Die Rolle Russlands in den ungelösten Regionalkonflikten im Postsowjetischen Raum


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Merkmale der russländischen Außenpolitik im postsowjetischen Raum

3 Transnistrien-Konflikt
3.1 Verlauf
3.2 Die Rolle Russlands

4 Bergkarabachkonflikt
4.1 Verlauf
4.2 Die Rolle Russlands

5 Kaukasuskonflikt
5.1 Verlauf
5.2 Die Rolle Russlands

6 Konflikte in den baltischen Staaten und Weißrussland

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit behandelt die Rolle Russlands in den ungelösten Regionalkonflikten im postsowjetischen Raum. Dieser umfasst die Länder, welche neben Russland aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangen sind.[1] Ich möchte herausfinden, ob die Russländische Föderation in den dortigen Regionalkonflikten als Vermittler des Friedens gelten kann oder ob sie eher ihren hegemonialen Anspruch deutlich macht.

Zum Beginn der Arbeit werde ich erst einmal die Merkmale der Außenpolitik Russlands gegenüber dem Gebiet der ehemaligen Staaten der Sowjetunion aufführen. Dafür werde ich die Entwicklung des außenpolitischen Verhaltens gegenüber den postsowjetischen Staaten erläutern. Dieser Punkt ermöglicht ein grundlegendes Wissen für den weiteren Verlauf der Arbeit und wird aufzeigen, mit welchen Interessen und Ansprüchen Russland in die Regionalkonflikte ging.Im Hauptteil der Hausarbeit werde ich einzelne wichtige ungelöste Regionalkonflikte aus dem postsowjetischen Raum näher erläutern. Zuerst einmal werde ich den Transnistrien-Konflikt beleuchten, der zwischen der Republik Moldau und dem sich dort befindenden Gebiet Transnistrien herrscht.[2]

Als Nächstes werde ich den Bergkarabachkonflikt behandeln, der seit vielen Jahren das Verhältnis zwischen Armenien und Aserbaidschan bestimmt.[3] Anschließend werde ich den Kaukasuskonflikt ausführen, der in Georgien ab 2008 seinen Höhepunkt erreichte.[4] Die drei eben aufgeführten Regionalkonflikte werde ich noch einmal in je zwei Unterpunkte gliedern. Ich werde erst den Verlauf des jeweiligen Konflikts darstellen, ehe ich anschließend konkret auf die Rolle der Russländischen Föderation eingehen werde.

Im vorletzten Punkt werde ich mich mit dem Baltikum und Weißrussland auseinandersetzen. Dort kam es in der Vergangenheit vor allem zu Streitigkeiten um Grenzfragen und dem Umgang mit geschichtlichen Ereignissen, in denen Russland direkt eine Rolle spielte.[5] Im Fazit werde ich die wichtigsten Informationen noch einmal zusammentragen, um abschließend die zentrale Fragestellung zu beantworten.

Der Forschungsstand zu den ungelösten Regionalkonflikten im postsowjetischen Raum ist überschaubar. Zu den jeweiligen Konflikten kann zumindest je ein Werk hervorgehoben werden. Im Falle des Transnistrien-Konflikts ist die Ausarbeitung von Claus Neukirch zu nennen. Mit dem Bergkarabachkonflikt hat sich Johannes Rau ausführlich beschäftigt. Sehr detailliert wird der Kaukasuskrieg im Sammelband von Erich Reiter ausgeführt, für den sich verschiedene anerkannte Kaukasusexperten mit dem Thema beschäftigt haben.

Im Zusammenhang mit den baltischen Staaten lässt sich das Werk von Thomas Schmidt hervorheben, der sich intensiv mit dem Baltikum auseinander gesetzt hat. Darüber hinaus gibt es eine beträchtliche Menge an Sekundärliteratur zu Russland und seiner Außenpolitik. Das außenpolitische Verhalten gegenüber den postsowjetischen Staaten wird vor allem in den Ausarbeitungen von Susan Stewart und Christian Wipperfürth ausführlich thematisiert.

2 Merkmale der russländischen Außenpolitik im postsowjetischen Raum

Nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 blieb das große Ziel bestehen, als Großmacht in der internationalen Politik und Wirtschaft mitzuwirken. Dafür ist die Russländische Föderation bereit gewesen, eine gewisse Annäherung an den Westen und an Asien zu vollziehen, um nicht wirtschaftlich und politisch isoliert zu sein.[6] Neben dem Wunsch im internationalen Wettbewerb als Weltmacht erfolgreich bestehen zu können, wird auch den anderen ehemaligen sowjetischen Staaten eine gewichtige Bedeutung beigemessen. Bereits im Jahr 1993 wurden entscheidende Vorstellungen und Ausrichtungen gegenüber den Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) festgelegt. Nach dem Empfinden der russländischen Politiker nahm und nimmt Russland eine Vormachtstellung in dieser Region ein, welche es deutlich machen muss. Deshalb wurden sich als Ziele gesetzt, „[…] die Eindämmung lokaler Konflikte und Kriege an den russischen Grenzen […]“ vorzunehmen und „[…] die fortdauernde russische Militärpräsenz sowie der Schutz der Menschenrecht ethnischer Russen […]“ zu gewährleisten.[7] Das Hauptanliegen war jedoch, politisch, ökonomisch und militärisch in der Lage zu sein, Kontrolle über die Länder des postsowjetischen Raums zu haben und Einfluss ausüben zu können. Die Vormachtstellung galt als Grundlage, um die angestrebte Position als Weltmacht erreichen zu können.[8] 1994 gab es zwei bedeutende Auffassungen innerhalb der Russländischen Föderation mit Blick auf die postsowjetischen Staaten. Zum einen bevorzugte ein gewisser Teil der russländischen Bevölkerung das Bestreben, die GUS aufzuheben und die ehemaligen Länder der Sowjetunion erneut zu einem einheitlichen Staat zusammenzuführen. Zum anderen präferierte der größere Teil der Einwohner Russlands das bisherige Ziel, die dominante militärische und politische Rolle im postsowjetischen Raum zu bewahren und weiterhin Druck auf die dortigen Länder ausüben zu können. Gleichzeitig sollten die Staaten in einer Art wirtschaftlicher Föderation zusammengeschlossen werden.[9] In den weiteren Jahren bis zum Präsidentschaftsantritt Wladimir Putins 2000 gestaltete sich die gewünschte russländische Außenpolitik gegenüber den GUS-Staaten als schwierig. Viele der beteiligten Länder kritisierten das Konzept der GUS und die damit einhergehende Vormachtstellung Russlands. Infolgedessen kristallisierten sich bereits zu dieser Zeit erste andere Gemeinschaften und Organisationen ohne Beteiligung Russlands heraus.[10] Mit dem Amtsantritt Putins verzichtete Russland auf das angestrebte Ziel einer zumindest wirtschaftlichen Integration der postsowjetischen Staaten, weshalb die GUS deutlich an Bedeutung verlor. Weiterhin wurde an dem Vorsatz festgehalten, in der Lage zu sein, Einfluss auf den gesamten postsowjetischen Raum ausüben zu können. Gleichzeitig entschied sich Russland von bisherigen multilateralen Beziehungen abzuweichen und bilaterale Verträge zu allen Staaten einzugehen. So konnte die Gefahr verringert werden, dass mehrere Länder sich zusammenschließen konnten, um sich den gemeinsamen Vereinbarungen mit der Russländischen Föderation zu widersetzen. Militärischen Einfluss büßte Russland durch die Stationierung von Truppen der USA im südlichen Teil des postsowjetischen Raums nach dem 11. September 2001 ein.[11] Bis heute prägt jedoch die politische, ökonomische und militärische Überlegenheit gegenüber den postsowjetischen Staaten die Außenpolitik Russlands im postsowjetischen Raum. 2005 und 2006 betonte Putin die wichtige Rolle der Russländischen Föderation in diesen Gebieten und eine damit verbundene wirtschaftliche, kulturelle und militärische Unterstützung der anderen GUS-Staaten. Er verdeutlichte außerdem, dass die Außenpolitik gegenüber den Nachbarstaaten höchste Priorität habe.[12] In den vergangenen Jahren wurde von Russland „[…] für einen gleichberechtigten Umgang mit den postsowjetischen Staaten plädiert. In der Praxis aber wird ein klarer hegemonialer Anspruch sichtbar.“[13] Spannungen entstanden in der Vergangenheit auch deshalb vor allem mit der EU und ihrer Osterweiterung, sowie mit der NATO. Beide nutzten ihre Möglichkeiten, um den Einfluss Russlands zu vermindern.[14]

3 Transnistrien-Konflikt

3.1 Verlauf

Als Ursachen des Transnistrien-Konflikts sind zwei wichtige Punkte anzuführen. 1989 verabschiedete die damalige moldauische Sowjetrepublik ein Gesetz, welches Moldauisch als offizielle Staatssprache festlegte.Dies sollte einen ersten Schritt zur Abkapselung von der Sowjetunion darstellen. Vor allem die größtenteils russischsprachigen Bewohner der Region Transnistrien standen dem Sprachgesetz sehr kritisch gegenüber. Als zweite wesentliche Ursache des Konflikts gilt die erklärte Unabhängigkeit Transnistriens im September 1990 von der moldauischen Sowjetrepublik. Die moldauische Regierung war jedoch vor allem wegen der beträchtlichen Industrie und Wirtschaftskraft der Region nicht bereit, diese Abspaltung hinzunehmen.[15] Während es zuvor größtenteils friedliche Massendemonstrationen und Proteste gab, kam es aufgrund der Ablehnung der Unabhängigkeitserklärung zu ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern Transnistriens und moldauischem Militär.Die sowjetische und moldauische Regierung konnten durch die Einleitung von Verhandlungen Ende 1990 erst einmal weitere gewaltsame Aufstände verhindern. Transnistrien beharrte jedoch auf seinem Standpunkt, eine Abspaltung von der moldauischen Sowjetrepublik vollziehen zu wollen und war für Kompromisse nicht bereit.[16]

Eine erneute Eskalation der Lage rief die Unabhängigkeitserklärung Moldaus von der Sowjetunion hervor. Viele Einwohner Transnistriens waren für einen Verbleib im sowjetischen Staat und den damit verbundenen sowjetischen Strukturen. Daraufhin erklärte auch Transnistrienam 2. September 1991 seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion und der Republik Moldau und erarbeitete eine eigene Verfassung.Transnistrische Separatisten begannen nun, die moldauischen Strukturen in Transnistrien zu beseitigen und wichtige Standorte und Einrichtungen zu übernehmen. Dadurch kam es zu direkten Aufeinandertreffen der militärischen Streitkräfte beider Seiten und einer zunehmenden Eskalation der Kämpfe.[17] Am Konflikt beteiligtensich auch viele Soldaten der 14. sowjetischen Armee, welche in Transnistrien stationiert war. Vermutlich jedoch nicht auf Befehl der sowjetischen Regierung, sondern als Privatpersonen, da Transnistrien für viele von ihnen eine Heimat darstellte.Mit ihren Kenntnissen und militärischer Ausrüstung ermöglichten sie den transnistrischen Einheiten einen Vorteil gegenüber dem moldauischen Militär. Im März 1992 kam es wiederholt zu Verhandlungen zwischen den beiden Konfliktgegnern, die zwar einen Waffenstillstand ermöglichten, welcher aber nach kurzer Zeit wieder gebrochen wurde. Mitte des Jahres gelang es den transnistrischen Truppen nach intensiven gewaltsamen Auseinandersetzungen die moldauischen Einheiten aus Transnistrien zu vertreiben. Infolge dessen gelang es der 14. Armee unter russischem Kommando, einen dauerhaften Waffenstillstand herzustellen, welcher am 21. Juli 1992 von beiden Seiten unterzeichnet wurde.Transnistrien behielt damit seine Unabhängigkeit, aber der Regionalkonflikt blieb ungelöst. Darüber hinaus wurde festgelegt, dass moldauische, transnistrische und russische Einheiten den Frieden im Konfliktgebiet sichern sollen.[18]

[...]


[1] Vgl. Alexandrova, Olga: Russlands Außenpolitik gegenüber dem postsowjetischen Raum; in: Alexandrova, Olga/Götz, Roland/Halbach, Uwe (Hrsg.): Rußland und der postsowjetische Raum, Baden-Baden 2003, S. 15-30, hier S. 15.

[2] Vgl. Neukirch, Claus: Konfliktmanagement und Konfliktprävention im Rahmen von OSZE-Langzeitmissionen. Eine Analyse der Missionen in Moldau und Estland, Baden-Baden 2003, S. 130f.

[3] Vgl. Rau, Johannes: Berg-Karabach in der Geschichte Aserbaidschans und die Aggression Armeniens gegen Aserbaidschan, Berlin 2009, S. 215f.

[4] Vgl. Gressel, Gustav C.: Der Krieg am Kaukasus. Geschehnisse und Konsequenzen; in: Reiter, Erich (Hrsg.): Die Sezessionskonflikte in Georgien, Wien [u.a.] 2009. S. 15-50, hier: S. 15.

[5] Vgl. Stewart, Susan: Russische Außenpolitik im postsowjetischen Raum. Das Baltikum, die westliche GUS und der Südkaukasus im Vergleich, Berlin 2010, S. 10ff.

[6] Vgl. Wipperfürth, Christian: Russlands Außenpolitik, Wiesbaden 2011, S. 121.

[7] Alexandrova, 2003, S. 17.

[8] Vgl. Alexandrova, 2003, S. 17f.

[9] Vgl. Alexandrova, 2003, S. 20f.

[10] Vgl. ebd., S. 22ff.

[11] Vgl. ebd., S. 25ff.

[12] Vgl. Stewart, 2010, S. 8.

[13] Stewart, 2010, S. 9.

[14] Vgl. Fischer, Sabine: Integrationsprozesse im post-sowjetischen Raum: Voraussetzungen, Erwartungen, Potenziale; in: Internationale Politik und Gesellschaft, 2006, S. 134-149, hier S. 147.

[15] Vgl. Neukirch, 2003, S. 130f.

[16] Vgl. ebd., S. 133.

[17] Vgl. ebd., S. 133f.

[18] Vgl. Neukirch, 2003, S. 135ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Rolle Russlands in den ungelösten Regionalkonflikten im Postsowjetischen Raum
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V337676
ISBN (eBook)
9783668269958
ISBN (Buch)
9783668269965
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russland, Regionalkonflikte, Postsowjetischer Raum
Arbeit zitieren
Marc Damrath (Autor:in), 2016, Die Rolle Russlands in den ungelösten Regionalkonflikten im Postsowjetischen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337676

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rolle Russlands in den ungelösten Regionalkonflikten im Postsowjetischen Raum



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden