Wie sehen Lehrer und Lerner ihren Grammatikunterricht? "...und wenn ich dann mit der Grammatik anfange, sind alle ganz ruhig und hören zu." " Die Grammatik in unserem Lehrbuch ist irgendwie unsystematisch. Es fehlt der Überblick. Aber wir haben nichts anderes." "Die Übungen im Buch sind überhaupt kein Problem. Die Schüler machen sie meistens richtig. Aber wenn sie das Perfekt dann benutzen, ist wieder alles falsch." " Immer die gleichen Übungen. Langweilig ist das schon, aber wir müssen die Grammatik lernen."1 Die Lehrer oder Fremdsprachenlerner sind immer der Meinung, daß das Erlernen der Grammatik eine sehr wichtige Rolle spielt. Leider ist das Lehrbuch die wichtigste und oft die einzige Quelle für Grammatikdarstellungen und -übungen. Aber meistens sind die Lehrer mit den Lehrbüchern in Bezug auf Grammatik sehr unzufrieden. Desweitern ist den meisten Lernern nicht klar, daß ihr Lehrer an die grammatischen Probleme genauso ungern und unsicher heran geht, wie sie selbst. Als Vermittler einer Sprache, die für einen selbst die Muttersprache ist, muß man sich die grammatischen Regeln genauso bewußt machen und zum Teil sogar neu erlernen, wie es bei den Schülern der Fall ist. Dies bereitet Unsicherheit.
Ich werde in der folgenden Arbeit einige Kriterien nennen, die einen guten, lernergerechten Grammatikunterricht ausmachen. Am Beispiel der Konjunktionen und subordinative Konjunktionen, dessen spezielle Lernschwierigkeiten ich vorab nenne, werde ich zwei Lehrbücher für den fremdsprachlichen Deutschunterricht untersuchen. Ich analysiere, wie die Lerner an das grammatische Problem herangeführt werden und welche Übungs- und Festigungsmöglichkeiten die einzelnen Lehrwerke bieten. Außerdem werde ich eine linguistische, eine pädagogische und eine Übungsgrammatik besondere Aufmerksamkeit widmen und diese auf Unterschiede in der linguistischen Darstellung des Lernproblems untersuchen. Am Ende dieser Arbeit skizziere ich einen eigenen Unterrichtsentwurf, den ich selber bei meinem Praktikum in Australien an der Universität von Adelaide gehalten habe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kriterien, die einen guten Grammatikunterricht ausmachen
3. Charakteristische Lernprobleme bei der Verwendung von Konjunktionen und subordinative Konjunktionen
4. Die didaktische Aufbereitung des Lernproblems Konjunktionen und subordinative Konjunktionen
4.1. Ist das grammatische Problem in eine kommunikative Sprechhandlung eingebettet worden?
4.2. Ist die Möglichkeit der Regelselbstfindung durch die Lerner gegeben?
4.3. Wie wird die Regel didaktisch dargestellt?
4.4. Werden genügend Übungen angeboten? Welche Art von Übungen gibt es?
4.5 Zusammenfassung zur didaktischen Aufbereitung der Konjunktionen in Lehrwerken
5. Die Darstellung des Lernproblems Konjunktionen und subordinative Konjunktionen in Grammatiken
5.1 Helbig/ Buscha: Deutsche Grammatik, ein Handbuch für den Ausländerunterricht
5.2 Rug/ Tomaszewski: Grammatik mit Sinn und Verstand
5.3.Renate Luscher: Übungsgrammatik Deutsch als Fremdsprache
5.4 Zusammenfassung zur Darstellung der Konjunktionen und subordinativen Konjunktionen in Grammatiken
6. Konzeption zur didaktischen Umsetzung des Lernproblems " Konjunktionen und subordinative Konjunktionen"
6.1 Unterrichtsablauf zum Lernproblem Konjunktionen und subordinative Konjunktionen
7. Didaktische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Konjunktionen und subordinative Konjunktionen im fremdsprachlichen Deutschunterricht didaktisch vermittelt werden können. Ziel ist es, Kriterien für einen lernerorientierten Grammatikunterricht zu definieren und diese auf Basis einer Analyse gängiger Lehrwerke und Grammatiken sowie eines eigenen Unterrichtsentwurfs kritisch zu prüfen.
- Kriterien für effektiven und lernergerechten Grammatikunterricht
- Analyse der kommunikativen Einbettung in Lehrwerken
- Vergleich der didaktischen Aufbereitung in verschiedenen Grammatiken
- Förderung der Regelselbstfindung bei Sprachlernern
- Konzeption eines praktischen Unterrichtsablaufs
Auszug aus dem Buch
3.Charakteristische Lernprobleme bei der Verwendung von Konjunktionen und subordinative Konjunktionen
Die semantische Ebene
Den Lernern fällt es schwer zu erkennen, wann man Konjunktionen bzw. subordinative Konjunktionen verwendet. Sie wissen oft nicht, in welchem Zusammenhang diese stehen, um einen sinnvollen Satz daraus zu machen.
Die syntaktische Ebene
Die Schüler haben Probleme zu erkennen, das Konjunktionen zur Verbindung von zwei Hauptsätzen dienen. Somit müssen sie erkennen, wie ein Hauptsatz aufgebaut ist und das sich bei der Verbindung dieser, die Satzstellungen nicht ändern. Bei den subordinative Konjunktionen ist es wichtig, daß das finite Verb an letzter Stelle steht und somit ein Nebensatz mit einem Hauptsatz verbunden werden kann.
Die phonetisch- orthographische Ebene
Hierzu fallen mir keine spezifischen Probleme ein, da es den meisten Lernern klar ist, wie die Konjunktionen bzw. subordinative Konjunktionen geschrieben und auch ausgesprochen werden. Die Probleme liegen eher auf der semantischen und syntaktischen Ebene.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Unzufriedenheit von Lehrern und Lernern mit existierenden Grammatikdarstellungen und legt den Fokus auf die Untersuchung didaktischer Kriterien am Beispiel von Konjunktionen.
2. Kriterien, die einen guten Grammatikunterricht ausmachen: Hier werden zentrale Prinzipien des modernen Fremdsprachenunterrichts erläutert, insbesondere die induktive Regelfindung und die kommunikative Einbettung grammatischer Phänomene.
3. Charakteristische Lernprobleme bei der Verwendung von Konjunktionen und subordinative Konjunktionen: Das Kapitel identifiziert die semantischen und syntaktischen Herausforderungen für Lerner beim korrekten Einsatz von Satzverknüpfungen.
4. Die didaktische Aufbereitung des Lernproblems Konjunktionen und subordinative Konjunktionen: Eine vergleichende Analyse zweier Lehrwerke untersucht deren Umgang mit der kommunikativen Einbettung, Regelselbstfindung und Übungsgestaltung.
5. Die Darstellung des Lernproblems Konjunktionen und subordinative Konjunktionen in Grammatiken: Das Kapitel evaluiert drei verschiedene Grammatikwerke hinsichtlich ihrer Eignung für Lerner und Lehrer auf Basis von Qualitätskriterien für pädagogische Grammatiken.
6. Konzeption zur didaktischen Umsetzung des Lernproblems " Konjunktionen und subordinative Konjunktionen": Es wird ein konkreter Unterrichtsentwurf vorgestellt, der auf die heterogene Gruppe der Lernenden und deren Vorwissen zugeschnitten ist.
7. Didaktische Reflexion: Der Autor reflektiert kritisch über die durchgeführte Unterrichtseinheit und diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen der gewählten Methode im australischen Bildungskontext.
Schlüsselwörter
Grammatikunterricht, Konjunktionen, Subjunktionen, Deutsch als Fremdsprache, Regelselbstfindung, Didaktik, Sprachvermittlung, Lehrwerkanalyse, Satzverknüpfung, Unterrichtsentwurf, Fremdsprachenlernen, Syntaktische Struktur, Induktives Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Aufbereitung von Konjunktionen und subordinativen Konjunktionen im Deutschunterricht für Fremdsprachenlerner.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kriterien für modernen Grammatikunterricht, die Analyse von Lehrwerken und Grammatiken sowie die praktische Anwendung in einem Unterrichtsentwurf.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszufinden, ob und wie verschiedene Lehrwerke und Grammatiken die Regelselbstfindung der Lernenden unterstützen und welche didaktischen Ansätze dabei besonders erfolgreich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von Unterrichtsmaterialien sowie eine fallorientierte didaktische Reflexion basierend auf praktischer Unterrichtserfahrung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst den Vergleich zwischen zwei Lehrwerken (Em Brückenkurs, Moment Mal 1) und drei Grammatiken, gefolgt von der Skizzierung eines Unterrichtsentwurfs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie DaF-Didaktik, Grammatikvermittlung, Regelselbstfindung und Lehrwerkanalyse charakterisieren.
Wie bewertet der Autor den Einsatz von Tabellen zur Regeldarstellung?
Der Autor lobt insbesondere die visuelle Aufbereitung in "Moment mal! 1", da die farbliche Markierung von Haupt- und Nebensätzen den Lernern hilft, grammatische Strukturen besser zu verstehen.
Warum ist laut Autor die Kombination verschiedener Lehrwerke sinnvoll?
Da kein Lehrwerk alle Anforderungen perfekt erfüllt, sieht der Autor in der Kombination eine Möglichkeit, sowohl von den textbasierten Übungen des einen Werks als auch von der strukturellen Klarheit des anderen zu profitieren.
- Quote paper
- Juliane Richter (Author), 2004, Grammatik und Spracherwerb - Die Verwendung von Konjunktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33687