Kinder und Jugendliche im Internet - Eine medienwissenschaftliche Untersuchung von Literatur und Nutzerstudien


Diplomarbeit, 2001
97 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1: Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Aufbau der Arbeit

Kapitel 2: Das Internet und seine Dienste
2.1 Entstehung und Entwicklung des Internets
2.2 Online-Medien

Kapitel 3:Projekte im Schul- und Bildungsbereich in Deutschland
3.1 Schulen ans Netz
3.2 Internet-Kindergarten
3.3 T@SchoolT@ School

Kapitel 4: Das Internet im Alltag von Kindern und Jugendlichen
4.1 Wirkung und Auswirkung auf die Freizeit und Mediennutzung
4.1.1 Computerspiele
4.2 Auswirkungen auf die Gesundheit
4.2.1 Computer- und Internetsucht
4.3 Mögliche Gefahren und Auswirkungen der Internetnutzung auf Kinder und Jugendliche
4.3.1. Kinder- und Jugendschutz
4.3.1.1 Gesetze
4.3.2 Werbung im Internet

Kapitel 5: Nutzerstudien Kinder
5.1 Vorstellung der Studien
5.2 Untersuchungsschwerpunkte
5.3 Auswertung der Studien
5.4 Zusammenfassung der Ergebnisse der Kinderstudien

Kapitel 6: Nutzerstudien Jugendliche
6.1 Vorstellung der Studien
6.2 Untersuchungsschwerpunkte
6.3 Auswertung der Studien
6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse der Studien zu Jugendlichen

Kapitel 7: Stellungnahme und Kritik an den Studienergebnissen und Literaturstandpunkten
7.1 Persönliches Fazit

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der verwendeten Internet-Adressen

Abbilderverzeichnis

Liste der Sponsoren

Artikel der Autolernwerkstadt

Vorwort

An den Beginn meiner Arbeit über die „Nutzung des Internets durch Kinder und Jugendliche“ möchte ich die Beweggründe stellen, die mich zu diesem Thema geführt haben. Wen die folgenden persönlichen Zeilen interessieren, der kann sie gerne lesen, ansonsten kann das Vorwort auch übersprungen werden.

Die Idee zu diesem Thema baut auf einem Praktikum auf, das ich im Sommer vergangenen Jahres in einer Online-Redaktion absolvierte. Hauptsächlich beschäftigte ich mich dabei mit dem Kindermagazin Autolernwerkstadt, einer Kindersite, die von der Volkswagen AG ins Leben gerufen wurde. Neben dem Schreiben von aktuellen kindergerechten Nachrichten und Artikeln war es auch meine Aufgabe die E-Mails der Kinder, die auf die Artikel, aber auch auf Probleme und Fragen aller Art hin geschrieben wurden, zu lesen und zu beantworten.

Dabei überraschte mich nur allzuoft das Wissen der Kinder über das Internet und computerrelevante Dinge. Teilweise konnten die Kleinen besser mit der „Computersprache“ umgehen, als die Redakteure oder ich selbst. Sie schienen mit der Nutzung des Computers sehr vertraut und für einige war es die Freizeitbeschäftigung überhaupt.

Die Redaktionsarbeit, aber insbesondere die E-Mails der Kinder, weckten in mir das Interesse daran, mehr über das Nutzerverhalten von Kindern bezüglich des Internets herauszufinden. Dabei fand ich es auch interessant, nicht nur das Verhalten der Kinder, sondern auch das von Jugendlichen mit in die Arbeit einzubeziehen. Verändert sich das Verhalten mit zunehmenden Alter oder bleibt es gleich?

Ein weiterer Grund für die intensive Beschäftigung mit dem Thema lag aber auch an der Beschäftigung mit dem Layout der Kindersite. Das Angebot für Kinder sollte möglichst gut verständlich und leicht bedienbar sein, wobei bei Kindern selbstverständlich ganz andere Aspekte zu berücksichtigen sind, als bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Deshalb fand ich es auch interessant herauszufinden, welche Ansprüche Kinder und Jugendliche an die Gestaltung des Angebots im Internet stellen und ob insbesondere die Kinderseiten wirklich verständlich genug sind.

Da mir die Arbeit für das Kindermagazin sehr viel Spaß gemacht hat, war für mich ein Thema, das sich mit Kindern und dem Internet vereinen läßt, genau richtig. Deshalb werden auch einige Artikel, die während des Praktikums entstanden sind, mit in die Arbeit einbezogen, soweit sie dem Thema dienlich sind.

1. Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

„Weit verbreitet in Öffentlichkeit und Medien ist das Bild des Computerfreaks, der blaß, einsam und kontaktscheu in seiner elektronischen Höhle weilt“:1 „Geradezu autistisch sitzt der jugendliche Computerfreak allein in seinem Zimmer und starrt ohne Unterbrechung auf den Bildschirm. Per Modem klinkt er sich ein in die globalen Netze. Hin und wieder plaudert er mit Gleichgesinnten in den USA und Singapur, ‚chatten‘ nennt die Szene diesen elektronischen Kaffeeklatsch. Die Netz-Surfer sind losgelöst von der Welt...“2

Das Internet soll das Medium der Zukunft sein. Unaufhaltsam soll es sich in aller Welt ausbreiten. Doch wird es von der Bevölkerung in gleich starkem Maße als Unterhaltungs- und Informationsmedium genutzt und akzeptiert werden?

Seit Oktober 1999 erhöhte sich die Zahl der Online-Nutzer in Deutschland um knapp zwei Drittel. Zu diesem Ergebnis kam das Unternehmen MMXI3. Im August 2000 verbrachten knapp neun Millionen Menschen rund 58 Millionen Stunden im Netz. Das entspricht einer Steigerung von 121% gegenüber dem Vorjahr. Mit der steigenden Besucherzahl änderte sich auch die Nutzerschaft. 68% aller erwachsenen Besucher sind männlich, jedoch hat sich die Zielgruppe der weiblichen Surfer im Alter von 14 bis 29 Jahren seit Herbst 1999 auf 1,2 Millionen fast verdoppelt.

Fakt ist jedoch, daß das Internet zum größten Teil von Höhergebildeten genutzt wird. Der Anteil der Gymnasial- und Universitätsabsolventen liegt bei 12 bzw. 19 %, während die Haupt- und Realschulabsolventen nur mit 1-2 % vertreten sind. Die typischen Internetuser sind auch nicht die 14- bis 17jährigen (7%), sondern eher die jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 24 Jahren.

Obwohl mehr und mehr Menschen das Internet gebrauchen, ist es noch kein tagtäglich genutztes Medium.

Die Nutzung des Internets in Deutschland ist insgesamt eher der jungen Generation vorbehalten. Für viele Jugendliche gehören Computerspiele und Internet heute zum Alltag. Aber auch Kinder beschäftigen sich mehr mit den elektronischen Medien, als mit normalen Spielsachen.

Innerhalb des Jahres 2000 ist allein die Zahl der Sechs- bis Zwölfjährigen in Deutschland, die online gehen, von 21 auf 37 % gestiegen. Das sind etwa 2, 3 Millionen Kinder.4 Im Gegensatz zu älteren Menschen, die sich oft mehrheitlich gegen das Multimediaangebot wehren und sperren weil es ihnen zu kompliziert erscheint, stehen die Jüngeren den Möglichkeiten von Multimedia insgesamt positiv gegenüber.

Eine genauere Betrachtung der Mediengewohnheiten von Heranwachsenden scheint deshalb sinnvoll. Daher wird sich die vorliegende Arbeit der Einstellung zum und der Nutzung des relativ jungen Mediums Internet durch Kinder und Jugendliche widmen und verschiedenste Fragestellungen aufgreifen. Dabei werden neben kritischen Ansatzpunkten aus der Literatur auch Studien zum Nutzerverhalten herangezogen.

1.2 Aufbau der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit soll eine Untersuchung verschiedener Studien zur Internetnutzung durch Kinder und Jugendliche unter Berücksichtigung von medienwissenschaftlicher Literatur durchgeführt werden. Der Untersuchungsschwerpunkt soll dabei auf der Frage liegen, wie Kinder und Jugendliche das Internet nutzen, was sowohl an der Literatur wie auch an den Studien herausgearbeitet werden soll. Dabei sollen bspw. folgende Fragen beantwortet werden:

- Welche Angebote des Internets werden genutzt?
- Wie oft wird das Medium genutzt?
- Wo und mit wem wird das Internet genutzt?

In diesen Schwerpunkt fließen weitere Aspekte mit ein. So wird auch untersucht, welche Art der Auswirkungen das Internet auf die Zielgruppen haben kann, welche Unterschiede im Nutzerverhalten zwischen den Gruppen bestehen bzw. welchen Anteil das Medium im Alltag der Gruppen einnimmt.

Zu diesem Zweck wird sich das zweite Kapitel zunächst einer Begriffs-erläuterung widmen, um damit die Voraussetzung für ein leichteres Verständnis der Arbeit zu schaffen. Eingebettet in dieses Kapitel ist ein kurzer Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Internets im Allgemeinen. Im anschließenden dritten Kapitel werden verschiedene Projekte im Schul- und Bildungsbereich in Deutschland vorgestellt, die durch die zunehmende Wichtigkeit der neuen Medien ins Leben gerufen wurden.

Im vierten Kapitel wird der aktuelle Kenntnisstand zur Nutzung und Wirkung der neuen Kommunikationsmedien auf die junge Generation wiedergegeben. Dabei soll unter medienwissenschaftlichen Gesichtspunkten auf drei Bereiche genauer eingegangen werden:

Zunächst ist zu klären, welche Veränderungen durch die neuen Technologien in der Freizeitgestaltung und in der generellen Mediennutzung der verschiedenen Gruppen auftreten. Dem folgen die oft in Literatur und Öffentlichkeit stark diskutierten gesundheitlichen Risiken, die bei der Nutzung von elektronischen Medien bei jungen Nutzern auftreten können. Dabei wird auch der Bereich Internetsucht, eine relativ junge „Krankheit“, angesprochen. Anschließend wird in diesem Kapitel auf mögliche Gefahren und negative Auswirkungen der Internetnutzung eingegangen. Hierbei werden insbesondere die Gefährdung durch Werbung und pornographische Inhalte betrachtet, sowie ansatzweise auch der Bereich des Kinder- und Jugendschutzes. Das gesamte vierte Kapitel baut ausschließlich auf einer Betrachtung der zu den Themen vorhandenen medienwissenschaftlichen Literatur auf.

Die folgenden Kapitel fünf und sechs widmen sich einer Auswertung themen-relevanter Studien zur Internetnutzung der bereits angesprochenen Zielgruppen nach unterschiedlichen Fragestellungen. Die Studien sowie die Fragestellungen werden zu Beginn der beiden Kapitel im einzelnen vorgestellt. Die Auswertung der Studien greift Themen der Literatur mit auf. Zum Abschluß der Kapitel fünf und sechs werden die jeweils herausgearbeiteten Studienergebnisse im Überblick dargestellt.

Das abschließende siebte Kapitel wird sich kritisch zum Aufbau der Studien äußern und auf Unterschiede zwischen den Studien aufmerksam machen. Desweiteren werden einige Studienergebnisse mit Punkten aus dem Literaturabschnitt verglichen. Außerdem sollen bspw. auch Ansätze von Erklärungen zu Verhaltensmustern der Befragten angeführt werden.

Berücksichtigt werden muß dabei, daß die ausgewählten Studien nicht repräsentativ für ganz Deutschland gesehen werden können, sondern lediglich einen Ausschnitt einer Befragung wiedergeben. Genauso kann die herangezogene Literatur nur einen kleinen Teil der Gesamtliteratur wiedergeben, da thematische Eingrenzungen beachtet werden müssen.

Zu Beginn der jeweiligen Kapitel wird eine kurze Einführung in den Inhalt derselben gegeben werden. Die im folgenden angeführten Abbildungen und Tabellen werden, mit Ausnahme der Tabellen in den Kapiteln fünf und sechs, nicht als Fußnoten gekennzeichnet, sondern numeriert im Abbilderverzeichnis aufgeführt. Die Arbeit ist nach den alten Rechtschreibregeln geschrieben.

2. Das Internet und seine Dienste

Dieses Kapitel wird mit einem kurzen geschichtlichen Abriß die Entstehung und Entwicklung des Internets darstellen. Eine genaue Definition für das Internet kann nicht gegeben werden, da es sich ständig weiterentwickelt. Deshalb wird nur der Versuch einer Einordnung vorgenommen. Danach werden vier Online-Medien, die als Dienste des Internets bekannt sind, näher erläutert, da sie für das weitere Verständnis der Arbeit wichtig sind.

Bei der Geschichtsdarstellung ist zu beachten, daß es zahlreiche verschiedene Ansichten zur Internetentstehung gibt. Die hier wiedergegebene Entwicklung stellt die in der Literatur am stärksten vertretende Variante vor.

2.1 Entstehung und Entwicklung des Internets

Die Entwicklung des Internets kann in drei Phasen unterteilt werden: Zunächst diente es rein militärischen Zwecken, dann der Wissenschaft und schließlich wurde es der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Seine Integration in den Alltag der Menschen fand es durch die Erfindung des WorldWideWeb (WWW).

1958 wurde vom amerikanischen Verteidigungsministerium eine Institution gegründet, die den Namen ARPA (Advanced Research Projects Agency) trug. Die ARPA sollte die militärische Forschung des Landes koordinieren. Anfang der 60er Jahre erteilte das Pentagon der ARPA den Auftrag, ein Netzwerk zu entwickeln, an das Computer verschiedenster Hersteller angeschlossen werden könnten und das die Übertragung von numerischen Informationen im Kriegsfall absichern sollte. In den 60er Jahren galt das Telefon als das einzige Kommuni-kationsmittel, welches für ein Projekt dieser Art in Frage kam. Jedoch bestand bei diesem Kommunikationsnetz das Problem, daß die Telefonzentralen von tragender Bedeutung für das Funktionieren des gesamten Systems waren. Sie stellten sich deshalb als geeignete Ziele dar, um die gesamte Kommunikation zusammenbrechen zu lassen. Deshalb mußte man ein Kommunikationsnetz entwickeln, welches in der Lage sein sollte die Verbindungsroute zu ändern, wenn die Verbindung über eine bestimmte Telefonzentrale nicht mehr möglich sein sollte. Es mußte ein vollkommen dezentralisiertes Netz geschaffen werden.

Die theoretische Idee der Wissenschaftler bestand darin, ein Gewebe von Datagramm-Netzen zu konstruieren und Protokolle zu verwenden, um den Datenverkehr auf diesem „Netz von Netzen“ dynamisch zu steuern.

Von der „Defense Advanced Research Projects Agency“ (DARPA) wurde schließlich ein Programm entwickelt, welches den Vorläufer zum späteren Inter-net bildete, das sogenannte Arpanet. An das Programm wurde zunächst die Universität in Kalifornien (UCLA) angeschlossen, der jedoch bald weitere folgen sollten.

Während der folgenden zehn Jahre wurde das Arpanet ausschließlich zunächst vom Militär und dann für die wissenschaftliche Forschung genutzt. Deshalb fan-den auch immer mehr Universitäten den Zugang zum Internet. Im Jahre 1973 wurden erstmals auch außer- amerikanische Universitäten in das Programm integriert. In den folgenden Jahren stieg die Anzahl der angeschlossenen Rechner sprunghaft an und Hauptprotokolle, inklusive TCP (Transmission-Control-Protocol) und IP (Internet-Protocol), wurden im Arpanet aufgenommen.

Der Begriff „Internet“ tauchte 1982 zum ersten Mal auf. Zu diesem Zeitpunkt bemerkte man, daß das Arpanet zwar eine große Ausfallsicherheit, jedoch kaum Schutz vor unberechtigten Zugriffen auf vertrauliche Informationen bot. Deshalb entschied das Militär das Arpanet zu verlassen, um sein eigenes Netz zu gründen und das bisherige Netz in ein militärisches und ein wissenschaft-liches zu teilen. Dabei entstanden das MILNet (Military Network) und das NSFNet (National Science Foundation Network).

In den 80er Jahren waren nur wenige industrielle Firmen an das Internet ange-schlossen. Die Dienstleistung des Netzes, welche den größten Anklang fand, war die elektronische Post, die 1971 als das erste Programm für eine elek-tronische Kommunikation per Computer entwickelt worden war. Sie machte einen Austausch von Informationen binnen weniger Minuten mit anderen möglich.

Insbesondere die Entwicklung der „Personal Computer“ sowie der LANs (Local Area Network) ermöglichte es, Netzwerke untereinander zu verbinden. Durch die Konstruktion von Unter-Netzen 1985 wurde die Verbindung zwischen LANs mit den WANs (Wide Area Network) möglich. Das Ziel war es nun, möglichst vielen Menschen die Rechenleistung der großen Computer zur Verfügung zu stellen. Schließlich wurde 1986 durch die NASA und die NSF (National Science Foundation) ein Programm ins Leben gerufen, welches alle amerikanischen Hochschulen miteinander verband. Dieses Netzwerk baute auf den Protokollen des Internets (TCP/IP) auf.

1989 suchte man am Genfer Kernforschungszentrum in Cern eine einfache Möglichkeit, Forschungsdaten für alle Wissenschaftler über das Internet zu-gänglich zu machen, wobei auch Querverweise möglich sein sollten. Dazu wurde 1991 ein Hypertextsystem (das WWW) vorgestellt, das sich als äußerst leistungsfähig herausstellte und bei etlichen Forschungseinrichtungen zum Einsatz kam. 1993 wurde dann schließlich an der Universität von Illinois ein Programm mit grafischer Oberfläche erfunden, welches das einfache Navi-gieren durch das WWW ermöglichte. Diese Erfindungen verhalfen dem Internet schließlich zum Durchbruch; die Anzahl der an das Internet angeschlossenen Rechner stieg weit über die Millionen.5

Der Begriff „Internet“ bezeichnet somit die Vernetzung mehrerer voneinander unabhängiger Computernetze auf der Basis der TCP/IP - Protokollfamilie. Internet fungiert inzwischen aber auch als Bezeichnung für Anwendungen der Internet-Technologie. Desweiteren besteht auch die Bezeichnung „Online-Medien“, die auf eine Unterscheidung der medialen Nutzungsmöglichkeiten zielt, die sich aufgrund unterschiedlicher Vernetzungs- und Softwarevor-aussetzungen durch das globale „Netzvernetzungsnetz“6 Internet ergaben.

Zwischen den Begriffen Internet und Online-Medien besteht jedoch ein Unterschied, der auch wichtig für die Begriffsverwendung in der Arbeit ist. Das Internet realisiert allein den Datenaustausch zwischen Computern und Netzen. Im Bereich des Internets gibt es verschiedene Dienste, die als eigenständige Online-Medien bezeichnet werden, wie bspw. E-Mail, Usenet oder WorldWideWeb. Durch die Online-Medien wird die alleinige Nutzerfunktion aufgelöst, denn die Nutzer erhalten erstmalig die Rolle des Senders und des Empfängers. Spricht man heutzutage davon, im Internet zu sein, so meint man meist die Nutzung des WWW und nicht das Internet als Gesamtheit. Zu dieser Differenzierung werden deshalb die einzelnen Online-Medien im folgenden erklärt.

2.2 Online-Medien

Derzeit gibt es vier Online-Medien, die im Sinne von Einzelmedien unterschieden werden: E-Mail, IRC, Usenet und WorldWideWeb-Browser. Die ersten drei Medien wurden nacheinander entwickelt und können unabhängig voneinander oder auch parallel genutzt werden. Der WWW-Browser ist das jüngste Medium. Nutzer, deren erstes Online-Medium dieser Browser ist, kennen die anderen drei Medien nur als eine von vielen Funktionen des WWW-Browsers.

Im folgenden möchte ich die vier Online-Medien kurz vorstellen:

1. E-Mail (electronic mail)

Die E-Mail wird genutzt, um auf elektronischem Weg Nachrichten zu verschicken. Das ist innerhalb und außerhalb des Internets, aber auch über das Internet hinaus möglich. Durch seine Geschwindigkeit und seinen Bedienungskomfort bietet dieses Medium vielfältige Vorteile gegenüber Medien mit äquivalenten Funktionen. Es ist vor allem schneller und unkomplizierter als ein Brief und setzt keine zeitliche Ko-Präsenz voraus.

2. Usenet

Das Usenet ermöglicht das Veröffentlichen von Nachrichten, Stellungnahmen und Fragen in „öffentlichen“ Newsgruppen und dient dem Wissens- und Meinungsaustausch. Bisher ist es in sieben Hauptgruppen unterteilt, die wiederum in zahlreiche Untergruppen und neue Themenbereiche aufgeteilt sind. Die Struktur und Anzahl der Newsgruppen sowie der Dauer der darge-stellten Nachrichten ist jeweils von den Verantwortlichen der Gruppen abhän-gig.

3.IRC (Internet Relay Chat)

Im IRC können sich Nutzer mit einem entsprechenden Programm auf einem zentralen Server anmelden und Kurzbotschaften mit einer Gruppe von anderen Nutzern online austauschen. Dieses Medium ermöglicht den Teilnehmern somit eine Kommunikation unter raumzeitlicher Ko-Präsenz.

Der IRC ist der am häufigsten verwendete Chattyp. Neben ihm gibt es noch zwei weitere Chattypen, den „Webpage-Chat“ und den „Visual Vitual World“ Chat. Der erste der beiden ist meist Bestandteil einer Homepage oder eines Internet-Diensteanbieters und benötigt keine spezielle Software. Der zweite Chattyp benötigt Software, die aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Er zeichnet sich durch eine starke graphische Chat-Umgebung aus, die von den Nutzern mitgestaltet werden kann.

4. WWW-Browser

Der WWW-Browser ist das jüngste Online-Medium und zugleich das benutzer-freundlichste und funktionsvielfältigste. Er integriert Leistungen, für die ur- sprünglich die Verwendung verschiedener Online-Medien notwendig war.

Neben dem Umgang mit Texten bietet das Medium auch den Zugriff auf Töne, Musik, Bilder und Videos unter einer einheitlichen grafischen Oberfläche an, in die verschiedene Informations- und Kommunikationsdienste integriert sind. Erstmalig wird durch das Zusatzprotokoll http (Hypertext-Transfer-Protocol) auch das einfache und direkte Wechseln auf andere WWW-Dokumente möglich.

Zu den besonderen Eigenschaften dieses Online-Mediums zählen die Inter-aktivität, die Hypertextualität, die Globalität sowie die Multimedialität.

In das Medium des WWW-Browsers wurden die Funktionen der „alten“ Online-Medien E-Mail, Usenet und Chat integriert, so daß dessen Nutzungsmöglich-keiten stark erweitert wurden.7

Viele Seiten sind im Internet durch Links miteinander verbunden. Für das Springen von Seite zu Seite hat sich der Begriff „surfen“ eingebürgert. Das Surfen beginnt meist mit dem Besuch einer Homepage eines Unternehmens etc., von der aus dann verschiedenste Seiten besucht werden können.

So wie das Internet eine Vielzahl von Services anbietet, so verschieden sind auch die Nutzer des Mediums. Das Internet verändert sich ständig und bietet derart neue Möglichkeiten, daß deren Anwendungsgebiete noch lange nicht genau festzulegen sind. Deshalb muß bedacht werden, daß eine Arbeit, die sich mit einem Thema aus dem Bereich der neuen Kommunikations-technologien beschäftigt, längst veraltet sein kann, wenn sie fertiggestellt ist. Ihre Ergebnisse sollten jedoch trotzdem von Interesse sein, da sie für weitere Entwicklungen herangezogen werden können.

3. Projekte im Schul- und Bildungsbereich in Deutschland

Mit der steigenden Nutzung und Etablierung des Computers und Internets in der Öffentlichkeit steigt auch der Druck auf jeden Einzelnen, sich mit den Medien vertraut zu machen. Die technischen Kommunikationsmedien erhalten eine immer bedeutsamere Rolle in der Alltagswelt. Die Auswirkungen der neuen Medien sind insbesondere in der Berufs- und Arbeitswelt gravierend.

Im Bereich der Online-Angebote zeichnet sich zwar eine verstärkte Nutzung ab, doch ist die Frage nach dem konkreten Nutzen des neuen Mediums für einen Teil der Öffentlichkeit nicht klar. Viele Erwachsene halten sich aufgrund der zusätzlich anfallenden Kosten von der Internetnutzung fern. Aber auch die Frage, welchen Nutzen das Netz für die Zielgruppe Kinder bildet, bleibt für viele Eltern unbeantwortet.

Trotz dieser fraglichen Aspekte in bezug auf das Medium Internet sticht hervor, daß sich durch die zunehmende Verbreitung der neuen Medien auch die Berufe verstärkt darauf einrichten. Somit ist es notwendig, daß insbesondere Ausbildungs- und Bildungsstätten auf die Entwicklungen reagieren, denn diese sollen schließlich die Grundkompetenzen für die sich verändernden gesell-schaftlichen Bedingungen vermitteln. Ganz besonders der Dienstleistungs-sektor arbeitet verstärkt mit digitalen Medien und den Möglichkeiten, die sich über die Netze anbieten. Deshalb gilt der Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit der neuen Technologie als grundlegende Voraussetzung, um in der Arbeits-welt bestehen zu können. Die Notwendigkeit, sich mit dieser Entwicklung aktiv auseinanderzusetzen, ist inzwischen allgemeiner Konsens, und an einigen Schulen wird das Internet schon aktiv genutzt. Trotzdem machen Kinder aller Altersgruppen ihre Medienerfahrungen in erster Linie nicht in der Schule, sondern in ihrer Freizeit.

1997 boten in Deutschland 718 Schulen Informationen über ihre Schule im Internet an. Zum Inhalt gehörten bei 84 Schulen eine Schülerzeitung.

In der ganzen Welt boten 19 deutschsprachige Schulen Informationen über ihre Schule im Netz an, wobei bei fünf Schulen auch eine Schülerzeitung zum Angebot gehörte. Leider ist das nur ein kleiner Teil von Schulen, an denen Kinder aktiv am Webauftritt ihrer Schule beteiligt sein können und Zugang zu den neuen Medien haben.8 Um der unterentwickelten Ausstattung in den Schulen entgegenzuwirken, gibt es einige breit angelegte bildungspolitische Initiativen im Schul- und Lehrbereich, sowie auch kleinere Versuche, Kinder bereits im Kindergarten mit Computern vertraut zu machen. Im folgenden sollen drei Projekte genauer vorgestellt werden.

3.1 Schulen ans Netz

Auszug aus der Einleitung des „Schulen ans Netz e.V.“:

„Die gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) und der Deutschen Telekom AG versteht sich als Impulsgeber für die Weiterentwicklung des Schulsystems vor dem Hintergrund der Informationsgesellschaft. Das Ziel: Die neuen Medien und die Nutzung des Internets im Schulalltag zu verankern. Dazu „...fördert der Verein die Vermittlung von Medienkompetenz bei jungen Menschen, insbesondere das Lehren, Lernen und Urteilen mit den neuen Medien an allgemein- und berufsbildenen Schulen.“ Der Verein „...initiiert, koordiniert und fördert Projektaktivitäten zu Lehren und Lernen über Netze. Dazu zählen insbesondere Aufgaben der Entwicklung und Erprobung von Unterrichtsmaterialien, weiterhin die Aus- und Fortbildung der Lehrer sowie die Qualifizierung der Schüler im Umgang mit Telekommunikations- und Informationstechnolgie.“9

Die Initiative „Schulen ans Netz“ wurde am 18.04.1996 vom damaligen Bundesbildungsminister Dr. Jürgen Rüttgers und dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG Dr. Ron Sommer ins Leben gerufen. Zu diesem Zeitpunkt hatten gerade einmal 800 Schulen eine Zugangsmöglichkeit zum Internet. Die Initiative setzte sich das Ziel, innerhalb von drei Jahren, d.h. bis Mitte 1999, 10.000 deutsche Schulen ans Netz anzuschließen. Dafür stellte die Deutsche Telekom AG 36 Millionen DM und das BMBF 23 Millionen DM zur Verfügung. Nachdem „Schulen ans Netz“ bereits nach kurzer Zeit große Akzep-tanz fand, verstärkten die Initiatoren ihr Engagement mit weiteren Millionen DM. Die Mittel sollten ab 1999 verwendet werden, um bis Ende 2001 alle rund 44.000 allgemein- und berufsbildenen Schulen in Deutschland „ans Netz“ zu bringen. Doch die Mittel allein reichten nicht aus, so daß zahlreiche Unter-nehmen aus dem Bereich der neuen Medien sich als finanzkräftige Sponsoren mit an der Aktion beteiligten.10

Allerdings konnte der Zeitplan nicht wie ursprünglich geplant eingehalten werden. 1999 hatten von den rund 44.000 Schulen zwei Drittel (ca. 30.000) noch immer keinen Internetanschluß. Die Orientierung an den Standards in den Schulen der USA konnte bisher nicht erreicht werden. Dort verfügen mehr als zwei Drittel aller allgemeinbildenden Schulen bereits über einen Internetan-schluß.

Im Herbst 2000 erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder, daß alle Schulen in Deutschland bald mit Computern und Internetzugang ausgestattet werden sollen. Das sollte im Rahmen der „Initiative D 21“ geschehen. Diese Initiative wurde von der Bundesregierung 1999 gegründet. Sie setzt sich vor allem das Ziel, Schüler im Umgang mit dem Computer fit zu machen, aber auch anderen Menschen in Deutschland den Umgang mit dem Computer und Internet zu erleichtern. Das Programm sieht vor, nicht nur alle Schulen vollständig, sondern auch öffentliche Bibliotheken mit einem kostenlosen Internetzugang auszustatten. Der Bundeskanzler plant auch, in Arbeitsämtern Computerkurse anzubieten. Jeder Arbeitslose soll dadurch die Möglichkeit erhalten, sich in Kursen Grundkenntnisse im Umgang mit Computern anzueignen.11

Neben dieser von der Regierung ins Leben gerufenen Aktion gibt es aber auch welche, die aus der Bevölkerung hervorgehen.

3.2 „Internet-Kindergarten“

Im November 2000 hat in Mölln der erste Internet-Kindergarten eröffnet. Die Firma „Gerland Elektronik“ hatte sich entschieden, einen solchen Kindergarten für die Kinder ihrer Angestellten zu errichten. Die Firma setzte sich damit das Ziel, nicht nur ihren Angestellten zu helfen, sondern gleichzeitig auch den Kindern die Möglichkeit zu geben, ihnen den Umgang mit dem Netz beizubringen.

Allerdings können die Kinder auch nicht völlig planlos durch das Internet surfen. Mehrere Betreuer achten darauf, daß die Kinder nicht auf Seiten stoßen, die für sie ungeeignet sind. Außerdem gibt es verschiedene Lernprogramme, mit denen der Umgang erleichtert werden soll. Den älteren Kindern soll es ermöglicht werden, ihre Hausaufgaben am Computer zu erledigen und sich dazu Informationen aus dem Netz zu holen. Außerdem bekommt jedes Kind seine eigene E-Mail Adresse.12

Abbildung 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 „T@ School“

Seit dem 16. Januar 2001 verfügt die Jüdische Oberschule Berlin über das erste Internet-Klassenzimmer der Hauptstadt. Der sogenannte T-Cl@ssroom wurde von der Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf und dem Telekom-Vorstandvorsitzenden Ron Sommer in Betrieb genommen. Das Internet-Klassenzimmer ist Teil der bundesweiten Initiative T@School und verfügt über 20 vernetzte Personalcomputer.13

Im Rahmen der Initiative „Schulen ans Netz“ wurde von der Deutschen Telekom eine Eigeninitiative gestartet, bei der bis zum Jahr 2001 allen staatlich anerkannten Schulen in Deutschland der Zugang zum Internet eröffnet werden soll. Dazu stellt die Telekom dauerhaft kostenfrei T-Online-Zugänge via T-ISDN-Anschluß und zukünftig auch via T-ISDN dsl zur Verfügung. Die Schulen zahlen dauerhaft weder Bereitstellungsentgelte, Grundgebühren noch Kosten für die Nutzung von T-Online.

Zusätzlich gibt es auch kostenlose Sonderprojekte, T-Cl@ss und T-Cl@ssroom. Bei T-Cl@ss plant die Telekom in insgesamt 5.000 Schulen Medienecken mit jeweils vier vernetzten Computern einzurichten. Insgesamt 30 Schulen will die Deutsche Telekom bundesweit mit je einem „Internet-Klassenzimmer“ ausstatten. Das Angebot beinhaltet neben der Installation von ca. 20 Computern auch kostenlose Informationsveranstaltungen in den Schulen. Darüber hinaus bieten über 2600 ehrenamtliche Telekom-Mitarbeiter Internet-Seminare für Einsteiger ein, so daß Schüler und insbesondere auch die Lehrenden mit Grundkenntnissen des Internets vertraut gemacht werden können.14

Anhand der Vorstellung dieser drei Projekte sollte ersichtlich sein, daß zumindest Bemühungen zu verzeichnen sind, Heranwachsenden Medienkompetenz- und sicherheit im Schulbereich zu vermitteln. Ein großes Problem stellt neben finanziellen Mitteln meist jedoch der Mangel an fähigen Lehrkräften dar. Man kann somit nur hoffen, daß dem möglichst bald entgegen gewirkt werden kann.

4. Das Internet im Alltag von Kindern und Jugendlichen

Das Ziel dieses Kapitels soll es sein, mit Hilfe gängiger Literatur zur Mediennutzung und Medienwirkung der neuen Kommunikationstechnologien auf Kinder und Jugendliche die Einflüsse dieser Medien auf den Alltag und das Freizeitverhalten derselben darzustellen. Weiterhin sollen aber auch Gefahren des Mediums untersucht werden. Der größte Teil der vorhandenen Literatur widmet sich meist nur den klassischen Medien, wie Radio, Fernsehen oder den Printmedien. Das Literaturangebot für Computer und Internet ist eher rar. Größtenteils findet man hier nur Ratgeber oder Mediennutzungsstudien, wie sie später noch analysiert werden sollen. Somit kann mit diesem Kapitel zwar ein Überblick über die vorliegende Literatur gegeben werden, er stellt aber lediglich eine Momentaufnahme der gegenwärtigen Diskussion dar.

4.1 Wirkung und Auswirkung auf die Freizeit und die Mediennutzung

In der Literatur findet man zahlreiche verschiedene Standpunkte zur Wirkung des Internets auf Kinder und Jugendliche. Zum einen liest man des öfteren, daß sich Kinder durch stundenlangen Computer- und Internetkonsum zu sozial gestörten, vor dem Rechner vereinsamten Wesen entwickeln, die jeglichen Bezug zur Realität verloren haben. Man vermutet eine Überforderung während der Identitätsfindung, ebenso die Beeinflussung des Sozialisationsprozesses der Kinder. Linguisten sehen Einbußen bei der Sprachentwicklung der Kinder voraus. Zum anderen liest man aber auch genau das Gegenteil. Stefan Weiler fast die gegenteilige Meinung treffend zusammen:

Kinder, die ihre Freizeit am Rechner verbringen, sind weder Stubenhocker noch vereinsamte Individuen, denn das Freizeitverhalten der Computerkinder weist keine signifikant unterschiedlichen Muster zu den Computerabstinenzlern auf. Computerkids können sich auf ebenso viele Freunde und Bekannte stützen und erfahren sogar eine verstärkte Betreuung und Hilfe am Rechner durch die Eltern“.15

Im weiteren Verlauf des gesamten vierten Kapitels soll zu beiden Ansichten Stellung bezogen werden. Zum Ende des Kapitels wird sich zeigen, ob eine der Aussagen widerlegt werden konnte oder ob beide als zutreffend bezeichnet werden können.

Das Medienangebot hat sich in den letzten Jahren ständig erweitert und jeder Haushalt verfügt über mehrere Mediengeräte. Allein in den Kinderzimmern gibt es oftmals eine ähnliche Medienausstattung wie in den Räumen der Erwach-senen. Gab es Computer anfangs nur in Büros, so sind sie inzwischen in zahlreichen bundesdeutschen Haushalten vertreten. Deshalb ist es verständ-lich, daß sich auch die Nutzung und Beschäftigung mit den Medien verändert hat. Insbesondere das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen hat sich dem großen Medienangebot zunehmend angepaßt. Der Medienkonsum dieser Gruppen ist stark angestiegen, so daß sich die Zeiteinteilung für andere Frei-zeitaktivitäten, wie lesen, spielen oder Freunde treffen, verändert hat. War es früher das Fernsehen, daß die Menschen in seinen Bann zog, so sind es heute verstärkt Computer und Internet, mit denen die Freizeit verbracht wird. Das soll jedoch nicht bedeuten, daß sich Kinder und Jugendliche nur noch mit den neuen Medien beschäftigen.

Generell kann man jedoch feststellen, daß das Aufwachsen von Kindern heutzutage in umfassender Weise von Medien geprägt ist. Die heutige Jugend wächst wie selbstverständlich mit Fernsehen, Computer und neuen Kommuni-kationstechnologien auf.

Die vermehrte und veränderte Mediennutzung bei Kindern führt auf der Seite der Eltern oftmals zu einer eher kritischen Einstellung. Insbesondere die Internet- und Computernutzung von Heranwachsenden führt bei Eltern zu der Befürchtung, daß sie negative Einflüsse auf die familiäre Kommunikation oder den Umgang mit Gleichaltrigen haben könnte. Ähnliche Sorgen bestanden früher bereits gegenüber der Fernsehnutzung. Auch hier gab es Befürchtungen, daß die Jugend durch die elektronischen Medien moralisch, psychisch und physisch geschädigt, von ihren schulischen Verpflichtungen abgehalten und in ihrer Entwicklung des Denkens, Fühlens, ihrer Phantasie und Kreativität beein-trächtigt werden könnten. Zudem könnte die Ausbildung sozialer Fertigkeiten behindert werden und eine Entfremdung von der Alltagswelt entstehen.16

Diese Befürchtungen führen dazu, daß den Medien (v.a. Fernsehen und Computer/Internet) oftmals negative Wirkungen zugeschrieben werden. Dabei geht es bspw. um das vermeintliche Aussterben der Schriftkultur und um verringerte verbale, soziale und kognitive Fertigkeiten bei den Nutzern. Eher selten werden dagegen positive Aspekte wie die Erweiterung des Weltbildes oder die bessere Informiertheit aufgegriffen. Die Mediennutzungskompetenz von älteren Kindern wird dabei oft unterschätzt.

Diese Ängste und Sorgen werden vermutlich bei jeder verstärkten Medien-nutzung auftreten. Interessant ist dabei aber, daß sich die Einstellung der Eltern nicht nach ihrem eigenen Internetverhalten ausrichtet. Vielmehr ist es so, daß sich Eltern dazu entschließen, zu Hause einen Internetzugang zu legen, wenn sie Gelegenheit hatten, sich bereits mit dem Medium vertraut zu machen. Diese Entscheidung wird dabei durch die Attraktivität des Mediums und der zuneh-menden Wichtigkeit in der Arbeitswelt beeinflußt. Letztlich werden es vermutlich zu großen Teilen die Eltern sein, die ihren Kindern den Zugang zum Internet er-möglichen, um sozialen Nachteilen vorzubeugen.

Gegenüber dem Fernsehen oder Radio bieten Computer und Internet eine neue Form der Mediennutzung an. Das Internet spricht zahlreiche verschiedene Interessengebiete an, so daß jeder Nutzer sich gemäß seiner individuellen Wünsche, Sehnsüchte und Interessen diesem Medium bedienen kann und so die Freizeit nach eigenen Vorstellungen gestalten kann. Das ist zwar auch beim Fernsehen möglich, nur bietet das Internet ganz neue Bereiche der Informa-tionsbeschaffung an und ist zudem interaktiv. Es bietet unzählbare Seiten und Informationen zu beliebigen Themen, die in ihrer Vielfalt das Fernsehangebot bei weitem übersteigen.

Kinder und Jugendliche sind zum großen Teil von der Schnelligkeit des Inter-nets, der „Andersartigkeit“ des Mediums gegenüber dem Fernsehen, begeistert.

Zudem setzt der Gebrauch eines Computers und des Internets bereits bestimmte Kenntnisse und geistige Anstrengungen voraus. Im Unterschied zu anderen Medien setzt es den aktiven Nutzer voraus, der in der Lage ist, nicht nur einen Computer zu bedienen, sondern sich im WorldWideWeb zu orien-tieren, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, Interessantes aufzu-spüren und nach Bedarf auch wiederzufinden. Deshalb sind insbesondere Kinder zudem von der Interaktivität des Mediums angetan, das ihnen je nach Auswahl Geschicklichkeit, Intelligenz, Kreativität, Ausdauer und Genauigkeit abverlangt, aber auch ein extrem breites Spektrum an Unterhaltung und Informationen anbietet.17

Die Veränderungen durch den Computer und das Internet beruhen vor allem darauf, daß mit Hilfe dieser Medien der Alltag um vielfältige Dimensionen neuer Lebenswelten erweitert werden kann. Kinder und Jugendliche bekommen die Möglichkeit, ihren Alltag inhaltlich so auszugestalten, daß sie sich dadurch den Zwängen und Problemen in ihrem Leben entziehen können. Dieses von der Fernsehforschung her bekannte Fluchtphänomen macht es durch die Vielfalt des Medienangebots möglich, sich je nach Belieben in eine andere Welt zu flüchten.18 Dabei geben insbesondere die neuen Medien die Möglichkeit, Inhalte und Formen der Auseinandersetzung mit Themen je nach Interesse und Frei-zeitplanung zu bestimmen und selbst mitzugestalten. Die Inhalte sind durch das Internet besser verfügbar, wozu die Multifunktionalität des Internets und Com-puters stark beitragen. Mit einem Mausklick kann zwischen den Angeboten gesprungen werden und die Informationen sind immer aktuell. Diese Möglich-keiten bestehen bei Fernsehen oder Radio nicht.

Inwieweit sich die neuen Medien auf Kinder und Jugendliche auswirken, hängt dabei natürlich wesentlich vom Ausmaß der Nutzung ab. So kann ein ver-stärkter Gebrauch dieser Medien auch negative Auswirkungen mit sich bringen, wenn sie als Fluchtpunkt vor den Anforderungen des Alltags verwendet werden. Probleme können vor allem dann auftreten, wenn den Kindern anderweitige Aktivitäten verwehrt bleiben oder wenn Eltern das Fernsehen und den Com-puter als Ruhigsteller benutzen. Bei einem verstärkten Rückzug aus dem Leben können Kinder und Jugendliche die Kraft und den Willen verlieren, sich den täg-lichen Aufgaben zu stellen und somit Chancen und Fähigkeiten weiter auszu-bauen. Im schlimmsten Fall kann das zur Sucht führen (s. Kapitel 4.2). Dabei ist weiterhin auch zu berücksichtigen, daß die neuen Medien bei jüngeren und älteren Jugendlichen auf unterschiedliche interne Entwicklungsbedingungen treffen. Die Medien werden je nach Alter und Bildung unterschiedlich wahrge-nommen, so daß die Auseinandersetzung mit ihnen und die Beeinflussung durch sie unterschiedlich ausfällt. Zur Flucht aus dem Alltag schreibt Horst W. Opaschowski:

„Selbstkritisch gesteht jeder dritte PC-Nutzer (33 %) ein:“ Um dem Streß und der Hektik des Lebens zeitweilig zu entfliehen, nutzen viele Menschen den Computer als letzte Rückzugsnische, um allein zu sein und in Ruhe gelassen zu werden“. Der PC wird zur Entspannungsoase. (...) Auch wenn der User vor dem Bildschirm angespannt bleibt und nicht zur Ruhe kommt- der Relaxfaktor ‚In Ruhe gelassen werden‘ wird viel höher bewertet.“19

Abbildung 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1.1 Computerspiele

Abbildung 3:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Anschaffung eines Computers und Internetzugangs stellt in einer Familie zunächst immer eine Veränderung dar. Allein das Vorhandensein der Geräte führt bereits zu einer Änderung des Freizeitverhaltens einzelner Familien-mitglieder und im Laufe der Zeit auch zu anderen Kommunikationsstrukturen und Umgangsstilen in der Familie. Diese Änderungen müssen nicht negativ sein. So kann durch das Internet oder ein neues Computerspiel die Familie auch mehr zusammengeführt werden, wenn die Medien gemeinsam genutzt werden.

Ganz besonders Kinder und Jugendliche sind von Computerspielen sehr angetan. Dabei gibt es nicht nur die Möglichkeit, gekaufte Computerspiele am eigenen PC zu spielen, sondern sich auch Spiele aus dem Internet herunter-zuladen. Damit wird der Kauf der Spiele umgangen; es besteht hierbei jedoch die Gefahr, daß auch Spiele angeboten werden, die indiziert und deshalb oft sehr brutal sind. Während sich die Jugend den Spielen fast vorbehaltlos zuwendet, haben viele Eltern eine starke Abneigung gegen diese Art der Frei-zeitbeschäftigung. Sie befürchten, daß die Spiele mehr schaden als nutzen. Dabei wird nicht nur Wirklichkeitsverlust und Vereinsamung befürchtet, sondern oftmals auch eine Verstärkung der Gewaltbereitschaft und Aggressivität. Insbesondere Heranwachsende zeigen sich äußerst anfällig und aufnahme-bereit gegenüber Dingen, die sie gerne tun. So besteht die Gefahr, daß sie sich den Eigenschaften der Figuren in den Spielen gerne anzupassen versuchen. Beschäftigen sie sich in ihrer Freizeit zum großen Teil mit Computerspielen, die meist mit gewalttätigen Inhalten verbunden sind, kann es leicht passieren, daß sie Verhaltensmuster der Spielfiguren als selbstverständlich und real hin-nehmen. Insofern haben PC-Spiele eine gewisse Wirkungsweise bei gefähr-deten Personen. Die Gewalt in den Spielen kann hier bestimmte Impulse auslösen. Einige Medienforscher vertreten die Ansicht, daß ein längerfristiger Konsum gewalttätiger Inhalte letztlich zu einer Gewöhnung und Tolerierung von Gewalt führe. Konsumenten, die auf längere Zeit gesehen einer Dauerbe-rieselung von gewalttätigen Bildern ausgesetzt sind, tolerieren Gewalt im eigen-en Umfeld nicht nur, sondern setzen sie auch selbst ein.20

[...]


1 Opaschowski, Horst W.: Generation @- Die Medienrevolution entläßt ihre Kinder: Leben im Informationszeitalter. S. 43

2 SPIEGEL (Hrsg.): Multimedia, Nr. 34 (1995), S. 22-26, in: Opaschowski, Horst W.: Generation @- Die Medienrevolution entläßt ihre Kinder: Leben im Informationszeitalter.S.43

3 Berliner Morgenpost: Neun Millionen Nutzer. November 2000, Kapitel Medien; weitere Informationen unter: www.mmxieurope.com

4 Berliner Morgenpost: Wenn der PC abhängig macht. 20.01. 2001, Berlin, S.22 (Medien)

5http://www.edufr.ch/cscfr/activities/themwoche1d2/intgesch.html; http://www.lamack.de/diplomarbeit/inhalt.html#definition;http://the-mole.de/internet.html; http://www.seeseiten.de/inhalt/knowhow/lexikon/sites/History5.html. Stand 19.Januar 2001

6Faulstich, Werner: Grundwissen Medien. S. 274

7 Faulstich, Werner: Grundwissen Medien. S.276/277, sowie Berliner Morgenpost: Chat. Januar 2001, S.23 und Berliner Morgenpost: Internet. Februar 2001, S.22

8 Decker, Markus: Kinder vor dem Computer- Die Herausforderung von Pädagogen und Eltern durch Bildschirmspiele und Lernsoftware. S. 120

9 http://www.san-ev.de: Abschnitt „über SaN“; Stand: 19. Januar 2001

10 Liste der Sponsoren s. S. 90

11 aus Artikeln des Kindermagazins Autolernwerkstadt, im Anhang S. 91-93 aufgeführt

12 aus Artikeln des Kindermagazins Autolernwerkstadt, im Anhang S. 91-93 aufgeführt

13 Berliner Morgenpost: Erstes Internet-Klassenzimmer. 17.Januar 2001, S.25 (Berlin)

14 http://www.dstgb.de/public/blitzreports/br000719.htm, Stand : 19.Januar 2001

15 Weiler, Stefan: Mit dem Computer durch die Kindheit. In: Lurdes, Peter; Werner, Andreas: Multimedia-Kommunikation, Theorien, Trends und Praxis. S. 160-161

16 Spanhel, Dieter: Jugendliche vor dem Bildschirm. Neueste Forschungsergebnisse über die Nutzung der Videofilme, Telespiele und Homecomputer durch Jugendliche. S.9ff.

17 Feil, Christine: Kinder im Internet. S. 5

18 Spanhel, Dieter: Jugendliche vor dem Bildschirm. S.52

19 Opaschowski, Horst W.: Generation@- Die Medienrevolution entläßt ihre Kinder: Leben im Informationszeitalter. S. 145

20 Glogauer, Werner: Die neuen Medien machen uns krank. S. 156ff.

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Kinder und Jugendliche im Internet - Eine medienwissenschaftliche Untersuchung von Literatur und Nutzerstudien
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Medienwissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
97
Katalognummer
V337
ISBN (eBook)
9783638102421
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Jugendliche, Internet, Eine, Untersuchung, Literatur, Nutzerstudien
Arbeit zitieren
Julia Stache (Autor), 2001, Kinder und Jugendliche im Internet - Eine medienwissenschaftliche Untersuchung von Literatur und Nutzerstudien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337

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