Jemand stellt die Frage: »Was heißt Glauben?« und bekommt als Antwort den Satz zu hören: »Glauben heißt: nicht wissen!« Etwas nicht genau belegen zu können, einen Sachverhalt nur vage zu kennen, bringt uns immer wieder dazu, von »glauben« zu sprechen. Glauben ist dann gleichbedeutend mit »vermuten«. Was bedeutet es aber nun, wenn ein Christ sagt, er glaube an Gott, den Vater, Jesus Christus als seinen eingeborenen Sohn und den Heiligen Geist? Er scheint nicht aussagen zu wollen, dass er um Gott, Jesus Christus und den Geist nicht genug weiß, um von »Wissen« sprechen zu können. Sicher sind es keine bloßen Vermutungen, die ein Christ in bekennender Form bezüglich der chr istlichen Botscha ft äußern will, schließlich erscheint es widersinnig, sich zu Vermutungen zu bekennen. Der Begriff des »Glaubens« muss also eine gänzlich andere Dimension haben, als »vermuten« oder »nicht wissen«. Welche diese ist, soll im Folgenden aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Glaube als Geschenk Gottes oder Entscheidung des Menschen?
3. Vertrauen, Erkennen, Bekennen
4. Das ‚Wissen’ im Glauben und die Gewissheit des Glaubens
5. Stärke uns den Glauben (Lk 17,5)
6. Was aber heißt nun Glauben?
7. Quellennachweis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Wesen des christlichen Glaubens, setzt sich kritisch mit dessen Definition auseinander und hinterfragt das Spannungsfeld zwischen göttlichem Geschenk und menschlicher Entscheidung. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Glaubensgewissheit praktisch erfahren wird und inwiefern der Glaube als lebenslanger Prozess des Vertrauens und Bekennens zu verstehen ist.
- Die Dialektik von Gottes Zuwendung und menschlicher Glaubensentscheidung.
- Die konstitutiven Säulen des Glaubens: Vertrauen, Erkennen und Bekennen.
- Die theoretische Abgrenzung von "Glauben" und "Wissen" sowie die Bedeutung der Glaubensgewissheit.
- Die Dynamik des Glaubenswachstums in verschiedenen Lebenskontexten.
- Das Verständnis von Glauben als ganzheitliche christliche Existenz.
Auszug aus dem Buch
Glaube als Geschenk Gottes oder Entscheidung des Menschen?
Ist der Glaube ein Geschenk Gottes an den Menschen oder eine dem Menschen innewohnende Fähigkeit, ein Habitus, ein Zustand, in dem sich der Mensch befindet? Ist zu glauben des Menschen eigene und selbst verantwortete Entscheidung? Die Auffassung, man nehme etwas zur Kenntnis und entschließe sich anschließend, es zu glauben, scheint hinsichtlich des christlichen Glaubens zu oberflächlich und unangemessen zu sein. Es scheint sich, wenn denn das »Zum-Glauben Kommen« überhaupt eine Entscheidung ist, um eine Entscheidung besonderer Art zu handeln. „Es gibt keinen Glauben ohne einen Gegenstand, auf den er sich bezieht“. Glaube ist folglich als Glaube an sich undenkbar, sondern Glaube meint immer einen Glauben an etwas oder jemanden.
Ob jedoch nun der Glaube als Geschenk oder die Entscheidung des Menschen der entscheidende Faktor dafür ist, dass der Glaube zustande kommt und gelingen kann, bleibt noch offen. Gehen wir davon aus, dass zumindest ein Teil der Basis für entstehenden Glauben die Entscheidung des Menschen ist, so müssen wir auch festhalten, dass diese Glaubensentscheidung nicht eine einzige, punktuell festzumachende Entscheidung sein kann, die fortan immerwährend ist, sondern eine Folge von mehreren Entscheidungen, die der Mensch bewusst immer und immer wieder zu fällen hat. Diese Entscheidungen enden nicht und dauern das gesamte Leben des Menschen an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die landläufige Meinung, Glauben sei mit Nichtwissen oder Vermutungen gleichzusetzen, und führt in das christliche Verständnis des Glaubensbegriffs ein.
2. Glaube als Geschenk Gottes oder Entscheidung des Menschen?: Dieses Kapitel beleuchtet den dualen Charakter des Glaubens, der sowohl als Geschenk der göttlichen Zuwendung als auch als fortwährende menschliche Vertrauensentscheidung begriffen wird.
3. Vertrauen, Erkennen, Bekennen: Hier wird der Glaube als komplexes Zusammenspiel von vertrauensvoller Hinwendung zu Gott, geistiger Erkenntnis und öffentlicher Bekenntnisleistung dargestellt.
4. Das ‚Wissen’ im Glauben und die Gewissheit des Glaubens: Der Autor erörtert den Gewissheitscharakter des Glaubens, der nicht als theoretisches Wissen, sondern als existenzielle, praktische Gewissheit im Leben des Gläubigen verstanden werden muss.
5. Stärke uns den Glauben (Lk 17,5): Es wird die Frage nach der Entwicklung des Glaubens ("Glaubenswachstum") gestellt, wobei betont wird, dass der Glaube in verschiedenen Lebenssituationen immer wieder aufs Neue geprüft und gestärkt wird.
6. Was aber heißt nun Glauben?: Das Fazit fasst zusammen, dass Glaube die gesamte christliche Existenz als lebenslange, vertrauensvolle Beziehung zu Gott umschließt.
7. Quellennachweis: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten theologische Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Glaube, Christlicher Glaube, Glaubensentscheidung, Gott, Vertrauen, Erkenntnis, Bekenntnis, Glaubensgewissheit, Existenz, Theologie, Gottes Wort, Glaubenswachstum, christliche Existenz, Offenbarung, Gnade.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der inhaltlichen Klärung der Frage "Was heißt Glauben?" im christlichen Kontext und hinterfragt die Bedeutung von Glaubensentscheidungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen das Verhältnis zwischen menschlicher Entscheidung und göttlichem Geschenk, die Säulen des Glaubens sowie die praktische Glaubensgewissheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Glaubensbegriff von einer bloßen Vermutung abzugrenzen und als ganzheitliche, existenzielle Lebensbeziehung zu Gott zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Kurzrecherche, die auf der Analyse von Fachliteratur und dem Diskurs mit renommierten Theologen wie Karl Barth basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Glauben in die Elemente Vertrauen, Erkennen und Bekennen und untersucht die Dynamik von Glaubensprüfungen und -wachstum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Glaube, Vertrauen, christliche Existenz, Gewissheit und Gottesbeziehung.
Wie wird das Verhältnis von Glaube und Wissen im Text bewertet?
Der Text argumentiert, dass Glaube kein "Nichtwissen" ist, sondern eine eigene Form der Gewissheit besitzt, die auf praktischer Lebensführung und Offenbarung basiert.
Welche Bedeutung kommt dem Zitat aus Lk 17,5 zu?
Der Vers "Stärke uns den Glauben" dient als Ankerpunkt für die Diskussion, dass Glauben kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess der Entwicklung und Bewährung im Leben ist.
- Quote paper
- Dipl.Rel.Paed./Diakon Florian Elsner (Author), 2004, Was heißt Glauben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33647