Grammatik im DaF-Unterricht in Theorie und Praxis


Masterarbeit, 2015

84 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG ... 2

2. GRAMMATIK IN THEORIE ... 3
2.1. Der Begriff „Grammatik“ ... 3
2.2. Die Rolle der Grammatik im Fremdsprachenunterricht ... 5
2.3. Methoden in der Geschichte der Fremdsprachendidaktik ... 7
2.3.1. Die Grammatik-Übersetzungs-Methode (GÜM) ... 7
2.3.2. Die direkte Methode (DM) ... 9
2.3.3. Die audiolinguale Methode (ALM) ... 10
2.3.4. Die audiovisuelle Methode (AVM) ... 11
2.3.5. Die vermittelnde Methode ... 13
2.3.6. Die kommunikative Methode ... 14
2.4. Grammatikvermittlung im DaF-Unterricht ... 17
2.5. Methoden beim Grammatikunterricht ... 20
2.5.1. Induktive Methode ... 21
2.5.2. Deduktive Methode ... 24
2.6. Grammatikprogression ... 25
2.7. Grammatik spielend lernen-üben-anwenden ... 30
2.8. Lernen durch Stationen ... 33
2.9. Grammatikübungen ... 35
2.10. Wiederholung und Kontrolle grammatischer Kenntnisse ... 37
2.10.1. Grammatische Korrektheit nach dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen ... 38
2.11. Neue Erkenntnisse zum Grammatikerwerb ... 39
2.12. Lehrwerkbeurteilung ... 41
2.13. Grammatikvermittlung beobachten ... 45
2.14. Vorschläge für den Grammatikunterricht ... 45

3. GRAMMATIK IN PRAXIS ... 46
3.1. Gegenstand der Forschungsarbeit ... 46
3.2. Ziel der Forschung ... 47
3.2.1. Ziel der Forschung unter Schülern ... 47
3.2.2. Ziel der Forschung unter DaF-Lehrern ... 47
3.3. Hypothesen ... 47
3.3.1. Hypothesen unter den Schülern ... 47
3.3.2. Hypothesen unter den DaF-Lehrern ... 47
3.4. Methode ... 48
3.5. Messtechniken und Messinstrumente ... 48
3.6. ANALYSE UND ERGEBNISSE DER UMFRAGE DER SCHÜLER ... 53
3.6.1. Schlussfolgerung ... 61
3.7. ANALYSE UND ERGEBNISSE DER UMFRAGE DER DAF- LEHRER ... 62
3.7.1. Schlussfolgerung ... 67

4. ZUSAMMENFASSUNG ... 70

5. SAŽETAK ... 71

QUELLENVERZEICHNIS ... 72

ANHANG ... 74

1. EINLEITUNG

Wer eine Fremdsprache beherrschen will, der muss grammatische Kenntnisse haben. Wenn man als Kind sprechen lernt, lernt man die Muttersprache natürlich und automatisch und benutzt damit auch die grammatischen Regeln in der mündlichen Form. Die meisten Kinder beginnen eine Fremdsprache erst in der Grundschule zu lernen. Hier lernen sie das Regelsystem der Sprache kennen. Nach meiner Erfahrung ist das Thema „Grammatik“ bei den Schülern nicht attraktiv und sie finden sie manchmal langweilig und uninteressant. Sie enthält nämlich die Grammatikregeln, welche die Schüler lernen müssen, um richtig sprechen zu können. Als Lehrer stelle ich mir die Frage, warum die Grammatik bei den Schülern unpopulär ist. Regeln werden gelernt, um getestet zu werden. Das Testen finden die Lernenden oft als ein notwendiges Übel. Sie haben Angst vor der schlechten Bewertung und den schlechten Noten. Einerseits können die Lernenden die Grammatik beherrschen, andererseits sollten die Lernenden sie in den verschiedenen Sprechsituationen verwenden können. Grammatikkenntnisse sind also kein Lernziel des Fremdsprachenunterrichts, sondern wichtig ist das Können.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, dass man durch Theorie alle Möglichkeiten der Durchführung des DaF-Unterrichts zeigt, wenn man eine Unterrichtseinheit aus der Grammatik realisiert und dass man auch vorstellt, wie es eigentlich in Praxis ist.

Durch diese Arbeit wird gezeigt, auf welche Art der DaF-Unterricht in unseren Schulen durchgeführt wird und auf welche Art der Unterricht durchgeführt werden kann, wenn man eine Unterrichtseinheit aus der Grammatik realisiert.

Es wird Folgendes beschrieben: Verschiedene Theorien über die Grammatik im DaF-Unterricht, Grammatikspiele im Unterricht, Gruppenwettbewerb, verschiedene Methoden und es werden besonders folgende zwei Methoden betont: deduktive und induktive Methode.

In dieser Arbeit wird erforscht, welche Methode häufiger im Grammatikunterricht des Deutschen als Fremdsprache vorkommt und man sollte danach streben, dass die induktive Methode möglichst häufiger im Unterricht verwendet wird.

Das Ziel dieser Arbeit ist auch, dass der Grammatikunterricht des Deutschen als Fremdsprache verbessert wird, damit dieser Unterricht möglichst interessanter für die Schüler ist und nicht dass es ihnen langweilig ist, wenn eine Grammatikeinheit im Unterricht realisiert wird und dass möglichst bessere Lernergebnisse geschafft werden.

In dem praktischen Teil beschäftige ich mich mit der Forschung, die ich unter den ausgewählten Schülern von der sechsten bis zur neunten Klasse einer Grundschule und unter den Schülern von der dritten bis zur vierten Klasse eines Gymnasiums und unter den DaF-Lehrern in der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republik Srpska durchgeführt habe. Diese Umfrage zeigt, was die Grammatik im DaF-Unterricht für die Schüler bedeutet, wie sie sie erleben, was die Lehrer von der Grammatik im DaF-Unterricht meinen und welche Methoden sie im Unterricht verwenden.

2. GRAMMATIK IN THEORIE

2.1. Der Begriff „Grammatik“

Wenn man „Grammatik erwähnt, hat jede Person dafür einige Assoziationen. Was bedeutet eigentlich der Begriff „Grammatik“?

Unter dem Begriff „Grammatik“ versteht man die Lehre von den Regeln des Sprachbaus bzw. des Baus von einzelnen Ausdrücken einer Sprache.[1]

Grammatik ist eine Art, wie eine Sprache organisiert ist.

Heyd unterscheidet die Grammatik in der Linguistik und im Fremdsprachenunterricht.

In der Linguistik umfasst der Begriff „Grammatik“ das System von Regeln einer Sprache und die Beschreibung dieses Systems von den Linguisten. Was den Fremdsprachenunterricht angeht, ist die Grammatik der „Lehr- und Lernstoff, den die Schüler beherrschen müssen, damit sie richtige Sätze bilden, verstehen und die Texte konstruieren können“. (Heyd, 1991: 163)

Bei der Auswahl der Grammatik werden die Lernziele der Gruppe, die lerntheoretischen und lernpsychologischen Bedingungen beachtet.

Helbig (1981:49) unterscheidet bei der Verwendung des Begriffs „Grammatik“ folgende Grammatiken: Grammatik A, Grammatik B und Grammatik C.

Als Grammatik A versteht man das komplette Regelsystem einer Sprache, unabhängig von der Benennung oder Beschreibung durch die Sprachwissenschaft. Das bedeutet, dass die Grammatik einer Sprache und ihr Regelsystem unabhängig von der wissenschaftlichen Beschreibung existieren.

Als Grammatik B bezeichnet man die sprachwissenschaftliche Beschreibung des Regelsystems. Die Grammatik B ist eine Sprachbeschreibung zu wissenschaftlichen Zwecken.

Als Grammatik C versteht man das Regelsystem, das sich die Schüler im Sprachunterricht systematisch aneignen, oder ohne Sprachunterricht unsystematisch erwerben. Darunter versteht man „Grammatik im Kopf“.

Bei der Grammatik B unterscheidet Helbig zwischen der linguistischen (B1) und der pädagogischen (didaktischen) Grammatik (B2).

Linguistische Grammatik beschreibt die Sprache zu wissenschaftlichen Zwecken.

Die pädagogische / didaktische Grammatik bezieht sich auf die Beschreibung einer Sprache, deren Ziel das Lehren und Lernen der betreffenden Sprache ist. Diese Grammatik gibt dem Lehrer / der Lehrerin einer Fremdsprache die Hinweise und Hilfen für die Unterrichtsplanung und Unterrichtsvorbereitung und führt zur Entwicklung der grammatischen Kompetenz. (Götze, 2001: 189)

Die Präsentation der Grammatik in einer pädagogischen / didaktischen Grammatik muss vereinfacht werden. Sie muss drei Kriterien haben: Verstehbarkeit, Behaltbarkeit und Anwendbarkeit (Schmidt 1987 zit. nach Storch, 2001: 78)

Die pädagogisch-grammatischen Darstellungen müssen sprachlich einfach und für die Schüler angemessen sein, um die ersten zwei Kriterien zu erreichen. Diese Darstellungen sollen knapp, konkret und anschaulich sein. Rein verbale Beschreibungen sind für die Schüler unnützlich, weil sie eine Struktur besser verstehen, wenn sie diese Struktur mit einem Bild verbinden können. Farbe, Zeichen, Symbole, Tabellen und Schemen erhöhen die Verständlichkeit. Komplizierte Strukturen einer Sprache sollten möglichst einfach, anschaulich und übersichtlich gegeben werden. Es ist auch sehr wichtig, dass man nur das Wesentliche mit einer Farbe oder durch eine Unterstreichung hervorgibt.

Was das Kriterium der Anwendbarkeit betrifft, ist es bekannt, dass viele Schüler ihr theoretisches Wissen nicht in das praktische Können übertragen können. Wegen dieses Problems ist es wichtig, dass eine geringe psychologische Distanz zwischen Darstellung und Wirklichkeit besteht. Es wäre am besten, wenn die grammatischen Darstellungen handlungsanweisend wären. (Storch, 2001: 79-83)

Beim Fremdsprachenunterricht entwickelte sich die sogenannte grammatische Kompetenz.

Grammatische Kompetenz definiert man als Kenntnis der grammatischen Mittel einer Sprache und die Fähigkeit, diese zu verwenden.[2]

Im Fremdsprachenunterricht unterscheidet man zwischen der produktiven und der rezeptiven Grammatik. Unter der produktiven Grammatik versteht man die Strukturen, die die Schüler selbst produzieren können. Und umgekehrt unter der rezeptiven Grammatik versteht man die Strukturen, die die Schüler nur verstehen, aber nicht produzieren können. Hier spricht man auch von der „Mitteilungsgrammatik“ und „Verstehensgrammatik“. (Blažević, 2007: 102)

Die Auswahl der Grammatikstoffe bestimmen die Lernziele der Gruppe und die lerntheoretischen und lernpsychologischen Bedingungen.

In der folgenden Übersicht zeigt Schmidt (Schmidt 1990, zit. nach Funk / König, 1991: 14) die Merkmale einer sogenannten „pädagogischen“ oder Lerner-Grammatik“ im Gegensatz zu einer linguistischen Grammatik:

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt]

2.2. Die Rolle der Grammatik im Fremdsprachenunterricht

Die Rolle der Grammatik im Fremdsprachenunterricht hat sich mit der Zeit verändert. Sie war früher der wichtigste Teil einer Sprache und es herrschte die Meinung, dass man eine Sprache konnte, wenn man ihre Grammatik und Regeln gut beherrschte. Das trifft besonders für die Grammatik-Übersetzungs-Methode, die lange Zeit geblieben ist, obwohl man durch die Reform versucht hat, das zu ändern. Nach einiger Zeit hat sich die Einstellung zu der Grammatik verändert und sie hat ihren Wert verloren. Sie wurde nur als die Belastung für die Lerner angesehen.

Im Fremdsprachenunterricht hat sich nach allen Versuchen und Reformen immer stärker die Erkenntnis durchgesetzt, dass man solides sprachlich-kommunikatives Können, das als Ziel des Fremdsprachenunterrichts galt, ohne sichere sprachliche Kenntnisse nicht erreichen kann und dass dabei die Grammatikkenntnisse eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Sprachkönnens bilden.

Die Rolle der Grammatik beim Fremdsprachenunterricht ist mehrdeutig. Die Grammatikkenntnisse sind gleichermaßen wichtig für Sprechen, Schreiben, Lesen und Hören.

Die Grammatik ist der Anreger der Sprache. Sie generiert die Bedeutung durch die Verhältnisse zwischen den lexikalischen Einheiten.

Der Erwerb einer Fremdsprache bedeutet, dass man die Grammatik implizit und unbewusst in den realen Lebenssituationen erwerben kann. Das Lernen von der Grammatik ist eine bewusste Handlung, die sich in den formalen Situationen entwickelt.

Nach Heyd (1991:163) sind die Grammatikkenntnisse eine wichtige Voraussetzung, um eine Fremdsprache zu beherrschen. Die Lerner sollen dazu befähigt werden, dass sie sich korrekt in der Fremdsprache ausdrücken. Die Grammatikkenntnisse werden in enger Verbindung mit dem Sprachkönnen erworben.

„Da sichere Sprachsystemkenntnisse beim unterrichtsgesteuerten Spracherwerb auch zu größerer Sicherheit im sprachlichen Handeln führen, muss die Arbeit an der Grammatik integrierter Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts sein“. (Blažević, 2007: 103)

„Jeder Sprecher muss über Grammatik verfügen und jeder Sprachunterricht muss Grammatik einschließen, gleichgültig wie dies geschieht (explizit durch Regeln oder implizit über Patterns), wann dies geschieht und wie viel davon nötig ist“. (Helbig, 1992: 152)

„Grammatikkenntnisse können dem Lerner eine große Hilfe beim Variieren oder Transferieren verfügbarer Redemittel sein und deswegen darf man auf ihre Vermittlung im Unterricht nicht verzichten“. (Blažević, 2007: 103)

Es wird die Frage gestellt, was die Grammatik im kommunikativen Fremdsprachenunterricht für die Kommunikation leistet. Das bedeutet, dass man bei der Auswahl der Grammatikstoffe berücksichtigt, welche Redeintentionen zum Ausdruck gebracht werden sollen und dass man die grammatischen Strukturen so vermittelt und festigt, wie sie sinnvoll in Sprachpraxis angewendet werden können. (Blažević, 2007: 103)

„Da die Zeit im Fremdsprachenunterricht knapp ist, ist es nötig, dass man aus der Gesamtheit grammatischer Stoffe ein sogenanntes grammatisches Minimum auswählt, das die Strukturen bildet, die häufig vorkommen. Man muss dabei zwischen Mitteilungsgrammatik (produktiver Grammatik) und Verstehensgrammatik (rezeptiver Grammatik) unterscheiden“. ( Blažević, 2007: 104)

Die Praxis zeigt, dass die Schüler beim Fremdsprachenunterricht gewöhnlich das Wissen über die Grammatik erwerben. Das bedeutet, dass sie die Fähigkeit erwerben, um über die Einzelheiten des Sprachsystems zu sprechen und die Fähigkeit, die Regeln zu beschreiben, die beim Bau von Sätzen verwendet werden (Wortarten und ihre Funktion im Satz, grammatische Kategorien wie Zahl, Geschlecht, Aspekt, Zeitformen).

2.3. Methoden in der Geschichte der Fremdsprachendidaktik

In der Geschichte der Fremdsprachendidaktik haben sich zahlreiche Methoden zur Steuerung des Fremdsprachenerwerbs entwickelt. Diese Methoden sind unter dem Einfluss bestimmter historischer Rahmenbedingungen entstanden. Eine streng chronologische Darstellung ist deshalb irreführend, da auch ältere methodische Ansätze bis in heute verwendete Lehrmittel und Lehrverfahren einfließen und ihren Platz behauptet haben. Die Entwicklung der Unterrichtsmethoden spielt sowohl für die Fremdsprachenlehrer als auch für die Fremdsprachenlerner eine wichtige Rolle.

Besonders zu erwähnen sind folgende Methoden:

1. Die Grammatik-Übersetzungs-Methode
2. Die direkte Methode
3. Die audiolinguale Methode
4. Die audiovisuelle Methode
5. Die vermittelnde Methode
6. Die kommunikative Methode

In dem folgenden Teil werden kurz die genannten Methoden und die Grammatikvermittlung in den verschiedenen Methoden beschrieben.

2.3.1. Die Grammatik-Übersetzungs-Methode (GÜM)

Die erste Methode, die in der Literatur erwähnt wird, ist die Grammatik-Übersetzungs-Methode. Diese Methode ist noch unter dem Namen „traditionelle Methode“, „klassische Methode“, „deduktive Methode“ und „grammatisierende Methode“ bekannt. (Henrici, 1986: 122)

Besonders zu erwähnen ist der Name „deduktive Methode“. Das bedeutet, dass die Fremdsprache durch die zahlreichen, einzeln gelehrten Regeln gelernt wird. Hier geht es nicht um die praktische Beherrschung der Fremdsprache, sondern um den formalen Aufbau und um das Regelsystem. (Neuner, Hunfeld: 1993: 30)

Bei der Grammatik-Übersetzungsmethode geht es um das Sprachwissen.

Die Schüler fassen sich mit der Grammatik einer Sprache und ihr Wissen ist durch das Verständnis verschiedener Texte sichtbar, aber auch durch die Bildung von Sätzen, die sie selbst richtig bilden sollen. Ob sie die betreffende Sprache beherrschen oder nicht, zeigen die Übersetzungen von Texten.

Nach Neuner / Hunfeld (1993: 19) wird die Grammatik und die Übersetzung betont.

Betonung der Grammatik: „Sie ist die tragende Funktion der Lernstoffprogression und sie ist das übergreifende Lernziel: Wer die Grammatik beherrscht, beherrscht die fremde Sprache“!

Betonung der Übersetzung: „Sie ist das Ziel der Anwendung der Fremdsprache: Wer korrekt übersetzen kann, zeigt damit, dass er die fremde Sprache wirklich beherrscht“!

Bei der Grammatik-Übersetzungs-Methode haben Schreiben und Lesen den Vorrang vor dem Sprechen und Hören. Das bedeutet, dass die Entwicklung und Förderung der Fertigkeiten Schreiben und Lesen als wichtiger bezeichnet werden. Das Ziel ist also nicht die mündliche Beherrschung der Fremdsprache zur Kommunikation, sondern die Beherrschung des Wortschatzes der erlernenden Fremdsprache und die Kenntnisse von grammatischen Regeln. (Henrici, 1986: 122)

Der Ablauf von Unterrichtsphasen lässt sich wie folgt darstellen:

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt]

(Neuner / Hunfeld, 1993: 21)

Die Darstellung und Vermittlung der Grammatik in der GÜM

- Die Darstellung der Grammatik folgt im Allgemeinen der Darstellungsweise der traditionellen Grammatik.
- Es gibt tabellarische Übersichten (z.B. Konjugations- und Deklinationstabellen, Bildungsweisen).
- Die Grammatik wird explizit vermittelt.
- Es werden Regeln formuliert.
- Es werden terminologische Begriffe verwendet.
- Es wird auf Ausnahmen hingewiesen.
- Die Grammatikvermittlung stützt sich auf die deduktive Methode.
- Ziel ist das Sprachwissen (Funk, Hermann, 1995: 29- 46).

2.3.2. Die direkte Methode (DM)

Die direkte Methode wurde in den achtziger Jahren des 19.Jahrhunderts entwickelt. Diese Methode wird auch als „natürliche Methode“, „induktive Methode“ und „analytische Methode“ genannt. Die direkte Methode gilt auch als Reformmethode. Sie ist als die Gegenbewegung zu der Grammatik-Übersetzungs-Methode entstanden und war die Vorläuferin der audiolingualen Methode. Die direkte Methode wurde besonders in Deutschland, Großbritannien und in den USA populär. (Henrici, Riemer, 2001: 510)

Die Bezeichnung „direkte Methode“ bedeutet, dass die Fremdsprache „direkt“ vertreten werden soll, ohne dass die Muttersprache störend dazwischen tritt. Die Muttersprache wird so oft wie möglich aus dem Fremdsprachenunterricht ausgeschlossen. Hier ist das Ziel, dass der Schüler dazu gebracht wird, dass er in der Fremdsprache denkt. Er soll dabei die Fremdsprache nicht mit der Muttersprache vergleichen, sondern sich ein neues, selbständiges Sprachsystem aufbauen (Neuner / Hunfeld, 1993: 33).

Besonders zu erwähnen ist der Name „induktive Methode“. Das bedeutet, dass die Schüler die Fremdsprache auf diese Art lernen, indem sie alleine die Regeln aufgrund von mehreren Beispielen bestimmen.

Bei der direkten Methode ist das Sprachkönnen wichtiger als das Sprachwissen. Sprechen hat den Vorrang vor dem Schreiben.

Wenn man sich die Frage stellt, warum es zu der Reformbewegung gekommen ist, gibt es zwei Gründe. Der erste Grund ist der schwache Erfolg der traditionellen Methode. Diese Methode war leider nicht sehr effektiv und die Ergebnisse waren schwach, weil es zu viele Mängel gab, die man nicht eliminiert hat. Der zweite Grund für die Veränderung der Unterrichtsziele war die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Kommunikationsmedien (Neuner/ Hunfeld, 1993: 34).

Die Grammatikbearbeitung ist für die Lernprogression wichtig. Man geht immer von den einfacheren zu den komplexeren grammtischen Phänomenen, um das schon vorhandene Wissen wiederzuentwickeln.

Die Grammatikregeln werden nicht völlig aus dem Unterricht der direkten Methode gestrichen. Sie sollen am Ende einer Unterrichtseinheit stehen, praktisch als Bestätigung und Zusammensetzung des neu Gelernten (Neuner / Hunfeld, 1993: 39).

Folgende Tabelle verdeutlicht die grundlegenden Unterschiede zwischen der Grammatik-Übersetzungs-Methode und der direkten Methode.

[Tabellen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt]

(Blažević, 2007: 25)

2.3.3. Die audiolinguale Methode (ALM)

Die audiolinguale Methode bedeutet im Deutschen Hör-Sprech-Methode.

Die audiolinguale Methode wurde als Nachfolgerin der direkten Methode in den 1940-er Jahren in den USA entwickelt. Für die audiolinguale Methode sind vor allem die Mustersätze (patterns) kennzeichnend, die ständig wiederholt werden, bis sie zu den festen Gewohnheiten eingeprägt werden. Diese Methode hat die gleichen Prinzipien wie die direkte Methode. Diese Prinzipien unterscheiden sich nur dadurch, dass in der audiolingualen Methode das Lesen und Schreiben in der Anfängerphase ausgeschlossen werden. (Helbig, 1986 zit. nach Henrici, 1986: 125-130)

Der Spracherwerb basiert bei dieser Methode nicht auf den Grammatikkenntnissen wie bei der Grammatik-Übersetzungs-Methode, sondern auf Grund der Mustersätze. Für diese Methode ist auch die Einsprachigkeit des Unterrichts charakteristisch, d.h. die Muttersprache wird ausgeschlossen und die Schüler sollen sich ausschließlich in der Fremdsprache verständigen.

Bei dieser Methode hat das Sprechen den Vorrang vor dem Schreiben. Hier legt man den großen Wert auf die Ausspracheschulung. (Helbig, 1986 zit. nach Henrici, 1986: 125-130)

Die wichtigsten Unterrichtsprinzipien der audiolingualen Methode sind:

- Vorrang des Mündlichen vor dem Schriftlichen (des Hörens / Sprechens vor dem Lesen / Schreiben)
- Situativität des Unterrichts: Die Sprachmuster der Grammatik werden in Alltagssituationen eingebettet und dialogisch präsentiert.
- Authentizität der Sprachvorbilder (Nachahmung der Sprachgewohnheiten des Muttersprachensprechers, insbesondere seiner Aussprache)
- Einübung von Sprachmustern durch Imitation und häufiges Wiederholen
- Grundlegende Einsprachigkeit des Unterrichts, Ausschluss der Muttersprache aus dem Unterrichtsgeschehen
- Progression des Lernprogramms anhand der Grammatiklehrstoffe durch systematische Steigerung der Komplexität der Sprachmuster der Zielsprache
(Neuner / Hunfeld, 1993: 61)

Typisch für die Grammatikdarstellung der ALM ist:

1. Beispielsammlung als Ausgangspunkt der Grammatikarbeit
2. Die Entwicklung von optischen Signalen (Hervorhebung; Pfeile usw.), die das jeweilige Grammatikphänomen hervorheben und den Lernenden so führen, dass er die Gesetzmäßigkeiten selbst erkennt (induktives Verfahren)
3. Satzmusterübungen in vielfachen Variationen (pattern drill)
4. Die Verdeutlichung der Zusammenhänge in Tabellenform (Neuner / Hunfeld, 1993: 51)

2.3.4. Die audiovisuelle Methode (AVM)

Die audiovisuelle Methode bedeutet im Deutschen Hör-Seh-Methode.

Die audiovisuelle Methode stellt eine Weiterentwicklung der audiolingualen Methode in den 60er Jahren dar. Diese Methode ist in Frankreich entstanden. Wie der Name selbst sagt, spielen visuelle Medien eine große Rolle. (Henrici / Riemer, 2001: 513-515)

Diese Methode betont die Wichtigkeit der Fertigkeiten Hören und Sprechen. Sie gibt dem Sprachkönnen den Vorrang vor dem Sprachwissen. Es werden keine grammatischen Erklärungen gegeben, besonders wenn sie isoliert betrachtet werden. Oder sie werden nur in den Gebrauchstexten bearbeitet. (Henrici / Riemer, 2001: 513-515)

Bei dieser Methode wird der Gebrauch der Muttersprache im Unterricht ausgeschlossen und die kontrastiven Prinzipien werden auch nicht berücksichtigt, d.h. dass man die Fremdsprache mit der Muttersprache vergleicht. (Henrici / Riemer, 2001: 513-515)

Beispiel für die Grammatikvermittlung mit der AVM: Komparation der Adjektive

[Tabellen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt]

Es kommen folgende Unterrichtsphasen bei der audiovisuellen Methode vor (Neuner / Hunfeld, 1993: 65):

1.Phase

Zuerst wird ein Bild oder eine Bilderfolge gezeigt und zusammen mit einem auf dem Tonband aufgenommenen Dialog präsentiert. Oder es wird ein Videobeispiel gezeigt.

2.Phase

In der zweiten Phase beschäftigt man sich mit den einzelnen Gesprächseinheiten. Sie werden erklärt, damit die Schüler sie verstehen.

3. Phase

Danach werden die Dialoge auswendig gelernt, indem der Text und das Bild mehrmals wiederholt werden.

4.Phase

Weiter werden die Schüler dazu aufgefordert, dass sie eigene Dialoge zu den Bildern machen.

5. Phase

Es werden auch Satzmusterübungen durchgeführt, wann immer das möglich ist.

6. Phase

Schreiben und Lesen werden erst später in dem Fremdsprachenunterricht verwendet, weil das Sprechen und Hören, wie schon erwähnt worden ist, wichtiger sind.

Die Darstellung und Vermittlung der Grammatik in der audiovisuellen und

audiolingualen Methode

- Die Darstellung der Grammatik folgt im Allgemeinen der Darstellungsweise der strukturalistischen Grammatik (Strukturmuster in Form von syntagmatischen und paradigmatischen Relationen).
- Die Grammatik wird implizit vermittelt (durch Vermittlung von Strukturmustern – pattern-drills).
- Es wird auf Regeln verzichtet.
- Es werden kaum terminologische Begriffe verwendet.
- Grammatische Regularitäten werden visualisiert.
- Die Grammatikvermittlung fördert das implizite Lernen.
- Ziel ist das Sprachkönnen (Funk, Hermann,1995: 29-46 ).

2.3.5. Die vermittelnde Methode

Die vermittelnde Methode ist in den 1950-er Jahren in Deutschland entstanden. Sie hat versucht, die Grammatik-Übersetzungs-Methode und die audiolinguale Methode zu verbinden. Also hier geht es um die Vermischung von diesen Methoden (Blažević, 2007: 33).

Bei dieser Methode ist es wichtig, einige methodische Prinzipien zu erwähnen. Das sind: Beibehaltung der inhaltlichen Orientierung am Kanon der höheren Bildung, Aktivierung der Schüler, Einsprachigkeit (außer beim Grammatiklernen), induktive Methode beim Grammatiklernen, Wichtigkeit des Kontextes, mündliche Übungen für den Sprachgebrauch, sowie auch das Lesen und die Übersetzungsübungen (Neuner / Hunfeld, 1993: 70-72).

Grammatikdarstellung bei der vermittelnden Methode

Beispiel: Präpositionen mit dem Dativ

Julia geht schon um 7 Uhr aus der Wohnung. Sie wohnt zusammen mit Ihrer Kusine bei ihren Eltern. Nach dem Waschen des Gesichtes und dem Putzen der Zähne trinktsie Tee. Sie lebt seit einem Jahr in München, weil sie eine neue Arbeitsstelle als Bürokauffrau bekommen hat. Sie lebt also von ihrem eigenen Geld. Nach der Arbeit geht zu ihrem Freund, den sie in München kennen gelernt hat. Manchmal geht sie ihrer Arbeitskollegin entgegen. Die Wohnung ihres Freundes liegt der Klinik gegenüber.

aus, bei, mit , nach, seit, von, zu entgegen, gegenüber

IMMER MIT DATIV

Merkt euch!: entgegen und gegenüber stehen oft nach dem Substantiv.

bei dem beim
von dem
vom
zu dem
zum
zu der
zur

Die einzelnen Abschnitte im Grammatikteil sind nach einem ganz bestimmten Schema aufgebaut:

1. Es werden zunächst Beispielsätze gegeben, die das Grammatikphänomen enthalten.
2. Es wird dann eine Regel zum neuen Grammatikpensum formuliert. Sie ist besonders hervorgehoben (also sehr wichtig!) durch Einrahmung und gesperrter Schriftsatz (Buchstaben mit Zwischenraum) verwendet: Man soll die Ausnahmen auf keinen Fall übersehen.

Die Abfolge der Lernschritte in diesem Konzept lautet so:

Beispiel → Regel (→ Ausnahme, falls vorhanden)

Die Übungen werden nach dem Einführungstext und der Grammatikdarstellung angeboten. Beispiel:

1. Julia geht um 7 Uhr aus d- Wohnung. 2. Sie wohnt zusammen mit ihr- Kusine.
3. Sie geht zu ihr- Freund. 4. Ihr fahrt heute mit eure- Fahrräder- zu d- Universität.
5. Der Brief kommt von d- Großmutter. 6. Sie lebt schon seit ein- Jahr in München.
7. Nach d- Arbeit besucht sie ihren Freund. 8. Ihr Freund wohnt d- Klinik gegenüber.
9. Sie kauft ein Auto von ihr- eigenen Geld. 10. Sie geht ihr- Arbeitskollegin entgegen.
11. Sie macht einen Besuch bei ihr- Tante. 12. Die Schüler kommen aus d- Schulzimmer.

2.3.6. Die kommunikative Methode

In der kommunikativen Methode fungiert die Fremdsprache nicht mehr als Mittel zum Zweck der geistigen Bildung, sondern als Kommunikationsmittel.

„Hier geht man davon aus, dass man nicht die ganze Grammatik aktiv beherrschen muss, wenn man in Alltagssituationen kommunizieren will, sondern die Strukturen, die zu einer elementaren „Mitteilungsgrammatik gehören“. Die Grammatikphänomene, die man zum Verstehen der Bedeutung einer mündlichen oder schriftlichen Äußerung braucht, gehören zur rezeptiven, bzw. „Verstehensgrammatik“. Es genügt, wenn der Lerner diese Strukturen versteht, ohne sie selbst produzieren zu können. Es wird also zwischen einer Verstehensgrammatik, die u mfassender ist und einer reduzierten Mitteilungsgrammatik unterschieden“. (Blažević, 2007: 36)

„Die Grammatikvermittlung geht von Sprechabsichten aus. Eine Sprechabsicht kann man mit unterschiedlichen sprachlichen Mitteln formulieren. Die Auswahl der sprachlichen Mittel hängt von verschiedenen Faktoren ab. Für den Fremdsprachenunterricht ist von Bedeutung, dass es einfachere und komplexere Mittel gibt“. (Blažević, 2007: 36-37)


[1] http: //www.wikipedia.com/Grammatik , 15.01.2015- 21.00 Uhr

[2] http: // www.goethe.de.Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen - Kapitel 5- Grammatische Kompetenz - 02.03.2015-20.00 Uhr

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Grammatik im DaF-Unterricht in Theorie und Praxis
Hochschule
Univerzitet u Banjoj Luci (Universität Banja Luka)  (Philosophische Fakultät)
Autor
Jahr
2015
Seiten
84
Katalognummer
V336502
ISBN (eBook)
9783668311695
ISBN (Buch)
9783668311701
Dateigröße
1189 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grammatik, Deutsch als Fremdsprache, Methoden im DaF-Unterricht, Grammatikerwerb, Grammatikvermittlung, Grammatikprogression, Grammatikübungen, Grammatikspiele
Arbeit zitieren
Edin Alkaz (Autor), 2015, Grammatik im DaF-Unterricht in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336502

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