Im Zuge der Globalisierung ist ein weltweiter Anstieg der Unternehmenstransaktionen, insbesondere der Unternehmenskäufe und -übernahmen, sowie des entsprechenden Kaufvolumens zu verzeichnen. Im Rahmen dieser Transaktionen übersteigt beziehungsweise liegt der bezahlte Preis nicht selten unter dem Buchwertoder dem Zeitwert der Bilanz des übernommenen Unternehmens.
Hierbei ist hervorzuheben, dass den daraus resultierenden Differenzen aufgrund ihres wachsenden Ausmaßes eine enorme bilanzpolitische und somit auch wirtschaftliche Bedeutung zuzurechnen ist. Um diese Differenzen ordnungsgemäß bilanziell darstellen zu können, bedient man sich sog. „Unterschiedsbeträge“, ergo des GoF bzw. des negativen Unterschiedsbetrags. Die Rechtsgeschichte der für die Bilanzierung dieser Unterschiedsbeträge maßgeblichen Standards in den IFRS fußt im Jahre 1983 mit der Verabschiedung des IAS 22 als dem ersten GoF-Standard. Dieser Standard wurde sowohl im Jahre 1993 als auch im Rahmen der Anpassung an die US-amerikanischen Standards mit der Verabschiedung des IFRS 3 im Jahre 2004 und zuletzt auch im Jahre 2010, im Zuge der sog. „Verbesserung“, mehrfach überarbeitet und letztendlich grundlegend verändert bzw. ersetzt.
Dadurch kam es zu einer stark ausgeprägten Heterogenität zwischen den Ansichten für die Bilanzierung der Unterschiedsbeträge in den IFRS und im HGB.
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Internationalisierung der Rechnungslegung in Deutschland, der EU sowie weltweit ist es von hoher Bedeutung, die aufgrund von mehreren Überarbeitungen relativ neuen internationalen Rechnungs-legungsstandards in Bezug auf die Bilanzierung des GoF sowie des negativen Unterschiedsbetrags zu analysieren und die Ergebnisse entsprechend darzustellen. Dies ist auch das Ziel der folgenden Seminararbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung, Ziele und Gang der Untersuchung
2. Arten von Unternehmenszusammenschlüssen
3. Entstehung und Bilanzierung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwerts
3.1 Zur Entstehung und zum Ansatz des Geschäfts- oder Firmenwerts
3.2 Zur Folgebewertung des Geschäfts- oder Firmenwerts
3.2.1 Zur Allokation des Geschäfts- oder Firmenwerts auf zahlungsmittel-generierende Einheiten
3.2.2 Zum Werthaltigkeitstest nach IAS 36
3.2.3 Zur Substitution des derivativen durch den originären Geschäfts- oder Firmenwert
4. Entstehung und Bilanzierung des negativen Unterschiedsbetrags
4.1 Zur Entstehung des negativen Unterschiedsbetrags
4.2 Zur erfolgswirksamen Behandlung des negativen Unterschiedsbetrags im Rahmen einer kritischen Überprüfung
5. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit analysiert die bilanzielle Behandlung von Unterschiedsbeträgen – konkret des Geschäfts- oder Firmenwerts (GoF) sowie des negativen Unterschiedsbetrags – im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS). Ziel ist es, die durch häufige Standardüberarbeitungen entstandene Komplexität und Heterogenität zu untersuchen und die aktuellen Bilanzierungsregelungen kritisch darzustellen.
- Grundlagen und Arten von Unternehmenszusammenschlüssen nach IFRS 3.
- Erst- und Folgebewertung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwerts.
- Konzept des Werthaltigkeitstests (Impairment Test) nach IAS 36.
- Kritische Analyse der Substitutionstendenzen bei der GoF-Bilanzierung.
- Bilanzierung und kritische Überprüfung des negativen Unterschiedsbetrags.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Zum Werthaltigkeitstest nach IAS 36
Wie bereits im vorherigen Kapitel angedeutet, sieht IFRS 3 für den aus einem Unternehmenszusammenschluss resultierenden GoF keine planmäßige Abschreibung über eine zu schätzende Nutzungsdauer, sondern eine außerplanmäßige Abschreibung vor. Um die Notwendigkeit bzw. die Höhe der außerplanmäßigen Abschreibung festzustellen, erfolgt nach IAS 36 in Verbindung mit IFRS 3 jährlich bzw. zusätzlich bei Hinweisen auf eine mögliche Wertminderung eine Werthaltigkeitsprüfung im Zuge eines einstufigen Niederstwerttests. Darüber hinaus muss die Werthaltigkeitsprüfung nicht zwingend am Abschlussstichtag bzw. an einem für alle ZME einheitlichen Zeitpunkt durchgeführt werden, jedoch zwangsläufig innerhalb einer Berichtsperiode. Im Rahmen des Niederstwerttests wird der erzielbare Betrag einer ZME mit dem Buchwert der gleichen Einheit inkl. GoF verglichen. Hierzu bedarf es folglich der ordnungsgemäßen Berechnung der zu vergleichenden Werte. Nach IAS 36.76 umfasst der Buchwert einer ZME all die Vermögenswerte, die zur Erzeugung von Zahlungsströmen dieser ZME relevant sind, inkl. des zugeteilten GoF. Schulden werden im Gegensatz dazu nur dann abgezogen, wenn der erzielbare Betrag der zu prüfenden ZME ohne Berücksichtigung dieser Schulden nicht bestimmt werden kann. Daher ist i.d.R. bei dem Buchwert von einem Bruttosubstanzwert auszugehen. Der erzielbare Betrag ist seinerseits als der höhere der beiden Beträge aus dem beizulegenden Zeitwert abzgl. Verkaufskosten und dem Nutzungswert definiert. Der beizulegende Zeitwert abzgl. Verkaufskosten ist im IAS 36.6 definiert und lässt sich entweder als der erzielbare Verkaufspreis zwischen vertragswilligen und sachkundigen Parteien am Markt bzw. anhand eines vorliegenden Kaufangebots preises oder anhand eines Preises am aktiven Markt oder, vereinfacht formuliert, mit Hilfe der besten verfügbaren Informationen ermitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung, Ziele und Gang der Untersuchung: Einführung in die globale Entwicklung von Unternehmenszusammenschlüssen und die Notwendigkeit einer klaren bilanziellen Abbildung von Unterschiedsbeträgen nach IFRS.
2. Arten von Unternehmenszusammenschlüssen: Erläuterung der Definition eines Unternehmenszusammenschlusses und Unterteilung in verschiedene Transaktionsformen wie Anteilskauf oder Verschmelzung.
3. Entstehung und Bilanzierung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwerts: Darstellung der Erstbewertung, der Allokation auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten und der Durchführung des Werthaltigkeitstests.
4. Entstehung und Bilanzierung des negativen Unterschiedsbetrags: Analyse der Ursachen für negative Differenzbeträge und des zweistufigen Verfahrens zu deren kritischer Überprüfung und erfolgswirksamen Vereinnahmung.
5. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick: Fazit zur aktuellen Systematik der GoF-Bilanzierung und Diskussion über künftige Anpassungstendenzen aufgrund bestehender Kritikpunkte.
Schlüsselwörter
IFRS, Unternehmenszusammenschluss, Geschäfts- oder Firmenwert, GoF, negativer Unterschiedsbetrag, Erwerbsmethode, Kaufpreisallokation, zahlungsmittelgenerierende Einheit, ZME, Werthaltigkeitstest, IAS 36, Wertaufholungsverbot, Impairment Test, Bilanzierung, Konsolidierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Bilanzierungsregeln für Differenzbeträge, die bei Unternehmensakquisitionen entstehen, speziell mit dem sogenannten Goodwill (GoF) und negativen Unterschiedsbeträgen nach den internationalen Standards (IFRS).
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Unternehmenszusammenschlüssen, die Kaufpreisallokation, das Konzept der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten sowie die jährliche Werthaltigkeitsprüfung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Darstellung und kritische Analyse der Bilanzierungsvorschriften für Geschäfts- oder Firmenwerte und negative Unterschiedsbeträge vor dem Hintergrund der internationalen Standardisierung.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturrecherche und der anschließenden Analyse aktueller internationaler Rechnungslegungsstandards (IFRS) sowie ergänzender Fachliteratur.
Welche Kernpunkte stehen im Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil werden die Entstehung, der Ansatz und die komplexe Folgebewertung des GoF erläutert, gefolgt von einer detaillierten Auseinandersetzung mit den Ursachen und der Behandlung negativer Unterschiedsbeträge.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie IFRS 3, IAS 36, Goodwill-Impairment, Kaufpreisallokation und zahlungsmittelgenerierende Einheiten charakterisiert.
Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten Wertaufholungsverbot?
Nach IAS 36.124 dürfen für den Geschäfts- oder Firmenwert keine Zuschreibungen vorgenommen werden, selbst wenn sich der Wert der zugrunde liegenden Einheiten nach einer Abschreibung wieder erhöht hat.
Warum wird der Geschäfts- oder Firmenwert auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten (ZME) aufgeteilt?
Da ein derivativer GoF keine isolierten Zahlungsströme generiert, muss er auf die kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögenswerten (ZME) verteilt werden, um einen sinnvollen Werthaltigkeitstest durchführen zu können.
- Arbeit zitieren
- Pavlo Sogrin (Autor:in), 2016, Zur "Goodwill" und "Badwill" Bilanzierung in den IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336684