Die Schöpfung und der Sündenfall. Genesis 2-3 im Kontext von Schuld und Scham


Hausarbeit, 2014
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise

2 Scham und Schuld
2.1 Was ist Scham?
2.2 Was ist Schuld?

3 Die Schöpfung und der Sündenfall

4 Schuld und Scham in Genesis
4.1 Schuld in Genesis
4.2 Scham in Genesis

5 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung

Diese Arbeit soll sich mit folgender Frage beschäftigen: Inwiefern werdenScham und Schuld in der Schöpfungsgeschichte und dem Sündenfall um Adam und Eva thematisiert und dargestellt? Der Teil des Alten Testaments, der in dieser Arbeit analysiert werden soll, gehört zu den am meisten gelesenen und am häufigsten interpretierten Erzählungen der Weltliteratur und trotzdem ist diese Geschichte bis heute noch nicht zu Ende erklärt (vgl. Schmidt, 1931, S. 1).

Die eingangs gestellte Frage, inwiefern Scham und Schuld in der Erzählung vom Sündenfall thematisiert und dargestellt werden, hat eine hohe Gegenwartsbedeutung.Denn auch heute spielen Scham und Schuld eine große Rolle in der Gesellschaft und insbesondere die Scham der körperlichen Entblößtheit, wie sie Adam und Eva nach dem Öffnen ihrer Augen erfahren, ist durch die heutige westliche Kulturimmer wieder ein viel diskutiertes Thema(vgl. Schüttauf, Specht, & Wachenhausen, 2003, S. 9). Denn wenn man sich nur einmal heutige Popmusikvideos anschaut, in der Lady Gaga, Rihanna und viele andere Künstler/ -innen geradezu pornografische Inhalte vermitteln, stellt sich die Frage, wohin sich die Schamgrenze unserer westlichen Gesellschaft in Zukunft noch verschieben wird (vgl. Lietzmann, 2007, S. 53 ff.; Gruber, 2008, S. 181).

Auch die Schuld spielt in unserer heutigen Gesellschaft, welche von Kriegen und Gewalt geprägt ist, eine große Rolle und wird auch in den Medien immer wieder thematisiert. Hirsch (1997, S. 17) beschreibt die Schuld als etwas, das über allen Eigenschaften, die den Menschen vom Tier unterscheiden, steht. Denn die Bestrebungen des Individuums, die mit Autonomie zusammenhängen, wirken immer auf jemanden ein, von dem man sich loslöst und demgegenüber man sich dadurch schuldig macht. In der Schöpfungsgeschichte um Adam und Eva wird eine solche Trennung beschrieben. Nämlich einerseits in der Entwicklung des Menschen aus der Tierwelt, welches die phylogenetische Ebene darstellt und andererseits in der Individuation des Menschen und seiner Loslösung von der vorherigen Abhängigkeit, was die ontogenetische Ebene darstellt (vgl. Hirsch, 1997, S. 17). Diese Schuld vor Gott wird als Sünde bezeichnet (vgl. Hirsch, 2010, S. 31). Tatsächlich gibt es keine Religion auf der Welt, in der Schuld und Schuldgefühle keine Rolle spielen (vgl. Baer & Frick-Baer, 2011, S. 14).

Die Erzählung vom Sündenfall, wie sie durch das Alte Testament überliefert wurde, hat schon viele verschiedene Interpretationen erfahren. Die meisten Interpretationen stammen von der christlichen Kirche(vgl. Löcker-Euler, 1933, S. 1). Diese Arbeit soll die Schöpfungsgeschichte und den Sündenfall nicht aus theologischer Sicht analysieren, sondern sich allein mit der Gegenwartsbedeutungder dargestellten Schuld- und Schamgefühle für unsere westliche Welt, welche zwar hauptsächlich jüdisch-christlich geprägt ist, sich aber durch Einwanderung, Tourismus und Globalisierung zunehmend auch mit anderen Wertvorstellungen auseinandersetzen muss,beschäftigen.

1.2 Vorgehensweise

Nachdem die Fragestellung dieser Arbeit erläutert, ein kurzer Einblick in die Thematik gegeben und ihre Gegenwartsbedeutung dargestellt wurde, wird im Folgenden die Vorgehensweise, nach der in dieser Ausarbeitung verfahren werden soll, beschrieben. Im folgenden Kapitel findet zunächst eine Definition der Affekte Schuld und Scham statt. Hierbei werden insbesondere Anlässe für den jeweiligen Affekt, Ausprägungen und Folgen beschrieben und Scham und Schuld werden anschließend voneinander abgegrenzt. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auf die Schöpfungsgeschichte und den Sündenfall um Adam und Eva eingegangen, indem zunächst erläutert wird, woher diese Geschichte stammt, wer der/ die mutmaßliche Verfasser/ -in ist und welchen Inhalt die Erzählung hat. Nachdem ein Grundlagenwissen zur Genesis zwei und drei vermittelt wurde, folgt ein tieferer Einstieg in die Erzählung. In Form des Close Readings werden Schöpfungsgeschichte und Sündenfall genauestens auf Aspekte von Schuld und Scham untersucht und ihre Bedeutung, analysiert. Abschließend erfolgt in der Schlussbemerkung eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die diese Arbeit hervorgebracht hat. Auch hier soll nochmals ein besonderes Augenmerk auf die Gegenwartsbedeutung der Genesis zwei und drei für unsere Gesellschaft gelegt werden. Ein Ausblick zu einem möglichen Umgang mit Scham und Schuld in der Zukunft wird ebenfalls gegeben.

2 Scham und Schuld

2.1 Was ist Scham?

Dieses Kapitel wird eine Definition der beiden Affekte Schuld und Scham vornehmen und diese voneinander abgrenzen, wobei dies gar nicht so einfach erscheint, angesichts der Tatsache, dass Schuld- und Schamgefühle oft ineinander übergehen und von ihrer emotionalen Wirkung und Intensität nicht klar voneinander zu trennen sind (vgl. Benthien, 2011, S. 47). Dennoch hat sich in der Wissenschaft eine systematische Unterscheidung der beiden Affekte durchgesetzt (vgl. Benthien, 2011, S. 48).

Das Wort Scham stammt aus dem indogermanischen und leitet sich von dem Ausdruck „skam“ ab, welcher so viel bedeutet wie „sich verstecken“ (vgl. Hell, 2006, S. 23). Scham ist ein Gefühl, welches in seiner Ausprägung die unterschiedlichsten Formen annehmen kann und zu den unterschiedlichsten Begebenheiten eintritt (vgl. Demmerling, 2009, S. 75). Dieses Gefühl hat einen lähmenden Charakter und führt dazu, dass der/ die sich Schämende sich minderwertig und peinlich fühlt (vgl. Hell, 2006). Insbesondere im Zusammenhang mit Normverstößen tritt Scham häufig auf (vgl. Demmerling, 2009, S. 75). Soziale Situationen, in denen etwas, was eigentlich verborgen bleiben sollte, ans Licht kommt und öffentlich wird, rufen Schamreaktionen hervor (vgl. Kalbe, 2002, S. 20). Scham entsteht auch dann, wenn sich Geschehnisse dieser Art nur gedanklich abspielen(vgl. Kalbe, 2002, S. 20). Diese Schamreaktionenkönnen sich in Mimik, Gestik und verbalem Verhalten äußern (vgl. Mariauzouls, 1996, S. 27 f.). Die bekannteste körperliche Reaktion auf Scham ist wohl das Erröten(vgl. Pontzen & Preußer, 2008, S. 10). Aber daneben gibt es noch weitere Körperfunktionen an denen lautMariauzouls(1996, S. 27 f.) Schamreaktionen erkennbar sind:

Kopf- und Körperhaltung: Typische Anzeichen von Scham sind die gesenkte Körperhaltung, das sich kleiner Machen oder das in sich Zusammensacken. Der Kopf wird gesenkt oder ganz abgewendet und häufig wird das Gesicht bedeckt.

Gesichtsmimik: Sich schämende Personen senken die Augenlieder oder kneifen die Augen gar gänzlich zu. Auf jeden Fall wird versucht Blickkontakt zu vermeiden, was auch durch das Wegdrehen der Augen oder schnelles Blinzeln passieren kann. Im Bereich des Mundes sind oftmals Lippenbeißen oder Lippeneinrollen zu erkennen. Dazu können Zuckungen der Mundwinkel oder ein Hängenlassen eben dieser auftreten.

Lokomotorisches Verhalten: Hier kann es dazu kommen, dass der/ die sich Schämende wegrennt, oder sich versteckt, um sich den Blicken der anderen zu entziehen.

Verbales Verhalten: Das Verbale Verhalten kann sich sehr unterschiedlich gestalten. Einerseits kann Scham dazu führen, dass kein Wort mehr herausgebracht wird, andererseits kann sie auch einen Wortschwall, unangebrachte Kommentare oder verlegenes Lachen hervorrufen.

An der Offensichtlichkeit von beobachtbaren, von der Norm abweichenden, Erregungen lässt sich der Gefühlscharakter der Scham erkennen (vgl. Pontzen & Preußer, 2008, S. 10). Diese Schamgefühle lassen sich nicht kontrollieren und es gibt kaum Möglichkeiten sie vorherzusehen, geschweige denn zu vermeiden (vgl. Schäfer & Thompson, 2009, S. 23 f.). Ausmaß und Vorkommen von Scham variieren stark zwischen den verschiedenen Kulturen und sind von Individuum zu Individuum unterschiedlich (vgl. Holzhey-Kunz, 2006, S. 15).Des Weiteren lässt sich feststellen, dass Scham immer auch Selbsterkenntnis voraussetzt (vgl. Benthien, 2011, S. 95). Aber wie entsteht Scham eigentlich?Lietzmann(2007, S. 29) unterscheidet verschiedene Anlässe, die Scham hervorrufen können, dies aber nicht zwangsläufig müssen, denn dies hängt von situationalen, persönlichen, sozialen und kulturellen Faktoren ab. Nach Lietzmann(2007, S. 27 f.)gestalten sich die häufigsten Schamanlässe wie folgt:

- Scham über den eigenen Körper, etwa wenn dieser in seiner Beschaffenheit von der Norm abweicht, aber auch über dessen Nacktheit. Sowie Scham über gewisse Körperfunktionen wie Ausscheidungen oder Scham über körperliche Fehlleistungen wie Stolpern oder Stottern.
- Scham über psychische Inhalte, also positive wie negative Gedanken oder bestimmte Charaktereigenschaften wie Feigheit oder eine Sucht.
- Scham aufgrund von gesellschaftlichen Aspekten, zum Beispiel als Reaktion auf Verstöße gegen soziale Regelungen. Aber auch die Scham über eine defizitäre Bildung oder Stilbewusstsein gehören dazu, ebenso wie die Scham über soziale Schwächen wie einen schlechten Ruf oder einen niedrigen sozialen Status.

Neckel(2009, S. 110) unterscheidet die verschiedensten Schamanlässe in solche, die moralischen Charakter haben, also in Begleitung der Schuld auftreten und Handlung, Verantwortung und Fremdschädigung voraussetzen und solche, die sozialen Charakters sind und nicht auf eine „böse“ Handlung zurückzuführen sind, sondern nur den Verstoß gegen eine gesellschaftliche Konvention beinhalten und somit den eigenen Schaden als Anlass für die Scham einbeziehen. Des Weiteren ist lautLietzmann(2007, S. 167 ff.) auch zu unterscheiden zwischen der Scham vor dem/ der anderen, also die reale Anwesenheit anderer als Beobachter/ -innen in unangenehmen Situationen, welche selbst initiiert sind, der Scham für den/ die andere/ -n, die sogenannte „Mitscham“ und der Scham durch den/ die andere/ -n, womit die Beschämung, die durch eine/ -n andere/ -n provoziert wird, gemeint ist. Diese Form der fremdinitiierten Scham wird zum Beispiel durch Spott, Erniedrigung und Zurückweisung hervorgerufen (vgl. Kalbe, 2002, S. 23).

2.2 Was ist Schuld?

Der vorangegangene Abschnitt hat gezeigt, dass die Scham als ein Gefühl zu verstehen ist, weil sie affektiv-leiblich erfahren wird und sich durch spezifische körperliche Reaktionen und Gebärden manifestiert (vgl. Benthien, 2011, S. 48). Im Gegensatz zu den eindeutigen Emotionszeichen für Scham, erscheint die Schuld doch recht uneindeutig und es kommt die Frage auf, ob Schuld dennoch ebenfalls ein Gefühl darstellt (vgl. Benthien, 2011, S. 48). Diese Frage soll im Folgenden geklärt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Schöpfung und der Sündenfall. Genesis 2-3 im Kontext von Schuld und Scham
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Geisteswissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V337658
ISBN (eBook)
9783668269330
ISBN (Buch)
9783668269347
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schöpfung, sündenfall, genesis, kontext, schuld, scham
Arbeit zitieren
Ronja Schmidt-Prestin (Autor), 2014, Die Schöpfung und der Sündenfall. Genesis 2-3 im Kontext von Schuld und Scham, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337658

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