Das Symptom der Agitation bei Menschen mit Demenz. Pflegerische Interventionen in der Palliative-Care


Seminararbeit, 2015

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel der Arbeit
1.3. Fragestellung und Methodik
1.4. Gliederung der Arbeit

2. Definitionen
2.1. Palliative Care
2.2. Agitation
2.2.1. Physische Ursachen
2.2.2. Psychische Ursachen
2.2.3. Spirituelle Ursachen
2.2.4. Soziale Ursachen

3. Pflegerische Interventionen bei Agitation
3.1. Kommunikation
3.2. Umfeldgestaltung
3.3. Musik- und Klangangebote
3.4. Aromapflege

4. Conclusio

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Bereich der Pflege und Versorgung von palliativen Patientinnen und Patienten steht vor allem in der letzten Lebensphase die Symptomkontrolle im Vordergrund. Ziel einer effizienten Symptomkontrolle ist es, möglichst lange eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. Um eine gute und zielgerichtete Symptomkontrolle zu erreichen, ist es wichtig, Symptome erkennen zu können, und pflegerische Handlungen zu deren Kontrolle ableiten zu können. Die deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin formuliert in ihrem Pflegeleitbild, dass die Aufgaben der Palliativpflege das frühzeitige Erkennen von Problemen oder Symptomen sowie professionell-pflegerisches Handeln im Rahmen der Versorgung und Fürsorge darstellen (Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, 2012). Aulbert, Nauck und Radbruch (2012, S. 22) beschreiben, dass Agitiertheit bei 19,8% der der untersuchten Fälle im Vordergrund stand (Untersuchung an insgesamt 12438 Patientinnen und Patienten). Dies verdeutlicht, dass dieses Symptom keine Seltenheit in der Palliative Care darstellt.

1.1. Problemstellung

Wie einleitend erwähnt, geht es in der terminalen Phase vor allem um Lebensqualität und Symptomkontrolle. Um ein Symptom kontrollieren, und pflegerische Handlungen setzten zu können, muss es erkannt werden können. Bei palliativ geführten Menschen mit Demenz steht das Symptom der Agitation an dritthäufigster Stelle. Etwa ein Drittel dieser Patientinnen und Patienten leidet unter dem Symptom der Agitation. (Oster, Pfisterer, Schneider, & Zieschang. 2012; S. 50-54)

1.2. Ziel der Arbeit

Das Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es, pflegerische Interventionen aufzuzeigen, welche bei Agitation im Setting der Palliative Care angewendet werden können um eine Linderung der Symptomatik herbeizuführen. Außerdem soll sie dazu dienen, das pflegerische Verständnis für das Phänomen der Agitation zu stärken. Als weiteres Ziel verfolgt der Autor einen persönlichen Wissenszuwachs im Sinne des hermeneutischen Zugangs, mit Hilfe dessen die hermeneutische Distanz geschmälert werden soll.

1.3. Fragestellung und Methodik

Es leiten sich folgende Forschungsfragen für die vorliegende Arbeit ab:

- Was wird unter dem Phänomen Agitation verstanden?
- Welche pflegerischen Interventionen können zur Symptomkontrolle bei Agitation in der Palliative Care angewandt werden?

Um diese Fragestellungen beantworten zu können, wird ein literaturbasierter, deskriptiver Zugang gewählt. Im Sinne des hermeneutischen Zugangs soll durch eine systematische Analyse neues Wissen mit schon bestehendem Wissen einer Synthese zugeführt werden, um die hermeneutische Distanz im entsprechenden Themengebiet zu schmälern.

Für die Durchführung einer strukturierten Literaturrecherche wurden aus den Fragestellungen Suchbegriffe formuliert, welche wiederum mit Synonymen in deutscher und englischer Sprache verknüpft wurden. Nach einer Grobrecherche zur Auswahl des Themas und Erarbeitung der Fragestellung, wurde festgestellt, dass im deutschsprachigen Raum nicht ausreichend Literatur zu finden ist, um die Fragestellung erschöpfend zu bearbeiten. Daher wurde in einem weiteren Schritt die Literaturrecherche per Datenbanken (Pubmed, Cinhal, EBSCOhost und google scholar) weitergeführt. Aufgrund der Tatsache, dass es sich hierbei um eine Seminararbeit handelt, und der finanzielle Rahmen somit ein sehr enger ist, wurden vom Autor kostenpflichtige Artikel und Inhalte als Ausschlusskriterium definiert. Nach ersten Suchabfragen in den Datenbanken wurden die Suchergebnisse mittels Verwendung von Operatoren (AND, NOT, OR) und Trunkierungen auf ein überschaubares Maß reduziert. In einem weiteren Schritt wurden die Artikel und Arbeiten nach Titel und Abstract bewertet und weitere Quellen ausgeschlossen, deren Inhalt nicht unmittelbar mit der Fragestellung zu tun hatten. Teilweise wurde Literatur durch Anwendung des Schneeballprinzips ergänzt.

Im nächsten Punkt möchte der Autor kurz auf die Gliederung der vorliegenden Arbeit eingehen.

1.4. Gliederung der Arbeit

Im Kapitel zwei versucht der Autor durch die Definierung wichtiger Begriffe ein einheitliches Verständnis bei den Leserinnen und Lesern zu bewirken. Im Kapitel drei werden verschiedene Pflegeinterventionen vorgestellt. Am Ende der Arbeit folgt eine Conclusio und persönliche Stellungnahme durch den Verfasser.

2. Definitionen

In diesem Kapitel werden die wichtigsten Kernbegriffe der vorliegenden Arbeit definiert. Dies soll vor allem ein einheitliches Verständnis der Begriffe gewährleisten, um dann im dritten Kapitel die pflegerischen Interventionen bei Agitation im Setting der Palliative Care zu erläutern.

2.1. Palliative Care

Im Zuge der Literaturrecherche konnte eine Vielzahl an Definitionen für den Begriff der Palliative Care gefunden werden. Nach reichlicher Sichtung diverser Quellen, kann zusammengefasst werden, dass Palliative Care weit mehr ist als das im deutschensprachraum Synonym verwendete Verständnis für Palliativpflege. „Palliative Care ist eine interprofessionelle, klinisch und kommunikativ ausgerichtete Teamleistung, die sich an Patienten [sic!] und deren Angehörige richtet“ (Schnell, Schulz, Heller, & Dunger, 2015, S. 7). Die World Health Organisation beschreibt Palliative Care als einen Bereich, wo die Verbesserung der Lebensqualität im Fokus steht. Hier werden sowohl betroffene Menschen, welche an einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden, als auch deren Familie und Angehörige subsummiert. (World Health Organisation, 2002) Diese Definitionen spiegeln die Breite und Vielfalt des Begriffs „Palliative Care“ nach Ansicht des Verfassers sehr gut wieder. Es geht also nicht nur um einen isolierten Tätigkeitsbereich, welcher von einer Berufsgruppe abgedeckt wird, sondern es geht um eine komplexe Versorgungsstrategie, welche sowohl die betroffene Person als auch deren Umfeld miteinbezieht. Diese Ansicht und Erkenntnis ist auch wichtig um sowohl die möglichen Ursachen für Agitation zu erkennen, als auch entsprechende Handlungen setzen zu können. Der Inhalt der weiteren Arbeit bezieht sich auf den Teil der Palliative Care, welcher vom gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege abgedeckt werden kann.

2.2. Agitation

Der Zustand der Agitation wird in der Literatur auch oft als Agitiertheit beschrieben. Agitiertheit wird definiert als „motorische Unruhe als gesteigerter Bewegungsdrang, bei dem affektive Erregung unkontrolliert in Bewegung umgesetzt wird“ (Pschyrembel, 2002, S. 28). Eine weitere Definition beschreibt Agitation als einen „Zustand psychomotorischer Unruhe und gesteigerte körperliche Erregbarkeit, den der Betroffene nicht mehr selbständig kontrollieren kann“ (Dörner, Plog, Teller, & Wendt, 2004, S. 259).

Agitation hat somit etwas mit dem Verlust der Kontrolle über sich selbst zu tun. Dass dieses Symptom jedoch noch viel komplexer ist, und somit eine große Herausforderung für die Pflegekraft darstellt, möchte der Autor mit untenstehender Auflistung möglicher Ursachen begründen.

2.2.1. Physische Ursachen

Hier werden die körperlichen Auslöser für ein agitiertes Erscheinungsbild kurz dargestellt. Hempel (2008, S. 317) beschreibt, dass verschiedene Erkrankungen mit einem Erregungszustand beginnen können beziehungsweise in dessen weiteren Verlauf auftreten können. Sie beschreibt dabei drei Ausprägungsstufen welche auftreten können. Beginnend mit Agitation über akuten Verwirrtheitszustand bis hin zum Delir. Als mögliche Krankheitsbilder, welche einen agitierten Zustand auslösen können, nennt Hempel (2008, S. 317) unter anderem hoch fieberhafte Infektionen, Flüssigkeitsdefizit, intrazerebrale Raumforderungen sowie das Entzugsdelir. Gerade bei dem Symptom des Entzugsdelirs sei eine gute Fremdanamnese unumgänglich. Nur so könne Dauer und Menge des Konsums erhoben werden. Laut Hempel (2008, S. 317) gilt es eine isolierte Bewegungsunruhe, die sich im Drang nach Bewegung und der Unfähigkeit stillzusitzen äußert, abzugrenzen. Neben den körperlichen Ursachen, finden sich in der Literatur auch Auslöser, welche im Bereich der Psyche des Menschen zuordenbar sind.

2.2.2. Psychische Ursachen

In den Bereich der psychischen Ursachen spielen laut Hempel (2008, S. 318) vor allem das Gefühl sich nicht mehr verständlich machen zu können, Orientierungsstörungen, unzureichende Schmerzeinstellung sowie Ängste vor fremden Personen oder dem Tod beziehungswiese ein gewisses „Hadern“ mit dem eigenen Schicksal welches durch Aggressionen zum Ausdruck gebracht wird. Des Weiteren finden sich agitierte Verhaltensweisen auch bei psychiatrischen Erkrankungen beziehungsweise Störungen. Dörner et al (2004) nennen in ihrem Buch „irren ist menschlich“ Agitation als Symptom bei Schizophrenie, Depression, Panikstörung, Suchtkrankheit sowie Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Auch dieser Formenkreis der Erkrankungen muss beim Auftreten von Agitation berücksichtigt werden, um später korrekte Maßnahmen ableiten zu können. Doch nicht nur psychische Ursachen können eine Agitiertheit auslösen.

2.2.3. Spirituelle Ursachen

In diesem Bereich stehen vor allem die Sinnfragen im Mittelpunkt. Hempel (2008, S. 318-319) erläutert, dass im Angesicht des Leidens und des unausweichlichen Todes viele Menschen das erste Mal wirklich mit dieser Frage konfrontiert sind. Vor allem jene, welche sich nicht in religiöser oder spiritueller Geborgenheit wissen. In diesem Bereich spielen auch die Rollen, welche der betroffene Mensch in seinem alltäglichen handeln einnahm, einen wesentlichen Part. War sein Handeln bestimmt durch Familie, um für sie zu sorgen, so kann dies nun nicht mehr vollbracht werden. Oft sind es auch alte Konflikte, beziehungsweise das Gefühl der Schuld, welche den Menschen hier schwer zu schaffen machen. Neben diesen möglichen Auslösern, existieren noch weitere im Bereich des sozialen Gefüges.

2.2.4. Soziale Ursachen

Hempel (2008, S. 319) beschreibt in diesem Bereich problematische, engere Kontakte welche zu Agitation führen können. Hier spielen vor allem Überforderung, Abhängigkeiten beziehungsweise finanzielle Nöte eine große Rolle. In der Literatur wird dieses Spannungsfeld vor allem oft zwischen pflegenden Töchtern und deren Müttern beschrieben.

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Symptom der Agitation bei Menschen mit Demenz. Pflegerische Interventionen in der Palliative-Care
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V337487
ISBN (eBook)
9783668267305
ISBN (Buch)
9783668267312
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Palliave Care, Pflege, Nursing, Caring, Agitation, Agitiertheit, Palliative, Aromapflege
Arbeit zitieren
Oliver Kral (Autor), 2015, Das Symptom der Agitation bei Menschen mit Demenz. Pflegerische Interventionen in der Palliative-Care, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337487

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