Agrarrevolution in Großbritannien


Essay, 2007

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Literatur zur Thematik

2. Vorgeschichte - Bevölkerungswachstum und Arbeitskräfteüberschuss

3. Vorbedingungen und Umwandlungen in der Landwirtschaft

4. DieVeränderungen inderLandwirtschaft

5. Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

1. Einleitung

Die Industrielle Revolution ist laut Eric J. Hobsbawm „die gründlichste Umwälzung menschlicher Existenz in der Weltgeschichte, die jemals in schriftlichen Dokumenten festgehalten wurde“[1]. Es war Großbritannien, welches zum Ursprung dieser großen Umwälzung wurde und so anfangs eine Monopolstellung innehatte, bis auch andere Länder industrialisiert wurden. Auf diese Umwälzungen hatte nicht zuletzt auch die Landwirtschaft großen Einfluss, da sie die einzige reguläre Nahrungsquelle im Land war.[2]

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage nach der Bedeutung der Agrarrevolution in Großbritannien für die industrielle Revolution sowie den Auswirkungen der Industriellen Revolution auf die Landwirtschaft und ihre Strukturen.

Diese Fragestellung ergibt sich vor allem aus der Beobachtung, dass es zur Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts in Großbritannien üblich war, dass jemand aus der oberen Schicht entsprechendes Gut in Form von Ländereien und einen Landsitz vorzuweisen hatte. Somit bestimmte der Grundbesitzeigentümer als wichtige und einflussreiche Interessengruppe die Politik und das Gesellschaftsleben Großbritanniens maßgeblich mit.[3]

Um den Weg zur Agrarrevolution in Großbritannien aufzuzeigen, werden vorwiegend die Jahre 1660 bis 1850 betrachtet.

Der Hauptteil der Arbeit gliedert sich in vier Teile. Der erste Teil behandelt die Vorgeschichte der Industriellen Revolution in Großbritannien allgemein und geht dabei insbesondere auf das Bevölkerungswachstum und den damit einhergehenden Arbeitskräfteüberschuss ein.

Daran an schließt sich der zweite Teil, welcher die ländlichen Vorbedingungen und die einhergehenden Umwandlungen in der Landwirtschaft erörtert.

Im dritten Teil schließlich werden die Veränderungen in der Landwirtschaft beschrieben und die damit einhergehende Bedeutung dieser Agrarrevolution für die eigentliche Industrielle Revolution deutlich gemacht, um sich ein Urteil über die Bedeutung der Agrarrevolution in Großbritannien für die Industrielle Revolution bilden zu können.

1.1 Literatur zur Thematik

Im Folgenden sollen die der Arbeit zugrunde liegende wichtigste Literatur und Quellen genannt, sowie deren Inhalt und eventuell darin vorhandene wichtige Standpunkte bzw. persönliche Meinungen dargestellt werden.

Ein wichtiges Werk über die britische Sozial- und Wirtschaftsgeschichte mit dem Titel ,, Industrie und Empire I“ verfasste der Soziologe Eric J. Hobsbawm im Jahre 1968.[4] Dabei wird eine Übersicht über die Entwicklung der englischen Wirtschaft und die Geschichte des britischen Empire vom 18. Jahrhundert bis in seine Zeit gegeben. Für diese Arbeit sind dabei besonders seine detaillierten Ausführungen zu den sozialen Verhältnissen des 18. Jahrhunderts sowie zur Landwirtschaft im Zeitraum 1750 bis 1850 interessant, welchen er ein eigenes Kapitel widmet. Außerdem gibt er in einem umfangreichen Anhang sehr brauchbare Statistiken und weitere Quellen an.

Ebenfalls aus dem Jahre 1968 stammt eine Arbeit von G. E. Mingay, einem Professor für Agrargeschichte mit dem Titel „Enclosure and the Small Farmer in the Age of the Industrial Revolution“.[5] Darin beschreibt er nicht nur die grundlegenden Änderungen in der britischen Landwirtschaft während der Zeit der Industriellen Revolution, sondern die Folgen der Einhegungen und kommt zum Schluss, dass die Agrarrevolution nicht nur durch den landläufig so dargestellten großen Niedergang der kleinen Farmer zu erklären ist, sondern gibt auch die Industrie und den Handel als Ursache mit an.

Einen Überblick und Vergleich der Veränderungen in der Landwirtschaft liefert das Buch von Carlo M. Cipolla (Hrsg.), in denen der Landwirtschaft eine große Bedeutung beigemessen wird und die nicht nur den zeitlichen Ablauf in Europa und Nordamerika darstellt, sondern sich insbesondere auf die Vorreiterrolle Großbritanniens konzentriert sowie den Zusammenhang zwischen dem Niveau der landwirtschaftlichen und der industriellen Entwicklung in einem Land anhand von Statistiken und Quellen darlegt.[6]

Ein aktuelleres Werk liefert J.V. Beckett in seinem Buch „The Agricultural Revolution“ aus dem Jahre 1990.[7] Das interessante für die vorliegende Arbeit ist dabei nicht nur, dass es relativ aktuell ist und sich dem Thema Agrarrevolution in Großbritannien im Speziellen widmet, sondern dass Beckett in seinem Werk Zweifel an der in den vorangegangenen Werken enthaltenen Aussage hegt, dass die Agrarrevolution ab 1700 stattgefunden hat. So meint er, dass die ganze Thematik viel zu komplex sei, um sie nur auf dieses Anfangsdatum zu beziehen, und dass viel mehr eine Hand voll Ursachen für die Agrarrevolution schon früher zu suchen und auch zu finden seien. Dies versucht er besonders an den Einhegungen seit der Zeit um 1500 zu belegen. Jedoch ist dabei anzumerken, dass es in der Geschichtswissenschaft natürlich überall Ereignisse und Ursachen gibt, die in früheren Zeiträumen liegen, und spätere Entwicklungen beeinflusst haben und auch weiter beeinflussen. Dies liegt in der Natur der Sache und ändert nichts an gewissen wichtigen Zeiträumen und Klassifizierungen für gewisse gravierende Veränderungen wie der Agrarrevolution in Großbritannien.

Ein hervorragendes Buch über Großbritanniens Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert hat Richard Brown geschrieben.[8] In diesem relativ aktuellen Werk geht er nicht nur auf die Entwicklung Großbritanniens allgemein ein, sondern beginnt bei der Geographie und der Gesellschaft und führt dabei viele Statistiken und Graphiken an, welche seine Aussagen untermauern. Er beschreibt die Veränderungen auf dem Land und stellt dabei Zusammenhänge zu den Kolonien und den britischen Überseehandel ebenso dar wie die Neuerungen in der Technik und die Entwicklung der Löhne und des Lebensstandards der britischen Bevölkerung. Dabei beleuchtet er den Zeitraum von 1700 bis 1850 sehr detailliert und zeigt somit die britische Vorreiterstellung im Bezug auf die Agrarrevolution aber auch im Bezug auf die Industrielle Revolution im Vergleich zu anderen europäischen Ländern auf.

Ein ähnliches Werk, welches sich aber kürzer fasst und die gesamteuropäische Entwicklung der Industriellen Revolution, und damit auch der Agrarrevolution darstellt, ist das Buch von David S. Landes aus dem Jahre 1983.[9] Darin wird der technologische Wandel und die technische Entwicklung in Westeuropa von 1750 bis in die Neuzeit zusammengefasst und entsprechend dargestellt.

Natürlich basiert diese Arbeit noch auf weiteren Literaturangaben, welche hier aber nicht explizit weiter aufgeführt werden sollen. Um hier nicht den Rahmen zu sprengen, sind sie in der Bibliographie am Ende dieser Arbeit aufgelistet.

2. Vorgeschichte - Bevölkerungswachstum und Arbeitskräfteüberschuss

In der britischen Wirtschaft gab es große Kapitalreserven durch den Kolonial- und Sklavenhandel und im Gegensatz zu Kontinentaleuropa einen hoch entwickelten Wirtschaftsliberalismus ohne Zunft- und Zollschranken. Zudem herrschte eine hohe Investitionsfreudigkeit, zunächst nur bei Adeligen aus landwirtschaftlichen Einkünften, danach aber auch zunehmend im Bürgertum.[10]

Außerdem sank in der britischen Gesellschaft die Sterberaten durch medizinische und hygienische Verbesserungen, deshalb gab es als Folge daraus genügend verfügbare Arbeitskräfte.[11]

Die Infrastruktur und Ressourcen waren aufgrund der günstigen Verkehrswege wie das Meer, die Flüsse, Kanäle und Straßen und deren effizienten Ausbau sehr gut.[12]

Kurzum Großbritannien hatte eine Vormachtstellung als Handels- und Kolonialmacht, die es sich im Dreißigjährigen Krieg, im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und den Kriegen zuvor erkämpft hatte.[13]

Es herrschte zudem keine strenge Ständeordnung vor und es gab eine für damalige Verhältnisse relativ offene Gesellschaftsstruktur. So konnten Adel und Bürgertum Ehen schließen und der Adel arbeitete auch, denn Arbeit war "Gottes Wille".[14]

England war wie bereits angedeutet im 18. und 19. Jahrhundert die größte Kolonialmacht und konnte kostengünstig Baumwolle aus Amerika importieren. Die Industrielle Revolution begann in England mit der Textilindustrie.[15] Als erste Antriebskraft für die Industrialisierung muss man allerdings die Bevölkerungsexplosion ab Mitte des 18. Jahrhunderts bis spät ins 19. Jahrhundert betrachten. Bessere medizinische Praktiken und Erkenntnisse sowie das Ausbleiben von Hungersnöten waren Hauptgründe dafür.

Es reichte also die ursprüngliche Weise der Landwirtschaft nicht aus, um die schnell wachsende Bevölkerung Englands zu ernähren, da diese noch auf der Dreifelderwirtschaft basierte. Folglich musste eine Agrarrevolution für mehr Nahrung sorgen. Die Dreifelderwirtschaft wurde durch die viel produktivere Fruchtwechselwirtschaft ersetzt.[16]

Unternehmer begannen, sich mit der Agrarwirtschaft zu beschäftigen. Die vorher überwiegenden Bauern fingen an, in die Städte abzuwandern und dort Arbeit zu suchen. Diesen Vorgang nennt man Urbanisierung.

[...]


[1] Hobsbawn, Eric J.: Industire und Empire I, Seite 11

[2] Ebd., S. 98

[3] Ebd., S. 99

[4] Hobsbawm, Eric J.: Industry and Empire. An Economic History of Britain since 1750, London 1968.

[5] Mingay, G. E.: Enclosure and the Small Farmer in the Age of the Industrial Revolution, London 1968.

[6] Cipolla, Carlo M.(Hrsg.): Die Industrielle Revolution, New York 1976.

[7] Beckett, J. V.: Historical Association Studies. The Agricultural Revolution, Cambridge 1990.

[8] Brown, Richard: Society and Economy in Modern Britain 1700-1800, London 1991.

[9] Landes, David S.: Der entfesselte Prometheus, Cambridge 1968.

[10] Brown, Richard: Society and Economy in Modern Britain 1700-1850, S. 162 f.

[11] Hobsbawm, Industrie und Empire I,S.41f.

[12] Ebd., S. 147

[13] Hausherr, Hans: Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit, S. 252 f.

[14] Hobsbawm, Industrie und Empire I, S. 101

[15] Brown, Society and Enonomy in Modern Britain 1700-1800, S. 169 f.

[16] Hausherr, Wirtschaftsgeschichte derNeuzeit, S. 287 ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Agrarrevolution in Großbritannien
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Neuere Geschichte I
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V336848
ISBN (eBook)
9783656984702
ISBN (Buch)
9783656984719
Dateigröße
957 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Agrarrevolution, industrielle Revolution, Hobsbawm, Landwirtschaft
Arbeit zitieren
Martin Schneider (Autor), 2007, Agrarrevolution in Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336848

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