenschaftliche Erkenntnisse vermittelte und die geografische Afrikaforschung beflügelte.

Die nationalen Töne wurden zunehmend stärker. Als identitätsstiftender Ersatz für die fehlende Kolonialpolitik wurde die explorative Afrikageographie zu einem Wettbe­werb um Entdeckungen stilisiert.[53]

2.4 Präsenz der Kolonialmächte England und Frankreich und Deutsche Ambitionen

Das Osmanische Reich verfiel langsam und gehörte als der 'kranke Mann am Bospo­rus' zu den beherrschenden Themen der europäischen Politik zur Zeit Mays.[54] Dieser Begriff prägt bis heute die europäische Wahrnehmung vom Orient und auch von Nord­afrika. Zum Spielball der europäischen Mächte wurde das Osmanische Reich im lan­gen 19. Jahrhundert bis zum ersten Weltkrieg. Es verlor in dieser Zeit neben der Bal­kanhalbinsel seine nordafrikanischen Besitzungen. Seit den Napoleonischen Kriegen kommen als Gegner des Osmanischen Reiches neben dem traditionellen Gegner Russ­land verstärkt auch Großbritannien und Frankreich zum Vorschein. Diese beiden Mächte teilten sich zwischen 1830 und 1912 (bis auf Libyen) am Südrand des Mittel­meers die koloniale Beute.[55]

Der sehr begabte und ambitionierte Herrscher von Ägypten Mohammed Ali[56] erkannte früh die Wichtigkeit Ägyptens und führte einen Modernisierungsprozess im Land durch.[57] Der gleiche Prozess wurde nicht nur in geringerem Ausmaß in Marokko, Alge­rien, Tunis und Tripolis vorangetrieben[58],sondern auch in Libanon, Syrien, Griechen­land, das Heilige Land und Istanbul.[59] Die französischen Truppen marschierten im Sommer 1798 unter Napoleon in Ägypten ein. Die Besetzung dauerte nur drei Jahre, aber sie markiert durchaus eine Epochenschwelle in der europäischen Wahrnehmung des Nahen Ostens und des Islam. Seit den Kreuzzügen nehmen Europäer zum ersten Mal ein muslimisches Kernland in Besitz.[60] Und genau wie die englische Eroberung Indiens es möglich machte, den Zugang zur indischen Literatur herzustellen und zu er­leichtern, gelang es auch durch den napoleonischen Ägypten-Feldzug, zahlreiche ara­bische, türkische und hieroglyphische Texte in die Pariser Bibliotheken zu liefern und zu bearbeiten. Dieser Prozess entfachte ein neues Interesse am Orient und zusätzlich verstärkte er die Begeisterung für das 'Morgenland'. Nach Mangold weckte diese

politische und geistige Eroberung des Orients durch Napoleon, die in Frankreich vor allem die Ägyptologie befördert, [...] auch in Deutschland, allerdings weitgehend ohne politische Ambitionen, den Wunsch, sich an der Entdeckung der orientalischen Welt zu beteiligen und eigene orientalische Sammlungen zu eröffnen.[61]

Im 19. Jahrhundert zeichnete sich die europäische Dominanz über Nordafrika in ver­schiedenen Formen ab. Frankreich übte eine direkte Herrschaft über seine Kolonie Al­gerien von 1830 bis 1962 und später über Tunesien aus, während in Ägypten die Briten die Oberhoheit von 1881 bis 1922 innehatten. Erst in den 1880er-Jahren ereignete sich der eigentliche Ausgriff der europäischen Mächte auf das Erbe des „Kranken Mannes“, des Osmanischen Reiches. „Dabei gingen der direkten europäischen Herrschaft wirt­schaftlich-finanzielle und technologische Asymmetrien voraus“[62].

Der oben erwähnte Modernisierungsprozess führte diese Länder nicht zur Unabhängig­keit von Konstantinopel und zur Entstehung des Staates, wie es vorgesehen war, son­dern wegen Verschuldungskrisen zum Verlust der Unabhängigkeit. Die von Sultanen in Konstantinopel benannten Herrscher waren von der europäischen Moderne inspiriert. Durch auswärtige Kreditaufnahme investierten sie in Militär-, Verwaltungs- und Bil­dungsreformen sowie Infrastrukturprojekte (z.B. Suezkanal, 1869[63] und die Straßen­bahn von Alexandria 1960[64] ). Im Laufe der Zeit konnten die Kredite nicht gedeckt wer­den. Das Resultat waren Verschuldungskrisen, die zum Verlust der Souveränität führ­ten. Infolgedessen wurde Tunesien 1881 zum französischen Protektorat und Großbri­tannien erlangte die Kontrolle über Ägypten. Später griff auch Italien auf die afrikani­sche Nordküste aus und eroberte 1911 Libyen und französische und spanische Kräfte besetzten 1912 Marokko.[65]

In Anbetracht der oben zusammengefassten Lage in Nordafrika des 18. Jahrhunderts, wo sich das Geschehen im Roman „Durch die Wüste“ abspielt, stellt sich die Frage: Wo war das damalige Deutsche Reich bei diesem wichtigen geografischen Wandel? Obwohl Frankreich, England und andere Kolonialländer bereits viele Teile des Globus annektiert hatten, begann das neu gegründete Deutsche Reich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zwar nicht koloniale, aber doch kommerzielle Absichten auf Gebieten des Osmanischen Reiches zu zeigen.[66]

So war das Deutsche Reich an den Angelegenheiten um den Suez-Kanal beteiligt und kämpfte um eine Genehmigung für den Verkehr deutscher Schiffe: „Der Sieg des gera­den Schleusenkanals wurde insbesondere in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz mit ungeteilter Freude und Zustimmung aufgenommen“[67]. Daneben waren die deutschen Ingenieure unter den drei Hauptgruppen, die die Studien für den Bau des Kanals ausführten und „in den eigentlichen Verwaltungsrat sollten Frankreich, Deutschland (Österreich) und England je 12 Mitglieder, der Orient 6 Mitglieder, ent­senden“[68].[69] Daran erkennt man, dass Deutschland als ein aktiver und wichtiger Partner bei dem Erweiterungsprojekt im Jahr 1884 mitwirkte. Man darf auch nicht vergessen, dass Deutschland einer der Grundbesitzer war und mit Österreich-Ungarn auf einer Neuregelung zur Verwaltung des Kanals bestand.[70]

Die Einweihung des neuen Kanals bzw. des wichtigsten Seewegs der kommenden Jahrzehnte wurde von einer prächtigen Feier begleitet, an der viele Könige und Fürsten aus Europa teilnahmen. Über diese Eröffnungsfeier wurde weit über die Region hinaus berichtet. „Die Einweihung des Suezkanals gehört zu den großen Ereignissen des Jahr­hunderts. Der Khedive Isma’il nutzte die Gelegenheit, um der Welt zu demonstrieren, daß Ägypten nicht länger ein Teil Afrikas war, sondern zur zivilisierten europäischen Welt gehörte.“[71]

Nach und nach befanden sich mehr als die Hälfte der Aktien in den Händen der engli­schen Regierung und mit der Zeit stieg der englische Einfluss, sodass der Suezkanal langsam ein englisches Unternehmen wurde.[72] Damit konnte England gemeinsam mit Frankreich die Kontrolle über den Seeweg nach Indien, ganz Asien und die östliche Küste Afrikas übernehmen, wo sich die deutschen Kolonien in der folgenden Zeit be­fanden.

Die deutsche Antwort kamjedoch später durch die Bagdad- oder Hejazbahn, deren Re­likte bis heute zu finden sind.[73] Sie könnte angesichts dieser Ereignisse die realistische politische Antwort der Deutschen auf der Weltmachtbühne gewesen sein. Die Strecke, die die Bahn überwinden sollte, sollte bis zum persischen Golf reichen. Das deutsche Reich hatte damals versucht, die Engländer und die Franzosen zu verlocken, durch die Finanzierung des großen Projekts Konzessionen zum Bau der Eisenbahn zu erwerben.

Dies wurde aber abgelehnt und damit wurde die Bagdadbahn ein rein deutsches Unter­nehmen. Einerseits konnte Deutschland sich dadurch eine andere Fernstraße sichern, falls seinen Schiffen der Seeweg durch den Suezkanal mit verweigert wurde, anderer­seits „entwickelte sich die Bagdadbahn zum wichtigsten Prestigeprojekt des deutschen Imperialismus“[74].

Auch wenn Deutschland wirtschaftlich an den oben beschriebenen Entwicklungen in den arabischen Ländern beteiligt war, so war es doch nicht als Kolonialmacht präsent. Die kolonialen Entwicklungen wurden in Deutschland zur Zeit Karl Mays allerdings genau beobachtet und eine Beteiligung Deutschlands wurde in den Kreisen, die an der Kolonialbewegung teilnahmen, diskutiert. Unter den Verfechtern einer deutschen Ko­lonialbewegung tat sich besonders Friedrich Fabri (1824-1891) hervor, der dafür als „Vater der deutschen Kolonialbewegung“ bezeichnet wurde.[75] In seinem Buch „Bedarf Deutschland der Colonien?“[76] legt Fabri ausführlich seine Argumente für ein energi­sches Vorantreiben der deutschen Kolonialbewegung dar. Zum einen zählten für ihn wirtschaftliche Argumente. Für Fabri steht „die Kraft und der Nachhalt unseres natio­nalen Wohlstandes [...] zu der politischen Machtfülle, die wir gewonnen haben, in ei­ner erheblichen Dissonanz“[77]. Auch appellierte Fabri an den Nationalstolz, indem er darauf hinwies, dass deutsche Auswanderer ihre deutsche Identität verlieren würden, wenn es keine deutschen Kolonien gäbe, die als Ziel einer organisierten Auswanderung in Frage kämen, welche Fabri wiederum ihrer wirtschaftlichen und nationalen Bedeu­tung wegen für notwendig hielt.[78] Damit avancierte die koloniale Frage für Fabri folge­richtig zur Lebensfrage für die Entwicklung Deutschlands[79] und er verband mit ihr un­trennbar sowohl wirtschaftliche als auch kulturelle und nationale Interessen:

Gewichtiger freilich noch ist die Erwägung, daß ein Volk, das auf die Höhe politischer Macht-Entwicklung geführt ist, nur so lange seine geschichtliche Stellung mit Erfolg behaupten kann, als es sich als Träger einer Cultur-Mission erkennt und beweist. Dies ist zugleich der einzige Weg, der auch Bestand und Wachstum des nationalen Wohlstandes, die nothwendige Grundlage dauernder Macht-Entfaltung, verbürgt.“[80]

Diese Ideen von Fabri waren zur Zeit Mays in Deutschland weit verbreitet und auch Mays Alter Ego Kara Ben Nemsi passt sehr gut in dieses oben zitierte Bild des Deut­schen als kultureller Vorreiter.

2.5 Das Streben Ägyptens nach Eigenständigkeit

Ein wichtiges Ereignis, die Urabi-Bewegung, die sich 1879 - 1882 ereignete, sagt viel über das Selbstverständnis des ägyptischen Volkes. Da der Roman „Durch die Wüste“ zu etwa dieser Zeit in dieser Gegend spielt, ist auch dieses Ereignis bedeutungsvoll für eine Beurteilung des Romans von Karl May, da es Ägypten in einem Licht zeigt, das in dem Roman von Karl May fehlt. May ignoriert dieses Ereignis in seinem Roman voll­ständig. Die Urabi-Bewegung war eine nationale Volksbewegung, die von dem Minis­ter Ahmad Urabi Pascha ausging mit dem Ziel einer größeren Unabhängigkeit Ägyp­tens von den Kolonialmächten. Im Jahr 1879 wurde Ismail, der Khedive Ägyptens, durch die europäischen Mächte Großbritannien, Frankreich, Russland, Italien und die nicht direkt involvierten Mächte Deutschland und Österreich entmachtet. Damals er­lebte Ägypten wegen der Schulden-Krise und der tiefgreifenden englischen und fran­zösischen Interventionen in die ägyptische Angelegenheit politische Unruhen.[81] Aber auch die Behandlung der unteren Offiziere Ägyptens durch die großen Offiziere der Tscherkessen war schlecht. 1882 wurde erstmals eine Verfassung durch das äyptische Parlament in Kraft gesetzt - und später von Frankreich und England abgelehnt[82], und zwar wegen des Volksaufstandes und der Revolution, die Urabi[83] und seine Kameraden in Gang gesetzt hatten und die von den Briten niedergeschlagen wurde. Die Revolution war nicht nur eine alleinige Sache der Offiziere gewesen, die sie durchgeführt hatten, sondern sie wurde auch vom Volk unterstützt. Bei May dagegen werden die Araber im­mer noch als Nomaden geschildert, die in Stämmen mit Zelten durch das Land zu im­mer neuen Weideflächen ziehen und verfeindet mit ihren Nachbarstämmen sind. Von einem Volksbewusstsein, das fähig zu einer Revolution ist, an deren Ende für kurze Zeit eine Verfassung steht, bevor sie von den Briten wieder niedergeschlagen wird,merkt man in dem Roman von Karl May nichts, wie in Kap. 3.3. noch genauer gezeigt werden wird.

Wenn das Geschehen des Romans schon in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts - wie später in der Arbeit begründet werden wird - spielt, ignoriert May in seinem Roman hier ein wichtiges Ereignis.[84] Dabei war ein solches Ereignis für einen Roman, der in diesen Regionen spielt, durchaus beachtenswert, denn es spiegelt das Bewusstsein des Volkes dieser Regionen wider, das nach Selbstbestimmung streb­ten und die Kontrolle durch die Kolonialherren abschütteln wollte. Dass dieses Ereig­nis aus europäischer Sicht nicht wahrgenommen wurde, steht im Einklang mit der Rede von den „entarteten[85] Orientalen“, denen eine solche politische Bewegung nicht zugetraut wurde.

2.6 Der Abenteuerroman im 19. Jh. und Karl May: Allgemeine charakteristische Züge

Auch die Tradition des Abenteuerromans gehört zur historischen Situation, in die der hier untersuchte Roman von May eingebettet ist.

Der Abenteuerroman des 19. Jahrhunderts lehnt sich an zahlreiche unterschiedliche Traditionen an. Die fremden Erdteile, die oft als Schauplatz der dargestellten Abenteu­er dienten, wurden damals anschaulich in den Entdeckerberichten beschrieben. Aber an der Stelle der realen Welt wurde die Traumwelt dieser Schriftsteller zu einer zweiten Wirklichkeit. Diese parallele Welt diente als ein Raum, in dem sich ihre eigene Persön­lichkeit im Laufe des Geschehens entfalten konnte. In dieser geschilderten Welt, die sich als reale Welt darstellt, soll die Illusion Wirklichkeit werden, sodass sie schließ­lich oft auch von den Schriftstellern selbst für wahr gehalten wurde. Für die Autoren war es sinnvoll, dass sie glaubten „sie hätten das in ihrer Phantasie Erlebte in der Rea­lität erlebt, sie maßen ihren Phantasieerlebnissen aber einen solchen Grad der Wahr­scheinlichkeit bei, daß sie sie dem real Erlebten gleichstellen konnten.“[86] Die Schrift­steller setzten historische, naturwissenschaftliche und geografische Details ein und ho­ben in Vorworten die Tatsächlichkeit des Geschehenen hervor.

[...]


[1] Sigrid Hunke: Allahs Sonne über dem Abendland. Unser arabisches Erbe. Stuttgart 1960, S. 347.

[2] Edward Said: Orientalism. New York 1994, S. 42.

[3] Vgl. Philippe Alexander: Das Bild des Orients in Deutschland und Frankreich in der Zeit Karl Mays 1850-1914. In: Payte, Wolfram u.a. (Hrsg.), Karl May: Brückenbauer zwischen den Kulturen. Kultur und Technik, Bd. 17. Berlin 2010, S. 75.

[4] Vgl. Said: Orientalism, S. 45.

[5] Diese Arbeit zeigt am Beispiel des untersuchten Romans von Karl May, dass mit den Begriffen "Ori­ent" und "Okzident", "östliche" und "westliche" Kultur, "Morgenland" und "Abendland" problemati­sche Stereotype verbunden sind, die den "Okzident" generell über den "Orient" stellen. Diese Arbeit muss diese Begriffe aber selbst verwenden, wenn sie auf die Berichte der so genannten Orientreisen­den und die Schilderungen in „Durch die Wüste“ eingeht. Im Zweifelsfall werden die Begriffe nach­folgend in einfache Anführungsstriche gesetzt, um zu verdeutlichen, dass die Begriffsverwendung der 'Orient'reisenden sich nicht mit der des Verfassers dieser Arbeit deckt.

[6] Helmut Schmiedt: Karl May. Studien zu Leben, Werk und Wirkung eines Erfolgsschriftstellers. Mei­senheim 1979, S. 2.

[7] Ebd., S. 3.

[8] Johann Fück: Die Arabischen Studien in Europa. Leipzig 1955, S. 9.

[9] Vgl. Fück, S. 9.

[10] Schweizer Orientalist und Theologe.

[11] Englischer Universalgelehrter, Rechtswissenschaftler und Orientalist.

[12] Fück, S. 94.

[13] Ebd., S. 158.

[14] Fück, S. 158.

[15] Ebd.

[16] Michael Curtis: Orientalism and Islam. European Thinkers on Oriental Despotism in the Middel East and India. Cambridge University Press 2009, S.17.

[17] Vgl. Carsten Niebuhr: Reisebeschreibung nach Arabien und anderen umliegenden Ländern. Zürich 1993, S. 5.

[18] Vgl. Wolfgang Genschorek: Im Alleingang durch die Wüste. Leipzig 1982, S. 46f.

[19] Ebd.

[20] Said: Orientalism, S. 36.

[21] Sabine Mangold: Eine „weltbürgerliche Wissenschaft“- die deutsche Orientalistik im 19. Jahrhun­dert. München 2004, S. 64f.

[22] Vgl. ebd., S. 66.

[23] Vgl. Mangold, S.71.

[24] Ebd.,71f.

[25] Vgl. ebd., S. 72.

[26] Ebd., S. 67.

[27] Vgl. ebd.

[28] Mangold, S.68.

[29] Vgl. ebd.

[30] Vgl. Nina Berman: Orientalismus, Kolonialismus und Moderne. Stuttgart 1996, S. 99.

[31] Mangold, S. 82.

[32] Ebd., S. 94.

[33] Ebd., S. 95.

[34] Mangold, S. 105.

[35] Vgl. ebd.

[36] Ebd.

[37] Vgl. ebd., S. 266.

[38] Ebd., S. 159.

[39] Vgl. Said, S. 19.

[40] Ridwan Al Sayyid: Die deutschen Orientalisten. Entwicklung, Einfluss und Schicksale. Beirut 2007, S. 7.

[41] Nina Berman: German Literature on the Middle East. Discourses and parctices, 1000 - 1989. Michi­gan, USA 2011, S. 159f.

[42] Vgl. ebd., S. 159.

[43] Vgl. Mangold, S. 274.

[44] Ebd., S. 273.

[45] Vgl. ebd., S. 275.

[46] Vgl. Mangold, S. 275.

[47] Ebd.

[48] Vgl. Matthias Fiedler: Zwischen Abenteuer, Wissenschaft und Kolonialismus. Der deutsche Afrika­diskurs im 18. und 19. Jahrhundert. Köln 2005, S. 83ff.

[49] Wolfgang Genschorek: Im Alleingang durch die Wüste, S. 189.

[50] Helmut, Lieblang: „...Ben Nemsi. Nachkomme der Deutschen...“ Karl May und Gerhard Rohlfs. Analog und disparat. Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1998, S. 300.

[51] Vgl. Fiedler: Zwischen Abenteuer, Wissenschaft und Kolonialismus, S. 96.

[52] Vgl. Carsten Gräbel: Die Erforschung der Kolonien. Expeditionen und koloniale Wissenskultur deut­scher Geographen, 1884 - 1919. Bielefeld2015, S. 30.

[53] Vgl.ebd., S.29f.

[54] Vgl. Eckehard Koch: „Was haltet Ihr von der orientalischen Frage?“. In Sudhoff, D. / Vollmer, H. (Hrsg.): Karl Mays Orientzyklus (S. 64 - 82). Paderborn 1991, S. 64ff.

[55] Vgl. Martin Rink: Nordafrika im 19. Jahrhundert: Zwischen der verhinderten Großmacht Ägypten und der europäischen Kolonie Algerien.In: Wegweiser zur Geschichte. Nordafrika. Hofbauer, Martin /Loch, Thorsten, Paderbornu.a. 2011, S. 85.

[56] Eduard Rüppell: Reise in Abyssinien. Frankfurt am Main 1838, S. 8.

[57] Vgl. ebd., S. 54.

[58] Urlich Haarmann: Die Geschichte der arabischen Welt. München 1987, S. 538ff.

[59] Vgl. Andrea Polaschegg: Immer wenn ich an den Orient Denke, fällt mir der Islam ein. Die feinen Unterschiede in Karl Mays Morgenland. In: Payte, Wolfram u. a. (Hrsg.), Karl May: Brückenbauer zwischen den Kulturen. Kultur und Technik, Bd. 17. Berlin 2010, S. 94.

[60] Vgl. Felix Konrad: Von der 'Türkengefahr' zu Exotismus und Orientalismus: Der Islam als Antithese Europas (1453-1914) Europäische Geschichte Online: http://ieg-ego.eu/?set_language=de, letzter Zugriff: 11.10. 2015).

[61] Mangold, S.43.

[62] Rink: Nordafrikaim 19. Jahrhundert, S. 86.

[63] Vgl. Alfred Birk: Der Suezkanal, Seine Geschichte und seine wirtschaftspolitische Bedeutung für Europa, IndienundÄgypten. Hamburg 1923, S. 85.

[64] Vgl. Ahmed Abd-Elhafez: Die Straßenbahn von Alexandria. Eine Geschichte von Transport und Ver­gnügen: http://www.aljazeera.net/portal. Letzter Zugriff, 02.01.2016.

[65] Vgl. Rink: Nordafrikaim 19. Jahrhundert, S. 86.

[66] Berman: Orientalismus, Kolonialismus, S. 100.

[67] Birk: Der Seuzkanal, S. 62.

[68] Ebd., S. 35.

[69] Vgl, S. 10.

[70] Vgl. Ebd., S. 103.

[71] Albert Hourani: Die Geschichte der arabischen Völker. Frankfurt am Main. 2014, S. 357.

[72] Vgl. Birk: Der Suezkanal, S. 93.

[73] Jürgen Franzke: Bagdad- und Hedjazbahn. Deutsche Eisenbahngeschichte im Vorderen Orient. Nürnberg 2003. Abb, S. 8-108.

[74] Birk: Der Seuzkanal, S. 62.

[75] Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 4. Reichsgründung: Bismarcks Deutschland 1866-1890.

[76] Friedrich Fabri, Bedarf Deutschland der Colonien? Eine politisch-ökonomische Betrachtung (orig. 1879), 3. Ausg. Gotha 1883, zit. in: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 4. Reichsgründung: Bismarcks Deutschland 1866-1890.

[77] Ebd., S. 2.

[78] Ebd., S. 5.

[79] Vgl. Bade Klaus J.: Friedrich Fabri und der Imperialismus in der Bismarckzeit. PDF. www.imis.uni- osnabrueck.de/BadeFabri.pdf, letzter Zugriff: 01.10.2015) S. 161.

[80] Fabri: BedarfDeutschland der Colonien?, S.7.

[81] Vgl. Irene Weipert-Fenner: Starke Reformer oder schwache Revolutionäre? Ländliche Notabeln und das ägyptische Parlament in der 'Urabi-Bewegung 1866-1882. Gerd Winkelhane. Berlin 2011, S. 84f.

[82] Vgl. ebd., S. 110f.

[83] Ein ägyptischer Offizier.

[84] Das Gleiche gilt für den ebenfalls von May ignorierten Bau des Suez-Kanals, wie später gezeigt werden wird, Kap. 7.2.

[85] Said: Orientalism, S. 99.

[86] Bernd Steinbrink: Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Studien zu einer vernach- lässigtenGattung. Tübingen 1983, S. 8.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Karl Mays Orient und 'die bösen Araber' im Roman „Durch die Wüste“
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
92
Katalognummer
V336474
ISBN (eBook)
9783668264915
ISBN (Buch)
9783668264922
Dateigröße
913 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orient, Islamwissenschaft, Germanistik, Karl May, Postkoloniale Theorie, Edward Said
Arbeit zitieren
Assem El-Kholy (Autor), 2016, Karl Mays Orient und 'die bösen Araber' im Roman „Durch die Wüste“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336474

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