Dieser Band umfasst zwei Studienprojekte, die während des Praxissemesters angefertigt wurden. Im erste Projekt wird untersucht, welchen Einfluss die Vorgehensweise bei der Korrektur von Übersetzungen auf die Bewertung einer Übersetzung hat. Das zweite Projekt geht von der Feststellung aus, dass das Fach Physik bei Mädchen das mit Abstand unbeliebteste Fach ist, was dazu führt, dass sie in Physik-Leistungskursen mit circa 10% deutlich unterrepräsentiert sind und sich noch seltener gar für ein Physikstudium entscheiden.
Das erste Projekt untersucht , welchen Einfluss die Vorgehensweise bei der Korrektur von Übersetzungen auf die Bewertung einer Übersetzung hat. Dabei soll das Verfahren der Positivkorrektur, so wie es 1976 von Wilhelm Biermann beschrieben wurde, mit dem der in NRW obligatorischen Negativkorrektur gemäß den Vorgaben der Kultusministerkonferenz verglichen werden, um folgenden Fragen nachzugehen: Führen die Korrekturverfahren zu unterschiedlichen Ergebnissen und wenn ja, lassen sich diese durch die Art der begangenen Fehler begründen? Werden die Fehler-Typen also gleichwertig behandelt? Welche Auswirkungen hat der Schwierigkeitsgrad des Übersetzungstextes, d.h. gibt es Unterschiede zwischen Lehrbuch- und Originaltexten? Lässt sich Biermanns Ergebnis, dass die Bewertung mittels einer Positivkorrektur leicht besser ausfalle, bestätigen?
Für viele Mädchen ist das Fach Physik das mit Abstand unbeliebteste Fach, was dazu führt, dass sie in Physik-Leistungskursen mit ca. 10% deutlich unterrepräsentiert sind und sich noch seltener gar für ein Physikstudium entscheiden. Dennoch ist Physik bis zur Mittelstufe ein Pflichtfach, sodass die Frage nach den Ursachen für die „mädchenspezifische“ Abneigung gegenüber der Physik bereits seit Beginn der 80er Jahre genauer untersucht wird. Eine wesentliche Ursache wird darin gesehen, dass Mädchen sich vor allem in der Pubertät von der als „männlich“ angesehenen Physik abwenden. Ob sich dies auch in der Einstellung von Jungen und Mädchen gegenüber Schülerexperimenten widerspiegelt, soll im Rahmen des zweiten Forschugsprojekts geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Studienprojekt Latein: Das Bewerten von Übersetzungen mittels Positiv und Negativkorrektur im Vergleich
I.1 Einleitung
I.2.Hauptteil
I.2.1 Die Korrekturverfahren
I.2.2 Vorgehensweise
I.2.3 Vergleich der Notenskalen
I.2.4 Auswertung der Klausuren
I.2.5 Ergebnis
I.3 Zusammenfassung
I.4 Literaturverzeichnis
II. Studienprojekt Physik: Unterschiedliche Einstellungen zum Experimentieren bei Jungen und Mädchen verschiedener Altersstufen
II.1 Einleitung
II.2 Einstellungen zum Experimentieren bei Jungen und Mädchen
II.2.1 Vorgehen bei der Datenerhebung
II.2.2 Auswertung
II.2.3 Ergebnisdiskussion
II.3 Zusammenfassung
II.4 Literaturverzeichnis
2.5 Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht zwei fachdidaktische Fragestellungen: Im ersten Teil wird der Einfluss unterschiedlicher Korrekturverfahren (Positiv- vs. Negativkorrektur) auf die Notenbildung in Lateinklausuren analysiert. Im zweiten Teil wird erforscht, wie sich Einstellungen von Jungen und Mädchen verschiedener Altersstufen zum Schülerexperiment im Physikunterricht unterscheiden und welche geschlechtsspezifischen Faktoren dabei eine Rolle spielen.
- Vergleich von Positiv- und Negativkorrektur bei Lateinübersetzungen.
- Einfluss von Geschlechtsstereotypen auf die Einstellung zum Physikunterricht.
- Entwicklung des Selbstkonzepts und des Interesses an Schülerexperimenten.
- Analyse von Korrelationen zwischen Fehlern, Motivation und Verständnis.
- Methodische Bewertung von Schulumfragen und Fehleranalyseverfahren.
Auszug aus dem Buch
I.2.1 Die Korrekturverfahren
a) Positivkorrektur
Das Verfahren einer Positivkorrektur beruht darauf, dass von einer zuvor festgelegten Maximalpunktzahl für Fehler Punkte abgezogen werden und anhand des Quotienten aus erreichten und erreichbaren Punkten die Note ermittelt wird. In dem von Biermann vorgestellten Verfahren entspricht die maximal erreichare Punktzahl der Wortanzahl des Übersetzungstextes, wobei der Schwierigkeitsgrad des Textes nicht berücksichtigt wird. Anhand einer Matrix werden die für Fehler abzuziehenden Punkte in Abhängigkeit von Fehlerart und Schwere bestimmt, wobei für besonders gelungene Formulierungen auch Zusatzpunkte vergeben werden können. Die Korrektur erfolgt satzweise, d.h. für einen Satz können maximal soviele Punkte abgezogen werden, wie der Satz Wörter enthält.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Studienprojekt Latein: Das Bewerten von Übersetzungen mittels Positiv und Negativkorrektur im Vergleich: Die Untersuchung zeigt, dass sich die Notendurchschnitte bei beiden Korrekturverfahren kaum unterscheiden, wobei die Negativkorrektur aufgrund ihrer einfacheren Handhabung in der Praxis vorteilhafter erscheint.
I.1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung vor, ob Korrekturverfahren die Noten in Latein signifikant beeinflussen und inwiefern Fehlergewichtung eine Rolle spielt.
I.2.Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen der Korrekturverfahren und führt die empirische Auswertung anhand von Klassenarbeiten durch.
I.2.1 Die Korrekturverfahren: Hier werden die methodischen Unterschiede zwischen dem Abzugssystem der Positivkorrektur und der Fehlerpunkt-Summation der Negativkorrektur detailliert definiert.
I.2.2 Vorgehensweise: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, bei dem Klassenarbeiten der 6. Klasse und der EF nach beiden Verfahren bewertet und verglichen wurden.
I.2.3 Vergleich der Notenskalen: Es wird analysiert, wie die unterschiedlichen Bewertungssysteme auf gemeinsame Notenabstufungen übertragen und objektiv vergleichbar gemacht werden können.
I.2.4 Auswertung der Klausuren: Die Ergebnisse der Klausurkorrekturen werden tabellarisch gegenübergestellt, um Diskrepanzen in der Notengebung bei verschiedenen Schülertypen aufzuzeigen.
I.2.5 Ergebnis: Das Kapitel fasst zusammen, dass die Hypothese eines signifikanten Notenunterschieds sich nicht bestätigen ließ und analysiert die Gewichtung verschiedener Fehlertypen.
I.3 Zusammenfassung: Abschließend wird konstatiert, dass die Negativkorrektur für den schulischen Alltag aufgrund ihrer Objektivität und Praktikabilität vorzuziehen ist.
I.4 Literaturverzeichnis: Aufgelistete Quellen zur Fachdidaktik Latein und Klausurbewertung.
II. Studienprojekt Physik: Unterschiedliche Einstellungen zum Experimentieren bei Jungen und Mädchen verschiedener Altersstufen: Die Untersuchung stellt fest, dass sich die Einstellung zum Physikunterricht und das Selbstkonzept geschlechtsspezifisch entwickeln, jedoch keine pauschale Abwendung der Mädchen vom Fach feststellbar ist.
II.1 Einleitung: Beleuchtung der Problematik der "Jungen-Physik" und der Geschlechterrollen im naturwissenschaftlichen Unterricht.
II.2 Einstellungen zum Experimentieren bei Jungen und Mädchen: Darlegung der Forschungsdesigns zur Erhebung der Schülereinstellungen mittels Fragebögen.
II.2.1 Vorgehen bei der Datenerhebung: Erläuterung der zweigeteilten Fragebogenstruktur und der Kategorien (Interesse, Beteiligung, Selbstkonzept, Stereotypisierung).
II.2.2 Auswertung: Detaillierte Analyse der Altersverläufe bei Interesse und Beteiligung sowie der Korrelationen zwischen Verständnis und Experimentierfreude.
II.2.3 Ergebnisdiskussion: Kritische Reflexion der Zuverlässigkeit der Daten unter Berücksichtigung von Unterrichtserfahrungen und methodischen Limitationen.
II.3 Zusammenfassung: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Verständnis und Interesse für Mädchen enger verknüpft sind als für Jungen, was entsprechende didaktische Konsequenzen fordert.
II.4 Literaturverzeichnis: Quellenverzeichnis für die Physikdidaktik-Studie.
2.5 Anhang: Enthält den verwendeten Fragebogen sowie tabellarische Korrelationsmatrizen der Umfrageergebnisse.
Schlüsselwörter
Lateinunterricht, Positivkorrektur, Negativkorrektur, Fehleranalyse, Physikunterricht, Geschlechterrolle, Schülerexperiment, Selbstkonzept, Korrelationsanalyse, Notengebung, Fachdidaktik, Schülerinteresse, Geschlechtsstereotypen, Unterrichtsqualität, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in den Studienprojekten grundlegend?
Die Arbeit umfasst zwei separate didaktische Projekte: Eines zur Evaluation von Korrekturverfahren im Lateinunterricht und eines zur Untersuchung geschlechtsspezifischer Einstellungen zum Experimentieren im Physikunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen von Leistungsbewertung, Schülerpsychologie, Geschlechterrollen in MINT-Fächern und die didaktische Gestaltung von Unterrichtsphasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchungen?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung von Hypothesen: Zum einen, ob die Positivkorrektur zu besseren Noten führt, und zum anderen, ob Mädchen sich aufgrund von Geschlechtsstereotypen systematisch vom Physikunterricht abwenden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es wird eine empirische Analyse von Klausurdaten im Lateinbereich durchgeführt sowie eine Fragebogenstudie (quantitativ und qualitativ) im Physikbereich, ergänzt durch Korrelationsanalysen der Item-Paare.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung der Erhebung, die Präsentation der Daten durch Tabellen und Diagramme sowie die fachdidaktische Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fehleranalyse, Geschlechtsdifferenz, Notenskalen, Selbstkonzept und Schülerexperimente maßgeblich geprägt.
Welches Fazit zieht der Autor zur Lateinkorrektur?
Die Negativkorrektur wird als praxistauglicher und objektiver bewertet, da die Positivkorrektur in der Anwendung komplizierter ist und zur Subjektivität neigt.
Wie entwickelt sich das Selbstkonzept von Mädchen im Physikunterricht?
Überraschenderweise verbessert sich das Selbstkonzept der Mädchen im Bereich Physik mit zunehmendem Alter, was der gängigen Erwartung widerspricht.
Welche Rolle spielt das "Verstehen" für Mädchen beim Experimentieren?
Für Mädchen korrelieren Verstehen und Interesse stärker als bei Jungen; wenn sie den Sinn oder den Aufbau eines Experiments nicht begreifen, sinkt ihre Motivation signifikant.
Was empfiehlt der Autor für den Physikunterricht in der Oberstufe?
Lehrkräfte sollten auch in höheren Jahrgängen regelmäßig Experimente durchführen und verstärkt darauf achten, den Versuchsablauf sowie die methodischen Aspekte des Experimentierens explizit zu besprechen.
- Arbeit zitieren
- Anja Bülles (Autor:in), 2015, Studienprojekte Latein und Physik. Zu Positiv- und Negativkorrektur und geschlechtsspezifischen Einstellungen beim Experimentieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337411