Die folgende Arbeit erläutert das Stufenmodell von Lawrence Kohlberg und seine Methode der Dilemmadiskussion.
Es gibt viele Versuche, menschliche Entwicklung anhand von Entwicklungsschritten zu ordnen, die sich klar voneinander abgrenzen und unterscheiden lassen. Stufenmodelle betonen, dass Entwicklungsprozesse in einer geordneten Abfolge stattfinden und in vielfacher Weise aneinander anknüpfen bzw. aufeinander aufbauen.
Den Entwicklungsstadien lassen sich bestimmte Entwicklungsaufgaben zuordnen. Diese bestehen aus Herausforderungen, die sich dem Individuum in einer bestimmten Entwicklungsperiode stellen und zielorientiertes Handeln sowie die Bewältigung von Anforderungen und Krisen verlangen. Dabei betrachtet man Problemsituationen als Gelegenheiten, neue Verhaltens- und Sichtweisen zu entwickeln und bisherige Denk- und Handlungsmuster umzustrukturieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Lawrence Kohlberg und sein moralisches Stufenmodell
3 Die Methode der Dilemmadiskussion
3.1 Theorie
3.2 Praktische Umsetzung im Unterricht
4 Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der moralischen Entwicklung des Menschen auseinander, insbesondere auf Basis des Stufenmodells von Lawrence Kohlberg. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen zu erläutern und ihre praktische Anwendbarkeit durch die Methode der Dilemmadiskussion im Ethikunterricht zu analysieren sowie konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für Lehrkräfte aufzuzeigen.
- Grundlagen des moralischen Stufenmodells nach Kohlberg
- Differenzierung zwischen verschiedenen moralischen Niveaus und Stufen
- Theoretische Einordnung der Methode der Dilemmadiskussion
- Praktische Planung und Durchführung von Dilemmadiskussionen im Unterricht
- Rolle der Lehrkraft als Moderator moralischer Lernprozesse
Auszug aus dem Buch
3.1 Theorie
Ein Dilemma bezeichnet im Allgemeinen eine schwierige, notwendige Wahl zwischen zwei gleichwertigen Dingen, bei der ein Ausweichen auf eine dritte Möglichkeit nicht möglich ist. Es handelt sich also gewissermaßen um eine Zwangslage, die eine unumgängliche Entscheidung verlangt. So wird in diesem unausweichlichen Wertekonflikt auf jeden Fall einer der Werte verletzt und umso verständlicher ist es, dass die Lösung der jeweiligen Konfliktsituation, die in der Dilemmageschichte präsentiert wird, eine begründete Entscheidung erfordert.
Dabei lässt sich zwischen dem Realdilemma, dem hypothetischen Dilemma und dem fachspezifischen Dilemma unterscheiden. Das Realdilemma thematisiert moralische Problemsituationen aus der aktuellen, tatsächlichen Erfahrungswelt der Schüler/innen. Die Schüler/innen fühlen sich im besten Fall direkt angesprochen, sodass sich das Dilemma als Grundlage für Entscheidungsfindungsprozesse eignet. Problematisch ist hierbei, das richtige Maß an emotionaler Beteiligung der Schüler/innen zu treffen. Dieses Problem kann im hypothetischen Dilemma vermieden werden, denn es geht von einer angenommen, durchaus möglichen Situation aus, die für die Schüler/innen allerdings nicht aktuell ist. Der Vorteil besteht somit darin, dass bei einer Wertediskussion größere emotionale Distanz zugelassen werden kann als bei einem Realdilemma. Durch die geringere Selbstbetroffenheit und dem geringeren Maß an Handlungsdruck können so eventuell entstehende Abwehrmechanismen vermieden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Stufenmodellen zur Ordnung menschlicher Entwicklung ein und umreißt die Absicht, Kohlbergs Modell sowie die Methode der Dilemmadiskussion für den Ethikunterricht fruchtbar zu machen.
2 Lawrence Kohlberg und sein moralisches Stufenmodell: Dieses Kapitel stellt das psychologische Modell Kohlbergs vor, erläutert die sechs Stufen moralischen Verhaltens und diskutiert deren idealtypischen Charakter sowie die Relevanz für die pädagogische Praxis.
3 Die Methode der Dilemmadiskussion: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Dilemmadiskussion geklärt und verschiedene Arten von Dilemmata unterschieden, gefolgt von einer detaillierten Anleitung für die Umsetzung im Unterricht.
4 Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Eignung der Methode für den Ethikunterricht und betont die Bedeutung von Empathie und rationaler Urteilsfähigkeit in der Werteerziehung.
Schlüsselwörter
Moralische Entwicklung, Lawrence Kohlberg, Dilemmadiskussion, Ethikunterricht, Urteilsfähigkeit, Realdilemma, Hypothetisches Dilemma, Wertekonflikt, Pädagogik, Moralprinzipien, Werteerziehung, Unterrichtsplanung, Gruppendynamik, Normen, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der moralischen Entwicklung des Menschen nach Lawrence Kohlberg und zeigt auf, wie diese Theorie durch die Methode der Dilemmadiskussion praktisch im Ethikunterricht angewendet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Stufenmodell der Moralentwicklung, die theoretische Definition von Dilemmata sowie die didaktische Planung und Durchführung von moralischen Diskussionen im Klassenverband.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Eignung der Dilemmadiskussion zur Förderung moralischer Urteilsfähigkeit von Schülern zu belegen und Lehrkräften einen Leitfaden für die praktische Umsetzung an die Hand zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung des Entwicklungsmodells von Kohlberg sowie der didaktischen Analyse und Strukturierung von Unterrichtsverläufen für den Ethikunterricht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der moralischen Stufen, die Erläuterung der verschiedenen Dilemma-Arten und die praktische Anleitung zur Durchführung, inklusive eines beispielhaften Unterrichtsverlaufsplans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Moralische Entwicklung, Dilemmadiskussion, Ethikunterricht, Urteilsfähigkeit und Werteerziehung.
Warum unterscheidet Kohlberg bei seinem Modell keine festen Altersangaben?
Kohlberg verzichtet auf Altersangaben, da sich in seinen Untersuchungen zeigte, dass der Entwicklungsverlauf bei Kindern und Jugendlichen stark individuell variieren kann und Urteile oft je nach spezifischer Situation gefällt werden.
Welche Rolle nimmt die Lehrkraft während einer Dilemmadiskussion ein?
Die Lehrkraft agiert primär als Moderator. Sie soll sich mit eigenen Meinungen zurückhalten und stattdessen eine Lernumgebung schaffen, die den Schülern ermöglicht, selbstständig Argumente zu finden und ihre moralische Urteilsfähigkeit zu schulen.
- Quote paper
- Danielle Ackermann (Author), 2012, Dilemmadiskussion nach der Methode von Lawrence Kohlberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336625