Die Wasserversorgung von Burgen und Festungen in Bayern

Besonderheiten und Unterschiede zur Versorgung von Burgen im Vergleich zu Festungen im Landeskreis Bayern


Seminararbeit, 2015

39 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Möglichkeiten der Wasserversorgung
3.1 Zisternen
3.2 Brunnen
3.3 Wasserleitungen

4. Tatsächlicher Einsatz der Methoden auf bayrischen Burgen
4.1 Die Nürnberger Burg - eine Herrschaftsresidenz
4.2 Die Festung Wülzburg bei Weissenburg - Eine konzipierte Festung?
4.3 Die Festung Marienberg - Von der Burg zur Festung

5. Fazit

6. Bibliographie

Literaturverzeichnis:

Internetquellen:

Abbildungsverzeichnis:

Anhang:

1. Einleitung

Burgen unterscheiden sich von Schlössern und Festungen nicht nur nach dem Äusseren. Auch ihre Funktion war im Allgemeinen unterschiedlich, auch wenn insbesondere die Gemeinsamkeiten auffallen. Eine Burg wird im modernen Verständnis als Hort des Schutzes verstanden. Ein Ort der Herrschaft und Sicherheit, um den erbitterte Kämpfe ausgefochten wurden. Die Realität straft solche Annahmen jedoch zumeist Lügen. So ist von vielen Burgen bekannt, dass sie in ihrer gesamten Existenz keine Schlacht erlebt hatten, doch war deswegen ihre Funktion keineswegs verfehlt. Im Gegenteil ist es so, dass ihre abschreckende Wirkung oder Lage im Gelände sie vor einer Belagerung bewahrt haben und an diesem Punkt setzt diese Arbeit an. Eine Belagerung war von der Art des Kampfes so ausgelegt, dass die Verteidiger auf der Burg verlieren mussten, einziges Kriterium war die Dauer des Widerstandes. Die Angreifer erhielten Nachschub von aussen, während die Burg autark zu sein hatte. Von Waffen und Munition über Nahrung war keine Ressource so knapp wie das Wasser, denn der Bedarf dafür war verhältnismässig hoch und wenn kein Regen fiel, mussten die Verteidiger auf einen Vorrat zurückgreifen, der zentrales Thema dieser Arbeit sein wird. Insbesondere in unseren Breitengraden wird diesem Aspekt wenig Beachtung geschenkt, wird fliessendes Wasser doch für Selbstverständlich erachtet. So stellt sich die Frage, in welcher Form wurde Wasser auf Burgen gesammelt und gespeichert? Welche baulichen Massnahmen wurden dafür ergriffen? Aber vor allem stellt sich hierbei die Frage, wie sich der Bedarf und die Möglichkeiten im Laufe der Zeit gewandelt haben. Ist deshalb ein markanter Unterschied von der Versorgung von Burgen zu späteren Festungen feststellbar? Die Betrachtungen dieser Arbeit beschränken sich auf den Bereich Bayern, was jedoch keine Einschränkung bedeuten muss. Es stellt gleichzeitig einen kleinen Einblick zu ausgewählten Burgen und Festungen zur Verfügung, was auf Gemeinsamkeiten des Bauens innerhalb Bayerns verweisen mag.

Um die Wasserversorgung auf Burgen konkreter zu fassen, beschäftigt sich diese Arbeit, nach einem Ausblick über die gängige Forschungsmeinung, mit den Arten der Wasserversorgungen. Konkret wären dies Zisternen, Brunnen und Leitungen.

In einem weiteren Teil werden diese Einblicke konkretisiert anhand der Beispiele der Nürnberger Kaiserburg und der Festung Wülzburg. Abgerundet wird die Betrachtung durch die Marienburg, welche von der Burg zum Schloss und schliesslich zur Festung wurde.

2. Forschungsstand

Die Forschung zur Wasserversorgung auf Burgen ist gezwungenermassen eng verknüpft mit der Burgenforschung im Allgemeinen. So lässt sich ein Forschungsstand zur Wasserversorgung auf Burgen nicht machen, ohne den gesamten Komplex "Burg" miteinzubeziehen. Im Gegensatz zur Schweiz gehörte in Deutschland und -so auch in Bayern dieses Feld lange der Geschichtsforschung. Erst in den 1980er-Jahren fand hier eine Verschiebung in Richtung einer wissenschaftlich fundierten Mittelalterarchäologie statt. Zuvor machten sich vermehrt Laien an diesem Feld zu schaffen, die mit romantischen Vorstellungen und einem Restaurationseifer ans Werk gingen, der jede Forschungsmeinung ignorierte. Als Ausnahme zu diesem Phänomen wäre die deutsche Burgenvereinigung zu nennen.1

Der Wechsel zur mittelalterarchäologischen Untersuchung entfernte die Betrachtung der Burg selbst von der Vorstellung eines reinen Wehr- und Repräsentationsbau hin, zu dessen wirtschaftlicher Seite als Verwaltungs- und Wohnbau.2

Zentral blieb jedoch der repräsentative und militärische Aspekt wie Joachim Zeune korrekt bemerkt. Die Bereiche des alltäglichen Lebens, zu denen die Wasserversorgung gehört, wurden im Allgemeinen sekundär betrachtet oder gar vernachlässigt.3

Zu nennen ist aber auf jeden Fall Axel W. Gleue, der sich objektiv mit den Möglichkeiten der Wasserversorgung auseinander gesetzt hat. Er betrachtet primär die Bauweise, um daraus Rückschlüsse auf die Benutzung zu ziehen.4 Auch Klaus Grewe hat einen Beitrag zu diesem Thema geleistet, der in der Reihe der Frontinus-Gesellschaft erschienen ist, die sich mit der Wasserversorgung beschäftigen.5 Problematisch ist jedoch, dass das halbe Werk die Burg Blankenheim betrachtet, wodurch die anderen Artikel zu den angesprochenen Burgen nur kurz aufgelistet werden und es zu einer kurzen Vorstellung einzelner Burgen kommt, ohne Bezug zueinander. Dieses Problem steht sinnbildlich für das Forschungsfeld, denn es gibt zwar einige Forschungen zu einzelnen Burgen, wobei die Wasserversorgung nur einen Teilaspekt darstellt, doch Arbeiten, die sich mit vielen verschiedenen Burgen und deren Wasserversorgung beschäftigen, sind rar.6 Das Thema wurde besonders in neuerer Zeit aufgenommen, doch eine konzentrierte Sicht auf Bayern hat noch nicht stattgefunden. Im Allgemeinen wurde das Thema als Ganzes erfasst oder nebenbei bei der Betrachtung einer einzelnen Burg.

3. Möglichkeiten der Wasserversorgung

Grundsätzlich zu unterscheiden, sind bei der Lagerung von Wasservorräten immobile und mobile Aufbewahrungsmöglichkeiten. Zu den beweglichen Speichermöglichkeiten gehören primär Fässer, die jedoch hier nicht besprochen werden, da sie aufgrund ihrer Vergänglichkeit meist nicht erhalten sind und ein Fehlen der Fässer nicht darauf hindeutet, dass sie nicht im Einsatz waren. Deshalb werden hier Zisternen und Brunnen besprochen sowie Wasserleitungen, die zur Speisung der beiden erstgenannten Möglichkeiten dienen konnten. Auch die Versorgung durch den Transport über Esel oder Pferde findet hier, trotz seiner für die Versorgung wichtigen Funktion, keine nähere Erwähnung, da der Nachweis eher spekulativer Natur ist.

3.1 Zisternen

Die Zisterne galt als die primäre Möglichkeit der Wasserversorgung, aufgrund ihrer denkbar einfachen Funktionsweise. Regenwasser wurde gesammelt und in einem Tank gespeichert. Im Grunde unterschied sich diese Einrichtung nicht von Bottichen oder Trögen, abgesehen von ihrer Lage und auch dem grösseren Aufwand zur Gewinnung Wassers besserer Qualität. Dieser Aufwand bestand darin, dass die Zisterne unterirdisch angelegt wurde, wie bereits Zedler in seinem Universallexikon 1733 schreibt:

"Cisterna, Teutsch Cisterne, ist ein unterirrdisches, oder unterhalb der Erd-Fläche gebauetes Behältniß, worinnen man in Ermangelung des Brunnen- oder Bach- und Fluß-Wassers, das Regen-Wasser auffangen kann. Man pflegt dergleichen nur mehrentheils an hochgelegenen Plätzen, wo man entweder gar keine Brunnen, oder doch nicht ohne übergrosse Unkosten graben kann."7

Wichtig für solch einen Behälter ist verständlicherweise die Dichtung gegen aussen, um ein Durchsickern durch die Wände zu vermeiden. Da Mörtel auf lange Zeit nicht wasserdicht war, musste Lehm zum Auskleiden der inneren Wand verwendet werden. Hierbei lässt sich feststellen, dass ein runder Grundriss seltener verwendet wurde, als ein rechteckiger. Axel W. Gleue gibt dazu an, dass die runde Form vorteilhafter ist, da mehr Speichervolumen zur Verfügung stand, im Verhältnis zur abzudichtenden Oberfläche. Seinem Gedankengang folgend und von einer gleichen Grundfläche ausgehend, lässt sich das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen wie folgt berechnen. Dabei gehen wir von einer Seitenlänge a von d also 2r aus, um gleiche Verhältnisse zu schaffen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es zeigt sich also, dass das Verhältnis von abzudichtender Oberfläche zu Volumeninhalt gleich ist. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die eckige Form der Zisterne eine grössere Oberfläche aufweist, aber ein im gleichen Verhältnis grösseres Volumen. Was jedoch als Nachteil blieb, war das problematischere Abdichten der Ecken.8

Der Aufbau war denkbar einfach. Die Zisterne wurde direkt in den Fels in der benötigten Grösse gegraben. Diese variierte stark und konnte zwischen einigen m3 bis hunderten m3 betragen.9 Meist lagen die Werte jedoch bei 3-8 m Durchmesser und einer Tiefe bis 10 m.10 Bei Bedarf wurden die Wände zudem noch aufgemauert und mit Lehm abgedichtet. Zu beachten war jedoch, dass der Boden zur Mitte hin leicht abschüssig angelegt wurde, um bei Trockenheit das zurückgehende Wasser dort zu sammeln. Für die regenreichen Tage wurde zum Teil auch ein Überlauf installiert, damit das Wasser nicht über die abgedichteten Wände floss. (Abb. 1)11

Krankheiten, die durch schlechtes Wasser entstanden, waren ein bekanntes und verbreitetes Problem.12 Deshalb wurde versucht, die Verschmutzung in einem möglichst geringen Rahmen zu halten. Für Zisternen bedeutete dies, dass sie nach oben geschlossen sein mussten, damit nicht etwas versehentlich oder auch gezielt während einer Belagerung ins Trinkwasser fiel. Aus diesem Grund wurden die Öffnungen abgedeckt. Im einfachsten Fall geschah dies mit Brettern. Eine aufwendigere Möglichkeit war das Überdachen mit steinernen Tonnengewölben für rechteckige Zisternen bzw. Kuppelbauten für runde Formen.13

Die Problematik der Versorgungsweise mit Zisternen bestand, einerseits in der Abhängigkeit vom Regenfall und andererseits in der Möglichkeit Wasser hoher Qualität zu speichern.

Für Bayern geht das Bayerische Landesamt für Umwelt von einem Jahresdurchschnitt von 939 mm Niederschlag aus. Damit ist die Region zwar regenreicher, als der Landesdurchschnitt von 800 mm, aber dennoch unterliegt der Niederschlag beträchtlichen Schwankungen.14 Um diesen entgegen zu wirken, musste die maximale Speicherkapazität der Zisternen so ausgelegt sein, dass sie bei ausbleibendem Regen genügend Wasser beinhaltet, um die Zeitspanne zu überbrücken:

"Da der Verbrauch des aufgesammelten Wassers ziemlich gleichmässig erfolgte, so müssen die Cisternen, weil sie die Ungleichmässigkeit des Niederschlages ausgleichen sollen, den Bedarf für vier Monate fassen können."15

Nicht ausser Acht gelassen werden, sollte dabei die Tatsache, dass die Zisterne nicht nur durch Regenwasser gefüllt werden konnte, sondern auch über den Transport von Wasser aus Fliessgewässern. Da auch eine tägliche Entnahme stattfand, scheint es besonders für Festungen mit grösserer Mannschaftsstärke unwahrscheinlich, dass das Warten auf den Regen ausgereicht hätte. Des Weiteren hing die Füllgeschwindigkeit nebst der Speicherkapazität auch von der Grundfläche der Burg ab. Axel W. Gleue gibt an, dass etwa 10% der Grundfläche auf diese Weise genutzt werden konnten.16 So wurde das Wasser von den Dachflächen über Holzkonstruktionen, wie oberirdische Holzrohre oder offene Rinnen, in die Zisterne geleitet.17 Dabei litt die Wasserqualität jedoch. Um dem entgegen zu wirken, gab es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste war ein Fangkasten, der als grobes Sieb diente, worinnen das ... einlaufende Regen-Wasser den mit sich führenden Unrath sitzen lassen, und also aus demselben reine in die Cisterne kommen konnte.18 Zudem ermöglichte er, das untüchtige Wasser ... abzulassen.19 Der Trog oder Fangkasten musste also einen Ablass haben, um mit Mehltau oder anderem verunreinigtes Wasser nicht in die Zisterne zu leiten. Ebenso wurde vermieden, Schmelzwasser zu speichern, da es durch den Schmelzprozess mineralienarm geworden war.20

Eine andere Möglichkeit zur Reinigung waren vorgeschaltete Absetzbecken, wie in der 1531 erbauten Zisterne der Veste Coburg. In diesen Becken wurde das Wasser erst zwischengelagert, so dass sich Schmutz und Schwebepartikel absetzen konnten, ehe es über einen Überlauf in die Zisterne geleitet wurde.21 (Abb. 2)

Die deutlich aufwendigere, aber gründlichere Methode das Wasser zu reinigen, war der Bau von Filterzisternen. Bei dieser Methode wurde innerhalb der Zisterne ein Schacht aufgemauert, während die umliegenden Bereiche mit einem Kies-, Sandgemisch gefüllt wurden. Der Schacht konnte in den oberen Bereichen mit Lehm abgedichtet sein, damit das Wasser erst in den tieferen Bereichen aus der Filterschicht fliessen konnte, was den Grad der Reinigung erhöhte, aber eine längere Durchlaufzeit benötigte.22 Normalerweise bestand der Schacht selbst aus Steingrus und Steinbrocken, die ein Durchsickern ermöglichten.23 (Abb. 3)

3.2 Brunnen

Die Speisung von Brunnen geschieht entweder über Grundwasser, bei so genannten Sodbrunnen oder über Sickerwasser, das durch das Bodenmaterial mit zeitlicher Verzögerung ins Grundwasser dringt oder sich in einem Brunnenschacht sammelt (Abb. 4). Auf Höhenburgen ist der Anteil von Sickerwasser deutlich geringer, da, bedingt durch die Neigung, der grössere Teil des Niederschlags oberflächig abfliesst.24

Für Bayern geht das Bayerische Landesamt für Umwelt von einem Jahresdurchschnitt von 939 mm Niederschlag aus. Davon verdunstet der grössere Teil und zwar 517 mm. Von den 422 mm fliessen 205 mm direkt ab, was folglich bedeutet, dass 217 mm das Grundwasser erneuern. Auch wenn Bayern damit über dem Landesdurchschnitt von 800 mm liegt, kann nur 23% des Niederschlags auch von den Schachtbrunnen genutzt werden.25 In Höhenregionen muss jedoch von einem geringeren Prozentsatz ausgegangen werden, aufgrund der steilen Lage, welche die Zufuhr von Grundwasser in der Höhe reduziert.

Die Ergiebigkeit eines Brunnen, die sogenannte Schüttung, ist also erheblich vom Regenfall beeinflusst.26 (Abb. 5)

Das erste Problem beim Anlegen eines Brunnens lag nun darin, einen geeigneten Standort festzulegen, wo auch Wasser gefördert werden konnte. Viele, nicht beendete Brunnenbauprojekte, zeugen von der Schwierigkeit, den passenden Ort zu finden.27 Die zweite Schwierigkeit ist, der Lage der Burgen zu verschulden. Da sie in grosser Höhe errichtet worden sind, mussten die Brunnenschächte überaus tief sein, um an das Grundwasser zu gelangen. Tiefen von mehr als 60 m waren dabei keine Seltenheit.28

Um ein solches Unterfangen überhaupt bewältigen zu können, waren viel Zeit, Geld und bauliches Können von nöten.

Um einen Schacht abzuteufen, gab es generell zwei Möglichkeiten. Diese waren die Prinzipien "aus dem Vollen" und "Schacht im Schacht". Beim "Schacht aus dem Vollen" wurde der Brunnen direkt in den Fels hineingegraben. Dies bedurfte eines stabilen Untergrunds, so dass der Brunnen nicht nach innen absank. Der "Schacht im Schacht" wiederum musste bei einem lockeren Untergrund angewandt werden. Wenn das Erdreich nicht die nötige Stabilität besass, wurden innerhalb des gegrabenen Schachts die Wände ausgemauert. Dies konnte entweder partiell geschehen oder durchgängig vom Grund des Brunnens bis zur Erdoberfläche.29 In der Regel musste der Schacht gegen oben ausgemauert werden. Die Grube war im Bereich des Erdreichs deutlich breiter als darauffolgend im massiven Fels. Deshalb wurde im oberen Bereich ein aufgemauerter Schachtring oberirdisch errichtet, da es einfacher war, nach oben als nach unten zu bauen. Für das weitere Arbeiten war es essentiell, in einem zweiten Schritt die Wände des Schachts zu sichern. Dies geschah, indem der Bereich zwischen der oberirdischen Schachtmauer und dem darum befindlichen Lockergestein und Erdmaterial aufgefüllt wurde.30 (Abb. 6)

Deutlich komplizierter war das System des Schachts im Schacht. Die erhöhten Anforderungen erwuchsen aus der Unregelmässigkeit des umliegenden Gesteins. Während der gemauerte Schacht gleichmässig nach oben gebaut werden sollte, war die Grube selbst eher unregelmässig. Dies hatte zur Folge, dass ihr Durchmesser gross genug sein musste, um darin den Brunnenschacht errichten zu können und zusätzlich einen Schachtverbau. Der grössere Durchmesser und der zweite Arbeitsschritt des Aufmauerns erklären die erhöhten Kosten.31 Der Schachtverbau konnte in der Regel nicht rund ausgeführt werden, war aber zwingend notwendig, um die nötige Stabilität zu erreichen. Deshalb wurde vor dem Brunnenschacht erst ein eckiger, bergmännischer Schacht angelegt. Die Anforderungen waren im Vergleich zum ungemauerten Schacht höher, wegen des Gewichts der Steine für die weitere Ausmauerung. Dies machte eine Sicherung der Baugrube so immens wichtig. Rund um die Grube musste eine tragfähige Fläche gegeben sein, die dem Gewicht standhielt. Ansonsten wären die Schachtwände nach innen gekippt.32 (Abb. 7)

Neben der Möglichkeit des Eingrabens, um den Brunnen zu bauen, gab es auch das Absenkverfahren. Dabei wurde der Brunnen oberirdisch errichtet und dann untergraben, so dass sein Eigengewicht ihn mitunter nach unten drückte. Dieses Verfahren eignet sich jedoch nicht für massiven Felsuntergrund, weshalb es bei Höhenburgen kaum zur Verwendung kam.

Die Gefahr, dass sich die Schachtwände mit dem umliegenden Gestein verkanteten, war zu gross und erschwerend kam hinzu, dass es ungleich schwieriger war, die Konstruktion im massiven Fels gleichmässig abzusenken.33

Es blieb also nur, den Schacht mittels menschlicher Arbeitskraft in den Fels zu treiben. Somit hat auch keine grössere Veränderung der Methoden im Verlauf des Mittelalters stattgefunden, wie auch Fachschriften aus dem frühen 20. Jahrhundert belegen.34 Dies erklärt die langen Bauzeiten und die hohen Kosten.

Obwohl der Bau eines tiefen Brunnens ein kompliziertes Unterfangen war, gab es keine spezialisierten Brunnengräber:

"Brunnengräber machen keine besondere Profeßion aus, sondern es verrichten diese Arbeit einige Bergleute, oder Steinbrecher, ingleichen die Maurer, obgleich allerhand Erkentniß aus der Natur-Lehre vom Waßer, und aus der Baukunst, wie auch endlich aus der Mechanik dazu erfordert wird."35

Dass es jedoch nicht einfache Hilskräfte waren, zeigen einerseits die verschiedenen Berufszweige, die herangezogen werden mussten, als auch die Bezahlung, welche speziell für die Steinmetze sehr grosszügig ausfiel. So erhielt ein Steinmetzgeselle etwa 1,5 Mal36 so viel Lohn wie ein Zimmermeister.37 Auch Schmiede fanden sich auf den Baustellen, die für den Zustand des Werkzeugs verantwortlich waren, welches in dauerndem Fortgang nachgeschliffen werden musste. (Gleue 2008, S. 74)

Als Abschluss musste der Brunnen zwingend einen Brunnenkranz erhalten, der ihm das bekannte Aussehen verlieh. Einerseits war dies, um Verschmutzungen vorzubeugen, aber auch, um Unfälle zu vermeiden. Der Ritter Eike von Reprow berichtete davon im Sachsenspiegel:

"Ein Mann soll für den Schaden, der anderen Leuten aufgrund seiner Unachtsamkeit widerfährt, aufkommen: sei es, daß er ihn verursacht durch einen Brand oder einen Brunnen, den er nicht kniehoch über der Erde eingehegt hat..."38

[...]


1 Günster, 2013, S. 15.

2 Zeune, 1990, S. 143-145.

3 Zeune, 2005, S.8f.

4 Gleue, Axel W.: Wie kam das Wasser auf die Burg? Vom Brunnenbau auf Höhenburgen und Bergvesten, Göttingen 2008. / Gleue, Axel W.: Ohne Wasser keine Burg. Die Versorgung der Höhenburgen und der Bau der tiefen Brunnen, Regensburg 2014.

5 Frontinus-Gesellschaft e.V. (Hrsg.): Wasser auf Burgen im Mittelalter (Geschichte der Wasserversorgung, Bd. 7), Mainz 2007.

6 Günster, 2013, S. 18.

7 Zedler, 1733, Bd. 6. Sp. 161.

8 Gleue, 2014, S. 30.

9 Günster, 2013, S. 41.

10 Grathoff, Stefan: Wasserversorgung. Wasserversorgung in der Stadt, in: http://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/glossar/alphabet/w/wasserversorgung.html

11 Gleue, 2014, S. 31.

12 Günster, 2013, S. 47.

13 Gleue, 2014, S. 31.

14 Bayerisches Landesamt für Umwelt, Wasserkreislauf und -bilanzen, URL: http://www.lfu.bayern.de/wasser/wasser_kreislauf_bilanzen/index.htm

15 Chiolich-Löwensberg, 1865, S.37.

16 Gleue, 2014, S. 26.

17 Günster, 2013, S. 39.

18 Zedler, 1733, Bd. 6. Sp. 161.

19 Ebd.

20 Gleue, 2014, S. 27.

21 Günster, 2013, S. 45.

22 Höhne, 2007, S. 225.

23 Günster, 2013, S. 42.

24 Gleue, 2008, S. 19.

25 Bayerisches Landesamt für Umwelt, Wasserkreislauf und -bilanzen, URL: http://www.lfu.bayern.de/wasser/wasser_kreislauf_bilanzen/index.htm

26 Günster, 2013, S. 29.

27 Ebd., S. 30.

28 Gleue, 2008, S. 26.

29 Günster, 2013, S. 31.

30 Gleue, 2008, S. 55.

31 Ebd., S. 71.

32 Ebd., S. 70.

33 Günster, 2013, S. 31.

34 Vgl. Bösenkopf, Franz: Der Brunnenbau, Wien 1928.

35 Zedler, 1733, Suppl. IV, Sp. 1754.

36 Ausgegangen wird von einem Lohn von 1fl 30 = 372Pf pro Woche für den Steinmetgesellen während der Zimmermeister 42 Pf pro Tag verdient. Ausgehend von 6 Tagen: 42 Pfx6 = 252Pf pro Woche.

37 Buchner, 1980, S.9.

38 Schott, 1992, Sachsenspiegel, Landrecht II, 36.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Die Wasserversorgung von Burgen und Festungen in Bayern
Untertitel
Besonderheiten und Unterschiede zur Versorgung von Burgen im Vergleich zu Festungen im Landeskreis Bayern
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Vor- und Frühgeschichte und Provinzialrömische Archäologie)
Veranstaltung
Burgenforschung in Bayern
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
39
Katalognummer
V337099
ISBN (eBook)
9783656986126
ISBN (Buch)
9783656986133
Dateigröße
7459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burg, Bayern, Festung, Schloss, Wasser, Versorgung, Belagerung
Arbeit zitieren
Benjamin Kettner (Autor), 2015, Die Wasserversorgung von Burgen und Festungen in Bayern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337099

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