Ist "Die Wand" unverfilmbar? Der Roman von Marlen Haushofer und seine Adaption durch Julian Pölsler


Forschungsarbeit, 2014
139 Seiten, Note: 7.0 in Holland

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Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 Einleitung ... 4
1.1 Begründung des Themas ... 5
1.2 Die Arbeitsmethode ... 7
1.3 Einige Daten zum Buch und zur Autorin ... 8
1.4 Inhalt des Buches ... 9
1.5 Die Rezeption des Buches ... 10
1.6 Rezeption des Films ,,Die Wand" von Julian Pölsler ... 15
Kapitel 2 Beschreibungen der Unverfilmbarkeit ... 21
Kapitel 3 Verarbeitung der Teilfragen ... 26
3.1 Stimmen in Bezug auf verfilmbar sein, folgende Klischees? Warum/warum nicht? ... 26
3.1.1 Länge ... 26
3.1.2 Komplexität ... 29
3.1.3 Umfassendheit ... 35
3.1.4 Schichtung ... 36
Kapitel 4 Das Thema des Buches wäre unverfilmbar. Stimmt das? ... 48
Kapitel 5 Das Buch wäre unverfilmbar durch die Abwesenheit von Dialogen. Stimmt das? . 51
Kapitel 6 Das Buch wäre unverfilmbar, weil es keine Spannung und Action gibt. Stimmt das?
... 58
Kapitel 7 Das Buch wäre unverfilmbar, weil die Hauptperson nicht zur Identifikation anregt.
Stimmt das? ... 94
Kapitel 8 Die Bewertung ,,unverfilmbar" ist nur eine Vermarktungsstrategie. Stimmt das? 102
Kapitel 9 Das Buch ist unverfilmbar, weil das Buch immer besser ist, als ein Film jemals sein
kann. Stimmt das? ... 113

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Evaluation und Bewertung der Adaption Pölslers Film ,,Die Wand" ... 121
1. War das Budget des Films ,,Die Wand" ausreichend genug, damit der kommerzielle
Druck nicht mit der künstlerischen Vision von Julian Pölsler zusammenstieß? ... 122
2. Wollte Julian R. Pölsler textgetreu bleiben oder nicht? ... 124
3. Welches Rating bekam der Film, weil man ein so breit wie mögliches Publikum
erreichen musste? ... 125
4. Gehört die Adaption in dem soziokulturellen Kontext? ... 126
5. Wie steht es um das Casting und Starstatus von Martina Gedeck? ... 127
6. Welches Thema und welche Motive sind behalten für den Film? ... 128
7. Wurde das Ende der Film hoffnungsvoller gemacht als im Buch? ... 128
8. Was wurde rausgelassen aus der Geschichte des Romans? ... 128
9. Wurde das Setting des Romans geändert im Film? ... 129
10. Wurde der Dialog unverändert inkorporiert, vereinfacht oder speziell für den Film
geändert? ... 129
11. Wurde die Perspektive der Geschichte für den Film geändert? Änderte sich dadurch
die Bedeutung des Films? ... 129
12. Blieb der Film qua Stil gleich mit dem Buch? ... 129
13. Rezeption ... 130
Kapitel 10 Ziel von Pölsler mit der Verfilmung ... 131
Kapitel 11 Kapitel 11. Schlussfolgerung in Bezug auf die Unverfilmbarkeit ... 132
Kapitel 12 Weitere Informationen zur Schlussfolgerung: ... 134
12.1 Meine Meinung zur Verfilmung und zum Film ... 134
12.2 Nominierungen und die Preise des Films ,,Die Wand" ... 136
Fakten und Daten zum Film ... 137

4
Kapitel 1 Einleitung
Für die Unterrichtseinheit `Fachforschung' aus dem dritten Jahr meines Masterstudiums war
es die Aufgabe, sich aus den verschiedenen Fachmodulen der ersten beiden Studienjahre ein
Thema auszusuchen, das man fachinhaltlich untersucht. Ich habe mich dafür entschieden, den
Film `Die Wand ' von Julian R. Pölsler mit als Vorlage der Roman ,,Die Wand" von Marlen
Haushofer zum Untersuchungsobjekt meiner Fachforschung zu machen.
Dieses Thema habe ich systematisch erforscht. Zuerst werde ich die Wahl des Themas be-
gründen unter dem Kapitel Begründung des Themas (1.1).
Wie ich vorgegangen bin in dieser Studie, steht im Kapitel Die Arbeitsmethode (1.2). Und
meine Hauptfrage wird hier erläutert. In Bezug auf die Hauptfrage haben sich 7 Teilfragen
ergeben. Dann zur Verdeutlichung des historischen Kontextes werden einige Daten zum Buch
und zur Autorin(1.3, 1.4 und 1.5)) besprochen. Um zu verstehen wie der Film empfangen und
bewertet worden ist, gibt es mehrere Termini aus Rezensionen (1.6). Im darauffolgenden Ka-
pitel 2. wird die Unverfilmbarkeit beschrieben. In Kapitel 3 werden die Teilfragen eins nach
dem andern in der folgenden Weise behandelt:
3.1.1 Länge
3.1.2 Komplexität
3.1.3 Umfang
3.1.4. Schichtung
In Kapitel (4) handelt es sich um die Unverfilmbarkeit des Themas. Dann folgt Kapitel (5) mit
der Tatsache, dass es im Film keine Dialoge gibt. Kapitel (6) behandelt die Unverfilmbarkeit
in Bezug auf Spannung und Action. Dann folg Kapitel (7) worin die Identifikation der Haupt-
person besprochen wird. Die Vermarkungsstrategie wird durchforscht in Kapitel (8). Dann
folgt das Kapitel (9) mit der Frage der Unverfilmbarkeit im Vergleich zum Buch und wird die
Frage gestellt, ob das Buch nicht immer besser wäre. In Kapitel (10) wird das Ziel der Ver-
filmung von Pölsler besprochen. Und zum Schluss in Kapitel (11) folgt die Schlussfolgerung
in Bezug auf die Unverfilmbarkeit. Dann folgt in Kapitel (12) meine Meinung zur Verfilmung
und zum Film. Dann am Ende werden die Nominierungen und die Preise des Films ,,Die
Wand" erwähnt. Die Ergebnisse dieser Fachforschung werde ich präsentieren in Form eines
Referats.

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1.1 Begründung des Themas
Aus den verschiedenen Fachmodulen aus dem ersten und zweiten Studienjahr wollte ich mich
für die Fachforschung im dritten Jahr meines Studiums mit der Verfilmung des Romans ,,Die
Wand" von Marlen Haushofer durch Julian R. Pölsler beschäftigen. In dieser Studie handelt
es sich um das Prädikat der Unverfilmbarkeit dieses Buches, das immer wieder auftauchte in
allerhand Artikeln und Rezensionen in Zeitungen und im Internet.
Ich habe dieses Buch vor drei Jahren gelesen und vorbereitet für eine Buchbesprechung für
,,De Vrouwen van Nu". Und als Leiterin einer Literaturgruppe habe ich das Buch sehr aus-
führlich diskutiert.
Schon damals hat es mich fasziniert, dass ich diese Geschichte so spannend fand, obwohl von
Aktion in diesem Buch kaum die Rede ist. Als ich dann gehört hatte, dass ein Film gemacht
wurde, habe ich mich gefragt, ob es möglich wäre, daraus einen Film zu machen. Als ich ihn
mir dann angesehen hatte, war ich wirklich beeindruckt. Ich war einfach beeindruckt, weil
diese Verfilmung bei mir, das gleiche Gefühl hervorrief, welches ich hatte als ich als Junger-
wachsene das Theaterstück ,,Warten auf Godot" von Samuel Beckett sah. Es sich bewusst
werden, dass das Leben nicht in der Zukunft beginnt, als Erwartung oder als Angst, hat mich
einfach fasziniert. Als Jugendliche ist es schwer, zu verstehen, dass das eigentliche Leben im
Jetzt ist, weil man sich in dieser Lebensphase immer wieder Pläne zusammenbastelt wie es
mal in der Zukunft sein wird. Auch in diesem Film, wie im Buch ist es diese Wirkung, die es
auf sich hatte, die mich faszinierte. Ich blieb darüber nachdenken, was wäre, wenn ich diese
Hauptperson gewesen wäre? Uwe Schweikert zitiert Kafka :
,,Wenn das Buch, das wir lesen uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel
weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht...? Mein Gott,
glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten... Wir brauchen aber
Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines,
den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen
Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer
in uns." Kafka spricht nicht über die künstlerische Gestaltung, sondern über die
Wirkung ­ über das, was in uns und mit uns geschieht, wenn wir es lesen."
1
1
Schweikert, Uwe In: Im toten Winkel Notizen bei der Lektüre von Marlen Haushofers Roman ,,Die Wand",
zitert nach Anne Duden: Oder war da manchmal noch etwas anderes In: Texte zu Marlen Haushofer. Verlag
Neue Kritik, 1986 Frankfurt [Main], S.11.

6
Die Wirkung des Textes ,,Die Wand" finde ich faszinierend, weil die Frau der Geschichte
anders als die Männer im Theaterstück ,,Warten auf Godot" nicht wartet auf das was Sinn hat.
Sie erlebt die Gegenwart nicht als Wartende, im Gegenteil sie lebt das Leben in der Jetztzeit.
Aber wie bei ,,Warten auf Godot" wird man als Zuschauer in die Geschichte hineingezogen.
Die Männer in diesem Theaterstück erleben das augenblickliche Dasein nicht als sinnvoll. Sie
füllen diese leere Zeit mit irrelevanten Sätzen und Handlungen. Die Frau anderseits füllt die
Abwesenheit der anderen Menschen mit relevanten Handlungen zum Überleben. Und sie
schreibt relevante Sätze in dem Bericht, den sie schreibt, damit sie nicht verrückt wird. Der
Film und das Theaterstück sind in Bezug auf die Art und Weise, wie die Personen mit der
Realität umgehen, polare Gegensätze. Aber die Wirkung auf mich, war dieselbe, weil sie alle
das Leben ad absurdem führen. Wie sie es leben, hat eine gewisse Unvereinbarkeit mit den
Regeln des Verstandes in sich. Man lebt nur auf der Grundlage der Hoffnung. Es ist faszinie-
rend wie Estragon und Wladimir nur warten auf Godot und wie die Frau nur das Leben lebt.
Scheinbar wichtige Sachen werden bedeutungslos, denn die Frage ,,Wer Godot ist" oder der
Fakt, ob es die Wand gibt, sind nicht wichtig für diese Personen.
2
Sie sind in diesem Moment
im Leben da gelandet und tun das, was sie für richtig halten, ohne sich zu fragen, ob es sinn-
voll ist. Sie sind nun einmal da.
Wie kam es zu der Hauptfrage der Unverfilmbarkeit?
Auffallend war, dass in vielen Artikeln zum Film und in Filmrezensionen in Zeitungen und im
Internet, immer wieder der Begriff unverfilmbar auftauchte ohne, dass es dazu Kriterien gab.
Dann habe ich das Buch
3
zum dritten Mal gelesen und ich habe mir den Film
4
zum Roman
mehrmals angesehen.
Zuerst werde ich meine Arbeitsmethode und danach meine Erwartungen, die ich vor Anfang
der Untersuchung hatte, beschreiben.
2
Vgl. Schacherreiter, Christian: "Warten auf Godot" und das absurde Drama (Interpretation)
Warten auf Godot auf http://christianschacherreiter.blogspot.nl/p/warten-auf-godot-und-das-absurde-drama.html.
3
Haushofer, Marlen. In: Die Wand, Editionen mit Materialien ausgewählt von Siegfried Herbst. Verlag Ernst
Klett Verlag, Stuttgart.Leipzig 2008.
4
Die Wand, ein Film von Roland Pölsler,nach dem Beststeller von Marlen Haushofer. Arthaus DVD, Erschei-
nungstermin: 16. Mai 2013, Produktionsjahr 2011.

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1.2 Die Arbeitsmethode
Am Anfang der Untersuchung habe ich Bücher, Teile von Büchern, Zeitungsartikel und Inter-
netrezensionen gelesen, worin verschiedene Autoren sich zum Roman, zum Regisseur Julian
R. Pölsler, zur Hauptdarstellerin Martina Gedeck oder zum Film geäußert haben.
Immer wieder habe ich in den Rezensionen gelesen, dass dieses Buch unverfilmbar sei. Und
das hat mich fasziniert, wieso denn unverfilmbar? Ist das eine Vermarktungsstrategie oder
wird damit wirklich etwas gemeint, was ich bis dann noch nicht gesehen habe? Viele Rezen-
sionen des Films waren positiv, einige auch negativ. Damit ich die Rezensionen wirklich rich-
tig verstehen konnte, habe ich zuerst die Geschichte der Aussagen zum Buch ,,Die Wand"
beschrieben und dann habe ich die Rezensionen des Films betrachtet und habe versucht diesen
Begriff ,,unverfilmbar" zu analysieren. Bei dieser Analyse war es mir wichtig, zu verstehen:
erstens:
· Worauf unverfilmbar als Begriff zielt?
· Und zweitens womit wird der Begriff unverfilmbar begründet?
Und dadurch kam ich auf die zentrale Frage dieser Fachforschung und die lautet:
Warum galt das Buch ,,Die Wand" zum Buch von Marlen Haushofer als unverfilmbar?
Teilfragen:
1. Stimmen in Bezug auf verfilmbar sein, folgende Klischees? Warum/warum nicht?
Das Buch wäre für einen Film:
a. Zu lang
b. Zu komplex
c. Zu umfassend
d. Zu geschichtet
2. Das Thema des Buches wäre unverfilmbar. Stimmt das?
3. Das Buch wäre unverfilmbar durch die Abwesenheit von Dialogen. Stimmt das?
4. Das Buch wäre unverfilmbar, weil es keine Spannung und Aktion gibt. Stimmt das?
5. Das Buch wäre unverfilmbar, weil die Hauptperson nicht zur Identifikation anregt.
Stimmt das?
6. Die Bewertung ,,unverfilmbar" ist nur eine Vermarkungsstrategie. Stimmt das?
7. Das Buch ist unverfilmbar, weil das Buch immer besser ist, als ein Film jemals sein
kann. Stimmt das?

8
Meine Erwartung war, dass es doch irgendwie ein Modell gab, mit Kriterien anhand deren
man sagen könnte, ob ein Buch verfilmbar oder unverfilmbar ist. In der Schlussfolgerung
komme ich auf diese Annahme zurück.
Um die Geschichte des Romans und des Films historisch deuten zu können, war es mir wich-
tig Marlen Haushofer und den Inhalt des Buches mit Ihnen zu teilen, bevor ich mich beschäf-
tige mit der Hauptfrage und mit den Teilfragen, Wer war diese Frau, warum schrieb sie dieses
Buch 1963 und wie wurde es damals beim Leserpublikum empfangen und bei den Rezensen-
ten? Antworten auf diese Fragen werden dazu beitragen, dass man ein vollständiges Bild be-
kommt von Autorin Marlen Haushofers Roman ,,Die Wand" die als Vorlage diente zum Film
,,Die Wand" von Julian Roman Pölsler.
1.3 Einige Daten zum Buch und zur Autorin
Marlen (Marie Helene) Haushofer wurde am 11. April 1920 in Frauenstein Oberösterreich
geboren. Sie studierte 1940 Germanistik in Wien und Gras und heiratete ihren Mann, einen
Zahnarzt, bekam zwei Kinder und lebte in Steyr. Sie war eingeengt durch Ehe, Kinder und
den Alltag und erst durch das Schreiben fand sie einen Weg, um sich ein wenig sichtbar zu
machen. Am 21. März 1970 starb sie in Wien an einer Krebserkrankung. Sie schrieb ihre Bü-
cher neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Sprechstundenhilfe.
Sie schrieb diesen Roman und deutete ihn als: »Der wird dir nicht g'fallen ­ es ist eine
Katzengeschichte.«
5
Mit diesen Worten übergab die österreichische Schriftstellerin Marlen
Haushofer (1920-1970) ihrem Freund und Förderer Hans Weigel 1962 das Manuskript »Die
Wand«.
6
Merkwürdig ist diese Bezeichnung von ihr, weil dieses Buch
7
gar keine
Katzengeschichte ist.
Das Buch"Die Wand" von Marlen Haushofer wurde im Jahr 1963 herausgegeben vom Sigbert
Mohn Verlag in Gütersloh. Dieser dritte Roman der Autorin hatte 265 Seiten. Sie bekam den
Arthur-Schnitzler-Preis auch 1963. Zunehmende Popularität bekam diese stille und zurück-
5
Kater, Paul: Marlen Haushofer: "Die Wand" auf http://katerpaul.wordpress.com/2010/07/17/marlen-haushofer-
%C2%BBdie-wand%C2%AB/
6
Kater, Paul: Marlen Haushofer: "Die Wand" auf http://katerpaul.wordpress.com/2010/07/17/marlen-haushofer-
%C2%BBdie-wand%C2%AB/
7
Haushofer, Marlen. In: Die Wand, Editionen mit Materialien ausgewählt von Siegfried Herbst. Verlag Ernst
Klett Verlag, Stuttgart.Leipzig 2008.

9
haltende Frau besonders durch die Lesung dieses Romanes im österreichischen Rundfunk.
Dieses Buch geriet nach ihrem frühen Tod fast in Vergessenheit. Aber erst als die Frauenbe-
wegung nach ihrem Tod ihre Literatur entdeckte, hatten ihre Bücher einen großen Erfolg. Und
Bücher einen großen Erfolg. Und 1983 gab es eine Neuauflage des Buches ,,Die Wand", weil
es keine Neuauflage mehr gab seit 1963.
1968 wurde Marlen Haushofer dank einer Lesung im ORF-Radio in ihrer Heimat Österreich
als Schriftstellerin verstärkt wahrgenommen. Das Buch ,,Die Wand"war 1963 herausgegeben
und 1968 gab es schon seit einem Jahr keine Besprechung mehr in der Presse. Zu ihren Leb-
zeiten wurde ihr Werk wenig betrachtet. Dadurch war sie deprimiert, wie sie ihrem Freund
und Mentor Hans Weigel in einem Brief anvertraute, da ein Jahr lang keine Besprechung in
der Presse stattfand.
8
Es war Elke Heidenreich die in ihrer Sendung ,,Lesen" (Vom 2003 bis 2008 war Frau Heiden-
reich im ZDF mit ihrer erfolgreichen Literatursendung ,,Lesen!") 2004, die dieses Buch emp-
fahl wodurch es eine Zeit lang Platz zwei der Spiegel-Bestsellerliste belegte. Das Buch ,,Die
Wand" wurde in 19 Sprachen übersetzt. Und dieser Roman erwarb bei der ZDF-Sendung
2004 mit 250.000 ZDF-Zuschauer den 40. Platz in der Top 100 Lieblingsbücher der Deut-
schen.
Sie bekam 1953 und 1968 den ,,Staatlichen Förderungspreis für Literatur". 1965 und 1967
bekam sie den Kinderbuchpreis der Stadt Wien und bereits 1956 erhielt sie den Preis des The-
odor-Körner-Stiftungsfonds. Jetzt wird alle zwei Jahre der nach ihr benannte Marlen Haus-
hofer Literaturpreis Steyr vergeben.
1.4 Inhalt des Buches
In diesem Buch ist eine Frau die Hauptfigur, die von aller Zivilisation radikal durch eine
transparente Wand isoliert wird. Sie versucht ohne weitere menschlichen Kontakt und auto-
nom zu überleben in dieser neuen Situation. In diesem Überleben wird sie begleitet von einem
Hund, einer Katze und einer trächtigen Kuh. Um nicht verrückt zu werden, fängt sie an, zu
schreiben. ,,Ihr Schreibakt soll einerseits Angst und Wahnsinn vorbeugen, anderseits dient er
8
DIE ROMANVORLAGE, Vom schweren Start zum durchschlagenden Erfolg
http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-PRESSEHFT-web.pdf

10
als Ersatz für Gespräche, auf die die Protagonistin mangels eines anderen Menschen verzich-
ten muss."
9
1.5 Die Rezeption des Buches
Um die Rezeption des Films deuten zu können, ist es wichtig, sich die Rezeption des Buches
anzuschauen. Warum das Buch und der Film positiv oder negativ bewertet wurden vom Pub-
likum, muss man diese Bewertung in der damaligen Zeit verstehen. Der Zeitgeist ist immer
eng verbunden mit Rezeption. Welche Normen und Werte waren damals wichtig für die
charakteristische allgemeine Gesinnung der Zeit, in der das Buch ,,Die Wand" herausgegeben
wurde. Und diese Rezeption einer Zielgruppe, soll man beschreiben, damit man versteht wie
diese Zielgruppe auf dieses Buch reagiert hat. Und die Frage ist natürlich inwieweit wir jetzt
noch beeinflusst werden von dieser damaligen Rezeption. Was hat sich geändert, ist diese
erneute Rezeption aufgrund der heutigen Rezensionen? Oder brauchen wir den damaligen
Rezensionen noch immer damit wir den Text des Romans verstehen? Können wir diesen Film
überhaupt verstehen ohne die damalige Rezeption oder ohne die damaligen Rezensionen?
Dies sind wichtige Fragen, die man zur Rezeption des Films stellen soll.
Die Rezeption dieses Buches bezieht sich auf den Zeitraum 1963 bis jetzt. Bei der Erstveröf-
fentlichung war dieses Buch kein Erfolg. ,,Es gab begeisterte Zustimmung und strikte
Ablehnung, weil der Roman nicht gängigen moralischen Vorstellungen entsprach: Gott spiele
in Haushofers Text keine Rolle und der Erzählerin fehlten die anderen Menschen nicht
wirklich."
10
Der Wiener Kulturpublizist Edwin Hartl sah in Marlen Haushofers Buch, wie er sagte: ,,ver-
mutlich die originellste Utopie der modernen Weltliteratur. Manche zeitgenössischen Litera-
turkritiker bemängelten jedoch die fehlenden religiöse Perspektive..."
11
Daraus kann man
schließen, dass es Rezensenten gab, die es einfach nicht verkrafteten, dass im Buch ,,Die
9
Vgl. Kaiser, Gina. In: ,,Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang": Arno Schmidts ,,Schwarze Spiegel", Marlen
Haushofers ,,Die Wand", Herbert Rosendorfers ,,Großes Solo für Anton" und ein Konzept der postapokalypti-
schen Robinsonade im 20. Jahrhundert .Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie
an der Ludwig-Maximilians-Universität München , München 2011, S. 221 auf: http://d-nb.info/1025821998/34
10
Vgl. Ebd, S. 213.
11
THIMFILM Die Wand Presseheft S. 12 auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-
PRESSEHFT-web.pdf

11
Wand" Gott keine Rolle spielte. Und dass, Edwin Hartl dieses Buch als ganz modern bewerte-
te.
Die Rezension ging vom Fehlen des Gottes zum modernen Buch. Dann folgte eine Zeit, in der
das Buch galt als Beschreibung einer Welt in der atomare oder chemische Kräfte die Welt
bestimmen.
Dann kam in den Achtzigerjahren die Rüstungsproblematik (Das Ziel von Staaten war es,
durch militärische Rüstung die eigene Sicherheit im Internationalen System zu gewährleisten.
Die Gegner sahen es eher als Rüstungswahnsinn) in die Welt und entstand ein Klima der
Angst vor menscheninduzierten Katastrophen durch atomare oder chemische Waffen.
Dadurch bekam dann der Roman eine breite Aufmerksamkeit der Leser und Rezensenten. Die
Bewertung in allerhand Studien des Buches war sehr unterschiedlich. Es wurde gesehen als
eine radikale Fantasie eines selbstbestimmten Lebens. Daniela Strigl nennt es ,,ein utopisches
Experiment, in dem sich die Heldin wandeln kann".
12
Diese Bewertung des Strigls zum Buch
,,Sie Wand" gilt als positiv.
Diese chemische oder atomare Bestimmung endet in den Rezensionen in der Endzeit.
Manuela Reichart bewertet dieses Buch als. ,,Eine literarische Endzeitvision."
13
Marlen Haushofer beschrieb also in ihrem Buch eine Situation die man als Endzeit bewerten
kann, weil sie im Buch die letzte Zeit einer Frau vor dem Weltuntergang bezeichnet.
Danach werden die Rezensionen bestimmt vom Feminismus, die Frau als vergleichswertige
Figur zum Mann. Wichtig war, dass die Frau auch selbstständig überleben konnte.
Für Rita Morrien gilt dieser Roman als ,,eine weibliche Robinsonade oder
Untergangsphantasie"
14
Gina Kaiser kommt in ihrer Inauguraldissertation mit folgenden
Bewertungen die sie untersucht: ,,Die Wand" könnte man verstehen ,,als Warnutopie, als
12
Vgl. Strigl, Daniela. In: ,,Marlen Haushofer. Die Biographie", S. 259.
13
Vgl. Reichert, Manuela. In: ,,Eine völlig normale Geschichte", Auf den Spuren von Marlen
Haushofer ­ Eine Reise nach Österreich", in: ,,`Oder war da manchmal noch etwas anderes?`: Texte zu Marlen
Haushofer", Anne Duden (Hg.), Verlag Neue Kritik, Frankfurt a. M. 1986, S. 22
14
Vgl. Morrien,Rita. In:,,Weibliches Textbegehren bei Ingeborg Bachmann, Marlen Haushofer,
Unica Zürn", Königshausen und Neumann, Würzburg 1996, 27, zitiert nach Kaiser, Gin ,,Jedes Ende ist auch ein
neuer Anfang": Arno Schmidts ,,Schwarze Spiegel", Marlen Haushofers ,,Die Wand", Herbert Rosendorfers
,,Großes Solo für Anton" und ein Konzept der postapokalyptischen Robinsonade
im 20. Jahrhundert.Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Ludwig-
Maximilians-Universität München, September 2011, S.27.

12
feministisch geprägte Gegenutopie und als utopischen Entwurf freundschaftlichen
Zusammenlebens - in einer agrarisch gestalteten Naturwelt.
15
Dann folgen Termini wie:
,,eine weibliche Robinsonade, eine postapokalyptischen Robinsonade, eine moderne
Robinsonade, eine Parabel der menschlichen Existenz."
16
In dieser Rezension gilt das Buch
,,Die Wand" als die Verarbeitung eines literarischen Motivs der unfreiwilligen Isolation auf
eine Insel oder in einer abgeschlossenen Gegend. Der isolierte Mensch hat die Aufgabe sic
zurechtzufinden mit der Situation. Auch kriminalartige Elemente wurden in den Rezensionen
bewertet.
In einer niederländischen Rezension schreibt Caroline Lohmeijer"Als je eenmaal in dit boek
begint, is het moeilijk het weer weg te leggen. En doe je dat toch, dan blijft de thematiek je
bezighouden."
17
Damit bewertet Caroline Lohmeijer dieses Buch"Die Wand" als eine Art
,,Cliffhanger", man bleibt darüber nachgrübeln: ,,Was wäre, wenn ich...?"
Hinke:
"De Wand is een fascinerend boek." ... Hoewel er weinig spectaculaire dingen
gebeuren (het is vooral een verslag van de dagelijkse dingen in de strijd om het
bestaan) kun je bijna niet ophouden met lezen... `Wie zich in het verhaal begeeft,
raakt erin verwikkeld alsof het om een spannende detective gaat. Maar dan wel een
waarbij je je met hand en tand tegen de ontknoping verzet.
18
Es ist das Erlebnis, dass dieser Rezensent fasziniert, er möchte eigentlich nicht das Ende des
Buches ,,Die Wand" erfahren, weil er mit der Hauptperson sich durchschlagen möchte.
Dann kommt in den Rezensionen ein neues Phänomen nach vorne, nämlich Krebs, eine
Krankheit, die heutzutage vielfältig in unserer Welt anwesend ist.
15
Vgl. Kaiser Gina, München 2011.
16
Autor unbekannt . In: Zeitonline: Vom Ende der Welt auf http://www.zeit.de/1983/42/vom-ende-der-
welt/seite-2 und ins Booksection auf http://www.booksection.de/buch/601-Die_Wand und in ,,Der Letzte
Mensch auf http://www.lovelybooks.de/autor/Marlen-Haushofer/Die-Wand-133347435-
w/rezension/1034878831/.
17
Lohmeijer, Caroline. In: De wand- Marlen Haushofer von den 7. März 2010.
18
Hinke. In: De boekendeler, 22 augustus 2013. Op: http://boekendeler.wordpress.com/2013/08/22/de-wand-
marlen-haushofer/.

13
Rita Morrien schreibt in Bezug auf das Buch ,,Die Wand" folgendes: ,,die unheilbar an Krebs
erkrankte Autorin im Bereich der Kunst doch noch eine Möglichkeit gefunden, ihrem
Begehren nach dem Leben Raum zu schaffen".
19
Von Krebs geht es in den Rezensionen in Richtung des magisches Realismus, eine Ver-
schmelzung von der realen Wirklichkeit und magischen Realität. ,,Die Wand" wird gesehen
als eine Synthese aus den uns geläufigen Wirklichkeiten (das was greifbar, sichtbar und ratio-
nal ist versus das was zu tun hat mit Halluzinationen und Träumen).
Claudine Fleury schrieb über dieses Buch: dass es geschrieben sei ,,in einer Art von
magischem Realismus... Aus dem Versuch, das Sich-Einrichten in einer zeitlosen Zeit ...,
wird bisweilen ein Kult der Exaktheit."
20
,,Wir empfehlen dieses Buch ausschließlich Menschen mit Tiefgang, mit Zweifeln an
"Werten" der konsumgläubigen Gesellschaft und Menschen mit der brennenden Frage
nach dem Sinn des Lebens." [...] ,,Der den eigentlichen Roman ausmachende, in eine
Rahmengeschichte eingebaute "Bericht" ist in unseren Augen ein ohne Zweifel
autobiografisch gefärbtes Psychogram oder eher Psychodrama. Wir sehen diesen
sicher auch zur Parabel taugenden Bericht als eine Art Traum."
21
, schrieb Dr. Herman Puschmann.
Und immer wieder erscheinen in den Rezensionen die Wörter Angst, Tod und Befreiung.
`Een goudmijn van parabels over leven en dood, het einde van de wereld, de oerangsten van
de mens en de strijd tussen de geslachten.' ,
22
meint Renate Dorrestein in Elle.
,,Als Katzengeschichte hat Marlen Haushofer ihren Roman mal scherzhaft zu vernied-
lichen versucht. Nichts aber ist er weniger als niedlich. Er ist ein existenzielles Expe-
riment. Eine Studie über eine Befreiung im Gefängnis aus dem Gefängnis der Welt."
23
19
Vgl. Morrien,Rita. In:,,Weibliches Textbegehren bei Ingeborg Bachmann, Marlen Haushofer, Unica Zürn",
Königshausen und Neumann, Würzburg 1996, 27, zitiert nach Kaiser, Gin ,,Jedes Ende ist auch ein neuer An-
fang": Arno Schmidts ,,Schwarze Spiegel", Marlen Haushofers ,,Die Wand", Herbert Rosendorfers ,,Großes Solo
für Anton" und ein Konzept der postapokalyptischen Robinsonade im 20. Jahrhundert.Inaugural-Dissertation zur
Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, September
2011S. 73.
20
Fleury, Claudine. In: Referat/Aufsatz Haushofer, Marlen ­ Die Wand, S. 6.
21
Puschmann, Herman. In: Die Wand auf http://www.dr-
puschmann.de/de/literatur/literatur/marlen_haushofer_die_wand/txt00258.html.
22
Dorrestein, Renate. In: Elle auf http://www.vangennep-boeken.nl/boek_detail.php?id=141.

14
Und als Rezension möchte diese Studie verweisen auf die Menge an Interpretationsmöglich-
keiten.
Jenni Zylka schrieb:
,,Es ist die große Interpretationsoffenheit des Buches und des Films, die es ebenso
brauchbar für Jungfeministinnen wie für Öko-Science-Fiction-Fans und zweifelnde
Symbolisten. Ob man nun tatsächlich zu verstehen meint, was die 1970 verstorbene
Autorin ausdrücken wollte, ob man die Tiere als kulturell übergreifende
Fruchtbarkeitssymbole deutet, die Wand als biochemische Geheimwaffe, oder den
Überlebenskampf einer Frau in und später Befreiung aus der Männerwelt sieht."
24
Und diese letzte Aussage der großen Interpretationsoffenheit des Buches ,,Die Wand" macht
deutlich, dass dieses Buch multi-interpretierbar ist. Es hängt immer sehr zusammen mit den
Rezensenten und der Zeit in der sie leben.
Meistens sind die Rezensionen in Bezug auf dieses Buch ,,Die Wand" positiv, vor allem je
später(1963-heute) die Rezension geschrieben worden ist.
Bemerkenswert ist die wahrscheinliche Reaktion Haushofers zu lesen bei Ulrike Landfester,
denn sie schrieb von einer anonymen Jugendfreundin der Autorin, die erklärte: ,,[..] wenn sie
heute lese, was da alles in die Bücher hinein interpretiert würde, könne sie nur lachen; die
besondere Sympathie für die Frauen, welch ein Unsinn [...]", Marlen habe immer ,,vor allem
ihren Vorteil gesucht".
25
,,Die Schriftstellerin selbst deutete die Wand als Symbol für die Hindernisse bei zwischen-
menschlichen Beziehungen. ... Aber, wissen sie, jene Wand, die ich meine, ist eigentlich ein
seelischer Zustand, der nach außen hin plötzlich sichtbar wird."
26
Und diese letzte Sichtweise, stimmt eigentlich sehr überein mit der Art und Weise wie wir das
Buch ,,Die Wand" heute interpretieren und rezensieren. Denn wir lesen, dass auch Pölsler
meint: ,,Paulus Hochkatterer, ein österreichischer Autor, hat mir eine interessante Interpretati-
23
Krekeler, Elmar. In: Die Welt am 9. Oktober 2012 im Artikel ,,Die Wand"-Verfilmung Martina Gedeck sucht
als Namenlose die Liebe auf http://www.welt.de/kultur/kino/article109708935/Martina-Gedeck-sucht-als-
Namenlose-die-Liebe.html.
24
vgl.Zylka,Jenni. In: ,,Halb lebt sie im Paradies, halb in der Hölle" den 14. Oktober 2012. Spiegel Online auf
http://www.spiegel.de/kultur/kino/die-wand-romanverfilmung-mit-martina-gedeck-nach-marlen-haushofer-a-
860463.html.
25
Landfester, Ulrike. In: ,,Die Frau an der Wand. Projektion und Rezeption Marlen Haushofers in der feministi-
schen Literaturkritik" auf S. 222.
26
Zeitgenössische österreichische Frauenliteratur auf http"// www.marlenhaushofer.at/Werke5.html.

15
on der Wand gegeben. Das ist für ihn die exakte Beschreibung der Depression einer bereits
depressiven Frau, wenn sie hinfährt. Von Anfang bis Ende ist sie in einer Depression."
27
Wir verbinden es nicht mehr so sehr mit Feminismus oder mit Protesten gegen Atomkraft-
werke, wir neigen dazu diese Geschichte eher im persönlichen Bereich zu deuten. Und das
passt auch besser in unserem Zeitgeist. Die Werte haben sich geändert. In den 6o-er und 70-er
Jahren gab es die sexuellen Revolution und die Emanzipationsbewegung mit Werte wie
Selbstverwirklichung, sexuellen Freizügigkeit und Gleichberechtigung. Werte, die damals
errungen werden mussten. Heute gilt Individualismus, alles ist bezogen auf das Ich. Und da-
her bewerten wir Filme und Bücher auch innerhalb dieser Werte. Unsere Rezensionen spie-
geln den Zeitgeist. Und weiterhin wird ihre Literatur jetzt aus ganz anderen Perspektiven be-
trachtet:" Komparatistische, kommunikations- und produktionsästhetische,
editionsphilologische und rezeptionsgeschichtliche Analysen traten in letzter Zeit ein."
28
(Eine komparatistische Analyse bedeutet, dass das Buch ,,Die Wand" mit der Methode des
Vergleichs z. B. qua Thema verglichen wird mit anderen Büchern mit einem vergleichbaren
Thema. Eine editionsphilologische Analyse, ist die Herstellung eines möglichst authentischen
Textes, der aus verschiedenen voneinander abweichenden Editionen. Es geht dabei um die
Frage in wie weit die Aufmachung und der Inhalt nicht oder geringfügig von einander oder
von vorigen Ausgaben unterscheiden).
1.6 Rezeption des Films ,,Die Wand" von Julian Pölsler
Auffallend ist es, dass die Rezeption des Films sich eher zuspitzte auf die Verfilmung des
Buches an sich als auf die Geschichte. Auch die Schauspielerin Martina Gedeck wurde eher
bewertet als die Geschichte. Daher galten in den Bewertungen des Films im Internet folgende
Termini:
27
Bach, Lida. In: Interviews mit Julian Pölsler und Martina Gedeck in Negativ auf http://www.negativ-
film.de/2012/10/die-wand-interviews-mit-julian-polsler-und-martina-gedeck.
28
Gobyn, Lies. "Wir ahnen, daß wir auf verlorenem Posten stehen, und unternehmen verzweifelte kleine Aus-
bruchsversuche." Eine Analyse der weiblichen Hauptfiguren in Marlen Haushofers Wir töten
Stella, Die Wand und Die Mansarde. In; Verhandeling voorgelegd aan de Faculteit Letteren en Wijsbegeerte
voor het behalen van de graad van licentiaat in de Taal-en Letterkunde Germaanse talen, Universiteit Gent
Academiejaar 2006-2007, S. 13.

16
Sehr negativ klang: ,,Eine bebilderte Vorlesstunde ."
29
,wobei nur das bildliche Material als
Mittel gesehen wurde um die Geschichte zu untermalen. Wenn nicht die Bilder des Films
nicht negativ betont wurden, dann galt die negative Bewertung den Inhalt des Films: ,,Ein
meditatives Bullerbü mit einer Messerspitze Philosophie."
30
Wobei auch das Wort Philoso-
phie hier negativ zu verstehen ist. Auch die Mitspieler oder Nicht-Mitspieler wurden bewer-
tet: ,,Ein Kammerspiel in der freien Natur, in dem als weitere Partner ausschließlich Tiere
mitspielen."
31
und ,,Martina Gedeck in ,,Die Wand": starke Frau, schwacher Film. ,,
32
Auch
in den Niederlanden war man nicht immer positiv:" Die Wand van Pölsler is een volstrekte
deceptie."
33
Und damit wird der totale Film verurteilt.
Gilt Martina Gedeck bei Rezensent X als starke Frau, für den anderen Rezensent Y gilt sie als
eine Schauspielerin mit keinem Niveau:
,,...Film, der letztlich nichts anders ist als eine delikat fotografierte klaustrophobische
Phantasmagorie. ,,[...] ,,Selbst wenn Martina Gedeck eine größere Schauspielerin
wäre, als sie eh schon ist, könnte sie in diese tote Allegorie kein Leben bringen."
34
Sind es nicht die Bilder des Films oder die Spielqualitäten von Martina Gedeck, die im Vor-
dergrund stehen, dann beurteilt man als Rezensent den Inhalt des Films und damit des Buches
,,Die Wand". Dabei hat Pölsler, der Regisseur sich viel Mühe gegeben, den Inhalt des Buches
treu zu bleiben:
,,De vrouw in Die Wand daarentegen reageert bijna passief, accepteert en
onderneemt weinig initiatief om te achterhalen wat de wand is. Alsof ze bijna direct in
haar lot berust. Zonder ook maar hartstochtelijk te janken, te gillen of woedend te
worden. Het is alsof ze haar lot, maar ook haar isolement en later haar eenzaamheid
en depressie met teveel liefde omhelst. Uiterst ongeloofwaardig."
29
Funke,Thorsten. ,,Die Wand" den 12.02.2012 Critic.de. auf http://www.critic.de/film/die-wand-3280/
30
ohne Angabe der Autor des Blogges: http://lesensehendenken.blogspot.nl/2012/11/marlen-haushofer-die-
wand-1963.html.
31
Die Wand- Innere Emigration oder radikale Selbstimmung. Atlante, den 20. November 2012 Atlantes Histo-
rien, Literaturgeschichte.
32
Sennhauser, Michael. Schweizer Radio und Fernsehen, den 3. Januar 2013. SRF.
http://www.srf.ch/kultur/film-serien/martina-gedeck-in-die-wand-starke-frau-schwacher-film.
33
Bremmer, Hans. Auf http://smulstromstallet.wordpress.com/2013/10/14/die-wand-julian-polsler-2012/.
34
Greiner, Ulrich.In: ,,Zurück zur Natur" am 11. Oktober 2012. http://www.zeit.de/2012/42/Film-Die-Wand.

17
Auch gab es Rezensionen, worin die möglichen Scheiterfalle der Verfilmung genannt wurden
und die Tatsache, dass es gerade Julian Pölsler war, der darüber hinaus gesiegt hatte mit sei-
ner Verfilmung:
,,Ein Heimatsfilm hätte das werden können. ,,Herbstmilch" mal anders.
Existenzialistenstummfilm mit Tieren. Feministinnenstoff für die nächste
Freiluftkinosaison.(..) Ein bleischwerer Bildungsroman für Postapokalyptiker in
Fototapetenbilder gestellt mit heroischer Frau in harscher Landschaft. Einsam,
lähmend, grauenvoll. Wurde es aber nicht. ... Und er (Julian Pölsler) ist nun wirklich
keiner einzigen Scheiterfalle aus dem Weg gegangen. In keine ist er getappt."
35
Natürlich wurde auch das Wort der Unverfilmbarkeit genannt: ,,Er ( der Roman) ist Science
Fiction und Zivilisationskritik und galt als unverfilm-bar."
36
Wobei das Genre auch gleich-
zeitig benannt wurde. Positiv bewertet wurde der Film, weil er dazu beiträgt unsere Ängste in
Bildern umzuwandeln:
,,einen ,,meisterhaften Katalysator für die Urängste, aber auch die Hoffnungen seines
Publikums gebaut" [...] ,,in die apokalyptische Vorstellung, in einer Idylle für immer
gefangen zu sein". [...] ,,Für die deutschen katholischen Film-Experten scheine die
Handlung ,,aus einem Stephen-King-Buch entsprungen".
37
Manchmal gab es in der Rezension auch eine Zwischenstellung zu lesen:
,,Das Kino verwandelt Worte in Bilder, Bücher in Filme, aber manchmal bleibt es
auch auf halbem Wege stehen. Dann hallen die Bilder von Buchsätzen wider, der
Zuschauer betritt ein seltsames Zwischenreich, das nicht mehr ganz Literatur und
noch nicht ganz Film ist. ,,
38
Aus dem Filmheft von THIM die Pressestimmen sind alle Bewertungen kopiert, die Folgen-
des sagten im unterstehenden Kästchen. Es ist natürlich logisch, dass diese Bewertungen alle
positiv sind, weil dieses Filmheft verteilt wird unter Rezensenten. Auffallend ist natürlich,
dass die Bewertungen nicht nur national, sondern auch international qua Ursprung sind. Da-
mit gibt man diesem Film die internationalen Allüren, die dieser Film braucht in seiner Ver-
35
Kerkeler, Elmar. In: Die Welt im Artikel ,,Die Wand"-Verfilmung Martina Gedeck sucht als Namenlose die
Liebe am 9 Oktober 2012.
36
Schüler, Lotar im Artikel Plötzlich allen ­ Marlen Haushofers ,,Die Wand"als Film in 3SAT.online am 8.
Oktober 2012 http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/tips/165188/index.html.
37
Katholische Presseagentur Österreich. In: Berlinale: Viel Lob für Haushofer-Verfilmung "Die Wand"
auf http://www.marlenhaushofer.ch/downloads/pdf/film/Kathweb_15022012.pdf.
38
Andreas Kilb, Andreas. In Frankfurter Allgemeine Feuilleton am 13. Februar 2012.

18
marktung. Und um dieses Bild der Vermarktung komplett zu machen, sind in dieser Studie
alle diese positiven Bewertungen des Filmhefts von THIM die Pressestimmen wiedergegeben
und wird die Auswirkung ab Seite 13 besprochen:
Martina Gedeck imponiert in Literaturverfilmung [...]
Ein Kunststück des Minimalismus [...]
In schwelgendem Cinemascope und mit andächtiger Ehrfurcht zeigt Pölsler [...] die
Natur mit all ihrer Schönheit und Grausamkeit.
Romanleser mit eigenen Bildern im Kopf werden vom Film nicht enttäuscht.
[...] nicht eine Zehntelsekunde langweilig...
Ein Film von stiller Wucht.
MITTELDEUTSCHE ZEITUNG
Eine beeindruckende Ein-Frau-Show [...]
COBURGER TAGEBLATT
Hinreißend: Martina Gedeck in einem Solo in wunderbaren Naturbildern im Wechsel
der Jahreszeiten.
LEIPZIGER VOLKSZEITUNG
Martina Gedeck brilliert in der kraftvollen Literaturverfilmung ,,Die Wand"
NEUE WESTFÄLISCHE
Martina Gedeck brilliert in der kraftvollen Literaturverfilmung ,,Die Wand"
[...] Martina Gedeck mit einer fulminanten Ein-Frau-Vorstellung in Julian Roman
Pölslers großartiger Adaption ,,Die Wand" [...]
[...] Bilder von großer Wucht und Sinnlichkeit, stimmungsvoll untermalt von melan-
cholischen Klängen aus Bachs Violinpartiten.
Das Drama wirkt wie auf Martina Gedeck zugeschnitten. Sie spricht Haushofers Sätze
in einem unverwechselbar introvertierten Ton, in dem Schmerz, Trauer, Überle-
benswillen und auch Misanthropie mitschwingen, zeigt überzeugend die Wandlung der
anfangs ungeschickt durch die Natur stolpernden Städterin hin zu einer Lebenskün-
stlerin."
RHEIN-NECKAR-ZEITUNG
[...] ein Schatten von Mensch vor geschlossener Landschaft. Aber die Stimme! Sie geht
als Voice Over über den gesamten Film, rauchig, melancholisch, matt. Und wenn sie
schweigt? Dann ist im vollbesetzten ,,International" die Stille zu hören.
DER TAGESSPIEGEL
[...] handwerklich perfekt ausgearbeitet [...]
WESTFALENPOST
"Die Wand" - der bisher nachhaltigste Berlinale-Film 2012
BLICKPUNKT:FILM

19
Astonishing and unexpected [...]
[...]"The Wall" becomes something much deeper, almost mystical [...]
[...]"The Wall" does what the best movies do: Take us somewhere we've never been
and l
et us see the world with a completely different perspective.
Gedeck [...] is nothing less than astonishing as is the natural beauty of the Austrian
settings [...]
THE HOLLYWOOD REPORTER
You don't see many films that so overtly address the Human Condition ­ with capital
letters ­
as intense contemplative Alpine drama ,,The Wall" [...]
[...] Julian Roman Pölsler's spectacularly-shot, highly intelligent adaptation of
Marlen Haushofer's early 1960s bestseller is riveting and emotionally involving from
start to finish [...]
Gedeck's performance, which must have been physically demanding in the extreme, is
phenomenal. [...]
[...] The Wall is intensely cinematic ­ a high-risk, high-intelligence drama that will be
intensely rewarding for viewers willing to scale its rarefied but heady heights.
SCREEN INTERNATIONAL
Martina Gedeck, in a wrenching Performance.
THE HOLLYWOOD REPORTER
Man ging oft von der Vorlage des Romans aus, um den Film zu beurteilen. Die Bewertungen
sind also sehr verschieden. Meistens fokussiert man sich auf die Verfilmung durch Julian R.
Pölsler. Manchmal referiert man an das Buch als Vorlage und vergleicht inwiefern diese Ver-
filmung den Text des Romans treu geblieben ist. Also nicht jeder war begeistert von dieser
Verfilmung. Später in der Studie wird zu diesem Thema der Verfilmung als adaptionsweise
noch einiges erklärt. Zuerst werden jetzt mehrere Beschreibungen der Unverfilmbarkeit gege-
ben und damit kommen wir zu der Hauptfrage und zu den Teilfragen dieser Unverfilmbarkeit.
Die positiven Bewertungen des THIM-Hefts die Pressestimmen, sind vor allem fokussiert auf
die spielerische Qualität von Martina Gedeck und weniger auf den Inhalt des Films. Man
braucht offenbar eine Starschauspielerin zum Verkauf der Kinotickets. Die deutschen Bewer-
tungen in den Zeitungen (Nummer 1 bis 7) vertreten 957.697 Exemplare die verkauft werden.
Bei Namen wie Hollywood Reporter und SCREEN INTERNATIONAL könnte man sehr
große Auflagen erwarten, aber es sind nur 144.000 Exemplare oder Gebraucher. Filmprodu-
zenten brauchen natürlich diese positiven Bewertungen, daher werden im Heft natürlich auch
nur positive Bewertungen aufgelistet und nicht die negativen Bewertungen.

20
Der Name der Zeitung
Verkaufte Auflage (Quelle: Wikipedia)
39
1
Mitteldeutsche Zeitung
193.079 Exemplare
2
Coburger Tageblatt
12.828 Exemplare
3
Leipziger Volkszeitung
200.257 Exemplare
4
Neue Westfälische
234.374 Exemplare
5
Rhein-Neckar-Zeitung
87.959 Exemplare
6
Der Tagesspiegel
113.961 Exemplare
7
Westfalenpost
115.239 Exemplare
8
Blickpunkt Film
3.850 Exemplare
9
The Hollywood Reporter
72.000 Exemplare
10
Screen International
With more than 72,000 registered online users and a
growing online community of more than 33,000.
40
39
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Zeitungen
40
(Quelle: http://info.screeninternational.com/about_screen_international/)

21
Kapitel 2 Beschreibungen der Unverfilmbarkeit
Virales Marketing besitzt natürlich einen gewissen Risikofaktor. Denn schlechte Kritiken
können sich genauso wie gute Kritiken wie Lauffeuer verbreiten übers Internet. Ob der Leser
jetzt ist oder nicht mit dem Inhalt des Berichtes einverstanden, sicher ist, dass Inhalte sich
immer schnell übers Netz verbreiten, wenn sie den Gebrauchern eine Emotion bieten.
Unverfilmbar ist ein Wort, womit man eine Emotion weiterleitet. Hier unten gibt es erstmals
die Beschreibungen.
,,Haushofers Roman galt als unverfilmbar. Diese Einschätzung hängt sicher mit den
Besonderheiten des Romans zusammen, denn der Bericht der Icherzählerin besteht nicht nur
aus der Schilderungen von Ereignissen, sondern zum großen Teil aus Reflexionen. Wie aber
kann man das innere Erleben, die Gedanken und Gefühle eines Menschen filmisch
umsetzen?"
41
Hiermit wird angedeutet, dass es schwierig ist, Reflexionen und das innere Er-
leben in Bilder eines Films umzusetzen.
,,Sehr ruhig, so gut wie keine Dialoge, schlicht sehr schwer verfilmbar."
42
Es gibt viele
Kritiker, die glauben, dass ein Film ohne Dialoge nicht geht. Eigentlich meinen sie, dass eine
Geschichte ohne Dialog nicht geht. Man glaubt, dass wir uns ständig im Gespräch mit
anderen Menschen befinden müssen, um zu existieren. Die Idee ist, dass ohne Sprache mit
anderen Menschen, man nicht existiert.
,,Als je een ronduit fantastisch boek wilt verfilmen waarin afgezien van één
opmerkelijk feit eigenlijk niets gebeurd moet je van goede huize komen. Zeg maar
gerust van goede kastele. Julian Pölsler komt nog niet eens in de richting." 43
Dies ist ein Beispiel für das Versagen der Verfilmung von Pölsler.
" Lange Zeit galt der Stoff als ungeeignet für die Kinoleiwand ­ zu schwierig erschien
u.a. die filmische Umsetzung der unsichtbaren Wand, die zugleich als komplexe
Metapher fungiert... .. ,,
44
41
In: Kino & Curriculum des Instituts für Kino und Filmkultur. Auf http://www.film-kultur.de/glob/die-
wand_kc.pdf, S. 9.
42
Chris. In: Ziemlich beste Filmkritiken Blog RSS, am 17. Mai 2013.
43
Bremmers, Hans auf http://smulstromstallet.wordpress.com, am 14. Oktober 2013.

22
Damit gab Vin Yun an, dass der eigentliche Ausdruck, die Wand, im Film ersetzt wird durch
etwas, das deutlicher, anschaulicher oder sprachlich reicher sein soll. Die Wand steht für
einerseits die buchstäbliche Wand und anderseits für die figürliche Wand.
,,Da wird fast zwanghaft die Unverfilmbarkeit des Buchs behauptet, als könne man
nur so den Wagemut der Regisseure ermessen, die sich gerade diesen Roman zur Ver-
filmung vorgenommen haben. ...Wer ein eigentlich unverfilmbares Buch verfilmt, wag
dem Griff zu den Sternen."
45
Hiermit wird angegeben, dass diese Verfilmung ein Wagnis für Pölsler gewesen sein muss.
,, Knap hoe één gek idee, dat recht uit de sciencefiction komt, een ontstellend verstild
avontuur kan evoceren en de kijker confronteert met existentiële vragen. Dit is geen
spek voor ieders bek, maar weet dat dit geen alledaagse cinema is én dat de film het
verdient op een groot scherm bekeken te worden."
46
Hier vermittelt der Rezensent, die Gedanke, dass dieser Film besonders ist und daher sehr
geeignet ist für die Kinoleiwand.
,,Ein literarisches Meisterwerk, übersetzt in 19 Sprachen. Aber kann man einen derart
sperrigen Stoff auf die Leinwand bringen? ... Romanleser mit eigenen Bildern im Kopf
werden vom Film nicht enttäuscht...
Hier ist die Rede von der ewigen Diskussion, ob das Buch oder der Film besser wäre. Es ist
ganz persönlich ob man in der Welt des Buches zu versinken und seiner Fantasie freien Lauf
zu lassen, oder dass man die Meinung hat, dass Buch und Film so unterschiedlich sind, dass
man sie nicht eindeutig vergleichen kann. Hier war der Rezensent der Meinung, dass der
Buchleser gut bedient wurde mit dem Film.
,,Doch diese Ziellosigkeit, die Abwesenheit eines drängendes Willens ­ das macht es
noch schwerer, einen solchen Stoff zu verfilmen."
47
Hier wird deutlich, dass der Zu-
schauer sich sehr dulden muss, will er überhaupt diesen Film verstehen und von die-
sem Film betroffen worden, weil es wenig Action gibt und im Film die vorantreibende
Dynamik fehlt.
44
Yun, Vin: Das Innere im Audden. In: Die Standard. At > Kultur auf http://diestandard.at/1348284453345/Das-
Innere-im-Aussen am 30. September 2012.
45
Keller, Floria: Ewig dreht sich das Karma-Karussell auf http://www.tagesanzeiger.ch am 25. November 2012.
46
Nico Krols, Nico. In: Die Wand ­ Julian Pölsler am 9. April 2013 auf
http://www.demorgen.be/wca_digi/film_detail/101/843563/Die-Wand.html.
47
Handke, Sebastian : Frau Robinson. In: Kultur im Tagesspiegel auf http://www.tagesspiegel.de/kultur/frau-
robinson/6213928.html am 16.02.2012

23
,,Wie (gefühlt) jeder Roman galt auch ,,Die Wand" als unverfilmbar. Ein Text, der
von einem inneren Monolog getragen wird, kann eigentlich kaum in Bildern erfasst
werden. Aber Pölsler scheint das ganz gut zu gelingen... Die Erzählstimme drückt
dem Film in einer Art und Weise den Stempel auf, dass man sich fragen muss, ob man
gerade einer mit Bildern untermalten Lesung beiwohnt oder ob man so etwas wie
einen eigenständigen Film betrachtet. Erschreckend die Begeisterung, die ein derart
unfilmisches Werk in Filmkreisen einheimsen kann. ,,Die Wand" ist mehr ein
überlanger Werbespot für das Buch, denn eine Geschichte, die für ein anderes
Medium adaptiert wurde."
48
Es ist also Pölser gelungen, diesen sperrigen Stoff des Romans in Bildern zu fassen, aber der
Rezensent findet das Buch ,,Die Wand" noch immer besser, weil nur eine Off-Stimme ihm
nicht genügt, um gefesselt zu werden.
,,Julian Pölsler hat den als unverfilmbar geltenden Roman ,,Die Wand" auf die
Leinwand gebracht". Weiter im Artikel steht: ,,Da die Erlebnisse der Protagonistin
komplett aus der Innenperspektive erzählt werden und das Szenario keinerlei
Dialogmaterial anbietet, galt Die Wand fast fünfzig Jahre lang als unverfilmbar."
49
,,Kritiker feiern den eben angelaufenen Film "Die Wand". Nicht zuletzt, weil der gleichnami-
ge Roman von Marlen Haushofer lange Zeit als unverfilmbar galt."
50
Gerade weil man lange
glaubte, dass dieser Roman nicht zu verfilmen sei, wird der Film zugejubelt. Hier geht der
Rezensent nicht ein auf den Inhalt des Films.
,,Lange hat man ,,Die Wand" überhaupt für unverfilmbar gehalten: Eine Frau allein
im Wald, umgeben von Hund, Katze und Kuh ­ wie sollen da die Dialoge aussehen?
Wie bringt man Haus- und Wildtiere dazu, zu tun, was die Geschichte verlangt? Was
fängt man filmisch mit der unsichtbaren Wand an, die über Nacht entstanden ist und
die Protagonistin vom Rest der Welt trennt?"
51
Hier wird die technische Gestaltung
und mögliche Probleme, die damit Zusammenhängen in Worte gefasst vom Rezensent.
48
Autor unbekannt: Der erzählte Film ,,Die Wand"von Julian Pölsler auf dem Blog Jugend ohne Film am 30.
Oktober 2012.
49
Schwickert, Martin: Gefangen in sich selbst. In: Zeit Online Film & TV unter Kultur auf
http://www.zeit.de/kultur/film/2012-10/film-die-wand am 11. Oktober 2012.
50
Hümer, Christian: "Die Wand" hat viele regionale Wurzeln auf
http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/3134014/wand-hat-viele-regionale-wurzeln.story am 05.10.2012.
51
Strigl,Daniela: Die Wand ­ Filmkritik. In: Österreichische Wochenzeitung Die Furche , 39/2012.

24
"Unverfilmbar" hieß jedes Mal am Schluss."
52
Hier wird nur die Tatsache der
Unverfilmbarkeit genannt und dazu gibt es kein gültiges Argument. Denn dass, es immer so
gewesen ist, besagt nichts.
,,Marlen Haushofers Roman ,,Die Wand"galt als unverfilmbar. Dabei hat er bloß auf
Martina Gedeck gewartet."
53
Hier ist die Rede von ein Sonderlob für Martina Gedeck, als
wäre sie die einzige Frau in der Welt, die die Rolle der Frau im Buch ,,Die Wand" hätte spie-
len können.
,,Die Wand": Unverfilmbar eigentlich. Würde man meinen." ..."Es ist ein Film, der nicht
nach dem Muster von Blockbustern gestrickt ist... ,,Sex & Crime gibt es nicht in der Ge-
schichte"
54
Mit diesem Zitat wird angegeben, dass man es wirklich nicht für möglich gehal-
ten hat, dass das Buch zu verfilmen war, weil es nicht im Muster des Actionfilms zu gestalten
war.
,,Sie haben schon oft literarische Vorlagen bearbeitet, dem Roman Die Wand eilt eine
Mutmaßung der Unverfilbarkeit voraus, .."
55
Hier gilt die Unwahrscheinlichkeit des
Verfilmens des Romans als Grund der Bewunderung für Pölsler, dass er es doch geschafft hat.
Zusammenfassend kann man sagen, dass dieses Wort der Unverfilmbarkeit nicht sehr oft ver-
bunden wird mit gültigen Argumenten. Es wird nur behauptet, dass dieser Roman unverfilm-
bar sei. Und immer wieder wird die Unverfilmbarkeit des Buches mit der Zeitspanne der Un-
verfilmbarkeit verbunden wird: Lange galt das Buch als unverfilmbar. Daneben gibt es die
Position wo man den sperrigen Stoff als verantwortlich sieht für diese Unverfilmbarkeit. Der
Stoff wird sperrig genannt, weil die Geschichte anspruchsvoll ist und schwer verständlich. Als
Zuschauer muss man sich Mühe geben, sich in dieser Geschichte hinein zu leben. Eine Frau
52
Hütter, Friddo und Reiterer, Reinhold: Meister der subtielen Tone und Gefühle In: Kleine Zeitung Steiermark
am 7. Oktober 2012.
53
Autor unbekannt: `Die Wand`-Verfilmung Martina Gedeck sucht als Namenlose die Liebe. In Die Welt unter
Kultur auf http://www.welt.de/kultur/kino/article109708935/Martina-Gedeck-sucht-als-Namenlose-die-
Liebe.html am 12. Oktober 2012.
54
Autor unbekannt.: Um dich herum eine unsichtbare Wand. In: Nachrichten.at im Artikel auf
http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/Um-dich-herum-eine-unsichtbare-Wand;art68,805905 am
26.01.2012.
55
Autor unbekannt: Interview Julian R. Pölsler: In: Die Wand-Interview von AFC (Austrian Film Commission)
auf http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=de&reserve-mode=active&content-
id=1164272180506&artikel_id=1322552864766 am 17. Dezember 2012.

25
allein im Wald, keine Dialoge mit anderen Menschen, nur Monolog Interieur ergeben meis-
tens eine wenig gefällige Geschichte. Auch die Ziellosigkeit und die Abwesenheit eines drän-
genden Willens werden genannt in Bezug auf die Unverfilmbarkeit. Diese Frau möchte nicht
die Wand beseitigen, möchte nicht über alles wieder in Verbindung mit der Außenwelt kom-
men, es fehlt ihr den Willen zum Kontakt. Auch trägt der innere Monolog dazu bei, dass man
glaubt, dass die kaum in Bildern zu erfassen ist. Auch die Wand selbst wird mit der Unver-
filmbarkeit verbunden, denn man fragt sich, wie man sie filmisch gestalten sollte.
Nirgendwo in den Zitaten aus den Rezensionen gibt es wissenschaftlich geprüfte Kriterien,
womit man angeben kann, inwiefern dieser Film wirklich als unverfilmbar gilt oder galt. Im-
mer ist die Rede von die lange Zeit der Unverfilmbarkeit oder werden Emotionen des Rezen-
senten zur Verfilmung beschrieben. Man möchte verstehen können, wieso dieser Roman als
unverfilmbar galt. Gibt es dazu systematische Merkmale, die dafür sorgen, dass diese Ge-
schichte ,,Die Wand" nicht in Bildern zu fassen war. Was macht dann einen Roman als eine
Geschichte, die verfilmt werden kann. Was ist dran, an der möglichen Meinung, dass jede
Geschichte zu verfilmen sei? Stimmt diese Annahme und wieso?
Die Frage dringt sich jetzt auf, ob obengenannte sogenannte ,,Argumente" stimmen und es
noch andere Kriterien gibt, mit denen man den Begriff der Unverfilmbarkeit untersuchen
kann. Dazu habe ich die 7 Fragen formuliert, die hier unten nochmals aufgelistet sind. Danach
werden diese Fragen weiterhin einzeln behandelt.
1. Stimmen in Bezug auf verfilmbar sein, folgende Klischees? Warum/warum nicht?
Das Buch wäre für einen Film:
a. Zu lang
b. Zu komplex
c. Zu umfassend
d. Zu geschichtet
2. Das Thema des Buches wäre unverfilmbar. Stimmt das?
3. Das Buch wäre unverfilmbar durch die Abwesenheit von Dialogen. Stimmt das?
4. Das Buch wäre unverfilmbar, weil es keine Spannung und Aktion gibt. Stimmt das?
5. Das Buch wäre unverfilmbar, weil die Hauptperson nicht zur Identifikation anregt.
Stimmt das?
6. Die Bewertung ,,unverfilmbar" ist nur eine Vermarkungsstrategie. Stimmt das?
7. Das Buch ist unverfilmbar, weil das Buch immer besser ist, als ein Film jemals sein
kann. Stimmt das?

26
Kapitel 3 Verarbeitung der Teilfragen
3.1 Stimmen in Bezug auf verfilmbar sein, folgende Klischees?
Warum/warum nicht?
Das Buch wäre für einen Film:
a. Zu lang
b. Zu komplex
c. Zu umfassend
d. Zu geschichtet
Diese Frage ist entstanden nach dem Lesen des Artikels ,,Boek versus film"drie clichés en
hun waarheidsgehalte"von Bart De Decker in Gierik Nieuw Vlaams Tijdschrift, Literair
Tijdschrift met Initiatief, 2013, jaargang 31, nr. 119, pagina 14 - 17.
3.1.1 Länge
Meistens ist es kein Problem wie lang der Roman ist, weil der Regisseur immer zur Schere
greifen kann. Ein Autor hat die Freiheit einen Roman qua Länge so zu gestalten wie er möch-
te, es sei denn, der Herausgeber muss sich schon beschweren, dass der Roman zu lang sei
(wie zum Beispiel der Fall war bei ,,Buddenbrooks" von Thomas Mann).
Pölsler wollte, ,,dass Marlen Haushofer in der Wahrnehmung der Menschen den Platz be-
kommt, der ihr zusteht ,,[...]" Mir war wichtig, möglichst viel aus dem Roman in den Film zu
übernehmen ­... Ich habe mir die Maxime gesetzt, den Text nur durch Streichungen zu
verändern und nichts hinzuzufügen. Nur ein Wort ist geändert."
56
Das wurde in ,,(Der) Presse am 5. Oktober 2012 bewertet mit folgenden Satz: ,,Pölsler ist da
durch seine schlichte, ungekünstelte Bildsprache näher an der Autorin dran. Er versuchte
auch keine aufdringlichen Deutungen."
57
56
THIMFilm Presseheft: Die Wand, S. 6 und S. 14. auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-
PRESSEHFT-web.pdf
57
THIMFilm Presseheft, Die Wand S. 9 auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-PRESSEHFT-
web.pdf

27
,,Der Roman hatte 276 Seiten in der Originalausgabe von Sigbert Mohn Verlag in Gütersloh
1963. Die Länge des Films ist 108 Minuten und läuft ab den 5. Oktober 2012 in den Kinos.
Und dann stellt sich die Frage, ist 108 Minuten lange oder kurz? Im Vergleich mit der durch-
schnittlichen Länge ist 108 Minuten kürzer, denn wir lesen: ,,Im Jahr 2000 lag die durch-
schnittliche Länge noch bei 129 Minuten. In der fünften Woche des deutschen Kinojahrs 2011
lag die durchschnittliche Filmlänge der Top-10 bei gerade mal 114 Minuten."
58
Das Buch hatte 276 Seiten mit viel inneren Monologen, wenig Aktion (später werde ich die-
ses Thema noch besprechen) und ganz kurz gefasst, handelt die Geschichte von einer plötz-
lich allein zurückgebliebenen Frau in einer Welt des hermetisch abgeschlossen Wald mit nur
einem Hund, einer Kuh und Katzen. Und sie muss da überleben. Da es weiter keine Personen
gibt, ist von Dialogen nicht der Rede. (Und im Film sind auch keine Dialoge erfunden und
zugefügt) Das Leben ist schwer, aber sie passt sich der Natur an. Nur am Ende tut sich ganz
unerwartet etwas Schreckliches vor, aber sie überlebt. Das ist eigentlich die Geschichte. Und
wenn man dann bedenkt, dass man die Stimme der Frau nur im Off-Kommentar-Situation
hört, kann man sich schon fragen ob 108 Minuten nicht zu lange sind um Langeweile der Zu-
schauer vorzubeugen. Dazu Folgendes: ,,Einerseits hält Pölsler sich geradezu peinlich genau
an die literarische Vorlage, anderseits hat er eine eigenwillige Bild-, aber auch Tonsprache
entwickelt, die den Film souverän für sich bestehen lässt."
59
Vielleicht ist die Quelle mit 276 Seiten und wenig Aktion und Dialog eher zu kurz als zu lang.
Denn man kann nicht sagen, dass es zuviel Story in diesem Buch gibt, die sich nicht in einem
Film packen lässt. Mit Story wird gemeint: Eine Wiedergabe von Ereignissen, die miteinander
verbunden sind. Diese Wiedergabe hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende und enthält
narrative Elemente. Es gibt einen Protagonist, eine Geschichte mit einer Entwicklung eines
Kampfes, mit Dilemmas und mit Konflikten. Es gibt einen Gegner (und Unterstützer). Die
Wiedergabe ist authentisch, persönlich und regt an zu Emotionen oder wird mit Emotion er-
zählt.
60
Denn wenn es zuviel Story gibt, wird es schwierig, dass Ganze in einem Film zu packen, weil
die Zuschauer nach einer gewissen Zeit nicht mehr in der Lage sind, zu sagen wie der Film
58
DAS ONLINE-MAGAZIN FÜR BEWEGTBILD Screen.tv NO.6 AUSGABE 06 / MÄRZ 2011 03. TREND
59
Strigl,Daniela: Die Wand ­ 39/2012, So kann eine Literaturverfilmung gelingen.
60
Vgl. Tesselaar / Scheringa, Vorlesen Handbuch, Baum 2008, zitiert nach The Story Connection, Storytelling,
de verbindende kracht van verhalen. http://www.thestoryconnection.nl/voorbeelden-2/wat-is-storytelling-wat-is-
een-verhaal.

28
anfing. In Betracht auf die Konzentrationsspanne, muss man davon ausgehen, dass eine Spiel-
zeit bis zu 110 Minuten am besten durch den Zuschauern behalten wird. (Erwachsene verfü-
gen demgegenüber schon über eine ausgeprägte Konzentrationsphase (ca.90 Minuten)
61
und
Bei Erwachsenen lässt die Konzentration spätestens nach einer Stunde nach. Schwankungen
können natürlich individuell auftreten.)
62
Natürlich ist es auch so, dass dieser Roman der in
108 Minuten verfilmt worden ist, das passt innerhalb der üblichen Fristen des Kinoabends.
(Bei einem Film wie z. B. die Schöne und das Biest von 112 Minuten für alle Altersklassen,
wird an einem Abend diesen Film 4 mal gezeigt im Kino:15.30,17.45,20.15 und 22.45)
63
Hätte der Film 200 bis 300 Minuten Laufzeit, dann wäre es nicht möglich, am gleichen Abend
mehrere Filme zu zeigen. Ein Film von 90 bis 110 Minuten kann am Abend zwei bis dreimal
laufen.
In den 276 Seiten beschreibt Marlen Haushofer die Umgebung und die Gedanken und Emoti-
onen der Frau ausführlich. Einerseits sieht man im Film die Umgebung auf den ersten Blick.
Aber die Regungen der Frau nehmen mehr Zeit im Film, als die Umgebungsszenen. Diese
Umgebungsszenen sind nur da, um ihre Regungen qua Atmosphäre zu unterstützen. Viele der
Regungen sind gedacht worden im Buch und wir uns Leser mitgeteilt anhand des Berichts,
den sie schreibt. Als Zuschauer brauchen wir Zeit, um die Mimik zu deuten. Würden die Re-
gung nicht erzählt im Off-Kommentar hören, dann könnte es viel Zeit nehmen, diese Mimik
zu bewerten. Diese Protagonistin im Film ist eine Frau, die sehr viel reflektiert über sich und
über das Leben im Wald. Ihre Mimik ist meistens nicht so ausgeprägt. Man erkennt die Be-
deutung der zugrunde liegenden Emotionen dieser Mimik nicht auf den ersten Anhieb. Man
erkennt sie nicht als gehörten sie 1:1 zu den sechs Grundemotionen wie: Freude, Trauer,
Angst, Wut, Staunen und Horror. Sie überdenkt sich und das Leben im Jetzt, und selten in der
Vergangenheit. Und vor allem das Leben im Jetzt wird erzählt im Off-Kommentar. Der Off-
Kommentar gibt uns Informationen über ihr gelebtes Leben bis jetzt. Auch sehen wir, dass sie
das alles schriftlich dokumentiert. Für die Deutung der Regungen gebraucht der Regisseur
natürlich auch Bild, Ton und Farbe. Und dies alles zusammen kann der Film uns ja bieten in
61
Regionale Schulberatungsstelle, Sich konzentrieren können, Konzentration lernen auf
http://www.schulpsychologie.de/wws/bin/455498-456010-1-konzentration_ges.pdf
62
Konzentrationsstörungen, SYMTOMAT.DE, Das Medizin-Lexicon für ihre Gesundheit auf
http://symptomat.de/Konzentrationsst%C3%B6rungen
63
Vienna online, Vienna.at, Film- und Kinosuche auf
http://apps.vienna.at/tools/kino/search.aspx?sort=cinema&exactDate=2014-05-02

29
einer Sekundes eines Augenblicks. Film ist hier ein schnellers Medium als Literatur. Also 276
Seiten des Buches reichen qua Länge um 108 Minuten Film in Bildern zu verewigen, weil der
Film nicht über Dialogen läuft, sondern über Emotionen.
Aber anderseits könnte man meinen, dass Emotionen Zeit brauchen. Man würde daher erwar-
ten, dass dieser Roman einen sehr langen Film hervorbringen würde, weil die Emotionen ei-
nen wichtigen Bestandteil der Geschichte sind. Wenn gesprochen wird, kann man innerhalb
weniger Sekunden etwas mitteilen, als wenn man es mit Bildern zeigen muss. Der Off-
Kommentar ist daher für diese Verfilmung sehr geeignet, weil die vielen Gedanken der Prota-
gonistin dadurch nicht gesagt werden von ihr, sondern erzählt werden, ohne viel Zeit der
Filmlänge dafür zu gebrauchen. ,,Der literarische Text erhält durch Martina Gedecks verhal-
ten sinnliche Erzählstimme breiten Raum, Pölsler intelligente Dramaturgie, lässt das Richtige
weg und fügt wenig hinzu, etwa einen eindrucksvollen Crash gegen die Wand
64
, als die Frau
mit dem Mercedes ihres Gastgebers auf Erkundung fährt.
65
Pölsler hat im Film die Szene mit dem Hirschherz hinzugefügt und die graue Katze hat er aus
dieser Rahmenerzählung rausgelassen. Diese Änderungen schaden den Film nicht im positi-
ven oder im negativen Sinne.
Schlussfolgerung: Die 276 Seiten des Romans sind nicht zu lang für die Verfilmung gewesen.
Dass was lang hätte werden können, hat Pölsler mit dem Off-Kommentar gelöst, und inner-
halb der Geschichte hat er nur wenig gestrichen und hinzugefügt. Der Off-Kommentar eignet
sich sehr, für die Unterstützung der Mimik einer Frau, die nicht direkt im Film spricht und
viele Emotionen verarbeiten muss. Keiner dieser Emotionen teilt sie sprachlich mit uns im
direkten Kontakt.
3.1.2 Komplexität
Komplexität bedeutet, dass die Geschichte nicht eindeutig beschrieben werden kann, auch
wenn man die vollständigen Informationen über die Einzelkomponenten und ihre Wechsel-
wirkung besitzt.
66
64
(http://www.imdb.com/title/tt1745686/: sec. 30 bis 36)
65
Strigl, Daniela: Die Wand ­ 39/2012 So kann eine Literaturverfilmung gelingen."
www.furche.at/system/downloads.php?do=file&id=2548.
66
Komplexität auf http://de.wikipedia.org/wiki/Komplexit%C3%A4t

30
Bei Komplexität muss man sich bewusst sein, dass sie sich beziehen kann auf die Geschichte
des Romans, aber auch auf die Frage, wie man die Geschichte in Bildern umsetzt. Auch der
Zuschauer kann beim Zuschauen eine Komplexität zu bewältigen haben, weil das was er er-
fährt anders als sonst ist.
In diesem Roman ist die Verkettung von Ereignissen, die auf unvorhergesehene Weise das
Schicksal der Frau verbindet, die Folgende: Sie fährt mit Freunden zum Waldhaus, die Gast-
geber gehen noch ins Dorf, spät am Abend geht sie schlafen ohne die Rückkehr der Gastgeber
abzuwarten. Am nächsten Morgen erwacht sie und entdeckt, dass sie als einziger Mensch die
Wand überlebt hat. Und dann folgt die Geschichte des Überlebens. An sich ist die Geschichte
nicht komplex, dass sie nicht auf den ersten Anhieb zu verstehen, sei.
Aber die Frage ist, wie man ein solches Geschehen, die Trennung durch die Wand, in ihrer
Totalität darstellt im Film. Pölsler hat dem Buch getreu nicht gewählt für eine mosaikartige
Darstellung. Dazu hätte man neben dem Off-Kommentar z. B. eine auktoriale Perspektive im
Film nehmen können.
Die Bilder, die dann anhand eines auktorialen Erzählers gezeigt hätten werden können, hätten
den Zuschauern den gesamten Überblick über das Geschehen gegeben. Diese Perspektive
könnte die aktuellen Handlungen kommentieren und hätte in der Figurenwelt eingreifen
können oder rein beobachtend berichten können.
Auch über die Vergangenheit und über die Zukunft hätte diese Perspektive uns berichten
können. Wie in einem Mosaik hätte diese Perspektive neben dem Off-Kommentar gesetzt
werden können. Dann hätte man die Frau auch von der anderen Seite der Wand betrachten
können. Vielleicht hätte dies zu einer Relativierung des Geschehens geführt. Jetzt bleibt man
im Film, stark verbunden mit dem Off-Kommentar. Man kommt daher nicht zu einer
Gesamtbetrachtung. Es ist schwierig, sich eine individuelle Wahrheit aufzubauen, beim
Anschauen des Films. Aber Marlen Haushofer hat, diese Struktur auch nicht angewendet in
ihrem Roman und trotzdem ist der Roman bis heute noch sehr gut lesbar.
67
In einer der Kommentare war auch die Rede davon, wie man filmisch diese unsichtbare Wand
filmisch gestalten soll. Die Wand ist ihr unsichtbarer Gegner in dem Film. Im Interview sagt
Pölsler dazu:
67
Iñárritu, Alejandro G. ,Travis, Pete Vgl. und Steiner André: Komplexität im Film, Multiperspektivisches Er-
zählen, RABBITEYE Bremen, auf, http://www.rabbiteye.de/2011/3/steiner_komplexitaet.pdf, S101 -108.

31
,,Die Wand sollte gar nicht dargestellt werden. So wenig wie möglich sollte sie physisch
vorkommen. Es muss klar sein, dass die Wand eben nicht greifbar und nicht begreifbar ist.
Bis die erste Begegnung der Frau mit der Wand taucht die Wand sichtbar im Film auf, weil
die Frau Fingerabdrücke auf der Glasscheibe hinterlässt. Nur in den Albträumen sehen wir
die Wand. Auch in den Sequenzen, in denen die Bach-Partiten (J.S. Bach Solopartie für
Violine (BWV 1001-1006)) die Erzählung fortführen, gibt es die Wand. Diese Musik wird
immer dann eingesetzt, wenn die Frau sich der Wand nähert oder sich an die Wand
herandenkt."
68
Hinter den Kulissen wurde mit einer großen Glaswand gearbeitet, die aufwendig hin und her
transportiert werden musste. Es gab eine Gruppe von Betreuern, die das Glas putzten, um.
Reflexionen zu vermeiden.
(Foto: http://orf.at/stories/2144020/2144022/)
Marina Gedeck nahm Pantomime-Unterricht, um die durchsichtige Grenze in der Luft mit
ihren Händen bestmöglichst spielen zu können .
69
68
Vgl. THIMFILM Presseheft, Die Wand, S.15. auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-
PRESSEHFT-web.pdf
69
THIMFILM Presseheft, Die Wand, S.11. auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-
PRESSEHFT-web.pdf

32
(Foto:http://www.pathe.nl/film/18091/die-wand)
(Foto:
www.google.nl/search?hl=nl&site=imghp&tbm=isch&source=hp&biw=1600&bih=805&q=die+wand+film&oq=die+wan
d+film&gs_l=img.12..0j0i24l9.1263.8184.0.10060.13.10.0.3.3.0.82.710.10.10.0...0...1ac.1.32.img..0.13.721.5of0RJFPQZU
#facrc=_&imgdii=_&imgrc=l18QkglUwhBNiM%253A%3BY4ChUwA2b12suM%3Bhttp%253A)

33
(Foto:http://www.rottentomatoes.com/m/die_wand_2012/)
Hier sieht man den Unterschied mit dem obigen Bild, das war fast Pantomime, hierunten be-
tastet sie die Glasscheibe richtig, in der Hand gibt es den Abdruck der Scheibe.
Also man kann eine durchsichtige Wand filmisch wiedergeben.
Ist es möglich, eine Geschichte zu erzählen, die komplett aus der Innenansicht besteht, wenn
es keine Dialogen gibt? Wie macht man das spannend? Wie veranschaulicht man die Kom-
plexität dieser Innenansicht? Pölsler hat für den Off-Kommentar gewählt .
Der Off-Kommentar oder auch Voice-over genannt, ist die Tonaufnahme einer Stimme, die
hier im Film über die Filmszene gelegt wurde. Aber es geht auch anders, wie Martina Gedeck
im unterstehenden Zitat erzählt: ,,In ihren Augen ist der Off-Ton eine Bereicherung ­ für den
Zuschauer, aber auch für ihr Spiel: ,,Einmal zum Beispiel liege ich im Bett und denke über
das Töten nach. Da haben wir den Text schon beim Drehen eingespielt, damit ich vom
Rhythmus her darauf eingehen kann. Jede kleine Bewegung hat mit dem Text zu tun. Es war
eine ungewöhnliche Erfahrung ­ als würde man ins Knochenmark der Schauspielerei
eindringen."
70
Also hier wurde der Off-Kommentar während des Spielens gehört von Martina
Gedeck selbst, damit sie im Rhythmus kam. Normalerweise wird der Off-Kommentar im
Studio hinterher zum Film hinzugefügt.
70
Benedict, Daniel: ,,Im Knochenmark der Schauspielerei" Martina Gedeck und Regisseur Julian Pölsler spre-
chen über ihre Haushofer-Verfilmung ,,Die Wand". In: Osnabrücker Zeitung, a, 10.10.2012.

34
Diese Off-Kommentarstimme befindet sich außerhalb der Filmszene. Und heißt daher non-
diegetischer Ton, denn der Ton ist unsichtbar und gehört zur narrativen Zeit und dem narrati-
ven Raum.
108 Minuten Film nur im Off-Kommentar kann natürlich langweilig werden, vor allem wenn
die Geschichte zum Nachdenken anregen soll bei den Zuschauern im Sinne von ,,Was wäre
wenn ich..." . Pölsler hat bewusst gewählt für den Off-Kommentar, damit sich eine Art Stille
ergibt. Diese Stille macht es möglich zu erfahren, dass die Frau auf der Leinwand nicht mit
jemanden reden kann, weil es niemanden mehr gibt, außer ihr. Damit wird das Sehen dieser
Geschichte für den Zuschauer kompliziert, denn wann im realen Leben ist man jemals ganz
alleine auf der Welt? Diese kreierte Stille kann den Zuschauern helfen, mithilfe des Voice-
overs auch mit der eigenen inneren Stimme diesen Film zu erleben. ,,Am liebsten hätte ich
neben dem Off-Kommentar und den Bach-Partiten noch einer dritten Form der Sprache im
Film mehr Raum gegeben: Der Stille in der Natur."
71
, damit wird deutlich, dass dieser Stille
wichtig für den Film ist.
Dieser Off-Kommentar ist ein Mehrwert für die Übertragung der Komplexität der Geschichte,
denn die Geschichte fasziniert weiterhin immer noch. Auch nachdem man den Film gesehen
hat. Man bleibt darüber nachdenken, wie man selbst reagieren würde. Diese Komplexität des
Fragens wie man selbst damit klarkommen würde, wird erreicht für die Zuschauer, die sich
mit dieser nicht leichtfertigen Materie auseinandersetzen wollen.
,,Natürlich ist ,,Die Wand" nichts für Plotsüchtige, aber wer sich darauf einlässt, dem
verschafft dieser Film ein Seherlebnis von nachhaltiger Wirkung, das sich einen festen
Platz im filmischen Gedächtnis erarbeitet."
72
Noch eine Bemerkung zur Komplexität ist die Menge an Interpretationsmöglichkeiten des
Romans. Wie wird man dem im Kino gerecht?
,,Die Wand wird im Film als unsichtbare Grenze gezeigt, hält aber all die
Interpretationsmöglichkeiten bereit, die auch der Roman bietet. Wie das Buch ist auch
der Film offen für ein individuelles Erleben der Geschichte"
73
71
THIMFILM Presseheft Die Wand, S. 14. auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-
PRESSEHFT-web.pdf
72
Zeit Online Film und Tv auf http://www.zeit.de/kultur/film/2012-10/film-die-wand am 11. Oktober 2012.
73
THIMFIM Presseheft Die Wand, S.9. auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-PRESSEHFT-
web.pdf

35
Interpretationsmöglichkeiten sind persönlich. Zum Beispiel im Interview mit Martina Gedeck,
sagt sie: ,,Ich habe die Wand immer als Rettung gesehen. Die Wand ist kein schönes Ereignis,
aber es hilft der Frau, zum Leben zurückzukommen, und das ist notwendig, weil sie vorher
nicht glücklich war. Die Wand steht für mich für eine tiefe Krise, eine Depression, eine
Krankheit oder ähnliches ­ also auch für eine Chance, sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Prioritäten zu setzen und eine neue Lebendigkeit zu finden. Dann wird die eigentliche Beru-
fung sichtbar, die man zuvor vielleicht nicht wahrgenommen hat."
74
Schon seit 1963 gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten (wie schon eher angegeben) in
der Rezeption des Buches. Und da die Geschichte an sich nicht wesentlich geändert hat, könn-
te man annehmen, dass diese Rezeptionsmöglichkeiten für jeden auch noch im Film anwesend
sind. Wie auch immer man die Geschichte interpretiert, es handelt sich immer um eine Gren-
zerfahrung. ,,Diese fährt stellenweise auf dem Gleis eines sensiblen Horrorfilmes, im Hinter-
grund die Frage, wo fängt der Mensch an, wo hört er auf. ,,
75
Und vor allem diese Frage, wo der Mensch anfängt und wo er aufhört, ist eine komplexe Fra-
ge, womit sich der Leser des Buches und der Zuschauer des Films auseinandersetzen können
und angeregt werden zu tun. Und es ist nicht einfach für die Betrachter des Films sich in einer
Situation einzuleben, wobei nur das Eigene Ich existiert. Nicht jeder Leser oder Zuschauer
kennt sich aus oder hat jemals über Solipsismus nachgedacht. Eine Situation worin nur das
Eigene Ich existiert.
Schlussfolgerung: Auch ein Buch mit einer Rahmenerzählung worin ein Bericht geschrieben
wird, kann man in einen Film mit vielen Gedanken und Reflexionen ohne Dialog umsetzen.
3.1.3 Umfassendheit
Zu diesem Begriff kann man stellen, dass die Geschichte des Buches an sich nicht zum Bers-
ten voll ist mit allerhand Informationen. Es gibt nicht hunderten von Figuren in einer unbe-
stimmten Zeitspanne oder in einem unbestimmten Raum. Die Storylinie wird niemals abrupt
abgebrochen um sie dann später wieder weiterzuführen oder gar nicht mehr zu gebrauchen.
Auch kennzeichnet sich diese Geschichte im Buch nicht durch allerhand Episoden, die
74
THIMFIM Presseheft Die Wand, S.18.
75
Vgl. Stefe: Die Wand. In: Filmjournalisten.de It's flied lice,you pick! Allgemein, Film, Review auf
http://www.filmjournalisten.de/2012/10/11/die-wand/ am 11. Oktober 2012.

36
scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Man braucht als Leser nicht allerlei paranoide
Verbindungen zu ziehen zwischen Informationen, die in der Geschichte anwesend sind.
Da Pölsler dem Buch sehr getreu geblieben ist, kann man nicht sagen, dass der Film nicht
imstande war den Umfang der Geschichte filmisch wiederzugeben. An sich ist es die Ge-
schichte einer Frau die alleine im Wald zurückbleibt und da versucht zu überleben. Wir blei-
ben als Zuschauer fokussiert auf einer Person und ihrem Innenleben. Der Roman ist eher eine
Vorlage, die sehr beschränkt ist, weil es wenige Personen, wenig Aktion und wenige Dialoge
gibt. Man könnte daher meinen, dass dieser Roman als Vorlage eines Films niemals zu ge-
brauchen wäre. Aber die Frage ist wahrscheinlich, nicht wie viel Umfassendheit es zu verfil-
men, gibt, sondern wie man das was vorhanden ist verfilmen kann. ,,A pichtable concept
should be brief, clear, original, and commerical. The concept also has to be intriguing,
compelling, attractive."
76
Also es soll kurz, deutlich, original und kommerziell sein. Außer-
dem soll es faszinierend, zwingend (um es sehen zu wollen) und attraktiv sein. Es geht also
nicht um die Quantität, sondern um die Qualität der Vorlage. Kurz ist die Geschichte, was die
Frau erlebt ist deutlich, wie es erlebt ist, ist schwieriger zu verfilmen. Hier liegt die Heraus-
forderung bei dem Regisseur, in diesem Fall Julian R. Pölsler. Original, kann man die Ge-
schichte schon nennen, denn sonst hätte das Buch niemals den 40. Platz der meist beliebten
Deutschen Romane bekommen. Kommerziell bedeutet geschäftlich, den Handel betreffend
und auf Gewinn bedacht. Weiterhin kommt diese Studie noch auf die kommerzielle Eigen-
schaft dieses Stoffes. Wie gesagt zu Umfassendheit: ,,c'est le ton qui fait la musique", gilt hier
für den Film nicht was man verfilmt, sondern wie man es verfilmt, ist entscheidend.
3.1.4 Schichtung
Literatur kann man auf verschiedenen Ebenen lesen. Schon seit dem Mittelalter gab es viele
Geschichten, die nur von einer Person handelten. Oft war die Geschichte an sich die gleiche
Geschichte. Annehmbar ist es, dass die Leser von damals, nicht nur das Lesen an sich schätz-
te. Sondern, dass die Interpretation dem Leser auch viel Vergnügen bereitete, weil die Ge-
schichte mehrere Schichten kannte, die beitrugen zur tieferen Bedeutung. Es war die Kraft des
Romans, dass man sie auf mehrere Niveaus lesen konnte.
77
76
Marlow, John Robert: Mae your story a movie, Adapting your book or idea for Hollywood. St. Martin's Grif-
fin, December 2012 S. 45
77
Diese Einteilung war zu finden auf http://nl.wikipedia.org/wiki/Middeleeuwse_literatuur.

37
A. Die erste Schichte wird auch littera gesta docet genannt und bezieht sich auf die wörtliche
Geschichte. Erwähnt war schon, dass diese Geschichte handelt von einer Frau, die alleine im
Wald zurückbleibt und da versucht zu überleben.
B. Die zweite Schicht ist die der Allegorie: die Ereignisse in der Geschichte gelten für andere
Ereignissen innerhalb und außerhalb des Romans. Hier kann man denken an die Interpretati-
onsmöglichkeiten, die diese Geschichte mit sich mitbringt. Es ist abhängig von dem Weltwis-
sen des Lesers wie er den Roman verbindet mit der Außenwelt.
C. Die dritte Schicht betrifft die moralischen Konsequenzen des Textes. In wie weit hält der
Text dem Publikum einen Spiegel vor, ist hier gemeint. Oft betrifft es moralisches Verhalten
der Menschen.
D. Die vierte Schicht würde dem Leser angeben wo er die Aufmerksamkeit auf richten sollte.
,,Die Hoffnung" die der Roman bringt.
Eine andere Annäherung des Begriffes Schichtung ist ein wenig anders. Die genannten
Schichten sind:
E. Die Schicht der Wirklichkeit, das was eigentlich geschieht.
F. Die Schicht der Wahrnehmung, das was wir mit den Sinnen registrieren.
G. Die Schicht der Interpretation, das wie wir in einer Geschichte deuten.
H. Die Schicht der Dialoge, das was gesagt wird.
I. Die Schicht der Handlung, das was getan wird.
78
Alle Schichten des Romans in Bezug auf den Film werden die Revue passieren.
3.1.4. A Die Ebenen der Wirklichkeit
Auf der Ebenen der Wirklichkeit, die wörtliche Geschichte blieb die Geschichte des Buches
im Film fast getreu. Im Buch gibt es eine Rahmenerzählung und auch Pölsler hat nichts daran
geändert. Pölsler hat nur die Szene mit dem Hirschherz und mit dem Mercedes, der gegen die
Wand prallte hinzugefügt. Eine junge Katze aus dem Buch, der Bruder von Perl, hat er
gestrichen. Er hat die Geschichte nicht in die Welt der Anfang 60-er Jahren versetzt, sondern
die Geschichte wirkt eher moderner. Aber der Kern der Geschichte ist gleich geblieben in der
78
Vgl.: http://www.korteverhalenschrijven.nl/2010/08/20/de-geheime-kracht-van-botsende-verhaallagen/.

38
Verfilmung. Auf die Frage :"Wenn Authentizität eine so große Rolle spielt, warum spielt der
Film nicht in den sechziger Jahren? ,,, antwortete Julian Pölsler: Dazu gab es heftige
Diskussionen. Der Mercedes ist ein Modell aus den Sechziger/Siebzigerjahren. Ich habe
versucht, einen zeitlosen Film zu machen, weil ich glaube, dass die Thematik an keine Zeit
gebunden ist. Bedrohung ist immer präsent und auch die Vereinsamung ist ein ewig gültiges
Thema."
79
3.1.4. B Die Schicht der Allegorie
Die Schicht der Allegorie wurde bei der Verfilmung nicht geändert. Eine Allegorie bedeutet
eine symbolische Darstellung eines abstrakten Begriffs durch etwas Konkretes, die diesen
Begriff gut verkörpert. Im Buch und im Film gibt es die Geschichte der weißen Krähe, die
ausgeschlossen wird von den anderen schwarzen Krähen. Diese weiße Krähe ist daher immer
der Letzte, der etwas zu essen bekommt oder suchen darf. Die Protagonistin hat Mitleid mit
diesem Außenseiter/ Ausgeschlossenen. Sie füttert ihn ständig. Die drei letzten Sätze des
Buches beschreiben: ,,Die Krähen haben sich erhoben und kreisen schreiend über dem Wald.
Wenn sie nicht mehr zu sehen sind, werde ich auf die Lichtung gehen und die weiße Krähe
füttern. Sie wartet schon auf mich." Mit diesem Bild der weißen Krähe wird die Position der
Außenseiter der Protagonistin symbolisiert. Denn auch im Leben vor der Wand, nahm sie
nicht wirklich teil am Leben. Bemerkenswert ist auch, dass sie fast nie an ihre Kinder denkt.
Die Protagonistin identifiziert sich mit dieser weißen Krähe. Sie fühlt sich diesen Outlaws der
Tierwelt verbunden. Es ist die Frage ob die weiße Krähe, wie die Protagonistin überlebt.
Man kann dieses Symbol auch interpretieren als eine in Fragestellung der alten Ordnung der
Gesellschaft. Die weiße Krähe wird im Buch besprochen und auch im Film gezeigt.
Ein anderes Bild ist: ,,Ein schneeweiß und rötlich schimmerndes Hirschherz hängt steif
gefroren im offenen Fenster des Jagdhauses, dahinter tiefe ,,kosmische" Schwärze."
80
Das ist ein Bild für das einsame Herz der Protagonistin, das sich ganz alleine in der Welt
befindet, ohne Wärme zu spüren, von anderen Herzen.
79
Schiefer, Karin: JULIAN R. PÖLSLER: DIE WAND ­ INTERVIEW, november 2011.
80
Petsch, Barbara:"Die Wand": Die Waldfrau und ihr Hund. In: Die Presse.com, Kultur Film Filmkritik auf
http://diepresse.com/home/kultur/film/filmkritik/1297661/Die-Wand_Die-Waldfrau-und-ihr-Hund am
04.10.2012.

39
Wenn sie die Kartoffel geerntet hat und danach ein für sie köstliches Essen gegessen hat und
danach in Schlaf fällt am Esstisch, träumt sie von einer Wanderung im Wald wo sie plötzlich
einen kahlen Baum mit Frauenkleidern sieht.
(Foto: http://www.imdb.com/title/tt1745686/ auf 1.33 Sekunden),
Das Bild des kahlen Baumes mit Frauenkleidern erinnert an die Fieberbäume des
Volksglaubens, der sagt dass, wenn ein Stück Stoff eines Kleides eines Fieberpatienten an
einen besonderen Baum gebunden ist, dieser Baum dafür sorgt, dass das Fieber abnimmt. Ist
Fieber hier zu verstehen als wirkliches Fieber, hat sie eine Halluzination? Es ist wirklich die
Frage ob die Frau hier im Film diesen Baum wirklich wahrnimmt oder nur in ihrem Traum
oder in ihrer Fantasie. Ist es eine Hallunization, die ausgelöst würde durch eine gute
Mahlzeit? Oder steht dieser Baum für all die Verstorbenen, für die Menschen, die ihr nah
waren? Wozu dieses Bild auch immer dient im Film, es bietet uns die Möglichkeit sie
persönlich zu interpretieren.
Ein anderes Bild, dass die Fantasie anregt, ist wenn die Frau einen Fuchs am Bach stehen und
trinken sieht. Das Tier war im graubraunen Winterpelz mit dem weißlichen Reif darüber. In
der schläfrigen Stille der Schneelandschaft sah er sehr lebendig aus, meint die Frau. Sie hätte
ihn schießen können, sie trug das Gewehr bei sich, aber sie tat es nicht.

40
(Foto: http://www.imdb.com/title/tt1745686/ auf 1.26 Sekunden)
Und dann überlegt die Frau diese Entscheidung mit:
,,Perle musste sterben, weil einer ihrer Vorfahren eine überzüchtete Angorakatze war.
Sie war von Anfang als Opfer für Füchse, Eulen und Marder bestimmt. Sollte ich
dafür den schönen lebendigen Fuchs bestrafen? Sollte ich dafür den lebendigen Fuchs
bestrafen? ... Das einzige Wesen im Wald, das wirklich recht und unrecht tun kann,
bin ich. Und nur ich kann Genade üben. ... Wenn ich ,,Winter"denke, sehe ich immer
den weißbereiften Fuchs am verschneiten Bach stehen. Ein einsames, erwachsenes
Tier, das seinen vorgezeichneten Weg geht. Es ist mir dann, als bedeute dieses Bild
etwas Wichtiges für mich, als stehe es nur als Zeichen für etwas anderes, aber ich
kann seinen Sinn nicht erkennen."
81
Würde man versuchen dieses Bild zu interpretieren, dann kommen Wörter wie
Fruchtbarkeitssymbol (Dionysos, der griechische Gott der Fruchtbarkeit und der Ektase, trat
im Fuchspelz auf), Wetterdämon (Gewitter wird angedeutet in Schlesien z.B. ,,der Fuchs
braut", oder damit ein teufelisches Wesen gemeint (seine feuerrote Farbe als Symbol für den
Teufel).
82
Wahrscheinlicher ist es, dass mit diesem Bild, das Leben in einer verschneiten Landschaft,
ihre Position im Wald symbolisiert. Auch symbolisiert es ihre Position als Mensch mit
Gewehr. Sie kann töten, was sie nur will, ohne das es notwendig ist. Also wenn sie Lust dazu
81
Haushofer, Marlen: Die Wand, S. 96. Ernst Klett Verlag, Stuttgart ­ Leipzig 2008.
82
Vgl. http://www.waldwissen.net/wald/tiere/saeuger/wsl_raubtiere_mythologie/index_DE.

41
gehabt hätte, den Fuchs zu töten als Strafe für den Tod von Perle, dann hätte sie das tun
können. Das Töten ums Töten.
Pölsler hat noch ein sehr bekanntes und gekennzeichnetes Bild in seiner Verfilmung
verarbeitet. Das Bild unten, gleicht dem Gemälde von Casper David Friedrich.
Martina Gedeck als eine unfreiwillige Einsiedlerin auf der Alm.
Foto: http://orf.at/stories/2144020/2144022/)
Der Wanderer über dem Nebelmeer von Casper David
Friedrich1818 (Foto:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b9/C
aspar_David_Friedrich_-
_Wanderer_above_the_sea_of_fog.jpg
Diese Szene beinhaltet der einsame Mensch, der fast verloren wirkt bei der Betrachtung der
Natur. Hier wird die Allegorie gebraucht als Bild der unüberschreitbaren Grenze. Es
symbolisiert der tiefe Abgrund, der die Rückenfigur von der ihm vorliegenden Landschaft
trennt. Das Pölsler diese Filmszene eingebaut hat in seinem Film, kann kein Zufall sein. Auch
die Frau ist hier, wie der Mann auf dem Gemälde, so positioniert, dass sie den Fluchtpunkt
verdeckt. Dadurch werden wir als Betrachter neugierig nach dem, was sie sehen können und
wir nicht. Die Natur dient hier als Projektionsfläche für Empfindungen des Betrachters. Die
Weite und die Unendlichkeit sind Elemente der Sichtweite des Figurs, den wir wieder
betrachten. Wir können sie nicht im Gesicht sehen, was sie empfinden. Wir müssen dieses
Bild eher symbolisch interpretieren, als dass das Bild uns eindeutig bekannt macht mit den
Emotionen der Figuren. Außerdem sehen wir die Figuren auf die Rückseite, und wir können
daher nicht die Figuren die Emotionen aus dem Gesicht lesen. Wir als Betrachter fragen uns

42
anlässlich des Bildes: Ist es die Sehnsucht nach Erfüllung des einsamen Menschen? Ist diese
Figur sich der Unendlichkeit der Natur oder des Gottes bewusst? Dieses Rückenbild ist ein
Bild des Erhabenen, als Kombination einerseits von etwas Schrecklichem,
Atembenehmendem und anderseits von etwas Wunderbarem, dass verblendend schön ist.
Ist diese Verfilmung zu sehen als eine Allegorie einer Psychose?
,,Regisseur Pölsler hält sich jedoch sehr eng an die düster-zivilisationskritsche
Vorlage von 1963 und verzichtet darauf, die Geschichte mit Genre-Versaztstücken
aufzupeppen. Vielmehr konzentriert er sich darauf, die existenzielle Einsamkeit der
Protagonistin greifbar zu machen. Schon damals wurde Haushofers Schilderung als
Allegorie einer Psychose gelesen. Die Tagebucheinträge der namenlosen Frau
dokumentieren einen nahezu aussichtslosen Kampf um Lebensinn und geistige
Gesundheit, in dem ihre letzten sozialen Bezugspunkte ein Hund, eine Katze und eine
Kuh sind."
83
Eine Allegorie einer Psychose meint hieroben also Robert Cherkowski. Das stimmt sehr
überein mit dem, was Julian Pölsler in einem Interview sagt:
,,Ich habe versucht, diese Frau, dem, was Marlen Haushofer vorgibt, nachzuzeichnen.
Ich wollte so detailgetreu wie möglich sein. Das reicht bis zur Fellfarbe und der Rasse
des Hundes. Bei der Frau ist es ebenso. Ich habe mit dem Autor und Psychiater
Paulus Hochgatterer gesprochen, der meint, dieses Buch sei die exakte Beschreibung
einer Depression. Ich glaube auch, dass diese Frau schwer depressiv ist, aber nicht
nur. Sie versucht, indem sie sich von den Menschen zunächst entfernt und dann
entfremdet, eine neue Welt für sich zu öffnen."
84
Ob der Filmzuschauer die Allegorien entdeckt, hängt stark zusammen mit seinem
Leseerfahrungen
und/oder
Filmseherfahrungen.
Der
Kinogänger
muss
die
Verweiszusammenhänge erkennen, will er mitbekommen, dass es sich hier um eine Allegorie
handelt. Er muss seinen kulturellen Kontext kennen, das Erkennen und deuten können der
Allegorie vertieft die Geschichte für den Filmzuschauer. Aber ist man unbekannt mit dieser
Art der Vertiefung durch die Allegorie, dann ergibt sich eine Betrachtung ,,wobei für einen
83
Cherkowski, Robert:Die Wand Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Die Wand auf
http://www.filmstarts.de/kritiken/190949/kritik.html, ohne Datumangabe.
84
Scheifer, Karin: JULIAN R. PÖLSLER: DIE WAND ­ INTERVIEW MIT Karin Schiefer in AFC, Austrian
Film Commission in November 2011 auf http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=dereserve-
mode=activecontent-id=1164272180506tid=1322552865054artikel_id=1322552864766) in November
2011.

43
Betrachter, der mit den geistigen oder historischen Zusammenhängen aus denen heraus sie
geschaffen wurden nicht vertraut ist,(dass) der Sinn manchmal unentdeckt bleibt."
85
Allegorien dienen dazu, erhabenen Wahrheiten zu verbergen, damit der Betrachter gereizt
wird, sich diese Bedeutung heraus zu definieren. Und dabei hat der Leser des Buches von
Marlen Haushofer und Filmbesucher es einfacher, als der Kinogänger, der unbekannt ist mit
dem Roman, weil Pölsler nicht versucht hat, die Geschichte zu steuern in die eine oder andere
Richtung, die nicht übereinstimmten mit der Geschichte die Marlen Haushofer im Jahre 1963
schrieb. Auch der Buchleser ohne Kenntnisse der Allegorien, wird dieses Buch lesen und
verstehen können ohne die allegorische Vertiefung. In dem Sinne gleicht er den Kinogänger
ohne allegorische Vertiefung.
3.1.4. C Die moralische Schicht
Die moralische Schicht kann im Film angedeutet werden oder in der Rezeption des
Zuschauers so verstanden werden. Pölsler hat im Film keine aufdringlichen Deutungen
hergestellt mit seiner schlichten, ungekünstelten Bildsprache. Nur einmal in der Szene des
Hirschherzens, wo er ein schneeweiß und rötlich schimmerndes Hirschherz steif gefroren im
offenen Fenster des Jagdhauses hängt, dahinter tiefe ,,kosmische"Schwärze, kann man diese
Szene deuten als Bild für das Herz, dass kalt und tot ist und das Ende der Zivilisation angibt.
Daneben hat Pölsler nirgendwo die Hauptperson etwas anders machen lassen als im Buch
stand. Was sie sagte und/oder schrieb auf den Zettelchen, ist auch alles verfilmt worden. Auch
da ist es also nicht der Film, der Moral predigt. Immer ist es der Zuschauer, der bestimmt wie
er diesen Film (eventuell aufgrund des Romans) moralisch interpretiert.
3.1.4. D Die Aufmerksamkeitsrichtende Schicht
Die vierte Schicht würde dem Leser angeben, wo er die Aufmerksamkeit auf richten soll,
hängt vor allem zusammen mit dem Ende der Geschichte:
,,Jetzt bin ich ganz ruhig. Ich sehe ein kleines Stück weiter. Ich sehe, dass dies noch
nicht das Ende ist. Alles geht weiter. ... ,aber etwas Neues kommt heran, und ich kann
mich ihm nicht entziehen. Wenn die Zeit ohne Feuer und ohne Munition kommen wird,
werde ich mich mit ihr befassen und einen Ausweg suchen. ... Die Erinnerung, die
Trauer und die Furcht werden bleiben und die schwere Arbeit, solange ich lebe."
85
Definition Allegorie. Europa auf http://www.univie.ac.at/hypertextcreator/europa/site/browse.php?artiid=2124
arttp=.

44
steht im vorletzten Absatz des Buches zu lesen. Es ist eine Art Beruhigung, die hier spricht,
sie hat die Situation akzeptiert und widersetzt sich nicht mehr. Es ist abhängig vom Leser und
vom Zuschauer, wie er die Wörter ,,ohne Feuer und ohne Munition" begreift. Sieht er es als
der Himmel, als das Leben nach dem Tode, als eine Welt ohne Naturgewalt und Krieg? Dies
ist wichtig für die Anerkennung, wie er ,,Die Hoffnung" des Romans verstehen soll. Sowohl
das Buch als der Film bieten für jeden etwas nach seinem Geschmack.
3.1.4. E Die Schicht der Wirklichkeit,
Die Schicht der Wirklichkeit, dass was eigentlich geschieht im Film. Eine Frau bleibt isoliert
im Wald, und lebt ihr Leben weiter in dieser Isolierung hinter der Wand.
3.1.4. F Die Schicht der Wahrnehmung
Die Schicht der Wahrnehmung kennzeichnet sich dadurch, Informations- gewinn durch
Umwelt- und Körperreize. Dabei wird unterschieden zwischen der inneren
(Körperwahrnehmung) und der äußeren (Umwelt-)Wahrnehmung
86
. Dieses Wahrnehmen
geschieht visuell, über das Sehen, und auditiv, über das Hören und taktil über das Berühren,
Greifen und Umfassen.
87
Die letzte Art, wird wahrscheinlich nicht zuständig sein während des
Sehens des Films. Das Sehen und Hören wohl. Aber wie wir diese Welt des Films
wahrnehmen, hängt davon ab, wie unser Gehirn diese Informationen verarbeitet und
interpretiert. Visuelle Wahrnehmungen beeinflussen Gefühle, Erinnerungen und Erwartungen.
Dieser Prozess geht meistens unbewusst.
88
Kurzgefasst, das was man wahrnimmt während
des Sehens des Films, hängt zusammen mit den eigenen Gefühlen, Erinnerungen und
Erwartungen. Die Frage ist, kann man das, was man sieht, verstehen, deuten, irgendwo
anhängen? Die Geschichte des Films hat es nötig zu ankern, sonst ist es bedeutungslos.
3.1.4. G Die Schicht der Interpretation
Die Schicht der Interpretation, dass wie wir in einer Geschichte deuten.
Wir interpretieren, weil wir besser begreifen wollen. Wir wollen hinter der Bedeutung
gelangen. Wie man interpretiert, hängt damit zusammen, wie man die Geschichte des Films
86
Autor unbekannt: Wahrnehmung ­ Referat auf http://www.lerntippsammlung.de/Wahrnehmung.html
87
Autor unbekann: Wahrnehmung Was heisst das genau? Auf http://wahrnehmung.ch/definitionswahrnehmung.
88
Vgl. Autor unbekannt: Gehirn und selektive Wahrnehmung auf SAT3 auf
http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/169982/index.html.

45
betrachtet. Danach ordnet man zu den Film eine Bedeutung hinsichtlich des Lebens in der
realen Welt. Diese Zuordnung erklärt man sich selbst. Und dann ergibt sich eine Meinung
über die Geschichte des Films, die wahrgenommen ist.
89
Und diese Meinung basiert sich auf die Verankerung in allem, was man schon alles mal
gesehen, gehört, gefühlt und erfahren hat.
3.1.4. H Die Schicht der Dialoge
Die Schicht der Dialoge ist fast 1:1 übersetzt worden im Film. Denn von einem wirklichen
Dialog zwischen zwei oder mehr Leuten ist hier nicht die Rede. Eher spricht sie mit sich
selber anhand von Berichten, die sie notiert. ,,Ich schreibe nicht aus Freude am Schreiben; es
hat sich eben so für mich ergeben, dass ich schreiben muss, wenn ich nicht den Verstand
verlieren will.", lest man im zweiten Absatz des Buches. Wir müssen als Leser und als
Zuschauer nicht raten, warum sie mit sich selbst spricht. Sie erzählt es uns. Hier gibt es keinen
Doppelboden. Also das Buch wird nicht mit mehr oder weniger Schichten des Dialogs
verfilmt.
3.1.4. I Die Schicht der Handlung
Die Schicht der Handlung, ist nicht 1:1 hundert Prozent identisch, aber in der Geist der
Geschichte schon identisch. Nur die Szene mit dem geprallten Mercedes gegen die Wand, hat
Pölsler hinzugefügt. In einer Rezension wird diese Szene wie folgt umschrieben: ,,...und fügt
wenig hinzu, etwa einen eindrucksvollen Crash gegen die Wand, als die Frau mit dem
Mercedes ihres Gastgebers auf Erkundigung fährt."
90
Warum die Handlung nicht authentisch in den sechziger Jahren verfilmt worden ist, sagte
Julian Pölsler:
,,Dazu gab es heftige Diskussionen. Der Mercedes ist ein Modell aus den sechziger-
/Siebzigerjahren. Ich habe versucht, einen zeitlosen Film zu machen, weil ich glaube,
dass die Thematik an keine Zeit gebunden ist. Bedrohung ist immer präsent und auch
die Vereinsamung ist ein ewig gültiges Thema."
91
89
Betekenis interpretatie auf http://www.betekenis-definitie.nl/interpretatie.
90
Strigl,Daniela: Die Wand ­ 39/2012, So kann eine Literaturverfilmung gelingen.
91
Scheifer, Karin: Julian R. Pölsler Interview mit AFC, Austrian Film Commission in November 2011.

46
Da Pölsler eine zeitlose Thematik übersetzen wollte im Film, gilt auch für die Schicht der
Handlung, dass der Zuschauer des Films sich nicht betrogen fühlt, wenn er das Buch kennt.
Denn Bedrohung und Vereinsamung gilt für alle Zeit. Die Handlung wird durch das Medium
Film nicht gefährdet, denn obgleich nicht jede Episode aus dem Roman verfilmt wurde, ist die
Dauer der erzählten Zeit im Film und im Buch dieselbe. Auch die Chronologie der Handlung
wird im Wesentlichen in den Film übernommen. In dem Film wird diese Handlung auch aus
der Rahmenhandlung heraus erzählt, so wie es auch im Buch geschieht. Auch die
Vorwegnahme des Todes von Luchs, der Hund, hat Pölsler dem Buch entnommen und in dem
Film wiedergegeben.
In Bezug auf Schichtung im Film, kann man konkludieren, dass Pölsler auch hier dem Roman
treu geblieben ist und dass, die Geschichte an sich gut verfilmt werden konnte. Leute können
sich diesen Film ansehen, ohne die Schichten zu sehen, sie gehen dann nicht in die Tiefe der
Geschichte, aber verstehen diesen Film eher in einer oberflächlichen Weise. Diese Art des
Filmsehens erinnert an das erste oder zweite Leseniveau von Theo Witte, die er entwickelt hat
für das literarische Lesen.
http://www.lezenvoordelijst.nl/documents/niveausuitgebreid.pdf
92
Vergleicht man es mit diesen Lesenschichten von Theo Witte, dann ist sich diesen Film kon-
zentriert und aktiv ansehen und danach deuten mit allen Schichten verbunden mit dem Niveau
92
Erklärung S. 14 bis S. 16 in UNIVERSITEIT UTRECHT FACULTEIT GEESTESWETENSCHAPPEN DUITSE TAAL EN
CULTUUR: EDUCATIE EN COMMUNICATIE MA THESIS "DUITSE TAAL EN CULTUUR: EDUCATIE EN
COMMUNICATIE" (EDUCATIONAL MASTER) BEGLEITER: DR. E. W. VAN DER KNAAP ZWEITER GUTACHTER: DR.
STEFAN SUDHOFF Literarische Kompetenz ­ ein sprachübergreifendes Phänomen? Eine empirische Untersuchung über
die potenzielle Übertragung der muttersprachlichen literarischen Kompetenz in die L2 Vorgelegt von: Deniz Altinay-Sezen
Matrikelnummer: 4042875 6/26/2014)

47
5. Hierfür benötigt man einen literarischen Lesart oder Sehart. Der Betrachter erreicht so Fol-
gendes: Er kann:
· sich in der Stil und in dem Thema des Autors vertiefen
· in die historische Bedeutung abtauchen
· aufmerksam auf den kulturellen Kontext werden
Die oberflächliche Weise des Filmsehens konzentriert sich auf das Grundverständnis des In-
halts und die Realisierung von dem Verstehen des Inhalts als erfolgreiche Erfahrung.
93
Der Film von Julian R. Pölsler ist also nicht zu geschichtet, dass man das als nicht so weit
literarisch entwickelte Person nicht verstehen könnte. Es fehlt einem dann an Vertiefung, aber
trotzdem versteht man die Geschichte an sich: Es bleibt eine Frau im Wald am Leben und sie
versucht mit den Tieren zu überleben. Sich schreibt einen Bericht darüber.
93
Theo Witte / Universitair Onderwijscentrum Groningen / Rijksuniversiteit Groningen Zes literaire
competentieprofielen voor de Tweede Fase auf
https://translate.google.nl/?hl=nl#nl/de/oppervlakkige%20manier%0A%0Aop%20een%20manier%0A%0Adoet
%20denken%20aan%20de%206%20leesniveaus%0A%0A%E2%80%A2%20verdiepen%20in%20stijl%20en%.

48
Kapitel 4 Das Thema des Buches wäre unverfilmbar.
Stimmt das?
Ein Thema ist der zentrale Grund- und Leitgedanke des Romans. Es handelt davon, was das
Buch abstrakt vermitteln soll. Das Thema beantwortet die Frage, worum es in Wirklichkeit
geht, für welchen geistigen Konflikt in der wirklichen Welt der Plot steht. Plot (auch
Wendepunkt genannt) im Film hat die Aufgabe, die Geschichte voranzutreiben und die
Spannung zu halten. Das Thema wird unterstützt von Motiven, den Bewegungsgründen.
94
Aber was ist hier das Thema oder sind die Themen? In allem, was diente als Studienmaterial
für diese Studie, wurden die Themen der Geschichte ,,Die Wand" wie folgt benannt:
Einsamkeit, Angst, Verzweiflung, Depression, Natur, Kultur, Zivilisation, Gesellschaftskritik,
Feminismus, Emanzipation und Selbstfindung.
Hier folgen noch einige Zitate in Bezug auf das Thema, worin es auch viele Wörter zur Be-
schreibung des Themas gibt, aber auch die sind eher Interpretationen, als das sie das Thema
beschreiben.
,,Wat de diepere betekenis van de muur is, of de vrouw in haar afgesneden part van de
werkelijkheid verloren is of juist zichzelf herontdekt, mag de toeschouwer zelf bepalen.
Wanneer in de allereerste scène het liedje 'Freedom is a journey' uit de luidsprekers
van de Mercedes schalt, is dat zo ongeveer de enige thematische toespeling die Pölsler
zich permitteert."
95
Hier tut der Rezensent als sei der Film total ohne Leitgedanke angefertigt worden.
,,Vielmehr haben wir es mit einem quasi in Romanform gegossenen Aufschrei der See-
le zu tun. Auch Bildermacher (vgl. Much, Picasso) haben ähnliche Themen
künstlerisch umgesetzt und gemalt, wie sie uns nicht eben täglich in der Realität
begegnen. ... Und Schriftsteller haben natürlich genau wie alle anderen Künstler das
Recht der Verfremdung und Irrationalisierung (Kafka lässt grüßen!). ,,
96
94
http://synonyme.woxikon.de/synonyme/leitgedanke.php und http://www.encyclo.nl/begrip/THEMA und
http://www.duden.de/rechtschreibung/Leitgedanke
95
Toma, Kevin: Die Wand DOOR DIE WAND VOEL JE HOE HET IS OM ALS ALLERLAATSTE MENS
OP AARDE NAAR DE STERREN TE KIJKEN. In: De Volkskrant am 13 Juni 2013.
96
Puschmann, Helmut: Marlen Haushofer: Die Wand auf http://www.dr-
puschmann.de/de/literatur/literatur/marlen_haushofer_die_wand/txt00258.html.

49
Hier teilt man uns Rezensionsleser mit, dass die Leitgedanke eher eine Art künstliche
Äußerung ist, als dass es wirklich etwas Wichtiges in der Geschichte besagt. Nämlich auf das
worauf es wirklich ankommt.
,,Nicht von ungefähr erinnert die Geschichte an ,,Die Pest" von Albert Camus. Die
Geworfenheit des Menschen in die Welt, die Selbstbestimmung, die sich in der
Entwicklung des Menschen hin zu seinen Möglichkeiten zeigt, ist Grundgedanke des
Existenzialismus. Gefühle von Ekel, Angst, Sorge, Traurigkeit und Langeweile
belegen, dass gerade unser subjektives Empfinden das Leben bestimmt. Und uns Sinn
gibt. Objektiv ist nur der Blick der Natur auf uns als sterbliche Kreaturen. Ob es nun
eine Wand gibt um uns oder nicht."
97
.
Hier wird der Leitgedanke in Worte des Existenzialismus gefasst, das bedeutet das der
Mensch ist, wozu er sich macht. Diese Frau im Film kann so sein, wie sie sich selbst
konzipiert, weil sie so sein will. Der Mensch wird so sein, wie er sich geschaffen haben
wird.
98
Ob es diese Wand gibt oder nicht, diese Frau definiert sich selbst als Mensch.
Der zentrale Leitgedanke ist sich zurechtfinden in einer neuen Situation und ganz und ganz
alleine versuchen darin zu überleben. Pölsler sagt dazu:
,,Schon der Grundplot, wie das beim Film heißt, ist genial. Es ist fast ein griechisches
Drama, es gibt einen Ort, einen Zeitraum von zweienhalb Jahren, eine Person, ein
Thema: Wie kann, wie soll man überleben, weiterleben."
99
Dieser Leitgedanke des Überlebens, ist zu reduzieren auf das Thema das Leben leben, denn
Pölsler sagt selbst dazu: ,,Für mich ist der Stoff ein grosses Loblied -...- auf die Schöpfung,
die Demut, die Achtung vor allem, das lebt."
100
Es hängt wahrscheinlich von der Zeitgeist ab, wie man das Thema in dieser Geschichte des
Romans motiviert mit Motiven, Denn in einer Rezension lest man:"Der Autorin ist es
gelungen, in überraschend einfacher und überzeugender Weise zu beschreiben, dass Frauen ­
97
Christian: Die Wand Julian Pölsler. In: Festivalblogauf
http://www.festivalblog.com/archives/2012/02/die_wand_von_ju.php5. am 12.02.12.
98
Vgl. Literatur, Existenzialismus auf http://redekunst.wordpress.com/existenzialismus/
99
Gürtler, Christa: Mich fasziniert der klare Blick der Marlen Haushofer". Julian Pölsler im Gespräch mit Christa
Gürtler über seinen Film ,,Die Wand". In: Marlen Haushofer 1920-1970. Ich möchte wissen, wo ich hingekom-
men bin! Linz: Oberösterreich, 2010. Christa Gütler (hrsg) S. 163-166, zitiert nach Reclam Marlen Haushofer
Die Wand Erläuterungen und Dokumente, Andreas Brandtner und Volker Kaukoreit, S.84.
100
Ebd. S. 84,

50
vielleicht besser als Männer ­ allein wirtschaften und überleben können"
101
In den 60-er bis
80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts galt der Aufstieg der Frauen als ein heisses Thema in
unserer westlichen Welt. Und in diesem Roman, der gilt als Vorlage des Films wird das Le-
ben der Frau in Form von wirtschaften und das Überleben an sich benannt, als Thema.
In dem Film hat Pölsler sich hauptsächlich an der Vorlage des Romans gehalten, denn er
sagte: ,,Meine Prämisse bei der Arbeit war, so nahe wie möglich an Marlen Haushofers Text
zu bleiben, weil ich mir da sicher bin, dass ich auf einem Boden stehe, der trägt."
102
Und
damit bestätigt Pölsler eigentlich, dass er nicht am Thema der Geschichte gebastelt hat und
dass eine eigene Interpretation ihm nicht wichtig war. Er wollte nur diesen Text des Romans
zur Kenntnis bringen in auf die ihm bekannten Weise des Verfilmen.
Das Thema dieser Geschichte hat Mehrwert durch den Jahren hin bekommen. Weil sie die
Kraft in sich hat, sich zu halten über mehr als vierzig Jahre. Irgendetwas Universelles gibt es
in diesem Thema, wodurch das Publikum die Möglichkeit hatte, das Thema in deren Zeit hin-
einzuinterpretieren. Pölsler antwortet auf die Frage, was ihn gereizt hat gerade dieses Buch zu
verfilmen, weil es sich nicht von der Dramaturgie für einen Film aufdrängte:
,,Es ist das Schwierige, das Außergewöhnliche, das mich an der Idee der Verfilmung
reizt. Dieser Roman ist etwas Gans Besonderes. Das ist ein Stoff mit einer
ungeheueren Wucht in seiner ganzen Klarheit, in seiner äußeren Einfachheit. Im
Inneren ist der Roman verzweigt, verästelt, verdichtet, verschichtet ­ ein ganz grosses
Werk, [...] ...Es ist für mich fast das Buch der Bücher."
103
Es ist diese Kombination der Einfachkeit der Geschichte und die Vieldeutigungsmöglichkei-
ten für jeden Leser oder Filmzuschauer, dass dafür sorgt, dass das Thema eine Art ,,Ewig-
keitswert" hat.
Und da Pölsler die Geschichte an sich fast nicht verändert hat und wenig mit Bildern hineinin-
terpretiert hat, ist dieser Roman durchaus verfilmbar gewesen.
101
Hartlaub, Genno: Tagebuch der Einsamkeit. In: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt (Hamburg). 4.9.1983,
S/.19 [V.2], zitiert nach Reclam Marlen Haushofer Die Wand Erläuterungen und Dokumente, Andreas Brandtner
und Volker Kaukoreit, S.76.
102
Gürtler, Christa ."Mich fasziniert der klare Blick der Marlen Haushofer". Julian Pölsler im Gespräch mit
Christa Gürtler über seinen Film ,,Die Wand". In:Marlen Haushofer 1920-1970. Ich möchte wissen, wo ich hin-
gekommen bin! Linz: Oberösterreich,2010. S. 163-166, zitiert nach Reclam Marlen Haushofer Die Wand Erläu-
terungen und Dokumente, Andreas Brandtner und Volker Kaukoreit, S.163-165 Christa Gürtler,(hrsg), zitiert
nach Reclam Marlen Haushofer Die Wand Erläuterungen und Dokumente, Andreas Brandtner und Volker Kau-
koreit, S.84.S.86.
103
Ebd, S. 83-84.

51
Kapitel 5 Das Buch wäre unverfilmbar durch die
Abwesenheit von Dialogen. Stimmt das?
Ein Dialog bedeutet, dass zwei oder mehrere Personen sich sprachlich oder schriftlich ausei-
nandersetzen. Im Film bedeutet Dialog die Gesamtheit der Gespräche.
Gespräche zwischen zwei oder mehreren Personen sind nicht möglich, weil es außerhalb der
Frau keine anderen Personen gibt. Sie ist ganz alleine im Wald. Es ist ihr auch nicht möglich
zu korrespondieren mit Leuten außerhalb der Wand, denn die sind versteinert.
Sie schreibt, diese Frau im Buch und in der Verfilmung des Buches:
,,Ich schreibe nicht aus Freude am Schreiben; es hat sich eben so für mich ergeben,
dass ich schreiben muss, wenn ich nicht den Verstand verlieren will. Es ist ja keiner
da, der für mich denken und sorgen könnte. Ich bin ganz allein, und ich muss
versuchen, die langen dunklen Wintermonate zu überstehen. Ich rechne nicht damit,
dass diese Aufzeichnungen jemals gefunden werden. Im Augenblick weiss ich nicht
einmal, ob ich es wünsche. Vielleicht werde ich es wissen, wenn ich den Bericht zu
Ende geschrieben habe."
Diese Worte kann man lesen im zweiten Absatz des Romans. Sie schreibt also für sich alleine.
Dieses Schreiben ist nicht in der Form des Dialogs, es ist nur eine Wiedergabe ihrer Gedan-
ken. Zwei Zitate die hier angebracht, sind lauten:
,,Die Sprache ist gleichsam die äußere Erscheinung der Völker; ihre Sprache ist ihr
Geist und ihr Geist ihre Sprache, man kann sie beide nie identisch genug denken."
104
und ,,Sprache und Denken. ­ Die Sprache ist die Infrastruktur im Land des Denkens."
105
Diese Frau kann sich anhand der Sprache äußern, wodurch sie ihren Geist beschäftigt. Diese
Sprache spricht sie nicht laut zu sich, sondern übersetzt die Gedanken in ihrem Kopf in
Schrift. Damit strukturiert sie ihr Denken und wird sich über ihre Gefühle klar, man kann sich
fokussieren (in ihrem Fall auf das Überleben). Sie schreibt sich von der Seele, damit sie sich
der quälenden oder verwirrenden Gedanken befreit. Wenn es auf Papier steht, kann es abhef-
ten. Man kann dieses Schreiben aufheben, nachsuchen. Sie zerknüllt aber ihre Gedanken auf
104
Humbolt, F.W. von, auf http://www.bessersprechen.de/zitate.htm.
105
Kohlmayer, R., auf http://www.bessersprechen.de/zitate.htm.

52
Papier nicht, sie wirft sie nicht weg.
106
Sie wiederholt nicht ständig dieselben Sätze, schimpft
vor sich hin auf Papier oder redet ständig laut mit sich. Offenbar gibt dieses Schreiben ihr ein
Gefühl in eine soziale Interaktion eingebunden zu sein. Es ist die Frage in wiefern sie durch
dieses Schreiben (schriftlich mit sich selbst sprechen) ihre Gefühle der Einsamkeit gerade
verstärken. Im Buch und im Film wird uns Lesern und Zuschauern klar, dass sie sich anhand
des Schreibens ihr Leben und ihr geistiges Überleben organisiert. Sie handelt zum Beispiel
nicht so wie die Hauptperson der Schachnovelle von Stefan Zweig, dass sie sich in zwei Per-
sönlichkeiten aufteilt, die dann miteinander auskommen müssen. Sie beschreibt, was sie be-
schäftigt, sie simuliert keine andere Person. Sie spricht nicht mit einem anderer simulierten
Person, sie spricht auf Papier zu sich und damit kreiert sie zwei Ich-Positionen, nämlich die-
denkende, in-sich-sprechende-und-dann-schreibende Person und die lesende, -hörende Person
der eigenen Stimme.
Bevor die Frage der Unverfilmbarkeit beantwortet werden kann, soll man sich zuerst davon
bewusst werden, wozu Dialoge in einem Film dienen.
Sie dienen dazu, Informationen zu ermitteln über die Personen der Geschichte, z. B. wer die
Hauptperson ist, wohin sie geht, was sie beruflich macht usw. Hier in der Geschichte der Ver-
filmung, ist es undeutlich wie die Frau heißt, sie trägt keinen Namen. Wir wissen wenig über
ihr Leben bevor der Wand, wir bekommen nur Informationen über die Zeit während der
Wand. Diese Informationen haben Bezug darauf wie ihr Leben sich entfaltet. Im Buch gibt es
mehr Informationen über die Gefühle ihren Kindern gegenüber Pölsler wird diese Informatio-
nen vor allem gestrichen haben, weil er innerhalb der 110 Minuten der Konzentrationasspanne
der Zuschauer bleiben wollte. Und im Buch sind diese Informationen auch nicht vital für den
Begriff der Geschichte im Leben mit der Wand.
Dialog kann die Kommunikation der narrativen Kausalität dienen. Fragen wie: ,,Warum?","
Wie?" und ,,Was nun?" sind wichtig für den Zuschauer. All diese Fragen sind zu beantworten
im Angesicht des Überlebens. Alles was sie macht oder lässt, bezieht sich auf das Leben in
der nun der Geschichte. Das Thema ist so eindringlich anwesend in ihrem Handeln, dazu
braucht man als Zuschauer keine Aufklärung in Form des Dialogs. ,,...als Offstimme über die
Bilder erzählt. Manchmal parallel (Sie mäht und erzählt, wie sie mäht) manchmal als
106
Vgl. http://www.constanze-kobell.de/schreiben.html) .

53
brillante Analyse über das Menschsein und Tiersein, als Kommentar zu dem bizarren
Schicksal, dem sie sich stellt,.."
107
Die Meinungen in den Rezensionen sind total verschieden in Bezug auf diesen Off-
Kommentar: ,,Het zijn prachtige woorden, die uitgesproken worden in één lange voice-over.
Voor een film is dat wel bezwaarlijk, want de beelden herhalen daardoor meestal al wat er
gezegd wird."
108
(Übersetzt: ,,Das sind schöne Worte, die in einer langen Offstimme gespro-
chen werden. Für einen Film ist das schwierig, weil die Bilder sie in der Regel wiederholen,
was gesagt wurde".) und
"Im selben Moment ist ihre Stimme (die Offstimme Gedecks) , die erzählt dass die
beiden (Gastgeber) doch schon lange zurücksein hätten müssen und das sie sich
wunderte. Durch dieses gleichzeitige Erzählen der Handlung werden die Bilder selbst
völlig überflüssig.
Bis zu Kommentare wie:
,,Dass Off-Komentare nur sehr behutsam einzusetzen sind, ist eine Binsenweisheit in
der Filmbranche. Es erstaunt sehr, dass Pölsler so radikal dagegen verstößt,..."
109
und
,,Julian Adaption schafft es durch seine starke Hauptdarstellerin und exzellenten
Einsatz von Bild und Ton, über weiten Strecken ein eindrucksvolles Filmerlebnis zu
kreieren."
110
Jeder Zuschauer reagiert anders auf diese Offstimme an sich:
,,Wenn Martina spricht, mit ihren unverwechselbaren tiefen, leicht nasalen Stimme,
dann nimmt sie meist ihre Hände zu Hilfe, gestikuliert."
111
bis zu
107
Festivalblog: Die Wand von Julian Roman Pölsler auf
http://www.festivalblog.com/archives/2012/02/die_wand-von-ju.php.5.
108
Voogd, Barend de Die Wand ­ Julian Pölsler Älsof het bos wortel in mij schoot, zo groeit de filosofische
boekverfilming Die Wand ook auf http;//www.nu.nl/filmrecensies/3498669/wand---julian-polsler---.html, ohne
Datumangabe.
109
Funke, Thorsten: Die Wand. In: Filmkritik auf http://www.critic.de/film/die-wand-3280/.
110
Heidenreich, Elke, Martina Gedeck in der Verfilmung des Buches von Marlen Haushofer. In: Jetzt im Kino ­
Uhrzeiten hier... auf www.cinema-arthouse.de/content/news.php?id=27.
111
Stendel, Sarah: Martina Gedeck Starportrait auf http://www.gala.de/stars/starportraets/martina-
gedeck_1026752.html

54
"Helaas stelt de uitwerking van dit interessante gegeven teleur, wat voor een groot
deel te maken heeft met de dominant aanwezige vertelstem."
112
(Übersetzt:Leider
enttäuscht die Entwicklung dieser interessanten Daten sehr, die mit der vorhandenen
dominanten Erzählstimme zu tun hat.)
Wozu dient diese Offstimme? Manchmal kann eine verbale Aussage, eine Sprachhandlung,
selbst ein wichtiger Wendepunkt in der Handlung sein. Aber hier ist der Wendepunkt, die
Anwesenheit der Wand. Sie akzeptiert ihr Schicksal eigentlich gleich. Niemals fragt sie sich,
warum es passiert ist. Oder warum ausgerechnet sie isoliert wird durch diese Wand. Sie ge-
braucht dafür keine Sprache, also auch keinen Dialog mit einem Gott oder mit sich selbst. Sie
kreiert auch keine andere simulierte Person, wie z.B. in ,,Cast away" ( im Jahr 2000 von 20th
Century Fox und DreamWorks veröffentlichter US-amerikanischer Spielfilm, über einen
Mann, der nach einem Flugzeugabsturz auf einer kleinen Südseeinsel strandet und von dort
nach mehr als vier Jahren Einsiedelei mit einem selbst gebauten Floß entkommen kann.) Wo
die Hauptperson auf einen Volleyball ein Gesicht anfertigt. Mit diesem Ballgesicht
kommuniziert er und unterhält er eine Art sozialen Kontakt.
Die Frau im Film kreiert keinen imaginären Freud und keine imaginäre Welt, in der sie vor
sich hinträumen kann und z. B. mit diesem imaginären Freund sprechen kann. Sie bemuttert
diesen Freund nicht und bestraft ihn nicht für allerhand Unfälle. Sie braucht ihn nicht für
ihren sozialen Kontakt. Auch nicht damit er sie tröstet und er ihr ein sicheres Gefühl gibt. Sie
braucht ihn nicht, um sich gestärkt zu fühlen, und braucht ihn auch nicht als Sündenbock .
113
Das macht die Hauptperson der Wand alles nicht. Sie spricht nur auf Papier. Oder sie versorgt
und kuschelt die Tiere, damit sie eine Art Kontaktaustausch gestalten kann.
Dialoge können auch dazu dienen, dass man die Persönlichkeit und Motivation der
Hauptperson kennenlernt. In ihrem schriftlichen Gespräch, lernen wir natürlich die
Hauptperson qua Charakter besser kennen. Sie gibt einfach nicht auf! Sie unterwirft sich an
dem neuen Leben, dass sie vorher nicht kannte. Sie erlernt sich, ihr isoliertes Leben zu leben.
Auch lernen wir ihre Motivationen kennen, warum sie auf die Alm zieht, was sie dort fühlt
usw. Sie wird zu einer Persönlichkeit für uns durch ihren Bericht.
112
Potjens,Angela: Die Wand ­ Recensie. In: MOVIESCENE auf
http://www.moviescene.nl/p/147976/die_wand_-_recensie18-06-2013.
113
Vgl. Vos,de ­ Hoeven, van der T. Drs: Denkbeeldige vriendjes auf
http://www.opvoedadvies.nl/denkbeeldig.htm.

55
Mittels Dialog kann der Filmemacher dem Publikum zusprechen, wenn er thematische oder
moralische Botschaften in den Mündern der Personen legt. Da der Text von Marlen
Haushofer treu verfolgt wurde beim Filmen, ist es hier nicht Pölsler, die irgendetwas
Belehrendes hineingefügt hat. Natürlich spricht Marlen Haushofer im Text darüber, dass es
nur eigentlich Liebe geben sollte in der Welt. Und Pölsler hat diese Sichtweise unverändert im
Film übernommen. Darum brauchte er die Hauptperson nicht zu bearbeiten mit Dialog oder
mit einem anderen Selbstgespräch als Marlen Haushofer hervor gegeben hat.
Sie gebraucht also keinen Dialog, aber wir hören den Off-Kommentar. Wozu dient diese Off-
stimme denn eigentlich? Diese Offstimme geschieht durch die Figur der Frau, die Teil der
Handlung ist. Ihre Wirkung ist subjektivierend, denn sie etaliert die subjektiv gefärbte Per-
spektive der Frau, weil sie uns informiert über ihr Leben im Wald. Die Offstimme erlaubt uns
Einblicke in ihre Gedanken, Ängste und Wünsche. Und als letzte mögliche Funktion, dient
diese Stimme der Selbstrechtfertigung ihres Handelns. (Denke dabei daran wie sie sich fühlt
über das Erschießen der Hirsche)
114
Diese Hauptperson kennzeichnet sich nicht durch Lieder, Witze, Wortspiele,
Missverständnisse oder Gedichte im Roman. Also in der Verfilmung treten diese Sachen auch
nicht auf
115
.
Eigentlich führt die Hauptperson im Buch und im Film eine Form von Selbstgespräch. Dieser
innerern Monolog kann drei Inhalte haben, nämlich die Kritik an der eigenen Person, sich
selber Anweisungen geben, was man sagen oder tun sollte und zum Schluss funktioniert er als
Selbsbestärkung, wenn etwas gelungen ist.
116
Kritik an der eigenen Person und sich selbst
Anweisungen geben, macht sie zum Beispiel in der Szene wo sie sich fast hineinreißen lässt
in einer Art Lethargie, nachdem Perle getötet worden war, der kleine Stier geboren war und
sie eigentlich sehr müde ist. Sie liegt auf der Bank und sie sieht die Schneegebirge am Hori-
zont, wenn sie die Augen schließt. Es gab keine Gedanken, keine Erinnerungen, nur das große
stille Schneelicht. Sie wusste, dass diese Vorstellung für einen einsamen Menschen gefährlich
114
Munaretto, Stefan:Wie analysiere ic heinen Film? Ein Arbeitsbuch zur Filmanalyse: Struktur­Genre-Kontext.
Könings Lernhilfen, Bange Verlag,Hollfeld, 3. Auflage 2012, S. 21.
115
Vgl. Dialogue, Functions of dialogue innarrative film .In:Theorie auf:
http://www.filmreference.com/encyclopedia/Criticism-Ideology/Dialogue-FUNCTIONS-OF-DIALOGUE-
INNARRATIVE-FILM.html#ixzz2rIPBuP8a.
116
Vgl. Hauchschild,Jana: Psychologie: Die Macht der Selbstgespräche. In:Theorie auf
www.spiegel.de/gesundheit/psychologie-selbstgespraeche-koennen-motiverend-sein-a-924224.html.

56
war, aber sie brachte nicht die Kraft auf, sich dagegen zu wehren. Dann lässt Luchs, der
Hund, sie nicht in Ruhe und sie kommt aus diese lethargische Haltung heraus und sie sagt
dann: ,,Ich muss selbst auf mich achten und strenger gegen mich sein, als ich es früher war.
Dieser Kritik und Anweisung braucht sie um Mensch zu bleiben." Eigentlich ist diese oben
beschriebene Szene zu vergleichen mit dem Fakt, dass sie schon von Anfang gewisse Ge-
wohnheiten nie ablegt, wie sich täglich waschen, die Zähne putzen, die Wäsche waschen und
das Haus sauber halten. Und dazu sagt sie: ,,Ich werde alles tun, um dieser Verwandlung (von
Mensch zu Tier) zu entgehen."
117
Die Selbstbestätigung ist auch anwesend im Selbstgespräch auf Papier:
,,Jetzt bin ich ganz ruhig. Ich sehe ein kleines Stück weiter. Ich sehe, dass dies noch
nicht das Ende ist. Alles geht weiter. Seit heute früh bin ich ganz sicher [...] aber
etwas Neues kommt heran, und ich kann mich ihm nicht entziehen. Wenn die Zeit [...]
kommen wird, werde ich mich mit ihm befassen und einen Ausweg suchen."
118
,
spricht die Frau auch im Film aus. Und damit lässt sie uns Zuschauer wissen, dass sie zu sich
gefunden hat. Sie ist sich ihrer selbst bewusst, und dass kann man nur wenn man sich als
Mensch in seiner Welt bestätigt sieht.
Natürlich spricht sie mit ihrem Hund Luchs, den sie mehr wie ein Freund als ein Tier empfin-
det. Auch spricht sie mit Bella, der Kuh, die sie erfährt als eine demütige Schwester. Als
Mensch hat die Frau ein Bedürfnis an vokaler Kommunikation. Tiere wissen oft schon lange
anhand wie der Mensch sich bewegt, was der Mensch von ihm möchte, bevor sie angeredet
werden. Es ist also nicht so, dass Tiere vokale Kommunikation an erster Stelle brauchen. Es
ist offenbar die Frau, die es braucht ihre eigene Stimme zu hören. Von menschlichem Dialog
ist hier also nicht die Rede.
Die
Sprache
dieses
Selbstgespräch
wird
beschrieben
als
,,(eine)
luziden,
unprätentiösen"Sprache...: ,,Die Sprache ist dem Inhalt meisterhaft angeglichen; kurze,
parataktische Sätze und banale Wörter. Es sind einfache Sätze der Verständigung, nicht
kunstvolle der Literatursprache"
119
. Und wie schon angegeben, spricht Martina Gedeck das
was im Text der Roman stand genau nach. Es ist verfilmt worden mit einem Selbstgespräch in
117
Haushofer, Marlen:Die Wand. In: Erst Klett Verlag, Stuttgart ­ Leipzig, 7. Auflage 2008,S. 111 und S. 37.
118
Ebd. S.208.
119
Schild 1964 [V.2.]), zitiert nach Reclam Marlen Haushofer Die Wand Erläuterungen und Dokumente, Andre-
as Brandtner und Volker Kaukoreit, S.56.

57
Form der Off-Kommentar, offenbar brauchte diese Verfilmung keine Dialoge zwischen
mehreren Personen. Ein Selbstgespräch genügte.

58
Kapitel 6 Das Buch wäre unverfilmbar, weil es keine
Spannung und Action gibt. Stimmt das?
Warum braucht ein Roman oder ein Film Spannung? Er soll Unterhaltung bieten und sein
Publikum fesseln. ,,Spannung ist die nagende Ungewissheit des Publikums, wie die Absicht,
einer Filmfigur wohl enden mag."
120
und außerdem: ,,Der Zuschauer empfindet einen
gewissen Nervenkitzel an der Tatsache, dass er den Ausgang einer Geschichte erfahren
möchte, deren Ende noch völlig unklar ist."
121
Also hat Spannung mit Unterhaltungswert zu tun, es soll eine amüsierte Spannung verursa-
chen. Spannung soll den Zuschauer vorantreiben, den Film zu verfolgen. Die Filmfigur soll
ein Ziel verfolgen, und der Zuschauer möchte teilhaben an dieser Verfolgung des Ziels. Und
diese Verfolgung des Ziels geht Hand in Hand mit die Beseitigung der Schwierigkeiten, de-
nen der Filmperson begegnet.
Neugier besteht bei dem Zuschauer, solange er nicht weiss, was überhaupt vor sich geht. Aber
nur Neugier genügt einfach nicht, weil es den Film nicht vorwärtsbringt. Es ist Spannung, die
den Film vorwärts bewegt.
122
Es handelt sich im Roman um eine Frau, die isoliert im Wald hinter einer Wand versucht,
weiter zu leben, das bestimmt das Grundmuster der Handlung vom Film ,,Die Wand". Dieser
Satz erzeugt nicht gleich Unruhe oder Neugier. Erst wenn wir das Wort ,,lebt" ersetzen durch
zu leben oder zu überleben, gibt es eine gewisse Art dramatische Spannung (auch Tension
genannt). Tension wird aufgeteilt in Suprise (Überraschung), Suspence (ein Gefühl der
gespannten Erwartung bei Zuschauern oder Lesern eines Werkes) und Mystery (etwas
Mysteriöses).
120
Vale, Eugene: Die Technik des Drehbuchschreibens für Film und Fernsehen, Herausgeber Jürgen Bretzinger,
TR-Verlagsunion, München, 1987, 5. Auflage 2000, zitiert nach Hans J. Wulff: Textsemiotik der Spannung,
Eine erste Fassung dieses Artikels erschien in: Kodikas/Code 16,3-4, 1993, S. 325-352.Bibliographische Angabe
der Online-Fassung: http://www.derwulff.de/2-54.
121
Kirschner, Jens: Spannung und Spannungserzeugung, Ausarbeitung Medieninformatik (Master) Fachhoch-
schule Köln, 29. April 2003. S.1. auf http://www.jenskirschner.com/pub/spannung.pdf.
122
Vgl. Kirschner , Jens: Spannung und Spannungserzeugung, Ausarbeitung Medieninformatik (Master) Fach-
hochschule Köln, 29. April 2003. S.5. auf http://www.jenskirschner.com/pub/spannung.pdf.

59
Im Film gibt es eine akute Bedrohungssituation, als die Wand da ist und die Frau noch den
Umfang der Wand versucht zu fassen. Die Wand an sich erzeugt Tension, denn wir als Zu-
schauer fragen uns, warum es die Wand gibt und wie die Frau darauf reagiert. Also es gibt
Suspence in der Verfilmung. Im Gegensatz zu Suprise oder Überraschung basiert Suspence
sich auf dem Konzept der Vorhersehbarkeit. Diese Vorhersehbarkeit erlebt der Zuschauer z.
B. dadurch, dass es schon früh im Film angedeutet wird, dass Perle, die weiße Katze, am un-
rechten Ort geboren war, weil sie eine langhaarige, weiße Katze, mitten im Wald war und
zum frühen Tod verurteilt war, und sie gar keine Chance hat. Und auch der Tod von Luchs,
der Hund, wird frühzeitig angedeutet. Wir Zuschauer warten nur darauf wie sie auf den Tod
stoßen. Und daher kann man sagen, dass Suspence hier in der Verfilmung anwesend ist.
Suprise gibt es im Moment, als die Frau den Mann auf der Alm entdeckt und sie deutlich
wahrnimmt, dass er ihren Stier (Sohn der Kuh, weil sie sich trächtig zeigte) ermordet. ,,Ich
wusste sofort, dass etwas Schreckliches geschehen war."
123
Steht im Buch und wird im Film
erzählt, also ein wenig als Zuschauer wird man vorbereitet, aber dann im Film sieht man die-
sen Mann und vor ihm lag schon der Stier. Diese Szene war nicht vorhersehbar, obwohl man
durch die Wörter der Frau im Off-Kommentar schon weiss, dass etwas Schreckliches jetzt
kommt.
Beim Wort Mystery, wird es schwieriger. Es ist nicht die Frage ,,Wer hat es getan?", sondern
eher ,,Warum hat sie es getan?" und / oder ,,Wie lebt sie weiter?". Die Frau erschießt am Ende
des Films den Mann auf der Alm, der ihren Stier und den Hund angegriffen hat mit einer Axt.
Meistens entsteht diese Art Spannung durch ein Vorenthalten von Informationen, am Ende
des Films werden die Motive des Handelns transparent geklärt. Im Falle des ermordeten
Mannes, muss man als Leser des Romans und als Zuschauer des Films, sich selbst ein Motiv
zusammenbasteln. Auf die Frage, wie sie weiter leben wird, endet der Film wie das Buch mit
der Szene der Krähen, die sich erhoben haben und schreiend über dem Wald kreisen. Wenn
sie nicht mehr zu sehen sind, wird die Frau auf die Lichtung gehen und die weiße Krähe
124
füttern. Sie wartet schon auf die Frau. Ein wenig zuvor hat die Frau wohl angedeutet, dass ein
kleines Stück weiter sehen kann, dass sie dies noch nicht das Ende ist. Aber dieses offene
Ende der Geschichte, löst nicht die Frage, wie sie weiterleben wird. Wir bleiben irren wie es
ihr vergehen wird in der Zukunft. Dieses Irren nach der Antwort, bleibt mysteriös an sich.
123
Haushofer, Die Wand. Erst Klett Verlag, Stuttgart ­ Leipzig, GmbH, 2008, S. 205.
124
(Foto:
http://www.imdb.com/title/tt1745686/
auf 2.05 Sekunden)

60
Wenn man diese Ungewissheit als Zuschauer mag, ist man gut angelandet in diesem Film,
wenn nicht, dann ärgert man sich als Zuschauer.
Die voranzutreibene Kraft des Films, ist der Plot . Der Plot ist der Grundriss einer Handlung,
also das Stoff- und Handlungsgerüst einer Geschichte. Als Gerüst, das die Geschichte tragen
muss, konzentriert sich der Plot vor allem auf die logische und auf die kausale, das heißt auf
die folgerichtige Verknüpfung der Geschichte. Denn passen die einzelnen Teile nicht
aufeinander, kann das Handlungsgerüst schnell zusammen brechen.
125
Der Plot ist eine Kraft,
die Fragen nach dem zentralen Konflikt, ob es unvereinbare gegensätzliche Standpunkte gibt,
formuliert. Wer der Protagonist ist, wird der Charakter deutlich, werden die Stärken und
Schwächen, Ängste und Träume deutlich? Was ist das Ziel der Protagonistin? Wer oder was
ist die antagonistische Kraft im Film?
In dieser Verfilmung wissen wir Zuschauer, dass die Frau die Protagonistin ist. Anhand der
Geschichte wird der Charakter einer hartarbeitenden, sich nach der Wand fügenden Frau
sichtbar. Sie teilt uns mittels des Berichts, den sie schreibt ganz deutlich mit, was ihr bewegt
im Leben des Moments. Wie zum Beispiel:
,,...,weil sie mich davor bewahren soll, in die Dämmerung zu starren und mich zu
fürchten. Denn ich fürchte mich. Von allen Seiten kriecht die Angst auf mich zu, und
ich will nicht warten, bis sie mich erreicht und überwältigt. Ich werde schreiben, bis
es dunkel wird, und diese neue, ungewohnte Arbeit soll meinen Kopf müde machen,
leer und schläfrig. Den Morgen fürchte ich nicht, nur die langen dämmrigen
Nachmittage."
sagt Martina Gedeck am Anfang des Films.
126
125
t Vgl. Rossipotti, Literaturlexicon http://www.rossipotti.de/inhalt/literaturlexikon/sachbegriffe/plot.html
126
Haushofer, Die Wand. Erst Klett Verlag, Stuttgart ­ Leipzig, GmbH, 2008, vgl. 3. Absatz im Buch.

61
Im Film wird einen Albtraum mit folgenden Bildern ganz deutlich gezeigt:
(Fotos: http://www.imdb.com/title/tt1745686/ auf 1.41. bis 1.43 Sekunden)
Sie schreit, dass sie jetzt das Haus nicht mehr verlassen kann wegen der Wand. Das Ziel der
Frau, ist sich selbst so zu beschäftigen, dass sie die Wand vergisst. Die antagonistische Kraft
im Film ist die Wand (und nicht ein Mensch), die ihr beschränkt zu gehen wohin sie will. Und
das Schwierige an diesem Antagonisten ist, dass man sich damit nicht verbal auseinanderset-

62
zen kann. Es gibt eigentlich keinen Kampf mit dieser antagonistischen Wand an sich. Die
Chancenungleichheit zwischen Protagonist und Antagonist ist nicht da, denn die Frau hat kei-
ne Chance diese Wand zu bewältigen. Daher akzeptiert sie die Wand auch sehr schnell. Ei-
gentlich spielt die Frage, ob es doch noch Rettung gibt, hier im Film gar keine Rolle. Das An-
tagonistische in diesem Film ist in der Frau selber vorhanden. Sie muss ihre Ängste bekämp-
fen, damit sie auf jeden Fall geistig überlebt. Als Zuschauer muss man fasziniert sein von die-
sem innerlichen Kampf, will man diesen Film schätzen können. Ist man besser bedient mit
Aktion zwischen Gegnern, dann wird man wahrscheinlich diesen Film eher langweilig als
spannend finden.
Die Plotpoints
127
, die sorgen für Wendepunkte in der Geschichte, sie geben den Film eine
neue Richtung. Und dadurch entsteht Spannung, denn als Zuschauer fragt man sich, ,,Was
kommt jetzt?" und ,,Warum kommt es?" Am wichtigsten ist der Erste, dass es die Wand gibt,
damit die Frau gezwungen ist, den Rest ihres Lebens im Wald zu bleiben. Es ist die Konfron-
tation mit der harten Realität. Es ergibt sich den Ruf zum Abenteuer. Das Gleichgewicht ist
zerstört und muss wieder hergestellt werden.
Der zweite Plotpoint ist der Tod von Perle. Die harte Wirklichkeit des Lebens im Wald wird
symbolisiert durch ein Tier, dass total nicht passt in dieser Gegend. Die Katze ist wehrlos den
Gesetzen des Waldes von töten und getötet werden, überliefert. Es wird die Frau deutlich,
dass wie gut sie sich auch anpasst, das Leben im Wald ständig durchdrungen ist von Gefahr.
Der Film gab bis jetzt nur Spannung, wie die Frau sich zurechtfinden würde in dieser neuen
isolierten Situation. Auf der Alm sehen wir dann eine Frau im ersten Sommer, die total ent-
spannt wirkt.
(Foto: http://www.kino.de/wp-content/gallery/die-wand-2011/wand-die-martina-gedeck-12-rcm0x1920u.jpg)
127
Lexikon der Filmbegriffe,plot point auf http://filmlexikon.uni-
kiel.de/index.php?action=lexikontag=detid=1220

63
Der dritte Plotpoint ist der, der die Geschichte auf den Höhepunkt ansteuert. Wir werden im
zweiten Sommer auf der Alm schon gleich bekannt gemacht mit dem Fakt, dass es niemals
für die Frau wieder so sein wird als zum ersten Mal auf der Alm. Damit wird auch das Tempo
gesteigert, denn sonst würden wir als Zuschauer nicht genug angeregt werden, die Geschichte
weiterhin zu verfolgen. Wir fragen uns dann, warum wird dieser zweite Sommer nicht so wie
der erste Sommer. Bis dann werden Spannung und Entspannung (die harte Arbeit, Tod Perle,
die Ernte, der lange Winter, die Sommer auf der Alm usw.) abgewechselt. Und Spannung und
Entspannung werden sich irgendwo kreuzen am Ende des Films. Und das geschieht im zwei-
ten Sommer auf der Alm. Denn wir wissen, dann eigentlich noch nichts von dem Mord am
Stier und Luchs und darauffolgend am Mann. Das ist der Höhepunkt der Geschichte. Hier
sind Katastrophe und Erfolg gleichzeitig anwesend im Film. Die Frau muss eine wichtige,
wenn nicht moralische Entscheidung treffen. Verteidigt sie ihre Tiere oder verzeiht sie hier
den Mann, der ihre Tiere angegriffen hat? Man sieht hier die wahre Natur der Frau, sie ist
imstande zu überleben in einer isolierten Welt. Die Frau beweist hier, dass sie niemanden
braucht, um ihr Leben zu leben, und dass sie imstande ist sich zu verteidigen. Sie hat ihre
Angst überwunden und stellt damit ein neues Gleichgewicht für sich selbst her. Diese Aus-
wirkung des ,,gewonnenen Kampfes", ist dass die Frau die Früchte ihrer Arbeit/ihres Lebens
genießen kann. Das Tempo wird am Ende des Films langsamer, der Zuschauer entspannt sich,
weil er darauf Vertrauen kann, dass diese Frau es weiterhin schaffen wird mit der Wand zu
leben. Wie? Bleibt die Frage, aber sicher ist, dass sie es schafft.
Oft wird gesagt, dass eine Geschichte eine Backstory
128
braucht, um spannend und glaub-
würdig zu wirken. Die komplette Biografie würden wir als Zuschauer gebrauchen, wie die
Frau zu der Frau geworden ist, wie wir ihr jetzt begegnen im Film. Im Gegensatz zum Roman,
wo es Andeutungen zu ihren Kindern und Mann gibt, erfahren wir im Film ganz und gar
nichts von ihrem vorigen Leben. Im Film gibt es diese Szene, wo die Frau sich gegen die
Wand lehnt, und wir zwei Ringe sehe, wodurch wir interpretieren könnten, dass es hier um
zwei Eheringe geht. Dadurch könnten wir als Zuschauer verstehen, dass sie verwitwet ist.
Aber es können natürlich auch zwei normale Ringe sein.
128
Backstory auf http://de.wikipedia.org/wiki/Backstory

64
(Foto: http://www.dvdinfo.be/images/reviews/7/7312/7312-2.jpg)
Es gilt, dass je genauer die Backstory ausgearbeitet ist, desto authentischer erscheint die Fi-
gur. Pölsler erzählt nicht das Nötigste, damit wir die Frau verstehen in der Zeit ihres Lebens,
er erzählt uns nichts und gerade dadurch bleibt diese Frau (die namenlos ist und bleibt wäh-
rend des Films) spannend für uns. Sie könnte jeder von uns vorstellen, weil sie kein Name hat
und keine Vorgeschichte, weil sie nicht mit einer Vergangenheit belastet ist. Jeder könnte
ihren Platz einnehmen, und dann würde die Frage hochkommen:
,,Wie würde ich reagieren, wenn es die Wand gäbe?..." ,,Die Frage, die Marlen
Haushofers Texte für mich heute verschärft herausfordern, ist die nach der
Möglichkeit: Wie man leben kann, ob man leben kann, mit dem Wissen, das sie hatte,
und der Einsamkeit, in die dieses Wissen einen Menschen stellt."
129
Die eigentliche Spannung dieses Films ist der emotionale Konflikt der Frau. Sie kämpft ge-
gen die antagonistische Wand, die ihr aus ihrer gewohnten Umgebung reißt. Sie war eine
städtische Frau und wird zur Landbewohnerin. Sie durchlebte Glück und Trauer und Schmerz,
um ihr Ziel zu erreichen, nämlich das Leben leben zu können. Sie geht gestärkt weiter und hat
mit uns ihre emotionale Veränderung geteilt. Und dieser Streit des Überlebens hinter der
Wand ist verflochten mit der Frage, ob sie dadurch verrückt wird. Wir als Kinogänger möch-
ten wissen ob sie überlebt und wie sie überlebt. Dies ist die ,,tikkende klok die personages en
129
Venske, Regula:"Vielleicht, dass ein sehr entferntes Auge eine geheime Schrift aus diesem Splitterwerk ent-
räteln könnte..." In: Oder war da manchmal noch etwas anderes? Texte zu Marlen Haushofer, Verlag Neuer
Kritik, Frankfurt 1986. S. 57.

65
publiek vooruit stuwt."
130
(Übersetzung: die tickende Uhr, die Charakter und Publikum
vorantreibt.)
Es wäre zu erwarten, wenn der Film in Hollywood gemacht wäre, dass die Frau auf die ganze
Linie gesiegt hätte und am Ende wieder außerhalb der Wand, hätte leben können. ,,Filme ­
insbesondere amerikanische ­ werden häufig für die Absehbarkeit des ,,Happy Ends"gerügt."
131
Pölsler hielt sich, als europäischer Regisseur, an der Vorlage des Romans. Er schließt wie-
der an mit dem Schreien der Krähe am Ende beim Anfang wo auch die Krähe schrien.
132
Spannung wird natürlich auch erzeugt durch Sound. Der Begriff Sound bezeichnet die zu-
sammengefügten akustischen Mittel im Film, bestehend aus der Sprache, der Musik, der
Atmos, der Geräuschen, den Effekten und der Stille
133
.
Direkte Sprache gibt es hier nicht im Film. Nur indirekt via einen Monologe Interieur im Off-
Kommentar. Über diese Stimme von Martina Gedeck wird vieles gesagt in den Rezensionen.
Man liebt diese Stimme und findet sie geeignet oder total nicht. Es ist für jeden Zuschauer
ganz subjektiv, ob diese Stimme spannungserregend oder irritierend wirkt. Es ist nicht objek-
tiv zu beurteilen, ob ihre Stimme anregt zur Spannung. Denn wenn Rezensenten sprechen von
,,...fortlaufend ein Schwall von Worten über die Bilder [...] ­ ein Hörspeil mit szenischer
Begleitung"
134
und ,,[...] und so ist eine bebilderte Vorlesstunde entstanden -[...]
135
bis zu
,,[...]: Unterborchen nur von durchkomponierter Stille und den von Julia Fischer gespielten
ausgekargten bachschen Geigen-Partiten schwebt über allem wie eine sehr schöne Wolke
130
Haakman, Anton: Langs omwegen naar het einde, Grondvormen van het filmverhaal, kann een film een
verhaal vertellen. In: De Revisor. Jaargang 1. Athenaeum-Polak Van Gennep, Amsterdam 1974 auf
http://www.dbnl.org/tekst/_rev002197401_01/_rev002197401_01_0170.php.
131
Kirschner, Jens:Spannung und Spannungserzeugung, Ausarbeitung Medieninformatik (Master) Fachhoch-
schule Köln, 29. April 2003. S.9.
132
Vgl. Filme machen I Filmpraktische Tipp-
shttp://www.jungefilmszene.de/filmemachen/praxis.php?id=74k=4.
133
Vgl. Hickethier, Knut (Hrsg.): Trailer, Teaser, Appetizer. Zu Ästhetik und Design der Programmverbindung
im Fernsehen, Hamburg, 1997. Zitiert nach ,,Der Trailer und sein emotionales Design. Eine vergleichende Un-
tersuchung von emotionalen und spannungserregenden Strategien in denGenres Action und Comedian, Verfasse-
rin Christin Gottscheber, Magistra der Philospohie, Wien, 2 März 2009.
134
Handke, Sebastian: Frau Robinson, In der Romanverfilmung ,,Die Wand" lebt Martina Gedeck unter Tie-
ren.Panorama. In Panorama, am 16. Februar 2012 auf http://www.tagesspiegel.de/kultur/frau-
robinson/6213928.html.
135
Funke,Thorsten: Die Wand, Martina Gedeck in einer Tour de Force als einzige Darstellerin (und Vorleserin)
eines Film über Isolation und Harmonie miet der Natur,. In Filmkritik auf www.critic.de am 12. Februar 2012
auf http://www.critic.de/film/die-wand-3280/.

66
Marlen Haushofers Text mit: Martina Gedecks Stimme."
136
Dann wird es deutlich, das sich
über Geschmack nicht streiten lässt.
Meistens wird angenommen, dass eine leise, aber klar akzentuierte Stimme beruhigend wirkt
und große Sachlichkeit vermittelt. Und ein langsames Sprechtempo suggeriert Besonnenheit
und das ernsthafte Anliegen, sich dem Zuhörer verständlich zu machen. Das Strukturieren des
Gesagten durch Pausen steht für Überlegenheit, Disziplin, Selbstbewusstsein und Rücksicht
auf den andern. Das Letzte gilt nur den Tieren hier im Film. Disziplin und Selbstbewusstsein
hat sie sicher. Ob die Besonnenheit ankommt beim Zuschauer ist persönlich. Nichts in dem
Off-Kommentar, der Martina Gedeck spricht, deutet hin auf schnelles Erzählen mit Schwung
um Spannung zu erzielen.
Christine Schmidjell weist darauf hin, dass die
,,Icherzählung [...] die Fokussierung auf die Erlebnisperspektive der isolieren Frau
ermöglicht, in der die Kontrastierung zwischen Erzählzeit und rückblickendem
Erzählen aus der Innenschau zu einem besonderen Spannungsverhältnis ausgebaut
werden konnte."
137
.
Womit angedeutet wird, dass die Spannung nicht liegt bei dem, was direkt durch die Frau der
Geschichte gesagt wird, sondern die Spannung liegt in dem was sie erzählt über sich selbst.
Diese Frau spricht nur mit den Tieren, wie sie mit Menschen spricht, sie kreiert damit ihr ei-
genes sozialen Netz. Aber ,,Das verlorene menschliche und soziale Netz fehlt [...] Marlen
Haushofers Figur sehr selten."
138
und deshalb kann der Zuschauer die Spannung nicht erle-
ben in der Interaktion zwischen Menschen, die vielleicht gegenüberstehende Meinungen ha-
ben. Daher muss der Zuschauer die Spannung erleben in dem was die Frau sagt über sich.
Auch in dieser Hinsicht gibt es eine Wand für uns Zuschauer. Dieses Erzählen über sich selbst
mittels der Tagebucheinträge, widmet der Frau viel Aufmerksamkeit und dient als Kommuni-
kationsmöglichkeit mit sich selber. Auch hier im Erzählen gibt es wieder eine Wand, denn
dieses Erzählen geschieht ja nicht durch lautes vor sich her reden, nein sie schreibt es auf.
136
Elmar Krekeler, Elmar: Martina Gedeck als Namenlose die Liebe. In: Die Welt, 9.10.12.
137
Schmidjel, Christinel: Zur Werkgenese von Marlen Haushofers Die Wand anhand zweier Manuskripte. In:
Anke Bosse und Clemens Ruthner (Hrsg.): Eine geheime Schrift aus diesem Splitterwerk enträtseln..."Marlen
Haushofers Werk im Kontext. Tübingen, Basel: Francke 2000,S. 41-58; hier S. 49. zitiert nach Claudia Stoiser:
,,Es lebe die Einsamkeit!" Eine vergleichende Analyse der Darstellung von Alleinsein, Einsamkeit und sozialer
Isolation literarischer Figuren in ausgewählten Texten.In: Masterarbeit Grin Verlag GmbH, Germanistik, S. 25.
138
Ebd. S. 31.

67
Dazu kommt dann noch für uns Zuschauer, dass wir diesen Bericht im Off-Kommentar hören.
Wir müssen also mehrere Wände durchhören, bis wir an dieser Frau ran sind und das macht
diesen Film spannend. Würde sie im Roman nicht schreiben über sich, dann gäbe es ihr nicht,
,,scribo ergo sum!", ,,Ich schreibe, also bin ich" gilt für den Roman, wie ,,Audi ergo sum!",
,,sie spricht im Off-Kommentar(was sie geschrieben hat), also ist sie", für den Film gilt. Ohne
der Off-Kommentar, wäre der Film stumm, abgesehen von Geräusche und Musik. Es ist diese
geistliche Auseinandersetzung mit sich selbst, die intrigiert, die anregt zur Frage: ,,Was wäre
wenn,...?". Und diese Frage referiert fast an den Satz womit Märchen anfangen: Es war ein-
mal..., (Was wäre wenn ich die z. B. die Prinzessin im Märchen wäre) wodurch gleich Span-
nung erregt wird beim Zuhörer, weil man damit eingeführt wird in einer imaginären Welt, wo
alles möglich ist. Es ist diese Bericht-Stimme, die fesselt. Man erwartet als Zuschauer, dass
irgendwann irgendwas passieren wird
139
.
Neben dieser Stimme von Martina Gedeck gibt es Musik. Einen Song und Auszüge aus Bach-
Partiten hört der Zuschauer. Am Anfang des Films hört man plötzlich in der Autoszene einen
lauten Song in einem Uptempo ,,Sisters and Brothers, give me freedom and love. Freedom is a
Journey, a journey to your self", wobei die Musik von Bernd Jungmair, Cornelius Dix, Jürgen
Haiden ist, der Text von Julian Pölsler und es wird gesungen durch die österreichische Sabine
Kapfinger mit Künstlernamen ,,Zabine". Auch nach dem Crash mit dem Mercedes, dreht die
Frau noch einmal an dem CD-Spieler und hört dieses Lied wieder. Es ist eine Erinnerung an
damals, als es die Wand noch nicht gab für sie. Es verschärft den Unterschied der Zeit bevor
und nach der Wand. Diese laute Musik verbildet eine glückliche, fröhliche Zeit. Aber auch
eine Art Bedrohung geht von ihr aus, weil der Song im Kontrast zur Ruhe der Natur steht und
wie störende Lärm wirkt. Dadurch trägt es zur Spannung bei, weil wir uns fragen, war sie
wirklich so fröhlich auf der Hinfahrt? Wie wird die Frau jetzt reagieren, wenn sie alleine im
Wald mit der Wand, sich diese glückliche Zeit erinnert? Denn auch Jürgen Schneider sagt
dazu: ,,Filmmusik ist situative Musik. Das heißt ­ Filmmusik ist eine Musik, die immer auf
menschliche Situationen, Stimmungen, auf sozialen Kontext bezogen ist, und deshalb an
uralte Bindungen erinnert [...]"
140
Der Song wirkt jetzt als Fremdkörper in ihrer neuen
139
Vgl. http://www.berufsstrategie.de/bewerbung-karriere-soft-skills/gestik-mimik.php (in Bezug auf Was wäre
wenn...).
140
Schneider, Jürgen N.: Komponieren für Film und Fernsehen, Mainz, Schott, 1997, S. 21, zitiert nach Der
Trailer und sein emotionales Design. Gottscheber, Christin (2009) Der Trailer und sein emotionales De-
sign. Diplomarbeit, Universität Wien,S. 47.

68
isolierten Situation. Der Musik soll zur Stimmung eines Menschen passen, wenn er die Musik
hört. Und bei der Frau stimmt diesen Song nicht mehr überein mit ihren Gefühlen.
Außerdem steht der Inhalt des Textes des Liedes im Kontrast, mit wie sie sich dann an diesem
Moment fühlt. Sie erfährt es noch nicht als eine Reise der Freiheit zu sich selber. Auch dies
erzeugt Spannung.
Für diesen Film wurde keine eigene (Instrumental-)Musik komponiert. Im Film werden Aus-
züge aus den Partiten von J.S. Bach durch Pölsler gebraucht. Zu diesen Musikstücken
(Violinsonaten und Partiten Nr. 1-6) wird gesagt:
,,Die sechs meditativen Monologe einer einsamen Violinsoli, die Sei a Violino senza
Basso Formen Accompagnato, entstanden zu der Zeit als Bach am Hof des Fürsten
Leopold von Köthen beschäftigt war, und mehr weltliche Musik komponierte. Seine
innovativen sechs Suiten für Violoncello solo und sechs Werke für Solo-Violine
stammen aus dieser Zeit, (1720). Sie konnten nur von jemandem mit gründlichen
Kenntnissen der Möglichkeiten dieser Instrumente geschrieben werden. Obwohl es auf
einem Streichinstrument möglich ist, zwei Töne gleichzeitig zu erzeugen, erwartet man
von einem solchen Instrument nur eine einzige Melodie. Ohne Harmonien und
Kontrapunkt. Das Besondere an diesen Kompositionen von Bach ist, dass Harmonie
und Kontrapunkt durch wiederholtes Spreizen der zusammengestellte Noten eines
Akkords erreicht werden."
141
Also aus diesem Zitat kann man schließen, dass das Spielen dieser Musik technisch
kompliziert ist. Außerdem ist Bachs Musik auch in der Übertragung schwierig, weil ,,Bachs
Musik [..] ein Gleichgewicht zwischen Ordnung und Freiheit [bedeutet]. Es ist eben die
Frage, wie man diesen zwei Extremen harmonisch miteinander verbindet."
142
Freiheit und
Ordnung sind hier die Wörter, die Spannung erzeugen. Auch die Frau im Film muss eine
Balance finden zwischen diesen zwei Einheiten um harmonisch mit sich und mit den Tieren
und mit der Wand leben zu können oder überleben zu können.
Was bedeutet Musik denn eigentlich für uns? Diese Frage soll man zuerst beantworten, bevor
man sich fragen kann, warum Pölsler gerade die Violinenpartiten von Bach für seinen Film
gebraucht hat.
141
,,Bach, J.S.: Vioolsolsonates en Partita's nr. 1-6, vergelijkende Discografieën, Bach: de 6 Vioolsolosonates en
Partita's"van Jan de Kruijff, de grootste kennisdatabank voor klassieke muziek" auf
http://www.quadrevisie.nl/jandekruijff/vergelijkende-discografieen/b/bach-6-vioolsolosonates-en-partita-s.htm
142
Rilling,Helmuth, der Gründer der Bach-Akademie in Stuttgart. In:,,De theorie en de praktijk" im Interview
mit Willem Wansink auf NRC Webpagina's,Profiel am 24 Februar 2000.

69
Man nennt Musik, die Sprache der Emotionen oder die Würze des Lebens. ,,Woher kommt
der unwiderstehliche Sog, den manche Klänge auf uns ausüben? Warum berühren uns
bestimmte Melodien und Harmonien, während uns andere kaltlassen? Musik, so zeigt
sich,
wirkt auf allen Ebenen des Gehirns
, sie hat einen direkten Zugang zu Emotionen und ist
tief verankert in der Menschheitsgeschichte. Entstanden in wundersamer Co-Evolution hilft
Musik dabei, uns in einer vornehmlich von Sprache und Verstand geprägten Welt mit uralten
emotionalen Bedürfnissen zu versöhnen."
143
... ,,Musik kann nicht nur Emotionen vermitteln,
sondern auch Kommunikation ohne Worte ermöglichen"... Musik bedient also uralte
Mechanismen unserer Psyche und spielt auf der gesamten Klaviatur der menschlichen
Motivation."
144
Und im gleichen Artikel sagt ein junger, aus Kroatien stammenden Ivan
Repusi, ein Dirigent »Etwas, was man nicht beschreiben kann, was man nur fühlt ­ das ist
Musik.« Also Musik ist Emotion, und Pölsler versucht anhand der Bachpartiten, uns ein
Gefühl zu vermitteln. Aber welches Gefühl?
Was bedeutet Violinenmusik für uns? In der Abbildung Musikinstrumente und ihre
assoziierten Gefühlsqualitäten
145
wird im Schema hierunter (Seite 50) gezeigt, dass eine
Violine glänzend, melodiös, zurückhaltend qua Charakter in einem hohen Register ist. Sie ist
warm, romantisch, leidenschaftlich in ein mittleres Register. Und sie klingt dunkel,
dramatisch, grämlich in ein tiefes Register. Die Partiten spielen ein auf unsere Gefühle. Sie
werden dann gespielt, wenn die Frau sich durch die Landschaft bewegt, wenn Panoramabilder
gezeigt werden:
143
Herde, Birgit: In: ,,Die Macht der Musik" S..1. IN: ZEITONLINE, GESUNDHEIT AM 8. Februar 2012 auf
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/01/Psychologie-Musik.
144
Herde, Birgit: In: "Macht der Musik". Seite 5/5: Musik bedient uralte Mechanismen unserer Psyche. IN:
ZEITONLINE, GESUNDHEIT AM 8. Februar 2012 auf http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/01/Psychologie-
Musik
145
Vgl. Skiles nach Bullerjahn, Claudia (2001): Grundlagen der Wirkung von Filmmusik, Augsburg: Wißner
Lehrbuch,2001 S. 88) zitiert nach Wahrnehmung und Wirkung von Musik im Film, Anforderungen im genrespe-
zifischen Kontext, Eine Diplomarbeit im Studiengang Audiovisuelle Medien, Fakultät Electronic Media, Fach-
hochschule Stuttgart,Hochschule der Medien, Stuttgart, 23. März 2007)

70
Panorambild. (Foto: http://www.eugendorf.com/blog/wp-content/uploads/2014/07/dei_wand_gal_02_n.2176072-
280x206.jpg)
Hier ist das Ziel der Musik, dass Assoziationen zum Bild hervorgerufen werden.
Assoziationen des sich Wohlfühlens in der Umgebung. Die Frau fühlt sich zuhause in ihrer
Umwelt. Sie wirkt ruhig, nicht geängstigt. Klassische Musik hat einen günstigen Effekt bei
Ängsten, Depressionen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Und Musik führt zur
Steigerung von Konzentration, Gedächtnis, Kreativität und Tatkraft.
(Foto:http://4.bp.blogspot.com/-WfHJc0-kfRo/UHxz-jixNRI/AAAAAAAAHjg/UXu1Q0BZNP4/s1600/standfoto6.jpg)
Bild und Musik wirken zusammen, weil die Panoramabilder bestehen aus ein totale oder eine
extreme Weitwinkelaufnahme. Eine Totale zeigt viel Hintergrund um die Szene für den Be-
trachter zu verdeutlichen und den Rest des Films in einen Kontext zu stellen. Extreme Weit-
winkelaufnahmen sind weit von dem Objekt entfernt. Sie können die Figur in der Ferne zei-

71
gen, aber der Schwerpunkt liegt mehr auf der Figur in seiner Umgebung (wie zu einander
stehen).
146
(Fotos:http://www.cinema.nl/images/rendered/10328162.jpg)
146
Shot types and angles, Serif MoviePlus Starter Edition tutorials auf
http://www.serif.com/appresources/mlx5/Tutorials/en-us/tutorials/basics_shottypes.htm

72
(Foto:http://www.cinema.nl/images/rendered/10328162.jpg)
(Foto:https://genevaanderson.files.wordpress.com/2014/01/the_wall_14_ccoop99-starhaus_cut.jpg)
Hier wirkt sie verloren in der Natur, sie muss sich der Natur fügen. Und da die Musik
beruhigend auf uns als Zuschauer wirkt, bewirken Bild und Musik, dass wir es wie diese Frau
akzeptieren, dass die Natur immer die Stärkste im Vergleich zwischen Mensch und Natur ist.

73
147
Auch beeinflusst Musik das Immunsystem positiv und ist hilfreich bei Schmerzen, Stress und
Schlafstörungen.
148
Und diese Frau hat ja den Stress des Überlebens. Die Musik im Film hilft
uns Zuschauer diesen Stress der Frau auszuhalten.
Die Frau soll also entspannt wirken. Und auch als Zuschauer wird man also in eine ganz
ruhige Situation hineingeführt, wenn man diese Musik im Film hört. Es ist eigentlich der
147
(Quelle: Pabst, Nicole: Wie klingt Sauberkeit? Das Sounddesign von Werbespots am Beispiel von Reinigungsmitteln.
Magisterarbeit von Nicole Pabst . Hauptfach: Medien- und Kommunikationswissenschaften, Nebenfach: Psychologie, Sozio-
logie . Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Philosophische Fakultät II, Department für Medien- und Kommunikati-
onswissenschaften. Datum: 08. Juni 2009,S. 66 http://wcms.uzi.uni-halle.de/download.php?down=31460elem=2709474)
148
Vgl. Herzkrankungen: Welche Musik wirkt sich positiv aus? uf http://www.herzstiftung.de/Musik-und-
Herz.html.

74
Gegensatz der Spannung, denn diese Musik gibt auch dem Publikum des Films Entspannung.
Diese spezielle Musik von Bach ist so komponiert worden, dass es den 60 Schlägen pro
Minute einem langsamen Herzschlag entspricht.
149
Dadurch verinnerlichen wir diesen
Rhythmus der Musik und fühlt sie sehr natürlich an.
Pölsler hat diese ruheerzeugende Violinenmusik gegenüber den Spannungerregenden Töne
der Erdrotation gesetzt. Denn in diesen Panoramabildern, lässt die Intensität der Spannung
nach (weil die Frau die Wand einfach akzeptiert hat) und musste der Regisseur irgendwie in
einem Film ohne direkte Sprache und Aktion die Aufmerksamkeit der Zuschauer fesseln und
festhalten.
Die Soundkomposition besteht auch aus Atmo
150
, eine akustische Atmosphäre wird damit
gemeint. Es schafft den Wirklichkeitseindruck in einem Film. Man kann denken an z. B. den
Schuss, den man als Zuschauer hört wenn sie einen Hirsch mit dem Gewehr erschießt. Das
Atmo ist die klangliche Beschreibung eines Ortes. Man könnte auch Geräusche
151
, wie das
Ansausen von Luchs wenn sie ihn probiert zu streicheln am Anfang, zum Atmo rechnen. Und
weil im Film Musik nicht oft gebraucht wird, hören wir die natürlichen Geräusche um so
mehr. Auch das Schreien der Krähe am Anfang, in der Mitte und am Ende, sind Geräusche,
die eine akustische Atmosphäre der Ungewissheit, des Grauens vielleicht erzeugen beim
Zuschauer, weil dieses Krähschreien stark auf die Nerven wirkt. Es erzeugt Spannung, weil
wir wissen möchten, warum diese Tiere schreien. ,,Wodurch sind sie gestört worden?" Ist die
Frage, die wir uns stellen. Und vielleicht verbinden einige Zuschauer sogar eine
Todeserwartung mit diesem Ton des Schreiens, weil Krähe oft assoziiert werden mit dem
Tod. Dann ist die Frage, wer ist tot?
Ein ganz besonderes Geräusch sind die Töne die man hört, wenn die Frau sich die Wand
nähert, und man hört es auch in den Traumsequenzen. Man hört einen Ton, der die
Erdrotation
152
gleicht. Es scheint Menschen zu geben, sagt Pölsler, die stets ein Brummen im
Ohr haben, das aber kein Tinnitus ist. Es gibt eine Theorie, die erklärt, dass es sich dabei um
149
Vgl. Graber, Bruno: VERBESSERTE DURCHBLUTUNG DER BLUTGEFÄSSE
Musik von Johann Sebastian Bach schützt das Herz auf http://www.jesus.ch/magazin/kultur/musik/196200-
musik_von_johann_sebastian_bach_schuetzt_das_herz.html und
150
Atmo auf http://de.wikipedia.org/wiki/Atmo
151
Geräusch auf http://de.wikipedia.org/wiki/Ger%C3%A4usch
152
Höre: Erdrotation.http://www.youtube.com/watch?v=TEc-AFZ5VmU

75
besonders sensible Menschen handelt, die diese Erdrotation wahrnehmen.
153
Dieser Ton ist
ein tiefes Brummen, das Bässe gleicht. ,,Bässe haben eine sehr starke Wirkung, da sie im
Alltag kaum vorkommen. Wir können sie auch sehr schlecht verarbeiten. Der Bass umhüllt die
Zuschauer, der Körper wird durchflutet und man spürt das bekannte Vibrieren im Bauch. Ob
wir bestimmte Bässe beruhigend oder aufregend empfinden, hängt von der rhythmischen
Struktur ab, der die Bässe unterworfen sind."
154
Dieser Erdrotationston, kann man also als
einen speziellen Klangeffekt bezeichnen, die auch UKO's genannt werden. UKO steht für
unidentifizierbares Klangobjekt. Ein UKO erregt Spannung, weil wir nicht gleich wissen, wo
der Klang herkommt. Dieser Ton der Erdrotation im Film reicht bis tief in unserem Innersten,
weil der Rhythmus hier die Frau immer wieder erfahren lässt, dass es die Wand noch immer
gibt.
Effekte
155
im Film gibt es, wenn wir als Zuschauer auf der einen Seite der Wand stehen, und
die Frau auf der anderen Seite. Dann hören wir nichts, wie sie auch schreit oder mit einem
Stock gegen die Wand stößt. Damit wird uns ganz klar, dass diese Frau sich in eine ganz
andere Welt befindet, einem Glassgefängnis wo nichts von innen nach außen durchdringt. Es
steigert die Spannung, dass diese Frau total isoliert ist.
Stille gehört auch zu der Soundkomposition des Films. Stille wird in den meisten Fällen als
bedrohlich, düster oder einsam empfunden. Bedrohlich weil Fragen wie:"Was hören wir,
wenn es nichts zu hören gibt?" und ,,Wie stark ist unser persönliches Bedürfnis nach Stille?"
oder ,,Und wie viel Stille können wir ertragen ­ angenommen, es gibt überhaupt so etwas wie
Stille?" auf uns zu kommen
156
. Häufig wird Stille mit dem Tod assoziiert, wird als ein
Zeichen für unangenehme Gefühle und Konflikte gesehen. Sie deutet auf Gefahr hin und wird
für Schrecksekunden eingesetzt, sowie für Desorientierung.
157
Und hier im Film ist natürlich
dieses unangenehme Gefühl wichtig zu vermitteln, weil wir uns immer wieder fragen, ob
diese Frau es schafft und wie sie es schaffen wird zu überleben.
153
Vgl. Julian R. Pölsler: Die Wand ­ Intervieuw, Austrian Film Commission, im November 2011, S. 4/6.
154
Vgl. Gottscheber, Christin: Der Trailer und sein emotionales Design. (2009) Der Trailer und sein emotiona-
les Design. Diplomarbeit, Universität Wien,S. 58.
155
Spezialeffekt auf http://de.wikipedia.org/wiki/Spezialeffekt und Visueler Effekt auf
http://de.wikipedia.org/wiki/Visueller_Effekt
156
Sounds like Silence ­Various Artists Deutsch auf http://www.gruenrekorder.de/?page_id=8079
157
Vgl. Flückiger, Barbara: Sound Design. 3. Aufl., Marburg, Schüren, 2007, Seite 232ff), zitiert nach ."( Der
Trailer und sein emotionales Design. Gottscheber, Christin (2009) Der Trailer und sein emotionales De-
sign. Diplomarbeit, Universität Wien,S. 53-54.

76
Spannung wird natürlich auch erzeugt durch Lichtgestaltung, Farbengebrauch, Mimik und
Geste der Hauptperson und Kameraführung.
Diese Techniken der Lichtgestaltung
158
und Kameraführung
159
hat man natürlich nicht im
Roman vorhanden. Qua Farbengebrauch soll erwähnt werden, dass die Frau zuerst sehr
hellfarbige, moderne, weibliche Kleidung trägt und nach und nach verschleiert qua Farbe. Am
Anfang war es ein weisses Kleid mit Schuhen mit hohen Absätzen. Weiterhin verdunkelt und
vermännlicht sie. Es ist natürlich auch unwirklich, dass die Frau hellfarbig bleiben kann in
einem Überlebenskampf mit harter ländlichen Arbeit. Aber die Farbe der Kleidung trägt dazu
bei, an dem Gefühl des schweren Lebens, dass die Frau jetzt im Wald lebt.
(Foto: https://encrypted-
tbn2.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQk95I3OLFUB4WX_fokmRxv175YMbgoTXU2T5AXF0t4s5iF-Fng)
158
Lichtgestaltung auf http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtgestaltung_(Film)
159
Filme machen / Filmpraktische Tipps auf http://www.jungefilmszene.de/filmemachen/praxis.php?id=89k=6

77
(Foto: http://www.kino.de/wp-content/gallery/die-wand-2011/wand-die-martina-gedeck-12-rcm0x1920u.jpg)
(Foto: http://www.kino.de/wp-content/gallery/die-wand-2011/wand-die-martina-gedeck-13-rcm0x1920u.jpg)

78
(Foto: https://clairemca.files.wordpress.com/2015/06/the-wall-film.jpg)
(Foto:http://www.kino.de/wp-content/gallery/die-wand-2011/wand-die-11-rcm0x1920u.jpg)
Die Beleuchtung ist spärlich im Waldhaus und sie fügt sich immer nach dem Wetter. Im
Sommer gibt es viel Licht und im Winter wenig. Die Beleuchtung ist eher eine Unterstützung
des Bildes, damit es authentisch wirkt, als ein spannungerregendes Element. Es soll vor allem

79
die Schönheit der Umwelt zeigen. Und es dient auch zur Unterstützung der Emotion der Frau,
zum Beispiel im Stall gibt es warme bräunliche Farben zu sehen:
(Foto: http://www.subtext.at/wp-content/uploads/2012/10/Bild-Die-Wand.jpg)
Diese Farben sollen Wärme ausstrahlen, sie fühlt sich zuhause bei den Tieren.
Farbensymbolik gehört zu einem semi-wissenschaftlichen Forschungsgebiet und sollte nicht
in dieser Studie besprochen werden. Aber wenn wir uns gestatten in diesem Bereich uns mal
umzuschauen, dann ist es bemerkenswert, dass die Farbe Braun immer wieder mit Wörtern
wie
Geborgenheit,
Bodenständigkeit,
Zuverlässigkeit,
Reife,
Fruchtbarkeit,
Naturverbundenheit und Kreativität verbunden werden kann. Braun steht für Herkunft,
der Wurzel, der Summe unserer Erfahrungen aus der Vergangenheit bis hin zum Jetzt,
dem Sein. Und auf der sozialen Achse des Censydiammodells steht Braun für das
Verlangen, Teileines grösseren Ganzen zu sein... Braun beschreibt das Bedürfnis sich
akzeptiert zu fühlen. Braun bedeutet Dazugehörigkeit.
160
160
Vgl. http://www.innovation-marketing.at/index_newsaktuell_4_n6__1_5_b1034_.html.und http://www.life-
institut.ch/Farben.htm
und http://www.ipsos.de/assets/files/presse/2011/publikationen/transfer_11_04_28_36.pdf.

80
Das Censydiam-Modell
161
mit deutschem Erklärungen:
Sie hat natürlich das Bedürfnis irgendwo dazu zu gehören, weil sie ein Mensch ist. Das
Censydiam Modell kommt aus der Welt der Vermarktung, aber wenn Leute in der Werbung
161
Vgl. Censydiam ontrafelt behoeften consument auf http://www.ipsos-nederland.nl/content.asp?targetid=476.

81
diese Farben bewusst verwenden, damit beim Konsumenten Emotionen hervorgerufen
werden, dann wird dieser Appell an Emotionen auch wirken bei den Kinogängern. Für uns
würde es nicht stimmen, wenn jetzt im Stall etwas Schreckliches geschehen würde im Film.
Im Winter wenn sie sich ganz alleine fühlt, nachdem Lucks tot ist, ist das Licht eisigkalt:
(Foto:
http://diepresse.com/images/uploads/c/3/a/1313850/wasserschauspiele_wiesen_kuhgeburten_diewand_thiemfilm2012111623
5243.jpg)
Zusammen mit dem Schnee wirkt es bedrohlich. Es war Julian R. Pölsler wichtig, dass im
Film echter Schnee zu sehen war, dass das Licht auf der Alm genau so ist, wie er sich das
vorgestellt hatte.
162
162
Vgl. Die Wand Interview mit dem Regisseur.auf http://www.diewand-derfilm.at/#interviewregisseur.

82
Im Gegensatz zu dem Leben auf der Alm, wo sie sich im ersten Sommer glücklich fühlt:
(Foto: https://media.outnow.ch/Movies/Bilder/2012/Wand/movie.fs/13.jpg)
Hier sind die Farben warm, das Grün des Grases ist warm durch das Licht der Sonne
wiedergegeben. Luchs` Fell scheint hellbraun auf, er fühlt sich auch sehr wohl. Sie
unterstreichen das Wohlbefinden der Frau.
Mimik
163
und Gestik
164
können zur Spannung beitragen. Unsere Augen gelten als Spiegel
der Seele. Mit den Augen kann man lächeln, Freude ausstrahlen, zustimmen, fragend aber
auch zweifelnd oder stark ablehnend wirken. Wenn der Film anfängt, sieht man die Augen der
Frau nicht, weil sie eine Sonnenbrille trägt.
Erst wenn die Gastgeber nicht mehr wiederkehren, bekommen wir mehrmals, Bilder mit
Close-up shots oder mediumshots vom Gesicht von Martina Gedeck zu sehen. Diese Close-up
shots werden als folgt gebraucht:"Close up shots typically contain just the face and shoulders
of a subject, with a little head room above. This prevents 'floating head syndrome' as the
shoulders suggest to the brain that there is a body below! These shots are the most common of
all as they can convey a real sense of emotion and help the audience to connect with the
subject"
165
163
Mimik auf http://de.wikipedia.org/wiki/Mimik
164
Gestik auf http://de.wikipedia.org/wiki/Gestik
165
Shot types and angles, Serif MoviePlus Starter Edition tutorials
aufhttp://www.serif.com/appresources/mlx5/Tutorials/en-us/tutorials/basics_shottypes.htm.

83
(Foto: https://i.ytimg.com/vi/oShRCjVWqRQ/hqdefault.jpg)
(Foto: http://quietus_production.s3.amazonaws.com/images/articles/10329/the-wall_01_1349949706_crop_550x366.jpg )

84
(Foto: http://www.arte.tv/sites/de/das-arte-magazin/files/DieWand_11.jpg)
Foto: http://www.movpins.com/big/MV5BMTg2MjI3NzU2N15BMl5BanBnXkFtZTcwNDQ3MDE1OQ/martina-gedeck-in-
die-wand-(2012).jpg)

85
(Foto:
http://diepresse.com/images/uploads/7/1/f/1324831/drei_topfavoriten_fuer_oesterreichischen_gedeck_wand_thim201212171
34004.jpg)
(Foto: http://imageserver.cineweb.de/320/13107/2.jpg)

86
(Foto: https://www.filmtipps.at/kritiken/Die_Wand/gallery/Die_Wand_3.jpg)
(Foto: http://cdn1.spiegel.de/images/image-409618-videopanoplayer-qqyp-409618.jpg)
Diese Shots vermitteln Emotionen, heisst es in der Theorie, sie sollen dem Publikum helfen,
sich mit dem Thema oder mit der Filmfigur zu verbinden. Aber die Emotion, die hier vermit-
telt werden soll, ist nicht leicht zu deuten, denn fast immer ist ihre Mimik unterstrichen von
einem neutralen Blick ins Nichts. Die Augen dieser Frau lachen nicht, strahlen keine Freude
aus, stimmen nicht zu, sie wirken nachdenklich.

87
(Foto: http://www.filminstitut.at/files/images/35/4f44a28402def_b.jpg)
Und das macht die Sache spannend, denn wir sind gewöhnt, jedem Menschen das Gefühl vom
Gesicht abzulesen. Weil diese Mimik der Frau im Film nicht direkt interpretierbar ist, gibt sie
uns als Zuschauer die Möglichkeit darüber zu grübeln, was sie denkt und was sie fühlt oder
erfährt. Man muss als Zuschauer selbst aktiv mitdenken und fühlen.
Das Bild unten lässt Verwirrung sehen, aber die Mimik der Martina Gedeck ist minimal. Sie
wirkt verwirrend für uns Zuschauer. Wir fragen uns, träumt sie, ist sie im Schock oder erfährt
sie die Realität in der nun der Zeit? Es gibt kein einziges Lächeln und/ oder es gibt keine
Tränen. Sie hat fast keine Regung im Gesicht. Und dadurch gibt sie uns kaum eine
Gefühlsübertragung. Mimik ist ein wichtiges Mittel in der menschlichen Kommunikation.
Wir können uns dadurch als Zuschauer schwieriger einfühlen in ihren Gefühlen. Die
Möglichkeit zur Empathie macht sie uns schwer. Eigentlich hält sie ihre Gefühle auch für uns
Kinogänger hinter der Wand verborgen. Nur rational fragen wir uns: ,,Was wäre, wenn
ich...?"

88
(Foto: http://www.getlinkyoutube.com/watch?v=hHOnCb6xTyE auf 0.25 Sekunden)
(Foto: http://i401.photobucket.com/albums/pp92/Hafilova/6b062b43-83d1-4f70-b212-fbd0080ced40.jpg?t=1387353988)
(Foto
http://www.imdb.com/title/tt1745686/
auf 1.53 Sekunden)

89
In dem Bild des Albtraums ist eine Frau zu sehen, die Expressionen ausdrückt mit der Gestik
und der Mimik.
(Foto: http://media0.faz.net/ppmedia/aktuell/feuilleton/849237566/1.1920682/article_multimedia_overview/wand.jpg)
Da diese Frau alleine lebt ohne Menschen, hat sie keinen Kontakt mit den Augen zu einer
anderen Person. Die Augenblicke bekommen dann nicht die zentrale Bedeutung, die sie nor-
malerweise haben. Sie braucht keine eindeutige Blicksignale die leicht zu deuten sind, denn es
gibt niemanden, die sie deuten könnte. Nur wir als Zuschauer sehen sie durch die vierte
Wand, aber dessen ist sie sich nicht bewusst als Charakter in dieser Geschichte. Diese Frau
lächelt fast nicht in diesem Film, nur den Tieren schenkt sie ein wenig Lächeln. Sie braucht
das Lächeln als die Königsdisziplin um Sympathien zu gewinnen auch nicht. Man sieht ihr
wenig Lächeln, wahrscheinlich weil sie diesen perfekten Türöffner nicht braucht. Die Tiere
reagieren nur auf ihre Stimme und Gestik. Sie bekommt ihre Aufmerksamkeit, weil sie die
Tiere versorgt.
166
166
Vgl. Schrader/Hesse: Gestik und Mimik Augen, Mund und Hände auf
http://www.berufsstrategie.de/bewerbung-karriere-soft-skills/gestik-mimik.php)

90
167
Auf dem DVD-Umschlag steht zur Mimik:
,,Wie Martina Gedeck das spielt, wie sich all das ­ Verlorenheit, Glück, Angst und
Mut ­ in ihrem Gesicht spiegelt, das gehört zum Wunderbarsten, was ich je in einem
Film gesehen habe. ,,
168
Spannung kann auch erzeugt werden, wenn wir einen Film mit viel Action
169
sehen. Action
wird gebildet durch die Herausforderungen, die die Protagonistin zu bekämpfen hat.
Herausforderungen wie körperliche Leistungen, erweiterte Kampfszenen, Gewalt und sie
wurde teilnehmen an hektische Verfolgungen. Sie wird dann in ihrem Kampf unglaubliche
Chancen und lebensbedrohlichen Situationen oder einen Bösewicht treffen müssen. Am Ende
würde sie dann als Held siegen.
Körperliche Arbeit muss sie leisten, um alleine im Wald zu überleben. Sie muss Kartoffel
anpflanzen, sie muss sich Fleisch erschießen, sie muss jeden Tag die Tiere versorgen, damit
sie nicht sterben. Sie muss Autarktisch sein. Wenn sie nichts macht, wird der Wald sich zu
167
Eigene Aufnahme
168
DVD-Umschlag Die Wand: Elke Heidenreich/Stern.
169
Action auf http://en.wikipedia.org/wiki/Action_film

91
einer lebensbedrohlichen Situation verwandeln. Der Bösewicht ist nicht ein Mensch, sondern
eigentlich die Wand. Aber nach und nach erfährt sie die Wand nicht mehr als etwas
Bösartiges, weil sie einfach akzeptiert hat, dass es diese Wand gibt.
(Fotos:
https://encrypted-tbn3.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTMSqzU-34Oy8ESbyOWdaSpEGVouyM04scFCvTQg3zcBtGkCAWCdg
und Tips Zeitungs GmbH Co KG, Simon-Redtenbacher-Platz 9, 4560 Kirchdorf Österr. Post AG | Postentgelt bar bezahlt |
RM 02A034595K | Verlagspostamt 4020 Linz KW 27 | Aufl age Kirchdorf 22.893 Stk. | Gesamt 703.953 Stk. Seite 2,
Woche27, 20 10)

92
(Foto: http://www.imdb.com/title/tt1745686/ auf 1.47 Sekunden)
Der größte Bösewicht ist sie sich selbst. Denn der Mensch ist oft sich selbst sein größter
Feind, ist eine bekannte Aussage. Der Kampf, den sie führt ist, dass bekämpfen der Isolation.
Sie muss selbst ihre eigene Einsamkeit bekämpfen. Und das erregt hier im Film die
Spannung. Schafft sie das oder nicht? Wir als Zuschauer können mittels der ,,vierten Wand"
ihren Streit sicher miterleben, wir sind ja selber nicht betroffen von dieser Wand. Und trotz
dieser imaginären vierten Wand, die (die Frau im Film niemals durchschreitet und dadurch
keine Interaktionen mit dem Filmpublikum angeht) erreicht Pölsler, dass wir uns fragen:
,,Was wäre, wenn...?" Und dafür braucht er keine hektischen Verfolgungen oder keinen
Gewalt. Es ist eher so, dass wenn die Frau Gewalt gebraucht um ein Tier zu töten, sie sich
bewusst davon ist, dass sie damit Schlimmes tut. Das Erschießen der Tiere, ist für sie eine
geistige Qual. Das einzige Mal, dass sie wirklich einen Bösewicht bekämpft, ist wenn sie
diesen Mann auf der Alm erschießt, weil er ihre Tiere getötet hat. Das ist auch eher ein Akt
der Selbstverteidigung als ein Akt des Mordens ums Morden an sich.
Natürlich, ist die Situation, worin sie lebt, lebensbedrohlich. Aber trotzdem nutzt sie die
unglaubliche Chance zu überleben, dadurch, dass sie sich anpasst an der Veränderung in
ihrem Leben. Und wie sie das geistlich vollbringt, erzeugt Spannung. Nicht jeder Zuschauer
wird gereizt werden durch diese Art der Spannung, aber die Zuschauer der Blockbusterfilme
lieben, werden diesen Film nicht lieben. Dieser Film ist nicht eine von vornherein auf Erfolg
getrimmte, rein kommerzielle Produktion, die mit mehreren tausenden Kopien zeitgleich im
ganzen Land in den Kinos zu bewundern ist. Das Publikum dieses Films ,,Die Wand" soll

93
nicht nur unterhalten werden mittels einer Art Spannung. Pölsler sagte dazu: ,,Mein größter
Anliegen war, eine Plattform für diesen grandiosen Text zu schaffen, den Marlen Haushofer
geschrieben hat. Dem hab ich immer versucht, alles unterzuordnen."
170
170
Austrian Film Commission, Julian R. Pölsler: Die Wand ­ Interview, S.2/6 auf
http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=dereserve-mode=activecontent-
id=1164272180506artikel_id=1322552864766.

94
Kapitel 7 Das Buch wäre unverfilmbar, weil die
Hauptperson nicht zur Identifikation anregt.
Stimmt das?
Identifikation hat im Film zwei Seiten, nämlich einerseits soll der Schauspieler sich mit seiner
Rolle identifizieren um es überhaupt spielen zu können und anderseits geht es um das Ver-
hältnis des Zuschauers zu den dargestellten Figuren. Zur ersten Seite antwortete Martina Ge-
deck im Interview
171
auf die Frage wie sie sich auf eine Rolle vorbereitet hat, die sehr an die
Wurzeln der menschlichen Existenz geht und zusätzlich vom Innenleben der Figur abhängt?
,,Statt einen Text zu lernen, habe ich mich in den Raum der Figuren begeben. Ich habe
den Text täglich gelesen und sehr zurückgezogen gelebt. Ich habe versucht, den
Roman für mich zu strukturieren: Wat tut sie wann? Wie ist ihr Tagesablauf? Diese
zeitlichen Abläufe habe ich verinnerlicht. [...] Während der Dreharbeiten habe ich auf
einer kargen und abgelegenen Almhütte gewohnt. Ich habe versucht, in mir den
Zustand zu empfinden, den die Frau im Roman innehat. Sie schwingt zwischen
unbewusst und bewusst. [...] Diese Stimmung und die Gedanken der Frau kann man
nicht spielen, man muss sie erleben."
Also soll man als Schauspieler diese Frau des Romans in sich verinnerlichen, um sie spielen
zu können.
Die zweite Seite der Identifikation, das Gleichsetzen der Zuschauer mit dieser Frau im Film
bedeutet, dass der Zuschauer sich mit einer Hauptfigur des Films identifiziert und sich, in
deren Situation hineinversetzt. Der Zuschauer soll sich in den Hauptdarsteller des Films ein-
fühlen, sodass er das Gefühlslebens des Hauptdarstellers als sein eigenes erkannt und mit dem
Hauptdarsteller mitempfindet
172
.
Dieses Mitempfinden kann nur, wenn die Hauptfigur emotionale Reaktionen auslöst beim
Zuschauer. Und Emotionen werden nur ausgelöst, indem eine emotionale Saite in jemands
Herz angeschlagen wird, damit der Zuschauer mitfühlen kann. Für dieses Mitempfinden
braucht der Zuschauer einen mehrdimensionalen, ,,runden" Charakter, der sich von verschie-
denen Seiten zeigen kann und tiefgründig wirkt auf den Zuschauer. Denn wie schon vorher
171
THIMFILM, Presseheft, Die Wand S. 17 auf http://www.austrianfilm.at/assets/Die%20Wand/DW-
PRESSEHFT-web.pdf.
172
Vgl. https:Identifikation auf //wiki.univie.ac.at/display/filex/Identifikation.

95
erwähnt, muss der Zuschauer in dieser Geschichte waten durch mehrere Wände um wirklich
bei dieser Frau zu kommen. ,,Der Weg zur Figur führt in jedem Fall über Rezeption und
Kommunikation"
173
Im Fall der Frau im Film ,,Die Wand" wissen wir schon, dass sie wenig
direkt kommuniziert, und schon gar nicht im normalen Dialog mit Menschen. Sie schreibt ja
einen Bericht im Roman von Marlen Haushofer, die im Film durch Martina Gedeck vorgele-
sen wird. Der Focalisator (der Sichtpunkt der Figur, deren Geschichte erzählt wird) stimmt in
diesem Film überein mit dem Off-Kommentar. Als Zuschauer aber, muss man diese Stimme
und die Frau im Film wohl miteinander verbinden. Und die Frage stellt sich jetzt, ob all diese
verschleierenden Faktoren (wie unten im Schema zu sehen sind), dazu beitragen, dass der
Zuschauer sich zur Identifikation zur Hauptperson angeregt fühlt. Und dass damit die These
stimmt, dass das Buch dadurch unverfilmbar sei.
Schema ist gemacht worden von Ineke IJsenbrand, 2014.
Zur Identifikation braucht die Figur im Film Überzeugungskraft. Diese kann offen und persu-
asiv ausgestellt werden, wie z. B. in Werbespots. Aber hier handelt es sich um einen Film als
173
Eder, Jens: Die Figur im Film. Grundlangen der Figurenanalyse. Zugl. Dissertation an der Universität Ham-
burg. Marburg: Schüren 2008.(S.107) zitiert nach (Katja Hettich (Bochum). In MEDIENwissenschaft 1/2009.

96
Kunstäußerung. Hier ist der Regisseur nicht nur abhängig von dem Dargestellten, sondern
auch von der Motivation und den Kapazitäten der Empfänger. Ist der Zuschauer nicht genü-
gend motiviert oder hat er zu wenig Kapazitäten um den Film zu verstehen, dann verarbeitet
er das Dargestellte nur oberflächlich. Ist er motiviert und hat er die Kapazitäten das Darge-
stellte zu verstehen, dann verarbeitet er es sorgfältig und kann den tiefen Hintergrund des
Films verstehen. Dann basiert er seine Identifikation nicht auf die Frustration. Es ist diese
Frustration nichts mit der Figur und mit deren Geschichte anfangen zu können. Versteht der
Zuschauer die Figur, dann basiert er seine Identifikation auf die Vertrautheit der Figur und auf
die Vertrautheit der Geschichte. Diese Identifikation besteht aus einer Komplexität wo
Gleichnis, Sympathie, sich an Stelle der Figur stellen und Empathie eine wichtige Rolle spielt.
Verbindungen zur Figur entstehen während des Films. Es ist eine Art Interaktion, wobei die
Perspektive, von woraus die Geschichte gesehen werden kann, wichtig ist. Das Wahrgenom-
mene betrifft, dass was die Figur sieht, riecht, tut, fühlt, schmeckt und sagt, aber auch die in-
nerlichen Prozesse wie Gedanken und Emotionen.
Quelle:
https://www.google.nl/search?q=die+uhr+der+figursource=lnmstbm=ischsa=Xei=oSIcU6uSAoj8ygPcz4D4BQve
d=0CAcQ_AUoAQbiw=1600bih=768#facrc=_imgrc=g4WCOpobE2KJxM%253A%3B7A-
_C6fOzWU4rM%3Bhttp%253A%252F%252Fportfolio2.s3.amazonaws.com%252Fsystem%252Fprojects%252F939%252F
medi-

97
a%252F3900%252Fpresentation_media.jpg%3Bhttp%253A%252F%252Fportfolio.multimediaart.at%252Fprojects%252F2
011-die-figur-im-film%3B588%3B441
Im Film ,,Die Wand" bekommen diese innerlichen Prozesse viel Aufmerksamkeit. Also be-
kommt der Zuschauer viele Möglichkeiten sich zu identifizieren mit der Figur.
174
,,Die Figur
ist ein auf textbasierendes Gebilde aus Zeichen. Und trotzdem ist es uns möglich, mit diesen
Charakteren scheinbar gemeinsam ein Abenteuer zu erleben. Wir fiebern mit ihnen, wir
freuen uns mit ihnen, wir trauern mit ihnen und sprechen oftmals noch Jahre nach der
Filmrezeption über sie."
175
Wodurch diese starke Identifikation zustande kommt, kann er-
klärt werden mit ,,Die Uhr der Figur",
176
ein Modell der Figurenanalyse von Jens Eder.
(Grundlegender Figurenanalyse). Es würde eine separate Studie erfordern, dieses Modell an-
zuwenden auf diesen Film ,,Die Wand". Doch die Kernpunkte des Modells können dazu bei-
tragen, die Antwort auf die Frage der Verfilmbarkeit des Buches ,,Die Wand" von Marlen
Haushofer weiterhin zu untersuchen.
,,Figuren können nach Eder nicht als Zeichen im Text" des Films betrachtet werden, sondern
sind als kommunikative Konstrukte zu verstehen."
177
Demnach werden Figuren auf vier Re-
zeptionsebenen erfahren: als fiktive Wesen, Symbole, Symptome und Artefakte. Diese Ebe-
nen stehen miteinander in Wechselwirkung.
178
A. Als fiktives Wesen ist die Figur aufgeteilt in: Körper, Sozialität und Psyche.
174
Vgl. Graaf. Anneke de, Sanders, Jos, Beentjes, Hans en Hoeken, Hans. De rol van identificatie in narratieve
overtuiging. In: Tijdschrift voor Taalbeheersing ­ 29 (2007),nr. 3, 237-250, Blz. 237- 240.
175
Autor unbekannt:Die Figur im Film. In" DIE FIGUR IM FILM MultiMediaArt. Fachhochschule Salz-
burg,University of applied Sciences auf https://portfolio.multimediaart.at/projects/2011-die-figur-im-film steht:
176
Eder, Jens Grundlagender ,,Die Uhr der Figur, Modell der Figurenanalyse. Marburg:Schnüren, 2008 , S. 711.
In: Autor unbekannt:Die Figur im Film. In" DIE FIGUR IM FILM MultiMediaArt. Fachhochschule Salz-
burg,University of applied Sciences auf https://portfolio.multimediaart.at/projects/2011-die-figur-im-film steht:
177
Vgl. Frischke,Laur und James, Jesse: Filmische Darstellung eines amerikanischen Mythos, Matrikelnummer:
03-727-773. Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades ,,Master of Arts in Filmwissenchaft"der Phi-
losophischen Fakultät der Universität Zürich am 10.2010, S. 23. auf
http://www.film.uzh.ch/research/studentspub/Frischke_2010.pdf.
178
Eder, Jens Grundlagender ,,Die Uhr der Figur, Modell der Figurenanalyse. Marburg:Schnüren, 2008 , S. 711.
In: Autor unbekannt:Die Figur im Film. In" DIE FIGUR IM FILM MultiMediaArt. Fachhochschule Salz-
burg,University of applied Sciences auf https://portfolio.multimediaart.at/projects/2011-die-figur-im-film steht,
S. 24-27.

98
A1.Die äußere Erscheinung, das Gesicht (Mimik), Bewegungsverhalten (Gestik) Sprachver-
halten und situative Kontexte der Umwelt (Verhältnis zu anderen Figuren, Objekten und Um-
gebung) gilt als Körperbild.
Fotos von links nach rechts und von oben nach unten:
1. http://www.kino.de/film/die-wand-2011/ auf 0.26 Sekunden des Trailers
2. http://www.kino.de/film/die-wand-2011/ auf 0.29 Sekunden des Trailers
3.http://static3.fnp.de/storage/scl/importe/fnpartikel/nachrichten/kultur/filme/168875_m3w605h320q75v27011_fnp_import_f
il_wand_neu_091012.jpg?version=1365866308
4.http://images.derstandard.at/t/12/2012/09/29/1348310083802.jpg
5. http://content.internetvideoarchive.com/content/photos/8335/967051_067.jpg
6. http://www.filmforum.at/sites/filmforum.at/files/imagecache/filmansicht/die_wand_3.jpg

99
Die Frau, die hier im Film gezeigt wird, ist allein.Sie hat im gesprochen Bericht, den sie ge-
schrieben hat, noch lange Haare. Am Ende sind sie kurze Haare, damit wir Zuschauer auch
deutlich visuell mitbekommen, dass diese Monologe Interieur ein Rückblick ist. Sie vermänn-
licht qua Kleider und Haltung immer mehr.
A2. Sozialtität sind alle sozialen Handlungen und Beziehungen von Figuren und ihre Position
in überindividuellen Sozialstrukturen. Ihr soziales Handeln betrifft nur die Versorgung der
Tiere.
Fotos von links nach rechts:
1. http://www.prae.hu/prae/upload/wand3.jpg
2.http://static3.fnp.de/storage/scl/importe/fnpartikel/nachrichten/kultur/filme/168875_m3w605h320q75v27011_fnp_import_f
il_wand_neu_091012.jpg?version=1365866308
3. http://www.kino.de/wp-content/gallery/die-wand-2011/die-wand-martina-gedeck-2-rcm0x1920u.jpg
A3. Psyche bedeutet das Innenleben (Wahrnehmung, Kognition, Emotion und Motivation)
und die Persönlichkeit einer Figur. Vieles ist schon, vorher in dieser Studie gesagt worden:Die
Hauptperson möchte nicht verrückt werden, und darum schreibt sie.
(Foto: http://zeilenkino.de/wp-content/uploads/2012/09/diewand_012.jpg)

100
B. Als Symbol fungiert die Figur, wenn sie als Zeichen, Sinnbild oder Ausdruck. Für etwas
Anderes, meist Abstraktes gilt.
Wenn wir diese Szene unten sehen, wissen wir, sie hat die Wand entdeckt, weil wir die Ge-
schichte miterleben. Würde man dieses Bild sehen, ohne zu wissen, wovon der Film handelt,
dann könnte man in dieser Pose eine Siegerpose sehen. Und irgendwie ist ja auch eine Siege-
rin, denn sie symbolisiert der letzte Mensch auf Erden, der noch lebt.
(Foto: http://outnow.ch/Media/Movies/Bilder/2012/Wand/movie.fs/08.jpg)
C. Als Symptom fungiert die Figur, wenn sie indirekte Bedeutung auf außerfilmische Kon-
texte hat und dadurch als Vorbild für z. B. soziale Gruppen dienen kann. Auch die Besetzung,
das Star- Image und der Schauspielstil gehören zu dieser Ebene. Dabei muss man denken, an
die feministische Gruppen, die, die Frau im Buch gesehen haben als eine Vorkämpferin der
Frauenbewegung, der Selbstbestimmung. Und diejenigen, die diese Frau sahen als eine
Kämpferin gegen Atomenergie und Atomwaffen. Die Frau des Romans referierte an Gefühle,
die schon anwesend waren bei diesen Bewegungen in der Gesellschaft.
D. Als Artefakt fungiert die Figur mit Eigenschaften wie Realismus, Typisierung, Komplexi-
tät und Mehrdimensionalität. Und neben der Ebene des Dargestellten gibt es die Ebene der
Darstellung durch Inszenierung, Kameraführung, Tongestaltung, Montage und Musik. Als
Artefakt geht es darum,wie dies alles sich auswirkt auf die Zuschauer. Wie schon gesagt, es
ist abhängig vom Zuschauer was er mit der Figur, der Frau anfängt während des Films und
hinterher.

101
Schlussfolgerung: Ruft die Frau in dem Film ,,Die Wand" Empathie und Sympathie auf? Regt
sie zur Identifikation an? Ihr Körperbild ist ein Bild einer am Anfang städtischen Frau, die
sich verwandelt in eine Frau, die sich zurechtfindet im Wald und dadurch überleben kann. Es
wäre nicht glaubenswert, wenn sie am Ende des Films, noch immer auf High Heels im weißen
Kleid rundhüpfen würde. Wir wissen alle, dass man zum Überleben Schönheitszugeständnisse
braucht. Ihre Sozialität kennzeichnet sich durch die Abwesenheit von anderen Menschen, in
dem Augenblick, das sie zu tun bekommt mit einem anderen Menschen, ist dieser Mann bru-
tal und ermordet sie ihn. Ihre Psyche wird ausführlich mit uns als Zuschauer geteilt. Sie teilt,
ihre motivierte Gefühle und motivierte Ängste mit uns. Als Symbol hat die Frau im Roman
von Marlen Haushofer schon für Vieles gestanden; sie war Feministin, Atombekämpferin und
Frau mit Depressionen. Als Artefakt fungiert die Frau mit einem Realismus, den nur eine Frau
haben kann, die überleben möchte. Sie akzeptiert die Wand sehr schnell und geht weiter mit
ihrem Leben. Das filmische Verfahren zeigt uns eine Frau, die nicht direkt spricht zum Publi-
kum. Aber uns mittels des Off-Kommentars teilnehmen lässt an ihrer Geschichte, begleitet
von vielen Panoramabildern, Bach-Partiten und das immer wiederkehrende Brummen der
Erdrotationstöne, wenn sie sich die Wand wörtlich oder in Gedanken nähert..
Regt diese Frau im Film zur Identifikation an? Ja, es gibt viele Ebenen für die Zuschauer,
worauf sie mit dieser Frau mitfühlen können und sich in ihr einfühlen können.

102
Kapitel 8 Die Bewertung ,,unverfilmbar" ist nur eine
Vermarktungsstrategie. Stimmt das?
Fotos die Reihe nach:
http://www.critic.de/fileadmin/Images/Die_Wand_-_Plakat.jpg
https://alualuna.files.wordpress.com/2012/09/die-wand.png?w=762
http://www.moviescene.nl/ckfinder/userfiles/images/Moviescene/films/W/die_wand_26006316_ps_1_s-low.jpg
Obwohl auf dem Filmposter nichts zu lesen ist von Unverfilmbarkeit, wie hier unten zu sehen
ist, kann man sich fragen warum, dieses Wort immer wieder auftaucht in den Rezensionen. Ist
das nur ein Zufall oder könnte man das sehen als eine Strategie der Rezensenten um uns zu
bewegen uns diesen Film anzusehen, um festzustellen, ob das Prädikat der Unverfilmbarkeit
stimmt. Irgendwie, kann man sich fragen, ob diese ,,Strategie" eine Art Vermarktungsstrategie
ist, oder nicht. Aber dann muss zuerst erklärt werden was Vermarktung bedeutet.
Vermarktung bedeutet die Förderung des Absatzes von Produkten oder Dienstleistungen.
Vermarktung ist nicht gleich Werbung. Werbung zielt spezifisch auf ein konkretes Produkt
über einen klar definierten Zeitraum und in einem vorher näher bestimmten Gebiet durchge-
führt. Vermarktung ist eine Gesamtstrategie, die dafür sorgen muss, dass die Produktlinien als

103
auch die Marke und die Konsumenten zusammengebracht werden für eine längere Zeitfrist.
179
Für die Aussage: ,,Die Bewertung ,,unverfilmbar" ist eine Art Werbungsstrategie." ,müssen
wir zuerst verstehen was Rezensenten verstehen mit dem Begriff der Unverfilmbarkeit und
wie sie es anwenden in den Rezensionen.
Hier unten im Kästchen wird das Wort unverfilmbar nicht gebraucht, aber wird angegeben,
warum es so lange Zeit nicht verfilmt wurde.
,,Lange Zeit galt der Stoff als ungeeignet für die Kinoleinwand ­ zu schwierig
erschien u. a. die filmische Umsetzung der unsichtbaren Wand, die zugleich als
komplexe Metapher fungiert: Die rätselhafte Barriere, die die Frau vom Rest der
Menschheit trennt, symbolisiert sowohl eine ,,innere" Gefangenschaft als auch die
Abschirmung des eigenen Ichs von den Zwängen der Außenwelt."
180
Also hier gilt, dass die Geschichte nicht brauchbar war für die Verfilmung.
Der Film ,,Cloud Atlas" (2012) regissiert, produziert und geschrieben vom Trio Tom Tykwer,
Lana und Andy Wachowski, wird in der Unverfilmbarkeit verglichen mit der Film ,,Die
Wand".
,,Cloud Atlas läuft aktuell in den Kinos und reflexhaft ist in den Medien wieder der
Spruch von der Romanvorlage die Rede, die ,,(lange) als unverfilmbar galt". Ist noch
gar nicht so lange her, da lief im Kino Die Wand, da hat es das Gleiche geheißen. Das
könnte man jetzt für einen großen Zufall halten, ist es aber nicht., da Filme nach
Büchern, die als unverfilmbar galten, ungefähr so regelmäßig auftreten wie Filme
,,nach wahren Begebenheiten", also ziemlich oft."
181
Hier wird klar, dass Romane die als unverfilmbar galten, gerade oft verfilmt werden.
In den Jahren 2011/2012 (das Wort ,,unverfilmbar" gab für diese Zeitspanne 3.380 Resultate
und das Jahr davor waren es nur 305 Resultate mit Google) war die Rede von einer großen
Anzahl der sogenannten unverfilmbaren Filmen. Und zu dieser Anzahl gab es Reaktionen
wie:
179
Vgl: Autor unbekannt: Unterschied Marketing und Werbung: In: Omkt.de http://www.omkt.de/marketing-
werbung-unterschied/ und http://www.omkt.de/.
180
Yun,Vina: Das Innere im Aussen. In: die STANDARD.at Kultur am 30.September 2012 auf
http://diestandard.at/1348284453345/Das-Innere-im-Aussen.
181
Von haberlander: Unverfilmbare Bücher,am 23. November 2012 auf: traurigschoene-
welt.wordpress.com/2012/11/23/unverfilmbare-bucher/.

104
,,Es ist vor mir auch schon anderen aufgefallen, dass es erstaunlich viele Filme gibt,
die auf angeblich unverfilmbaren Büchern basieren, wer im Internet ein wenig da-
nach sucht, findet zahlreiche Beiträge und Diskussionen dazu."
,,Ich möchte hierzu nur ergänzen, dass die Phrase vom als unverfilmbar geltenden
Buch grundsätzlich hochgradiger Quatsch ist und mehr als journalistische Folklore zu
verstehen ist. Die Medien schreiben es gerne, die Leute lesen es gerne, dass es im
Grunde Blödsinn ist, interessiert da nicht weiter .[...] Wer wiederum legt überhaupt
fest, dass ein Buch unverfilmbar ist (um nach der Verfilmung festzustellen, dass es als
solches nur galt?)"
182
In diesen Reaktionen wird die Glaubwürdigkeit der Unverfilmbarkeit infrage gestellt und
meint man, dass es nur als Formel der Werbung und/oder der Rezension gebraucht wird.
Dass es viele Menschen nicht gelungen ist, den Roman zu verfilmen, sollte das Wort Unver-
filmbarkeit unterstreichen.
,,Zahlreiche Regisseure und Produzenten sind an diesem Roman (Die Wand) der früh
verstorbenen Marlen Haushofer schon in der Vorbereitungsphase gescheitert:
,,Unverfilmbar" hieß es jedes Mal am Schluss."
183
Nicht nur in Deutschland gab es unverfilmbar geachtete Romane, auch in Hollywood gab es
sie und sind dennoch verfilmt worden.
,,Unverfilmbar" ist kein Prädikat mehr, vor dem man in Hollywood
zurückschreckt."Unverfilmbar" heißt nur, dass sich der Richtige noch nicht
gefunden hat, um das Experiment zu wagen. Beispiele wie unverfilmbar auf einmal
doch verfilmbar wird, gibt es genügend, die ich an dieser Stelle wohl nicht alle
aufzählen muss. Und so, finde ich, sollten wir die Vokabel ,,Unverfilmbar" aus
unserem Sprachgebrauch streichen."
184
Dann vom Vergleich von Hollywood zu europäischen Filmen, versuchte man anhand des in-
neren Monologs zu erklären, warum es schwierig wäre, einen solchen Roman zu verfilmen.
182
Von haberlander: Unverfilmbare Bücher,am 23. November 2012 auf: traurigschoene-
welt.wordpress.com/2012/11/23/unverfilmbare-bucher/.
183
Hütter, Frido und Reiterer, Reinhold: Meister der subtilen Töne und Gefühle.In: Kleine Zeitung Steiermark
auf http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/3135159/meister-subtilen-toene-gefuehle.story.
184
Autor unbekannt, Going to de Movies,Die große Katze und das Meer, den 28. DEzember 2012 auf
http://goingtothemovies.wordpress.com/2012/12/28/life-of-pi/ .

105
,,Wie (gefühlt) jeder Roman galt auch ,,Die Wand"als unverfilmbar. Ein Text, der
von einem inneren Monolog getragen wird, kann eigentlich kaum in Bildern erfasst
werden. Aber Pölsler scheint das ganz gut zu gelingen."
185
Hier wird der Pölsler beschrieben als der Mann, der die Verfilmung des Buches geschafft hat,
obwohl niemand, da vorher an glaubte, dass er es schaffen würde.
Immer wieder ist in Rezensionen zu lesen, dass das Buch lange Zeit als unverfilmbar galt.
,,Kritiker feiern den eben angelaufenen Film ,,Die Wand". Nicht zuletzt, weil der
gleichnamige Roman von Marlen Haushofer lange Zeit als unverfilmbar galt."
186
Nicht nur galt die Unverfilmbarkeit für den Roman ,,Die Wand". In vielen Beschreibungen
von heutigen Filmen taucht das Wort unverfilmbar auf. Und gleichzeitig wird diese Unver-
filmbarkeit ausrangiert. Ein Beispiel davon ist, hier einen Absatz aus einer Rezension ,,Life of
Pi: Schiffbruch mit Tiger"
187
,,Wie ist der Film? Wir sind in einer Zeit angekommen, in der Romane, die als
unverfilmbar galten, eben doch verfilmbar sind. Das zeigte zuletzt ,,Cloud At-
las"(2012) und nun, noch eindrucksvoller, ,,Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger"(2012).
Der vielseitige Regisseur Ang Lee (,,Tiger Dragon" (2000), ,,Brokeback Moun-
tain"(2005)) lässt in seinem bislang ambitioniertesten Werk die 3D-Errungenschaften
von ,,Avatar ­ Aufbruch nach Pandora"(2005) und die bahnbrechende Tieranimation
von ,,Planet der Affen: Prevolution" (2011) zu einem Kino-Epos von nie dagewesener
Schönheit verschmelzen, und das nur als Hülle für eine interessante Reflexion über
Glaube und Wahrheit ­ eine Wucht."
Dann geht die Erklärung der Verfilmung des Romans, der als unverfilmbar galt, in Richtung
des Großmeisters Julian R. Pölsler. Er wird präsentiert als der Mann, der es wohl geschafft
hat, diesen Roman zu verfilmen, weil er ,,filmisch" begabt ist.
185
Autor unbekannt, Der erzählte Film ,,Die Wand" von Julian am 30. Oktober 2012 auf
http://jugendohnefilm.blogspot.nl/2012/10/der-erzahlte-film-die-wand-von-julian.html.
186
Hümer, Christian: ,,Die Wand"hat viele regionale Wurzeln. In: Kleine Zeitung Steiermark auf
http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen.3134014/wand-hat-viele-regionale-wurzeln.story.
187
Im Rubrik Wieistderfilm? de Filmwissen am 26.12.12 auf einem Blick auf http://wieistderfilm.de/life-of-pi-
schiffbruch-mit-tiger/.

106
,,Gefangen in sicht selbst. Was bleibt übrig von einem Menschen, der in vollkommener
Isolation lebt? Julian Pölsler hat den als unverfilmbar geltenden Roman ,,Die
Wand"auf die Leinwand gebracht."
188
Also nicht nur ,,Die Wand" wird als unverfilmbar geltender Roman umschrieben. Die Frage
ist nur, in wieweit unverfilmbar durch die Leser als Reiz erfahren wird, um diesen Film doch
zu sehen. Hat das Wort unverfilmbar einen Werbungsreiz in sich? Auch Sätze wie: ,,...als
Eventkino. Für diese Art von Vermarktung ist eine Filmadaption von Marlen Haushofers
1963er-Kultbuch ,,Die Wand", dieser minimalistischen Schilderung tiefster Einsamkeit, nicht
gerade geeignet."
189
, können den Leser oder potenzielle Kinogänger bewirken, sich diesen
Film anzuschauen wollen.
Wie funktioniert das denn? Unverfilmbar ist eine Negation, es verneint die Möglichkeit der
Verfilmbarkeit. Und wie geht es dann weiter? Es gibt eine Theorie, die sagt, dass wir Negati-
onen immer missverstehen. Diese Theorie nennt man
,,Denk nicht an einen blauen Elefanten!"
Und schon kann man im Kopf diesen blauen Elefanten ja gar nicht mehr loswerden. Es ist
nicht möglich, an keinen blauen Elefanten zu denken.
190
Negationen werden nicht verstanden und dieser Trick wirkt hervorragend in Werbungen und
wahrscheinlich auch in Rezensionen, wenn man möchte, dass Leute sich diesen Film ansehen
sollten. Und die Theorie geht ein wenig weiter, wenn wir annehmen, dass alle Vorgänge in
der Natur und in der Gesellschaft als widersprüchlich zu erkennen sind. Diese Widersprüche
ergeben sich aus unterschiedlichen natürlichen Voraussetzungen und aus den Erwartungen
oder Handlungen der Menschen. Dann gibt es zwei Haltungen zu diesen Widersprüchen. Man
verdrängt sie oder man möchte sie ergründen.
191
188
Schwickert, Martin: Gefangen in sicht selbst. Was bleibt übrig von einem Menschen, der in vollkommener
Isolation lebt? Julian Pölsler hat den als unverfilmbar geltenden Roman ,,Die Wand"auf die Leinwand ge-
bracht., In Zeitonline,FilmTV am 11 Oktober 2012.
189
Cherkowski, Robert: Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Die Wand auf
http://www.filmstarts,de/kritiken/190949/kritik.html, ohne Datum)
190
Vgl. Brandon, Baby, don't say don't ­ Negation in Wort, Kopf und Werbung am 25. Januar 2010
auf:http://www.ferras.at/blog/baby-dont-say-dont-negation-in-wort-kopf-und-werbung/.
191
vgl.Peters, Klaus: GEGENWIND/512: Was ist Dialektik und wozu kann sie eigentlich nützlich sein?
http.//www:schattenblick.de/infopool/medien/altern/gegew512.html.

107
Und genau, das Letzte geschieht bei den Lesern des Wortes unverfilmbar in Rezensionen,
wenn sie beschließen, sich den Film anzusehen. Einerseits weil sie das Buch ,,Die Wand"
schon mal gelesen haben und kennen, und sich vorstellen können, dass es schwierig sein
könnte, es zu verfilmen. Anderseits gibt es Leser, die das Buch nicht kennen und einfach neu-
gierig sind, ob dieser Film überhaupt gelungen ist. Und wenn sie sich dann danach noch ent-
scheiden, das Buch zu lesen, dann ergründen sie ihre eigenen Erfahrungen des Filmsehens im
Vergleich zum Leseerlebnis. Wenn der Rezensent den Leser bewegen möchte sich den Film
anzusehen, dann hilft also ein Wort als unverfimbar.
Aber ist eine Rezension gleich an Werbung? Wenn der Rezensent begeistert ist vom Film,
möchte er natürlich dieses Erlebnis, mit seinen Lesern teilen. Dann hat eine Rezension nicht
nur die Funktion zu informieren, sondern auch zu überzeugen.
Werbung bedeutet auch im Althochdeutschen etwa ,,sich drehen, sich wenden" und wurde
von daher zu ,,sich bewegen, sich um etwas bemühen" entwickelt. Diese Tätigkeit ist im
Menschen anwesend und man möchte als Mensch für sich werben lassen.
192
(Werbung ist
Teil des kommunikativen Handelns, wodurch man die Leute von dem Wert der Marke über-
zeugen möchten. Und dieses Überzeugen wurzelt in dem Gedanken, dass der Empfänger sich
verstanden fühlt und er soll bereit sein der Marke seine Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn
Rezensenten also einen Film positiv beurteilen und die Kinogänger positiv beeinflussen
möchten, muss der Rezensent den zukünftigen Kunden interessieren. Und wie bewusst oder
unbewusst er das macht, ist nicht durchschlaggebend, sondern in wieweit es ankommt beim
potenziellen Kinogänger, entscheidet, ob dieser sich interessiert. Howard Gossage, ein in
Amerika tätiger Werbetexter sagte schon:
,,Leute lesen nur, was sie interessiert. Und manchmal ist es Werbung."
In Paraphrase darauf: ,,Leute verstehen nur, was sie interessiert. Und manchmal ist es Wer-
bung."
Der Rezensent muss also kommunikativ geschickt handeln, damit dieser werbungsartige Stil
des Bewertens beim Leser sein Ziel, nämlich, dass der Leser sich fragt ,,unverfilmbar?? Aber
er Roman ist doch verfilmt?!, erreicht. Dadurch wird die Neugier geweckt und in Bruchteilen
192
Vgl. Klinkhardt Biermann,III. Mythos und Werbung. Werbung ist Kunst. In: 2. Auflage, München 1991,
Titel. 80 Cöster, Oskar:ADÁGE, Der Himmel auf Erden,Doc's Hamburg 1990. S. 87, zitiert nach Werner Peli-
kan, Mythen und Mythenbildung in Kunst und Werbung, Grundmuster der Kommunikation. Dissertation an der
Universität Kassel, Fachbereich Kunstwissenschaft am 3. Februar 2005.

108
von Sekunden wird diese Neugier ,,gescannt". Und dann als interessant oder nicht interessant
eingestuft, bevor dieser Leser zum Kinogänger wird. Der Rezensent soll den Leser nicht über-
reden, nein er soll ihn überzeugen. Wie oben schon angedeutet, macht er das mit dieser Nega-
tion aber es gibt noch etwas zu beachten, nämlich Dialektik. Dieses Wort stammt aus dem
Griechischen und bedeutet die Kunst des Redens. Also die Kunst der Kommunikation.
193
Also
dieser Kommunikation soll den Geschmack der Zielgruppe treffen. Der Stoff dieses Romans
von Marlen Haushofer ist nicht der Stoff eines Blockbusters. Eher entspricht der Stoff dieses
Romans den Geschmack einer gebildeten, besser situierten und reiferen Zielgruppe. Daher
soll der Film möglichst attraktiv dargestellt werden in der Rezension. Der Satz: ,,Dieser Ro-
man galt als unverfilmbar", enthält ein geheimnisvolles Versprechen. Ein Versprechen, dass
diese Zielgruppe reizt. Sie fragt sich ob diese Aussage stimmt oder inwiefern sie stimmt, ob-
wohl diese Zielgruppe schon weiss, dass es diesen Film gibt.
Auch dialektisch kann man Werbung behandeln:
Aufgrund der Spannung zwischen These und Antithese, will der Leser dieser Zielgruppe, sich
seine eigene Meinung bilden. Und darum besucht dieser Rezensionsleser das Kino und sieht
sich den Film, die Synthese an.
Das Schema ist von Ineke IJsenbrand gemacht worden, 2014.
Aber ein wenig beleuchten des Themas, damit man sich diese Sache mal überlegt, wäre ange-
bracht.
Der Filmkritiker befindet sich immer zwischen Kunst (des Films) als Ware und dem Konsu-
ment. Der Filmkritiker soll beitragen in der Filmbesprechung. ,,Filmkritik muss unabhängig
193
Vgl. Wolf-Hierschmann: Gute Vorsätze für 2014: ,,Dialektik"gehört dazu auf http://wolf-
hierschmann.com/fachartikel/gute-vorstze-dialektik/)

109
und unbequem sein, darf auch mal verletzen und den Finger auf die Wunde legen, polemisch
oder ungerecht sein, immer unter dem Primat beiderseitiger Achtung vor dem Werk des ande-
ren. [...] Eine glaubhafte Filmkritik muss das ganze Spektrum von Kunst und Kommerz auf
der Agenda haben, und sollte den Leser nicht vergessen, den es zu überzeugen gilt ­ mit kla-
ren Argumenten!"
194
.
Im gleichen Artikel heißt es weiterhin, dass die Abhängigkeit der Printmedien von Anzeigen
und dem Goodwill der PR-Agenturen nur noch streckenweise nette und harmlose Häppchen
zwischen 50 und 80 Zeilen erlaubt, die keinem weh tun und nur die Werbetrommel schlagen
für ein austauschbares Produkt. Margret Köhler beschreibt weiter, dass David Denby, Film-
kritiker vom New Yorker, der die Berichterstattung in den USA schon vor über einem Jahr-
zehnt unter totaler Kontrolle der Hollywoodstudios verortete und den Kritiker zum Werbetex-
ter oder Cheerleader verkommen sah. David umschrieb die Filmkritik als ,,Schmeißfliege auf
dem großen Hintern der Filmindustrie". Auch behauptet Margret Köhler, dass nicht nur US-
Majors sich in die Redaktionsarbeit einmischen (wollen), auch deutsche Arthaus-Verleiher
erliegen gerne dem Reiz der Intervention. Auch ist sie der Meinung, dass Filmkritik sich po-
pulistischen Tendenzen verweigern muss und darf. Aber einerseits soll der Filmkritiker sich
darüber im Klaren sein, dass Mundpropaganda der Kinogänger mehr bringt als gute oder
schlechte Filmbesprechungen."Niet alleen het uitgangspunt voor de makers van de meeste
bisocoopfilms is een ,,verhaal, ook de aanleiding om ze te gaan zien bestaat uit de verhalen
die erover de ronde doen."
195
Man erzählt sich gegenseitig über den Film, den man gesehen
hat. Filme sind ein soziales Thema.
196
Diese Mundpropaganda, die immer mehr in Blogs zu
lesen ist und sich mit Kino beschäftigt beinhaltet anderseits die Gefahr, dass ,,Jeder Filmkriti-
ker sein kann". Blogs sind von der jetztigen Zeit und kann man sehen als eher ein Teil des
194
Margret Köhler,Margret, freie Film- und Medienjournalistin, München: ,,Wir müssen weiter Reden" ­ Texte
zur Filmkritik aus dem Programmheft zum Deutsche Filmpreis 2013.
195
Haakman, Anton: Langs omwegen naar het einde, Grondvormen van het filmverhaal, kann een film een
verhaal vertellen. In: De Revisor. Jaargang 1. Athenaeum-Polak Van Gennep, Amsterdam 1974 auf
http://www.dbnl.org/tekst/_rev002197401_01/_rev002197401_01_0170.php.
196
Vgl. Stewart, Lucy: Creating a kick-ass digital marketing strategy for your film using social media, July
30,2013 auf http://www.trackpal.co.uk/blog/creating-a-kick-ass-digital-marketing-strategy-for-your-film-using-
social-media/.

110
flüchtigen, gesprochenen Wortes. ,,Mit der geschrieben Filmkritik, einem respektabelen
Literaturgenre hat das nichts zu tun."
197
Und dazu soll gesagt werden:
,,Jede Art von Rezensionen fordert Diskussionen heraus, da bei dem Versuch des
Rezensenten möglichst objektiv einen Gegenstand zu beschreiben immer auch seine
subjektive Betrachtungsweise einfliessen wird. Für die Erarbeitung von Rezensionen
sind deshalb Sach- und Fachkenntnisse zwingend notwendig, aber auch schon immer
solches persönliche Verantwortungsgefühl, Gewissen und Moral (des Rezensenten)."
198
Trotzdem wird es ebenso immer natürlich Hassblogs geben wie Fanblogs. Es ist einfach an-
gemessen, dass
,,Zu einer selbstbewussten Kinolandschaft gehört (es), dass sie sich ihrer
Vielstimmigkeit bewusst ist, keine Türen zuschlägt, keine Schützengräben buddelt,
sondern einen fairen Streit, einen Diskurs [...] ein Sprechen übers Kino eröffnet,
schrieb Filmkritikerin Katja Nicodemus kürzlich sehr treffend in der Zeit."
199
Eine so transparante wie diese unterstehende positive Meinung liest man ganz selten in Re-
zensionen. Man weiss gleich, wie der Rezensent den Film bewertet hat: ,,Die
Romanverfilmung war eine Herausforderung für Regisseur Julian Roman Pölsler und seine
Darstellerin Martina Gedeck. Aber es ist ihnen gelungen, meint unsere Kritikerin."
200
Sicher ist jedoch: ,,Auch die Filmproduzenten brauchen diesen Dialog mit den Filmkritikern,
die ihre historische Bildung und ihre ästhetische Entdeckerfreude einbringen und im Idealfall
immer mehr Zuschauer dazu anregen können, ihren Kinobesuch als Wagnis
197
Schnelle, Josef : Warum wir Filmkritik brauchen.In: ,,Die Internet-Blogs zersetzen das informierte und unab-
hängige Urteil. Warum wir Filmkritik brauchen.In Berliner Zeitung, 2008. auf http:// www.berliner-
zeitung.de/archiv/die-internet-blogs-zersetzen-das-informierte-und-unabhaengige-urteil-warum-wir-filmkritik-
brauche,10810590,10579472.html.
198
Zimmer, L.H.: Die Rezensionen Berlin. 8T2V / S4K. auf: http:www.listen-rezensionen.de/film-
rezensionen.html.
199
Elwardt, Matthias: Kinobetreiber,Abaton, Hamburg, auf http://www.deutsche-
filmakademie.de/texte/statements/2012/wir-muessen-weiter-reden-texte-zur-filmkritik.html.
200
Vgl. Heider,, Hannelore: Film der Woche/Archiv/ Beitrag vom 10.10.12 auf :
http://www.deutschlandradiokultur.de/die-wand.1216.dehtml?dram:article_id=223924.

111
zu sehen."
201
Wie schon zuvor erwähnt, diese Studie eignet sich nicht dazu festzustellen, ob
die Unverfilmbarkeit des Buches von Rezensenten gebraucht wurde als Werbung für den Film
als Teil einer Vermarktungsstrategie der Filmindustrie. Bemerkenswert ist es schon, dass es
2011 und 2012 viele Filme gab die, das gleiche Prädikat bekamen in den Artikel und Rezen-
sionen. Vielleicht ist das Wort unverfilmbar zum ,,Aufhänger"(,,hooks") für Artikel gewor-
den, da die Presseabteilung des Filmverleihers, die oft von einer externen, spezialisierten
Presseagentur unterstützt werden, sie dafür entwickelt hat.
202
Das Wort unverfilmbar könnte durchaus unbewusst von den Rezensenten, ohne die wer-
bungsartige Absicht erwähnt worden sein und eher als eine Art mythisches Wort verwendet
sein. Denn ,,Der Mythos der Unverfilmbarkeit bestimmter literarischer zeigt ja, [...] wie ein
entsprechendes Etikett zäh haften bleiben kann."
203
Offensichtlich hat dieses Wort der Un-
verfilmbarkeit, den Rezensenten gefallen, damit sie die literarische Vorlage, der Roman ,,Die
Wand" von Marlen Haushofer, beschreiben in Bezug auf die Verfilmung durch Julian R. Pöls-
ler.
Film-Marketing-Strategien gehen natürlich weiter, wenn ein Wort gefällt oder nicht gefällt
in der Werbung des Produkts. Denn der Trailer des Films ist oft die erste Chance, die Ziel-
gruppe zu erreichen. Gefällt der Trailer oder nicht ist dabei wichtig für die Entscheidung, ob
man ins Kino geht. Dann gibt es natürlich danach eine offizielle Website für den Film mit z.
B. Mini-Dokus, Interviews, Download Handy-Klingeltöne und Hintergrundbilder, Spiele und
Chats in Foren. Danach ist es wichtig früh günstige Berichterstattung in Zeitungen, Zeitschrif-
ten und TV-Shows für Unterhaltung zu bekommen. Die Presse wird bewirtet mit Vergnü-
gungsreisen mit Interviews mit dem Star und mit dem Macher des Films. Dann wird ein all-
out Werbung Blitz durchgeführt von der Aktionsabteilung des Films. Dies mit dem Ziel, das
Publikum zu überzeugen, dass man sich diesen eigentlich unverfilmbaren Stoff nicht entgehen
lassen soll. Das Internet erwies sich, ein Hauptpunkt für diese Werbung Blitzen zu sein. Die
vielfältigen, interaktiven Anzeigen auf den am meisten von ihrer Zielgruppe frequentierten
Websites stimulierten die Kinogänger. Und natürlich soll man die Publicity-Stunt, ein or-
201
Vgl. Schnelle, Josef: ,,Die Internet-Blogs zersetzen das informierte und unabhängige Urteil. Warum wir
Filmkritik brauchen.In Berliner Zeitung, 2008. Auf http:// www.berliner-zeitung.de/archiv/die-internet-blogs-
zersetzen-das-informierte-und-unabhaengige-urteil-warum-wir-filmkritik-brauche,10810590,10579472.html.
202
Vgl. filmmarketing-info, Absatz Py\ublicity ,auf: http://www.film-marketing.info/ .
203
Vgl. Reihwein, Marc: Vom Gattopardo bis zur Graphic Novel Anne Bohnenkamp-Renken gibt Auskunft über
,,Literaturverfilmungen". In Literaturkritik.de, Rezensionsforum . Archiv /fruhere Ausgaben/Nr. 1, januar
2013.Kunst-,Kultur und Medienwissenschaft) .

112
chestriertes Medienereignis nicht vergessen.
204
Und es ist dann natürlich die Frage, was be-
wirkt hat, das man ins Kino geht, das Wort unverfilmbar oder diese vielseitige Marketingstra-
tegie. ,,Man kann angesichts einer solchen Liste (der unverfilmbaren Romane) nicht so ganz
den Eindruck erwehren, dass die unterstellte Unverfilmbarkeit einer literarischen Vorlage ein
ganz schönes einfallsloses Vermarktungsprädikat geworden ist. Dass dem fertigen Produkt
mit möglichst geringem Aufwand mal schnell einen historischen besonders relevanten Status
unterjubeln will."
205
Eine Antwort auf die Frage, ob unverfilmbar als Wort ein Teil der Ver-
marktungsstrategie ist, ist doppelseitig. Es könnte Zufall sein, aber da dieses Wort sehr oft
auftaucht bei Verfilmungen von Romanen, ist es annehmbar, dass man dieses Wort sehr gerne
gebraucht, um zu zeigen, dass das Unmögliche doch mit diesem Film möglich geworden ist.
204
Vgl. Roos, David: How Movie Marketing Works, Movie Marketing Strategies auf
http://entertainment.howstuffworks.com/movie-marketing2.html.
205
Lenz, Thomas: Personality Disorders. In Filmkritiken ­ Reviews ­ Rezensionen
auf http://screenwrite.wordpress.com/2009/03/08/filmkritik_watchmen/ Artikel.

113
Kapitel 9 Das Buch ist unverfilmbar, weil das Buch immer
besser ist, als ein Film jemals sein kann. Stimmt
das?
Diese Frage kam auf, nach dem Lesen des Satzes: ,,Er hat sich, aus Respekt vor Haushofers
ruhiger, umsichtiger und fatalistischer Erzählstimme, dabei exakt an die Buchvorlage gehal-
ten: Es war mir klar, dass der Film niemals besser sein kann als das Buch,
206
sagt Pöls-
ler." Und weiter in einem anderen Artikel stand:
,,In die Frage nach der gelungenen Verfilmung spielt natürlich auch viel persönliche
Befindlichkeit hinein. Wer ein Buch innig liebt, davon wie auch immer geistig
bewegt oder berührt wurde, für den wird das besondere Verhältnis zu dem Buch
für immer unverfilmbar sein, auch wenn die Filmindustrie dazu eine Verfilmung
nach der anderen raushaut."
207
Und da stellt sich die Frage dann ob ein Buch unverfilmbar ist, weil das Buch immer besser
ist, als ein Film jemals sein kann.
,,Het cliché van ,,onverfilmbaarheid" is wijd verspreid. Als aanwezigheid op het internet daar
een indicatie van mag geven: de zoekterm"onverfilmbaar" levert 12.600 Google resultaten
op,"unfilmable" maar liefst 235.000."
208
(Übersetzung: Das Klischee unverfilmbar ist weit
verbreitet. Im Internet deutet folgendes darauf hin: Den Suchbegriff unverfilmbar liefert
12.600 Ergebnisse bei Google, unfilmable nicht weniger als 235.000 ). Und dieses
Klischee wurzelt in der Annahme, dass das Buch überhaupt nicht zu verfilmen sei, weil das
Buch einfach besser ist. Aber bemerkenswert ist es zu lesen, dass:
,,Seit das Kino sprechen gelernt hat, frisst es Bücher. Große Bücher, kleine Bücher, dicke und
dünne Bücher, Klassiker und Schund und vor allem Romane. Denn Romane erzählen
Geschichten. Geschichten, die die Filmkamera weitererzählen kann. An Form und Stil, an
206
Zylka, Jenni: ,,Kinodrama Die Wand: Halb lebt sie im Paradies, halb in der Hölle" in Spielgel online/Kultur
am 14. 10.2011 auf http://www.spiegel.de/kultur/kino/die-wand-romanverfilmung-mit-martina-gedeck-nach-
marlen-haushofer-a-860463.html.
207
Autor unbekannt, Going to de Movies,Die große Katze und das Meer, den 28. DEzember 2012 auf
http://goingtothemovies.wordpress.com/2012/12/28/life-of-pi/.
208
Vgl..Debruyne, Ans (On)verfilmbaar Filmadaptaties van experimentele romans,Masterthesis voorgelegd tot
het bekomen van de grad van Master in de Vergelijkende Moderne Letterkunde, Universiteit Gent, Faculteit
Letteren Wijsbegeerte, 2012-2013. S. 24.

114
Erzähltechnik und -rhythmus ist das Kino nicht interessiert.[...] Ist die erzählende Literatur,
ob anspruchsvoll oder nicht, zur Geisel des Kinos geworden? Liefert sie die Früchte, aus
denen Regisseure und Produzenten den Saft herauspressen?"
209
Hier wird gesagt, dass das
Kino nur interessiert ist an dem großen Geld der Verfilmung und nicht interessiert ist am
literarischen Aspekt der Verfilmung.
Bei einer Literaturverfilmung wird die literarische Vorlage im Film irgendwie filmisch
umgesetzt. Dafür wird die literarische Vorlage gekürzt, verdichtet oder erweitert nach den
visuellen Bedürfnissen der Verfilmung. Dazu werden Ton, Musik, Montage und Kadrage
(framing auf Englisch und bedeutet die Auswahl des Bildausschnitts) gebraucht. Die
Körpersprache und Handlung dienen dazu, die erzählerische Innenwahrnehmung
wiederzugeben. Die Umgebungswelt des Romans, ist im Film visuell sehr deutlich anwesend.
Der filmische Erzählrhythmus ist meistens beschränkter als der literarische Erzählrhythmus,
weil der Film mehr fokussiert auf die Hauptpersonen als auf die Nebenfiguren, um literarische
Abschweifungen und Nebenhandlungen zu vermeiden. Diese würden nur das Tempo des
Films aufhalten.
Aufgrund dieser Beschreibung der Verfilmung kann man annehmen, dass der Film niemals
dem Buch gleicht. Immer wird es im Buch etwas geben, was man nicht im Film zurücksieht.
Es ist der Regisseur, der aus einer Geschichte eines Romans, eine neue eigenständige
Geschichte macht. Pölsler dazu sagte im Interview
210
:
,,Mein größtes Anliegen war, eine Plattform für diesen grandiosen Text zu schaffen,
den Marlen Haushofer geschrieben hat. Dem hab ich immer versucht, alles
unterzuordnen. Das war manchmal eine Last, aber sehr oft eine Lust, weil ich ihn zu
den großartigsten Texten zähle, welche die deutschsprachige Literatur hervorgebracht
hat. [...] .., ich stehe auf einer Plattform und da ist dieser Text, der trägt. Natürlich
habe ich versucht, meine Lieblingsstellen unterzubringen, die haben natürlich
mitunter auch gewechselt, aber zwei, drei Passagen sind unverrückbar."
209
Vgl. Kilb ,,Andreas : Andreas Kilb über eine Reihe von Literaturverfilmungen: Eine neue Runde im ewigen
Kampf des Kinos mit dem Buch". In: DIE ZEIT Nº 07/1997 am 7. Februar 1997 auf
http://www.zeit.de/1997/07/kinobuch.txt.19970207.xml.
210
Scheifer, Karin: JULIAN R. PÖLSLER: DIE WAND ­ INTERVIEW, november 2011
http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=dereserve-mode=activecontent-
id=1164272180506tid=1322552865054artikel_id=1322552864766.

115
Weiterhin erzählt er dann, welche Passagen das sind. Nämlich die Vorankündigung (Pölsler
nennt es ihren (Marlen Haushofers) dramaturgischen Fehler) des Todes des Hundes. Und die
Passagen wo sie über Liebe spricht und die Passage, worin sie ihre innere und äußere
Veränderung selber wahrnimmt. Er sagt selbst über seinen Film, dass Haushofer die
Geschichte in einer Jetztzeit schrieb und mäanderartig die Ereignisse hineinhing. Er habe
versucht dies nachzuziehen, aber er meint es sei ihm nicht so gelungen wie Haushofer. Er
meinte: ,,Wir sind ja als Filmemacher, die Literaturverfilmungen machen, Zwerge auf den
Schultern von Riesen.
211
"
In diesem Film hat Julian Pölsler verzichtet auf Dialog, genauso wie es im Buch vorgegeben
war. Seine Begründung: ,,Wir haben uns sehr schnell ganz non-verbal auf die Interpretation
dieser Figur (die Frau) geeinigt. Eine richtige Textarbeit gab es nicht, da der ganze Film ja
praktisch ohne Dialoge auskommt. Aber wir haben am Off-Text gearbeitet [...] Die
Geschichte erzählt sich in ihrer Gesamtheit anders: es gibt keine herkömmliche Filmsprache,
keinen Schuss/Gegenschuss. Abgesehen von einigen wenigen Szenen mit dem Hund gibt es
nur Zustände und das über vierzehn Monate Drehzeit hinweg"
212
Diese dialoglose Film hat
die Offstimme des Martina Gedecks, die uns die Geschichte mitteilt. Das diese Offstimme die
ganze Zeit benutzt wird, ist einzigartig. Denn ,,Meistens wird der Off-Kommentar als nicht
kinematografisch, (als) zu literarisch und (als) zu redundant gesehen und meint man, dass es
die Aufmerksamkeit zum Bild senkt.."
213
Damit wird deutlich, dass dieser Film sich nicht so
auf einmal von Roman zum Film übersetzen ließ.
Dieses Umsetzen von Buch zum Film heißt Adaption. Adaption kommt vom lateinischen
Wort adaptare, was anpassen bedeutet. Diese Umarbeitung von Text des Romans zur
Verfilmung, bedeutet also immer ein Mediumwechsel. Und es ist der Regisseur die diesen
Medienwechsel ausfüllt mit seiner Vision auf Adaption. Pölsler hatte als Vorlage diesen
Roman ohne viel Dialog, aber er hätte natürlich auch selbst entscheiden können, wie zum
211
Vgl. Karin Scheifer, Karin : Julian R. Pölsler ­ Die Wand - Interview mit Karin Schiefer, November 2011 auf
http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=dereserve-mode=activecontent-
id=1164272180506artikel_id=1322552864766.
212
Vgl.Scheifer, Karin: Julian R. Pösler: Die Wand ­ Interview mit Karin Schiefer, November 2011 auf
http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=dereserve-mode=activecontent-
id=1164272180506artikel_id=1322552864766.
213
Vgl. Halliwell, Martin. "Modernism and Adaptation." Cartmell Whelehan (2007) 101.Zitiert nach Debruy-
ne, Ans (On)verfilmbaar Filmadaptaties van experimentele romans,Masterthesis voorgelegd tot het bekomen van
de grad van Master in de Vergelijkende Moderne Letterkunde, Universiteit Gent, Faculteit Letteren Wijsbege-
erte, 2012-2013).

116
Beispiel Alfred Hitchcock es immer tat, so weit wie möglich auf Dialoge zu verzichten (wenn
es sie gegeben hätte), weil sie ,,unfilmische" Mittel seien. Anstelle von Worten setzte
Hitchcock Gesten und Gesichtsausdrücke in Großaufnahmen ein, wie man sie im Theater
schon alleine aufgrund der großen Entfernung der Darsteller zum Publikum nicht
wirkungsvoll einsetzen hätte können. Für diesen ehemaligen Regisseur dienten Dialoge nur
um Informationen zu vermitteln, die visuell nicht darstellbar waren.
214
Julian Pölsler hatte zu tun mit einem Roman fast ohne Dialoge zwischen Menschen. Er hätte
sich natürlich auch entscheiden können, ein Drehbuch mit Dialogen anzufertigen, weil die
Figuren sich und ihr Wesen vielfach in Gesprächen mit andern offenbaren.
215
Das tat er nicht,
wie im Film zu sehen ist. Wohl hat er diese dialogarme Geschichte mittels Monologe Interieur
im Off-Kommentar zu einer erzählten Geschichte gemacht. Daneben hat er die Filmstory mit
starken visuellen Momenten angereichert. (Hirschherzszene, Baum-mit-Kleider-Szene,
Panoramaszenen, Close-ups von Martina Gedeck, Crash des Autos).
Aber wie seine Adaption auch zu untermauern ist, eins ist klar, der dramatische Aufbau seines
Films basiert sich noch immer auf die Poetik des Aristoteles. Dabei werden am Anfang der
Handlung die Charaktere eingeführt, die unterschiedliche Interessen und Meinungen haben.
Hier sind es die Frau und die Gastgeber, und diese Letzten gehen noch ins Dorf, sie bleibt im
Wald. Dann passiert über Nacht der Eintritt der Wand, wodurch sich ein Konflikt zwischen
der Frau und der Wand entwickelt. Sie prallt gegen diese Wand, und ist isoliert. Im Laufe der
Geschichte wird dieser Konflikt ausgetragen und wird nach Lösungen gesucht. Dabei
verändert der Charakter der Frau (durch Lernprozesse) und am Ende ist das Problem gelöst
oder das Ende wird offengelassen. Hier wird es offengelassen. Die Geschichte handelt von
einer Thematik, nämlich das isolierte Überleben der Frau im Wald, und diese Geschichte
verläuft nicht vorhersehbar. Es ist ihr emotionaler Konflikt, den sie in der Geschichte lösen
soll. Es gibt immer wieder neue Wendungen wie der Umzug nach der Alm und wieder
zurück. Das Verlassen des bekannten Terrains gilt als eine selbstverordnete Therapie.
216
214
Vgl. 4 Storytelling ­ Tipps für die Schreibe. Problem beim Schreiben 4.3 Von der Geschichte zum Drehbuch.
In: Filme machen I Praktische Tipps auf http://www.jungefilmszene.de/filmemachen/praxis.php?k=4.
215
Vgl. Grobner, Cornelia: ,,Das Verfilmte Buch ­ ein zu weites Feld? Filmische Adaptionen Theodor Fontanes
,,Effi Briest" Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrads, Universität Salzburg, Kultur- und Gesellschafts-
wissenschaftliche Fakultät Fachbereich Kommunikationswissenschaft, August 2005, S. 6.
216
Vgl. Fliedl, Konstanze: ,,Die melancholische Insel. Zum Werk Marlen Haushofers",in: Vieteljahresschrift des
Adalbert-Stifter-Instituts des Landes Oberösterreich. Jahrgang 35, Folge 1/2 , 1986, 35-51,hier43. Ziitert nach
Gina Kaiser ,,Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang Arno Schmidts ,,Schwarze Spiegel", Marlen Haushofers

117
Wodurch wir uns fragen ob sie jetzt wahnsinnig wird oder nicht, und dadurch wird Spannung
erzeugt. Der Umzug gilt auch als Gefahr, weil sie das bekannte Terrain verlässt und das
erzeugt wiederum Spannung, denn man fragt sich: ,,Was wird sie erleben unterwegs? Der
Winter im Wald, hält sie es aus? Der Zutritt der Katze und ihren Tod, die trächtige Kuh, was
ergibt sich da?". Am Ende, wo der Mann auf der Alm von ihr erschossen wird, fragen wir uns
,,Warum hat sie das gemacht?". Alle diese Ereignisse überraschen uns und zielen auf
Aufmerksamkeit unserseits hin. Insbesondere gilt der Mord des Mannes als die Zuspitzung
der Spannung. Immer wieder löst diese Frau ihre Konflikte, oder sie gewinnt ihren Kampf des
Überlebens während des Films. Zuerst Hoffnung auf Rettung, dann folgt Versöhnung mit der
Situation und am Ende gibt es die Lösung, sie hat ihre Angst überwunden. ,,Das Ende des
Textes (der auch im Film ausgesprochen wird) stellt die Resignation der Figur dar und nur
ein kleiner Hoffnungsschimmer der Sehnsucht nach Neuem."
217
Die Aussage des Films ist
die Lehre, man soll niemals aufgeben, und im richtigen Moment soll man sich an die Natur
anpassen. Weil sie das alles schafft, geht diese Frau gestärkt weiter.
Dieser Film entspricht also ganz vereinfacht die Grundstruktur von Einführung (Exposition),
Hauptteil/Wende (Peripetie) und Schluss (Katastrophe), die Aristoteles vorschrieb, mit deren
Hilfe eine optimale Wirkung beim Zuschauer zu erzielen ist.
218
Die Adaption von Pölsler ist ganz nah am Roman geblieben, nirgendwo hat er zum Beispiel
den Spannungsbogen geändert, in dem er den Zuschauer mehr wissen lässt als der Frau. Die
Spannung (Suspence) läuft parallel an der Geschichte Haushofers. Auch die Einsamkeit der
Frau hat er mit anderen Handlungsfaktoren in ihre Reaktion geschildert, denn sie bleibt immer
die Geschichte des Romans treu. Sie verliert sich nicht total in einer asozialen Reaktion des
nur Arbeitens und nur Schreibens und / oder in einer Reaktion des nur reflektierenden
Alleinseins, eben weil sie so isoliert und so ganz allein ist als Mensch. Pölsler bleibt
Haushofer treu, dass diese Frau sich nicht einsam, sondern sich alleine fühlt. Denn sonst hätte
,,Die Wand, Herbert Rosendorfers ,,Grossen Solo für Anton" und ein Konzept der postapokalyptischen Robinso-
nade im 20. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Ludwig-
Maximilians-Universität München, September 2011, S 225 .
217
"Vgl. Stoiser , Claudia: Das Leben mit dem Alleinsein: ( Über-) Lebenstrategien. S. 105 In: ,,Es lebe die Ein-
samkeit" Eine vergeichende Analyse der Darstellung von Alleinsein, Einsamkeit und sozialer Isolation literari-
scher Figuren in ausgewählten Texten. Masterarbeit. Bakk. Phil. Am Institut für Germanistik GRIN-Verlag,
Graz, 2011,S105.
218
Vgl. . 4 Storytelling ­ Tipps für die Schreibe. Problem beim Schreiben 4.3 Von der Geschichte zum Dreh-
buch. In: Filme machen I Filmpraktische Tipps auf http://www.jungefilmszene.de/filmemachen/praxis.php?k=4.

118
die bei Einsamkeit auftretenden Handlungsfaktoren auch ändern können in einer sensorisch
ausgerichteten Reaktion wie trinken, oder in einer religiös orientierten Reaktion wie beten,
Bibel lesen. Eine suchende Reaktion wie tanzen oder spielen hat er auch nicht eingebaut, weil
diese Frau ja ganz seriös wirken soll im Film. Eine passive Reaktion wie schlafen, wäre ja
auch noch möglich gewesen, aber nein Pölsler bleibt im Geist des Romans diese Frau
schildern als eine isolierte Frau und nicht als eine einsame Frau.
219
Das Element ihrer Lebensgeschichte in Bezug auf Ehemann und Kinder hat Julian R. Pölsler
herausgelassen im Film. Dadurch kommt diese Ebene der Gestaltung der Figur der Frau außer
Sicht des Kinogängers. Der bekommt dadurch nicht mit, dass hier der letzte Mensch (auf
Erden) vorgestellt wird, dass diese Frau schon in irgendeiner Art und Weise eine Tendenz
zum Außenseiter oder zur Außenseiterin aufwies, bevor sie hinter der Wand überleben
musste. Die Frau mit bestimmten gesellschaftlichen Vorgängen bereits vor dem Einbruch der
Katastrophe, die isoliert wird durch die Wand, hat schon auf Kriegsfuß gestanden mit der
Umwelt.
220
Denn wenn man den Roman Marlen Haushofers liest, erfährt der Leser, dass
diese Frau nicht wirklich eine Sehnsucht hat nach ihrem Mann oder Kindern, weil der Kontakt
schon verstört war.
In der Adaption von Julian Pölsler bleibt die Handlung des letzten Menschen in dem
postapokalyptischen, subjektleeren Raum notwendigerweise beschränkt auf eine
Protagonistin. Und wie im Roman, ist das ist hier im Film auch eine Frau. Dadurch wirkt die
Katastrophe als ein globales Ereignis und muss die Entwicklung des Ichs in den Mittelpunkt
der Betrachtung gestellt werden.
221
Sie ist noch die einzige überlebende Person, und wird
damit für uns zur Figur, womit wir uns identifizieren im Falle ,,Was wäre wenn ich...?"
Und Pölsler hat diese Betrachtung des Ichs in der menschenleeren Welt mit dem Off-
Kommentar in Ich-Form des Präsens gut reduziert auf der Ebene der Erzählsituation.
219
Vgl. Claudia Stoiser,Claudia: Das Leben mit dem Alleinsein: ( Über-) Lebenstrategien.In: ,,Es lebe die Ein-
samkeit" Eine vergeichende Analyse der Darstellung von Alleinsein, Einsamkeit und sozialer Isolation literari-
scher Figuren in ausgewählten Texten. Masterarbeit. Bakk. Phil. Am Institut für Germanistik GRIN-Verlag,
Graz, 201, S. 62.
220
Vgl. Schossböck, Judith: Letzte Menschen Helden des Weltuntergangs, Der letzte Mensch in Kultur ­ und
Literaturgeschichte. In: bpb, Bundeszentrale für politische Bildung, Aus Politik und Zeitgeschichte Weltunter-
gang APUZ 51-52/2012 am 11.12.2012 auf http://www.bpb.de/apuz/151308/letzte-menschen?p=all.
221
Vgl. Kaiser ,,Gina: Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang Arno Schmidts ,,Schwarze Spiegel", Marlen Haus-
hofers ,,Die Wand, Herbert Rosendorfers ,,Grossen Solo für Anton" und ein Konzept der postapokalyptischen
Robinsonade im 20. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der
Ludwig-Maximilians-Universität München, September 2011 S 6.

119
Hätte Julian Pölsler gewählt für eine auktoriale Erzählinstanz im Plusquamperfekt, dann
würde es suggerieren, dass jemand auch außerhalb der Welt der Frau erzählen, sprechen oder
lesen könnte. Jetzt im Film wie im Buch gibt es die Einheit von Protagonistin und Erzählerin.
Pölsler bleibt die Geschichte des Romans treu, indem er ihr Schreibakt zeigt um Angst und
Wahnsinn vorzubeugen als inhaltliches Argument, aber filmisch gebraucht er es als
Kommunikationsart mit seinem Filmpublikum, sowie Marlen Haushofer es gebrauchte um
den Leser die Geschichte lesen zu lassen. Ihr Schreiben dient also als Therapie, sie
verbalisiert ihre Ängste für uns, damit wir ihre Gefühle verstehen. Und dadurch, dass sie
schreibt, verliert sie eben nicht den Verstand
222
. Die oberige Besprechung zeigt uns, dass wir
uns fragen müssen inwieweit diese Literaturverfilmung von Pölsler in Bezug auf den Roman
von Marlen Haushofer eine Wiederholung, eine Nachahmung oder ein eigenständiges
Kunstwerk ist. Oder vielleicht eine Übersetzung literarischer Strukturen mithilfe
filmästhetischer Mittel? Inwieweit kann ein Prosawerk überhaupt transformiert werden ins
Medium Film? Bei dieser Transformierung sollten eigentlich Produkt, Rezeption und Kontext
in einer untrennbaren Verbindung, die die Wirkung des Films bestimmen, betrachtet werden.
Aber hier in dieser Studie wird nur die Produktion betrachtet. Und dieses Produkt entsteht
immer in einem spezifischen soziokulturellen Kontext. Dieser Kontext repräsentiert bewusst
oder unbewusst die eigenen ästhetischen Normen und Wertmaßzustände.
223
Das Produkt Film kennt Gemeinsamkeiten mit dem Roman, wie Fiktionalität und Narrativität.
Fiktionalität bedeutet Geschehnisse, die vom Autor erdacht sind und mittels Roman oder Film
wiedergegeben sind. Die Narrativität kennt den Parameter Zeit. Zeit wird im Film anders
gestaltet als im Buch, weil der Film immer mit dem Konzentrationsbogen des Publikums von
ungefähr 110 Minuten zu tun hat. Ein Buch kann man lesen, wenn man will. Das Buch ,,Die
Wand" wurde geschrieben von einer Autorin, und der Film ,,Die Wand" wurde angefertigt
von mehreren Personen, die Pölsler arrangiert hatte. Das Produkt Film übersetzt die Bilder die
Pölsler sich beim Buch ausgedacht hat. Wenn man selber ein Buch liest, hat man die Chance
sich selber Vorstellungsbilder zu machen. Ein Buch ist eindimensional (telling), ein Film ist
222
Vgl. Gina Kaiser, Gina: ,,Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang Arno Schmidts ,,Schwarze Spiegel", Marlen
Haushofers ,,Die Wand, Herbert Rosendorfers ,,Grossen Solo für Anton" und ein Konzept der postapokalypti-
schen Robinsonade im 20. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie
an der Ludwig-Maximilians-Universität München, September 2011 S 220-222
223
Vgl. Cornelia Grobner, Cornelia: ,,Das Verfilmte Buch ­ ein zu weites Feld? Filmische Adaptionen Theodor
Fontanes ,,Effi Briest" Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrads, Universität Salzburg, Kultur- und Gesell-
schaftswissenschaftliche Fakultät Fachbereich Kommunikationswissenschaft, August 2005, S. 17 .

120
mehrdimensional (telling und showing) , weil es nicht nur die Geschichte gibt, sondern auch
der auditive und visuelle Kanal, die sich gegenseitig beeinflussen. Ein Film mit einem Roman
als Vorlage, ergibt immer eine Interpretation des Regisseurs. Es geht dabei nicht nur um das
Was, sondern auch um das Wie des Was.
224
Wenn man dann bedenkt, dass es sehr viele Wissenschaftler gibt, die sagen, dass Literatur das
Innere eines Menschen besser übersetzen kann als ein Film jemals kann
225
,
fragt man sich wie hat Julian R. Pölser seinen Film ,,Die Wand" interpretiert hat für seine
Adaption?
Dazu wird in dieser Studie ein Übersichtsschema der Möglichkeiten der Adaptionen
gebraucht aus der Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrads an der Universität Salzburg,
Kultur-
und
Gesellschaftswissenschaftliche
Fakultät
Fachbereich
Kommunikationswissenschaft ,,Das verfilmte Buch ­ ein zu weites Feld? Filmische
Adaptionen Theodor Fontanes ,,Effi Briest",, von Cornelia Grober im August 2005:
224
Vgl. Cornelia Grobner, Cornelia:,,Das Verfilmte Buch ­ ein zu weites Feld? Filmische Adaptionen Theodor
Fontanes ,,Effi Briest" Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrads, Universität Salzburg, Kultur- und Gesell-
schaftswissenschaftliche Fakultät Fachbereich Kommunikationswissenschaft, August 2005, S. 34-50.
225
Asheim, Lester. "From Book to Film: Summary." The Quarterly of Film Radio and Television
6.3 (1952):S. 260-63; Balfour, Ian. "Adapting to the Image and Resisting It: On Filming Literature and a Possib-
le World for Literary Studies." PMLA 125.4 (2010):975; Bluestone, George. "The Limits of the Novel and the
Limits of the Film." 1957. Corrigan (1998):200-02; Corrigan, Timothy. Film and Literature: An Introduction
And Reader. London: Routledge, 1998: 37; Elliott, Kamilla. Rethinking the Novel/Film Debate. 2003.
Cambridge: Cambridge University Press, 2009: 221; Halliwell, Martin. "Modernism and Adaptation." Cartmell
Whelehan (2007): 101; Hutcheon, Linda. A Theory of Adaptation. London: Routledge, 2006: 13-14,24-
25,38,56-58,118; Kluge, Alexander, Edgar Reitz Wilfried Reinke. "Word and Film." 1988. Corrigan (1998);
231-32; McFarlane, Brian "Reading Film and Literature." Cartmell Whelehan (2007) 15-28: 23; Richardson,
Robert. Literature and Film. Bloomington: Indiana University Press, 1969; 74-76; zitiert nach Debruyne, Ans
(On)verfilmbaar Filmadaptaties van experimentele romans,Masterthesis voorgelegd tot het bekomen van de grad
van Master in de Vergelijkende Moderne Letterkunde, Universiteit Gent, Faculteit Letteren Wijsbegeerte,
2012-2013S. 20.

121
Dieses Schema geht zurück auf die Arten der Literaturadaption wie Helmuth Kreuzer sie in
1981 formulierte. Er aber sprach nicht von der puren Stoffübernahme, sondern von der
Adaption als Aneignung von literarischem Rohstoff, wobei Literatur als Stofflieferant
fungiert. Diese Herangehensweise ist die uneigentlichste Art der Adaption. .Von
Dokumentation ist hier nicht die Rede. Die Illustration als Adaption bezeichnete er als
,bebilderte Literatur". Bei der interpretierenden Adaption, kann der Geist des Originals
beibehalten werden, nur die Gestalt verändert sich radikal. Und die dokumentarische
Interpretation zeichnet nur eine Aufführung auf. (Martina Gedeck, Die Wand, Ein Film von
Julian Roman Pölsler nach dem Roman von Marlen Haushofer, Schulmaterial, S.)
Die Adaption von Julian R. Pölsler zum Buch ,,Die Wand" von Marlen Haushofer ist vor
allem eine Adaption der Illustration, weil dieser Film sich durch Textnähe auszeichnet, indem
Handlungsvorgang und Figurenkonstellation der Vorlage, aber auch wörtliche Zitate
übernommen worden sind. Pölsler blieb den Text der Roman treu, er benötigte nur eine Frau,
eine Kuh, einen Hund, ein junggeborener Stier und eine Katze, im Off-Kommentar sind die
Zitate wörtlich dem Buch entnommen. Die grundlegenden Elemente sind, die Jahreszeiten,
der Umzug auf der Alm und wieder zurück, das Erschießen der Hirsche, die Arbeit, das
Schreiben und das Überleben.
Evaluation und Bewertung der Adaption Pölslers Film ,,Die Wand"
Um die Frage beantworten zu können ob das Buch immer besser wäre als der Film, ist es
wichtig diese illustrierende Adaption von Pölsler zu evaluieren und zu bewerten. Dafür hat
Ans Debruyne in ihrer Masterthesis (On)verfilmbaar Filmadaptaties van experimentele
romans (wie hieroben schon genannt, ab Seite 28 bis 38.) in Bezug auf diese Frage allerhand
Fragen aufgelistet:

122
1. War das Budget des Films ,,Die Wand" ausreichend genug, damit der kommerzielle
Druck nicht mit der künstlerischen Vision von Julian Pölsler zusammenstieß?
Genaue Zahlen zur Produktionskosten sind nicht vorhanden und daher nicht zu geben, aber
wenn man bedenkt dass Hollywoodfilme ein Budget zwischen 78 bis 100 Millionen
Amerikanischen Dollars haben, und ein deutscher Kino-Spielfilm meistens zwischen einer
und zehn Millionen Euro kostet, dann versteht man auch, dass der Regisseur nicht alles im
Film machen kann, was er möchte. Außerdem erreichen deutsche Filme weniger Zuschauer
als die internationalen Blockbuster, und daher sind die Budgets für diese Produktionen
niedriger.
226
Bei der Produktion ist die Popularität der Vorlage wichtig, weil die Filmproduzenten durch
teuere Produktionskosten des Films auch immer ein wirtschaftliches Risiko eingehen. War die
Vorlage erfolgreich, dann gibt es eine gewisse Garantie, dass sich der Stoff als Film profitabel
verwirklichen lässt. Das heißt dass die Rentabiltätswahrscheinlichkeit gross ist. Daher ist es
zu erklären, dass Filmproduzenten gerne auf Material stützen, dass bereits Erfolge zu
verzeichnen hatte, um das Risiko möglichst gering zu halten. Dies ist der Grund warum viele
Filmproduzenten ständig um die Autorenrechte der Bestseller kämpfen.
227
Die Besucherzahlen deutscher Filme einschließlich Koproduktionen 2012 waren:
228
Rang Filmtitel (Art) Land
Start
Verleiher
Besucher
1
DIE WAND
(Sp-Dra)
A (Austria),
D (Deutschland)
11.10.2012 STUDIOCANAL 277.584
Die Einnahmen der Ticketpreise in Deutschland waren insgesamt (eine Ticketkarte kostet
ungefähr 8,20 Euro) 277.584 X 8,20 = 2.276.189,00. Und dies galt nur für 2012. ,,85.000
Besucher zählte ,,Die Wand" in österreichischen Kinos, fast 400.000 waren es in
Deutschland. [...] In 16 Ländern wurde seine (Pölsler) Inszenierung mittlerweile verkauft."
226
Vgl. http:// www.planet-
schule.de/dokma'lust_auf_mehr_bonusmaterial_hintergruende/filmfinanzierung_was_kostet_ein_film/.
227
Vgl. Neues, ,,Verfilmung literarischer Werke ­ Bedeutund und Verfahren zur filmischen Adaption von Ro-
manen am Beispiel von Volker SchlStefanie: öndorffs Literarurverfilmung Homo faber", Studienarbeit zum
Seminar Literatur-Fotografie-Film an der Universität Siegen, November 2006. In: GRINverlag., S. 7.
228
Vgl. Schema auf http://www.ffa.de/downloads/publikationen/ffa_intern/FFA_info_1_2013.pdf.

123
229
Dann sprechen wir noch nicht über die Schweiz, Europa, usw. DVD-Einnahmen und Fern-
sehsendungen, die auch alle Geld eingebracht haben. Die Summe der Gewinne wird mindes-
tens die Produktionskosten entsprechen müssen. Die Produktionskosten müssen daher also
niedriger sein als 2 Millionen. Es gab nur einen Star, Martina Gedeck, also, das drückt die
Kosten. Es gab nur wenig Aufnahmeplätze, aber die Dreharbeiten waren 63 Tage. Wie auch
immer, Pölsler hat bestimmt keinen Verlust gemacht, mit diesem Film, denn ,,Die Wand"
stand auf dem 27. Platz, der meist besuchten Filme in Deutschland.
Bemerkenswert ist es auch, dass Pölsler noch eine Subvention für die Produktion bekommen
hat, sehe die Unterlagen unten:
Förderungszusagen
Österreichisches
Filminstitut
1.
Sitzungstermin
2012
(Antragstermin 24.01.2012)
DIE WAND
Spielfilm
FESTIVAL: Berlin, 62. Internationale Filmfestspiele - Panorama Spezial
PRODUKTION: Coop 99 Film
Förderungssumme: 20.000 Euro
http://www.filminstitut.at/de/foerderungszusagen/
Förderungszusagen Österreichisches Filminstitut 3. Sitzungstermin 2012 (
Antragstermin 03.07.2012)
DIE WAND
Spielfilm
FÖRDERUNGSEMPFÄNGER/IN: Thim Film
PRODUKTION: Coop 99 Film
Förderungssumme: 50.000 Euro
http://www.filminstitut.at/de/foerderungszusagen/
229
Wallnöfer, Isabel: ,,Julian Pölsler verfilmt Literatur und blickt nach Hollywood".In Die Presse am 20. De-
zember 2013.

124
Hiermit wird deutlich, dass das Österreichische Filminstitut Pölsler mit 70.000 Euro
unterstützt hat.
Man tat dies, weil das Österreichische Filminstitut als bundesweite Filmförderungseinrichtung
das österreichische Filmwesen nach kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten, insbesondere
die Stärkung der österreichischen Filmwirtschaft und die kreativ-künstlerische Qualität des
österreichischen Films als Voraussetzung für seinen Erfolg im Inland und im Ausland fördert.
Im Falle der Film ,,Die Wand" unterstützte dieses Filminstitut diesen Film, weil es eine
österreichische-ausländische Koproduktion war. (Coop99 und Starhaus Filmproduktion
GMBH)
2. Wollte Julian R. Pölsler textgetreu bleiben oder nicht?
Die Antwort auf diese Frage gibt Pölsler selbst im unterstehenden Zitat:
,,Mir war wichtig, möglichst viel aus dem Roman in den Film zu übernehmen ­ daher auch
die Offstimme. Ich habe mir die Maxime gesetzt, den Text nur durch Streichungen zu
verändern und nichts hinzuzufügen. Nur ein Wort ist geändert,..."
230
Und er hat es nicht nur versucht so viel wie möglich aus dem Roman in den Film zu
übernehmen, auch in den Rezensionen liest man:
,,Julian Pölsler hält sich an die Romanvorlage ­ zu eng, wie manche KritikerInnen bemängeln.
Nur die Rede der birmanischen Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin Aung San
Suu Kyi, die die Filmfigur im Radio empfängt, sind ein kleiner Ausreißer und schlagen eine
Brücke in die Jetztzeit. Pölsler: Es ist als eine Widmung an jenen Frauen gedacht, die heute
noch gezwungen sind, hinter einer unsichtbaren Wand von Ignoranz und Intoleranz zu leben."
231
Ansonsten erweist sich die Kinoversion mehr als konsequente Illustration denn als
Interpretation des Buches. Und in einem anderen Interview lesen wir: ,,... und mich
mittlerweile daran gewöhnt, dass jeder Leser des Romans einen eigenen Film im Kopf hat.
Die Produzenten und ich denken auch alle unterschiedlich ­ aber in eine Richtung, und diese
Richtung ist, denke ich, auch die, die Frau Haushofer in ihrem Roman vorgegeben hat. Es
230
THIMFILM Presseheft DIE WAND auf ww.diewand-derfilm.at, 2012 S. 14
231
Yun, Vina: ,,Das Innere im Aussen"In: dieStandard.atKultur auf http://diestandard.at/1348284453345/Das-
Innere-im-Aussen am 30 September 2012)

125
wird viele geben, die sagen, die Verfilmung ist zu nahe am Roman, andere werden das
Gegenteil behaupten."
232
Dies zeigt, dass er überhaupt nicht die Intention hatte diesen Roman filmisch zu interpretieren
als Adaption. Er wollte nah am Buch bleiben.
3. Welches Rating bekam der Film, weil man ein so breit wie mögliches Publikum
erreichen musste?
Es ist schwierig, Ratingergebnisse zu bekommen, zu dem Film ,,Die Wand", weil er einfach
nicht zu den besten Filmen gehört. Wie man unten sehen kann:
2012 Liste bedeutender deutscher Filme:
auf http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bedeutender_deutscher_Filme#2012
Barbara
(Regie:
Christian Petzold
;
Silberner Bär für die ,,Beste Regie"
bei der
Berlinale 2012
; no-
miniert für den
Europäischen Filmpreis 2012
in den Kategorien ,,Bester Film" und ,,Beste
Darstellerin"; 8 Nominierungen beim
Deutschen Filmpreis 2012
, Filmpreis in Silber in der
Kategorie ,,Bester Spielfilm";
Preis der deutschen Filmkritik
2012: ,,Bester Spielfilm")
Cloud Atlas
(Regie:
Tom Tykwer
,
Andrew und Lana Wachowski
; galt zum Zeitpunkt des Ent-
stehens mit etwa 100 Millionen Dollar Produktionskosten als der bei weitem teuerste
deutsche Film;
Deutscher Filmpreis 2013
: 5 Auszeichnungen in technischen Katego-
rien;
Bayerischer Filmpreis
2012: Produzentenpreis)
Hannah Arendt
(Regie:
Margarethe von Trotta
;
Deutscher Filmpreis 2013
: ,,Beste Hauptdarstel-
lerin"
Barbara Sukowa
, Filmpreis in Silber in der Kategorie ,,Bester Spiel-
film";
Bayerischer Filmpreis
2012: ,,Beste Darstellerin";
Gilde-Filmpreis
;
Europäischer Film-
preis
2013: Nominierung ,,Beste Darstellerin")
Oh Boy
(Regie:
Jan-Ole Gerster
;
Deutscher Filmpreis 2013
: 6 Auszeichnungen inklusive
,,Bester Film";
Europäischer Filmpreis
2013: ,,Bester Nachwuchsfilm" und 3 weitere No-
minierungen inklusive ,,Bester Film";
Bayerischer Filmpreis
2012: 2 Auszeichnun-
gen;
Bambi
2013: ,,Bester Schauspieler national" an
Tom Schilling
)
Rating ist auch ganz undurchsichtig, weil es viele individuelle Ratinglisten gibt. IMDb, ein
Internet Movie Database, ist eine Online-Datenbank von Filmen, TV-Shows, Schauspielern
232
Autor unbekannt, ,,3 Fragen an: Julian Roman Pölsler", In: nachrichten.at auf
http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/3-Fragen-an-Julian-Roman-Poelsler;art16,418477.

126
und Videospielen. IMDb wurde im Jahr 1990 gegründet und ist seit 1998 im Besitz von
Amazon.com. Diese Ratingslite wird viel gebraucht. Die gefundenen Resultate sind:
http://www.imdb.com/title/tt1745686/?ref_=nv_sr_1
6,8
Auf ilm.thedigitalfix.com/content/id/77384/the-wall-die-wand.html war
die Ratingsnummer
8
http://www.the-numbers.com/movie/Wand-Die#tab=summary
No rating
http://www.worldwideboxoffice.com/index.cgi?order=worldwidestart=
1900finish=2014keyword=die+wand
Rank 10832
2/12/2012 Neil Young The Wall: Berlin Film Review in Hollywood
Reporter
No rating
Leven in een stolp, Filmrecensie| Die Wand, Eric le Duc, Telegraaf, do
13 jun 2013
http://www.cargo-film.de/ratings/2012/41/
65
Auf Rotten Tomatoes auf http://www.rottentomatoes.com/top/bestofrt/
74% Gut und
72% Nicht Gut.
Dieser Film entweder gar kein Rating oder hat ein Rating irgendwo in der Mitte. Dann kann
die Schlussfolgerung lauten, dieser Film wird nie einem ganz breiten Publikum gefallen. Es
sind die Leser des Romans, die sich davon überzeugen möchten, ob das Buch wohl oder nicht
besser ist als der Film. Es könnten Leute sein, die das Buch nicht kennen und vielleicht sich
entschließen aufgrund des Kinogangs, das Buch noch zu lesen. Oder es sind Menschen die
einfach sich nur diesen Film ansehen möchten und sich damit abfinden und es nicht für
notwendig halten den Roman nachher auch noch zu lesen.
4. Gehört die Adaption in dem soziokulturellen Kontext?
Unsere Soziokultur hat seinen Anfang in der 68-er Bewegung, wo es viele Bewegungen gab,
die suchten nach Freiräumen. Das Motto war: Selbstbestimmung ist wichtig. Und dieser Film
passt großartig in dieser Richtung der Selbstbestimmung. Die Frau findet in ihrer Isolation
ihre Freiheit um sich selbst sein zu können. Für uns Publikum, ist diese Thematik nicht

127
ungebräuchlich, denn wir leben in einer Welt der Individuen, wo es wichtig ist sich selber zu
behaupten. Dieser Film schließt an, bei unseren soziokulturellen Kontext von heute.
5. Wie steht es um das Casting und Starstatus von Martina Gedeck?
Zuerst wollte Julian R.Pölsler Juliette Binoche. Aber es war zu teuer sie zu arrangieren für
diesen Film. Dann wurde es Martina Gedeck. Sie war wahrscheinlich billiger zu arrangieren
als Juliette Binoche. Der Grund der Pölsler selbst angab, ist hier im Zitat nachzulesen:
,,Sie brauchten für diese Rolle eine Schauspielerin, die diesen Film und seinen
Text trägt. Welche Qualitäten als Schauspielerin brachte Martina Gedeck in
diese Rolle ein?
Julian Pölsler: Ich muss gestehen, sie war nicht meine erste Wahl. Ich wollte zunächst
unbedingt eine Österreicherin und auch jemanden, der zarter, zerbrechlicher wirkte.
Dann hat mir Michael Haneke einen Kontakt zu Juliette Binoche hergestellt, mit der
ich ein tolles, mehrstündiges Gespräch in Paris geführt habe. Sie hätte diese Rolle
sehr gerne gespielt, es ist aber schließlich gescheitert. Um eine Juliette Binoche für
vierzehn Monate zu sperren, da braucht es ein Hollywood-Budget. Unsere deutschen
Produktionspartner wollten immer Martina Gedeck. Ich hatte keinerlei
Bedenken, was die Schauspielerei betraf, aber sie schien mir vom Typ her zu
kräftig, zu robust. Ich wollte jemand Fragileren, wo man sich zunächst sagt, das
schafft diese Frau nie."
233
,,Er habe anfangs nach einer Schauspielerin gesucht, die auch körperlich extrem zerbrechlich
aussieht, sagt Pölsler; einer, der man das Überleben in der Wildnis als Städterin nicht zutraut.
Doch Gedecks überragende Qualität sei es, die innere Zerbrechlichkeit darzustellen. Und
wieso soll jemand schwächer sein, nur weil er zarter gebaut ist?"
234
war auch in einem
Artikel zu lesen über die Idee Pölslers zum Casting der Hauptperson der Geschichte.
Martina Gedeck, sie zählt in ihrer Generation zu den profiliertesten Charakterdarstellerinnen
im deutschen Kino und Fernsehen. In Ranglisten zu den beliebtesten deutschen
Schauspielerinnen der Gegenwart taucht Gedeck regelmäßig auf vorderen Plätzen auf. 2006
wählte eine Jury aus Film-Experten sie zur besten deutschen Schauspielerin In der Branche
gilt Gedeck als zielstrebige Arbeiterin.
235
Also mit Marina Gedeck, hatte Julian Pölsler eine
233
(JULIAN R. PÖLSLER: DIE WAND ­ INTERVIEW, AFC Austrian Film Commission auf:
http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=dereserve-mode=activecontent-
id=1164272180506artikel_id=1322552864766.
234
Zylka, Jenni: ,,Kinodrama Die Wand: Halb lebt sie im Paradies, halb in der Hölle" auf:
(http://www.spiegel.de/kultur/kino/die-wand-romanverfilmung-mit-martina-gedeck-nach-marlen-haushofer-a-
860463.html.
235
Vgl. Martina Gedeck. http://de.wikipedia.org/wiki/Martina_Gedeck.

128
gute Partie für diesen Film gewählt, wo die Frau den totalen Film in Sprache auf ihren
Schultern zu tragen hat. Sie kann Charakterrollen spielen und hat Starstatus, was nicht
unwichtig war für diesen Film.
Das man Martina Gedeck für diese Rolle haben wollte, war für das Marketing von
herausragender Bedeutung, denn als ,,Marke" mit festen Image sollte Gedeck die Produktion
gegen Risiken absichern. Martina Gedeck gilt natürlich als deutschsprachiger Star und Juliette
Binoche ist französischsprachig. Gedeck wird vom Publikum eher assoziiert mit einer
Verfilmung eines Romans der österreichischen Autorin Marlen Haushofer als Binoche.
Martina Gedeck war scheinbar in der Lage über ihr Image hinauszuspielen. Oft überlagert ein
Image die Filmfigur und deshalb können die Stars die Charakterdarstellung meistens nur
innerhalb bestimmter Grenzen leisten, um die an sie gestellten Erwartungen nicht zu
enttäuschen.
236
Denn Martina Gedeck schien Pölsler zu kräftig, zu robust für diese Rolle,
nicht zerbrechlich genug, aber sie war imstande diese Zerbrechlichkeit innerlich zu
verkörpern.
6. Welches Thema und welche Motive sind behalten für den Film?
Das Thema des Überlebens in Isolation blieb gleich, und die Motive wie Schreiben, um nicht
verrückt zu werden die Versorgung der Tiere und damit sich verantwortlich fühlen für diese
Tiere; die Anpassung an das neue Leben und es akzeptieren, blieben aufrechterhalten im Film,
wie es auch im Buch vorgegeben war.
7. Wurde das Ende der Film hoffnungsvoller gemacht als im Buch?
Nein, im Buch sagt sie, dass sie ganz ruhig ist, und weiss, dass dies nicht das Ende ist, dass
sie ein kleines Stück weiter sehen kann, alles geht weiter. Dann füttert sie die weiße Krähe,
die schon auf sie wartet. Und so endet der Film auch. Ein offenes Ende, man weiss nicht, wie
es weitergeht. Das Ende des Films ist nicht verschönert.
8. Was wurde rausgelassen aus der Geschichte des Romans?
Schon eher erwähnt wurden: die graue Katze, spielt im Film keine Rolle, nur Perle, die weiße
Katze ist im Film. Die Gedanken an ihre Kinder und an ihren Ehemann und an das Leben
bevor der Wand, findet man im Film nicht zurück. Pölsler hat sich konzentriert auf die
Hauptgeschichte der Frau, nämlich auf das Leben im Wald mit der Wand.
236
Munaretto, Steran: Wie analysiere ich einen Film? Ein Arbeitsbuch zur Filmanalyse: Struktur-Genrd-Kontext.
In: Königs Lernhilfen, Bange-Verlag, Hollfeld 2012, S. 71.

129
9. Wurde das Setting des Romans geändert im Film?
Auf diese Frage kann man ,,ja" und ,,nein" antworten. Nein, weil das Buch in Österreich spielt
und der Film auch. Ja, weil Marlen Haushofer das Effertsbachtal nahe Frauenstein im Steyrtal
als Schauplatz im Buch nahm, und der Regisseur Julian Pölsler sich für die Filmaufnahmen in
Gosau
entschied
und
für
die
UNESCO
Weltkulturerbelandschaft
Hallstatt-
Dachstein/Salzkammergut. Viele Aufnahmen zeigen den Gosausee und das Jagdhaus beim
vorderen Gosausee.
Die Sommeraufnahmen zur Hochalm entstanden in der Umgebung der Stuhlalm, auf der
Salzburger Seite des Gosaukamms. Andere Drehorte befinden sich in Hallstatt im Echerntal
und am Krippenstein
237
.
10. Wurde der Dialog unverändert inkorporiert, vereinfacht oder speziell für den Film
geändert?
Nein, der Text des Off-Kommentars gleicht fast 100% den Text des Romans, weil Julian
Pölsler nah am Text der Marlen Haushofer bleiben wollte.
11. Wurde die Perspektive der Geschichte für den Film geändert? Änderte sich dadurch
die Bedeutung des Films?
Nein, im Buch liegt die Perspektive bei der Frau, die zurückblickt und uns die Geschichte in
Form ihres geschriebenen Berichts verkündet. Und im Film ist es die Offstimme, die
eingesprochen ist von Martina Gedeck. Sie teilt uns die Geschichte mit im Rückblick
zwischen den Rahmen von den Krähen am Anfang und am Ende. Diese Struktur gleicht dem
Buch. Und auch im Film liegt das Perspektive nur bei der Frau.
12. Blieb der Film qua Stil gleich mit dem Buch?
Man liest: Klar und leicht verständlich geschrieben, keineswegs übertrieben- ,,unter dem
gleichmäßigen Fluss der scheinbar kühlen Diktion tobt eine brodelnde Katastrophe"
238
Und weiterhin ist zu lesen:
237
Vgl. Die Wand, Literaturverfilmung, Drehorte, 6. Nov. 2012, auf
http://www.gosaunet.at/service/archiv/2012/die-wand-drehorte-6-nov-2012.html.
238
Kindlers Literaturlexikon zitiert nach: http://www.schreiben10.com/referate/Deutsch/11/Die-Wand---Marlen-
Haushofer-reon.php.

130
,,In einer einfachen, klaren Sprache geschrieben ist, die bescheiden wirkt, auf jedes
Pathos verzichtet und frei ist von vordergründiger Psychologisierung ebenso wie von
allzu leicht durchschaubaren Deutungsangeboten."
239
Und da Pölsler nichts im Text geändert hat, bleibt der Stil gleich.
13. Rezeption
Zuerst ist die Seite der Produktion eines Films besprochen anhand des Klischees ,,Das Buch
ist besser als der Film". Jetzt auch noch etwas zu der Rezeption des Buches im Vergleich zum
Film. Verfilmen bedeutet immer, dass der Regisseur in der Geschichte schneiden muss, damit
er innerhalb der Konzentration des Publikums von 110 Minuten bleibt. Damit verliert auch
der Roman ,,Die Wand" an Reichtum und Komplexität der Geschichte. Nur das, was wichtig
ist für die Handlung wird verfilmt, das konzeptionelle Niveau wird im Hintergrund der
Handlung gestellt und oft weggeschnitten. Das ist eine Verarmung der Geschichte, aber man
kann es auch so sehen, dass dadurch die Handlung mehr rationalisiert, kräftiger und
konzentrierter wirkt.
240
Pölsler hat meiner Meinung nach recht, ganz nah an dem Roman zu bleiben, damit er die
Geschichte so adaptieren konnte, dass dieser Text nichts an Kraft verliert.
239
Vgl.:Die wand, Buchtips.net", http://www.buchtips.net/rez1661-die-wand.htm.
240
Vgl. Hutcheon,Linda, A Theory of Adaptions. Londons: Routledge, 2006, S. 36 und McFarlane, Brian. Novel
to Film: an Introduction to the Theory of Adaptation. Oxford: Clarendon Press, 1996, S. 24. Zitiert nach Debru-
yne, Ans (On)verfilmbaar Filmadaptaties van experimentele romans,Masterthesis voorgelegd tot het bekomen
van de grad van Master in de Vergelijkende Moderne Letterkunde, Universiteit Gent, Faculteit Letteren Wijs-
begeerte, 2012-2013.

131
Kapitel 10 Ziel von Pölsler mit der Verfilmung
Pölsler liebt den Roman über alles, und er wollte es unbedingt verfilmen, damit auch Nicht-
Leser von dieser Geschichte der Frau im isolierten Wald erfuhren. Daher blieb er nah am Text
des Romans. Daneben wollte er diese Geschichte auf eine andere Ebene heben, damit die Ge-
schichte von damals sich mit der aktuellen Zeit vermischt. Und wie schon eher angegeben,
hört man in einer Szene die Stimme der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San
Suu Kyi. Und dazu sagte Pölsler
,,Eigentlich wollte ich ihr den Film widmen. Aber nachdem sie aufgrund der
erfreulichen politischen Entwicklungen in Burma, wieder hinter ihrer Wand
aufgetaucht ist, bleibt die Botschaft im Film dezenter: Es ist als eine Widmung an jene
Frauen gedacht, die heute noch gezwungen sind, hinter einer unsichtbaren Wand von
Ignoranz und Intoleranz zu leben."
241
Pösler sagte außerdem über Aung San Suu Kyi:
,,Ich bewundere sehr, wie sie sich hinter der Wand, die man ihr errichtet hat,
durchschlägt. Inzwischen ist es zum Glück zu einer Wende gekommen und diese
Radiorede ist zu einer geheimen Botschaft geworden. Aung San Suu steht als
Metapher für Menschen, die sich nicht fürchten und die bereit sind, für ihre innere
Freiheit hinter eine Wand zu gehen"
242
Damit sagt Pölsler uns, dass Aung San Suu Kyi eine ebenso starke Frau als Frau des Romans
,,Die Wand" ist. Diese Frauen haben die Angst verloren und entschieden sie sich für die
Flucht nach vorn, sie leben ihr Leben und verlassen sich auf sich selbst.
241
Vgl. THIMFIM Presseheft Die Wand auf S. 16:
http://www.demorgen.be/wca_digi/film_detail/101/843563/Die-Wand.html
242
Schiefer, Karin: JULIAN R. PÖLSLER: DIE WAND ­ INTERVIEW, November 2011 auf
http://www.afc.at/jart/prj3/afc/main.jart?rel=dereserve-mode=activecontent-
id=1164272180506tid=1322552865054artikel_id=1322552864766.

132
Kapitel 11 Kapitel 11. Schlussfolgerung in Bezug auf die
Unverfilmbarkeit
Die Antworten auf die Fragen kurzgefasst:
Von Unverfilmbarkeit kann nicht die Rede sein, denn es gibt diesen Film. Vielleicht
ist dieser Film nicht ein Megahit geworden, aber ich glaube auch nicht, dass der Stoff
sich für so ein Publikum, das Megahits liebt, geeignet war.
Der Roman ,,Die Wand" war nicht zu lang oder zu komplex um zu verfilmen.
Von Umfassendheit war nicht die Rede. Es gibt nur eine Person und eine Geschichte
im Film.
Zu den Schichten im Buch kann man sagen, dass nicht alle verfilmt sind, wie z. B. die
Erinnerungen an das frühere Leben. Und wie schon eher beschrieben, ob man alle
Schichten im Film herausfiltert, hängt damit zusammen wie man selbst im Leben
steht, welche Lese- und Filmerfahrungen man schon gemacht hat. Wie belesen und
,,besehen" (wenn man das so sagen darf) man ist.
Das Thema ist nicht leicht, aber gut zu verstehen im Film. Alles dreht sich ums Leben
und Überleben.
Der Pölsler hat es geschafft einen Film, ohne Dialoge zu drehen. Der Off-Kommentar
war ein ausgezeichneter Eingriff, um den Bericht zu vermitteln.
Spannung und Aktion gibt es nicht in Verfolgungen, Gewalt und Action. Es ist eher
eine innerliche Spannung die man als Kinogänger mitbekommen kann, wenn man sich
total in die Figur der Frau hineinversetzt.
Gerade weil diese Frau keinen Namen hat und wenig Mimik zeigt, lässt sie es offen
für uns, wie wir die Situation einfärben. Wir kommen immer am Punkt: Wie wäre es,
wenn ich mich in dieser Situation mich befinden würde?
Auffallend ist es auf jeden Fall, dass es am Anfang dieses Jahrhunderts viele Filme,
wovon Rezensionen das Prädikat der Unverfilmbarkeit erwähnen. Marketing? Wer
weiss in wieweit die Filmindustrie integriert in die Welt der Rezensionen. Aber wie
auch immer, neugierig macht es schon einen Film zu sehen.
Ob das Buch besser ist? Das Buch bietet mehr an Tiefe als der Film. Aber das Wesent-
liche bleibt gleich. Für jeden wird es unterschiedlich sein ob er den Roman mehr liebt
als den Film. Wahrscheinlich ist das auch abhängig von der Erwartung, die man hat.

133
Buch und Film sind zwei verschiedene Sachen, die man eigentlich nicht mit einander
vergleichen kann. Die Wirkung eines Buches ist total anders, als die Wirkung eines
Films. Hat man viel Zeit, dann ist die Wirkung des Buches intensiver, hat man wenig
Zeit, dann wird der Film zum guten Ersatz für das Buch.

134
Kapitel 12 Weitere Informationen zur Schlussfolgerung:
Dieser Film enthält ein schwieriges Thema des Überlebens in Isolation. Nicht jeder Kinogän-
ger mag das, oder ist imstande sich einen solchen Film anzusehen.
Die Dominanz der literarischen Vorlage ist unübersehbar. Selbst wenn die Umsetzung dem
Text bildgewaltige visuelle Motive hinzufügt, bleibt doch das Erlebnis in erster Linie ein lite-
rarisches. Das erschwert die Aufnahme ­ ,,Die Wand" fordert ein geduldiges und literarisch
offenes Publikum." Und das bedeutet also, dass man als Zuschauer entweder das Buch schon
kennt, oder man gehört zur intellektuellen vorgebildeten Publikumsschicht.
243
Die Wand ist
einfach kein spannendes Kino, sondern man muss sich als Zuschauer überwältigen lassen vom
Mut der Frau weiter leben zu wollen und wie sie das schafft.
12.1 Meine Meinung zur Verfilmung und zum Film
Mit seiner Adaption hat Pölsler auch für mich bewirkt, dass ich die Frau atemlos bewundre,
weil sie nicht aufgibt weiter zu leben. Ich kannte das Buch schon vorher, aber ich durch diese
Verfilmung bin nicht enttäuscht worden. Das Wesentliche ist noch immer anwesend. Buch
und Film haben die Gemeinsamkeit, dass sie eine Geschichte erzählen. Und es gibt Bücher
die betteln darum verfilmt zu werden und für den Roman von Marlen Haushofer galt lange
Zeit, er wäre unverfilmbar. Man kann lange diskutieren ob Pölsler nicht diese oder jene Adap-
tion besser gebraucht hätte, aber für Adaptionen gilt, meiner Meinung nach: Jeder bewertet
die gewählte Adaption von Pölsler nach seinem Geschmack.
Wichtig für mich war nur, ob der Film mittels dieser Adaption die bestimmte Erfahrung, die
ich beim Lesen des Romans hatte auf mich, übertragen konnte. Pölsler hat für mich mittels
dieses Films bewiesen, dass er das konnte.
Ich liebe immer noch das Buch, und ich liebe den Film auch, weil dieser Film wie das Buch
mich ,,bij de strot heeft gegrepen", wie wir das auf Niederländisch sagen. Also der Film hat
mich an der Kehle gegriffen, heißt es übersetzt. Ich war auch vom Film tief berührt, wie ich es
damals auch vom Roman war. Die Geschichte ist unvorhersagbar. ,,Predictability is deadly"
243
Vgl. Zag, Roland: Die Wand Buch: Julian Roman Pölsler (nach dem Roman von Marlen Haushofer): Regie:
Julian Roman Pölsler,Dramaturgie-und Markteinschätzung. Mündchen, den 31.10.2012 auf http://www.the-
human-factor.de/?paged=7.

135
244
und ,,...what your leading character ­ need are stakes. Something to gain or lose, or both.
Something (a goal) of tremendous importance to the character and, by extension, to the
reader/audience ­ because if we like, root for, or identify with the hero, his struggles become
ours."
245
Also ich konnte mich einfühlen in dieser Frau. Weil der Einsatz der Frau die Ge-
schichte vorantrieb. Ich wusste nicht wohin, aber mir war klar, dass irgendwas noch kommen
würde. Ich den Roman schon, und wusste wie die Geschichte ausging, aber trotzdem fand ich
das Ende imponierend. ,,The stakes in your story must have an emotional component: will the
hero [...] save [...] the world [...]?
246
Die Frau hat für mich emotionale Komponente in sich,
wodurch sie diesen innerlichen Streit gewinnt. Sie wird nicht verrückt, sie akzeptiert die Situ-
ation, sie akzeptiert das Leben hinter der Wand in Isolation. Sie gerät in dem sie den Bericht
schreibt, sozial nicht aus dem Takt, rutscht nicht unbemerkt und ungewollt in eine emotionale
Verwahrlosung. Sie ist noch immer ,,connected" mit ihren Tieren oder mit der Erinnerung an
ihre toten Tiere. Dadurch kommt sie am Ende gestärkt raus aus dieser Geschichte und lebt ihr
Leben weiter.
Meine Annahme, dass es ein Modell geben würde, mit dessen Hilfe man Bücher bewerten
konnte, ob sie verfilmbar oder unverfilmbar wären, war leider nicht richtig. Es ist viel ge-
schrieben worden über Adaptionensarten und im englischen Bereich ist viel zu finden in Be-
zug auf den Fakt wie man einen Film vermarkten kann oder wie man ein Buch zum Film vo-
rantreiben kann im Produzentenbereich oder im Filmindustriebereich. Es gibt keine klaren
wissenschaftlichen Kriterien und kein Modell um ein Buch auf Verfilmbarkeit zu überprüfen.
Der Film ,,Die Wand" ist wunderbar gelungen meiner Meinung nach, weil Pösler nicht ver-
sucht hat die Geschichte zu interpretieren oder umzuschreiben. Ich verstehe, dass der Film
nominiert ist, weil er für mich referiert an eine existenzielle Frage ,,Was bedeutet das Leben
eigentlich?" In der Situation der Frau, frage ich mich ,,Was wäre wenn, ich sie wäre? Dieser
Film war mit Recht nominiert und zu Vollständigen erwähne ich unten noch die Nominierun-
gen und gewonnene Preise des Films.
Martin Gschlacht, Antonin Svoboda, Bruno Wagner, Martina Gedeck, Julian Pölsler, Wasiliki
Bleser und Rainer Kölmel waren in 2013 nominiert für den Österreichischen Filmpreis 2013.
244
Marlow, John Robert: Make your story a movie, adapting your book or idea for Hollywood, St. Martin's
Griffin, New York, 2012, S. 55.
245
Ebd, S55.
246
Ebd,S55.

136
12.2 Nominierungen und die Preise des Films ,,Die Wand"
Auf der Seite http://www.film-kultur.de/glob/die-wand_kc.pdf lest man zum Preis der
Berlinale:
62. Internationale Filmfestspiele Berlin 2012: Preis der Ökumenischen Jury
Deutscher Fimpreis 2013: Bester Ton
2013 folgte der
Deutsche Filmpreis
an Christian Bischoff, Uve Haußig und Johannes Konecny
für die beste Tongestaltung sowie zwei weitere Nominierungen (Film und Hauptdarstellerin).
Anfang September 2013 wurde Die Wand von einer vom
Fachverband der Film- und Musikin-
dustrie
einberufene Jury als offizieller Kandidat der
Austrian Film Commission
für eine
Oscar
-
Nominierung 2014 in der Kategorie ,,
Bester fremdsprachiger Film
" ausgewählt.
Und weitere Preise waren:
8. Internationales Filmfest Monterrey, Mexiko 2012: Publikumspreis
Romy Gala 2013: Romy für Beste Regie
Muntendam, 2014
Ineke IJsenbrand-Gernand

137
Fakten und Daten zum Film
Im http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/Die-Wand-ist-da-unueberwindbar wird
berichtet:
63 Drehtage waren nötig, um alle Szenen für ,,Die Wand" einzufangen. Zu filmen begonnen
haben Julian R. Pölsler und sein Team im Februar 2010. Letzter Drehtag war im April 2011.
520 Interessierte haben sich die Film-Premiere von ,,Die Wand" in Dietach angeschaut.
Mehr als 300 waren zahlende Gäste.
85.000 Besucher zählte ,,Die Wand" in österreichschen Kinos, fast 400.000 waren es in
Deutschland. In 16 Länder wurde die Inszenierung mittlerweile ( 2013) verkauft. Und der
Film ging als österreichischer Anwärter auf den Ausland-Oscar in Hollywood ins Rennen.
Im Presseheft von Thimfilm DIE WAND findet man Folgende Informationen:
Produktion:
,,Die Wand" ist eine Produktion von coop99 Filmproduktion Wien und Starhaus
Filmproduktion München, in Co-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk, ARTE und in
Zusammenarbeit mit dem ORF (Film/Fernseh-Abkommen), gefördert vom Österreichischen
Filminstitut, Filmfonds Wien, Land OÖ Kultur, FFF Bayern, DFFF und Eurimages.
Die Produktionsfirma coop99, die sich bis heute als Plattform einer neuen FilmemacherInnen-
Generation versteht, die ,,Authentizität, persönliche Stellungnahme und individuelle Machart"
auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Starhuaus Filmproduktion München ist ein Unternehmen, welches sich der Produktion inter-
nationaler wie nationaler Projekte widmet.
Musik:
,,Freedom is a Journey"
Musik: Bernd Jungmair, Cornelius Dix, Jürgen Haiden
Text: Julian Roman Pölsler
Gesang: Zabine
Bach Partiten
Gespielt von Julia Fischer

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Radiotext
Rede von Aung San Suu Kyi
Mit freundlicher Genehmigung von Democratic Voice of Burma
Film:
Lauflänge : 108 Minuten
Format: 35 mm Cinemascope
Cast Crew
Besetzung
Die Frau ... Martina Gedeck
Hugo ... Karl Heinz Hackl
Luise ... Ulrike Beimpold
Versteinerter Mann ... Hans-Michael Rehberg
Versteinerte Frau ... Julia Gschnitzer
Mann ... Wolfgang Maria Bauer
Stab
Regie Drehbuch ... Julian Roman Pölsler
Produzenten ... Bruno Wagner
... Dr. Rainer Kölmel
... Antonin Svoboda
... Martin Gschlacht
... Wasiliki Bleser
Produktion ... coop99 Filmproduktion Wien
... Starhaus Filmproduktion München
Redaktion ... Cornelia Ackers (BR)
... Jochen Kölsch (BR/arte)
... Andreas Schreitmüller (arte)

139
... Heinrich Mis (ORF)
... Klaus Hipfl (ORF)
Herstellungsleitung Starhaus ... Jimmy C. Gerum
Kamera ... J.R.P. Altmann A.V.C
... Christian Berger A.A.C.
... Markus Fraunholz BVK
... Martin Gschlacht A.A.C.
... Bernhard Keller
... Helmut Pirnat A.A.C.
... Hans Selikovsky A.A.C.
... Thomas Tröger
... Richi Wagner A.A.C.
Szenenbild ... Renate Schmaderer
... Enid Löser
... Petra Heim
... Hajo Schwarz
Kostüm ... Ingrid Leibezeder
Maske ... Katharina Erfmann
Schnitt ... Bettina Mazakarini
... Natalie Schwager
... Thomas Kohler
Ton ... Uve Haussig
Regieassistenz ... Irene *Ibi* Iversen
... Marie Breitfuss
Tiertrainer Hund ... Hot Dogs Animal Company
Entwickelt zusammen mit éQuinoxe Germany e.V. Screenwriters` Workshop
139 von 139 Seiten

Details

Titel
Ist "Die Wand" unverfilmbar? Der Roman von Marlen Haushofer und seine Adaption durch Julian Pölsler
Hochschule
Noordelijke Hogeschool Leeuwarden  (Noordelijke Hogeschool Leeuwarden)
Veranstaltung
Lehrerausbildung
Note
7.0 in Holland
Autor
Jahr
2014
Seiten
139
Katalognummer
V337635
ISBN (Buch)
9783668275515
Dateigröße
3816 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Autor der vorliegenden Arbeit ist keine Deutsch-Muttersprachlerin. Bitte haben Sie Verständnis für grammatikalische Fehler und Uneinheitlichkeiten im Ausdruck. Es gibt einige niederländische Zitate, wo nötig sind sie übersetzt worden.
Schlagworte
wand, roman, marlen, haushofer, adaption, julian, pölsler
Arbeit zitieren
Ineke IJsenbrand (Autor), 2014, Ist "Die Wand" unverfilmbar? Der Roman von Marlen Haushofer und seine Adaption durch Julian Pölsler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337635

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