War damals wirklich alles besser als heute? Die Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland von 1871 bis zur Gegenwart


Hausarbeit, 2014
16 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Entwicklung der Bevölkerung
2.1 Geburten- und Sterblichkeitsrate von 1871-1914
2.2 Geburten- und Sterblichkeitsrate von 1914-Heute
2.3 Entwicklung der Geburtenrate
2.4 Rückgang der Sterblichkeitsziffern bis 1900

3. Familie und Geschlechter
3.1 Rolle der Familie „Damals“
3.2 Rolle der Familie „Heute“
3.3 Entwicklung der Frau
3.4 Entwicklung der Jugend
3.5 Jugend und Bildung „Heute“

4. Das tägliche Leben
4.1 Ernährung
4.2 Kleidung
4.3 Wohnverhältnisse

5. Entwicklung der Großunternehmen

6. Fazit

I. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bis Heute sind erhebliche Fortschritte und Verbesserungen in diversen Bereichen zu vernehmen. Sei es die Medizin, welche ständig verbessert und für die deutsche Bevölkerung zugänglich ist, seien es die Bildungschancen, welche nicht nur für Familien mit besserem Wohlstandsniveau angeboten werden, sei es die Technik, welche von Tag zu Tag Fortschritten unterliegt oder sei es die Bevölkerung, welche einen großen Wandel durchlebte. Geprägt durch Kriege, Pauperismus und Elend schaffte es die deutsche Bevölkerung einen angesehenen Status in unserer heutigen Zeit zu erlangen. Für jeden Bürger in Deutschland sind die signifikanten Sachen wie die medizinische Versorgung und die Sicherung des Lebensunterhaltes durch den Staat gegeben.

„Früher war alles besser!“, solchen Äußerungen begegnet man oft. Gerade die Älteren Mitmenschen haben diesen Satz zum Trend erklärt. Doch entspricht es der Realität oder ist es, wenn man bis zum Ende des 18. Jahrhundert zurückblickt, nicht der Fall?

In der folgenden Hausarbeit „Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland vom Ende des 18.

Jahrhunderts bis zur Gegenwart“ besteht das Hauptziel darin, eine Meinung zur Entwicklung der deutschen Bevölkerung zu entwickeln. Primär befasst sich diese Hausarbeit damit die Entwicklung der Bevölkerung anhand von klaren Indikatoren auszuarbeiten.

Im ersten Abschnitt wird die Entwicklung der Bevölkerung für den Zeitraum 1871-1914 beschrieben. Hier, werden die Geburtenraten sowie die Sterblichkeitsziffern genannt. Anschließend, werden die Jahre von 1914- Heute anhand derselben Indikatoren analysiert und mit den zuvor ermittelten Informationen verglichen.

Die Thematik des zweiten Abschnittes ist die Rolle der Familie zur damaligen Zeit. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf den Geschlechterrollen. Die Entwicklung der Frau, man sage der „Lange Weg zur Emanzipation“ wird ebenfalls behandelt͘ Inhalt des dritten Abschnittes ist das tägliche Leben. Darunter fließen Punkte wie Ernährung, Kleidung und Wohnverhältnisse.

Der darauf folgende Abschnitt befasst sich mit der Entwicklung der Großunternehmen und deren Einfluss auf die heutige Wirtschaft.

Die gesammelten Informationen werden durch ein Fazit mit einer persönlichen Stellungnahme beurteilt.

2. Entwicklung der Bevölkerung

In diesem Abschnitt wird die Entwicklung der Bevölkerung von 1871 bis 1914 gemessen an den Indikatoren Geburten- und Sterblichkeitsrate analysiert. Die Gründe für den Wandel in der Bevölkerungsentwicklung werden anhand von Stadt/Land unterschieden dargestellt. Es wird zudem das Heiratsverhalten untersucht und mit Graphiken unterstützt.

2.1 Geburten- und Sterblichkeitsrate von 1871-1914

Von 1871 bis 1914 ist die Bevölkerung im deutschen Reich von 39,8 Millionen auf 67,8 Millionen, d.h. um 70 %, angestiegen. Die Bevölkerungsdichte wuchs von 1871/72 bis 1910/14 von 76 pro qkm auf 120. Ein Faktor für dieses relativ kontinuierliche Wachstum in der Bevölkerung ist der deutlich steigende Geburtenüberschuss und die abnehmende Sterblichkeitsrate.

In den ersten beiden Dritteln des 19. Jahrhunderts hatte das Bevölkerungswachstum darauf beruht, dass die Sterblichkeit zu Anfang ein wenig gesunken war und dass die Geburten leicht anstiegen. Dieses resultierte aus den Veränderungen in der Lebensweise der Bevölkerung. Die Rechtsordnung, die Wirtschaftsentwicklung, der Landesausbau und die Industrialisierung bewirkten, dass höhere Heiratsquoten diagnostiziert und die Geburten vom Nahrungsspielraum unabhängiger wurden. „Das Absinken der Sterblichkeitsquote, bei gleichbleibender Fruchtbarkeit, führte zu einem wachsenden Geburtenüberschuss“. Von 28,3 % im Jahr 1866/70 sank die Sterberate auf 24,5 % im Jahr 1886/90 und anschließend schneller auf 16,3 % im Jahr 1909/13. Während die Lebenserwartung zwischen 1850 und 1881/90 bei 10% lag, stieg diese zwischen 1881/90 und 1901/10 um 20%. Diese Phase wird auch als „demographischer Übergang“ bezeichnet͘ Die „Schere“ zwischen Sterblich- und Gebürtigkeit wurde immer größer (Nipperdey 1998: S. 9).

2.2 Geburten- und Sterblichkeitsrate von 1914-Heute

Die nachfolgende Graphik zeigt die Lebendgeborenen und die Sterbefälle in Deutschland von 1946- 2011 in Tausend. Die blaue Linie steht für die Lebendgeborenen und die grüne für die Sterbefälle. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hohe Geburtenzahlen vernommen, der sogenannte Baby- Boom. Ab 1947 stiegen die Zahlen der Neugeborenen, während die Sterbefälle sanken. Doch Ende der 1960er und Anfang der 1970er gab es einen erheblichen Rückgang bei den Geburten. Von 1,36 Millionen im Jahr 1964 auf 782.000 im Jahr 1975. Von 1976 bis 1990 gab es einen leichten Anstieg der Geburtenzahlen von 782.000 auf 906.000. Seit 1997 ist ein kontinuierlicher Rückgang der Geburten zu vernehmen. 2005 wurden erstmals weniger als 700.000 Kinder geboren. Das Jahr 2011 wies mit 663.000 Geborenen die bisher niedrigste Geburtenzahl seit 1946 auf. Seit 1972 ist die Anzahl der Sterbefälle höher als die Anzahl der Geburten. Im Jahr 2011 waren es sogar 190.000 Sterbefälle mehr als Geburten. Die durchschnittliche Lebenserwartung nimmt weiter zu und die durchschnittliche Kinderanzahl von 2,1 Kindern je Frau, zur Erhaltung der Bevölkerung, wird mit aktuell 1,36 Kindern unterschritten (Statistisches Bundesamt Datenreport 2013). Auf die Zukunft bezogen bleibt zu sagen, dass die deutsche Bevölkerung schrumpft und dass es mehr Ältere als Junge Menschen gibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Datenreport 2013

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2013Kap1.pdf?__blob=publicationFile

2.3 Entwicklung der Geburtenrate

Um die Entwicklung der Geburtenrate nachvollziehen zu können, muss zunächst einmal das Heiratsverhalten der Bevölkerung betrachtet werden. Die Zahl der Eheschließungen pro Tausend der Bevölkerung lag 1866/70 bei 8,6, 1866/90 bei 7,9, 1890/1900 bei 8,4 und 1900/10 bei 8,0. Es gab infolge der Auswanderung 1893, der Kriegsverluste und auch der etwas höheren Lebenserwartung einen leichten Frauenüberschuss. Dennoch, waren 1890 28,3% der Frauen zwischen 25-34 Jahren ledig. Bei den Männern belief es sich auf 37,7%. Die Zahl der ledigen Frauen war in den Städten, im Westen und in katholischen Regionen höher als anderswo. Die Religion, die Sozialgeographie und die Einbindung in die Gemeinschaft hatten eine tragende Rolle bei der Betrachtung der Eheschließungen. Im Katholizismus waren die Ledigen anerkannter als im Protestantismus. Auf dem Land herrschte ein Frauenüberschuss, während in den schwerindustriell und Bergbau geprägten Städten mehr Männer leben. Doch nicht nur die Ledigen machten einen großen Teil der Bevölkerung aus, sondern auch die verwitweten Frauen. 1890 waren 775.000 Männer und 2.184.000 Frauen verwitwet, 1911 waren es 867.000 Männer und 2.584.000 Frauen. Verwitwete Männer schlossen eher eine neue Ehe als die verwitweten Frauen, was die Tatsache erklärt, warum die Zahlen der verwitweten Frauen im Vergleich zu den Männern so hoch sind. Das Heiratsalter, geprägt von der alteuropäischen Tradition, war relativ hoch und auch abhängig von den schichtspezifischen Unterschieden. Männer mit einem höheren sozialen Status wiesen ein höheres Heiratsalter auf, als gelernte und ungelernte Arbeiter.

Die langen Ausbildungsjahre begünstigten den Männern der Oberschicht, bspw. Selbstständigen eine Heirat im Alter von 33 Jahren. Bei den Frauen der Ober- und Mittelschichtfrauen lag der Durchschnitt bspw. bei Lehrerinnen bei 29 Jahren. Die untere Schicht, ungelernte Arbeiter und „Haustöchter“ heirateten im Vergleich zu der Oberschicht früher (Männer: 28,6 Jahre, Frauen: 25,4 Jahre) aber trotz dessen relativ spät. Die frühen Heiraten wurden verzögert durch die Wanderungen von Land zu Stadt, Stadt zu Stadt und auch durch die Wohnverhältnisse. Was erstaunlich bleibt ist neben dem Rückgang der Sterbeziffern, der Rückgang der Geburten innerhalb der Ehe͘ Die „Schere“, die sich zwischen Geburten und Sterbefällen geöffnet hatte, begann sich nun zu schließen. Mögliche Gründe für dieses Phänomen sind zu einem das soziale Umfeld, also Großstadt oder Land und katholische oder evangelische Konfession, aber auch die Schichtzugehörigkeit, das Einkommen und die Qualifikation. Der Hauptgrund jedoch liegt in der Geburtenkontrolle. Das Verhalten der Bevölkerung, sei es die Ober- oder Unterschicht entwickelte sich rational. Beispielsweise hielten die Beamten und Angestellten ihre Kinderzahlen bei niedrigem Einkommen klein, vergrößerten sie aber bei steigendem Einkommen (Nippende 1989, Seite: 21ff).

2.4 Rückgang der Sterblichkeitsziffern bis 1900

Der Rückgang der Sterblichkeitsziffern sowie der Lebenserwartung stehen in Verbindung zu den sozialen und kulturellen Unterschieden innerhalb der Bevölkerung. Betrachtet man den Osten und den Westen, so stellt man fest, dass es erhebliche regionale Unterschiede gibt. Im Osten lag die Sterblichkeitsziffer höher als im Westen, was dazu führen lässt, dass die medizinische Versorgung und das Gesundheitsbewusstsein Differenzen aufwiesen. Auch der Unterschied zwischen Stadt und Land war nicht bedeutungslos. Der erste Blick zeigt, dass die Sterblichkeitsziffer in den Städten höher war als auf dem Land, aber bei genauerer Analyse wird deutlich, dass der Rückgang der Sterblichkeitsziffer in den Städten viel durchgreifender und schneller von Statten ging. Auf dem Land herrschte eine hohe Müttersterblichkeit, aufgrund der Risiken bei den Geburten, die harte körperliche Arbeit, mangelnde Hygiene und die schlechte Ernährung. Auch Fortschritte in der Hygiene ließen die Kennziffern nicht sinken. Die höhere Lebenserwartung der Frauen hing zusammen mit der geringeren Sterblichkeit von Mädchen und älteren Frauen. Neben den geographischen Aspekten sind die kulturellen nicht außer Acht zu lassen. Die besser gestellten Schichten hatten eine höhere Lebenserwartung. Das hing zusammen mit der besseren Ernährung, den geringeren Risiken in Bezug auf Wohnung, Umwelt und Arbeit sowie ihrem rationalen Gesundheitsbewusstsein. Nach 1900 ist nicht mehr die Zugehörigkeit der Klasse, sondern die Berufsausübung signifikant, wenn es um die Analyse der Sterblichkeitsziffer geht. Beamte, Angestellte und Freiberufler bildeten die Spitze beim Sterblichkeitsrückgang. Gefolgt von Selbstständigen (Handwerker, Kaufleute, Bauern) und Facharbeitern, werden die Ungelernten und die ländlichen Arbeiter genannt. Der Anstieg der

Realeinkommen und Löhne, spielte eine sehr große Rolle bei der Bekämpfung der Sterblichkeitsziffern. Denn dieser Anstieg garantierte eine bessere und ausreichende Ernährung und somit eine höhere Resistenz gegenüber Krankheiten. Die Durchsetzung der Hygiene erfolgte in verschiedenen Stufen: Die Trinkwasserversorgung, Kanalisation und Abfallbeseitigung, die Lebensmittel-Hygiene bspw. bei der Säuglings- und Kinderernährung, die bessere Wohnungshygiene und die persönliche Hygiene sorgten für einen besseren Schutz gegen Ansteckungen. Mit dem Fortschritt in der Medizin konnte die Müttersterblichkeit insgesamt um 65 % gesenkt werden und die größer werdende Zugänglichkeit dieser fortschreitenden Medizin; Arzt- und Krankenhausdichte, Mitgliedschaft einer Krankenkasse und Krankenkassenleistung für die Angehörigen, Abbau der Hemmschwellen gegenüber Ärzten in der Bevölkerung sorgten ebenfalls für den Rückgang der Sterblichkeitsziffern. Ein ebenfalls wichtiger Grund für den Rückgang der Gesamtmortalität ist der Rückgang der Säuglingssterblichkeit. 1871-80 lag diese bei 235 % , 1891-1900 noch bei 216 %, 1911- 15 nur noch bei 164 %, 1912 bei 147 % ; die Säuglingssterblichkeit ist also um fast 40 % zurückgegangen (Nipperdey 1998: S. 11, 13ff.)

3. Familie und Geschlechter

Im nachfolgenden bschnitt wird die Rolle der Familie und die Verteilung der „Rollen“ innerhalb dieser Familiengemeinschaft vorgeführt. Weiterhin wird auf die Entwicklung der Frau eingegangen. Verglichen wird die damalige und heutige Zeit.

3.1 Rolle der Familie „Damals“

Obwohl der Liberalismus im 19. Jahrhundert auf dem Individualismus beruhte, welcher Wirtschafts- recht und politische Ordnung bestimmte, war die Familie unantastbar. Die Familie war ein Zentrum für sich, welcher sich jedem staatlichen oder gesellschaftlichen Eingriff entzog. Alle religiösen Richtungen und Klassen teilten diesen Glauben an die Familie. Weshalb man von einer „Familienreligion“ sprechen kann (Nipperdey 1989, Seite: 43)͘ Die Gründung einer Familie verlief zur damaligen Zeit nach einem bestimmten Zyklus, der von Generation zur Generation weitergegeben wurde:

1. Phase Kennenlernen
2. Phase Heirat/Gründung eines eigenen Haushalts
3. Phase Geburt eines Kindes (Familiengründung)
4. Phase Geburt weiterer Kinder (Familienerweiterung)
5. Phase Auszug des Kindes/der Kinder - nachelterliche Phase („empty-nest“)

(Bundesministerium für politische Bildung, 2009)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
War damals wirklich alles besser als heute? Die Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland von 1871 bis zur Gegenwart
Hochschule
Hochschule Bremen  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
3,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V337237
ISBN (eBook)
9783656987178
ISBN (Buch)
9783656987185
Dateigröße
927 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Entwicklung der deutschen Bevölkerung ab dem 18 Jahrhundert
Schlagworte
Weltwirtschaftsgeschichte, Entwicklung Deutschland, Babyboom
Arbeit zitieren
Yasemin Cengiz (Autor), 2014, War damals wirklich alles besser als heute? Die Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland von 1871 bis zur Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337237

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