Mikropolitik. Politische Prozesse in Organisationen


Hausarbeit, 2004
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

1. Was ist Mikropolitik?

2. Teilnehmer an mikropolitischen Aktivitäten

3. Motive für mikropolitisches Verhalten

4. Formen mikropolitischen Handelns

5. Auswirkungen der Mikropolitik auf die Organisationen

6. Beispiel für mikropolitisches Handeln

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kerninhalte und Anleitungen des Machiavellismus

Abbildung 2: Der Fall "D" als Beispiel für mikropolitisches Handeln

Abbildung 3: Grafische Darstellung zum Fall "D"

Vorwort

Entscheidungen in Organisationen sind Resultate von politischen Prozessen, von Mikropolitik.

Diese Hausarbeit soll einen Beitrag dazu leisten, politische Prozesse in Organisationen zu erklären. Neben der Begriffsbestimmung wird hier vor allem auf die „Mikropolitiker“ sowie deren Motive eingegangen. Außerdem sollen die Formen mikropolitischen Handelns und deren Auswirkungen auf die Organisationen näher beleuchtet werden.

Dabei können jedoch lediglich Basisinformationen vermittelt werden. Die Diskussion unterschiedlicher Standpunkte sowie die Erläuterung angrenzender Themen, beispielsweise der Spieltheorie, würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen und können hier nicht wiedergegeben werden.

Der Verfasser

1. Was ist Mikropolitik?

Politische Prozesse in Organisationen werden auch Mikropolitik genannt.[1] Darunter versteht man vor allem die alltäglichen (Mikro-)Techniken, die dazu dienen, Macht aufzubauen und einzusetzen, um den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern und sich fremder Kontrolle zu entziehen.[2]

Somit handelt es sich um Prozesse innerhalb einer Organisation, weshalb die „Mikropolitik“ von der „großen“ Politik (beispielsweise Politik des Staates, Unternehmenspolitik etc.) abzugrenzen ist.[3]

Horst Bosetzky, der den Begriff „Mikropolitik“ in der Bundesrepublik eingeführt hat, definiert Mikropolitik als

„die Bemühungen, die systemeigenen materiellen und menschlichen Ressourcen zur Erreichung persönlicher Ziele, insbesondere des Aufstiegs im System selbst und in anderen Systemen, zu verwenden sowie zur Sicherung und Verbesserung der eigenen Existenzbedingungen“.[4]

Bosetzky führt Mikropolitik auf eine spezifische Verhaltensform als Folge einer gesellschaftlich geprägten Motivationsstruktur von Menschen zurück. Über diese Verhaltensformen kommt Bosetzky zum Persönlichkeitstyp des Mikropolitikers und zum Modell einer von Mikropolitik bestimmten Organisation, in der Mikropolitiker das Geschehen bestimmen.[5]

Tom Burns, der den Begriff „Mikropolitik“ erstmalig angewendet hat, geht ebenso wie Bosetzky davon aus, dass Mitglieder innerhalb einer Organisation eigene Interessen verfolgen, dennoch aber unterscheidet er Karriere- und Machtinteressen der Organisationsmitglieder in Abhängigkeit von ihrem Belohnungssystem, ihren nicht gebundenen Mitteln (oder der Kapitalallokation), der Richtung der Aktivitäten anderer und dem „Patronagesystem“ (Beförderungen, Neueinstellungen, Verteilung von Rechten und Privilegien).[6]

2. Teilnehmer an mikropolitischen Aktivitäten

Entscheidungen in Organisationen werden typischerweise kollektiv getroffen, insbesondere dann, wenn sie größere Reichweite haben. Somit sind zunächst solche Stelleninhaber als Teilnehmer zu sehen, die offiziell die Entscheidungskompetenz besitzen (beispielsweise Referatsleiter), einschließlich Interessenvertreter (z. B. Betriebsrat). Außerdem gehört ein Personenkreis dazu, der inoffiziell an den Entscheidungen beteiligt ist (Vertraute, Assistenten usw.) bzw. relevante Vorentscheidungen trifft (z. B. Stäbe, Projektgruppen usw.).

Ferner kommen noch Personen dazu, die sich aufgrund von Interessenkonflikten Zugang zu dem Entscheidungsprozess verschafft haben. Dies können sowohl interne als auch externe Personen sein, die keine formale Mitgliedschaftsrolle in der betreffenden Organisation bekleiden (beispielsweise Presse, Staat, Banken usw.).[7]

Horst Bosetzky hat in diesem Zusammenhang seine eigenen Erfahrungen zu systematisieren versucht und ist dabei zu folgendem Ergebnis gekommen:

a) In jeder Organisation ist nur ein Teil der theoretisch vorhandenen Machtmenge fest an Personen und Positionen gebunden, der andere ist frei flutend und verfügbar (so etwa wie nur ein Teil der im Weltall vorhandenen Materie in Fixsternen, Planeten und Monden gebunden ist).
b) Da sich jede Organisation inmitten gesellschaftlicher Kräftefelder befindet, wirken außerorganisatorische Machtpotentiale in die Organisation hinein und beeinflussen deren „innere Gravitation“.
c) In jeder Organisation gibt es Menschen, die Macht und Einfluss suchen und andere, die daran kein Interesse haben.
d) Sind Organisationsmitglieder an der Erhöhung ihres Machtpotentials interessiert, so können sie dies in aller Regel nur dadurch erreichen, dass sie Koalitionen bilden und sich im weiteren Sinne „mikropolitisch“ verhalten, das heißt, dass sie Gefolgsleute anwerben und für die Erreichung der eigenen Ziele arbeiten lassen und ihnen im sozialen Tauschprozess als Gegenleistung dafür ihrerseits Unterstützung gewähren (wechselseitige Instrumentalisierung).[8]

3. Motive für mikropolitisches Verhalten

Motive für mikropolitisches Handeln sind durch unterschiedliche Meinungen und Haltungen und die damit verbundenen Konflikte geprägt.

Hier ist zunächst die Position zu nennen, die ein Spieler in einer Organisation innehat. Sie legt Erwartungen, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten fest. Zudem ist mit der Position aufgrund der Arbeitsteilung und Spezialisierung auch zunehmend eine Selektierung der Probleme verbunden (beispielsweise sieht der Marketingleiter ein Entscheidungsproblem vor dem Hintergrund der Absatzprobleme).

Als weitere Motive für mikropolitisches Verhalten sind auch Karrierestreben und persönliche Rivalitäten zu nennen.

Darüber hinaus gehören auch fundamentale gesellschaftliche Interessenkonflikte (Arbeitgeber – Arbeitnehmer, Ökologie – Ökonomie usw.) als Beweggründe für mikropolitische Handlungen.[9]

4. Formen mikropolitischen Handelns

An dieser Stelle soll nun dargelegt werden, wie Positionsinhaber Macht anhäufen und mit der gewonnen Macht umgehen. Horst Bosetzkys Beobachtungen gehen sogar dahin, dass die Mittel zur Machtanhäufung bzw. Machtsicherung nach den Regeln des ‚Machiavellismus’ erfolgen, einer zynischen, rein am Erfolg des Machtgewinns orientierten Charakterhaltung.[10]

Die Kerninhalte sowie die Anleitungen des Machiavellismus seien in dem folgenden Schaukasten zusammengestellt:

[...]


[1] vgl. Georg Schreyögg: Organisation, 4. Auflage, Wiesbaden 2003, S. 433

[2] vgl. Oswald Neuberger: Mikropolitik, Stuttgart 1995, S. 14

[3] vgl. Günther Ortmann: Macht, Spiel, Konsens, in: Willi Küpper (Hrsg.): Mikropolitik, Opladen 1988, S. 18

[4] zitiert nach ebenda

[5] vgl. ebenda, S. 19

[6] vgl. ebenda, S. 18f

[7] vgl. Georg Schreyögg, a.a.O., S. 436

[8] vgl. Horst Bosetzky: Mikropolitik, Machiavellismus und Machtkumulation, in: Willi Küpper (Hrsg.): Mikropolitik, Opladen 1988, S. 28

[9] vgl. Georg Schreyögg, a.a.O., S. 437

[10] vgl. Horst Bosetzky, a.a.O., S. 33

vgl. Oswald Neuberger, a.a.O., S. 110f

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mikropolitik. Politische Prozesse in Organisationen
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Krefeld
Veranstaltung
Organisation
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V33663
ISBN (eBook)
9783638340861
ISBN (Buch)
9783638749077
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mikropolitik, Prozesse, Organisationen, Organisation
Arbeit zitieren
Ingo Wupperfeld (Autor), 2004, Mikropolitik. Politische Prozesse in Organisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33663

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