Die Bedeutung des Kaffees in der Wiener Kaffeehaus-Literatur


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Kaffees
2.1 Entdeckung und Einzug in Wien
2.2 Arten des Wiener Kaffees

3. Das Motiv des Kaffees
3.1 Das Leben im Café
3.2 Bedeutungswandel von Kaffee und Kaffeehaus

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Seminararbeit befasst sich mit der Bedeutung des Kaffees in den Wiener Cafés im ungefähren Zeitrahmen des Fin de Siècle, auch Zeit der Wiener Kaffeehaus-Literatur genannt - einer Zeit, die sich dadurch definiert, dass Künstler und Poeten ihr Leben vollständig auf die Kaffeehäuser verlegten, was diese zum Erblühen brachte und zu einem wichtigen „Bestandteil des Volksseele“[1] erhob.

In jeder Stadt finden sich heute und fanden sich schon damals eine große Anzahl mannigfaltiger Cafés, die zur Begegnungsstätte und zu einem Ort des gegenseitigen Austauschs oder auch der Möglichkeit zur persönlichen Atempause vom Alltag dienen. Bis zum zweiten Weltkrieg und danach noch stellenweise aufflackernd war das Kaffeehaus für nahezu alle Literaten, Künstler und Musiker Wiens der Mittelpunkt des Schaffens, der Ort, wo gelebt, geliebt, gebildet und zum Begriff des Kaffeehauses als Kulturinstanz beigetragen wurde. Es war für die Schriftsteller und Literaten ein „permanente{r} Aufenthalts- und {...} Arbeitsort“[2].

Doch welchen Stellenwert besaß nun der Kaffee in einer solchen gastronomischen Einrichtung. War das Besondere am Kaffeehaus der Kaffee oder doch das Haus?

2. Die Geschichte des Kaffees

Seit der Entdeckung des Kaffees im 14. Jahrhundert hat sich dieses koffeinhaltige Getränk zu einem unentbehrlichen Bestandteil der Gesellschaft etabliert. Gegenwärtig ist das „Kulturgeschenk des Orients“[3] das zweitwichtigste Welthandelsprodukt, direkt nach Erdöl, und wird in über siebzig Ländern angebaut.[4]

Um kaum eine andere Bohne ranken sich so viele Legenden und Erzählungen. Wie wurde sie entdeckt und wer stieß zuerst auf die Methode, durch das Rösten der Kaffeebohne den köstlichen Aufguss zu gewinnen? Wie gelangte die Tradition des Heißgetränks schließlich nach Wien und führte zu der Errichtung von zahllosen Cafés mit all ihren Traditionen?

2.1 Entdeckung und Einzug in Wien

Schenkt man den populärsten und possierlichsten Berichten Glauben, die besagen, wie die Wirkung der Kaffeepflanze zum ersten Mal entdeckt wurde, so muss man feststellen, dass dieser Fund eine „tierische Entdeckung“[5] zu sein scheint.

Eine Geschichte überliefert nämlich die Beobachtung von Hirten eines Klosters im Jemen, dass die Viehherde keine Ruhe mehr gäbe. Dies läge wohl an dem Verzehr einer strauchartigen Pflanze in dem Gebiet, wo die Tiere Futter gesucht hätten. Im Kloster untersuchte man die Pflanze und entdeckte die anregende Wirkung der Blüten, die sogar verschiedene körperliche Beschwerden heilte.[6]

Viele verschiedene andere Legenden beinhalten ebenfalls den überraschend berauschenden Effekt dieser neu entdeckten Pflanze, beschreiben aber ebenfalls nur die Benutzung der Blüten.

Belegt ist die Heimat der Kaffeepflanze wohl aber in Äthiopien. Die Ureinwohner schienen die Blüten nutzen zu wissen, doch trotz langer Zeit aktiven Handels zwischen Afrika und anderen Kontinenten gelangte das Gewächs erst im 14. Jahrhundert außer Landes und erreichte vorerst den Jemen. Araber stießen schließlich auf das Geheimnis der bisher nicht verwendeten Bohnen, die sie rösteten und somit den ersten uns bekannten Kaffee bereiteten. Auf diese Weise entwickelte sich auch der Ausdruck Kaffee, der sich aus dem arabischen qahwah ableitet. Das bedeutete ursprünglich Wein und war gleichzeitig der Überbegriff für viele weitere alkoholische Getränke, und es ist bis heute unklar, wann und warum sich diese Bedeutung genau gewandelt hat. Kaffee wurde aber ebenfalls als erquickender Trank gehandelt und so lässt sich vermuten, dass die rasche Ausbreitung dieses stimulierenden Getränks dazu führte, dass es erst in die Begrifflichkeit mit aufgenommen wurde, und später die vorhergehende semantische Bedeutung teilweise verdrängt hat.[7] Heute heißt Wein im Arabischen im alltäglichen Gebrauch ḥumayãạ, was frei übersetzt der Rote bedeuten würde.

Wie sich der Kaffee in Wien schließlich einen Namen machte, ist aufgrund abweichender Theorien ebenfalls nur zu erahnen. Sicher ist aber, dass das erste Kaffeehaus in Wien im Jahre 1684 die Türen öffnete und das Vorbild für viele weitere Cafés in ganz Europa wurde.

War der erste Wiener „Kaffeesieder“[8] möglicherweise der gebürtige Serbe Georg Kolschitzky, der für das österreichische Heer als Spitzel in den türkischen Reihen während einer Belagerung eingesetzt wurde? Nach der Flucht des türkischen Heeres, so wird es überliefert, war er der einzige, der mit den bei der Räumung zurückgelassenen Kaffeebohnen etwas anzufangen wusste. Als Dank für seine Arbeit durfte er sie behalten. Nach kurzer Zeit eröffnete er den ersten Laden „ Zur blauen Flasche“, in dem Kaffee ausgeschenkt wurde.

Eine weniger heroische Erzählung scheint dagegen besser fundiert. Der Armenier Johannes Diodato erhielt von Kaiser Leopold I. das „Privileg zum Ausschank“ und eröffnete bereits kurz darauf als erster „amtlich {B}eglaubigte{r}“ ein Wiener Kaffeehaus auf dem Haarmarkt.[9]

Das Wissen und die Möglichkeit Kaffee zu rösten und auszuschenken, verbreitete sich immer mehr, und nur sechzig Jahre später gab es elf solcher Cafés, um 1900 existierten bereits sechshundert davon in Wien.[10]

Im Laufe der Jahrhunderte mussten Kaffeehäuser immer wieder schließen, neue fanden sich, zeitweise wurde der Ausschank und Verzehr von Kaffee gänzlich verboten[11], doch es gab immer wieder Menschen, die bereit waren, die Kunst der Kaffeerösterei auszuüben, und immer wieder Menschen, die sich in ein Café setzten und zu dessen Kult beitrugen.

Unzweifelhaft an allen Legenden ist nur, dass der Wiener ein „geborener Kaffeehaus-Mensch“[12] sei, wie der österreichische Poet Johann Braun von Braunthal beschreibt. Die Stadt Wien wurde erst durch diese kulturelle Instanz Kaffeehaus mit ihrer „schillernden Aura“[13] vollständig. Nicht ohne Grund empfehlen annähernd alle Wien-Reiseführer, diese Gepflogenheit durch einen Café-Besuch kennenzulernen.

2.2 Arten des Wiener Kaffees

Die Arten und Weisen wie der Kaffee in Wien seit mehr als hundert Jahren traditionell ausgeschenkt wird, sind so vielseitig und ungewohnt, dass der nichtwissende Laie schnell in Ratlosigkeit versinkt. Die Vielfalt der Offerten in einem Wiener Kaffeehaus überblickt einzig und allein der Herr Ober, so wird der Kellner eines solchen Etablissements genannt. Ein außergewöhnlich leidenschaftlicher Kellner trug demnach „eine Lackierer-Farbskala mit zwanzig nummerierten Schattierungen von Braun bei sich“[14], um dem Gast hingebungsvoll den Kaffee präzise im gewünschten Farbton zu bringen. Er weiß um die Wichtigkeit der kleinsten Nuancen, das verlangt die Tradition. Im Kaffeehaus wird die Wahl des Kaffees nämlich nach dem Verhältnis von Kaffee und Milch, also nach Farbe festgelegt.

Der Ausdruck ein Schwarzer steht natürlich für sich selbst, ebenso ein Mokka. Hier handelt es sich um puren Kaffee ohne Milch oder Sahne. Die beliebteste und klassischste der Wiener Kaffeesorten ist wohl die Melange, ein Milchkaffee in einer Tasse oder vorzugsweise einem Glas mit Schlagsahne serviert. Bei einer Schale Gold wird durch den Milchanteil ein heller Goldton erlangt. Nach der Tracht gleichnamiger Mönche hat der Kapuziner seinen Braunton, bestreut mit etwas Kakao. Ein Brauner ist eine Schale schwarzen Kaffees mit Sahne.

Auf diese Art der Betrachtung lassen sich noch einige weitere Kaffeesorten nennen. Noch näher individualisieren ließ sich der eigene Kaffee außerdem durch einige Fragen des Kellners:

„ „Mehr weiß oder mehr braun?“ und „Mit oder ohne?“ „Mit“ bedeutet „mit Schlag“, also mit Schlagsahne, in Wien als Schlagobers bekannt. Wer keinen allzu weißen Kaffee haben, aber gleichzeitig die Schlagsahne genießen will, bestellt einen „Fiaker“ oder „Einspänner“; der erstere wird warm, der zweite kalt serviert. {...} “[15]

[...]


[1] Heering, Kurt-Jürgen (Hrsg.): Das Wiener Kaffeehaus. S. 279.

[2] O. A.: Wiener Kaffeehäuser. In: Planet Vienna http://www.planet-vienna.com/spots/ kaffeehaeus er.htm (11.08.2014).

[3] Heise, Ulla: Kaffee und Kaffeehaus. Eine Geschichte des Kaffees. S. 12.

[4] Ebd.

[5] Thiele-Dohrmann, Klaus: Europäische Kaffeehauskultur. S. 7.

[6] Heise, Ulla: Kaffee und Kaffeehaus. Eine Geschichte des Kaffees. S. 16 f.

[7] Heise, Ulla: Kaffee und Kaffeehaus. Eine Geschichte des Kaffees. S. 15.

[8] Thiele-Dohrmann, Klaus: Europäische Kaffeehauskultur. S. 82.

[9] Thiele-Dohrmann, Klaus: Europäische Kaffeehauskultur. S. 81 f.

[10] O. A.: Wiener Kaffeehäuser. In: Planet Vienna http://www.planet-vienna.com/spots/ kaffeehaeus er.htm (11.08.2014).

[11] Thiele-Dohrmann, Klaus: Europäische Kaffeehauskultur. S. 99.

[12] Thiele-Dohrmann, Klaus: Europäische Kaffeehauskultur. S. 76.

[13] Heise, Ulla: Kaffee und Kaffeehaus. Eine Geschichte des Kaffees. S. 264.

[14] Torberg, Friedrich. Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten . S. 429.

[15] Thiele-Dohrmann: Europäische Kaffeehauskultur. S. 113.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Kaffees in der Wiener Kaffeehaus-Literatur
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V336610
ISBN (eBook)
9783668261761
ISBN (Buch)
9783668261778
Dateigröße
882 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wiener Kaffehaus Literatur, Wiener, Kaffeehaus, Literatur, Cafe, Kaffee, Wien, Fin de Siècle
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Bedeutung des Kaffees in der Wiener Kaffeehaus-Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336610

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung des Kaffees in der Wiener Kaffeehaus-Literatur



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden