Schnittstellen zwischen Kommunikation und Bewusstsein. Theorienvergleich von Niklas Luhmann und Friedemann Schulz von Thun


Seminararbeit, 2004
28 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Friedemann Schulz von Thun
2.1 Zur Person (Biographie)

3. Theorie der zwischenmenschlichen Kommunikation
3.1 Das Modell der „Vier Seiten einer Nachricht“ (Grundlagen)
3.2 Die Struktur einer Nachricht
3.2.1 Sachinhalt
3.2.2 Selbstoffenbarung
3.2.3 Beziehung
3.2.4 Appell
3.3 Der Empfang einer Nachricht (das „vier Ohren Modell“) und Störungen in der Kommunikation
3.3.1 Das Sach-Ohr
3.3.2 Das Beziehungs-Ohr
3.3.3 Das Selbstoffenbarungs-Ohr
3.3.4 Das Appell-Ohr
3.4 Metakommunikation (ein Lösungsansatz)
3.5 Das angestrebte Kommunikationsideal

4. Bewusstseinstheorie
4.1 Das Modell des „Inneren Teams“ (Grundlagen)
4.1.1 Die innere Pluralität
4.1.2 Die Eigenschaften bzw. Merkmale des Inneren Teams
4.1.3 Die Innere Führung

5. Beziehung (Schnittstellen) zwischen Kommunikation und Bewusstsein

6. Theorienvergleich mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Seminar „Kommunikation und Bewusstsein in pädagogischen Kontexten“ untersuchten wir diverse Theorien und Konzepte von Watzlawick, Maturana, Schütz über Berger, Luckmann bis hin zu Luhmanns Systemtheorie, welche uns in Form von Referaten dargeboten wurden, hinsichtlich der Definitionen der Begriffe Kommunikation und Bewusstsein sowie deren Schnittstellen.

Gegenstand meiner Arbeit wird die Kommunikations- sowie die Bewusstseinstheorie nach Friedemann Schulz von Thun sein.

Den ersten Abschnitt meiner Arbeit bildet die Biographie Friedemann Schulz von Thuns um einen Einstieg in das Thema zu finden.

Unter Punkt 3 werde ich im Speziellen Schulz von Thuns Theorien zur zwischenmenschlichen Kommunikation vorstellen. Hierzu zählen das Modell der „vier Seiten einer Nachricht“, das Modell des Empfangens mit „vier Ohren“ wie auch die Metakommunikation als Lösungsansatz bei Kommunikationsstörungen.

Weiter werde ich im vierten Abschnitt meiner Arbeit auf Schulz von Thuns Bewusstseinstheorien Bezug nehmen. Hier werde ich das Modell des „Inneren Teams“ erläutern sowie im Speziellen auf bedeutende Begrifflichkeiten wie „innere Pluralität“ und „innere Führung“ eingehen.

In Abschnitt 5 werde ich mögliche Schnittstellen zwischen Kommunikation und Bewusstsein nach den Thesen und Theorien von Friedemann Schulz von Thun untersuchen.

Anschließend erfolgt ein prägnanter Theorienvergleich zwischen Schulz von Thun und Niklas Luhmanns Systemtheorie hinsichtlich offensichtlicher Differenzen aber auch Parallelen.

Auf ein Fazit habe ich an bezeichnender Stelle bewusst verzichtet, da das Thema meiner Arbeit doch recht umfangreich ist. Stattdessen habe ich meine eigene Gedanken sowie resümierende Worte an den Schluss der jeweiligen Abschnitte gesetzt.

2. Friedemann Schulz von Thun

In diesem ersten Abschnitt meiner Arbeit werde ich die Person Friedemann Schulz von Thun vorstellen um einen Einstieg in das Thema zu finden.

2.1 Zur Person (Biographie)

Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Friedemann Schulz von Thun wurde 1944 im niedersächsischen Soltau geboren. Er studierte Psychologie, Philosophie und Pädagogik in Hamburg, wo er ebenfalls 1976 habilitierte und noch im selben Jahr eine Professur für Pädagogische Psychologie erhielt.

Zuvor war er Assistent bei Prof. Reinhard Tausch, mit dem er unter anderem 1969 das Hamburger Verständlichkeitskonzept entwickelte, ein Modell mit Maßstäben für eine gute Verständlichkeit von Texten. Schulz von Thun orientierte an diesem Projekt des Verständlichkeitskonzeptes auch seine eigenen Arbeiten. Diese Tatsache hat sicher auch zu seiner Popularität außerhalb der Universitäten beigetragen, da seine Texte leicht zu lesen, konkret und für jedermann verständlich sind.

Bis heute ist er Dozent im Fachbereich Psychologie an der Universität Hamburg.

3. Theorie der zwischenmenschlichen Kommunikation?

Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dieses „Grundgesetz“ der Kommunikation nach Paul Watzlawick (1969) besagt, dass absolut jedes Verhalten Mitteilungscharakter besitzt (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 34). Das heißt, man muss nicht zwangsläufig etwas sagen um zu kommunizieren. Auch Schweigen, also nonverbales Verhalten, ist kommunikativ bedeutend und stellt ebenso eine Nachricht mit mindestens drei Seiten dar (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Jedes Verhalten hat Mitteilungscharakter (Quelle: Schulz von Thun, 1981, S. 35)

Im folgenden Abschnitt meiner Arbeit werde ich Friedemann Schulz von Thuns Theorien zur Kommunikation vorstellen. Diesbezüglich werde ich mich vornehmlich auf die Modelle „Vier Seiten einer Nachricht“ sowie „Mit vier Ohren empfangen“ konzentrieren.

3.1 Das Modell der „Vier Seiten einer Nachricht“ (Grundlagen)

Die Grundlage, auf der Schulz von Thun seine Thesen entwickelt hat, ist das Modell, der „Vier Seiten einer Nachricht“. Dieses Kommunikationsmodell entstand, als Schulz von Thun noch als Assistent bei Prof. Reinhard Tausch tätig war. Aufgrund des populär gewordenen Hamburger Verständlichkeitskonzeptes (vgl. 2.1) trat 1970 ein Hamburger Industrieunternehmen an die Arbeitsgruppe um Tausch heran, mit der Bitte einen Beitrag zur besseren Kommunikation ihrer Mitarbeiter untereinander zu leisten (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 13). Auf Basis der hierdurch geschaffenen Grundlagen entwickelte Schulz von Thun unter Einfluss der Theorien von Karl Bühler (1934) und Paul Watzlawick (1969) das Modell der „Vier Seiten einer Nachricht“ (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 14f u. 30). Nach Schulz von Thun (1981) differenziert Bühler „drei Aspekte der Sprache“: Darstellung (=Sachinhalt), Ausdruck (=Selbstoffenbarung) und Appell, während Watzlawick zwischen Inhalts- und Beziehungsaspekt von Nachrichten, wobei der Inhaltsaspekt gleichbedeutend mit dem Sachinhalt aus Schulz von Thuns „Vier Seiten einer Nachricht“ -Modell und der Beziehungsaspekt Selbstoffenbarung, Beziehung (im engeren Sinne) sowie Appell umfasst und damit gleichzeitig den metakommunikatorischen Anteil an der Nachricht, der Hinweise darauf gibt, wie die Nachricht aufzufassen ist, ausmacht, unterscheidet (vgl. ebd., S. 30).

Das Kommunikationsmodell eignet sich laut Schulz von Thun (1981) sowohl zur Analyse konkreter Mitteilungen sowie zur Aufdeckung einer Vielzahl von Kommunikationsstörungen als auch zur Gliederung eines gesamten Problemfeldes (vgl. ebd., S.14 u. 30).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Vier Seiten einer Nachricht / Kommunikationsquadrat (Quelle: Schulz von Thun, 1981, S. 14)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: psychologisches Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation – Die vier Seiten einer Nachricht (Quelle: Schulz von Thun, 1981, S. 30)

3.2 Die Struktur einer Nachricht

Die grundlegende Annahme in Schulz von Thuns Theorie besteht darin, dass ein Sender ein Anliegen mitteilen möchte. Dieses chiffriert er als Nachricht und es obliegt schließlich dem Empfänger, diese Nachricht wieder zu entschlüsseln (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 25). Schulz von Thun (1981) manifestiert weiter, dass gesendete und empfangene Nachricht in der Regel übereinstimmen, was dazu führt, dass eine Verständigung stattfinden kann (vgl. ebd., S. 25). Auch ist es dem Sender sowie dem Empfänger möglich die Güte der Verständigung durch Rückmeldungen bzw. durch Feedback zu überprüfen. Dies geschieht indem der Empfänger preisgibt, wie er die Nachricht entschlüsselt bzw. verstanden hat. So ist es dem Sender möglich festzustellen, ob seine Sendeabsicht mit dem Empfangsresultat übereinstimmt (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 25).

Eine weitere These Schulz von Thuns ist, dass „ein und die selbe Nachricht stets viele Botschaften gleichzeitig enthält“ (zit. n. Schulz von Thun, 1981, S. 26). Diese Tatsache, dass eine Nachricht gleich ein ganzes Paket an Botschaften und Informationen enthält, macht nach Schulz von Thun (1981) den ganzen Vorgang der zwischenmenschlichen Kommunikation kompliziert und störungsanfällig, aber zugleich auch interessant und spannend (vgl. ebd., S. 26).

Des Weiteren unternimmt Friedemann Schulz von Thun (1981) den Versuch die diversen Botschaften einer Nachricht in vier „seelisch bedeutsame Seiten“ zu differenzieren bzw. zu ordnen – das Modell der „Vier Seiten einer Nachricht“ (vgl. Abb. 2). Er unterscheidet dabei Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell (vgl. ebd., S. 26). Zur Verdeutlichung führt Schulz von Thun (1981) folgendes Beispiel aus dem Alltag an:

Der Mann (=Sender) sagt zu seiner am Steuer sitzenden Frau (=Empfänger): ‚Du, da vorne ist grün!’“ (zit. n. ebd., S. 26).

Er stellt die Fragen, was alles in dieser Nachricht steckt bzw. was hat der Sender (bewusst oder unbewusst) hineingesteckt und was kann der Empfänger der Nachricht entnehmen?

Im folgenden werde ich nun anhand dieses Beispiels die vier Ebenen bzw. Seiten einer Nachricht darstellen.

3.2.1 Sachinhalt

Die im oberen Beispiel angeführte Nachricht enthält zunächst eine Sachinformation (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 26). Wir erfahren etwas über den Zustand der Ampel – sie steht auf grün. Schulz von Thun (1981) beschreibt, dass immer wenn es um „die Sache“ an sich geht, auch der Sachinhalt der Nachricht im Vordergrund steht (vgl. ebd., S. 26). Weiter schreibt er, dass diese Information zu Sache, also der Sachinhalt, lediglich ein Teil der Kommunikation beansprucht, es sich jedoch wesentlich mehr abspielt (vgl. ebd., S. 26).

3.2.2 Selbstoffenbarung

In jeder Nachricht steckten nicht nur Informationen über die mitgeteilten Sachinhalte, sondern auch Informationen über die Person des Senders.“ (zit. n. Schulz von Thun, 1981, S. 26).

Auf das obige Bespiel bezogen, könnte das u.a. bedeuten, dass der Sender deutschsprachig ist, die Verkehrsregeln (zumindest zum Teil) kennt, wach ist sowie am Geschehen aktiv teilnimmt. Es ist also festzustellen, dass in jeder Nachricht auch ein Teil Selbstoffenbarung vonseiten des Senders steckt. Schulz von Thun (1981) wählt bewusst den Begriff Selbstoffenbarung, da dieser sowohl die durchaus gewünschte Selbstdarstellung als auch die unfreiwillige Selbstenthüllung einschließt (vgl. ebd., S. 27). Des Weiteren stellt er fest, dass diese Seite der Nachricht „psychologisch hochbrisant“ ist (vgl. ebd., S. 27). Schulz von Thun (1981) beschreibt diesen Umstand als dramatisch, da der Sender, ob er will oder nicht, ständig Selbstoffenbarungsbotschaften von sich (preis-) gibt (vgl. ebd., S. 27). Dieses kann dem Sender auch durchaus bewusst sein, was ihn zusätzlich unter Druck setzen bzw. eine Unruhe aber auch Bewegung in ihm auslösen kann – „Wie komme ich bei meinem gegenüber wohl an?“ oder „Ich möchte mich im besten Licht präsentieren.“.

Schulz von Thun (1981) verbindet mit dieser Seite einer Nachricht sehr viele Probleme in der zwischenmenschlichen Kommunikation (vgl. ebd., S. 27).

3.2.3 Beziehung

Neben dem Sachinhalt und der Selbstoffenbarung geht nach Friedemann Schulz von Thun ferner ebenfalls hervor, wie der Sender zum Empfänger steht bzw. in welcher Beziehung sich beide miteinander befinden (vgl. ebd., S. 27). Dies zeigt bzw. äußert sich oft z.B. durch (bewusst oder unbewusst) gewählte Formulierungen, im Tonfall oder ebenso durch nonverbale Signale wie z.B. Körperhaltung, etc..

Schulz von Thun (1981) behauptet, dass der Empfänger für diese Seite der Nachricht ein besonders „empfindliches Ohr“ hat, da er sich hier vom Sender auf eine ganz bestimmte Weise behandelt oder misshandelt fühlt (vgl. ebd., S. 27). Auf das Beispiel unter Punkt 3.2 bezogen könnte das bedeuten, dass der Mann seiner Frau nicht recht zutraut das Auto ohne Hilfe sicher zu steuern. Hier könnte sich die Frau bevormundet fühlen und barsch entgegnen: „Fährst du oder fahre ich?“. Wichtig ist es hierbei anzumerken, dass sich ihre Ablehnung nicht gegen den Sachinhalt (die Ampel ist grün) richtet, dem würde sie zustimmen, sondern gegen die empfangene Beziehungsbotschaft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Schnittstellen zwischen Kommunikation und Bewusstsein. Theorienvergleich von Niklas Luhmann und Friedemann Schulz von Thun
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Kommunikation und Bewusstsein in pädagogischen Kontexten
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
28
Katalognummer
V33774
ISBN (eBook)
9783638341707
ISBN (Buch)
9783656826125
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedemann, Schulz, Thun, Kommunikations, Bewusstseinstheorien, Schnittstellen, Kommunikation, Bewusstsein, Theorienvergleich, Niklas, Luhmann, Kontexten
Arbeit zitieren
Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser (Autor), 2004, Schnittstellen zwischen Kommunikation und Bewusstsein. Theorienvergleich von Niklas Luhmann und Friedemann Schulz von Thun, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33774

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