Diese Arbeit untersucht die Wirkungen der europäischen Kronzeugenregelung aus dem Jahr 2006 auf die Stabilität von Kartellen. Dabei wird unter anderem die Lebensdauer von Kartellen, welche von der europäischen Kommission aufgedeckt wurden, als Indikator für die Wirksamkeit der Kronzeugenregelung herangezogen.
Nachdem auf die Entstehung von Kartellen und deren Stabilität beeinflussende Faktoren eingegangen wurde, sollen die von Kartellen schädigenden Wirkungen aufgezeigt werden. Im Anschluss wird kurz die Entstehungsgeschichte der europäischen Kronzeugenregelung skizziert. Die Auswirkungen von Kronzeugenregelungen auf die Kartellstabilität abhängig von deren Ausgestaltung werden dann beschrieben.
Hierfür wird unter anderem auf theoretische Überlegungen von Motta und Polo (2005), Spagnolo (2004), aber auch auf empirische Forschungsarbeiten wie jene von Miller (2009) und Zhou (2012) Bezug genommen. Schließlich wird ein Vergleich der aktuellen europäischen Kronzeugenregelung mit den genannten Erkenntnissen zu dem Ergebnis führen, dass durchaus eine destabilisierende Wirkung zu bemerken ist.
Unterstützt wird dieses Ergebnis durch eine von mir durchgeführte Überlebensdatenanalyse ausgewählter Kartelle, die seit 2000 von der europäischen Wettbewerbskommission verurteilt wurden. Auch ist davon auszugehen, dass zwar Mängel bei der Ausgestaltung der Regelung bestehen, diese jedoch wohl nicht überwiegen. Dabei könnte die Effektivität der Regelung durch die Einführung weiterer oftmals geforderter Elemente aber noch weiter gesteigert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kartelle
2.1. Die Entstehung von Kartellen
2.2. Determinanten der Kartellstabilität
2.3. Kartellbedingte Schäden
2.3.1. Wohlfahrtsverlust
2.3.2. Ineffizienzen
2.3.3. Betroffene Wirtschaftssubjekte
3. Die europäische Kronzeugenregelung
3.1. Entstehung einer Kronzeugenregelung
3.2. Kronzeugenmitteilung 1996
3.3. Modifizierung der Kronzeugenmitteilung 2002
3.4. Modernisierung der Regelung 2006
3.5. Auswirkungen auf die Kartellstabilität
3.5.1. Ausgestaltungen einer Kronzeugenregelung und deren Folgen
3.5.2. Die europäische Kronzeugenregelung (2006)
3.5.3. Eigene Untersuchung der Effektivität des Kronzeugenprogramms
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effektivität der aktuellen europäischen Kronzeugenregelung sowie deren Auswirkungen auf die Stabilität von Kartellen, um zu bewerten, ob das Instrument seine beabsichtigte destabilisierende Wirkung entfaltet.
- Spieltheoretische Analyse der Kartellstabilität und der Anreize zur Kooperation
- Entwicklungsgeschichte und rechtliche Ausgestaltung der europäischen Kronzeugenregelung
- Empirische Untersuchung der Auswirkungen auf die Lebensdauer von Kartellen
- Kritische Diskussion von Schutzmechanismen und weiteren Reformoptionen
- Evaluation der Behördenaktivität als komplementärer Faktor zur Kronzeugenregelung
Auszug aus dem Buch
3.5.1. Ausgestaltungen einer Kronzeugenregelung und deren Folgen
Im ersten Schritt sei eine Kronzeugenregelung betrachtet, welche Unternehmen, die sich zu einer Kooperation mit den Wettbewerbsbehörden entschließen, einen Bußgelderlass gewährt. Um darzustellen, welche Bedingung erfüllt sein muss, um hierdurch eine destabilisierende Wirkung zu erzielen, sei ein wie unter 2.2 durchgeführtes Kartellspiel mit T = ∞ zwischen zwei Unternehmen angenommen. Beide Unternehmen haben dabei denselben Diskontfaktor δ ϵ (0,1). Hinzu kommt nun die Aufdeckungswahrscheinlichkeit durch die Wettbewerbsbehörden p, sowie ein bei Entdeckung verhängtes Bußgeld F. Wird das Kartell aufgedeckt, so sei angenommen, dass das Spiel in der Folgeperiode fortgesetzt wird.
Der bei Absprache erzielbare Gewinn beträgt dann π^K - pF, derjenige unter Wettbewerb π^W und bei einseitigem Abweichen π^A - pF, wobei in diesem Fall das andere Unternehmen nur mehr einen Gewinn von π_quer erzielt.
Die Absprache und damit ein Kartell ist also stabil, sofern gilt:
π^A - pF + (1 / 1-δ) * π^W ≤ (1 / 1-δ) * (π^K - pF)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Untersuchung durch die ökonomische Bedeutung von Kartellen als Wettbewerbsbeschränkung und stellt die Fragestellung zur Effektivität der europäischen Kronzeugenregelung auf.
2. Kartelle: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, Stabilität und die volkswirtschaftlichen Schäden von Kartellen auf Basis theoretischer Konzepte.
3. Die europäische Kronzeugenregelung: Hier erfolgt eine detaillierte historische Darstellung und Analyse der rechtlichen Entwicklung der europäischen Kronzeugenregelung sowie ihrer Auswirkungen auf die Kartellstabilität.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Kronzeugenmitteilung 2006 als einen wichtigen Schritt zu einer effektiveren Kartellbekämpfung, weist jedoch auf bestehende Kritikpunkte hin.
Schlüsselwörter
Kronzeugenregelung, Kartellstabilität, Wettbewerbsrecht, Bußgelderlass, Spieltheorie, Kartellbekämpfung, Europäische Kommission, ökonomische Analyse, Wettbewerbsbehörden, Marktmacht, Wohlfahrtsverlust, Kooperation, Sanktionen, Abschreckungseffekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die europäische Kronzeugenregelung im Kartellrecht und ihren Einfluss auf die Stabilität von Kartellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die spieltheoretischen Grundlagen der Kartellstabilität, die historische Entwicklung der EU-Kronzeugenregelungen und die empirische Bewertung ihrer Wirksamkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Prüfung, ob die aktuelle europäische Kronzeugenregelung effektiv funktioniert und die beabsichtigte Destabilisierung von Kartellabsprachen erreicht.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor kombiniert eine theoretische, spieltheoretische Fundierung mit einer eigenen empirischen Überlebensdatenanalyse von 104 Kartellfällen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Analyse von Kartellen, die rechtliche Historie der EU-Regelungen seit 1996 und eine detaillierte Untersuchung der Effektivität verschiedener Ausgestaltungsformen von Kronzeugenprogrammen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kronzeugenregelung, Kartellstabilität, Bußgelderlass, Spieltheorie und Wettbewerbspolitik.
Wie unterscheidet sich die Gruppe A von der Gruppe B in der empirischen Analyse?
Gruppe A umfasst Kartelle, die vor 1996 gegründet wurden (ohne Einfluss der Kronzeugenregelung), während Gruppe B Kartelle enthält, die nach 2002 entstanden und somit unter den verschiedenen Kronzeugenregelungen operierten.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Lebensdauer von Kartellen?
Die Analyse zeigt, dass Kartelle, die unter der Geltung der Kronzeugenregelung entstanden sind, eine deutlich geringere Überlebensdauer aufweisen als Kartelle aus der Zeit vor 1996.
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- S. Bäumes (Author), 2016, Die europäische Kronzeugenregelung und deren Einfluss auf die Kartellstabilität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337322