Ciceros späte Philosophica. Ein allgemeiner Überblick


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

A: Einleitung
A.1. Anmerkungen zur römischen Philosophie
A.2. Aufbau der Arbeit

B: Hauptteil
B.1. Der Philosoph Cicero
B.2. Gliederung der Philosophica im Ganzen
B.3. Die späten Philosophica

C: Schluss

D: Literaturnachweis

A: Einleitung

A.1. Anmerkungen zur römischen Philosophie

Dem lesenden Menschen, wendet er seine Aufmerksamkeit den Erzeugnissen der römischen Literatur, welche dem Bereich der Philosophie angehören, zu, wird bei dieser Lektüre unvermeidlich gewahr werden, dass diese philosophischen Schriften in der Regel über Fragestellungen und entsprechende Lösungsansätze handeln, welche die gegenwärtige Philosophie in dem Teilbereich diskutiert, der allgemein angewandte oder praktische Ethik genannt wird.

Die Griechen gerieten auf das Weltganze schauend in Verwunderung und sie begannen aus diesem Verwundern heraus u. a. nach dem Grund des Seienden und nach den Prinzipien des Erkennens zu fragen. Sie entwickelten also ontologisches und epistemologisches Fragen und führten dieses zu weit reichenden theoretischen Systemen und praktisch-wissenschaftlicher Methodik aus. Wo sich griechisches Denken in theoretischen Spekulationen über die Welt vertiefte, verfolgte römisches Denken die Zielsetzung, zu ergründen und letztlich natürlich zu bestimmen, welches die Prinzipien einer richtigen (, und d.h. einer richtigen römischen,) Lebensführung seien. Der Fragenkomplex, gerichtet auf die Erkenntnis einer wertvollen und naturgemäßen Lebensführung, konstituiert dieses römische Denken somit in einer primär praktischen Ausrichtung. Eine für das Handeln der Menschen nicht relevante theoretische Vertiefung wird in der Regel nicht angestrebt. So verwundert es nicht, dass römisches Philosophieren keine gedankliche oder systematische Originalität aufweist, wie es von griechischen Philosophen so konsequent durchgeführt worden war. Somit lag sowohl die theoretisch-systematische Durchdringung des Weltganzen als auch eine verwertbare praktische Vorarbeit bei den benachbarten Griechen in reifer Blüte vor.1

Römisches Denken blickte oft schon in seiner Geschichte über den eigenen Tellerrand und prüfte, welche der Früchte aus anderen Kulturen in welcher Ausformung einem römischen Magen bekömmlich und einer römischen Lebensweise zuträglich sein könnten. Dies brachte besonders den römischen Philosophen den Vorwurf des Eklektizismus ein. In seiner kleinen Weltgeschichte der Philosophie verweist Störig auf drei Momente, die dem Eklektizismus förderlich waren:

1. eine bis dahin nicht erreichte kulturelle Durchmischung römischer, griechischer und orientalischer Kulturbestandteile (- dies möchte ich [A.K.] das kultur-geographische Moment nennen -),
2. eine Bereitschaft des gebildeten Römers zur unvoreingenommen Prüfung des fremden Gedanken-/Kulturguts, aus dem das „richtig Erscheinende“ ausgewählt wird,
3. eine praktische Veranlagung der Römer, „philosophische Gedankenarbeit […] als Mittel zu praktischer Weltorientierung und zum richtigen Handeln“ anzusehen, bewirkte, „das dafür Passende auszuwählen und zu einer Einheit zu verbinden“.2

Störing scheint in seiner Darlegung der Momente des römischen Eklektizismus, weniger zu bewerten, als vielmehr das Phänomen erklären zu wollen. Maurach andererseits, bemüht um ein Verständnis der römischen Philosophie und diese auch gerade wegen ihrer reichen Wirkungsgeschichte als Philosophie zu begreifen, verwirft den Eklektizismusbegriff, als „inhaltsleer“ und nur auf die Methode zielend. „Diese [scil. die römischen Philosophen] übernahmen ersichtlich so gut wie alle ihre Philosopheme aus dem Griechischen, aber die Rede von ihrer bloßen Eklektik erfaßt nicht das Wesentliche, denn das Wesentliche an der römischen Philosophie sind gleichsam die Gefäße, in welche das Übernommene gegossen wurde. Die jeweils eigene Anwendung und Bewährung, d.h. das Gestalthafte des römischen Philosophierens also muß es sein, die nachwirkte.“3 Bei einem solchen Akkulturationsprozess, hier also die Hinwendung römischen Denkens zu griechischen Philosophemen, muss stets die Frage mitschwingen, warum jemand mit dem Philosophieren beginnt. Im Allgemeinen hat dies Goethe in einem Aufsatz aus dem Jahre 1796 mit einem schönen Wort pointiert ausgedrückt: „[…] wer philosophiert ist mit den Denkungsarten seiner Vor- und Mitwelt uneins […].“4 Und im Speziellen lässt sich konstatieren, „daß antike Autoren in ganz bestimmten Situationen mit Philosophemen operieren, etwa dort, wo massive soziale oder politische Probleme konstatiert werden, denen man auf andere Weise nur schwer begegnen kann.“5 Aus der Hinwendung zur philosophischen Betätigung, wie Frau Piepenbrink anfügt, kann der Zweck des Philosophierens, wie auch die motivierende Herausforderung, der man bestrebt war beizutreten, erschlossen werden.6 Hierbei kann es ausreichen, darauf hinzuweisen, dass sich im letzten Jahrhundert der römischen Republik Bürgerkriege mit nachfolgenden Proskriptionen erhoben, dass gegen die res publica Usurpationen unternommen wurden, dass schließlich die Diktatur Caesars eine Grundlegende Veränderung der überkommenden Ordnung einleitete, um zu erahnen, aus welcher Motivationslage heraus in diesem Zeitraum für Cicero Anlass zur philosophischen Tätigkeit geben wurde.

A.2. Aufbau der Arbeit

Diese kleine bescheidene Seminararbeit sieht ihre Aufgabe darin, einen allgemeinen Überblick über den Philosophen Cicero und sein philosophisches Werk, insbesondere der späten Philosophica zu erbringen. Zu diesem Zweck wird im Kapitel B.1. eine knappe Zusammenfassung zum Philosophen Cicero mit teils bio- und teils autographischen Aussagen gegeben. Im Kapitel B.2. werden zwei Gliederungsansätze für das Corpus der Philosophica diskutiert. Kapitel B.3. wendet sich ganz den späten Philosophica zu, und wird versuchen die Leitgedanken derselben zu überblicken. Das Schlusskapitel wird die Arbeit mit zusammenfassenden Gedanken abschließen.

B: Hauptteil

B.1. Der Philosoph Cicero

Der im Januar 106 v. Chr. 7 in Arpinum, einer Volskerstadt, geborene Marcus Tullius Cicero erhielt etwa mit 15/16 Jahren in Rom, wohin der Vater ihn und seinen Bruder Quintus der Ausbildung wegen gesandt hatte, seine elementare rhetorische und juristische Vorbildung. Wer sein Rhetoriklehrer dieser Zeit war, ist nicht bekannt. Die juristische Vorbildung jedenfalls erhielt er durch die Einführung in das Haus des Quintus Mucius Scaevola, des Augurs, sowie einer eifrigen Hörerschaft auf dem Forum. Nachdem er im Jahre 89 v. Chr. seinen Militärdienst absolviert hatte, beschäftigte er sich während der marianisch- sullanischen Turbulenzen intensiv mit griechischer Rhetorik und Philosophie; für den Bereich der Rhetorik sei Apollonius Molon aus Rhodos und für die Philosophie Philon von Larissa zu nennen. Philon von Larissa war zu jener Zeit das Schuloberhaupt der Akademie und er vertrat eine skeptische Position, nach der eine zweifelsfreie Wahrheitserkenntnis in einem absoluten Sinne nicht möglich sei. Im Abwägen des Für und Wider der Meinungen, der lateinische Ausdruck hierfür lautet: in utramque partem, wurde versucht, wenn auch keine zweifelsfreien, so doch aber wahrscheinliche Erkenntnisse zu erlangen. Dieser Methode selbst ist Cicero sein Leben lang treu geblieben; d. h. er war immer bemüht, nicht in dogmatischer Form, sondern in einem ausgewogenen Darstellen des Für und Wider eine Fragestellung zur Diskussion zu stellen. Hierzu lesen wir im Lucullus (I, 7 u. 8) 8:

neque nostrae disputationes quicquam aliud agunt, nisi ut in utramque partem dicendo et audiendo eliciant et tamquam exprimant aliquid, quod aut verum sit aut ad id quam proxime accedat; nec inter nos et eos, qui se scire arbitrantur, quicquam interest, nisi quod illi non dubitant, quin ea vera sint, quae defendunt, nos probabilia multa habemus, quae sequi facile, adfirmare

[...]


1 Vgl. Maurach 1989, Seite 1f

2 Störig 1993, 200ff

3 Maurach 1989, Seite 6

4 Goethe, Johann Wolfgang - Plato als Mitgenosse einer christlichen Offenbarung, 1796. hier aus: Flashar, Hellmut (Hrsg.) - Platon, Ion, Stuttgart 1988, Seite 48 - 53.

5 Piepenbrink 2003, Seite 14

6 Ebenda

7 Für dieses Kapitel vgl.: Fuhrmann 2005, Seite 199 bis 205; Maurach 1989, Seite 53 bis 78

8 Text zitiert aus: Schäublin et al. 1995, Seite 12

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Details

Titel
Ciceros späte Philosophica. Ein allgemeiner Überblick
Hochschule
Universität Potsdam  (Klassische Philologie)
Veranstaltung
Marcus Tullius Cicero und das Ende der römischen Republik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V337480
ISBN (eBook)
9783668267046
ISBN (Buch)
9783668267053
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ciceros, philosophica, überblick
Arbeit zitieren
André Kühn (Autor), 2010, Ciceros späte Philosophica. Ein allgemeiner Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337480

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