CSL-Spread Ladder Swap. Risiken kommunaler Fremdfinanzierung


Seminararbeit, 2016

16 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Finanzierung von Kommunen
2.1 Bedeutung und Möglichkeiten kommunaler Fremdfinanzierung
2.2 Risiken bei der kommunalen Fremdfinanzierung

3 Fremdfinanzierung mit CMS-Spread-Ladder-Swaps
3.1 Die Grundlage: der Zins-Swapa
3.2 Die Struktur des CMS-Spread-Ladder-Swap
3.3 Betrachtung der Zahlungswirkung
3.4 Ökonomische Bedeutung für die Vertragspartner
3.5 Möglichkeiten zur Risikobeschränkung
3.6 Rechtliche Bedingungen bei CSL-Swaps

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: CSL-Swap zwischen Kommune und Bank 6

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Risiken der kommunalen Fremdfinanzierung. Der Schwerpunkt wird dabei auf sogenannte CMS-Spread-Ladder-Swaps (CSL-Swaps), ein Instrument für die Fremdfinanzierung bzw. das Zinsmanagement, gelegt.

Im Anschluss an die Einleitung erfolgt eine kurze Beschreibung der Finanzierung von Kommunen, in der die Bedeutung der Fremdfinanzierung für eine Kommune herausgestellt wird. Es werden einige bedeutendere Möglichkeiten der Fremdfinanzierung aufgezeigt und daraus resultierende mögliche Risiken erläutert.

Unter Punkt drei beginnt der Schwerpunkt dieser Arbeit bei dem im speziellen auf den CMS-Spread-Ladder-Swap als Instrument für die Fremdfinanzierung eingegangen wird. Dabei werden in einem ersten Schritt die Grundlagen für ein Swapgeschäft erarbeitet und im Anschluss die Struktur sowie die Berechnung eines CMS-Spread-Ladder-Swap genauer untersucht. Darauf folgend werden die Zahlungswirkungen für die Vertragsparteien eingehend untersucht. Dabei wird herausgestellt, unter welchen Bedingungen sich die Zahlung einer Partei verändert. Im Punkt 3.4 wird auf die ökonomische Bedeutung derlei Geschäfte eingegangen und was mit CSL-Swaps beabsichtigt wird. Darauf folgend werden Möglichkeiten aufgezeigt das Risiko bei CSL-Swaps über Vertragsklauseln bzw. Ergänzungen/Beschränkungen in der Berechnungsformel zu beschränken. Es wird ausgeführt wer sie benutzt und wem sie nutzen. Zum Ende des Abschnitts wird auf rechtliche Bedingungen eingegangen. Darf eine Kommune solche Geschäfte überhaupt abschließen? Welche Pflichten hat eine Bank beim Verkauf von CSL-Swaps?

Im letzten Abschnitt folgt eine Zusammenfassung und Bewertung der CMS-Spread-Ladder-Swaps in Bezug auf die kommunale Fremdfinanzierung.

2 Finanzierung von Kommunen

2.1 Bedeutung und Möglichkeiten kommunaler Fremdfinanzierung

Kommunen haben eine ganze Reihe an Aufgaben die sie finanzieren müssen. Darunter fallen beispielsweise die Instandhaltung der gemeindeeigenen Infrastruktur (Straßen u.a.) oder die Abfallbeseitigung, aber auch die Finanzierung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II für die Bürger, die in der Kommune leben und entsprechende Leistungen der Kommune in Anspruch nehmen müssen. Einkommen zur Finanzierung dieser Aufgaben werden durch Steuern und Gebühren generiert. Gebühren sind dabei an eine ganz bestimmte Dienstleistung der Kommune gebunden, etwa die Ausstellung von Dokumenten oder Gebühren für die Beseitigung von Abfällen oder Schmutzwasser. Dabei dürfen die Gebühren nur in Höhe der entstehenden Kosten erhoben werden. Auch beim Straßen- oder Kanalbau werden die Anwohner der Straße und Kanalnutzer mit entsprechenden Gebühren belastet. Zur Finanzierung von Sozialleistungen oder den Betrieb von Schwimmbädern erhebt die Gemeinde Steuern von ihren Bürgern und Unternehmen bzw. wird von übergeordneten Körperschaften (z. B. Bund, Land) an den durch diese erhobenen Steuern beteiligt (z. B. Einkommenssteuer, Umsatzsteuer). Wenn die so generierten Einnahmen nicht ausreichen um alle Kosten zu decken, kommt es zur Fremdfinanzierung um das Defizit zu schließen.

Über die letzten Jahrzehnte hatten viele Kommunen defizitäre Haushalte, wodurch der Anteil der Fremdfinanzierung stetig gestiegen ist. Heute umfasst die Fremdfinanzierung in vielen Kommunen, auch aufgrund des Schuldenstandes, einen nicht unbeträchtlichen Teil der Arbeit eines Kämmerers. Dem entsprechend hat auch die Bedeutung der Fremdfinanzierung auf kommunaler Ebene zugenommen. Was sich auch an der deutlichen Zunahme an Kassakrediten ablesen lässt.[1]

Die Möglichkeiten zur Fremdfinanzierung sind für die Kommune mannigfaltig. Beispiele sind unter anderem die klassische Finanzierung über Bankkredite unterschiedlicher Laufzeit oder Schuldscheindarlehen. Als kapitalmarktnähere Variante gibt es die Möglichkeit eine Anleihe auszugeben. Auch sogenannte „Bürgerfinanzierungen“ finden immer größere Aufmerksamkeit. Dabei können sich die Bürger der Kommune auf verschiedene Weise an der Finanzierung eines konkreten Projektes beteiligen. Für bewegliche Anschaffungen, wie Fahrzeuge, PC-Systeme oder Büroeinrichtungen bietet sich das Leasing an. Um hohe Anschaffungskosten zu vermeiden, erfolgt eine Art Miete bzw. Mietkauf in kleinen regelmäßigen Raten. Große unbewegliche Vorhaben, wie der Bau oder die Sanierung von Immobilien, können auch mit Öffentlich-Privaten-Partnerschaften umgesetzt werden. Dabei übernimmt ein privates Unternehmen die Finanzierung und in der Regel auch die Umsetzung des Vorhabens und bekommt dafür über einen Zeitraum von 20-30 Jahren eine regelmäßige Zahlung.

2.2 Risiken bei der kommunalen Fremdfinanzierung

Wie auch in der Privatwirtschaft, bringt jede Fremdfinanzierung auch gewisse Risiken mit sich. Bei den klassischen Bankdarlehen handelt es sich um ein Zinsrisiko, wenn nach Ablauf der Zinsbindung das Darlehen nicht vollständig getilgt ist. Wenn nun davon ausgegangen wird, dass die Finanzkraft einer Kommune alleine schon aufgrund der Inflation und damit steigendem Steueraufkommen steigt und zumindest eine kleine Tilgung bei jedem Darlehen vorhanden ist, sinkt das Zinsrisiko mit zunehmender Laufzeit der Zinsbindung eines Kredites, da eine sinkende Verschuldung mit größerer Finanzkraft zu refinanzieren ist. Die Kommune würde also auch einen größeren Zinssprung ohne weiteres verkraften. Konkret wird das Zinsrisiko jedoch bei kurz- und mittelfristigen Krediten, sogenannten Kassakrediten. Durch ihre kurze Laufzeit ist bei Ende der Zinsbindung nur ein kleiner Teil getilgt und die Finanzkraft der Kommune nur unwesentlich gestiegen. Ein schnell steigender Zins würde sich also sehr kurzfristig und deutlich im kommunalen Haushalt niederschlagen. Bei zunehmendem Volumen solcher Kredite, wie in den letzten Jahren zu beobachten war, kann sich hier ein deutlich spürbares Risiko für die Kommune entwickeln.

Hinzukommt, dass die Menge an Finanzinstituten für öffentliche Finanzierungen in den letzten Jahren durch neue und strengere Regulierungen abgenommen hat. Aus dem gleichen Grund können diese weniger werdenden Institute weniger Gelder an den gleichen Gläubiger ausgeben um ihrerseits Risiken, z. B. Klumpenrisiken zu vermeiden. Schlussendlich könnte eine solche Konstellation zu einem geringerem und teureren Kreditangebot für die Kommunen werden.[2]

Zur Vermeidung und zum Managen von Zinsrisiken und Zinszahlungen, wurden Zinsswaps entwickelt. Auf diesen aufbauend haben sich dann auch die CSL-Swaps entwickelt und in die kommunale Fremdfinanzierung Einzug gehalten.

3 Fremdfinanzierung mit CMS-Spread-Ladder-Swaps

3.1 Die Grundlage: der Zins-Swapa

Swap bedeutet Tausch. Die Vertragsparteien bei einem Swapgeschäft einigen sich also auf einen Tausch. Im Falle eines Zinsswaps erfolgt ein Tausch von Zinszahlungen in einer Währung.[3]

Bei einem Standard Zinsswap ist die eine Vertragspartei, der „Payer“, zur Zahlung eines festen, laufzeitabhängigen Zinses auf eine bestimmte Bemessungsgrundlage – einen fiktiven Nennbetrag – verpflichtet. Dieser Zinssatz wird auch als Swapzinssatz oder Swapsatz bezeichnet. Die andere Vertragspartei, der „Receiver“, verpflichtet sich im Gegenzug zur Zahlung eines variablen Zinssatzes auf den gleichen Betrag. Der variable Zinssatz orientiert sich dabei an einem allgemeinen Zins wie dem LIBOR oder EURIBOR.[4] Da der Swapsatz laufzeitabhängig ist, gibt es für unterschiedliche Laufzeiten der Swapgeschäfte unterschiedliche Swapsätze. Diese orientieren sich an der Zinsstrukturkurve, welche das Zinsniveau von Krediten an erstklassige Schuldner in Abhängigkeit zur vereinbarten Kreditlaufzeit beschreibt. Die Swapstrukturkurve ähnelt also der Zinsstrukturkurve.

Ein Zinsswap ermöglicht es also eine feste (variable) Zinszahlung einer Verbindlichkeit oder Geldanlage in eine variable (feste) zu überführen. Dadurch lässt sich mit Hilfe von Swaps ein Zinsrisikomanagement für in der Vergangenheit abgeschlossene Kredit- oder Anlageverträge betreiben.

Da ein Swappartner eine bestimmte Erwartung für die Entwicklung der Zinsen hat, muss er einen anderen Swappartner mit genau der entgegengesetzten Erwartung finden, um ein Swapgeschäft abschließen zu können. Voraussetzung für ein Swapgeschäft sind also zwei Partner mit unterschiedlichen Erwartungen für die Zinsentwicklung, die zum gleichen Zeitpunkt entgegengesetzte Swapgeschäfte mit gleicher Laufzeit schließen möchten. Im Regelfall werden die Swappartner von einem zwischengeschalteten Finanzinstitut (Bank) zusammengeführt. Für diese Vermittlungstätigkeit bekommt die Bank eine Vergütung. Die Partner kennen den jeweils anderen also nicht und haben auch keine direkte Vertragsbeziehung miteinander, sondern nur mit der Bank. Die Bank trägt somit das Kontrahentenrisiko für beide Parteien.[5] Das verbleibende Risiko der Vertragspartner besteht bei einem gewöhnlichen Swapgeschäft aus dem Saldo der Zinszahlungen aus dem Basisgeschäft zuzüglich der Zahlungen aus dem Swapgeschäft. Es ist also im Normalfall überschaubar.

Constant Maturity Swap

Bei einem C onstant M aturity S wap (CMS) werden genauso wie bei einem normalen Zinsswap längerfristige und kurzfristige Zinsen getauscht, jedoch sind hier die Zinssätze beider Partner variabel. Jedoch wird der variable Zins an einen Swapsatz für eine bestimmte Laufzeit, beispielsweise 10 Jahre, gekoppelt. Zu bei Abschluss des Geschäfts definierten Zeitabständen bzw. Zeitpunkten wird die Zinszahlung an den dann gültigen Wert des Referenzzinssatzes, hier der 10-Jahres-Swapsatz (CMS 10), angepasst. Die Laufzeiten der zugrunde gelegten Zinszwaps bleiben dabei immer gleich (10 Jahre), daher spricht man von „Constant Maturity Swaps“. Die Referenz für den Swapsatz ist also selbst ein Swapsatz. Dies ist möglich da sich durch die Menge an abgeschlossenen Zinsswaps und die damit verbundene regelmäßige Feststellung von Swapsätzen verschiedener Laufzeiten ein referenzfähiger Standard entwickelt hat.[6]

3.2 Die Struktur des CMS-Spread-Ladder-Swap

Bei einem C MS- S pread- L adder-Swap (CSL-Swap) gilt nun die Besonderheit, dass die variable Zahlung des „Receivers“ (hier Kommune) durch mehrere vertraglich festgelegte Komponenten beeinflusst wird. Dies ist etwa die Differenz zweier Swapsätze, was die Bezeichnung „Spread“ im Namen verdeutlicht, z. B. CMS 10 abzüglich CMS 2. Ebenso haben die Zinsen des Vorjahres und andere feste Zahlungselemente einen Einfluss. Im Zeitverlauf haben diese eine treppenförmige Abfolge, worauf sich die Bezeichnung Ladder bezieht[7]. Dagegen zahlt der „Payer“ (Bank) einen festen Zinssatz, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: CSL-Swap zwischen Kommune und Bank

Die Zinszahlungen beziehen sich auf einen bei Vertragsschluss festgelegten Referenzbetrag (K). Der von der Kommune netto zu zahlende Betrag (NZt) entspricht im Zahlungszeitpunkt t also:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

iB entspricht dem festen Zinssatz der Bank und itK dem variablen Zinssatz der Kommune. Für eine positive Nettozahlung NZt der Kommune muss gelten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ob das Geschäft für die beiden Partner vorteilhaft oder nachteilig ist, hängt von der Entwicklung der spezifischen itK in den Zahlungszeitpunkten ab, da iB fix ist. itK wird dabei wie folgt ermittelt:

Der von der Kommune zum Zeitpunkt t = 1 zu zahlende Zins wird bei Vertragsschluss vereinbart und ist fix. Ab dem Zeitpunkt t = 2 wird die Zahlungsverpflichtung der Kommune mit der Formel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

berechnet.

Der von der Kommune zum Zeitpunkt t > 1 zu zahlende Zins entspricht itK. m stellt einen vertraglich vereinbarten Hebel (Multiplikator) dar. st ist der sogenannte Strike, der ebenfalls vertraglich für jede Periode vertraglich vereinbart ist. In der Regel nimmt der Strike mit t ab.

3.3 Betrachtung der Zahlungswirkung

Die Zinszahlung, die von der Kommune zu leisten ist, hängt von Ladder ab wie es in (3) definiert ist.

Dabei steigt die Zahllast unter den folgenden drei Bedingungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wird das Ungleichheitszeichen umgedreht sinkt die Zahllast der Kommune.

Bei genauer Betrachtung der Bedingungen ist zu erkennen, dass die Kommune in den meisten Fällen mit steigenden Zinsen rechnen muss. Nur unter folgenden Voraussetzungen sinken die zu zahlenden Zinsen:

Wie bereits oben erwähnt stellt die Zinsstrukturkurve den Zusammenhang der Laufzeit von Kreditgeschäften und des Zinsniveaus bei Vergabe an erstklassige Schuldner dar. Bei einer normal verlaufenden Zinsstrukturkurve liegen die langfristigen Zinsen über den kurzfristigen, somit gilt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um ein Anwachsen der von der Kommune zu entrichtenden Zinsen zu verhindern reicht eine normale Zinsstrukturkurve jedoch nicht aus. Wie aus der zweiten Bedingung ersichtlich ist muss CMS 10 nicht nur größer sein als CMS 2, sondern größer sein als CMS 2 zuzüglich des Strikes bzw. nach der dritten Bedingung muss die Differenz zwischen den langfristigen und den kurzfristigen Zinsen (Spread) größer sein als der Strike. Das heißt die Zinsstrukturkurve muss entsprechend steil sein bzw. die Zinsstrukturkurve muss umso steiler sein, je höher der Strike festgelegt wurde. In allen anderen Fällen, auch bei einer flachen und vor allem einer inversen Zinsstrukturkurve steigt die Zinslast für die Kommune in der nachfolgenden Periode.

Die Wirkung des Spreads kann mit Hilfe des Hebels m verstärkt oder abgemildert werden. In der Praxis scheint m = 3 ein geläufiger Wert für den Hebel zu sein. Sollte bei diesem Wert die Zinsstrukturkurve nicht entsprechend steil sein, können sich schnell hohe Zinssteigerungen entwickeln.[8] Dabei ist zu beachten, dass die Zinsstruktur von jedem Zahlungszeitpunkt Einfluss auf alle folgenden Zahlungszeitpunkte hat. Dabei ist der Einfluss der Zinsstruktur zu einem Zahlungszeitpunkt umso größer, je früher der Zahlungszeitpunkt liegt.[9]

3.4 Ökonomische Bedeutung für die Vertragspartner

Einfache Zinsswaps dienen üblicherweise zur Absicherung von Risiken aus oder als Gegenposition für ein Grundgeschäft. Ein CSL-Swap ist jedoch eine deutlich komplexere Variante von Swap, dem kein Grundgeschäft gegenüber steht. Es handelt sich folglich um ein reines Spekulationsgeschäft, bei dem auf eine ausreichend große Zinsdifferenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen spekuliert wird. Da Kommunen einem Spekulationsverbot unterliegen[10], sind ihnen solche Geschäfte untersagt.

Ökonomisch bedeutet die Formel (3) für die Kommune, dass sie mit kurzfristigen Forderungen (CMS 2) ihre langfristigen Forderungen (CMS 10) finanziert. Mit der Zinsdifferenz versucht die Kommune einen Gewinn zu erzielen. Diese Gewinnerzielungsabsicht der Kommune impliziert aber schon ein erhebliches Risiko, weil die Idee hinter dem Geschäft nur funktioniert wenn die Zinsstrukturkurve ausreichend steil ist. Genau darauf hat die Kommune aber keinen Einfluss. Die Fristentransformation mit Hilfe von CSL-Swaps, wodurch ein Gewinn erst möglich wird, erfolgt dabei indirekt, mit einem komplizierten Geschäft und mit zusätzlichen Risiken und Kosten für den Vertragsabschluss, ohne jedoch mit einer entsprechenden Risikoerwartung verbunden zu sein.

„Die kumulierte Verknüpfung der Zinsfaktoren erzeugt zusätzliches Risiko über das natürliche Maß einer Fristentransformation hinaus, dem keine weitere Risikoprämie gegenübersteht.“ [11]

Zur Beurteilung des Geschäftserfolgs steht der CSL-Swap alleine. Wird der Erfolg beider Vertragsparteien addiert, werden sie sich immer gegeneinander aufheben. Der zu einem Zahlungszeitpunkt und insgesamt auftretende Überschuss der Kommune ist das Zahlungsdefizit der Bank und umgekehrt. Von eventuellen Absicherungsgeschäften der Bank, sogenanntes Hedging. wird abstrahiert. Es handelt sich also um ein Nullsummenspiel. Im Gegensatz dazu wird bei einem einfachen Zinsswap der Geschäftserfolg durch die Kumulierung des Erfolgs aus dem Swap und des Erfolgs aus dem Grundgeschäft ermittelt.

3.5 Möglichkeiten zur Risikobeschränkung

Die Risiken für die Banken sind regelmäßig stark beschränkt. Beispielsweise räumen sich Banken bei CSL-Swap-Verträgen häufig einseitige Kündigungsrechte und Risikobeschränkungen ein.[12]

Bei einer vorzeitigen Kündigung des CSL-Swap-Vertrags durch die Bank fällt zudem keine Ausgleichszahlung an. Gewinnt die Bank im Verlauf des Geschäfts den Eindruck, dass die Zinsentwicklung zu ihren Ungunsten verläuft, kann sie das Geschäft kostenfrei beenden.

Die Kommune hingegen ist zu einer kostenfreien Kündigung des Vertrages nicht berechtigt. Sie muss eine Ausgleichszahlung an die Bank zahlen, die sich am Marktwert des Vertrags orientiert und somit eine beachtliche Höhe erreichen kann.

Wie aus Formel (3) ersichtlich ist, kann es bei einem sehr hohen Spread zu negativen Zinsen kommen. Dies würde bedeuten, dass die Bank zu ihrer festen Zinsverpflichtung iB noch einen Zuschlag aus itK an die Kommune zahlen müsste. Auch für diesen Fall schreiben sich die Banken in der Regel eine Risikobegrenzung in das Vertragswerk, indem die Zinsen itK nach unten bei 0 begrenzt werden. Diese Regelung hat für die Bank den Vorteil, dass sie den Vertrag bei einer für sie ungünstigen Entwicklung in einer Periode nicht direkt kündigen braucht. Dies wird sie nur tun, wenn sie die Erwartung hat, dass sich der Vertrag über die gesamte Laufzeit für sie ungünstig entwickelt.

Auf Seiten der Kommunen gibt es derlei Beschränkungen, z. B. in Form eines maximalen Zinses, nicht. Theoretisch haben die Kommunen also ein unbegrenztes Risiko.

3.6 Rechtliche Bedingungen bei CSL-Swaps

Rechtliche Einordnung

Rein rechtlich ist der CSL-Swap aus Sicht der Kommune ein Stillhaltergeschäft mit ungedeckten Zinsoptionen. Es ist ein Derivategeschäft[13] und ein Finanztermingeschäft[14]. Da er gemäß der rechtlichen Definition in die höchste Risikostufe eingeordnet wird, ist ein CSL-Swap als hochspekulativ einzustufen. Im Vorfeld eines Swapgeschäftes wird daher ein „Rahmenvertrag für Finanztermingeschäfte“ abgeschlossen. Die Anschaffung oder Veräußerung von Swapgeschäften ist eine Wertpapierdienstleistung[15]. Entsprechend gelten die Verhaltens-pflichten nach §§31, 32 WpHG für das Wertpapierdienstleistungs-unternehmen.

Allgemeines Spekulationsverbot

I. S. d. § 134 BGB ist es Kommunen untersagt spekulative Geschäfte abzuschließen. Es gibt jedoch auch die Meinung, dass es sich hier nicht um ein Verbotsgesetz handelt und spekulative Swapgeschäfte einer Gemeinde nicht grundsätzlich unwirksam sind.[16] Nach anderen Meinungen sind nicht-konnexe[17] Derivategeschäfte einer Gemeinde hingegen nichtig, da sie gegen §134 BGB verstoßen. In der Literatur gibt es darüber hinaus die Meinung, dass zumindest „gelockert-konnexe“[18] Swap- und Derivatgeschäfte abgeschlossen werden dürfen. In Bezug auf das Spekulationsverbot müssten diese sich jedoch zwingend auf konkret bestehende oder fest geplante Kredite beziehen, um einen objektiven Sicherungscharakter zu besitzen.[19]

[...]


[1] (Becker & Metzinger, 2012)

[2] (Becker & Metzinger, 2012)

[3] Vgl. zu der in diesem Abschnitt beschriebenen Struktur eines CSL-Swaps bspw. (BHG CSL-Swaps, 2011) und sehr ähnlich (OLG Bamberg CSL-Swaps, 2009) sowie (LG Wuppertal CSL-Swaps, 2008)

[4] LIBOR bezeichnet die London Interbank Offered Rate und entspricht dem täglich festgelegten Referenzzinssatz im Interbankengeschäft. Die Euro Interbank Offered Rate (EURIBOR) bezeichnet dagegen den durchschnittlichen laufzeitabhängigen Zinssatz, zu dem sich die sog. Panel-Banken gegenseitig Euro-Anleihen gewähren.

[5] Vgl. z. B. (Bösch, 2012, S. 205 f)

[6] Vgl. (Stark & Loose, 2007, S. 610)

[7] Vgl. (Stark & Loose, 2007, S. 610)

[8] Vgl. (Stark & Loose, 2007, S. 611 f)

[9] (Stark & Loose, 2007, S. 614) sprechen von einer „Zeitkonzentration“. Diese steht in Kontrast zu einer gleichmäßigen zeitlichen Verteilung („Zeitdiversifikation“) von Kreditaufnahmen und -prolongationen mit dem Ziel der Glättung von zeitlich variierenden Zinseffekten.

[10] Zum kommunalen Spekulationsverbot vgl. z. B. (Weck & Schick, 2012)

[11] (Stark & Loose, 2007, S. 615)

[12] (Gundermann & Nieding, 2007, S. 266)

[13] i. S. v. §2 Abs.2 Nr.3 WpHG

[14] Nach §2 Abs. 2 a WpHG

[15] Nach §2 Abs. 3 WpHG

[16] (OLG Naumburg, 2005)

[17] Dies heißt, dass Finanztermingeschäfte sich nicht auf ein entsprechendes Kreditgeschäft beziehen müssen.

[18] Das Finanztermingeschäft bezieht sich zumindest auf Teile eines oder mehrerer Kreditverhältnisse.

[19] (Bücker, 1993, S. 209)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
CSL-Spread Ladder Swap. Risiken kommunaler Fremdfinanzierung
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Bank- und Finanzwirtschaft)
Veranstaltung
Seminar Kommunale Finanzierung
Note
1,9
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V336586
ISBN (eBook)
9783668266162
ISBN (Buch)
9783668266179
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunale Finanzierung, Swap, CSL-Swap, CSM-Swap, Fremdfinanzierung, Risiken, Risiken der Fremdfinanzierung, CSL-Spraed Ladder Swap, Ladder, Spread Ladder
Arbeit zitieren
Michael Barlmeyer (Autor), 2016, CSL-Spread Ladder Swap. Risiken kommunaler Fremdfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336586

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