Akkulturation und Wohlbefinden/Adaptation. Ein systematisches Review der empirischen Forschungsliteratur


Bachelorarbeit, 2015

69 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Definitionen und theoretische Modelle
2.1.1. Differenzierung Migration, Akkulturation und Kultur
2.1.2. Definition Akkulturation aus interkultureller Sicht
2.1.3. Akkulturation aus stresspsychologischer Sicht
2.1.4. Wohlbefinden und Gesundheit aus psychologischer Sicht
2.2. Stand der Forschung
2. 3. Fragestellung

3. Methode
3.1. Vorgehensweise bei der Literaturrecherche
3.2 Ein- und Ausschlusskriterien für Literatur
3.3. Einbezogene Quellen

4. Ergebnisse

5. Diskussion
5.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2. Fazit und Reflexion
5.3. Ausblick und Implikationen für zukünftige Forschung

Literaturverzeichnis

Pressemitteilung

Zusammenfassung

Der Prozess der Akkulturation ist am Berührungspunkt zwischen zwei Kulturen einzuordnen, bei dem unterschiedliche Kulturen durch Interaktion ihrer Personengruppen aufeinandertreffen und in einen Austausch geraten, der kulturelle Veränderungen nach sich zieht. Je nachdem wie ein Individuum mit beiden Kulturen umgeht, ergeben sich unterschiedliche kulturelle Anpassungsstrategien, sogenannte Akkulturationsstrategien. Nach John W. Berry (1997) lassen sich vier Akkulturationsstrategien unterscheiden, die er als Integration, Assimilation, Separation und Marginalisierung bezeichnet. In zahlreichen Studien konnte die Existenz dieser Strategien nachgewiesen werden, wobei sich die Integrationsstrategie als die adaptativste Strategie hinsichtlich des psychischen Wohlbefindens und der Gesundheit der Migranten erwies (Berry, 1997). Neuere Untersuchungen zeichnen jedoch ein widersprüchliches Bild, indem aufgezeigt wird, dass die Integrationsstrategie nicht zwangsläufig mit Wohlbefinden und Gesundheit ihrer Mitglieder assoziiert ist. Das Ziel dieser Abschlussarbeit ist es, anhand von 20 ausgewählten Studien aus den vergangenen 12 Jahren darzulegen, welche der genannten vier Akkulturationsstrategien mit mehr oder weniger Wohlbefinden und Gesundheit einhergehen. Dabei zeigt sich, dass bei den überwiegend akademisch ausgebildeten und meist jüngeren Studienteilnehmern beim Praktizieren der Integrationsstrategie positive Werte hinsichtlich des Wohlbefindens und der Gesundheit resultieren. Weitere Studien sollten sich daher auf ein bildungsmäßig breitgefächerteres, und möglicherweise auch älteres Teilnehmerpublikum fokussieren, um die Repräsentativität der Ergebnisse zu gewährleisten.

Schlagwörter: Akkulturation, Akkulturationsstrategien, Wohlbefinden, Gesundheit, Adaptation

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die vier Akkulturationsstrategien (Berry, 1994; in Anlehnung an Sabic, 2008, S. 9)

Abbildung 2: Grundmodell zur Analyse von Akkulturationsprozessen (Berry, 1995, 1997, 2001, 2003; in Anlehnung an Zick, 2010, S. 207)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Akkulturatio n von Individuen und Gruppen ist ein Phänomen das einsetzt, wenn Menschen Orte verlassen, eine neue kulturelle Umwelt suchen, ihr begegnen und versuchen sich dieser neuen Welt auf der Basis ihrer Herkunft, sowie den Herausforderungen der neuen Umwelt auseinanderzusetzen. Im Rahmen der Akkulturationsforschung konzentrieren sich daher wesentliche Teile auf die Akkulturation im Sinne von Migrationsprozessen. Andere Phänomene des Kulturwechsels, wie etwa der Wechsel von einem Unternehmen in eine andere Unternehmenskultur oder die Enkulturation in sozialen Umfelden, also das unmerkliche Hineinwachsen in die jeweilige eigene Kultur als Teil des Sozialisationsprozesses, werden bisher von der Akkulturationsforschung vernachlässigt. Von daher stehen Migrationsprozesse im Fokus des Interesses in der sozialwissenschaftlich orientierten Migrationsforschung als auch in der psychologischen Akkulturationsforschung (Zick, 2010).

Wanderungen und damit einhergehende Aneignungen von neuen kulturellen Umgebungen prägen die Geschichte der Menschheit und lassen sich zurückverfolgen bis zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte, wobei sich einigen Wissenschaftlern zufolge die Spezie homo sapiens als homo migrans über die Welt ausgebreitet hat (Bade, 2002; zitiert nach Zick, 2010). Alle Kulturen, sei es in der Kultur von Stammesgesellschaften, klassischen Gesellschaften der Antike oder modernen Gesellschaften, haben die Gemeinsamkeit, dass Menschen von Ort zu Ort gewandert sind, neue Umwelten adaptiert haben und sich diese durch den Prozess der Aneignung verändert haben. (Zick, 2010).

Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts steigt die weltweite Migration extrem an, sei es aufgrund von Kriegsflucht, Umsiedlung, Arbeitsmigration oder Aussiedlung, weil einerseits die Grenzen zwischen Nationen leichter zu passieren sind oder andererseits aufgrund vereinfachter verkehrstechnischer Bedingungen. Diese Tendenzen scheinen sich im Zuge offener und globalisierender Gesellschaften zu beschleunigen (Zick, 2010). Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 12.09.2013 registrieren die Vereinten Nationen seit 1960 eine steigende Zahl von Migranten, deren Anzahl sich im Jahre 1990 weltweit auf 155 Millionen summierte und 20 Jahre später eine Rekordzahl von 232 Millionen erreichte. Damit leben derzeit rund drei Prozent der Weltbevölkerung außerhalb ihres Geburtslandes, 72 Millionen der internationalen Migranten leben in Europa, 71 Millionen in Asien, 53 Millionen in Nordamerika , und Afrika bildet das Schlusslicht mit 19 Millionen Migranten1.

Dieses Aufeinandertreffen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und der damit verbundene Prozess der Akkulturation kann nach John W. Berry durch vier verschiedene Akkulturationsstrategien realisiert werden (Berry, 1997). Je nachdem, ob die Minderheitsgruppe die eigene Kultur beibehalten will oder nicht, und ob irgendeine Form des Kontakts zwischen Mehrheit und Minderheit bestehen soll oder nicht, ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden oder die Gesundheit der Immigranten. Gemäß John W. Berry scheint die Integrationsstrategie, bei der die Personen ihre Herkunftskultur aufrechterhalten und gleichzeitig Kontakt zur Aufnahmekultur pflegen, die adaptativste im Sinne psychischen Wohlbefindens zu sein. Darauf basierend fokussiert die Bundesregierung aktuell in ihrer Integrationspolitik eine Ausweitung der Bemühungen Immigranten, die dauerhaft in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen und ihnen die damit verbundenen Rechte zu gewähren. Eine „gelungene Integration“ bedeutet in diesem Zusammenhang, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen, sowie die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses, wie man in der Gesellschaft zusammenlebt. Ob sich dieser Integrationsprozess positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Immigranten auswirkt, oder ob sich eine andere Akkulturationsstrategie als gesundheitsförderlicher erweist, bleibt jedoch abzuwarten.

Das Ziel dieser Abschlussarbeit ist es daher, anhand ausgewählter, aktueller Studien der letzten 12 Jahre darzulegen, welche der vier Akkulturationsstrategien mit mehr oder weniger Wohlbefinden für die Immigranten einhergehen, oder auch anders formuliert, welche Akkulturationsstrategie das Wohlbefinden oder die Gesundheit steigert.

Im zweiten Kapitel dieser Arbeit werden für das Verständnis relevante Definitionen und theoretische Modelle eingeführt, sowie auf den empirischen Forschungsstand und die anschließende Fragestellung eingegangen. Im darauffolgenden dritten Kapitel werden ausführlich und nachvollziehbar die Methoden und das Vorgehen der Literaturrecherche aufgezeigt. Im vierten Kapitel befindet sich der Ergebnisteil. Die Arbeit endet mit dem fünften Kapitel, in dem die Ergebnisse interpretiert und reflektiert werden. Abschließend wird ein Ausblick auf zukünftige Forschung gegeben.

2. Theoretischer Hintergrund

Zu Beginn werden einige für das Thema wichtige Begriffsdefinitionen, Modelle, sowie unterschiedliche Sichtweisen des Akkulturationskonzeptes eingeführt, und im Anschluss daran wird der Stand der Forschung aufgezeigt.

2.1. Definitionen und theoretische Modelle

2.1.1. Differenzierung Migration, Akkulturation und Kultur

Unter Migration wird häufig die geografische Veränderung von Personen über einen längeren Zeitraum verstanden (Bender-Szymanski & Hesse, 1987). Anhand einer sozialpsychologischen Perspektive bezieht Bierbrauer (1996) auch psychologische Prozesse in seine Definition mit ein und betrachtet Migration sowohl als geografische Bewegung im Raum als auch einen Prozess, dessen Konsequenz eine Interaktion von Menschen mit verschiedenen sozialen Hintergründen und aus unterschiedlichen Kulturkreisen ist. Die durch die Migration ausgelösten psychologischen Prozesse aufgrund des kulturellen Wechsels werden mit dem Begriff Akkulturation zusammengefasst (Berry, 1997). Eng mit dem Akkulturationsbegriff verbunden ist das Konzept der Kultur. In der Literatur bestehen jedoch erhebliche Unterschiede bezüglich dieses Begriffes. Besonders häufig werden jedoch in der Forschung die anthropologischen Definitionen genannt, nach denen Kultur anhand der Inhalte, die eine Kultur ausmachen, definiert wird. Dabei werden gemeinsame symbolische Verhaltensweisen, Lerninhalte, Werte, Bräuche, Rituale und Bewertungssysteme konzeptualisiert, wobei hervorzuheben ist, dass diese Inhalte Grenzen zwischen Kulturen und Gruppen setzen (Zick, 2010).

2.1.2. Definition Akkulturation aus interkultureller Sicht

In der interkulturellen Psychologie, die dem Fachgebiet der Sozialpsychologie zuzuordnen ist, stammen die zugrundeliegenden Modelle und Konzepte vorwiegend aus Untersuchungen der Cross-Cultural Psychology im angloamerikanischen Raum. Die Grundannahme der interkulturellen Psychologie ist, dass das Individuum von der Kultur beeinflussbar ist und sich bei einem Wechsel der Kultur verändert (Berry, 1990). Der Prozess der Akkulturation ist somit am Berührungspunkt zwischen zwei Kulturen, an dem Gruppen und Individuen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen und sich gegenseitig beeinflussen, einzuordnen (Bierbrauer, 1996). Das Akkulturationskonzept wurde ursprünglich 1880 durch amerikanische Anthropologen eingeführt, um den Vorgang der Kulturveränderung durch das Zusammentreffen zweier Kulturen zu beschreiben (Zick, 2010). Seitdem haben sich unterschiedliche Definitionen, was genau Akkulturation bezeichnet, entwickelt. Die prominenteste, und ebenso häufigste in der Literatur zitierte Definition von Akkulturation umfasst nach Redfield, Linton und Herskovits (1936) jene Phänomene:

which result when groups or individuals having different cultures come into continuous firsthand contact, with subsequent changes in the original culture patterns of either or both groups… under this definition acculturation is to be distinguished from culture change, of which it is but one aspect, and assimilation, which is at times a phase of acculturation. (S. 149)

Nach dieser Definition wird Akkulturation als bidirektionaler Prozess verstanden, d.h. die damit beschriebenen Veränderungen betreffen beide Kulturen, die in Kontakt kommen. Außerdem muss die Akkulturation von kultureller Veränderung und Assimilation unterschieden werden, wobei Akkulturation ein Aspekt der kulturellen Veränderung und Assimilation eine Phase der Akkulturation ist (Zick, 2010).

Akkulturationsprozesse können in Anlehnung an Graves (1967) sowohl auf Gruppenebene als auch auf individueller Ebene ablaufen. Findet die Akkulturation auf der zuletzt genannten Ebene statt, so wird sie auch als psychologische Akkulturation (psychological acculturation) bezeichnet. Unter psychologischer Akkulturation werden die Veränderungen des Individuums, die durch den Kontakt beider Kulturen ausgelöst werden, verstanden (Berry, 2003). Das Anpassungsergebnis des Akkulturationsprozesses auf individueller

Ebene wird in der Literatur psychische Adaptation genannt (Schmitz, 1992).

Das vorherrschende Ziel eines Individuums, welches den Akkulturationsprozess durchläuft, ist also eine bessere Anpassung an seine Umwelt. Diese Anpassungsprozesse können verschiedene Ebenen des menschlichen Erlebens und Verhaltens betreffen, auf die in einem späteren Unterpunkt dieses Kapitels (s. Abschnitt 2.1.3.2.) eingegangen wird. In einem weiteren Schritt werden zunächst zwei Akkulturationsmodelle vorgestellt.

2.1.2.1. Eindimensionale versus zweidimensionale Akkulturationsmodelle

Betrachtet man frühe Arbeiten zu Akkulturationsprozessen (Gordon, 1964), so lässt sich feststellen, dass diesen zumeist ein eindimensionales Konzept von Akkulturation zugrunde liegt. Sie verstehen unter Akkulturation einen einseitigen Anpassungsprozess der Minderheitskultur an die Mehrheitskultur und gehen davon aus, dass eine schnelle Übernahme der Mehrheitskultur hilft, Identitäts-, Werte- und Normenkonflikte auf Seiten der Minderheitskultur zu vermeiden, und damit zu einer erfolgreichen Anpassung der Migranten beizutragen. Neuere Arbeiten (Berry, 1990; Birman, 1994) hingegen definieren Akkulturation als einen zweidimensionalen Prozess, bei dem die Akkulturation an die Herkunftskultur von der Akkulturation an die Mehrheits- oder Aufnahmekultur differenziert wird. Es wird angenommen, dass beide Prozesse relativ unabhängig voneinander ablaufen, von daher ist es für akkulturierende Individuen möglich, in Bezug auf eine, beide oder keine der beiden Kulturen akkulturiert zu sein. Zunehmende Partizipation an der Mehrheits- oder Aufnahmekultur setzt also nicht automatisch eine Abnahme der Aufrechterhaltung der Herkunftskultur voraus.

In Anbetracht dieser Überlegungen wird im nächsten Abschnitt das derzeit populärste zweidimensionale Akkulturationsmodell des kanadischen Migrationsforschers und Kulturpsychologen Prof. John W. Berry ausführlich dargestellt.

2.1.2.2. Das Akkulturationsmodell von Berry

Ausgehend von der ursprünglichen Begriffsdefinition von Akkulturation berücksichtigt Berry, dass Akkulturation nicht einfach die Übernahme vorhandener kultureller Muster der Mehrheitsgesellschaft bedeutet, sondern einen Prozess aus Übernahme, aktiver Aneignung, gegenseitigem Austausch von kulturellen Aspekten, sowie dem daraus resultierenden Anpassungsergebnis für das Wohlbefinden und die Gesundheit impliziert, welches Berry (1980), wie bereits weiter oben erwähnt, psychische Adaptation bezeichnet. Das Akkulturationsmodell setzt voraus, dass Migranten beim Eintritt in die Mehrheitskultur frei entscheiden können, wie sie sich akkulturieren möchten. Diese Entscheidungsfreiheit ist jedoch nach Berry (1997) nur dann gegeben, wenn sich die gesamte Gesellschaft als multikulturell versteht und kulturelle Vielfalt toleriert.

2.1.2.3. Definitionen der Akkulturationsstrategien

In diesem Akkulturationsmodell sind kulturelle Anpassungsstrategien von zentraler Bedeutung. Beim Prozess der Migration in ein anderes Land ist das Individuum aufgefordert, vielfältige Anforderungen zu bewältigen (Berry, 1990). Als eine besondere Anforderung ist in diesem Zusammenhang der Umgang mit beiden Kulturen, der aufnehmenden-oder Mehrheitskultur, sowie der Herkunftskultur, zu nennen. Aus der Art und Weise, wie das Individuum mit beiden Kulturen umgeht, resultieren unterschiedliche kulturelle Anpassungsstrategien, sogenannte Akkulturationsstrategien (Berry, 2006). In der Literatur gibt es unterschiedliche Synonyme für den Begriff Akkulturationsstrategien. Häufig werden sie auch als Akkulturationseinstellungen, akkulturative Orientierungen oder Akkulturationsstile bezeichnet (Berry, 2006).

Nach Berry (1997) werden die Akkulturationsstrategien zweidimensional organisiert, d.h. Individuen als auch Gruppen müssen für sich zwei unterschiedliche Fragen beantworten:

1. Ist für sie die Aufrechterhaltung der eigenen kulturellen Identität wertvoll bzw. wollen sie ihre Herkunftskultur beibehalten?
2. Ist es für sie wünschenswert zu Mitgliedern der anderen Gruppe Beziehungen aufzubauen bzw. aufrechtzuerhalten und somit am kulturellen Leben der Aufnahmegesellschaft zu partizipieren?

Aus der „Ja/Nein“-Antwortkombination dieser beiden Fragen ergibt sich ein Vier-Felder-Schema mit den Akkulturationsstrategien: Integration, Assimilation, Separation und Marginalisierung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die vier Akkulturationsstrategien (Berry, 1994; in Anlehnung an Sabic, 2008, S.. 9).

Die Definitionen der vier, von einem Individuum verfolgten Akkulturationsstrategien lauten wie folgt: Ist sowohl die Aufrechterhaltung der Herkunftskultur als auch der Kontakt zur Mehrheits- oder Aufnahmekultur von Bedeutung, resultiert die Integrationsstrategie, bei der nach einem Konsens zwischen den Anforderungen der Aufnahmegesellschaft und der eigenen kulturellen Identität gesucht wird. Wird jedoch nur Kontakt zur Aufnahmekultur gepflegt, und die ursprüngliche Herkunftskultur aufgegeben, so ergibt sich die Assimilationsstrategie . Die Separationsstrategie erfolgt bei einer Ablehnung der Beziehungsaufnahme mit der Aufnahmegesellschaft bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Herkunftskultur. Wird weder auf eine Aufrechterhaltung der eigenen Herkunftskultur noch einer Interaktion mit Mitgliedern der Aufnahmekultur Wert gelegt, so resultiert die Marginalisierungsstrategie (Berry, 1997).

Da das Konzept der Akkulturationsstrategien sowohl auf der Gruppenebene als auch auf der individuellen Ebene anwendbar ist, ändern sich nach Berry (1990) auf individueller Ebene durch psychische Akkulturation Verhalten, Identität, Werte und Einstellungen. Auf Gruppenebene ändern sich im Akkulturationsprozess kollektive Merkmale einer ethnischen Gruppe, wie beispielsweise politische, ökonomische und soziale Strukturen, sowie ihre kulturellen Eigenschaften und Lebensgewohnheiten (Berry, 1990, 1997). Desweiteren müssen sich die einzelnen Gruppenmitglieder beim Einsatz von Akkulturationsstrategien nicht nach der akkulturativen Orientierung der gesamten ethnischen Gruppe ausrichten, sondern die ausgelösten Veränderungen und Adaptationsergebnisse sind auf der Gruppenebene und der individuellen Ebene getrennt zu erfassen, und ihre Wechselwirkung untereinander bei der Betrachtung der individuellen Adaptationsergebnisse zu berücksichtigen (Berry, 1990).

Ferner lässt sich das Konzept der Akkulturationsstrategien bereichsspezifisch und situationsspezifisch anwenden, d.h. eine Gruppe oder ein Individuum kann für unterschiedliche Lebensbereiche oder Situationen unterschiedliche Akkulturationsstrategien einsetzen (Kim, Laroche & Tomiuk, 2001). In diesem Sinne kann ein Individuum völlige Assimilation in der Arbeitswelt des Aufnahmelandes anstreben, während es jedoch zuhause bei der Kindererziehung ausschließlich die Werte der Herkunftskultur favorisiert.

Die Existenz dieser vier Akkulturationsstrategien konnte bisher vielfach nachgewiesen werden (Berry, 1997). Studien, die auf dem Akkulturationsmodell von Berry basieren, ergaben einheitlich, dass die meisten Migranten die Integrationsstrategie präferieren, und dass Integration im Vergleich zu den drei anderen Akkulturationsstrategien für das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit die adaptivste Strategie zu sein scheint und das geringste Ausmaß an akkulturativem Stress erzeugt (Berry & Sam, 1997). Sehr selten ist die Marginalisierungsstrategie vorzufinden, die von Berry (1984) auch als Dekulturation oder fehlgeschlagene Anpassung an die neue Kultur bezeichnet wird und mit Identitätsverlust, sowie Gefühlen von Angst, Verwirrung und Entfremdung einhergeht (Berry, Kim, Power, Young & Bujaki, 1989). Berry (1992) weist allerdings darauf hin, dass Akkulturation einen Prozess darstellt, in dem für jeden einzelnen Migranten ein Entwicklungsverlauf zu konstatieren ist, in dem mehrere Akkulturationsvarianten praktiziert werden können (Berry, 1992).

2.1.3. Akkulturation aus stresspsychologischer Sicht

Migration geht mit einer starken Veränderung der äußeren Lebensbedingungen, der Arbeits- und Wohnverhältnisse, sowie der sozialen und kulturellen Bezüge einher und kann somit als ein belastendes Lebensereignis wahrgenommen werden. Vielfältige Anpassungsleistungen werden von den Migranten gefordert, die alleine schon aufgrund der fehlenden

Ressourcen schwer zu erbringen sind (Sabic, 2008). Von daher ist der Akkulturationsprozess potentiell mit Stress verbunden, der nach Berry (1997) als Akkulturationsstress bezeichnet wird. Synonym zu Akkulturationsstress wird in der Literatur auch häufig der Begriff Kulturschock verwendet, der eine starke psychische Belastung des Migranten impliziert, die durch Angst vor der fremden Kultur, Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität, sowie der Meinung, von den Einheimischen nicht akzeptiert zu werden, gekennzeichnet ist (Sabic, 2008).

Im Rahmen der Gesundheitspsychologie kann Stress zwischen einem positiven Pol, auch Eustress genannt, und einem negativen Pol, als Distress, bezeichnet, variieren (Berry, 2005). Akkulturation kann mit beiden Stressformen assoziiert sein, da die neue Kultur auf der einen Seite mit Chancen für eine Verbesserung der Lebensumstände einhergeht, auf der anderen Seite aber auch negative Konsequenzen, wie z.B. Ausgrenzung mit sich bringen kann. Die Akkulturationsforschung fokussiert allerdings auf den psychologischen Distress und seine Folgen für die Migranten, die sich als Depressionen, Angststörungen und Somatisierung äußern können (Berry, 2002).

2.1.3.1. Integratives Stressmodell der Akkulturation

Die Konsequenzen des Akkulturationsstresses variieren stark und können daher ausgeprägte interindividuelle Unterschiede aufweisen. Manche Migranten reagieren unter ähnlichen situativen Bedingungen mit Störungen und Erkrankungen, wohingegen andere keinerlei Krankheitszeichen aufzeigen (Berry, 1997). Man kann daher daraus schließen, dass der Akkulturationsprozess von Moderatoren beeinflusst wird, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf diesen Prozess haben. In einem integrativen Stressmodell der Akkulturation haben Berry, Kim, Minde und Mok (1987) Prädiktoren, Moderatoren, Kriterien und Konsequenzen der Akkulturation zusammengefasst, wobei ihnen als Grundlage die Stresstheorie von Lazarus und Folkman (1984) diente.

Dieses Erklärungsmodell der Akkulturation (Berry et al., 1987), in der Literatur auch als acculturative-stress-modell bezeichnet, differenziert ebenfalls zwischen Akkulturation auf kollektiver und individueller Ebene. Auf der kollektiven Ebene findet die Interaktion einwandernder und aufnehmender Kulturen, und die sich daraus ergebenden Veränderungen statt. Auf der Individualebene hingegen werden die psychologischen Veränderungen, die sich bei den Mitgliedern der einzelnen Gruppen vollziehen, betrachtet. Dem Modell zufolge, und wie mehrfach erwähnt, wird das Ergebnis des Akkulturationsprozesses als Adaptation bezeichnet. Dieser Begriff wird im Folgenden näher erläutert.

2.1.3.2. Der Adaptationsbegriff

In der Akkulturationsforschung werden drei Facetten der Adaptation unterschieden, die man auch als Realisationen von Akkulturation verstehen kann (Ward, Furnham & Bochner, 2001): die psychische Adaptation auf personaler Ebene, die soziokulturelle Adaptation auf gruppaler Ebene und die ökonomische Adaptation auf der strukturellen Ebene. Zusätzlich nennt Berry (1997) noch die gesundheitliche Adaptation, obwohl er nicht näher ausführt, wie diese von den beiden ersten Facetten zu differenzieren ist.

Während die Akkulturationsforschung auf die psychische und soziokulturelle Adaptation fokussiert, liegen für die Facette der ökonomischen Adaptation nur wenige und kaum generalisierbare Forschungsergebnisse vor (Zick, 2010). Dennoch zeigt sich diese Form der Adaptation in den Beschäftigungsverhältnissen, kulturellen Netzwerken und dem materiellen Wohlergehen.

Die soziokulturelle Adaptation beschreibt die Fähigkeit, im Alltagsleben des neuen kulturellen Kontextes zurechtzukommen (Berry, 2002). Nach Zick (2010) sagt soziokulturelle Adaptation am besten kulturelles Wissen, das Ausmaß interkultureller Kontakte und positive intergruppale Einstellungen vorher, und viele empirische Studien deuten darauf hin, dass sich die soziokulturelle Adaptation mit der Zeit linear verbessert.

Die psychische Adaptation beschreibt eher individualpsychologische Komponenten der Adaptation, die in der Literatur häufig als feeling well im Gegensatz zum performing well der soziokulturellen Adaptation beschrieben werden (Zick, 2010). Psychische Adaptation drückt sich z.B. in mentaler und physischer Gesundheit, Lebenszufriedenheit und Gefühle des Wohlbefindens aus, und wird nach Berry (1998) sowohl von Akkulturationsstrategien als auch von anderen Faktoren beeinflusst, die im nächsten Abschnitt beschrieben werden.

2.1.3.3. Moderatoren im Akkulturationsprozess

Zahlreiche Bedingungen, auch Moderatoren genannt, beeinflussen den Prozess der Akkulturation und wirken sich auf das gesundheitsbezogene Anpassungsergebnis der Migranten aus (Sabic, 2008). Auch hier unterscheidet Berry (1990) zwischen Moderatoren auf Gruppenebene und auf individueller Ebene.

Auf Gruppenebene lassen sie sich in Moderatoren der Herkunftsgesellschaft und in Moderatoren der Aufnahmegesellschaft einteilen, wobei Berry (1997) als Moderatorvariablen der Herkunftsgesellschaft kulturelle Eigenschafen und politische, ökonomische und demographische Bedingungen, mit denen ein Mitglied der Gruppe sich vor der Auswanderung auseinandersetzen muss, nennt. Die kulturellen Eigenschaften der Herkunftsgesellschaft im Verhältnis zur Aufnahmegesellschaft generieren eine weitere Moderatorvariable, die kulturelle Distanz, womit die kulturellen Unterschiede, die zwischen der Herkunftsgesellschaft und der Aufnahmegesellschaft bestehen, bezeichnet werden (Berry, 1997). Der Autor vertritt die Meinung, dass die Anpassung umso negativer verläuft, je größer die kulturelle Distanz ist. Als Moderatorvariablen der Aufnahmegesellschaft sind nach Berry (1990, 1997) ihre multikulturelle Ideologie, Einstellungen zu ethnischen Minderheiten und soziale Unterstützung durch die Gesamtgesellschaft zu nennen.

Auf individueller Ebene werden die Moderatorvariablen in psychologische und soziale Eigenschaften einer Person eingeteilt. Ferner wird zwischen Präkontakt -Faktoren und Postkontakt- Faktoren unterschieden, also jenen Faktoren, die bereits vor der Migration vorhanden waren und solchen, die erst während der Migration gewirkt haben (Arends- Tóth & Vijver, 2004). Zu den individuellen Präkontakt-Faktoren zählen Alter, Geschlecht, Bildungsgrad, Religion, sozialer Status, Motivation zur Migration, Erwartungen, Persönlichkeitseigenschaften, wie Kontrollüberzeugung und Extraversion, sowie Sprache und Religion (Berry, 1997). Betrachtet man z.B. die Moderatorvariable Alter, so nehmen manche Autoren an, dass ältere Personen einem höheren Risiko für akkulturativen Stress ausgesetzt sind als jüngere Personen, da sie bereits stärker durch die Kultur der Herkunftsgesellschaft geprägt sind und sich somit schwerer auf die aufnehmende Kultur einstellen können (Berry, 1997, Schmitz 2001). Die Moderatorvariablen sozialer Status und Statusmobilität hingegen hängen vom Beschäftigungsniveau und der Ausbildung einer Person ab, und haben eine eher protektive Funktion bezüglich der Gesundheit (Berry, 1997).

Zu den Postkontakt-Faktoren zählen nach Berry (1990) die Erfahrungen, die während der Akkulturation mit Angehörigen der Aufnahmegesellschaft gemacht werden, die Anwendung der individuellen Akkulturationsstrategien und deren kognitive Bewertungen, die Dauer des Aufenthaltes, Bewältigungsstrategien, sowie soziale Unterstützung durch andere Personen (Berry, 1990, 1997).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Grundmodell zur Analyse von Akkulturationsprozessen (Berry, 1995, 1997, 2001, 2003; in Anlehnung an Zick, 2010, S. 207).

2.1.3.4. Akkulturationsstress

Betrachtet man nun den auf der Individualebene vorhandenen Akkulturationsstress, so lässt sich dieser nach Berry (1997) als Vorhersagevariable für die Adaptation bestimmen. Der akkulturative Stress kann somit als Grundlage langfristiger Effekte verstanden werden. Wenn es dem Migranten gelingt, Verhaltensänderungen ohne größere Schwierigkeiten zu meistern, wird sich dies in einem minimalen Stressempfinden und individuellen positiven Konsequenzen, wie z.B. Wohlbefinden und Zufriedenheit, äußern. Wenn hingegen die mit dem Akkulturationsprozess assoziierten Stressoren individuelle Ressourcen und stützende Maßnahmen der Gesellschaft übersteigen, kann sich dies in ernsthaften psychischen Erkrankungen und daraus resultierender Fehlanpassung des Migranten an die neue Umgebung äußern (Berry, 1997).

2.1.4. Wohlbefinden und Gesundheit aus psychologischer Sicht

Das vorrangige Ziel des Individuums, das einen Akkulturationsprozess durchläuft, ist eine bessere Anpassung an seine Umwelt. Weiss (2003) interpretiert Wohlbefinden, Gesundheit und Krankheit bei Migranten als Ergebnis dieses Anpassungsprozesses. Betrachtet man die Definition des Begriffes Gesundheit in der Präambel der Charta der Weltgesundheitsorganisation von 1946, kommt hier eine Mehrdimensionalität des Begriffes zutage (Schorr, 1995):

Gesundheit als Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen. (S.52)

Welche Akkulturationsstrategien das Wohlbefinden und die Gesundheit der Migranten aufrechterhalten oder gar einen förderlichen Effekt bewirken, soll in dieser Abschlussarbeit versucht werden zu beantworten. Bevor dies anhand ausgewählter Studien geschieht, wird im Folgenden der aktuelle Forschungsstand erläutert.

2.2. Stand der Forschung

Akkulturationsstrategien beeinflussen das Wohlbefinden bzw. die Gesundheit von Migranten als Ergebnis langfristiger psychischer Adaptation (Arends-Tóth & Vijver, 2004; Berry, 1997; Schmitz, 2001). Nach Berry (1998) ist das Ergebnis psychischer Adaptation variabel, dies impliziert, dass es nicht nur von den Akkulturationsstrategien, sondern auch von anderen Faktoren beeinflusst wird. Dies hat zur Folge, dass die empirischen Befunde über Zusammenhänge von Akkulturationsstrategien mit Wohlbefinden und Gesundheit bzw. einzelnen Erkrankungen zum Teil nicht sehr eindeutig sind.

Es besteht unter den Autoren bisher lediglich Übereinstimmung darüber, dass die Integrationsstrategie bei den meisten ethnischen Gruppen die populärste Strategie zu sein scheint und mit den gesundheitlich positivsten Resultaten einhergeht (Berry, 1997). Soziale Unterstützung sowohl durch die Aufnahmegesellschaft, als auch durch die eigene ethnische Gruppe begründen die gesundheitliche Vorrangstellung der Integrationsstrategie. Die Marginalisierungsstrategie wird hingegen relativ selten angewendet. Beim Praktizieren dieser Strategie werden außerdem die gesundheitlich negativsten Konsequenzen konstatiert, wie z.B. schwerwiegende psychosoziale Störungen oder psychiatrische Erkrankungen, die durch das Ausbleiben jeglicher sozialer Unterstützung aufgrund fehlender Kontakte zu beiden Gesellschaften zustande kommen (Berry, 1997; Schmitz, 1994). Dazwischen sind die Strategien der Assimilation und der Separation anzusiedeln (Berry et al., 1989).

Während Schmitz (1992a, 1994) die Assimilationsstrategie als genauso gesundheitsfördernd betrachtet, wie die Integrationsstrategie, weisen ihr andere Autoren den gleichen negativen gesundheitsbezogenen Stellenwert zu, wie der Separationsstrategie (Berry, 1997, 2003). In einer Untersuchung von Schmitz (1992b) an verschiedenen ethnischen Gruppen in Deutschland konnte nachgewiesen werden, dass die Assimilationsstrategie mit Beeinträchtigungen des Immunsystems, wie z.B. Anfälligkeit für Infektionen und allergische Reaktionen, und die Separationsstrategie mit erhöhten kardiovaskulären Beschwerden einhergehen. Beide Strategien zeigten ebenfalls signifikante Zusammenhänge zur Unfähigkeit abzunehmen.

Des Weiteren liefert eine Untersuchung von Schmitz (1992a) aufschlussreiche Befunde zur Auswirkung der einzelnen Akkulturationsstrategien auf das körperliche und emotionale Befinden. Er erfasste die Konsequenzen der Akkulturationsstrategien in Form von psychosomatischen Beschwerden mit der Psychosomatic Complaints-Rating List (PCRL) bei verschiedenen ethnischen Gruppen in Deutschland. Die Akkulturationsstrategien wurden mit der Multi-Cultural-Ideology Scale (MCIS) gemessen. Für die Separationsstrategie resultierten signifikante Korrelationen mit elf Arten von psychosomatischen Beschwerden, wie z.B. physische Erschöpfung, extremes Schlafbedürfnis, Muskelverspannungen und Herzbeschwerden. Ferner konnten signifikante Zusammenhänge zwischen Assimilationsstrategie und physischer Erschöpfung, sowie Herzbeschwerden, konstatiert werden. Im emotionalen Bereich konnte Schmitz für die Separationsstrategie signifikante Korrelationen mit Angst, Zwangshandlungen und depressiven Reaktionen aufzeigen. Die negativen gesundheitlichen Konsequenzen beim Einsatz der Assimilationsstrategie führt Nguyen (2006) auf damit resultierende Entfremdungsgefühle von der eigenen ethnischen Gruppe zurück und damit einhergehender Hass auf die eigene ethnische Gruppe und Selbsthass. Negative gesundheitliche Folgen beim Praktizieren der Separationsstrategie werden mit unzureichend kulturellen Fertigkeiten, Sprachkenntnissen und eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten der Migranten und damit korrespondierenden Isolations- und Einsamkeitsgefühlen begründet (Rogler et al. , 1991; zitiert nach Nguyen, 2006).

Hinsichtlich der Integrationsstrategie, für die Berry (1997) die beste Adaptation im Sinne psychischen Wohlbefindens konstatiert, und somit für die Migranten die positivsten gesundheitlichen Konsequenzen zu erwarten sind, weist die jüngere Forschung allerdings gegenteilige Resultate auf. Steffen, Smith, Larson und Butler (2006) folgern nach einer Meta-Analyse von 125 veröffentlichten Studien, die den Zusammenhang von Akkulturation und Blutdruck untersuchten, dass zunehmende Akkulturation, im Sinne von Integration, an die westliche Gesellschaft mit einem höheren Blutdruck einhergeht. Zudem konnte ein Zusammenhang mit der Aufenthaltsdauer in der aufnehmenden Kultur gefunden werden. Die höchsten Effektgrößen konnten direkt nach dem Eintritt in die neue Kultur beobachtet werden.

Ebenso kommt Bhugra (2003) nach einem Review einiger Studien zu dem Schluss, dass die Integrationsstrategie vermehrt mit Depressivität einhergeht. Favorisierten die Studienteilnehmer die Akkulturationsstrategien Assimilation oder Separation, resultierten niedrigere Depressivitätswerte.

Des Weiteren berichten Neuhouser, Thomson, Coronado und Solomon (2004) in einer Studie, dass sowohl japanische als auch mexikanische in den USA lebende Migranten beim Einsatz der Integrationsstrategie vermehrt kardiovaskuläre Erkrankungen aufzeigen als ihre in den Herkunftsländern lebenden Landsmänner.

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1 http://www.sueddeutsche.de/politik/bericht-der-vereinten-nationen-zahl-der-migranten-so-hoch-wie-nie-1.1768954. Zugriff am 22.12.2014.

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Details

Titel
Akkulturation und Wohlbefinden/Adaptation. Ein systematisches Review der empirischen Forschungsliteratur
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Psychologische Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
69
Katalognummer
V336889
ISBN (eBook)
9783656984580
ISBN (Buch)
9783656984597
Dateigröße
867 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Akkulturation, Akkulturationsstrategien, Wohlbefinden, Gesundheit, Adaptation
Arbeit zitieren
Annette Jung (Autor), 2015, Akkulturation und Wohlbefinden/Adaptation. Ein systematisches Review der empirischen Forschungsliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336889

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Titel: Akkulturation und Wohlbefinden/Adaptation. Ein systematisches Review der empirischen Forschungsliteratur



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