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Entstellter und Vergessener Gestus der "Vorwelt" - Über eine Motivkonstellation in Walter Benjamins Kafka-Essay

Title: Entstellter und Vergessener Gestus der "Vorwelt" - Über eine Motivkonstellation in Walter Benjamins Kafka-Essay

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 19 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Marcus Erben (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Der Begriff der "Vorwelt" als ein mögliches Modell der Kafka-Interpretation. Kritisch gewürdigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung, Thesen- und Zielformulierung, Methode

1.1 Stellung der Arbeit in der Benjaminforschung zum Kafka-Essay

2. Kritik der Benjaminschen „Vorwelt“

3. Entstellter und vergessener Gestus der „Vorwelt“

3.1 Entstellter Gestus der „Vorwelt“

3.2 Vergessener Gestus der „Vorwelt“

4. Resümee, oder: Versuch der Einordnung des Gestus in Benjamins dialektisches Denken

5. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Motivkonstellation von „Entstellung“ und „Vergessen“ im Kafka-Essay von Walter Benjamin. Ziel ist es, das Verständnis des gestischen Ausdrucks in Kafkas Werk durch Benjamins Konzept der „Vorwelt“ zu vertiefen und in sein dialektisches Denken einzuordnen.

  • Benjamins Konstrukt der „Vorwelt“ als Voraussetzung für die Kafka-Interpretation
  • Die Rolle des entstellten Gestus als literarisches Phänomen
  • Das „Vergessen“ als Bindeglied zwischen Vorwelt und moderner Erfahrung
  • Die Vermittlung von Materialismus und Theologie in Benjamins Denken

Auszug aus dem Buch

3.1 Entstellter Gestus der „Vorwelt“

In seinem schon oben in Anmerkung 17 zitierten Rundfunkvortrag Franz Kafka: Beim Bau der chinesischen Mauer vom 3.7.1931 lässt sich ein Grundgedanke herauskristallisieren, der eine zentrale Stelle in der Auseinandersetzung Benjamins mit Kafkas Werk bildet: der der „Entstellung des Daseins“, an der die Relikte der Vorweltgesetze augenscheinlich werden: „So bleibt ihm [dem Leser] nichts als mit einem Staunen, in das sich freilich panisches Entsetzen mischt, auf die fast unverständlichen Entstellungen des Daseins zu antworten, die das Heraufkommen dieser Gesetze verraten. Kafka ist davon so erfüllt, daß überhaupt kein Vorgang denkbar ist, der unter seiner Beschreibung – d.h. hier aber nichts anderes als Untersuchung – sich nicht entstellt. Mit anderen Worten, alles, was er beschreibt, macht Aussagen über etwas anderes als sich selbst.“ Wie im vorangegangenen Kapitel möchte ich auch hier ein Benjaminsches Motiv an einem Beispiel aus Kafkas Werk illustrieren.

In der sadistischen „Prügler-Szene“ des Proceß-Romans werden beispielsweise die zwei Wächter, die K., wie wir wissen, verhaftet haben, in einer nur von Kerzenlicht erhellten Kammer von einem Prügler ausgepeitscht, weil sich K. über den Ablauf der Verhaftung bei der vorangegangen Untersuchung über beide beschwert hatte. Dabei gibt es offensichtlich keinen kausal-stringenten Zusammenhang zwischen Anklage durch K., Verurteilung und die sich an sie anschließende Bestrafung der beiden Wächter. Was bleibt, ist der Vorgang der Entstellung, um diesen, wie Benjamin in den Aufzeichnungen 7 zum Kafka-Essay schreibt, „gewissermaßen den Sinn abzuzapfen“, eine Entstellung, die sich auch räumlich kundtut: „In der Kammer selbst aber standen drei Männer, gebückt in dem niedrigen Raum.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung, Thesen- und Zielformulierung, Methode: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein und skizziert die methodische Ausrichtung, bei der Benjamins Kafka-Essay als zentraler Bezugspunkt für die Analyse der „Vorwelt“ dient.

1.1 Stellung der Arbeit in der Benjaminforschung zum Kafka-Essay: Hier wird der eigene Ansatz von bestehenden, oft monolithischen Interpretationen der Benjamin-Forschung abgegrenzt, indem Motive neu verknüpft werden.

2. Kritik der Benjaminschen „Vorwelt“: Dieses Kapitel hinterfragt die Legitimität und Notwendigkeit des Vorwelt-Konstrukts für eine sinnvolle Kafka-Exegese.

3. Entstellter und vergessener Gestus der „Vorwelt“: Der Hauptteil analysiert die Entstellung als zentrales, Kafkaeskes Phänomen, das die Verbindung zwischen archaischen Strukturen und der literarischen Darstellung aufzeigt.

3.1 Entstellter Gestus der „Vorwelt“: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die Entstellung des Daseins und deren Sichtbarkeit im literarischen Gestus anhand konkreter Textbeispiele.

3.2 Vergessener Gestus der „Vorwelt“: Hier wird der Begriff des Gestus als Leitmotiv vertieft und das Verhältnis zwischen Verdrängung, Vergessen und dem Fortwirken vergangener Weltalter beleuchtet.

4. Resümee, oder: Versuch der Einordnung des Gestus in Benjamins dialektisches Denken: Das Fazit bettet die Analyse in das Spannungsfeld zwischen Theologie und historischem Materialismus ein.

5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Walter Benjamin, Franz Kafka, Vorwelt, Gestus, Entstellung, Vergessen, dialektisches Denken, Theologie, historischer Materialismus, Literaturwissenschaft, Kafka-Essay, Moderne, Motivkonstellation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Walter Benjamin in seinem berühmten Kafka-Essay die Begriffe „Entstellung“ und „Vergessen“ verwendet, um Kafkas Werk als Ausdruck einer archaischen „Vorwelt“ zu deuten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf dem Verhältnis von Theologie und Materialismus, dem Konzept des Gestischen in der Literatur und der Analyse von Benjamins Zeitkonstrukten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den „entstellten Gestus“ bei Kafka als phänomenologisches Motiv zu begreifen, das Auskunft über Benjamins gesamtes dialektisches Denken gibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine textimmanente Analyse in Verbindung mit einer ideengeschichtlichen Einordnung, wobei Bezüge zu Adorno, Nietzsche und der Mythenforschung hergestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung des entstellten und vergessenen Gestus anhand von Beispielen wie dem Roman „Der Proceß“ und dem Prosastück „Der Schlag ans Hoftor“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Vorwelt“, „Gestus“, „Entstellung“ und „Benjamin“ sowie die philosophische Verknüpfung von Theologie und Moderne charakterisieren.

Warum spielt das „bucklicht Männlein“ eine Rolle für das Verständnis von Kafkas Welt?

Es dient als symbolischer Topos für die Entstellung, die Benjamin als einen Grundgedanken seines Essays über Kafka identifiziert.

Wie unterscheidet sich die „Vorwelt“ von einem rein mythischen Zustand?

Die „Vorwelt“ bei Benjamin ist ein vorkultureller, archaischer Zustand, der den tradierten, kulturellen Weltaltern vorausgeht und dessen Gesetze in Kafkas Welt „entstellt“ fortwirken.

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Details

Title
Entstellter und Vergessener Gestus der "Vorwelt" - Über eine Motivkonstellation in Walter Benjamins Kafka-Essay
College
University of Würzburg  (Institut für deutsche Philologie)
Course
Walter Benjamin
Grade
sehr gut
Author
Marcus Erben (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V33757
ISBN (eBook)
9783638341554
ISBN (Book)
9783638782029
Language
German
Tags
Entstellter Vergessener Gestus Vorwelt Motivkonstellation Walter Benjamins Kafka-Essay Walter Benjamin
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Erben (Author), 2004, Entstellter und Vergessener Gestus der "Vorwelt" - Über eine Motivkonstellation in Walter Benjamins Kafka-Essay, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33757
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