Die besondere Eignung von Gedichten von Migrationsautoren für den sprachlichen Deutschunterricht - Ein Unterrichtsentwurf


Unterrichtsentwurf, 2003

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gründe für die Verwendung von Literatur im fremdsprachlichen Unterricht

3. Stellenwert der Migrationliteratur in der deutschen Literaturszene

4. Die besondere Eignung von Migrationsliteratur im fremdsprachlichen Unterricht

5. Begriffserklärungen

6. Zum Autor

7. Definition der Zielgruppe

8. Kriterien zur Textauswahl

9. Lehr und Lernziele

10. Einführungsphase

11. Phase des Wahrnehmens/ Verstehens

12. Phase des Erarbeitens

13. Phase des Aneignens

14. Phase der Anwendung

15. Kritische Reflexion zum Unterrichtsentwurf

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Diese Hauptseminarsarbeit entstand im Rahmen des Seminars „Literatur und Interkulturelles Lernen im Deutschen als Fremdsprache“. In diesem Seminar ging es um den Einsatz von literarischen Texten im Fremdsprachenunterricht.

Ich habe mich für eine Gedicht von Abdolreza Madjderey entschieden und werde es in dieser Arbeit didaktisieren. Bevor dies geschieht, wird ein theoretischer Einblick in die Migrationsliteratur geben. Für mich war es sehr interessant zu erfahren, warum gerade Migrationsliteratur für ausländische Studenten so geeignet ist. Außerdem möchte ich untersuchen, welchen Stellenwert die Migrationsliteratur in der deutschen Literaturszene hat. Ich werde auch in einem Kapitel einiges zu dem Autor Abdolreza Madjderey sagen. Dann schließt sich ein theoretischer Teil an.

Der didaktische Teil jedoch stellte mich vor einigen Schwierigkeiten. Bei einer Didaktisierung für den Fremdsprachenunterricht muss man unbedingt von einer „klassischen Gedichtinterpretation“, so wie wir es in der Schule gelernt haben, absehen. Das Modell von Werner Ingendahl erachte ich dabei als hilfreich.

Ich werde in meinem didaktischen Konzept die theoretische Betrachtung des Gedichtes auslassen, da den Lernern eine andere Sichtweise angeboten werden soll. Sie sollen mit Hilfe dieses Gedichtes Einblick in die fremde Kultur und deren Schwierigkeiten gewinnen und somit lernen, ihre eigene Kultur aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können.

Ich habe mich für dieses Gedicht entschieden, da ich der Meinung bin, das jeder der Lerner schon einmal vor so einer Situation stand. Jeder von uns erlebte in einer anderen Kultur mit Sicherheit eine Situation, wo er nicht das richtige Wort dafür fand. Ich selbst habe diese Erfahrung oft im Ausland gemacht, und nur durch Umschreiben gelang es mir, das auszudrücken, was ich sagen wollte. Aber eine Übersetzung „eins zu eins“ war nicht möglich, und so geht oft dem eigentlichen Inhalt und seiner Sprachvielfalt einiges verloren.

Der deutsche Schriftsteller Karlheinz Deschner sagte einmal: “OFT BLEIBT VOM GEDICHT IN DER DEUTSCHSTUNDE WENIGER ALS VON DER LINDE IM TEE.“[1] Ich möchte, dass von dieser Hausarbeit und der damit verbundenen Didaktisierung mehr übrig bleibt, als vom Tee der Linde. Ich möchte meine Lerner ermutigen, über ihre eigene und über die fremde Kultur nachzudenken.

2. Gründe für die Verwendung von Literatur im fremdsprachlichen Unterricht

Viele sind der Meinung, im kommunikativen Deutschunterricht hätte Literatur nichts zu suchen. Die Lerner wollen vorbereitet werden auf das Leben außerhalb der Schule, die Realsituation soll im Vordergrund stehen. Und schließlich sei Literatur alles andere als real. In diesem Ansatz spielt die Literatur im fremdsprachlichen Unterricht keine Rolle.

Heidi Rösch dagegen äußert sich wie folgt zur Verwendung von literarischen Texten im Fremdsprachenunterricht „Literatur ist für mich kein Anschauungsmaterial zur Bearbeitung bestimmter Themen, sondern ein gesellschaftlich, politisch und kulturell nach wie vor relevantes Kommunikationsmedium, das zur Bildung von Meinungen, Vorstellungen, und Weltsicht beiträgt und die Entwicklung von Kultur-, Selbst- und Sozialbewusstsein unterstützt.“[2] Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Heute wird von einem guten Deutschunterricht erwartet, dass die Kommunikation im Vordergrund steht, und dazu zählt auch die Integration von literarischen Werken. Denn dieser Unterricht soll auch lebendig, motivierend und herausfordernd gestaltet sein. Denn nicht immer ist eine echte Kommunikation mit einem Deutschen gewährleistet und dies könnte dazu führen, dass der Unterricht sehr demotivierend ist. „Kreativer Umgang mit Literatur ist eine Möglichkeit, der Langenweile des Sprachunterrichts ein Schnippchen zu schlagen.“[3]

Aber nicht jeder Umgang mit Literatur sorgt für einen motivierenden Sprachunterricht. Kast schreibt folgendes dazu: „Die Texte werden solange durch den sprachdidaktischen Fleischwolf [ge] dreht, bis von Literatur nichts mehr übrig blieb.“[4]

Übungen zur Grammatik, Textverständnis in Form von Richtig- Falsch Aufgaben und Lückentexten sind nach Kast Meinung hier nicht angebracht,

denn mit Literatur hätte dies wenig zu tun. Auf eine gute Didaktisierung sollte auf jeden Fall geachtet werden.

Ebenfalls für die Verwendung von Literatur im Fremdsprachenunterricht plädiert Harald Weinrich. Er kritisiert, dass den Fremdsprachenlernenden im Anfängerunterricht aufgrund der Komplexität ein literarischer Text vorenthalten wird und diese statt dessen mit progressiv konstruierten Texten arbeiten. Er sagt dazu: „Diesen Schonraum, in dem literarische Texte ausgespart bleiben, ist verheerend, weil mit der Komplexität auch Leben aus dem Sprachunterricht ausgetrieben wird.“[5]

Infolgedessen soll mit authentischen literarischen Texten im Anfängerunterricht begonnen werden, aber zu beachten ist immer, das der Wortschatz gut zu verstehen ist. Es muss ein Text gewählt werden, der die Lernenden sprachlich nicht überfordert, denn komplettes Nichtverstehen eines Textes ist sehr demotivierend und bewirkt das Gegenteil eines guten Sprachunterrichtes.

Die Bearbeitung eines literarischen Textes im Fremdsprachenunterricht kann dazu beitragen eine andere Kultur besser verstehen zu können. Und die eigene Kultur kann dadurch auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Der Perspektivenwechsel im fremdsprachlichen Literaturunterricht kann dadurch gefördert werden. „Mit der Rollenübernahme geht der Lernende einen Schritt in Richtung Reflexion der Fremdheit und der eigenen Erfahrungswelt, die eigenen Normen werden konfrontiert mit den im Text vermittelten. Die eine Kultur, die des Lesers, tritt in einen Dialog mir der anderen, der des Textes“, so Kast.[6] Die fremde Perspektive ist ihm somit dreifach fremd: „als literarischer Text, in der fremdem Sprache, und aus einer fremden Kultur.“[7]

Ich halte es für unerlässlich, Literatur im Fremdsprachenunterricht zu verwenden, wenngleich auch auf das Niveau des Textes für den Lerner zu achten ist.

Bernd Kast nennt in „Fremdsprache Deutsch“ drei Kriterien, die bei der Durchführung des fremdsprachigen Deutschunterricht eine entscheidende Rolle spielen und von großer Tragweite sind:

- Bei der Beschäftigung mit Literatur geht es primär um die Aktivität, Spontanität und Internationalität des einzelnen Schülers: sie sind zu fördern.
- Es gibt nicht eine von allen zu akzeptierende Interpretation eines Textes, sondern so viele Interpretationen wie es Schüler/ Leser gibt.
- Die Schüler/ Leser stellen dem Text ihre Fragen, ausgehend von ihren Bedürfnissen,
- Erfahrungen, Erwartungen und Wünschen.[8]

3. Stellenwert der Migrationliteratur in der deutschen Literaturszene

Die Migrantenliteratur, die auf der Arbeitsmigration und somit auf der Wanderbewegung basierte, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil der deutschen Kultur geworden. Dies wird auch deutlich mit den Worten von Max Frisch: „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen.“[9]

Somit sollte man nie vergessen, wenn zwei völlig verschiedene Kulturen aufeinander treffen, ist dies gleichzusetzen, wenn sich zwei Menschen neu kennen lernen.

Im weiteren Verlauf möchte ich versuchen zu erklären, warum es die Migrantenliteratur so schwer hatte, in der deutschen Literatur Fuß zu fassen.

Es gibt natürlich sehr viele Gründe, „besonders personenspezifische Gründe, die das Fußfassen“[10] dieser Literatur erschweren. Besonders die türkische Migrantenliteratur zeichnet sich in erster Linie durch eine Gesellschaftskritik aus, die als Folge der Arbeitsmigration in den sechziger Jahren entstanden ist. Diese Art von Literatur trägt die Funktion der Überwindung des durch die Migration verursachten Kulturschocks und zur der Kulturvermittlung bei. Dieser Kulturschock führt zu einer Verteidigungsaktion, die sich literarisch niederschlägt. (nach: www. geocities.com/alandili1/Migrantenlit.htm. Seite 1: Stand: 10.11. 2003)

Die meisten Autoren schrieben deshalb aus ihrer sozialen Misslage heraus, ohne die deutsche Gesellschaftsstruktur zu kennen. Dies hatte zur Folge, dass „eine Reduzierung der Adressatengruppen“[11] auftrat. Denn der deutsche Durchschnittsleser, interessierte sich nicht dafür. Oft fehlte den Schriftstellern auch das ideale Maß an objektiven Kriterien und somit wurde

in vielen literarischen Werken übertrieben oder unterschätzt, um den „bösen Deutschen“ darzustellen.

Ein weiterer Grund ist, dass die viele Migranten z. B. über das Zurücklassen ihrer Familie in der Heimat schreiben. Sicherlich ist es für den deutschen Leser interessant, über die Lebenssituation der Migranten etwas zu erfahren, „aber diese Thematik darf im gesamten Handlungsstrang dieser Literaturgattung nicht überwiegen.“[12] Denn wenn eine multikulturelle Adressatengruppe angesprochen werden soll, dann muss auch die Themenwahl multikulturelle Ansatzpunkte besitzen.

[...]


[1] Duden Band 12: Zitate und Aussprüche S. 610

[2] Rösch Heidi: Interkulturell unterrichten mit Gedichten S. 109

[3] Kast, Bernd: Literatur im Anfängerunterricht S. 4

[4] EBD. S. 4

[5] Kast, Literatur im Anfängerunterricht S. 4

[6] EBD. S. 6

[7] EBD. S. 10

[8] Kast: Literatur im Anfängerunterricht S. 7

[9] www. geocities.com/alandili1/Migrantenlit.htm. Stand: 10.11. 2003 S. 1

[10] www. geocities.com/alandili1/Migrantenlit.htm. Stand: 10.11. 2003 S.1 3 www. geocities.com/alandili1/Migrantenlit.htm. Stand: 0.11. 2003 S. 3

[12] www. geocities.com/alandili1/Migrantenlit.htm. Stand: 10.11. 2003 S. 3

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die besondere Eignung von Gedichten von Migrationsautoren für den sprachlichen Deutschunterricht - Ein Unterrichtsentwurf
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V33681
ISBN (eBook)
9783638341004
ISBN (Buch)
9783638723947
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eignung, Gedichten, Migrationsautoren, Deutschunterricht, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Juliane Richter (Autor), 2003, Die besondere Eignung von Gedichten von Migrationsautoren für den sprachlichen Deutschunterricht - Ein Unterrichtsentwurf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33681

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