Text und Literatur. Vorlesungsmitschrift zum Thema „Textualität“


Vorlesungsmitschrift, 2016
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturwissenschaft

Hermeneutik

Ästhetik– Mimesis – Rhetorik

Fiktion und Faktizität

Biographie

Handlung

Narratologie

Strukturalismus

Germanistik

Mythos

Filmdrama „Adaption“

Folgender Text stellt eine schriftliche Ausarbeitung der Vorlesung „Textualität“ aus dem Modul „Literarische Textanalyse und Textualität“ dar. Die Inhalte der einzelnen Vorlesungssitzungen werden aufgegriffen und in einem Fließtext beschrieben und erörtert. Dabei wird im Besonderen auf die Begriffe Text und Literatur eingegangen und geklärt, worin sich diese unterscheiden, sowie nach einer Definition für „Literatur“ gesucht.

Bei der Verwendung des Begriffs „Literatur“ hat jede Person eine ungefähre, wenn auch subjektive, Vorstellung vom Gemeinten. Schwieriger wird es jedoch, wenn nach einer genauen Definition von Literatur gefragt wird. Um den Begriff zu bestimmen, oder sich zumindest einer Erklärung anzunähern, werden im Folgenden subjektive, unwissenschaftliche Definitionen objektiviert.

Da Literatur im alltäglichen Sprachgebrauch oftmals mit Text in Verbindung gebracht wird, stellt sich zunächst die Frage, ob sich Literatur tatsächlich nur im geschriebenen Wort darstellen lässt.→Ist Literatur immer Schrift?

Betrachtet man das Beispiel Film, so fällt zunächst auf, dass das Medium nicht schriftlich und ausschließlich in visuellen Bildern existiert. So ist ein Film an sich nicht schriftlich, dennoch liegt jedem Film eine literarische Schriftlichkeit zugrunde, da anhand eines Drehbuchs, in welchem die Dialoge und Handlungen schriftlich festgelegt wurden, beim Dreh gearbeitet wird. Oftmals liegt sogar dem Drehbuch eine weitere Schriftlichkeit, etwa ein Buch, eine Originalfassung eines Textes, zugrunde, die für den Film abgewandelt wurde. Genauso folgen die Dialoge im Film gewissen vorgegebenen Textstrukturen. Somit ist der Film an sich nicht mit Literatur gleichzusetzen, dient aber als mediale Bezugsform von Literatur, das heißt er steht in engem Bezug zu Literatur.

Dabei fällt auf, dass Literatur in verschiedenen Textstrukturen existiert. So geht einem Film ein Drehbuch voraus, diesem etwa ein Roman, bis hin zur Originalfassung, somit ist jeder Text auf die Handschrift zurückzuführen. Literatur hat also mehr mit dem geschriebenen Wort als dem gesprochenem Wort zu tun, obgleich auch immer eine Verbindung zwischen Beidem besteht.

Fällt der Begriff Literatur scheint es unendlich viele Beispiele zu geben, die etlichen Epochen und unterschiedlichsten Genres zuzuordnen sind. Blickt man zurück, kann kaum gesagt werden, wann Literatur ihren Anfang nahm, noch lässt sich vorstellen, dass etwas wie Literatur einmal nicht mehr sein sollte. Somit stellt sich die Frage, ob Literatur temporär gebunden ist. → Ist Literatur ewig/überzeitlich?

Eine Antwort auf diese Frage zu finden ist schon alleine schwierig, da die Zukunft und die Rolle, die Literatur in ihr spielt, nicht vorhersehbar ist. Aus der Vergangenheit lässt sich aber schließen, dass Literatur nicht unbedingt an die Zeit, in der ein Werk entstanden ist, gebunden ist. So liegen beispielsweise zwischen der Veröffentlichung der Märchen der Brüder Grimm und der heutigen Zeit etwa 200 Jahre und dennoch sind die Märchen in fast jeder Familie der heutigen Gesellschaft bekannt. Allerdings kann hier ein Unterscheid zwischen „allgemeiner“ und Weltliteratur gemacht werden, denn nicht jede Schrift schafft es die Jahrhunderte zu überleben und kann dennoch bedeutsam für die jeweils aktuelle Literatur sein. Weltliteratur ist dabei allgemein, überzeitlich und überregional gültige Literatur, die über die Zeiten und auch die Grenzen des Landes, in der sie entstand, hinaus beliebt ist. Beliebt zu sein setzt dabei Vergnügen und etwas Schönes oder Großes voraus. Daraus leitet sich gleichzeitig die Frage ab, ob Literatur tatsächlich immer Schönes darstellt.

- Ist Literatur immer zum Vergnügen?

Zunächst muss klargestellt werden, dass Literatur nicht etwas ist, was genau definiert werden kann, vielmehr handelt es sich dabei um ein weiträumiges Feld. Literatur stellt dabei einen Teil von Textualität dar, welche wiederum als großes Feld an Schriften und Genres angesehen werden muss. Um der Frage des Vergnügens von Literatur nachzugehen sind die Funktionen von Literatur zu betrachten. Wird in der Freizeit, etwa zur Entspannung gelesen, kann, unabhängig vom Inhalt des Textes, von Vergnügen ausgegangen werden, da die Aktivität des Lesens freiwillig durchgeführt wird. Hingegen die Literatur, die einem etwa in Bildungseinrichtungen zum Lesen gegeben wird, und demnach unfreiwillig bearbeitet wird, muss nicht zwanghaft Vergnügen bereiten. Hier ist der Inhalt von Bedeutung, ob das Lesen Freude bereitet. Davon ist wiederum abhängig, welche Vorlieben die lesende Person im Bezug auf Literatur hat, da der einen Person vielleicht eher leichte Literatur, einer anderen aber vielleicht eher herausfordernde Literatur Anreiz zum Lesen gibt. Literatur ist in jedem Fall in der Lage, neues Wissen zu vermitteln. Ob das Lernen von Neuem als Vergnügen angesehen wird, ist abhängig von den individuellen Persönlichkeiten der Leser*innen.

Da der Literaturbegriff mehr umfasst als das simple geschriebene Word werden im Folgenden Aspekte der Literatur und Literaturwissenschaft genannt und erörtert, um den Begriff der Literatur genauer erfassen und verstehen zu können.

Literaturwissenschaft

Eine Wissenschaft ist zunächst eine Gesamtheit von Erkenntnissen über einen bestimmten Bereich, in diesem Fall der Literatur, die in einem Zusammenhang stehen. Dabei wird durch Forschung versucht immer weitere Erkenntnisse zum jeweiligen Bereich zu finden. Die Literaturwissenschaft beschäftigt sich dabei mit der sprachlichen Struktur sowie den inhaltlichen Dimensionen, also der Bedeutung, der Literatur. Weitere Untersuchungsaspekte sind etwa Wirkung von Literatur, gesellschaftliche oder historische Kontexte sowie die Abgrenzung von Fiktion und Faktizität in literarischen Werken.

Hermeneutik

Hermeneutik ist die Lehre von der Bedeutung oder dem Verstehen. Die Literaturwissenschaft ist hermeneutisch, da angenommen wird, dass interpretierende Aussagen von Texten eine bestimmte Bedeutung erzeugen oder vermitteln sollen. Das Wort Hermeneutik kann aus der griechischen Mythologie abgeleitet werden. Die Aufgabe des Götterboten Hermes war es, die Botschaften der Götter zu übersetzen und zu interpretieren und den Sterblichen zu überbringen. Hermeneutik bedeutet in der Literatur somit das Interpretieren von Texten, also dem Text eine Bedeutung zuzuweisen. Dabei werden einzelne Merkmale untersucht und von diesen wird auf eine Ganzheit geschlossen, das heißt die Hermeneutik geht vom Besonderen zum Allgemeinen. Ein Beispiel für die Hermeneutik ist die theologische Exegese. Dabei werden das neue und alte Testament von den Kirchen unterschiedlich ausgelegt und je nach Auslegung erfolgt der Glaube und die Lebensausrichtung nach diesem. Ein weiteres Beispiel ist das Symbolverstehen. Symbole sind gesellschaftlich und kulturell anerkannte Zeichen, denen eine Bedeutung innewohnt. Auseinandersetzung mit der Herkunft eines Symbols lässt dabei auf die Bedeutung schließen, auch wenn sich oftmals nur schwer der gesamte historische Hintergrund eines Symbols zurückverfolgen lässt. Ansonsten beschäftig sich die Hermeneutik immer wieder mit der Frage nach Inhalt und Bedeutung von Literatur. Die Schwierigkeit des Verstehens fremder Texte ist jedoch, dass der*die Autor*in mit einem individuellen Hintergrund an den Text herangeht, der unmöglich von den Leser*innen nachempfunden werden kann. So kann sich der eigentlichen Intention der Autor*innen für den Text nur angenähert werden und das Textverstehen verläuft sich im Zuge der Annäherung im Kreis. Dieses Phänomen wird als hermeneutischer Zirkel bezeichnet, es wird davon ausgegangen, dass für ein vollkommenes Verständnis sowohl das Einzelne aus dem Ganzen als auch das Ganze aus dem Einzelnen verstanden werden muss. Der hermeneutische Zirkel stellt dabei ein Paradox dar, da etwas schon vorher verstanden worden sein muss, um es verstehen zu können. In der Hermeneutik wird sich daher durch ein Wechselspiel von Objektivierung und Subjektivierung an die Bedeutungen angenähert.

Ästhetik– Mimesis – Rhetorik

Einen Aspekt der Literaturwissenschaft stellt die Ästhetik dar. Der vom griechischen Wort „aísthesis“ abstammende Begriff steht ursprünglich für die Wahrnehmung, die Sinne und das Verständnis, also jede Form des Gewahrwerdens. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstand in Europa eine philosophische Ästhetik, im Zuge welcher der Begriff immer mehr mit der „Lehre vom Schönen“ und der „Wissenschaft der Künste“ in Verbindung gebracht wurde. Literatur selbst galt hier als eine Kunstform und die Ästhetik als Reflexion der Kunst und ihrer Bedeutung für das „Schöne“. Im 19. Jahrhundert entstanden die „Wissenschaften der Künste“ mit Grundlage des vorangegangenen philosophischen Blickes auf Kunst und Literatur. Heute wird in der Literatur unter dem Begriff Ästhetik unterschieden zwischen dem sinnlich Wahrgenommenen und dem Wahrnehmbaren, da nur das für den Menschen Bedeutsame auch wirklich von ihm wahrgenommen wird.

Die Mimesis, auch definiert als Nachahmung, Ausdruck und Darstellung, bezeichnet die in die Literatur übertragene Realität. Autor*innen lassen dabei in ihre Texte Aspekte des eigenen Lebens und der eigenen Realität mit einfließen. Die Mimesis beantwortet in der Literatur also immer die Frage nach dem „was“ dargestellt wird. Hingegen die Rhetorik als die Kunst der Rede beschäftigt sich mit der Frage „wie“ etwas in der Literatur dargestellt wird. Somit wird in der Rhetorik die Literatur mit ihren Inhalten begründet. Zu erwähnen ist, dass die Rhetorik lange Zeit in der Literaturwissenschaft keine Verwendung fand und außer Acht gelassen wurde. Erst im frühen 20. Jahrhundert wurde sie in der Linguistik wieder aufgenommen. Heutzutage spricht man dabei vom Linguistic Turn.

Fiktion und Faktizität

Eine Schwierigkeit beim Verstehen von Erzählungen kann die Fiktion darstellen. Gemeint ist damit die literarische Wirklichkeit, die nicht mit den individuellen und subjektiven Wirklichkeiten der Leserschaft einhergeht. Jeder literarische Text besitzt eine von dem*der Autor*in erschaffene innerfiktionale Logik, welche nach einer bestimmten Struktur in sich logisch verständlich ist - solange sie innerhalb des Werkes einheitlich umgesetzt wird - dennoch aber von der Welt außerhalb des Werkes abweicht. Dabei entsteht beim Lesen ein Spannungsfeld zwischen den Erwartungen der Leser*in und der Erfüllung dieser Erwartungen durch den Text. Die intersubjektive Verständigung über die Literatur und die Erfüllung der Erwartungen setzt dabei bei Autorschaft und Leseschaft ein gemeinsames Verständnis von Wirklichkeit voraus. So sollten fiktionale Texte, obwohl sie Dichtungen und Erfindungen enthalten, einerseits von den Verfasser*innen noch logisch greifbar sein und zudem nicht zu sehr von der Faktizität abweichen, sodass sie für Leser*innen noch im Bereich des Vorstellbaren sind. Fiktion repräsentiert in dem Sinne eine Logik der Möglichkeit, da das Feld der in der Realität realisierbaren Handlungen erweitert wird.

Im Gegensatz dazu steht die Faktizität, also die sinnlich erfahrbare Wirklichkeit. Faktuale Texte stellen einen Bezug zur realen gelebten Welt dar und unterliegen dabei der Logik dessen, was tatsächlich greifbar ist. Es werden reale Ereignisse geschildert und diesen nichts weiter hinzugedichtet, wobei in der Regel aus der Monoperspektive geschrieben wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Text und Literatur. Vorlesungsmitschrift zum Thema „Textualität“
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Textualität
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V336634
ISBN (eBook)
9783668261860
ISBN (Buch)
9783668261877
Dateigröße
813 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
text, literatur, vorlesungsmitschrift, thema, textualität
Arbeit zitieren
Luisa Wittenbrink (Autor), 2016, Text und Literatur. Vorlesungsmitschrift zum Thema „Textualität“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336634

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