„Flames out of control“. Theologische Zeitdeutung bei Billy Graham in der Mitte des 20. Jahrhunderts


Seminararbeit, 2013

24 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Der Autor und der Text
2.2 The Demographic Flame
2.3 The Flame of Lawlessness
2.4 The Racial Flame
2.5 The Red Flame
2.6 The Flame of Uncontrolled Science
2.7 The Flame of Political Dilemma

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im folgenden werde ich die theologische Zeitdeutung Billy Grahams am Beispiel des ersten Kapitels „Flames out of control“ seines Werkes „World aflame“ darlegen. In diesem Buch kritisiert Billy Graham die aktuelle Situation (1965), gibt Tipps, wie man sein Leben auf Gott und Jesus Christus ausrichten kann und wie man so am Ende dieser Welt gerettet wird. Dies schmückt er mit Beispielen aus, die komplexe theologische Ansichten leicht verständlich machen, und erzählt von seinen zahlreichen Erlebnissen, die er in der ganzen Welt mit vielen unterschiedlichen Menschen hatte.

Im ersten Kapitel, das ich hier näher bearbeiten werde, beschreibt Graham welche Mächte dafür verantwortlich sind, dass die Welt in Flammen steht. Er unterscheidet zwischen sechs Flammen, die damit drohen, die Menschheit zu zerstören.

Ich werde damit beginnen, den Autor zu biographieren und äußere und innere Quellenkritik zu betreiben. Dann werde ich die einzelnen Flammen, die Graham beschreibt, analysieren, daran seine theologische Zeitdeutung darlegen und sie mit der tatsächlichen Situation vergleichen.

Da Billy Graham der wohl wichtigste evangelikale Prediger in Nordamerika ist und Tausende von Menschen überzeugt und bekehrt hat, wird diese Arbeit einen großen Bestandteil der theologischen Ansichten der Menschen in Nordamerika und auch von vielen im Rest der Welt wiedergeben. Unter den vielen anderen Büchern, die Billy Graham verfasst hat, stellt das Werk, aus dem ein Kapitel in dieser Arbeit behandelt wird, ein gutes Beispiel dar, da es die theologischen Grundthemen und ein breites Spektrum an Bibelzitaten behandelt.

2. Hauptteil

2.1 Der Autor und der Text

William Franklin (Billy) Graham wurde 1918 in North Carolina auf einer Farm geboren. Seine Eltern waren „evangelical Presbyterians but not separatist fundamentalists“1. In seiner Kindheit und Jugend mochte er schnelle Autos, Mädchen und Baseball. Seine Erweckung hatte er mit 16 Jahren bei einer Predigt des fundamentalistischen Evangelisten Mordecai Ham2 und er trat der südlichen Baptistenkirche bei.3 An dem Abend, an dem Graham bekehrt wurde, begann Ham seine Predigt mit den Worten: „There´s a great sinner in this place tonight.“4 Graham fühlte sich von diesen Worten persönlich angesprochen und er übernahm diesen direkten Appell von Ham an das sündige und schuldige Selbst der Menschen in seine eigenen Predigten. Auch weitere Predigtmethoden, die er bei Ham gelernt hatte, verwendete er für seine eigenen Predigten.5

Nach seiner Bekehrung besuchte er ein christliches College, das Bob Jones College, um Pfarrer zu werden.

Aber da ihm die hiesigen Regeln zu streng waren, blieb er dort nicht lange und wechselte auf das Florida Bible Institute. Dort studierte er von 1937 bis 1940 und graduierte 1943 auf dem Wheaton College. Seine Frau, Ruth Bell, lernte er auch auf dem Wheaton College kennen. Sie war die Tochter eines Missionars in China.

Graham übte nach dem Abschluss auch für kurze Zeit den Pfarrberuf aus, aber sein wahres Interesse galt dem „travelling evangelism“6.

Er wurde dann hauptamtlicher Mitarbeiter in „Youth for Christus“ (YFC). Graham bereiste außer Amerika auch Europa und Großbritannien und predigte dort auf Versammlungen der YFC. Richtig berühmt wurde er als er 1949 in Los Angeles eine „crusade“7 abhielt. Damit hatte er die Aufmerksamkeit der nationalen Medien auf sich gezogen, welche ihn im ganzen Land bekannt machten. Auch der Herausgeber einer Zeitung wurde auf ihn aufmerksam und unterstützte ihn in seiner Zeitung mit „prominent coverage“8.

Insgesamt besuchten 350.000 Menschen innerhalb von zwei Monaten seine „crusades“.9

Dank der medialen Verbreitung seiner Predigten, wurden andere Länder auf ihn aufmerksam und luden ihn zur Evangelisation ein.10

1954 predigte er in London. Dort besuchten 2 Millionen Menschen innerhalb von drei Monaten seine Veranstaltungen. Europäisches Festland besuchte er ein Jahr später, dort hatte er 4 Millionen Besucherinnen und Besucher.

Insgesamt hatte er am Ende des 20. Jahrhunderts vor 210 Millionen Menschen in 150 Nationen gepredigt. Außerdem hatten unzählige mehr von ihm in Radio, Fernsehen und Filmen gehört.11

Mithilfe der Organisation „Billy Graham Evangelistic Association“ wurden seine Reisen, sein Team und seine Radiopredigten finanziert. Die Organisation konnte durch den Einfluss reicher Freunde Grahams entstehen.12

Bis Graham krank und alt war, waren seine Reden voll Feuer und voll Körpereinsatz. Er war ein guter Schauspieler. Dabei orientierte er sich wiederum an dem Prediger, der ihn bekehrt hatte, Mordecai Ham. Auch dieser verwendete seinen ganzen Körper, um seine Aussagen zu unterstreichen. Je älter er wurde, desto ruhiger wurde Graham in seinen Reden und mit seinen Gesten. Auch seine Frau hatte einen großen Einfluss auf seine Art, Reden zu halten. Sie war Presbyterianerin und mochte seine hektischen Reden nicht. Sie sagte einmal zu ihm: „Bill, Jesus didn´t act out the gospel. He just preached it. I think that ´s all he has called you to do.“13 14

Graham vertrat hauptsächlich den Neoevangelikalismus15, aber er kooperierte auch mit den liberalen Christen. Ihm wurde deshalb Ende der Fünfziger Jahre vorgeworfen, sich den Liberalen zu verkaufen und Gott zu missachten.

Dabei war er mehr als alle anderen dafür verantwortlich, dass der Neoevangelikalismus im Leben der Amerikanerinnen und Amerikaner eine große Rolle spielte. Er war in keine Skandale verwickelt und wurde unterstützt von den Medien. Als die Anhänger des Neoevangelikalismus sich von den Fundamentalisten distanzierten, schlug sich Graham auf die Seite der Neoevangelikalen.

Seit 1950 stand er den amerikanischen Präsidenten nahe, erst nachdem er 1974 vom damals amtierenden Präsidenten nur zu eigenen Zwecken verwendet wurde, nahm er Abstand von der Politik.16

Die meisten von Grahams Predigten folgten einem Vier-Teile-Schema. Der erste Teil ist: „The Grave Crisis in Our Time“17. In diesem Teil beschreibt Graham die Probleme der Menschheit und dies tut er meistens, indem er die tatsächliche Situation sehr überspitzt darstellt. Die bösen Mächte, die gegen die Menschheit kämpfen, wechseln von Predigt zu Predigt und hängen immer von der Ära ab, in der er die Predigt hielt.

Der Teil, der danach folgt, behandelt dieses Thema: „The Restless and Captive Soul“18. Hier fühlt er sich nun in die Zuhörenden hinein, die sich alleine, ängstlich und schuldig fühlen und nach einem Sinn suchen. Er spricht die Menschen, die zu seinen Predigten gekommen sind, direkt an, zitiert dabei Bibelstellen und greift immer wieder die an, die sich gut fühlen, wenn sie in die Kirche gehen, aber wenn sie diese verlassen haben, genauso sündig weiterleben wie bisher.

Er beschreibt die Menschen immer wieder als Sündige, die gegen Gott rebellieren.

Im dritten Teil: „God´s Response and Invitation“19 erklärt Graham, dass die Menschen eigentlich nichts tun können, damit Gott ihnen vergibt, nur Gott kann die Sünde vergeben und dies tut Gott, wenn der Mensch in Glauben und Reue zu ihm kommt.

Im vierten und letzten Teil der Predigt: „Get Up Out of Your Seat and Come to Christ“20 erfüllt sich idealerweise das eigentliche Ziel der Predigten Grahams: die Menschen werden bekehrt. Er fordert die Menschen auf, aufzustehen und sich zu Christus zu bekennen.21

In dem hier behandelten Kapitel lassen sich viele Parallelen zu diesem Vier-Teile-Schema ziehen, auf die ich später zurückkommen werde.

Graham hatte viele Kritiker, darunter Reinhold Niebuhr, der kritisiert, dass Graham die Lösung der großen sozialen Probleme immer nur in der persönlichen Rettung sieht. Niebuhr kreidet an, dass Graham das christliche Heil als „magic panacea“22 präsentiert und dabei außen vorlässt, dass selbst die strenggläubigsten Christinnen und Christen den Versuchungen des Wohlstands erliegen.23

Thomas Long ergänzt noch weitere Kritikpunkte, unter anderem, dass Graham die ausgewählten Bibelstellen zu seinem Zweck missbraucht und aus dem Zusammenhang reißt. Auch Grahams Plausibilität zweifelt er an, da Graham die jetzige Zeit als die schlimmste Zeit der Menschheit bezeichnet und das bereits seit über 70 Jahren.24

Und trotz seiner mangelnden Redequalitäten wird Billy Graham von vielen als der erfolgreichste Prediger in Nordamerika bezeichnet.

Woran das liegt, versucht Long zu erklären. Graham sei immer nah bei den Menschen, er verstehe ihre Träume und ihre Probleme. Er verkörpere für sie die Rettung aus dem einsamen und trostlosen Leben und gäbe ihnen die Chance neu anzufangen.25

Das Buch „World aflame“, in dem sich das hier bearbeitete Kapitel befindet,

lässt sich unter Betrachtung der äußeren Quellenkritik als eine theologische Abhandlung einordnen, die Adressaten des Textes sind alle Christinnen und Christen, die sich über die aktuelle Situation Gedanken machen und nach Lösungen suchen, des weiteren alle Menschen, die laut Graham nichts von der aktuellen Situation mitbekommen und die er aufrütteln möchte.

Das Buch erschien 1965 in gebundener Version und 1977 als Taschenbuch. In dieser Arbeit habe ich die gebundene Version verwendet.

Es wurde von Billy Graham in einer Zeit geschrieben, die von manchen „The Fourth Great Awakening“ genannt wird. Nach dem zweiten Weltkrieg begann Amerika sich der Religion zuzuwenden, um wieder Stabilität zu erlangen. 1940 fühlten sich 49% der amerikanischen Bevölkerung einer Kirche zugehörig, 1956 waren es 62% und 1960 69% der Bevölkerung.

1954 wurde beim „Pledge of Allegiance“26 der Vers „under God“ hinzugefügt und das nationale Motto wurde „In God We Trust“.27

Weitere historische Hintergründe werde ich in den nächsten Kapiteln näher darlegen.

Das Kapitel, das in dieser Arbeit betrachtet wird, ist das erste von 23 weiteren Kapiteln.

Im Hinblick auf die innere Quellenkritik lässt sich sagen, dass der Autor in seinem Buch eschatologische Visionen entwickelt, die Probleme der gegenwärtigen Situation analysiert und sie versucht zu lösen.

[...]


1 Evangelikale Presbyterianer aber keine Fundamentalisten.

2 Hankins, Barry: American Evangelicals, Maryland 2008.

3 Scharpff, Paulus: Geschichte der Evangelisation, Gießen 1980 2.

4 „Es gibt an diesem Ort einen großen Sünder heute Nacht.“

5 Long, Thomas G.: Preaching the Good News, in: Long, Michael G.(Hrsg.): The Legacy of Billy Graham - Critical Reflections on America´s Greatest Evangelist, Louisville 2008.

6 Reisender Evangelikalismus.

7 Kreuzzug, hier: eine Art gottesdienstliche Versammlung.

8 Prominente Berichterstattung.

9 Hankins, Barry: American Evangelicals, Maryland 2008.

10 Scharpff, Paulus: Geschichte der Evangelisation, Gießen 1980 2.

11 Hankins, Barry: American Evangelicals, Maryland 2008.

12 Scharpff, Paulus: Geschichte der Evangelisation, Gießen 1980 2.

13 „Bill, Jesus hat das Evangelium nicht vorgespielt. Er hat es nur gepredigt. Ich denke, das ist alles, was er dir aufgetragen hat.“

14 Long, Thomas G.: Preaching the Good News, in: Long, Michael G.(Hrsg.): The Legacy of Billy Graham - Critical Reflections on America´s Greatest Evangelist, Louisville 2008.

15 Der Begriff Neoevangelikalismus oder auch Neuer Evangelikalismus wurde zum ersten Mal in einer Rede 1947 gebraucht und bezeichnet eine Gruppe von Evangelikalen, die sich von den Fundamentalisten absetzen wollten und auf eine Verkündigung christlicher Theologie in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen der Zeit Wert legten, http://distomos.blogspot.de/2011/10/harald-ockenga.html, 24.4.2013.

16 Hankins, Barry: American Evangelicals, Maryland 2008.

17 Die Grabeskrise in unserer Zeit.

18 Die unruhige und gefangene Seele.

19 Gottes Antwort und Einladung.

20 Steh von deinem Sitz auf und komm zu Christus.

21 Long, Thomas G.: Preaching the Good News, in: Long, Michael G.(Hrsg.): The Legacy of Billy Graham - Critical Reflections on America´s Greatest Evangelist, Louisville 2008.

22 Magisches Wundermittel.

23 Niebuhr, Reinhold: Literalism, Individualism, and Billy Graham, Christian Century, May 23, 1956, S. 641.

24 Long, Thomas G.: Preaching the Good News, in: Long, Michael G.(Hrsg.): The Legacy of Billy Graham - Critical Reflections on America´s Greatest Evangelist, Louisville 2008.

25 Long, Thomas G.: Preaching the Good News, Louisville 2008.

26 Treue-Gelöbnis gegenüber der Nation und der Flagge der Vereinigten Staaten.

27 Price, B.: Great Awakening(s), in: Lippy, C., Williams, P. (Hrsg.): Encyclopedia of Religion in America, Vol. 2, Washington 2010.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
„Flames out of control“. Theologische Zeitdeutung bei Billy Graham in der Mitte des 20. Jahrhunderts
Note
2,7
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V336896
ISBN (eBook)
9783656984689
ISBN (Buch)
9783656984696
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
flames, theologische, zeitdeutung, billy, graham, mitte, jahrhunderts
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, „Flames out of control“. Theologische Zeitdeutung bei Billy Graham in der Mitte des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336896

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