Die Landnahme der Israeliten


Hausarbeit, 2001

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Situation im syrisch-palästinensischen Raum während des Übergangs der Späten Bronzezeit zur Eisen-I-Zeit

4. Eroberung oder friedliche Landnahme?

5. Archäologische Fakten
5.1. Jericho
5.2. Ai
5.3. Lachisch
5.4. Hazor
5.5. Beth-Shemesh, Timnah und weitere Städte
5.6. Fazit des archäologischen Befundes

6. Erklärungsmodelle zur Landnahme
6.1. Das Migrations- bzw. Invasionsmodell
6.2. Das Penetrations- oder Infiltrationsmodell
6.3. Soziologisches Modell oder Revolutionsmodell

7. Fazit

Literatur und Bildquellen

Abkürzungen

1. Einleitung

Wenn wir in der gegenwärtigen Zeit fast täglich von den Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und gläubigen Juden im heutigen Staat Israel lesen und hören, so haben diese Konflikte vielfältige Ursprünge. Ursprünge, die z.T. historisch sehr weit zurückliegen.

So ist, wenn es um Besitzrechte und Rechtfertigungen für gewaltsamen Siedlungsbau geht, ein Argument strenggläubiger radikaler jüdischer Siedler die sog. „Landnahme“ der Israeliten, wie sie in Jos. 1-12 beschrieben wird.

Diese Landnahme fällt historisch in die Zeit des Übergangs von der Späten Bronzezeit (1550-1200 v.Chr.) in die Eisen-I-Zeit (1200-1000 v.Chr.), also in etwa in das 13.-11. vorchristliche Jahrhundert. In Ägypten ist dies die Zeit der 19. und 20. Dynastie.

Nach diesem sehr ausführlichen Bericht (man bedenke nur wie weit diese Epoche zurückliegt), ziehen die zwölf Stämme Israels über den Jordan nach Westen, von Osten her kommend[1], um das verheißene Land in Ihren Besitz zu nehmen. Kurze Zeit vorher war Mose, der Anführer der Schar, gestorben, nachdem ihm von Gott das gelobte Land gezeigt worden war. Nachfolger und somit neuer Anführer der Israeliten wurde Josua, Moses’ Diener[2].

Dieser erobert lt. biblischem Bericht nun große Teile des Westjordanlandes und zerstört dabei viele kanaanäische Städte und belegt sie mit einem Bann[3].

Nach dieser Darstellung war die „Landnahme“ also ein militärischer Eroberungsfeldzug, realisiert durch gemeinsame Aktionen des Zwölfstämmeverbandes der Israeliten, unterstützt durch göttlichen Beistand.

Bei der Frage nach der historischen Korrektheit dieses Berichtes, die m.E. auch in der Gegenwart einen hohen Stellenwert einnimmt, kann in erster Linie die Archäologie zur Überprüfung herangezogen werden. Im folgenden möchte ich also dieses in Jos. 1-12 beschriebene Landnahmemodell von Seiten der Archäologie beleuchten und weitere sich in der Diskussion befindliche Modelle vorstellen.

2. Vorgeschichte

Um die Problematik der Landnahme besser verstehen zu können, halte ich es für sinnvoll, einen kurzen Blick auf die Vorgeschichte zu werfen.

Im 2.-5. Buch Mose wird von Aufenthalt und Auszug des Volkes Israel in bzw. aus Ägypten berichtet, dem Exodus. Auf Einzelheiten möchte ich nicht näher eingehen, zumindest der grobe Verlauf der Geschichte (Knechtschaft - Auszug – 40jährige Wüstendurchquerung – Empfang der Gesetzestafeln von Gott am Berg Sinai usw.) dürfte wohl jedem bekannt sein.

Was sind nun aber verlässliche Fakten?

Über die Person des Mose ist in theologischen, historischen und anderen Kreisen bereits viel diskutiert worden[4]. Sicher ist nur, daß man nichts genaues weiß. Denn über Moses gibt es keine außerbiblischen Quellen. Über den Ursprung des Namens „Mose“ wird bis in die heutige Zeit hinein gestritten. Ein sicheres Ergebnis gibt es auch hier nicht. Moses Kindheitsgeschichte wurde märchenhaft ausgeschmückt, wie dies oft bei berühmten Persönlichkeiten der Fall war. Die historische Authentizität des Mose, wie übrigens auch die des Josua, ist nicht bewiesen. Ein Grab des Mose konnte bis heute nicht aufgefunden werden.

Diese Fakten sind freilich sehr ernüchternd. Wie sieht es mit dem Volk Israel aus?

Der Aufenthalt einer Gruppe von Wanderhirten bzw. Kleinviehnomaden, wie er auch in der Josephgeschichte im 1. Buch Mose beschrieben ist, ist im Ägypten des 13. und 12. Jhd. durchaus denkbar und keineswegs ungewöhnlich[5].

So berichten auch ägyptische Quellen[6] von der Registrierung der Nomaden bei den ägyptischen Grenzposten und der Zuweisung von Weideland.

Die Frage jedoch ist, ob man zu der damaligen Zeit bereits von einem Volk Israel sprechen kann. Daß dieses Volk nomadische Ursprünge hat, darauf wird im AT freilich immer wieder hingewiesen, z.B. in Gen. 46,32-34. Aber viele Autoren, u.a. Donner und Alt, sind der Auffassung, daß Israel erst zur Zeit der Landnahme in Palästina entsteht. Doch davon wird noch die Rede sein.

Nun könnte man meinen, daß die Bezeichnung „Israel“ mit der Benennung „Hebräer“ gleichzusetzen sei. Denn dieser Namen taucht auch in außeralttestament. Quellen des 2. Jht. in der Region auf[7]. Aber auch hier tun sich Schwierigkeiten auf, so daß man nach dem aktuellen Stand der Forschung davon ausgehen muß, daß der Begriff der „Hebräer“ in der Zeit vor der Landnahme wohl eher eine soziale, denn eine ethnische Bezeichnung war. Gemeint waren damit Menschen niederen sozialen Ranges und geringeren Standes[8].

Die biblische Beschreibung fährt damit fort, daß das Volk Israel, oder besser die Moseschar, schließlich aus Ägypten flieht und nach langen Wirren ins Land Moab östlich der Einmündung des Jordans in das Tote Meer zieht.

Die Moseschar befindet sich jetzt in Palästina. Doch vor welcher Situation steht die Gruppe nun?

3. Situation im syrisch-palästinensischen Raum während des Übergangs der Späten Bronzezeit zur Eisen-I-Zeit

Noch um 1280 v. Chr. waren Ägypter und Hethiter die beiden wichtigen Großmächte der Region. Sie sorgten durch die Aufteilung der Gebiete in Macht- und Interessensphären für stabile Verhältnisse. Doch dies währte nicht lange. Die Gefahr kam von Osten her. Sog. Seevölker fielen in den Küstengebieten ein und zerstörten das Reich der Hethiter (um 1200 v.Chr.). Sie konnten auch den Ägyptern gefährlich werden, wurden aber von Ramses III. (1184-1153 v.Chr.) in einer bedeutenden Seeschlacht daran gehindert, in Ägypten einzufallen. Jedoch nimmt der ägyptische Einfluß in Palästina in dieser Periode stetig ab.

An der palästinensischen Küste setzen sich u.a. die Philister (eine Gruppe der Seevölker) fest. Das entstehende Machtvakuum im Landesinneren nutzen die kanaanäischen Stadtstaaten für die Erlangung ihrer Selbständigkeit aus. Doch trotzdem ist ab etwa 1200 v.Chr. von einer Desurbanisation auszugehen. Außer in dem schmalen Küstenstreifen und in der Jesreel-Ebene gehen viele Städte unter und das ist die Zeit, in der wir die Ankunft der Moseschar im Heiligen Land ansetzen dürfen.

4. Eroberung oder friedliche Landnahme?

Jos. 1-12 gibt uns eine rel. detaillierte Auskunft über die Ereignisse nach Überquerung des Jordans. So werden lt. dieser Schilderung die Städte Jericho[9] und Ai[10], sowie Makkeda, Libna, Lachisch, Eglon, Hebron und Debir[11] erobert und zerstört. Schließlich ereilt Hazor, im Norden des heutigen Israel gelegen, das gleiche Schicksal.

Jos. 12 schließt mit einem Verzeichnis aller besiegten Könige.

Dank dieser ausführlichen Darlegung bietet sich der Archäologie hier ein sehr gute Gelegenheit, die Angaben auf wissenschaftlischer Basis zu überprüfen.

Allgemein kann gesagt werden, daß es, wie schon angedeutet, gegen Ende der Bronzezeit und zu Beginn der Eisenzeit zu einer Phase der Zerstörung der Städte kam und entsprechende Zerstörungshorizonte archäologisch nachzuweisen sind[12]. Doch schauen wir uns konkrete Einzelfälle an.

5. Archäologische Fakten

5.1. Jericho

Die erste Stadt, deren Zerstörung beschrieben wird, ist das weltberühmte Jericho.

Diese Stadt gilt neben Ai und Hazor als am intensivsten archäologisch untersuchte Stadt. Bereits 1867 wurde mit Auslotungsarbeiten begonnen. Zahlreiche Ausgrabungen wurden im 20. Jhd. durchgeführt. Das heutige Städtchen Jericho, in einer fruchtbaren Oase gelegen, erfüllt gleich mehrere Superlative. Sie gilt nicht nur als eine der ältesten Städte der Welt, sondern auch als die am tiefsten gelegene Stadt der Welt, mit ca. 250 Metern unter dem Meeresspiegel. Das heutige Jericho ist mit dem antiken jedoch nicht ganz identisch. Der Grabungshügel Tell es Sultan liegt etwas nordöstlich der Stadt.

Die Geschichte, die sich dort zur Zeit Josuas abgespielt habe soll, gehört praktisch zu unserem Kulturgut und dem aller christlich geprägten Länder.

In einem US-amerikanischen Kirchenlied, einem Spiritual Song, heißt es in Anlehnung an den biblischen Text:

[...]


[1] etwa im Gebiet der Achse Berg Nebo (heute Jordanien) – Jericho (heute Israel, bzw. palästinesisches Autonomiegebiet)

[2] Jos. 1,1

[3] Jos. 11,16-23

[4] Donner S. 107ff.

[5] ebd. S. 84ff.

[6] AOT2, S. 56; TGI3, S. 2f.

[7] Donner S. 71

[8] Jepsen/Schunck (Hrsg.) S. 106; Donner S. 71

[9] Jos. 6

[10] Jos. 7-8

[11] Jos. 11

[12] Weippert S. 352ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Landnahme der Israeliten
Hochschule
Universität Leipzig  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar Bibelkunde Altes Testament
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V33720
ISBN (eBook)
9783638341257
Dateigröße
727 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landnahme, Israeliten, Proseminar, Bibelkunde, Altes, Testament
Arbeit zitieren
Sven Ebel (Autor), 2001, Die Landnahme der Israeliten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33720

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