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Die Französische Revolution im deutschen Drama um 1800

Untersuchungen zur Revolutionskritik von Ifflands "Kokarden", Goethes "Groß-Cophta" und Ysenburg von Buris "Ludwig Capet"

Title: Die Französische Revolution im deutschen Drama um 1800

Master's Thesis , 2016 , 52 Pages , Grade: 2,4

Autor:in: Claudine Massard (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Das 18. Jahrhundert ist wohl eines der wichtigsten, was die Entwicklung des deutschen Dramas und der Theaterkultur angeht. Während Schauspieler zu Beginn noch fahrendes Volk und sozial eher niedrig gestellt waren, wurden sie nicht zuletzt etwa durch Gottsched und Lessing zu einer angesehenen Schicht.
Durch Gottscheds Reformen, die ein niveauvolleres Theater zum Ziel hatten, aber auch durch andere Autoren, wie etwa Goethe oder Iffland, welche diese Gattung nachhaltig beeinflusst haben, änderte sich der Status dieser Kunstform langsam aber sicher. Die Literatur erhielt eine didaktische Funktion, welche nach Gili einziges Mittel zum revolutionären Engagement wurde. Genau dasselbe gilt für die antirevolutionär denkenden Autoren. So nutzte etwa Iffland die Bühne als „politisches Podium“, „als man gerade Ludwig XVI. bei seiner Flucht in Varennes verhaftete und er, auf der Bühne stehend, improvisierte: ‚möge der König einen Blondel finden, der sein Leben rettet!’ “ Auch Eke ist sich der „gesellschaftspolitischen Bedeutungsdimension des Theaters“ bewusst, wenn er es als „Multiplikationsmedium von (ideologischen) Geschichtsversionen und Instrument der Meinungsbildung“ beschreibt, das „in der Flut der (vor allem gegenrevolutionären) Dramen“ widergespiegelt wird. Die überwiegende Mehrheit an antirevolutionären Stücken erklärt sich wohl auch durch die Abhängigkeit vieler Autoren von ihren Mäzenen und der Zensur. Ein Beispiel ist das Kölner Dekret von 1791, welches Aufführungen jedes Werkes verbietet, „welches etwas gegen die Religion, die guten Sitten und den Staat enthält.“ Auch Dramen, „wo die Gleichheit der Stände als möglich und ausführbar oder nützlich erhoben werde“ oder solche, in denen „obrigkeitliche Verfügungen verächtlich dargelegt und Ungehorsam gegen dieselben geprediget werden“ waren strengstens untersagt. Aber auch gegenrevolutionäre Stücke fielen oftmals „aus Sorge über eine mögliche Verbreitung revolutionärer Ideen auf indirektem Wege“ der Zensur zum Opfer. Um diese zu umgehen und jede Bildungsschicht zu erreichen, setzten viele Autoren Metaphern und Symbole ein.
Nicht zuletzt auch die zunehmende Bildung und Alphabetisierung des Volkes führte zu einer „relativ hohen Akzeptanz des Revolutionsdramas beim lesenden Publikum“ und verlangte nicht mehr nur nach Laienspielen, was von vielen Autoren in ihren belehrenden und kritischen
Stücken beachtet wurde. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Das Theater als Medium im 18. Jahrhundert

1. Gattungstypologie und Analyse der Hauptcharaktere

1.1 Der Groß‐Cophta als Lustspiel

1.1.1 Figuren

1.1.1.1 Graf Rostro

1.1.1.2 Die Marquise und der Marquis

1.1.1.3 Die Nichte

1.1.1.4 Der Domherr

1.1.1.5 Der Ritter

1.2 Die Kokarden als bürgerliches Trauerspiel

1.2.1 Figuren

1.2.1.1 Geheime Rath Bangenau

1.2.1.2 Magister Hahn und Bierbrauer Freund

1.2.1.3 Jürge als Stellvertreter für den Bauernstand

1.2.1.4 Franz und Albertine

1.3 Ludwig Capet als Trauerspiel

1.3.1 Figuren

1.3.1.1 Ludwig Capet

1.3.1.2 Graf de la Tour

1.3.1.3 Merville

2. Verfremdung und Historizität des Stoffs im Hinblick auf die politische Situation

2.1 Der Groß – Cophta

2.2 Die Kokarden

2.3 Ludwig Capet

3. Rezeption der Werke und Intention ihrer Autoren

3.1 Johann Wolfgang von Goethe

3.2 August Wilhelm Iffland

3.3 Ernst Carl Ludwig Ysenburg von Buri

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Französischen Revolution in drei ausgewählten deutschen Dramen um 1800. Ziel ist es, die spezifische Revolutionskritik der Autoren sowie deren intendierte pädagogische und gesellschaftspolitische Botschaften im Kontext der damaligen Zensur und kulturellen Bedingungen zu analysieren.

  • Analyse der bürgerlichen Dramen als Medium politischer Meinungsbildung
  • Untersuchung der Charakterdarstellungen und ihrer Symbolik im Hinblick auf revolutionäre Ideologien
  • Kontrastierung von realistischen Elementen und Verfremdungseffekten bei Goethe, Iffland und Ysenburg von Buri
  • Evaluation der zeitgenössischen Rezeption und der Intentionen der Autoren zur Bewahrung der gesellschaftlichen Ordnung

Auszug aus dem Buch

1.1.1.1 Graf Rostro

Er ist kein gemeiner Schelm. Er ist so unternehmend und gewaltsam als klug, so unverschämt als vorsichtig; er spricht so vernünftig als unsinnig; die reinste Wahrheit und die größte Lüge gehen schwesterlich aus seinem Munde hervor. Wenn er aufschneidet, ist es unmöglich zu unterscheiden, ob er dich zum Besten hat, oder ob er toll ist. - - Und es braucht weit weniger als das, um die Menschen verwirrt zu machen.“

Der Graf alias Groß-Cophta ist eine sehr gewitzte Figur, welche sich als Führer eines Geheimbundes ausgibt und um keine Lüge verlegen ist, wenn es darum geht, dieses Bild aufrecht zu erhalten und die Leute hinters Licht zu führen. Die Figur wird nur von der Marquise von Anfang an durchschaut. Er entpuppt sich auch dem Zuschauer schon vor seinem ersten Auftritt als „unnachahmlicher Schelm! Der meisterhafteste Betrieger!“ Sein Erscheinen im zweiten Auftritt ist dementsprechend: noch bevor er auftritt, ist seine Beschwörung von Engeln und Geistern zu vernehmen.

Assaraton! Pantassaraton! Dienstbare Geister bleibt an der Thüre, laßt Niemand entwischen! leidet [sic!] nicht, daß Jemand über die Schwelle gehe, der nicht von mir bezeichnet ist. […] Uriel, du zu meiner Rechten, Ithruriel, du zu meiner Linken, tretet herein. Bestrafet die Verbrecher, denen ich dieß Mahl nicht vergeben werde.

Diese Situation ist exemplarisch für alle folgenden: Der Graf schüchtert die Anwesenden mithilfe von grotesken und esoterischen Mittel ein. Besonders die der Situation beiwohnenden Frauen, wohl kaum bürgerlicher Herkunft oder gebildet, zweifeln zu keinem Moment an den Aussagen des Grafs. Im Gegenteil: das überzogene Auftreten des Grafen verleitet ein Mädchen dazu, scheinbar „einen Schatten, ganz dicht an ihm“ wahrzunehmen. Selbst die Marquise muss mit sich ringen: „Er ist ein Phantast, ein Lügner, ein Betrieger; ich weiß es, ich bin’s überzeugt; und doch imponirt er mir!“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gattungstypologie und Analyse der Hauptcharaktere: Dieses Kapitel klassifiziert die untersuchten Dramen gattungsspezifisch und analysiert die zentralen Figuren sowie deren soziale Rollen und moralische Ambivalenzen.

2. Verfremdung und Historizität des Stoffs im Hinblick auf die politische Situation: Das Kapitel beleuchtet, wie die Autoren historische Ereignisse und Personen für ihre Zwecke adaptierten, verfremdeten oder namentlich anpassten, um politische Botschaften zu transportieren.

3. Rezeption der Werke und Intention ihrer Autoren: Hier wird untersucht, wie die Stücke von Zeitgenossen aufgenommen wurden und welche pädagogischen Absichten die Autoren mit ihren Darstellungen der Revolution verfolgten.

Schlüsselwörter

Französische Revolution, deutsches Drama, Revolutionskritik, bürgerliches Trauerspiel, Johann Wolfgang von Goethe, August Wilhelm Iffland, Ernst Carl Ludwig Ysenburg von Buri, Aufklärung, Zensur, Monarchie, politische Bildung, Märtyrerdrama, gesellschaftliche Ordnung, Symbolik, Literaturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kritische Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution in drei ausgewählten deutschen Dramen um 1800.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die Rolle des Theaters als Medium der Meinungsbildung, das Verhältnis zwischen Adel und Bürgertum sowie die Instrumentalisierung von Geschichte für politische Zwecke.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll aufgezeigt werden, mit welchen Mitteln und Intentionen Autoren wie Goethe, Iffland und Ysenburg von Buri antirevolutionäre Botschaften in ihren Stücken verankerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten im Vergleich mit zeitgenössischen Rezeptionsdokumenten und historischem Kontextwissen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gattungsanalyse, eine Untersuchung zur Verfremdung des Stoffs und eine kritische Auseinandersetzung mit der Intention der Autoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen gehören Revolutionskritik, bürgerliches Trauerspiel, politische Didaktik und die literarische Auseinandersetzung mit dem Umbruch um 1800.

Wie werden die Frauenfiguren im "Groß-Cophta" im Vergleich zu den anderen Stücken bewertet?

Während weibliche Figuren in den anderen Werken oft auf eine untergeordnete Rolle begrenzt sind, durchschaut die Marquise im "Groß-Cophta" das Spiel des Grafen sofort und agiert als raffinierte Mitwisserin.

Welche Rolle spielt die Symbolik des Feuers in Ifflands "Die Kokarden"?

Das Feuer fungiert als Metapher für die Revolution, die das Ancien Régime stürzt, wobei das Niederbrennen des Hauses Bangenau die zerstörerischen Konsequenzen dieses Umbruchs verdeutlicht.

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Details

Title
Die Französische Revolution im deutschen Drama um 1800
Subtitle
Untersuchungen zur Revolutionskritik von Ifflands "Kokarden", Goethes "Groß-Cophta" und Ysenburg von Buris "Ludwig Capet"
College
University of Trier
Grade
2,4
Author
Claudine Massard (Author)
Publication Year
2016
Pages
52
Catalog Number
V337761
ISBN (eBook)
9783668285392
ISBN (Book)
9783668285408
Language
German
Tags
Französische Revolution Goethe Iffland Ysenburg Buri Kokarden Gross-Cophta Ludwig Capet Louis XVI Drama Literatur 1800 1700 Aufklärung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudine Massard (Author), 2016, Die Französische Revolution im deutschen Drama um 1800, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337761
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