Integration von Spätaussiedlern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Geschichte der Russlanddeutschen

2. Bildungssituationen für Spätaussiedler in der Bundesrepublik

3. Sprachsituation der Spätaussiedler

4. Die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten

5. Interview

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich mich mit der Integration von Spätaussiedlern in der niederschlesischen Oberlausitz beschäftigen. Mir ist beim studieren der Literatur aufgefallen, dass die Integration von Spätaussiedlern schon oft behandelt wurde. Dies wurde oft allgemeingültig behandelt und mir kam der Gedanke die Integration von Spätaussiedlern in einer bestimmten Region zu erkunden. Meine Heimat ist die niederschlesische Oberlausitz und mir war es wichtig, diese Region mit der Problematik Integration Spätaussiedler näher zu betrachten.

In dieser Arbeit werde ich als erstes auf die Geschichte der Russlanddeutschen eingehen. Als ich die Geschichte der Russlanddeutschen verstand, wurde mir auch klar, warum diese Menschen nach Deutschland kommen wollen. Denn die russische Heimat war keine Heimat.

Danach gehe ich auf die Bildungssituation für Spätaussiedler in der BRD ein.

Anschließend möchte ich mich mit der Sprachsituation der Spätaussiedler beschäftigen. Ich habe selbst Spätaussiedler unterrichtet und oft kam mir die Frage, warum z.B. die Motivation den Unterricht zu besuchen so gering ist.

Als nächstes werde ich auf die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten eingehen. Das Sächsische Kultusministerium hat am 24. August 2000 eine Konzeption erarbeitete. Mir ist es wichtig diese Konzeption zu diskutieren, da Theorie und Praxis oft weit auseinander liegen.

Der Hauptschwerpunkt dieser Arbeit liegt im Kapitel 5. Ich habe ein Interview mit dem Chef des Jugendgemeinschaftswerkes Weißwasser durchgeführt. Denn wie schon erwähnt, ist es mir wichtig, die Praxis von Integration näher kennen zu lernen. Dabei habe ich dieses Interview in vier Kategorien unterteilt. Als erstes möchte ich Allgemeine Angaben, wie z.B. das Anstellungsverhältnis ist, wissen. Darauf hin ist es mir wichtig die Schul und Sprachsituation näher zu betrachten. Als letztes gehe ich auf die regionalen Besonderheiten von Weißwasser ein.

1. Geschichte der Russlanddeutschen

Migration und Wanderungsbewegungen hat es in allen geschichtlichen Epochen gegeben, z.B. Völkerwanderung der deutschen im Mittelalter nach Ungarn oder Rumänien oder Engländer und Franzosen nach Nordamerika.

Die eigentliche Geschichte der Deutschen in Russland hat vor fast 240 Jahren begonnen. Am 14. Oktober 1762 erlässt Katharina II. Einladungsmanifeste für ausländische Kolonisten zur Niederlassung in Russland. Natürlich war die Einladung nicht uneigennützig, denn es wurden damit ökonomische und strategische Ziele verfolgt. Die ökonomischen Ziele waren: brachliegende Gebiete sollten urbar gemacht werden, die Versorgungssituation sollte verbessert werden und somit sollte der allgemeine Wohlstand durch ausländische Fachkräfte erhöht werden. Die strategischen Ziele waren: Die Ansiedlung in Grenzregionen sollte den Schutz vor noch nicht unterworfenen Nachbarvölkern verbessern. Es ging also eindeutig um die Stärkung der Macht des Zarenreiches, nur dazu wurden Auswanderer gebraucht. Das erste Manifest blieb im Wesentlichen ohne Reaktion im Ausland, da es kaum nennenswerte Rechte für die eingeladenen Kolonisten enthielt. Am 22. Juli 1763 erlässt Katharina II. ein weiteres Manifest, dass nun mehr Privilegien und Vergünstigungen für die eingeladenen Kolonisten enthielt. Diese waren: Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst, 30 Jahre Steuerfreiheit und kommunale Selbstverwaltung.

Besonders Deutsche aus Hessen, Baden und der Pfalz folgten dieser Einladung, denn durch den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zustand in Deutschland, den Missernten und Hungersnöten im Gefolge des Siebenjährigen Krieges, die nicht vorhandene Religionsfreiheit und der lange Militärdienst führten zu der Entscheidung, nach Russland auszuwandern. Die Ansiedlung in Russland war trotzdem eine folgenschwere Entscheidung, zumal die russische Regierung nicht alle Versprechen hielt. So durften sich die Auswanderer aus Deutschland ihren Wohnort in Russland nicht frei wählen, sondern wurden in extra dafür festgelegten Gebieten angesiedelt. Das war zunächst das Gebiet um Saratow an der Wolga. Den Bauern fehlte die Erfahrung mit anderen Boden- und Klimabedingungen und die Handwerker wurden zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten gezwungen. Somit waren die ersten Jahre und Jahrzehnte für die deutschen Aussiedler äußerst mühevoll und beschwerlich.

Am 20. Februar 1804 erlässt Zar Alexander I. (Enkel von Katharina II.) ein weiteres Manifest zur Ansiedlung von Deutschen. Dieses Mal erfolgte die Ansiedlung im Schwarzmeerraum und im Kaukasus. Diese Gebiete waren weitgehend menschenleer. Nur noch erfahrene Bauern sollten aufgenommen werden. Nach dieser 2. Einwanderungswelle stabilisierten sich die Lebensverhältnisse der Deutschen in Russland. Durch Fleiß und Bescheidenheit schufen sie sich allmählich gute Lebensbedingungen: Sie errichteten blühende Gemeinwesen, bauten Schulen und Kirchen. Als ab 1870 überall in Europa der Nationalismus um sich greift, geht das natürlich auch nicht an Russland vorüber. Unter der Losung: „Russland den Russen“ wächst der Druck auf die deutschen Auswanderer. Sämtliche Privilegien aus der Anfangszeit werden nach und nach gestrichen und Deutsch als Amtssprache wird in den von Deutschen bewohnten Gebieten verboten. Schon vor, aber vor allem während des 1. Weltkrieges wird der Gebrauch der deutschen Sprache als Umgangssprache offiziell verboten.

Die Oktoberrevolution 1917 brachte Vor- und Nachteile für die Deutschen in Russland. So durfte an den Schulen kein Religionsunterricht mehr erteilt werden. Erleichterungen brachte zunächst auch Lenins Nationalitätenpolitik, die den Minderheiten im Vielvölkerstaat Russland im Unterschied zur zaristischen Vorkriegspolitik, begrenzte Autonomierechte verlieh, wenngleich als Fernziel bolschewistischer Politik immer die Verschmelzung der unterschiedlichen Nationalitäten zu einem einheitlichen Sowjetvolk klar war.

So wurde am 19. Oktober 1918 das Dekret über die Autonomie des Gebietes der Wolgadeutschen beschlossen. Am 27. März 1924 wurde dieses autonome Gebiet in die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen umgewandelt. Auf einer Fläche von 27 400 Quadratkilometern lebten 1924 ca. 660 000 Menschen mit 28 verschiedenen Nationalitäten, darunter waren 70 % Deutsche. Die Jahre bis 1930 waren noch einmal eine Blütezeit für die Deutschen in Russland. Der Gebrauch der deutschen Sprache war gesichert, in der Wolgarepublik sondern Amts- und Unterrichtssprache bis 1941. Die deutsche Kultur mit Theater und Literatur blühte noch einmal auf.

Eine enorme Verschlechterung der Lage der Deutschen in Russland setzte mit der Kollektivierung der Landwirtschaft in den Jahren 1930 – 1932 ein. Da viele Deutsche über Grundbesitz verfügten, waren sie von diesen Maßnahmen besonders betroffen. Vermögendere Bauern wurden gleich erschossen oder in Gulags (Arbeitslager) verschleppt, wo viele nach kurzer Zeit starben. Viele Familien wurden schon in dieser Zeit in entlegende und unfruchtbare Gebiete deportiert. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann der eigentliche Leidensweg für sämtliche in Russland lebende Deutsche. Kurz nach Kriegsbeginn begann der russische Geheimdienst (NKWD) mit der Deportation der Deutschen. Begründet wurden diese Maßnahmen mit der angeblichen kollektiven Verschwörung dieser Bevölkerungsgruppe gegen die Sowjetregierung. Die ersten Deportationen begannen am 20. August 1941 auf der Halbinsel Krim. In der Zeit vom 3. – 20. September 1941 wurden 365 800 Personen deutscher Nationalität nach Kasachstan und Sibirien deportiert, ab Oktober liefen die Deportationen aus dem Kaukasus. Die Transportbedingungen waren katastrophal, die Güterwagen blieben während der Fahrt plombiert, Trinkwasser stand in den heißen Zonen Zentralkasachstans nur in ungenügender Menge zur Verfügung und die hygienischen Bedingungen waren unerträglich. Während der mehrwöchigen Fahrt starben viele Menschen, besonders viele Opfer gab es unter den Kindern. Irgendwo in den Weiten Kasachstans, vor allem im Norden und Nordosten werden die Menschen im kasachischen und sibirischen Winter aus den Zügen gestoßen und müssen für sich selbst sorgen. Ohne Wohnungen, ohne Lebensmittel, ohne Strom und ohne Heizmaterial hausen sie die ersten Monate und Jahre in Erdhöhlen. Viele erfrieren, verhungern oder sterben an Krankheiten.

Sie werden unter „Kommandantur“ gestellt, d. h. sie müssen sich in kürzeren Abständen bei den Behörden melden, sie dürfen ihren Wohnort nicht verlassen, sie sind ohne Bürgerrechte, sie werden in jeder Hinsicht benachteiligt, denn sie sind keine Menschen mehr, sondern sie sind „Deutsche“ also Faschisten. Männer im Alter von 16 – 50 Jahren werden zur Arbeitsarmee eingezogen, dass waren Zwangsarbeitslager mit Stacheldraht und Bewachern. Unter härtesten Bedingungen mussten diese Menschen im Bergbau und in der Holz- und Rüstungsindustrie arbeiten oder neue Industrieanlagen, Städte und Straßen errichten. Auch hier starben viele Menschen. Ende der 40iger Jahre wurde die Arbeitsarmee aufgelöst, die wenigen Überlebenden können zu ihren Familien zurückkehren, falls diese noch am Leben waren. Am 13. Dezember 1955 wird vom Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR mit einem Dekret das System der „Kommandantur“ beendet. In diesem Dekret wurde aber gleichzeitig festgelegt, dass die Deutschen aber nicht in ihre Wohnorte vor 1941 zurückkehren dürfen und auch nicht für verlorenes Eigentum entschädigt werden. Mit viel Fleiß schaffen sich die Deutschen in Russland in den folgenden Jahren wieder eine wirtschaftliche Lebensgrundlage. Da es nur noch vereinzelt geschlossene Siedlungsgebiete gibt, gemischt- nationale Ehen zunehmen und Deutsche nach wie vor „Faschisten“ sind, wächst der Druck zur Assimilation. Die Beherrschung der deutschen Sprache geht dadurch bei der jüngeren Generation allmählich zurück.

Seit 1989 werden die Ausreisebedingungen wesentlich leichter und somit schwillt der Strom der Aussiedler nach Deutschland an. Bis 1995 kommen jährlich ca. 220 000 Menschen nach Deutschland zurück. Ein brutaler Nationalismus, vor allem in Kasachstan, die unsichere wirtschaftliche Lage, aber auch die Tatsache, dass schon viele Familienangehörige in Deutschland leben, lässt die Menschen nach wie vor nach Deutschland kommen, obwohl es weniger sind, als noch vor einigen Jahren.

2000 waren es erstmals unter 100 000, 2002 nur noch 90 000 Menschen die nach Deutschland kamen.

Nach fast 240 Jahren Geschichte von Deutschen in Russland bleibt die bittere Erkenntnis: das Land, dessen Regierende diese Menschen einst gerufen hatten um am Aufbau dieses Landes mitzuwirken, hat diesen Menschen bitteres Unrecht zugefügt. Auch heute ist dort kein Platz mehr für sie, denn niemand will sie haben. Wo aber werden sie einen neuen Platz zum Leben finden, werden sie ihn hier in Deutschland finden?

2. Bildungssituationen für Spätaussiedler in der Bundesrepublik

Für Aussiedlerjugendliche ist die Situation im Deutschkurs völlig neu – einerseits die Unterrichtsinhalte und die didaktisch-methodischen Verfahren – andererseits auch die Lehrwerke.

Es sind starre Vermittlungsmethoden, das wenig Eingehen auf einzelne Schüler, und die Verbreitung der politisch-ideologischen Wertvorstellungen, die in der Bundesrepublik nie vorkommen, die den Schüler so unsicher machen. In der Bundesrepublik gibt es eine Differenzierung von Schule und Unterricht, moderne Vermittlungsmethoden und eine Vielfalt von Unterrichtsmaterialien und demokratische Bildungsziele. Natürlich sieht die Realität oft anders aus, und das Konkurrenzdenken wird eher gefördert als verhindert. Somit fühlen sich viele Aussiedlerkinder vollkommen überfordert. Idealerweise muss man den Lerner „dort abholen, wo er steht“. Das Lehrmaterial mit seiner „Buntheit“ ist für einheimische Schüler vollkommen normal, jedoch nicht für Aussiedler. Dies ist für den Lehrer eine besondere Herausforderung, auf spezifische Lerntraditionen und auf die Aussiedlerkinder besonders einzugehen. Die Vermittlung des Lernstoffes für Kinder und Jugendliche an den Schulen erfolgt nicht einheitlich, da die Bundesländer es unterschiedlich handhaben. Aussiedlerkinder werden in Auffangklassen auf den Besuch der Regelklasse vorbereitet oder gehen gleich in bestehende Klassen und erhalten Förderunterricht, wenn die Deutschkenntnisse nicht ausreichend sind. Förderunterricht findet jedoch nur in Grund- und Hauptschulen statt, in Realschulen und Gymnasien eher selten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Integration von Spätaussiedlern
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V33686
ISBN (eBook)
9783638341042
ISBN (Buch)
9783638761604
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Spätaussiedlern
Arbeit zitieren
Juliane Richter (Autor), 2002, Integration von Spätaussiedlern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33686

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