Diese fachwissenschaftliche Arbeit zeigt einen Unterrichtsentwurf für eine Doppelstunde im Fach Ethik für die Jahrgangsstufe 11/2 zum Thema Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik im moralischen Diskurs. Diese kann in die Unterrichtsreihe Bioethik und genetische Verbesserung des Menschen eingegliedert werden. Die geplante Unterrichtsstunde und die Schüler sind fiktiv und stützen sich nur auf gesammelte Erfahrungen in Praktika. Der Aufbau des Unterrichtsentwurfs richtet sich nach der Vorgabe der Dozentin, sowie nach der in Praktika gelernten Art und Weise einen Unterrichtsentwurf aufzubauen.
Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der geplanten Doppelstunde und mit dessen Lehr- und Lernzielen. Danach folgt die didaktische Analyse. In dieser wird die aktuelle Situation im Kurs beschrieben, das Thema analysiert und der Begründungszusammenhang geklärt. Danach folgt die Einordnung des Themas in den aktuellen Lehrplan. Schließlich wird die Unterrichtsstunde anhand eines Verlaufsplans skizziert.
Das Thema des Schwangerschaftsabbruchs oder des Austragens eines behinderten Kindes ist von Bedeutung für die SchülerInnen, da einige später eine Familie gründen möchten. Die Unterrichtsstunde soll den SchülerInnen die Möglichkeit bieten, das Thema von verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und dahingehend die Entscheidung, ein behindertes Kind abzu-treiben oder es auszutragen, zu tolerieren. Des Weiteren sollen die SchülerInnen für moralisch kritische Themen sensibilisiert werden und lernen, Gegebenheiten zu hinterfragen und diese in Bezug auf die Zukunft, weiterzudenken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thematik
2.1 Gegenstand
2.2 Ziele der Stunde
2.2.1 Hauptintention
2.2.2 Teilintentionen
3. Didaktische Analyse
3.1 Bedingungsanalyse
3.2 Sachanalyse
3.3 Begründungszusammenhang
3.3.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
3.3.2 Exemplarizität
3.3.3 Struktur
3.3.4 Zugänglichkeit
3.4 Einordnung in den Lehrplan
3.5 Didaktische Reduktion
3.6 Kurzentwurf
4. Materialien
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erstellung eines fundierten Unterrichtsentwurfs für das Fach Ethik zum Thema Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik. Dabei steht die Förderung der ethischen Urteilskompetenz der SchülerInnen im Zentrum, um sie zur kritischen Auseinandersetzung mit den moralischen Implikationen moderner Fortpflanzungsmedizin zu befähigen.
- Grundlagen der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik
- Ethische Kontroversen und gesellschaftliche Folgen
- Einsatz der Methode der strukturierten Kontroverse im Unterricht
- Perspektivenwechsel als Werkzeug zur moralischen Reflexion
- Verhältnis von menschlicher Natur, Selbstbestimmung und Behinderung
Auszug aus dem Buch
3.2 Sachanalyse
Die Pränataldiagnostik lässt sich in die nicht-invasive und in die invasive Untersuchung untergliedern. Zu der nicht-invasiven Untersuchung zählt der Ultraschall. Bei einer invasiven Untersuchung z.B. bei der Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung), ist es nötig von außen in den Mutterleib einzudringen. Mit einer Nadel wird durch die Bauchdecke in die Fruchtblase eingestochen um Fruchtwasser zu entnehmen. Dabei wird vorher und währenddessen die Lage des Embryos kontrolliert. Nichtsdestotrotz ist es möglich, dass der Embryo verletzt und damit eine Behinderung hervorgerufen wird.
Die Präimplantationsdiagnostik kann nur bei einer künstlichen Befruchtung angewendet werden. Bei diesem Verfahren werden dem Embyo in einem sehr frühen Stadium Zellen entnommen, um diese auf verschiedene Krankheiten zu testen (z.B. Chromosomenstörungen oder Genveränderungen). Allerdings dürfen dazu nach dem Embryonenschutzgesetz (EschG) nur pluripotente Zellen genommen werden, denen die Voraussetzung fehlt sich zu einem Individuum entwickeln zu können. An dieser Stelle gerät das Embryonenschutzgesetz von 1990, das den Schutz des Embryos bis zu einem Entwicklungsstadium von 14 Tagen gewährleisten soll mit der Präimplantationsdiagnostik und der Abtreibung, die in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft durchgeführt werden kann, in Konflikt.
Die Pränatale- und Präimplantationsdiagnostik ist in die Thematik der Bioethik einzuordnen. Die Entwicklung der Genforschung ist unserem moralischen Verständnis und den moralischen Entscheidungen, die dahingehend getroffen werden müssen, voraus. Der Philosoph Michael Sandel ist der Meinung, dass wir uns Fragen stellen müssen, die wir aus den Augen verloren haben „questions about the moral status of nature, and about the proper stance of human beings toward the given world“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Unterrichtsentwurf zum Thema Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik ein und erläutert die Zielsetzung der didaktischen Arbeit.
2. Thematik: Dieses Kapitel definiert den Gegenstand der Stunde sowie die angestrebten Lernziele in den Bereichen Sach-, Methoden- und Sozialkompetenz.
3. Didaktische Analyse: Dieser zentrale Teil umfasst die Bedingungen des Kurses, die inhaltliche Sachanalyse sowie die didaktische Begründung und methodische Planung der Unterrichtsstunde.
4. Materialien: Dieses Kapitel stellt die für den Unterricht ausgewählten Zeitungsartikel und Pro-Kontra-Argumentationshilfen zur Verfügung.
Schlüsselwörter
Bioethik, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, PID, Schwangerschaftsabbruch, Embryonenschutzgesetz, moralische Urteilsbildung, strukturierte Kontroverse, genetische Verbesserung, Eugenik, Behindertenverbände, Menschenwürde, Perspektivenwechsel, Ethikunterricht, Gendiagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit liefert einen detaillierten Unterrichtsentwurf für eine Ethik-Doppelstunde in der gymnasialen Oberstufe zum Thema moderne pränatale und genetische Diagnostik.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die ethischen Spannungsfelder der Bioethik, insbesondere das Abwägen von technologischen Möglichkeiten der Früherkennung gegenüber dem Lebensrecht und der gesellschaftlichen Diskriminierung von behinderten Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist, dass die SchülerInnen Vor- und Nachteile der Diagnostik durch einen Perspektivenwechsel reflektieren und eine fundierte eigene Position beziehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die geplante Methode ist die „strukturierte Kontroverse“, welche die SchülerInnen dazu zwingt, sich intensiv mit konträren Argumentationslinien auseinanderzusetzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bedingungs- und Sachanalyse, die didaktische Begründung, die Einordnung in den Lehrplan sowie einen detaillierten Verlaufsplan für die Unterrichtsstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind PID, Bioethik, Selektion, Menschenwürde, Eugenik und die moralische Reflexion über technologischen Fortschritt.
Welchen Stellenwert nimmt das Embryonenschutzgesetz ein?
Das Gesetz wird als rechtlicher und ethischer Bezugspunkt herangezogen, um den Konflikt zwischen dem Schutzstatus des Embryos und den medizinischen Möglichkeiten der Diagnostik aufzuzeigen.
Wie reagieren die SchülerInnen laut Entwurf auf die kontroverse Thematik?
Die SchülerInnen sollen durch die strukturierte Kontroverse befähigt werden, auch Positionen zu verstehen, die ihnen persönlich zunächst fernliegen, um so Toleranz und eine differenzierte Urteilskraft zu entwickeln.
- Quote paper
- Michelle Klein (Author), 2014, Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik im moralischen Diskurs (Ethik, Jgst. 11/2), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337807