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Patriarchalisches Frauenbild bei Heinrich von Kleist. Die Darstellung der Julietta in "Die Marquise von O"

Title: Patriarchalisches Frauenbild bei Heinrich von Kleist. Die Darstellung der Julietta in "Die Marquise von O"

Term Paper , 2016 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mathilda Ernstler (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die folgende Arbeit befasst sich mit der Frage nach der Beispielhaftigkeit Juliettas für das damalige patriarchalische Frauenbild, welches im 18. Jahrhundert vorherrschte. Im Zuge dessen wird die Novelle zunächst in den historischen Kontext eingeordnet, um die damaligen Konventionen, Lebensweisen, Ethik sowie Moral- und Wertvorstellungen besser aufzeigen und verstehen zu können. Daraufhin folgt die Erläuterung der Rolle der Frau im achtzehnten Jahrhundert, die das Patriarchat aufgreift und die Stellung der Frau unter männlicher Autorität behandelt.

Ebenso wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten Frauen als solche zu diesem Zeitpunkt der Geschichte besaßen und wo die vereinzelten Prozesse der Unterdrückung begannen. Darauf aufbauend folgt eine ausführliche Analyse der Julietta als Hauptfigur innerhalb Kleists Erzählung, die sowohl ihren gesellschaftlichen Stand als Witwe, ihre Rolle in der Familie, ihre Funktionalität als Mutter und Tradition und Emanzipation als Motiv des Ausbruchs behandelt. Der Argumentationsgang zur Beantwortung meiner Frage nach der Beispielhaftigkeit Juliettas in Bezug auf das patriarchalische Frauenbild im 18. Jahrhundert ist dabei wie eine Erörterung in Für und Wider gegliedert, die sich weitestgehend chronologisch an der Erzählung orientiert.

Die Marquise von O... wird oftmals als einer der bekanntesten Erzählungen von Heinrich von Kleist bezeichnet. Obgleich die Frage nach dem Bekanntheitsgrad nie eindeutig beantwortet werden kann, ist klar, dass die Erzählung rund um Julietta und ihre unerklärlichen Umstände sich im 19. Jahrhundert als wahres Skandalon herausstellten. Die Thematik rund um unehelichen Verkehr, unerklärbare Schwangerschaften, Vertreibung und Leid bis hin zum Motiv der Vergewaltigung und trotzdem vollzogener Ehe bedient vielerlei Tabus, die in Kleists Erzählung literarisch behandelt werden. So wirft Julietta als Hauptfigur sowohl in Bezug auf ihre Charakterisierung als auch ihre Handlungsmotive im Zeichen von Tradition und Emanzipation viele Fragen auf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einordnung des Werkes

3 Das Rollenbild der Frau im 18. Jahrhundert

4 Analyse der Figur der Marquise von O...

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Hauptfigur Julietta aus Heinrich von Kleists Novelle Die Marquise von O... als exemplarisches Beispiel für das patriarchalische Frauenbild des 18. Jahrhunderts betrachtet werden kann. Dabei wird analysiert, wie Julietta trotz emanzipatorischer Ansätze innerhalb familiärer und gesellschaftlicher Strukturen agiert.

  • Historischer Kontext und Frauenbild im 18. Jahrhundert
  • Stellung der Frau unter männlicher Autorität und Vormundschaft
  • Analyse der Figur Julietta: Witwenstand, Mutterrolle und Tradition
  • Spannungsfeld zwischen emanzipatorischen Ausbrüchen und gesellschaftlichen Konventionen
  • Die Bedeutung von Ehre, Moral und Familie in Kleists Werk

Auszug aus dem Buch

Analyse der Figur der Marquise von O.

Anhand des im letzten Kapitel thematisierten Rollenbildes und der historischen Entwicklung, die dieses durchlaufen ist, liegt eine Einordnung in den historischen Kontext der Figur der Julietta in das herrschende Patriarchat nahe. Als Frau eines Marquis und Tochter eines Obristen gehört sie der adeligen Gesellschaft an. Gemäß dem Wunsch beider Eltern begab sie sich nach dem Tod ihres geliebten Ehemanns in die Vormundschaft ihres Vaters, was dem eindeutigen Bild und den Erwartungen an eine Witwe entsprach. Dadurch positionierte sie der Witwenstand nicht nur am Rande weiblicher Existenzformen, sondern auch am Rand der gültigen familiären und rechtlichen Ordnung. Die männliche beziehungsweise väterliche Gewalt, unter der Julietta von diesem Zeitpunkt an zu leben pflegte ist ein erstes passendes Beispiel für die patriarchalische Familienkonstruktion im 18. Jahrhundert, da sie ihre bis dahin vorhandene Selbstständigkeit gegen den Schutz eines männliches Oberhaupts eintauscht.

So trägt diese Entscheidung doch merklich zu ihrem „vortrefflichen Ruf“ (S. M. 3) bei. Entgegen des patriarchalischen Prinzips der Ehe allerdings war der Grund, warum eben jene vollzogen wurde: So heiratete Julietta den verstorbenen Marquis aus Liebe und war ihm „auf das Innigste und Zärtlichste zugetan“ (S. M. 3). Wirft man einen genaueren Blick auf ihr Leben innerhalb des Anwesen ihres Vaters, so fällt auf, dass ihre alltägliche Beschäftigung nebst der Pflege ihrer Kinder und Eltern zwar von Interessen durchzogen war, sie solche aber nie direkt in die Tat umsetzte. Sie beschäftigte sich in ihrer freien Zeit mit „Kunst und Lektüre“ (S. M. 3) und hatte einen theoretischen Zugang zu Bildung und Ausprägung der Interessen, verlies jedoch im Rahmen dieser zur kriegsbedingten Räumung nie das Anwesen. Julietta verhält sich also erneut nach gesellschaftlichen Erwartungen und lebt „in größter Eingezogenheit“ (S. M. 3).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Novelle vor, benennt die Thematik rund um gesellschaftliche Tabus und definiert die Forschungsfrage bezüglich des patriarchalischen Frauenbildes.

2 Einordnung des Werkes: Das Kapitel verortet die Novelle im historischen Kontext des ausgehenden 18. Jahrhunderts, geprägt durch die Aufklärung und die napoleonischen Kriege.

3 Das Rollenbild der Frau im 18. Jahrhundert: Hier wird die Rolle der Frau als untergeordnetes Familienmitglied im Kontext gesellschaftlicher Konventionen und männlicher Vormundschaft erläutert.

4 Analyse der Figur der Marquise von O...: Dieses Kapitel analysiert Juliettas Handeln, ihre familiäre Abhängigkeit und ihre ambivalente Haltung zwischen Emanzipationsversuchen und gesellschaftlicher Anpassung.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Julietta trotz temporärer emanzipatorischer Züge ein Beispiel für die patriarchalische Ordnung darstellt, da sie letztlich in die traditionellen Strukturen zurückkehrt.

Schlüsselwörter

Die Marquise von O..., Heinrich von Kleist, Patriarchat, Frauenbild, 18. Jahrhundert, Emanzipation, Witwenstand, Familiäre Ordnung, Literaturanalyse, Geschlechterrollen, Aufklärung, Gesellschaftliche Konventionen, Vormundschaft, Moral, Tradition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Frauenfigur Julietta aus Heinrich von Kleists Novelle Die Marquise von O... im Kontext der patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen des 18. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Rolle der Frau, die väterliche Autorität, der Witwenstand, das Spannungsfeld zwischen Tradition und Emanzipation sowie der Einfluss gesellschaftlicher Moralvorstellungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob Julietta ein klassisches Beispiel für das patriarchalische Frauenbild des 18. Jahrhunderts darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse der Primärquelle sowie der Einbeziehung historischer und behavioristischer Sekundärliteratur, um die Figur Julietta zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Werkes, eine Untersuchung des allgemeinen Frauenbildes der Epoche und eine detaillierte Analyse der Figur Juliettas.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Patriarchat, Emanzipation, Geschlechterrollen, Kleists Novelle, 18. Jahrhundert, soziale Konventionen und familiäre Hierarchien.

Warum kehrt Julietta trotz ihrer Emanzipation am Ende in ihre Familie zurück?

Die Autorin argumentiert, dass für Julietta die Wahrung familiärer Anerkennung, Ehre und die Vermeidung gesellschaftlicher Schande schwerer wiegen als eine dauerhafte, autonome Existenz außerhalb der patriarchalischen Strukturen.

Welche Rolle spielt der Vater (der Obrist) für Julietta?

Der Obrist fungiert als strenges Familienoberhaupt, das Julietta in seiner männlichen Machtstellung dominiert und ihr Verhalten sowie ihre Lebensumstände maßgeblich beeinflusst.

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Details

Title
Patriarchalisches Frauenbild bei Heinrich von Kleist. Die Darstellung der Julietta in "Die Marquise von O"
College
Free University of Berlin  (Institut für deutsche und niederländische Philologie)
Course
Einführung in die neuere deutsche Literatur
Grade
1,0
Author
Mathilda Ernstler (Author)
Publication Year
2016
Pages
14
Catalog Number
V336782
ISBN (eBook)
9783668265790
ISBN (Book)
9783668265806
Language
German
Tags
Kleist Marquise von O. Frauenbild Frauen Patriarchat Rollenbild Heinrich von Kleist
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mathilda Ernstler (Author), 2016, Patriarchalisches Frauenbild bei Heinrich von Kleist. Die Darstellung der Julietta in "Die Marquise von O", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336782
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