Radsport. Vielfältigkeit und Erfahrungsmöglichkeiten


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,9

Martin Lahm (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 „RADSPORT“ - ENTSCHLÜSSELUNG EINES BEGRIFFS
2.1 Leistungsorientierter Radsport
2.2 Hobby- und Freizeitbereich

3 ERFAHRUNGSMÖGLICHKEITEN IM RADSPORT
3.1 Das Erfahren auf und mit dem Rad
3.1.1 Das Team Ruanda
3.1.2 Weltreisen mit dem Rad
3.2 Von der Ästhetik des Radsports

4 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Fragt man eine(n) Rennradfahrer(in), welche Sportart er oder sie ausübe, so lautet die Antwort häufig schlicht „Radsport“, und viele Fragensteller(innen) verzichten auf eine Nachfrage zur Präzisierung, für sie ist klar: „Der oder die sitzt auf dem Rennrad“. Das ist eigentlich recht merkwürdig, wartet „der Radsport“ doch mit einer Vielzahl unterschiedlichster Disziplinen auf und wird auf ganz unterschiedliche Art und Weise ausgeübt. Im Rahmen dieser Arbeit soll nun einerseits der Begriff „Radsport“ näher beschrieben und durch eine kurze Übersicht der verschiedenen Subkategorien auf- gezeigt werden, welche Vielfältigkeit der Radsport bietet. Zum anderen widmet sich die vorliegende Arbeit den verschiedenen Formen des Ausübens; von einem locke- ren Familien-Ausflug auf dem Rad über eine sportliche Ausfahrt im Rahmen einer Radtourenfahrt (RTF) bis zur absoluten Höchstleistung im Spitzenbereich von professionellen Radrennfahrer(inne)n.

Nachdem also eine Klärung des Gegenstands erfolgt ist, soll anschließend versucht werden, die Erfahrungsmöglichkeiten im Radsport darzustellen. Mit dem Rad wurden bereits einige abenteuerliche Expeditionen absolviert, von Länderdurchquerungen bis hin zu ganzen Weltreisen. Dem Aufzeigen einiger Beispiele für dieses „andere“ Erfahren mit und auf dem Rad soll seitens des Verfassers u.a. anhand der Ausarbeitungen von Scherer (2009) und Kruse (1996) eine Analyse des Erfahrens mit und auf dem Rad erfolgen: Was fühlt man eigentlich auf dem Rad? Welche Erfahrungsmöglichkeiten bietet der Radsport? Hat der Radsport eine eigene, spezifische, ihm innewohnende Ästhetik? Wenn ja, wie konstituiert sich diese?

Da die Literaturrecherche bezüglich der im Rahmen dieser Hausarbeit behandelten Themen nur eine begrenzte Anzahl an relevanten Werken hervorbrachte, wird sich der Verfasser gelegentlich auch auf eigene Erfahrungswerte beziehen.

2 „Radsport“ - Entschlüsselung eines Begriffs

Wie im ersten Kapitel bereits erwähnt, ist keinesfalls eindeutig, was der Oberbegriff „Radsport“ alles impliziert. Im Folgenden soll nun versucht werden, dies zu präzisie- ren und verschiedene Disziplinen sowie Formen der Ausübung des Radsports aufzu- zeigen.

2.1 Leistungsorientierter Radsport

Grundsätzlich lässt sich der leistungsorientierte Radsport in vier Subkategorien einteilen: Straßen-, Bahn-, Gelände- und Hallenradsport.

Der Straßenradsport besteht aus allen Rennformen, die auf der Straße ausgetragen werden. Im Amateurbereich werden häufig Rennen ausgefahren, bei denen auf ei- nem meist innerstädtischen Rundkurs (in der Regel 800-10.000m) eine bestimmte Anzahl von Runden absolviert werden muss. Sieger(in) ist entweder, wer zuerst in der letzten Runde die Ziellinie überquert (klassisches Rundstreckenrennen) oder die höchste Anzahl an Punkten, verteilt auf den gesamten Rennverlauf, sammelt (Kriteri- um) (vgl. Schmidt, 1996, S. 35). Diese Konzentration auf Rundkurse im Amateurbe- reich ist dem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand für sogenannte Straßenrennen (im professionellen Bereich meist Eintagesrennen) geschuldet. Diese bestehen lediglich aus einer großen „Runde“, Start und Ziel liegen oftmals in ver- schiedenen Städten, als Beispiel kann hier der populäre Klassiker1 Paris-Roubaix angeführt werden (vgl. Schmidt, 1996, S. 34-35).

Weiterer elementarer Bestandteil des Straßenradsports sind die Etappenrennen, auch bekannt als Rundfahrten, welche größtenteils im professionellen Radsport an- gesiedelt sind. Hierbei wird eine bestimmte Zahl an Tagesetappen, oft mit Einbin- dung eines oder mehrerer Einzel- oder Mannschaftszeitfahren, absolviert, um am Ende mittels einer Gesamtwertung den oder die Gesamtsieger(in) durch Addition der Etappenzeiten zu ermitteln. Oftmals werden seitens des Veranstalters Sonderwer- tungen, wie etwa das Trikot für den oder die beste(n) Sprinter(in), ausgeschrieben. Die 1903 erstmals ausgetragene Tour de France ist die älteste und berühmteste Rundfahrt der sogenannten Grand Tours2 sowie zugleich das wohl berühmteste Rad- rennen überhaupt und gilt nach der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen als drittgrößtes Sportereignis weltweit (vgl. Schmidt, 1996, S. 35-36). Bei den Olympischen Sommerspielen ist der Straßenradsport mit zwei Disziplinen vertreten (Straßenrennen und Einzelzeitfahren) (vgl. o.V., 2012, Abs. 2-3).

Im Bahnradsport wiederum werden sämtliche Wettbewerbe auf einer ovalen Rad- rennbahn ausgetragen (vgl. Schmidt, 2011a, Abs. 1). Neben dem bekannten und prestigeträchtigen Stundenweltrekord, in welchem ein(e) Fahrer(in) innerhalb einer Stunde versucht, möglichst viele Runden zurückzulegen, gibt es zahlreiche andere Disziplinen auf der Bahn. Zu den bekanntesten zählen in Deutschland etwa der (Team-)Sprint, das Zweier-Mannschaftsfahren und das Punktefahren sowie die spe- ziell in der Vergangenheit sehr populären Steherrennen (auch Derny-Rennen), bei denen der bzw. die Fahrer(in) im Windschatten eines Motorrades fährt (vgl. Oehme & Lychatz, 1996, S. 235-257).

In London werden dieses Jahr der (Team-)Sprint, die Mannschaftsverfolgung, ein (aus sechs Disziplinen bestehender) Omnium-Wettbewerb sowie das aus Japan stammende, von hohem Körpereinsatz geprägte Keirin Bestandteil der olympischen Bahnwettbewerbe sein (vgl. Schmidt, 2011b, Abs. 3).

Ebenfalls dem Bahnradsport zugehörig sind die Sechstagerennen, welche in Deutschland immer noch eine hohe Popularität genießen. Hierbei steht nicht immer der Sport im Vordergrund, die meisten Veranstaltungen haben heutzutage eher Eventcharakter und sind zusätzlich von zahlreichen nicht-sportlichen Zusatzangeboten geprägt (vgl. Konopka, 2002, S. 16).

Die Bezeichnung Geländeradsport umfasst die Disziplinen Querfeldeinrennen, Mountainbike sowie Bicycle Moto Cross (BMX). Teil der Olympischen Radsportwettbewerbe sind jedoch nur die beiden letztbezeichneten.

Auch in der Halle ist der Radsport mit zwei Disziplinen vertreten, die sich in ihrer Charakteristik deutlich von den im Freien bzw. auf der Bahn betriebenen unterschei- den. So werden Kunstradfahren und Radball zu den ästhetischen Sportarten gezählt und sind nicht olympisch, werden aber dennoch vom UCI3 organisiert (vgl. Sevenich, 2012, o.S.).

2.2 Hobby- und Freizeitbereich

Der Radsport ist nicht nur im Leistungssport vertreten, sondern erfreut sich auch im Hobby- und Freizeitbereich großer Beliebtheit.

Schmidt (1996, S. 10) spricht gar von einer „Renaissance“, die der Radsport seit den 70er Jahren durchlebe und die sich speziell im Breitensport bemerkbar gemacht ha- be. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung konnte Schmidt zudem noch nicht ahnen, welchen Einfluss die Erfolge Jan Ullrichs und Erik Zabels, allen voran Ullrichs Ge- winn der Tour de France 1997, auf den deutschen Radsport haben sollten. Motivati- onsgründe sind im Breitensport zum einen die gesundheitlichen Vorzüge der Bewegung sowohl im physischen als auch im psychischen Bereich sowie die Möglichkeit des Zusammenseins mit anderen Menschen etwa in Vereinen oder Radtreffs. Ferner kommt es als Nebeneffekt oftmals zu einer gesünderen Lebensweise, die mit der gesteigerten sportlichen Aktivität einhergeht (vgl. Schmidt, 1996, S. 10-11). Einschlägige Studien bestätigen diese Beobachtungen. So zeigt der „Fahrrad- Monitor Deutschland 2011“, publiziert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) (o. V., 2011), dass in 78% der deutschen Haushalte durchschnittlich 2,5 Fahrräder vorhanden sind, welche von 84% der Befragten „mindestens selten“ ge- nutzt werden (vgl. o. V., 2011, S. 16; 26). Anzumerken ist, dass höhere Einkom- mensschichten das Fahrrad signifikant häufiger nutzen als etwa das sogenannte „Prekäre Milieu“4 (vgl. o. V., 2011, S. 19; 29).

Böhm, Iversen, Mallwitz, Margull, Schulz, Link und Weber (2004, S. 3) konstatieren weiterhin: „Das Fahrrad ist insbesondere im Kurzstreckenbereich ein ideales Verkehrsmittel, seine Leistungsfähigkeit als vollwertiger Verkehrsträger wird dennoch häufig unterschätzt.“ Der Anteil des Rades am gesamten Verkehrsaufkommen beträgt in Deutschland lediglich 9,5% (Niederlande: 27%), allerdings weist Deutschland diesbezüglich ein hohes Potenzial auf, wie einzelne Städte (z.B. Münster: ~40%) zeigen (vgl. Böhm et. al, 2004, S. 3).

Auch unter Familien wird das Radfahren in den letzten Jahren immer mehr in der Freizeit für gemeinsame Ausflüge genutzt, insbesondere zum Zweck des gemeinsa- men Urlaubs in der Natur. Giebeler und Froitzheim (2009) etwa zeigen auf, dass 21% der deutschen Bevölkerung bereits einen Radurlaub absolviert haben. Der Radtou- rismus habe 2008 einen Anteil von 10% am Gesamttourismus in Deutschland einge- nommen (vgl. Giebeler & Froitzheim, 2009, S. 6). Die Verbundenheit mit der Natur (auf die im Verlauf dieser Arbeit noch genauer eingegangen wird) identifiziert Schmidt weiterhin als elementaren Bestandteil des gestiegenen Interesses aus:

„Auch der Urlaub mit dem Fahrrad erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. Wäh- rend man im Auto die Urlaubslandschaften und die Natur nur wie im Fernsehen als Zu- schauer betrachtet, ist man auf dem Fahrrad ein Teil des Erlebten“ (Schmidt, 2006, S. 11).

Beschreiben die vorstehenden Ausführungen weitestgehend den Freizeitbereich, so soll nun kurz auf die Hobby-Szene im Radsport eingegangen werden.

[...]


1 Mit der Bezeichnung Klassiker versehen sind im professionellen Radsport gemeinhin die wichtigsten und traditionsreichsten Eintagesrennen (international s.o., in Deutschland etwa Rund um Köln).

2 Unter dem Begriff Grand Tours (französisch: sinngemäß „Große Rundfahrten“) werden die drei größ- ten Rundfahrten (Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta a España) zusammengefasst. Diese zeichnen sich durch ihre außergewöhnlich hohe Dauer von drei Wochen aus und sind geprägt von einem anspruchsvollen Streckenprofil, das vielseitige, „komplette“ Fahrer erfordert.

3 Union Cycliste Internationale (französisch: „Internationaler Radsport-Verband“): Repräsentationsorgan der nationalen Radsport-Verbände.

4 Gruppe der „Sinus-Milieus“, Modell zur Einteilung von Menschen in verschiedene Zielgruppen anhand demografischer sowie lebenswirklicher Eigenschaften (vgl. Flaig, 2012, o.S.).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Radsport. Vielfältigkeit und Erfahrungsmöglichkeiten
Note
1,9
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V337202
ISBN (eBook)
9783656986805
ISBN (Buch)
9783656986812
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Radsport, Profiradsport, Freizeit, Erfahrungsmöglichkeiten, Ästethik
Arbeit zitieren
Martin Lahm (Autor), 2012, Radsport. Vielfältigkeit und Erfahrungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337202

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