Kommunikations- und Wahrnehmungsprobleme in E.T.A. Hoffmanns "Sandmann" und wie sie Nathanael in den Tod treiben

Missverständliche Medien


Hausarbeit, 2015
28 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Wahrnehmung und Kommunikation bei Hoffmanns Sandmann

3. Der fehlerhafte Briefkopf: Nathanael an Lothar/Clara

4. Die Geschichte vom Sandmann
4.1. Nathanael und die Angst der Mutter
4.2. Das Märchen der Wartefrau
4.3. Der akustische Sandmann
4.4. Der Übergang zum sichtbaren Sandmann
4.5. Nathanael und sein Vater - Zwischen Schweigen und Erzählen
4.6. Der Advokat Coppelius alias der Sandmann

5. Der piemontesische Wetterglashändler Coppola

6. Der Blick durch das Perspektiv - Ein Perspektivwechsel und der Monolog des Verliebten

7. Interaktion mit der Gesellschaft - Nathanael als Außenseiter

8. Unverständnis und Ablehnung - Nathanael und Clara kommunizieren

9. Fazit der Untersuchung

Literaturverzeichnis

1. Einführung

„Hoffmanns Sandmann streut Sand in das Auge der Aufklärung. Und doch gibt er - insofern selbst aufklärerisch - Auskunft über den Zusammenhang von Wahrnehmungsdisziplinierung, Körperentfremdung und Kommunikation.“1 Dies proklamiert Peter Utz zu Anfang seines Kapitels „Sköne Oke - Wahrnehmung, Identität und Sprache in Der Sandmann“2 in seinem Werk Das Auge und das Ohr im Text: literarische Sinneswahrnehmung in der Goethezeit. Utz ´s These stützend und ausbauend, soll mit dieser Arbeit die problematische und fehlerhafte Wahrnehmung und Kommunikation zwischen den Figuren, welche zur Entfremdung Nathanaels und zu seinem Tod führen, erläutert werden. Diese Arbeit soll sich nicht mit psychoanalytischen Deutungsmustern der Sandmann-Forschung, wie z.B. Freuds ‚Kastrationsangst-Theorie‘ beschäftigen. Sie soll auch keine Perspektive der Figuren (Nathanael glaubt an eine dämonische Macht/Determinierung, Clara an eine psychische Störung ihres Geliebten) als richtig oder falsch bewerten, sondern sie soll vielmehr einen Einblick auf die Wirkung von Medien auf die Wahrnehmung (Sehen und Hören) und Kommunikation (Sprechen und Schreiben) der Figuren zeigen. Diese Frage ergibt sich für mich aus dem Bezug zur Thematik des Seminars: Die Untersuchung der Medientechniken in der Romantik. Da die Erzählerstimme die meiste Zeit von der Wahrnehmung des Protagonisten beeinflusst wird, soll die Arbeit diese Perspektive nachvollziehen und interpretieren und auch ihre Entstehung und Veränderungen zeigen. Die These der Arbeit proklamiert, dass primär die Fehlleitung von Medien zu den Kommunikation- und Wahrnehmungsproblemen des Protagonisten führen, die ihn in den Wahnsinn und schließlich sogar in den Tod treiben. Da es sich bei einer Erzählung um eine Perspektive literarischer Figuren handelt, muss diese auch als solche behandelt werden. Peter Utz definiert dazu, dass sich das „wissenschaftliche Auge zielstrebig auf seine Objekte richten muß“, wobei „die literarische Wahrnehmung nach allen Seiten hin offen, ein ästhetisches Ohr zur Welt“ bleiben soll.3 Und genau diese Objektivität soll in dieser Arbeit angestrebt werden.

Die Erzählung Hoffmanns gehört zur Sammlung der Nachtstücke, die in zwei Teilen im Realbuchhandlungsverlag erstmals in Berlin 1817 erschienen sind.4 Der Text kann laut Nikolai Vogel weder im „romantischen noch im aufklärerischen Paradigma angesiedelt werden“, sondern er „spielt beide gegeneinander aus und situiert sich in einem merkwürdigen Außerhalb.“5 Typisch Hoffmann kann man sein Werk nicht einfach einer Kategorie oder einer Sichtweise zuordnen. Diese Einzigartigkeit im Schreiben macht es noch bis heute so interessant seine Stücke zu lesen und zu interpretieren. Sabine Hillebrand schreibt zu Hoffmanns Erzählkunst, dass sie ein „Produkt des inneren Bildes“ ist, damit im Gegensatz zur Kunst des Malens steht und einen Gegenpol zum äußeren Leben markiert.6 Im Weiteren stellt sie fest, dass Hoffmann dem „inneren Auge“ einen hohen Stellenwert einräumt und er damit den „Glauben an die Unerschütterbarkeit von verstandesgeleiteter Wahrnehmung“ in Frage stellt.7 Wie wir feststellen werden wird dieser ‚innere Blick‘ im Sandmann, und auch in anderen Werken Hoffmanns, besonders stark hervorgehoben. Hoffmann übt offene Kritik an der Aufklärung und bedient sich dabei ihrer Mittel, um damit sein Bild von einer gescheiterten Wahrnehmung zu entwerfen: Nathanael der durch das Perspektiv blickt.

2. Wahrnehmung und Kommunikation bei Hoffmanns Sandmann

In diesem Abschnitt sollen nun die Begriffe Wahrnehmung und Kommunikation, im Zusammenhang mit den zugehörigen Medien, kurz erläutert werden. Friederike Worthmann bezieht sich in ihrer interessanten Abhandlung über literarische Deutungen (Literarische Wertungen: Vorschläge für ein deskriptives Modell) auf den Artikel Wahrnehmung von Anton Hajo, in welchem er Wahrnehmung als einen „Prozess der Aufnahme, Selektion, Verarbeitung, Gliederung und Strukturierung sensorischer Informationen darstellt. Der Prozess beginnt dabei mit der Reizaufnahme und endet mit dem Sinneserlebnis.“8 Folglich kommt es zu einer gestörten/abweichenden Wahrnehmung, wenn es auf einer, oder auf mehreren Ebenen des Prozesses, zu Problemen mit der Aufnahme und Verarbeitung der Reize kommt. Die Sinne werden also dazu angeregt die Informationen der Reize im Gehirn zu verarbeiten. Hieraus entwickelt sich dann die individuelle Wahrnehmung. Im Bezug auf Nathanael spielen vor allem die Sinne Auge und Ohr eine wichtige Rolle. Die Informationen dazu bekommt er durch Medien geliefert. Es ist vor allem das Medium des eigenen Sehens (mit und ohne Perspektiv), das Medium der Schrift: in Form von Briefen, Büchern und Gedichten, als auch das Medium der Stimme (alle mit ihm sprechenden Figuren), aus deren Informationen der Protagonist seine Wahrnehmung bildet. Utz beschreibt die Wahrnehmung als „körperlichste Form der Kommunikation mit der Welt“ und er sagt aus, dass wir diesen automatischen Prozess nur dann registrieren, wenn er gestört wird.9 Wir werden feststellen, dass die Kommunikation Nathanaels, weder mit sich selbst (als Wahrnehmung), noch als sprachlicher Austausch mit den anderen Figuren, ohne Probleme verläuft. Sarah Müller definiert Kommunikation in ihrem Werk Informations- und Kommunikationsprozesse, als einen „Austausch von Signalen zwischen Sender und Empfänger“ (z.B. miteinander sprechen, oder Briefe schreiben), wobei die Personen keinen Einfluss darauf haben, wie der Gegenüber die erhaltene Information interpretiert.10 Nathanaels Deutung dieser ‚gesendeten‘ Informationen hebt sich stark von der seiner Mitakteure ab. Doch sind es auch die missverständlichen Informationen der Medien, die seine Gegenüber ihm zusenden, die Nathanael zu seinen außergewöhnlichen Interpretationen führen.

3. Der fehlerhafte Briefkopf: Nathanael an Lothar/Clara

Die Erzählung Der Sandmann beginnt mit dem fehlgeleiteten Brief, den Nathanael an Lothar schicken wollte, welchen er aber stattdessen an Clara adressiert hat. In Folge liest Clara den Brief, der die Geschichte Nathanaels Kindheit offenbart. Außerdem haben Nathanael und seine Geliebte, sowie ihr Bruder, längere Zeit vor diesem Brief, die Kommunikation abgebrochen: „Gewiß seid ihr alle voll Unruhe, daß ich so lange - lange nicht geschrieben.

(…) Ach wie vermochte ich denn Euch zu schreiben, in der zerrissenen Stimmung des Geistes, die mir bisher alle Gedanken verstörte!“11 Nathanael gibt hier schon Auskunft über seinen schlechten seelischen/geistigen Zustand und nennt dies als Ursache für das Ausbleiben seines Schreibens. Dabei nennt N.12 vor allem die körperliche Ferne als Problem der Vermittlung seiner Gefühle: „Wärst du nur hier, so könntest du selbst schauen; aber jetzt hältst Du mich gewiß für einen aberwitzigen Geisterseher.“13 N. reicht demzufolge das Medium Brief nicht aus, um seinen Gemütszustand kommunizieren zu können. Er möchte Lothar mehr vermitteln, als er in der Lage ist in Schrift zu übertragen. Christian Jürgens schreibt dazu, in Das Theater der Bilder. Ästhetische Modelle und literarische Konzepte in den Texten E.T.A.

Hoffmanns, dass Hoffmanns „Fiktion von Aufschreibung sich selbstreferentiell thematisiert“ und so „Auskunft über die Funktionsweise des Zeichensystems Text“14 gibt. Im Weiteren stellt sich Nathanael eine Reaktion von seinen Lieben auf seinen Brief vor : „Indem ich anfangen will, höre ich Dich lachen und Clara sagen: das sind ja rechte Kindereien! (…) lacht mich recht herzlich aus!“15 Er projiziert damit in seinem Inneren ein optisches und akustisches Bild der beiden lachenden Geschwister, um das Fehlen des realen Sehens zu kompensieren. Er setzt dabei seine Fantasie als Medium zur Übertragung von Wahrnehmung ein. Was bedeutet, dass der Verstand selbst als Medium fungieren kann. Doch sind es immer Informationen, auf die der Verstand ( das Gedächtnis) zurückgreift, welche zuvor von anderen Medien ausgesendet worden sind. Michael Rohrwasser schreibt dazu in seinem Text Coppelius, Cagliostro und Napoleon, dass es eben auf diese „Erfahrungswerte eines Beobachters“ ankommt, wie dieser das Observierte einordnet.16 Der Brief scheitert als Medium in mehrerer Hinsicht, erstens durch die falsche Adressierung an Clara, zweitens durch das Unvermögen Nathanaels Gefühle zu übermitteln und drittens durch die fehlende Sender-Empfänger- Konstellation, denn Nathanael muss hier gleichzeitig als Sender (Gedächtnis) und als Empfänger (Vorstellung) agieren.

Nathanael spricht in seinem Brief von einer „Blödigkeit der Augen“.17 Damit zeigt er ein Bewusstsein für den unzuverlässigen Sinn des Sehens, wie ihn schon Johann Christoph Friedrich Gutsmuths formuliert hat. Vor allem Auge und Ohr sind diejenigen Sinne, die am schnellsten einem trügerischen Sinneseindruck unterliegen können.18 Hillebrand schreibt zur Wahrnehmungsproblematik, dass „inneres und äußeres Auge“ eine „polare Einheit“ bilden, da sie ohne ihr Gegenüber nicht existieren können. Durch die einseitige Innenschau von N. sind Sein und Schein nicht mehr unterscheidbar.19 Der Leser wird also stets im Ungewissen belassen, welche Eindrücke aus Nathanaels Innenschau entspringen und welche für alle Figuren gleichermaßen Geltung haben. Peter Brandes behauptet sogar ( in: Leben die Bilder bald?), dass „nicht das visuell Erfahrene, sondern das im Innern Geschaute für die hoffmannsche Erzählfigur die Maßgabe des Schreibens“ ist.20 Dem äußeren Bild steht immer dem inneren gegenüber. In der Figur Nathanael erfahren diese beiden Bilder eine untrennbare Vereinigung. Im nachfolgendem Zitat wird nun die Reaktion Claras auf Nathanaels ‚Innenschau‘ beschrieben:

Ich konnte kaum athmen, es flimmerte mir vor den Augen. (…) Der fatale Wetterglashändler Giuseppe Coppola verfolgte mich auf Schritt und Tritt und beinahe schäme ich mich, es zu gestehen, daß er selbst meinen gesunden, sonst so ruhigen Schlaf in allerlei wunderlichen Traumgebilden zerstören konnte. (…) daß ich trotz Deiner seltsamen Ahnung, Coppelius werde Dir etwas Böses anthun, ganz heitern unbefangenen Sinnes bin, wie immer.

(…) daß ich meine, alles Entsetzliche und Schreckliche, wovon Du sprichst, nur in Deinem Innern vorging, die wahre wirkliche Außenwelt aber daran wohl wenig Theil hatte.21

Das Medium Brief scheint hier zunächst als brauchbarer Vermittler von Nathanaels Gefühlen und Gedanken, da Claras Antwort Anzeichen von Angst und Mitgefühl zeigt. Am Ende des Briefes scheint sie sich dieser Gefühle allerdings entledigt zu haben. Interessant ist hier, dass sie in ihren Träumen nicht von Coppelius, sondern von Coppola verfolgt wird, der bis zu diesem Zeitpunkt Nathanael nichts als seine Ware angeboten hatte. Indirekt bestätigt Clara damit Nathanaels Vermutung, dass es sich bei den beiden um eine Person handelt. Trotzdem endet Claras Brief mit der Ablehnung von Nathanaels Vorahnung, Coppelius werde ihm etwas antun. Clara glaubt nicht an eine höhere Macht oder den Sandmann, der Nathanael verfolgen soll. Stattdessen statuiert sie, dass alles nur aus seinem „Innern“ hervorgegangen sei.22 Indirekt bezeichnet sie ihn damit als den „aberwitzigen Geisterseher“23, als der N. niemals wahrgenommen werden wollte. Damit findet eine ‚unheilvolle‘ Vorahnung Nathanaels bereits ihre Bestätigung. Utz beschreibt, dass mit dem fehlgeleiteten Brief, der Briefroman selbst, als „literarische Kommunikationsform“ in Frage gestellt wird.24 Das Medium Brief erscheint mit seiner Schwäche der Zeit (Dauer bis der Brief den Empfänger erreicht) und seiner Schwäche der Distanz (Kommunikationspartner stehen sich nicht gegenüber) ungeeignet, zwischen Nathanael und seinen Lieben, zu vermitteln.

4. Die Geschichte vom Sandmann

In nachfolgenden Abschnitten soll gezeigt werden, wie sich der Glaube an den Sandmann, durch seine verschiedenen Kommunikationspartner und seine zahlreichen Sinneseindrücke, in Nathanael einprägt. Vor allem sind es hier die Medien Stimme, Auge und Ohr, die den kleinen Jungen in seiner Wahrnehmung beeinflussen.

4.1. Nathanael und die Angst der Mutter

Der Sohn beschreibt die problematische Kommunikation zwischen ihm und seiner Mutter: „An solchen Abenden war die Mutter sehr traurig und kaum schlug die Uhr neun, so sprach sie: Nun Kinder! - zu Bette! Zu Bette! Der Sandmann kommt, ich merk´es schon.“25 Nathanael nimmt die Trauer seiner Mutter (über die Besuche des Sandmanns) wahr und verknüpft ihre Emotionen mit dem Ausspruch „Der Sandmann kommt“26, der bei ihm Angst erzeugt. Er verknüpft die Vorstellung von einem Sandmann ‚ der kommt‘27 mit den Schritten die er hört. Er schließt daraus, dass diese Geräusche, von diesem Sandmann erzeugt werden müssen. Im folgenden Zitat wird der Zusammenhang zwischen Nathanaels akustischer Wahrnehmung (Aussagen der Mutter, Geräusche) und seinem daraus imaginierten Bild des Sandmanns deutlich:

Einmal war mir jenes dumpfe Treten und Poltern besonders graulich; ich frug die Mutter, indem sie uns fortführte: Ei Mama! Wer ist denn der böse Sandmann, der uns immer von Papa forttreibt? - wie sieht er denn aus? Es gibt keinen Sandmann, mein liebes Kind, erwiderte die Mutter: wenn ich sage, der Sandmann kommt, so will das nur heißen, ihr seyd schläfrig und könnt die Augen nicht offen behalten, als hätte man Euch Sand hineingestreut. - Der Mutter Antwort befriedigte mich nicht, ja in meinem kindischen Gemüth entfaltete sich deutlich der Gedanke, daß die Mutter den Sandmann nur verleugne, damit wir uns vor ihm nicht fürchten sollten, ich hörte ihn ja immer die Treppe heraufkommen.28

Es sind hier also primär die Medien der mütterlichen Stimme und das Medium seines Gehörs, die N. zu dem Glauben an den Sandmann bringen. In dem Zitat wird auch gezeigt, dass Nathanael der neuen Aussage seiner Mutter (der Sandmann existiert nicht) keinen Glauben schenkt. Seine Verknüpfung des Sandmanns mit den Geräuschen ist schon zu tief in sein Bewusstsein eingedrungen. Durch das Fehlen der äußeren visuellen Wahrnehmung wird die Fantasie des Kindes umso mehr aktiviert. Die Stimme der Mutter sendet missverständliche Informationen zu Nathanaels Gehör. Dieses wiederum sendet das Aufgenommene an das Gehirn, welches dann das Bild des Sandmanns in Nathanael einprägt. So wird versucht das Fehlen der optischen Wahrnehmung zu kompensieren. Besonders der kindliche Verstand, noch viel undefinierter als der eines Erwachsenen, bildet daraus die Schreckgestalt des Sandmann.

4.2. Das Märchen der Wartefrau

Durch die Stimme der Wartefrau erfährt das bereits verängstigte Kind vom Märchen über den Sandmann, welches seinem inneren Bild die Vorstellung von einem Raub der Augen hinzufügt:

Voll Neugierde, näheres von diesem Sandmann und seiner Beziehung auf uns Kinder zu erfahren, frug ich endlich die alte Frau, (...): was denn das für ein Mann sei, der Sandmann? Ei Thanelchen, (…). Das ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett´ gehen wollen und wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, daß sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf.29

Das Medium der Stimme der Wartefrau, in Form von Erzählung, erzeugt in Nathanael nur noch mehr ein „gräßliches“ Bild in seinem Inneren vom „grausamen Sandmann“. Allein das Hören der Geräusche, die N. mit dem Kinderschreck verbindet, lassen ihn vor Angst zusammenfahren: „(...) so wie es Abends die Treppe heraufpolterte, zitterte ich vor Angst und Entsetzen. Nichts als den unter Thränen hergestotterten Ruf: der Sandmann! Der Sandmann! Konnnte die Mutter aus mir herausbringen.“30 Was die Mutter mit ihrer Aussage begonnen hat, führt die Wartefrau in einem schauerlichen Märchen fort. Die Kommunikation des Kindes zu den beiden ‚Müttern‘ basiert auf irrealen Informationen, die das kindliche Gemüt nicht von der Wirklichkeit unterscheiden kann. Die Angst vor dem ihm ‚eingeflößten‘ Sandmann kann er nicht sprachlich mitteilen, er kann der Mutter immer nur dessen Namen replizieren.31

[...]


1 Utz: Das Auge und das Ohr, S.272.

2 Vgl. Utz: Das Auge und das Ohr, S.272-280.

3 Vgl. Utz: Das Auge und das Ohr, S.9.

4 Lienhard Wawrzyn: Der Automaten-Mensch, S.94.

5 Vgl. Vogel: Der Sandmann als Interpretation der Interpretation, S.56.

6 Vgl. Hillebrand: Strategien der Verwirrung, S.16.

7 Vgl. Hillebrand: Strategien der Verwirrung, S.24.

8 Hajo Anton: Wahrnehmung zitiert aus Worthmanns Literarische Wertungen, S.93.

9 Peter Utz: Das Auge und das Ohr, S. 7.

10 Müller: Informations- und Kommunikationsprozesse, S.4.

11 Hoffmann: Sandmann, S.83.

12 N. kürzt den Namen der Figur Nathanaels in dieser Arbeit ab.

13 Hoffmann: Sandmann, S.84.

14 Vgl. Jürgens: Das Theater der Bilder, S.29.

15 Hoffmann: Sandmann, S.84.

16 Rohrwasser: Coppelius, Cagliostro und Napoleon, S.88.

17 Hoffmann: Sandmann, S.90.

18 Gutsmuths: Gymnastik S.260, zitiert aus Utz: Das Auge und das Ohr, S.177

19 Hillebrand: Strategien der Verwirrung, S.30.

20 Brandes: Leben die Bilder bald?, S.162.

21 Hoffmann: Sandmann, S.92-93.

22 Hoffmann: Sandmann, S.93.

23 Hoffmann: Sandmann, S.84.

24 Utz: Das Auge und das Ohr, S.278.

25 Hoffmann: Sandmann, S.84.

26 Hoffmann: Sandmann, S.84.

27 Hoffmann: Sandmann, S.84.

28 Hoffmann: Sandmann, S.85.

29 Hoffmann: Sandmann, S.85.

30 Hoffmann: Sandmann, S.85.

31 Vgl. Hoffmann: Sandmann, S.85.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Kommunikations- und Wahrnehmungsprobleme in E.T.A. Hoffmanns "Sandmann" und wie sie Nathanael in den Tod treiben
Untertitel
Missverständliche Medien
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Die Romantik und ihre Medien
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
28
Katalognummer
V336730
ISBN (eBook)
9783668262331
ISBN (Buch)
9783668262348
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunikations-, wahrnehmungsprobleme, hoffmanns, sandmann, nathanael, missverständliche, medien
Arbeit zitieren
Franziska Weithmann (Autor), 2015, Kommunikations- und Wahrnehmungsprobleme in E.T.A. Hoffmanns "Sandmann" und wie sie Nathanael in den Tod treiben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336730

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