Die verschiedenen Gestalten Gottes in Mechthilds von Magdeburg „Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Deutungen


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Das Bild Gottes in Mechthilds von Magdeburg „Fließendes Licht der Gottheit“

II. Gott in Gestalt eines Fürsten

III. Gottes Darstellung als Berg

IV. Gott als Kugel und Schöpfer

V. Gott als unser Vater im Himmel

VI. Jesus Christus unser Bruder und Sohn Gottes

VII. Gott als Bräutigam und die mystische Hochzeit

VIII. Gott in Gestalt eines Jünglings

IX. Gott dargestellt als Pilger

X. Gott in Gestalt eines arbeitenden Mannes

XI. Gott der heiliger Geist

XII. Gott als Licht

XIII. Die Trinität Gottes bei Mechthild

XIV. Literaturverzeichnis

I. Das Bild Gottes in Mechthilds von Magdeburg „Fließenden Licht der Gottheit“

Das „Fließende Licht der Gottheit“ ist eines der bekanntesten Werke der deutschen Mystik des Mittelalters. Von Mechthild von Magdeburg verfasst verursachte es schon zu seiner Entstehungszeit, um 1250 nach Christus, heftige Diskussionen unter den Lesern. Auch oder besonders in der heutigen Zeit ist es immer noch schwierig die Sprache Mechthilds und somit ihre Offenbarungen Gottes und Aussagen zu deuten. In dieser Arbeit sollen die verschiedenen Gestalten Gottes im „Fließenden Licht der Gottheit“ und deren Bedeutung und Bezug zueinander gezeigt werden.

Das „Fließende Licht der Gottheit“ wurde von Mechthild in Mittelniederdeutsch verfasst, allerdings ist heute nur eine lateinische Übersetzung und eine oberdeutsche Übertragung bekannt. Die Handschrift aus dem Oberdeutschen lagert heute in der Stiftsbibliothek Einsiedeln und wurde zwischen 1343 und 1345 angefertigt.1 Alle biographischen Anhaltspunkte über Mechthild von Magdeburg kann man allein ihrem Werk und dessen Überlieferungsgeschichte entnehmen.2 Mechthild von Magdeburg wurde um 1207 in der Nähe von Zerbst bei Magdeburg geboren. Sie wuchs in höfischer Umgebung auf und hatte neben Vater und Mutter einen Bruder.2 Mit ungefähr 12 Jahren hatte Mechthild ihre erste Vision Gottes und entschied sich dann mit circa 20 Jahren aus ihrer Heimat wegzuziehen und in Armut eine vita religiosa zu leben. Sie schloss sich der Beginenkultur an, die ein Leben in Armut und Keuschheit, ohne ein klösterliches Gelübde vorschrieb.3

Um 1250 begann Mechthild ihre Visionen, Gebete und Liebesdialoge aufzuschreiben die als Sammlung unter dem Titel „Das fließende Licht der Gottheit“ zusammengefasst wurden. Von Krankheit schwer geplagt zog sie sich 1270 in das gegründete Zisterzienserkloster Helfta zurück, wo sie 1282 fast erblindet starb. Vor ihrem Tod entstand das siebte und letzte Buch ihres Werkes in Helfta. Schon zu Lebzeiten wurde ihr Werk bekannt und war der damaligen Kritik ausgesetzt, da Mechthild in ihren Schriften den Klerus und die Kirche stets hinterfragte und kritisierte.2

Bis zu ihrem Tod blieb Mechthild ihren Aussagen treu und schrieb „Wer mich gern noch zu Lebzeiten gesprochen hätte, und dies nun nicht mehr kann, der soll mein Buch lesen.“4 Das „Fließende Licht der Gottheit“ ist in sieben Bücher und deren Kapitel gegliedert. Das erste Buch umfasst 46, das zweite 26, das dritte 24, das vierte 28, das fünfte 34, das sechste 41 und das letzte 65 Kapitel. Die Texte unterscheiden sich stark voneinander und reichen von Prosa, über eine erzählerisch eingekleidete Gottes Rede, zu Lehrdialogen, Merkversen und allegorischen Erzählungen.5

Die Unterweisungen beinhalten neben Verhaltensanleitungen für den Klerus und den Adel, auch die Thematisierung komplizierter theologischer Sachverhalte wie die Trinität und die Existenz Gottes vor der Schöpfung.6 Die mystische Hochzeit, eine Form der unio mystica, der Vereinigung Gottes mit der Seele in Form einer Hochzeit, übernahm Mechthild vom heiligen Bernhard, der mit seiner Deutung des Hoheliedes diesen Begriff um 1136 prägte.7 Der Abt des Zisterzienserkloster Clairvaux erklärte seinen Mönchen das Hohelied des alten Testamentes mit Hilfe der göttlichen Liebe welche um die Seele des Menschen freit.8 Auch bei Mechthild steht die mystische Hochzeit im zentralen Kern ihrer Schriften. Diese mystischen Motive wurden von Mechthild mit höfischen Verhaltensregeln und der Sprache des Minnesangs erweitert. Das „Fließende Licht der Gottheit“ beschreibt einerseits die Vereinigung Gottes und andererseits auch die Qual der Gottesferne.5 Das Werk hat Mechthild über mehrere Jahrzehnte ihres Lebens intensiv beschäftigt, dabei ist sie in gewisser Weise selbst Gegenstand des Werkes, welches der Literaturwissenschaftler Max Wehrli als „innere Biographie“ bezeichnete: „Bildet den Inhalt des Fließenden Lichtes der Gottheit doch die Geschichte einer „minnenden sele“, die beherrscht wird von ihrer überwältigenden Gotteserfahrung.“5 Mechthilds Glaubensvorstellung ist nicht nur christozentrisch ausgerichtet sondern vom trinitarischen Gottesbild geprägt. Wie der Titel schon besagt ist die „immer überfließende Liebe Gottes“ ihre Hauptaussage. Mit ihrer bildlichen Sprache geht es Mechthild allerdings weniger um Sichtbares auf Unsichtbares zu beziehen, sondern sie will die Größe der Seele und damit auch die Größe des Menschen in seinem ursprünglichen Sein zeigen. Mechthild beschreibt die unio mystica mit drei Himmeln und der Abtrennung der Seele vom Körper.

In dieser Trennung unterscheidet sie drei Stufen der Befreiung. Auf der ersten Stufe wird ihr von Gott jede Frage und Bitte beantwortet, sie ist dabei noch in Besitz ihrer geistigen Kräfte und kann noch selbst aktiv handeln. Auf der zweiten Stufe dringt sie noch mehr in Gott ein und kann nichts mehr erfragen oder erbitten, sondern nur noch von Gott geleitet werden. Nach dieser Stufe werden die geistigen Kräfte in noch größere Empfängnis und Hingabe verwandelt, sie besitzt keine Eigeninitiative mehr. Auf der dritten Stufe gelangt sie in eine „unbeschreiblich wonnevolle Stätte“. Die Seele vergisst, dass sie jemals auf der Erde war, körperliche Existenz und Bewusstsein gehen ihr verloren. Mechthild betont aber, dass diese „ekstatische Spitze“ nicht von langer Dauer sei, jedoch eine solche „hochgezit“ oft auftreten kann, denn sie betont: „Wo sich zwei Geliebte oft begegnen, müssen sie auch oft voneinander gehen.“

Mit einem Ausdruck der höfischen Sprache, der fruitio amoris, beschreibt Mechthild auch die Vereinigung der Seele mit Gott und schreibt diesem eine hohe geistliche Erotik zu. Allerdings soll die Seele, wenn es am schönsten ist wieder in den Körper einfahren und bei diesem Rückfall wird die Seele „ersúfzen“ und der Körper wird dadurch wieder erwachen.9 Nach dieser Ekstase wird das Geschehen in Frage gestellt, zwischen Leib und Seele reflektiert und somit von der Seele als göttlicher „gruos“ erfasst.10 Da Gott sie in der Vereinigung küsst, steht dem Menschen in dieser unio eine höhere Seinsebene zur Verfügung. Mit dem „gruos“ Gottes, der zu jeder Zeit aus dem „vliessenden gotte“ herausströmt, kann der Mensch also das Wort Gottes empfangen.11 Dieses Schema des dreifachen Aufstiegs entspricht dem der Scheidung der Seele und des Leibes, wie ihn vor Mechthild schon Richard von St. Viktor 1162 beschrieben hat.12

II. Gott in Gestalt eines Fürsten

Folgender Textausschnitt aus dem ersten Buch, Kapitel IV, zeigt Gott als Fürsten:

„Swenne die arme sele kumet ze hove, so ist si wise und wol gezogen. So siht si iren got vroelichen an. Eya, wie lieplich wirt si da enpfangen! So swiget si und gert unmesseklich sines lobes. So wiset er ir mit grosser gerunge sin goetlich herze. Das ist gelich dem roten golde, das da brinnet in einem grossen kolefúre. So tuot er si in sin gluegendes herze. Alse sich der hohe fúrste und die kleine dirne alsust behalsent und vereinet sint als wasser und win, so wirt si ze nihte und kumet von ir selben.“13 Die wohlerzogene Seele kommt an den „Hof“ Gottes. Es wird hier ein Vergleich mit dem Reich Gottes und dem weltlichen Hof gezogen. Des weiteren wird Gott als „hoher fúrste“ und die Seele als „kleine dirne“ bezeichnet. Dies deutet auf den niedrigen Stand der Seele in der Gesellschaft hin und zeigt das Selbstverständnis der Begine Mechthilds. Der göttliche Fürst empfängt die Seelen an seinem Hof, so wie es ein weltlicher Fürst mit seinen Anhörungen des Volkes auch zu tun pflegt. Die Seele kommt allerdings erst an den Hof, wenn sie „wise und wol gezogen“ ist. Das ist auch am weltlichen Hof der Fall, erst wenn die guten Sitten beherrscht werden, kann man den Fürsten um eine Audienz bitten und vor ihn treten.

Die Seele begehrt „unmesseklich sines lobes“, hier kann man Gott als Vater sehen, dessen Kind sein Lob empfangen möchte. An dieser Stelle wird auch die unio mystica beschrieben „Alse sich der hohe fúrste und die kleine dirne alsust behalsent und vereinet sint als wasser und win, so wirt si ze nihte und kumet von ir selben.“ Die Seele fällt als Wassertropfen in den göttlichen Wein und vermischt sich mit diesem, der Unterschied von Farbe und Geschmack geht dabei verloren. Gott nimmt die Seele komplett in sich auf, diese vergisst dabei ihr irdisches Leben und wird eins mit ihrem Schöpfer. Diese Bild der unio mystica mithilfe von Wasser und Wein übernahm Mechthild ebenfalls von Bernhard von Clairvaux.

III. Gottes Darstellung als Berg

Im zweiten Buch, Kapitel XXI spricht Gott als Berg zu Mechthild: „Einen berg han ich gesehen, <...>, Der berg was niden wis wolkenvar und oben an siner hoehin fúrig sunnenclar. Sin beginnen und sin ende konde ich niena vinden, und binnen spilte er in sich selber vliessende goltvar in unzellicher minne. Do sprach ich: Herre, selig sint dú ovgen, dú dis minnesweben eweklich sont schowen und dis wunder bekennen, ich mag es niemer genemmen! Do sprach der berg: Dú ovgen, dú mich soent alsust sehen, dú muessent gezieret sin mit siben dingen, es mag in anders niemer beschehen. <...>“14

[...]


1 Vgl. Killy, Walther (1992): Literatur Lexikon, Band 8, S. 42.

2 Vgl. ebd. S. 40.

3 Vgl. Vollmann-Profe, Gisela (2010): Das fließende Licht der Gottheit, S. 670.

4 Vgl. Dinzelbacher, Peter (1985): Frauenmystik im Mittelalter, S. 144-145.

5 Vgl. Killy, Walther (1992): Literatur Lexikon, Band 8, S. 41.

6 Vgl. ebd. S. 42.

7 Vgl. Schuck, Johannes (1926): Das Hohe Lied, S. 7.

8 Vgl. Ebd. S. 8.

9 Vgl. Dinzelbacher, Peter (1985): Frauenmystik im Mittelalter, S. 129.

10 Vgl. ebd. S. 130.

11 Vgl. ebd. S. 125.

12 Vgl. ebd. S. 127.

13 Mechthild: Das fließende Licht der Gottheit, S. 26-29, Zeilen 24-32.

14 Mechthild: Das fließende Licht der Gottheit, S. 112, Zeilen 3-19.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die verschiedenen Gestalten Gottes in Mechthilds von Magdeburg „Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Deutungen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V336738
ISBN (eBook)
9783668262379
ISBN (Buch)
9783668262386
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gestalten, gottes, mechthilds, magdeburg, licht, gottheit, deutungen
Arbeit zitieren
Franziska Weithmann (Autor), 2013, Die verschiedenen Gestalten Gottes in Mechthilds von Magdeburg „Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Deutungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336738

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