Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik im moralischen Diskurs (Ethik, Jgst. 11/2)


Unterrichtsentwurf, 2014

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thematik
2.1 Gegenstand
2.2 Ziele der Stunde
2.2.1 Hauptintention
2.2.2 Teilintentionen

3. Didaktische Analyse
3.1 Bedingungsanalyse
3.2 Sachanalyse
3.3 Begründungszusammenhang
3.3.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
3.3.2 Exemplarizität
3.3.3 Struktur
3.3.4 Zugänglichkeit
3.4 Einordnung in den Lehrplan
3.5 Didaktische Reduktion
3.6 Kurzentwurf

4. Materialien

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese fachwissenschaftliche Arbeit zeigt einen Unterrichtsentwurf für eine Doppelstunde im Fach Ethik für die Jahrgangsstufe 11/2 zum Thema Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik im moralischen Diskurs. Diese kann in die Unterrichtsreihe Bioethik und genetische Verbesserung des Menschen eingegliedert werden. Die geplante Unterrichtsstunde und die Schüler sind fiktiv und stützen sich nur auf gesammelte Erfahrungen in Praktika. Der Aufbau des Unterrichtsentwurfs richtet sich nach der Vorgabe der Dozentin Frau Dr.Xxxxx, sowie nach der in Praktika gelernten Art und Weise einen Unterrichtsentwurf aufzubauen.

Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der geplanten Doppelstunde und mit dessen Lehr- und Lernzielen. Danach folgt die didaktische Analyse. In dieser wird die aktuelle Situation im Kurs beschrieben, das Thema analysiert und der Begründungszusammenhang geklärt. Danach folgt die Einordnung des Themas in den aktuellen Lehrplan. Schließlich wird die Unterrichtsstunde anhand eines Verlaufsplans skizziert.

Das Thema des Schwangerschaftsabbruchs oder des Austragens eines behinderten Kindes ist von Bedeutung für die SchülerInnen, da einige später eine Familie gründen möchten. Die Unterrichtsstunde soll den SchülerInnen die Möglichkeit bieten, das Thema von verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und dahingehend die Entscheidung, ein behindertes Kind abzutreiben oder es auszutragen, zu tolerieren. Des Weiteren sollen die SchülerInnen für moralisch kritische Themen sensibilisiert werden und lernen, Gegebenheiten zu hinterfragen und diese in Bezug auf die Zukunft, weiterzudenken.

2. Thematik

Unterrichtsreihe:

- genetische Verbesserungen durch Eingriff indie Natur des Menschen/ alte und neue Eugenik

Thema der vorangegangenen Stunde:

- Thema Schwangerschaftsabbruch aufgrund vonpränataler Diagnostik
- Besprechung der verschiedenen pränatalenVerfahren und deren Folgen: Nicht-invasive Untersuchungen und invasive Untersuchungen (Fruchtwasser- und Nabelschnurpunktion)
- Hausaufgabe: Lesen des erhaltenen Pro- oderKontra Textes zur pränatalen Diagnostik

Stundenthema:

- Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik im moralischen Diskurs

Thema der nachfolgenden Stunde:

- Folgen genetischer Verbesserung und Eugenik

2.1 Gegenstand

Aktuelle Unterrichtsstunde:

- Eintauchen in die Thematik der Bioethik in Bezug auf die Pränatal- und die Präimplatationsdiagnostik

Texte:

- Stockrahm, Sven: Wer die PID verbietet, sagt Nein zum Leben, Zeit Online
- Bahnsen, Ulrich: Früher erkennen, Die Zeit
- Deutsche Presse Agentur: Kirchen verurteilenEntscheidung des Bundestages, Zeit Online
- Spiewack, Martin: Mit Gewissen und Verstand,Die Zeit

2.2 Ziele der Stunde

2.2.1 Hauptintention

Anhand der Zeitungsartikel sollen die SchülerInnen die Vor- und Nachteile der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik diskutieren um eine Grundlage für die anschließenden Stunden zu schaffen, in denen auf die wissenschaftliche Entwicklung der Genetik und deren Folgen eingegangen werden soll.

2.2.2 Teilintentionen

Ich möchte erreichen, dass die SchülerInnen

im Lernbereich „Sachkompetenz“ …

- den Text inhaltlich erfassen können
- die Begriffe Pränatale- Präimplantationsdiagnostik erklären und verstehen können
- sich in die Lage einer schwangeren Frau versetzen die abtreibt oder trotz bekannter Behinderung das Kind gebären möchte
- sich über die gesellschaftlichen und moralischen Folgen der Häufung von Abtreibung klar werden

im Lernbereich „Methodenkompetenz“…

- mit einem Partner und in einer Gruppe zusammenarbeiten können
- einen Perspektivenwechsel durchführen können
- das präsentieren vor einer Gruppe üben
- sicherer im Umgang mit der Methode der strukturierten Kontroverse werden

im Lernbereich „persönlichkeitsbezogene- und soziale Kompetenz“…

- Verständnis für die Menschen entwickeln, die ein Kind trotz bekannter Behinderung nicht abtreiben, aber auch für solche die aufgrund einer bekannten Krankheit des zukünftigen Kindes abtreiben

3. Didaktische Analyse

3.1 Bedingungsanalyse

Der Philosophiekurs der Jahrgangsstufe 11/2 am Gymnasium inXxxxx, setzt sich zusammen aus sieben Jungen und neun Mädchen. Es ist ein zweistündiger Kurs, den ich bisher sieben Stunden seit dem Beginn des neuen Halbjahres unterrichtet habe. Obwohl die zeitlichen Umstände problematisch sind, da der Philosophiekurs nur einmal pro Woche (zweistündig) stattfindet und dadurch ein schnelles Anknüpfen an Gedanken der vorangegangenen Stunden erschwert ist, arbeiten die Schüler diszipliniert mit großem Interesse an den Themen.

Für die aktuell geplante Doppelstunde ist es notwendig die Tische zu Gruppentischen umzustellen, um die Methode der strukturierten Kontroverse durchführen zu können. Diese Lernmethode fördert nicht nur das Zusammenarbeiten der SchülerInnen untereinander und das selbstständige Erarbeiten von Informationen, sondern übt gleichzeitig die Präsentation vor einer Gruppe. Des Weiteren ist diese Lernmethode von Vorteil, da die SchülerInnen voneinander lernen können.

Die SchülerInnen sollten durch die vorangegangenen Stunden bereits mit den Begriffen Pränatale- und Präimplantationsdiagnostik und Bioethik vertraut sein.

3.2 Sachanalyse

Die Pränataldiagnostik lässt sich in die nicht-invasive und in die invasive Untersuchung untergliedern. Zu der nicht-invasiven Untersuchung zählt der Ultraschall. Bei einer invasiven Untersuchung z.B. bei derAmniozentese(Fruchtwasseruntersuchung), ist es nötig von außen in den Mutterleib einzudringen. Mit einer Nadel wird durch die Bauchdecke in die Fruchtblase eingestochen um Fruchtwasser zu entnehmen. Dabei wird vorher und währenddessen die Lage des Embryos kontrolliert. Nichtsdestotrotz ist es möglich, dass der Embryo verletzt und damit eine Behinderung hervorgerufen wird.

Die Präimplantationsdiagnostik kann nur bei einer künstlichen Befruchtung angewendet werden. Bei diesem Verfahren werden dem Embyo in einem sehr frühen Stadium Zellen entnommen, um diese auf verschiedene Krankheiten zu testen (z.B. Chromosomenstörungen oder Genveränderungen). Allerdings dürfen dazu nach dem Embryonenschutzgesetz (EschG) nur pluripotente Zellen genommen werden, denen die Voraussetzung fehlt sich zu einem Individuum entwickeln zu können.[1] An dieser Stelle gerät das Embryonenschutzgesetz von 1990, das den Schutz des Embryos bis zu einem Entwicklungsstadium von 14 Tagen gewährleisten soll mit der Präimplantationsdiagnostik und der Abtreibung, die in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft durchgeführt werden kann, in Konflikt.[2]

Die Pränatale- und Präimplantationsdiagnostik ist in die Thematik der Bioethik einzuordnen. Die Entwicklung der Genforschung ist unserem moralischen Verständnis und den moralischen Entscheidungen, die dahingehend getroffen werden müssen, voraus.[3] Der Philosoph Michael Sandel ist der Meinung, dass wir uns Fragen stellen müssen, die wir aus den Augen verloren haben „questionsaboutthemoralstatusofnature, andaboutthe proper stanceof human beingstowardthegivenworld“[4]

Die Pränatale- und Präimplantationsdiagnostik wirft viele Fragen und Probleme auf, birgt jedoch auch Vorteile für die Betroffenen. Mit diesem Verfahren ist es möglich, dass die Betroffenen sich für einen frühzeitigen Schwangerschaftsabbruch, eine Behandlung des Fötus im Mutterleib oder für ein Kind mit Behinderung entscheiden. Das gibt den Betroffenen die Möglichkeit der Wahl. Für den Fall dass die Eltern sich für das Kind entscheiden, kann der Schockmoment nach einer Geburt, zu erfahren dass das eigene Kind behindert ist, vermieden werden.

Die Pränataldiagnostik sowie die Präimplantationsdiagnostik sind nur die ersten Entwicklungen eine Wahl über das Leben oder den Tod eines womöglich kranken Menschen zu treffen, bevor dieser geboren ist. Der angestrebte Perfektionismus lässt die Menschheit vergessen, wann wir Grenzen überschreiten. Die Menschen geben ihrem Verlangen immer besser zu sein zusehends nach und manipulieren dafür sogar die eigene Natur.[5]

Des Weiteren erinnert die zunehmende Selektion von Behinderten an die alte Eugenik[6], die ihren Höhepunkt im zweiten Weltkrieg unter Adolf Hitler fand.Wenn alle nach einer Verbesserung ihrer Selbst anstreben würden und somit die Anzahl der Menschen mit Behinderung auf eine winzige Minderheit schrumpfen würde, dann ginge nach Sandeldamit eine Veränderung im Denken der Menschen und auch in der Gesellschaft einher.[7] Die Rücksichtnahme auf sozial schwächer gestellte Personen würde schwinden und die Menschen mit Behinderung würden gezwungen eine Außenseiterposition einzunehmen.

3.3 Begründungszusammenhang

3.3.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung

Die Entwicklung der Genforschung betrifft alle Menschen und es ist wichtig diese moralisch zu hinterfragen. Die SchülerInnen sind dazu angehalten sich mit dem Gedanken der Genmanipulation, deren Folgen und der damit einhergehende Perfektionierung der Menschheit auseinanderzusetzen, denn unsere Generation wird den Fragen nicht ausweichen können, „die sich aus dem Zusammenprall von biotechnischen Möglichkeiten und ethischen Fragen und Bedenken ergeben“[8]. Die SchülerInnen sollen lernen sich eine eigene Meinung in Bezug auf gesellschaftskritische Themen zu verschaffen. Es ist wichtig, dass die SchülerInnen, wie in dieser Doppelstunde gezeigt wird, einen Perspektivenwechsel vornehmen, um beide Seiten zu kennen, damit eine ordentliche Reflexion über das Thema stattfinden kann. Der Perspektivenwechsel ermöglicht den SchülerInnen das Ausprägen von Toleranz gegenüber beiden Entscheidungen.

Für die Zukunft der SchülerInnen nimmt das Thema Schwangerschaftsabbruch und das Austragen eines behinderten Kindes eine entscheidende Rolle ein, denn jeder könnte in die Situation gelangen, in der sich die Frage über das Austragen eines behinderten Kindes oder den Schwangerschaftsabbruch stellt. Deshalb ist es von Bedeutung, dass die SchülerInnen die Pro- und Kontraargumente kennen.

3.3.2 Exemplarizität

Das Thema des Schwangerschaftsabbruchs bzw. das Austragen eines behinderten Kindes soll den SchülerInnen den moralischen Konflikt aufzeigen, in der der Mensch darüber nachdenken muss, ob er über Leben oder Tod entscheiden darf.

[...]


[1] Vgl. Bundesministerium für Gesundheit, Präimplantationsdiagnostik.

[2] Vgl. Bechthold-Hengelhaupt, Tilman, S. 14.

[3] Vgl. Sandel, Michael, S. 9.

[4] Sandel, Michael, S. 9.

[5] Vgl. Sandel, Michael, S. 26f.

[6] Eugenik ist die Wissenschaft von der Verbesserung der Erbanlagen in der menschlichen Bevölkerung (z. B. durch die Zurückdrängung von Erbkrankheiten). Vgl. Duden Suche Online: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/eugenik, 02.10.2014.

[7] Vgl. Sandel, Michael, S. 89.

[8] Bechthold-Hengelhaupt, Tilman, S. 4.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik im moralischen Diskurs (Ethik, Jgst. 11/2)
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die Didaktik der Ethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V337807
ISBN (eBook)
9783668271678
ISBN (Buch)
9783668271685
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pränatal-, präimplantationsdiagnostik, diskurs, ethik, jgst
Arbeit zitieren
Michelle Klein (Autor), 2014, Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik im moralischen Diskurs (Ethik, Jgst. 11/2), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337807

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