Kerstin Spechts "Marieluise"


Hausarbeit, 2002
10 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie Kerstin Specht

3. „Marieluise“
3.1 Inhaltsangabe
3.2 Hintergründe zum Stück
3.3 Erläuterungen zur Uraufführung

4. Resümee

Quellenangaben

1. Einleitung

Sind Frauen in der Lage Dramen zu schreiben? Vor einigen Jahrzehnten letztlich wäre dies von der männlichen Seite mit einem klaren „Nein“ beantwortet worden. Das Drama und das weibliche Geschlecht wurde als unvereinbar angesehen. So schreibt bspw. Georg Simmel 1911 „ [¼] dass die Frau zwar dem Manne, der sozusagen der geschlossene Grenzen-Durchbrecher ist, gegenüber als das geschlossene, von strenger Grenze umzirkte Wesen erscheint – aber mit ihren künstlerischen Leistungen gerade da versagt, wo die strenge Geschlossenheit der Form präveliert: im Drama [¼].“[1]

Theaterautorin Marieluise Fleißer allerdings war der Meinung, dass gerade Frauen die Veranlagung zu dramatischem Schreiben besitzen: „Wir haben die Sprache, wir haben Szenen, wir haben besonders die Rollen, die Spezialbegabung der Frau, weil sie sehr nah und bis in die Einzelheiten genau sieht, gewissermaßen vollständig um den Menschen herumgeht, den Punkt findet mit einer Witterung für menschliche Eigenheiten, wie sie in dieser Feinheit dem Mann abgeht. Die nächste Leistung die wir bringen müssen, ist – das Stück.“[2]

Marieluise Fleißer war eine Frau, die sich gegen die männliche Meinung durchsetzte. Anlässlich ihres 100. Geburtstags am 23. November 2001 übernahm Theaterautorin Kerstin Specht den Ingolstädter Auftrag ein Stück über die Fleißer zu schreiben. Um was es sich genau bei der Person Kerstin Specht und ihrem Stück „Marieluise“ handelt, möchte in dieser Arbeit erörtern. Nachdem ich im zweiten Kapitel die Biographie Spechts aufgeführt habe, gilt das dritte Kapitel dem Stück, in welchem ich Inhalt, Form und Hintergründe erarbeiten werde, sowie Erläuterungen zur Uraufführung von Anja Witzke vorstelle. In dem darauf folgendem Resümee möchte ich die Intention und Beziehung Spechts zum Stück und zu Marieluise Fleißer beleuchten. Ein von mir geführtes Telefoninterview mit Kerstin Specht soll dazu beitragen.

2. Biographie Kerstin Specht

Kerstin Specht ist 1956 in Kronach/Oberfranken geboren. Sie studierte nach ihrem Germanistik-, Philosophie- und Theologiestudium an der Münchener Hochschule für Film- und Fernsehen. So wurde sie Regieassistentin beim Radio und beim Bayerischen Rundfunk. Außerdem nahm sie dramatische Kurse und lebt jetzt momentan in München.

Seit 1988 arbeitet sie als Theaterautorin und hat bis jetzt 12 Theatertücke verfasst, die sie in der Tradition von R. W. Fassbinder, F. X. Kroetz und M. Sperr schrieb. Ihre frühen Stücke stehen in der Tradition des kritischen Volkstheaters, weswegen sie gern als Enkelin der Marieluise Fleißer angesehen wird, da diese auch Volksstücke schrieb. 1990 entsteht ihr erstes Bühnenstück „Das glühende Männla“ – Impressionen aus einem oberfränkischen Dorf. Mit diesem und den beiden nächsten Uraufführungen ihrer drei Volksstücke „Lila“, der Geschichte einer Philippinin, die in einem fränkischen Dorf strandet, und „Amiwiesn“ wurde Specht 1990 Deutschlands erfolgreichste Nachwuchsautorin. So dauert es nicht lang und sie wird 1991 von der ´taz´ zum „Shooting Star des Theaterjahres“ ernannt. Als Auftragsarbeit für das Ulmer Theater schrieb Specht 1993 das Stück “Der Flieger“ nach der Figur des Schneiders von Ulm als Portrait eines Mannes, der seinen Obsessionen Arbeit und Familie opfert. Für ihr fünftes Stück „Mond auf dem Rücken“ (1993) über den Fortbestand der deutsch-deutschen Grenze im Bewusstsein der Menschen, erhielt Kerstin Specht den Lasker-Schüler-Dramatiker-Preis. Des Weiteren verfasste sie „Carceri“ (1996), ein Stück über das Leben des französischen Philosophen und Marxisten L. Althusser, der 1980 seine Frau ermordete, sowie die Königinnendramen: „Die Froschkönigin“, „Die Schneekönigin“ und „Die Herzkönigin“ (1998), „Das goldene Kind“ (2002) und „Solitude“ (2002).

Die Monolog-Fassung „Marieluise“ entstand als Auftragsarbeit der Stadt Ingolstadt anlässlich des 100.Geburtstages am 23. November 2001 von Schriftstellerin und Theaterautorin Marieluise Fleißer. Die Uraufführung hat an demselbigen Tag stattgefunden. Aus der Beschäftigung mit dem Leben der Fleißer und unter Verwendung des Materials dieses Stückes, hat Kerstin Specht den Monolog „Die Rückseite der Rechnungen“ entwickelt.

3. „Marieluise“

3.1 Inhaltsangabe

Der Monolog „Marieluise“ besteht aus teils fiktiven und teils wahren Geschehnissen aus dem Leben der Fleißer. In Erinnerungsfetzen, Traumsequenzen und Gedankensplittern erzählt die Figur Marieluise von ihren Lebensstationen: Der Zeit im streng katholischen Internat, an den frühen Tod ihrer Mutter und die lebenslange Autorität ihres Vaters, an die ersten Studienjahre in München, die Begegnung mit Brecht, der sie zum Schreiben animiert was zu einer Berliner Skandal-Inszenierung führt („Pioniere“) und im dritten Reich sogar mit einem Aufführungsverbot endet. Ein Leben, das von der vergeblichen Liebe zu Brecht und der glücklosen Ehe mit dem Jugendfreund und Tabakwarenhändler Haindl geprägt ist und sie für ein halbes Jahr in eine Nervenheilanstalt bringt, ehe sie für die Nazis in Zwangsarbeit Kriegswaffen prüfen muss. An dem Stück wird deutlich, das das selbst erlebte Maß an Unterdrückung, Korruption und Ausbeutung im strengen Katholismus und kleinbürgerlicher Enge sie zu einer guten Beobachterin ihrer Lebenswelt gemacht hat und ihre literarische Kraft geschärft hat. Nach zahlreichen Fluchtversuchen von Zweifel und Zusammenbruch, von Sehnsucht nach Freiheit kommt sie zum Stückende wieder in der Provinz Ingolstadt an, aus der sie einst ausgebrochen ist. Dazu sagt sie: “Ich bin einen großen Bogen gelaufen um zu sehen, dass die Weite überall nur einen engen Winkel für mich bereit hält.“ (Akt 20. Ingolstadt / Kupfergasse, Zeile 16-20) So ist sie nach zwei Weltkriegen, dem Leben in einer Kleinstadt, sowie nach vielen inneren Kämpfen und Niederlagen über sich selbst hinausgewachsen.

[...]


[1] Simmel, Georg: Philosophische Kultur. Über das Abenteuer, die Geschlechter und die Krise der Moderne. Gesammelte Essays, Berlin 1983, S.234.

[2] Fleißer, Marieluise: Das dramatische Empfinden bei den Frauen. In: Die Szene. Blätter für Bühnenkunst. Nr.1. Berlin 1930, S. 8-9.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Kerstin Spechts "Marieluise"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Theaterwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Dramatikerinnen
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V33732
ISBN (eBook)
9783638341349
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kerstin, Spechts, Marieluise, Dramatikerinnen
Arbeit zitieren
Magistra Artrium Agnes Bogatzki (Autor), 2002, Kerstin Spechts "Marieluise", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33732

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