Die Analyse von Transaktionskosten und deren Wirkung gehören zum gängigen Repertoire eines Forschers der (Neuen) Institutionenökonomik. Im gewöhnlichen Fall wird mit der Theorie der Transaktionskosten gezeigt, dass Märkte unvollkommen sind.
Doch nicht nur in Fragen der Hierarchieform von Unternehmen spielen Transaktionskosten eine wichtige Rolle. Transaktionskosten lassen sich zur Preisdifferenzierung nutzen. Durch das Erheben von Transaktionskosten können Kundengruppen segmentiert werden, was als Grundlage zur Preisdifferenzierung dienen kann. Durch verschiedene Instrumente haben Anbieter die Möglichkeit, sich anschließend an die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten anzunähern. Komplexe Verträge und Produkte erleichtern dieses Vorhaben.
Transaktionskosten als Mittel zur Preisdifferenzierung zu nutzen ist nicht unumstritten. Möglichkeiten der Einordnung und wirtschafts- und verbraucherpolitische Handlungsoptionen müssen diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Transaktionskosten
2.1.1 Definition
2.1.2 Arten von Transaktionskosten
2.1.3 Einflussfaktoren auf die Höhe der Transaktionskosten
2.1.4 Folgerungen
2.2 Preisdifferenzierung
2.2.1 Definition
2.2.2 Arten von Preisdifferenzierung
2.2.2.1 Perfekte Preisdifferenzierung
2.2.2.2 Preisdifferenzierung zweiten Grades
2.2.2.3 Preisdifferenzierung dritten Grades
2.2.3 Folgerungen
3 Rationalität der (künstlichen) Erzeugung von Transaktionskosten
3.1 Bedingungen für das Generieren von (künstlichen) Transaktionskosten
3.2 Segmentierung von Kundengruppen
3.2.1 Transaktionskosten als Methode zur Segmentierung
3.2.2 Segmentierung als Grundlage zur Preisdifferenzierung
3.2.2.1 Annäherung an die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten
3.2.2.2 Transaktionskosten durch komplexe Verträge und Produkte
3.2.2.3 Beispiel: Segmentierung von Kundengruppen in der Wasserwirtschaft
3.3 Exkurs: Informationserhebung und Preisdifferenzierung
4 Einordnung und Handlungsoptionen
4.1 Möglichkeiten der Einordnung
4.1.1 Konsumentenperspektive
4.1.2 Produzentenperspektive
4.1.3 Wohlfahrtsperspektive
4.2 Wirtschafts- und verbraucherpolitische Handlungsoptionen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Theorie der Transaktionskosten in der Neuen Institutionenökonomik und analysiert, wie Anbieter diese gezielt künstlich erzeugen, um Konsumenten zu segmentieren und eine Preisdifferenzierung durchzuführen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit der Rationalität dieser künstlichen Kostensteigerung und den daraus resultierenden wohlfahrtsökonomischen sowie verbraucherpolitischen Implikationen.
- Grundlagen der Transaktionskostenökonomik und Preisdifferenzierung
- Künstliche Erzeugung von Transaktionskosten zur Kundensegmentierung
- Strategien durch komplexe Verträge, Produkte und Informationserhebung im Internet
- Wohlfahrtsökonomische Einordnung der Preisdifferenzierung
- Wirtschafts- und verbraucherpolitische Handlungsoptionen im Umgang mit Preisdiskriminierung
Auszug aus dem Buch
ERZEUGUNG VON TRANSAKTIONSKOSTEN (1): BUCHEN EINER REISE
Ein Anbieter kennt ex-ante nicht per-se die Zahlungsbereitschaft seiner Kunden. Um dieser sich anzunähern kann der Anbieter künstlich Transaktionskosten erzeugen. Ein typisches Beispiel findet sich im Sektor Tourismus und Verkehr, der für Untersuchungen zur Preisdifferenzierung überaus geeignet ist. In diversen Buchungsportalen bei Fluggesellschaften werden dem Kunden für kurze Aufenthalte höhere Preise für die Hin- und Rückreise angeboten. Die Anbieter des Flugs können davon ausgehen, dass die Interessenten des Flugs Geschäftsreisende sind, die die Kosten des Flugs weitergeben können. Im Vordergrund steht für diese Kunden eine bequeme und schnelle Buchung. Die Konsumenten möchten nicht unnötig die Zeit in anderen Buchungsportalen verbringen, und Flüge vergleichen, oder die Zeit investieren getrennte Flüge bei verschiedenen Anbietern zu erwerben. Die tatsächlichen Kosten sind in erster Linie nicht relevant. Andere Kunden hingegen nehmen Transaktionskosten auf sich. Sie nutzen nicht nur verschiedene Varianten bei der Buchung, sondern nutzen auch Hilfen wie Flugpreisvergleiche. Die Möglichkeit, dass die zweite Konsumentengruppe dieselbe Flugverbindung für einen günstigeren Preis bekommt, ist sehr wahrscheinlich.
Die Art der Preisdifferenzierung geschieht in diesem Beispiel über den Zugang zur Seite. Kunden, die über Preisvergleichsseiten auf die Anbieterseite kommen, können andere Preise erhalten, als Kunden, die direkt auf der Seite des Anbieters buchen. Dieser Vorgang wird auch als transaktionsbezogene Preisdifferenzierung bezeichnet. Ein Kunde kann diese Art der Preisdiskriminierung als Vorteil für sich nutzen, wenn er bereit ist, Transaktionskosten einzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Theorie der Transaktionskosten ein und erläutert, wie diese zur Marktsegmentierung und Preisdifferenzierung genutzt werden können.
2 Grundlagen: Hier werden die zentralen Begriffe der Transaktionskosten und der Preisdifferenzierung definiert und deren theoretische Bedeutung dargelegt.
3 Rationalität der (künstlichen) Erzeugung von Transaktionskosten: Dieser Hauptteil analysiert, wie Anbieter durch künstliche Barrieren Kundengruppen segmentieren und welche Rolle die Komplexität von Verträgen und Informationserhebung dabei spielt.
4 Einordnung und Handlungsoptionen: Das Abschlusskapitel bewertet die Preisdifferenzierung aus Sicht der Konsumenten, Produzenten und der Gesamtwohlfahrt und leitet verbraucherpolitische Handlungsempfehlungen ab.
Schlüsselwörter
Transaktionskosten, Preisdifferenzierung, Preisdiskriminierung, Neue Institutionenökonomik, Marktsegmentierung, Zahlungsbereitschaft, Konsumentenrente, Verbraucherpolitik, Wettbewerb, Informationsasymmetrie, Standardverträge, Online-Handel, Wohlfahrtsökonomie, Preiselastizität, Kundenbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Unternehmen durch die gezielte Erhöhung von Transaktionskosten den Preis für verschiedene Kundengruppen variieren können, um den Gewinn zu maximieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft Ansätze der Institutionenökonomik, insbesondere der Transaktionskostentheorie, mit klassischen Modellen der Preisdifferenzierung und der modernen Verbraucherpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Transaktionskosten nicht nur "Reibungsverluste" auf Märkten darstellen, sondern als strategisches Instrument zur Segmentierung von Kunden genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Konzepte der Institutionenökonomik auf praktische Beispiele aus dem Internet, der Tourismusbranche und der Wasserwirtschaft anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den Bedingungen für die künstliche Erzeugung von Transaktionskosten und deren praktischer Umsetzung durch komplexe Vertragsgestaltung und Datennutzung im Online-Handel.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Transaktionskosten, Preisdifferenzierung, Marktsegmentierung, Zahlungsbereitschaft und Wohlfahrtsökonomie geprägt.
Inwiefern beeinflusst das "Kleingedruckte" die Preisbildung?
Komplexe Klauseln erhöhen die Transaktionskosten für den Kunden, was es dem Anbieter ermöglicht, Vorteile für bestimmte Kundengruppen zu verstecken oder eine Selbstselektion der Kunden in unterschiedliche Preiskategorien zu forcieren.
Warum ist die Informationserhebung im Internet für Anbieter so relevant?
Durch die Analyse des Surfverhaltens können Anbieter personalisierte Profile erstellen, um die Zahlungsbereitschaft einzelner Nutzer besser einzuschätzen und eine individuelle Preisgestaltung zu ermöglichen.
- Quote paper
- Johannes Frey (Author), 2016, Transaktionskosten als Mittel zur Preisdifferenzierung. Möglichkeiten der Einordnung und wirtschafts- und verbraucherpolitische Handlungsoptionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336541