Die rot-grüne Bundesregierung vereinbarte zusammen mit vier Energiekonzernen einen langfristigen Ausstieg aus der atomaren Energieerzeugung in Deutschland. Dieser wurde in der sogenannten „Konsensvereinbarung“ festgehalten und am 10. Juni 2001 unterzeichnet. Ergebnis ist, die Energieerzeugung in Atomkraftwerken wird noch bis mindestens 2021 fortgeführt. Zu rechnen ist damit, der endgültige Ausstieg verzögert sich um weitere Jahre. Auch kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, daß es in ein, zwei Jahrzehnten zum Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland kommt. Stellt eine CDU/CSU-geführte Regierung die entsprechenden Milliardensubventionen zur Verfügung, kann es durchaus zum Bau neuer Anlagen kommen, wie sie in Finnland oder den USA etc. derzeit geplant werden.
Frameatome ANP bekundete, wie gerne sie auch in Deutschland 5-6 neue Atomanlagen bis 2020 bauen würden. Vermutlich scheitert dies in Deutschland an massiven Protesten von Bürgern und Bürgerinnen, der Antiatom- und weiteren Umweltbewegung. Doch auch darin sei man sich nicht zu sicher. Der Atomreaktor FRM2 in Garching konnte am 9. Juni 2004, zwar unter Protest von Umweltaktiven, jedoch ohne große Probleme in Betrieb gehen. Er wurde zu Forschungszwecken errichtet, nicht zur Stromproduktion.
Die zentrale Fragestellung der Arbeit ist, welche Probleme bleiben durch die weitere Nutzung von Atomkraftwerken und die dabei anfallenden hochradioaktiven Abfällen ungelöst. Auswahlkriterium und Klammer für die in der Arbeit behandelten Probleme bei der Nutzung der Atomenergie sind die hohen Gefährdungspotentiale für die Gesellschaft bzw. die zukünftigen Generationen, die davon ausgehen. Für die Arbeit ist leitend, daß ökologische Zukunftsvorsorge, bezogen auch auf alle kommenden Generationen, Vorrang haben muß, vor kurzfristigen, von Politik und gesellschaftlichen Minderheiten eingeforderten Nutzenserwägungen bei der atomaren Energieerzeugung.
Einzuschätzen wird sein, ob der vereinbarte Atomkonsens, unter Einbezug aktueller politischer Entwicklungen, wirklich als ein Ausstieg aus der Atomtechnologie in Deutschland gesehen werden kann, oder welche Einschränkungen diesbezüglich erkennbar sind. Eine abschließende solide Bewertung dürfte insofern schwierig bleiben, als sich erst im nächsten Jahrzehnt zeigen wird, ob die Vereinbarung zum längerfristigen Atomausstieg in den wesentlichen Punkten eingehalten oder wieder aufgehoben wird.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Einleitung und Grundeinstellungen
2. Atomkraft in Deutschland: Ein kurzer Abriß
3. Situation der weltweiten AKW-Entwicklung
II. Eckpunkte beim „Atomkonsens“
III. Über die mangelnde Konsistenz rot-grüner Atompolitik
IV. Protestkultur, Gesellschaft und Politik beim atomaren Ausstiegspoker
V. Die Zukunft der Atomkraft: Die Einschätzung der Parteien und Verbände
1. Die Akteure und ihre Orientierung
2. SPD
3. CDU/CSU
4. Bündnis 90/ Die Grünen
5. FDP
6. PDS
7. Anti-Atom-Bewegung
8. BUND und Greenpeace
9. Atomenergiewirtschaft
10. Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie und die Gewerkschaft ver.di
VI. Atomkatastrophe in einem AKW jederzeit möglich
1. Reaktoren in Deutschland sind nicht frei von Störfällen
2. Was können wir aus der Atomkatastrophe in Tschernobyl lernen?
3. Rechtliche Konsequenzen
VII. Die Gefahr von Terroranschlägen auf Atomkraftwerke
1. Rückblick im Kontext der Anschläge vom 11. September 2001
2. Die GRS-Studie zu AKW-Flugzeuganschlägen und die Konsequenzen
3. Weitere Sicherheitsaspekte und -risiken
4. AKW-Betrieb ist Staatsversagen
VIII. Die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll
1. Grundfragen für die Lagerung
2. Warum ist Gorleben als Endlager untauglich?
3. Neue Konzepte der rot-grünen Regierung für die Endlagerung
4. Suchwege für eine bestmögliche Endlagerung
IX. Resümee: Wie kann Deutschland schneller aus der Atomkraft aussteigen?
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht die offene Problematik des Atomausstiegs in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der ungelösten Risiken bei der Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen sowie der bestehenden Sicherheitsdefizite und Terrorgefahren für Atomkraftwerke. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Probleme durch die weitere Nutzung von Atomkraftwerken ungelöst bleiben und ob der vereinbarte "Atomkonsens" tatsächlich einen echten Ausstieg aus der Atomtechnologie darstellt.
- Politische Bewertung des rot-grünen "Atomkonsenses" und dessen Konsistenz.
- Analyse der Risiken eines GAU (Größter anzunehmender Unfall) und der Terrorgefahr für Atomkraftwerke.
- Untersuchung der Problematik der langfristigen Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll.
- Gegenüberstellung der Positionen von politischen Parteien, Verbänden und der Anti-Atom-Bewegung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung und Grundeinstellungen
Die rot-grüne Bundesregierung vereinbarte zusammen mit vier Energiekonzernen einen langfristigen Ausstieg aus der atomaren Energieerzeugung in Deutschland. Dieser wurde in der sogenannten „Konsensvereinbarung“ festgehalten und am 10. Juni 2001 unterzeichnet. Ergebnis ist, die Energieerzeugung in Atomkraftwerken wird noch bis mindestens 2021 fortgeführt. Zu rechnen ist damit, der endgültige Ausstieg verzögert sich um weitere Jahre. Auch kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, daß es in ein, zwei Jahrzehnten zum Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland kommt. Stellt eine CDU/CSU-geführte Regierung die entsprechenden Milliardensubventionen zur Verfügung, kann es durchaus zum Bau neuer Anlagen kommen, wie sie in Finnland oder den USA etc. derzeit geplant werden.
Frameatome ANP bekundete, wie gerne sie auch in Deutschland 5-6 neue Atomanlagen bis 2020 bauen würden. Vermutlich scheitert dies in Deutschland an massiven Protesten von Bürgern und Bürgerinnen, der Antiatom- und weiteren Umweltbewegung. Doch auch darin sei man sich nicht zu sicher. Der Atomreaktor FRM2 in Garching konnte am 9. Juni 2004, zwar unter Protest von Umweltaktiven, jedoch ohne große Probleme in Betrieb gehen. Er wurde zu Forschungszwecken errichtet, nicht zur Stromproduktion.
Die zentrale Fragestellung der Arbeit ist, welche Probleme bleiben durch die weitere Nutzung von Atomkraftwerken und die dabei anfallenden hochradioaktiven Abfällen ungelöst. Auswahlkriterium und Klammer für die in der Arbeit behandelten Probleme bei der Nutzung der Atomenergie sind die hohen Gefährdungspotentiale für die Gesellschaft bzw. die zukünftigen Generationen, die davon ausgehen. Für die Arbeit ist leitend, daß ökologische Zukunftsvorsorge, bezogen auch auf alle kommenden Generationen, Vorrang haben muß, vor kurzfristigen, von Politik und gesellschaftlichen Minderheiten eingeforderten Nutzenserwägungen bei der atomaren Energieerzeugung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den rot-grünen Atomausstieg, stellt die Forschungsfrage nach den ungelösten Risiken und beschreibt den interdisziplinären Ansatz der Arbeit.
II. Eckpunkte beim „Atomkonsens“: Dieses Kapitel erläutert die Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Energiekonzernen zur Beendigung der Kernenergienutzung und kritisiert das Fehlen eines breiten gesellschaftlichen Konsenses.
III. Über die mangelnde Konsistenz rot-grüner Atompolitik: Der Autor zeigt auf, wie durch die Förderung der Urananreicherung und den Export von Atomtechnologie die rot-grüne Atompolitik inkonsequent erscheint.
IV. Protestkultur, Gesellschaft und Politik beim atomaren Ausstiegspoker: Hier wird der historische Widerstand der Anti-Atom-Bewegung gegen Castortransporte und die Endlagerpolitik analysiert.
V. Die Zukunft der Atomkraft: Die Einschätzung der Parteien und Verbände: Das Kapitel stellt detailliert die heterogenen Positionen der im Bundestag vertretenen Parteien sowie gesellschaftlicher Akteure zur Atomfrage dar.
VI. Atomkatastrophe in einem AKW jederzeit möglich: Es werden technische Störfälle analysiert, die Gefahr eines GAU diskutiert und Lektionen aus der Katastrophe von Tschernobyl abgeleitet.
VII. Die Gefahr von Terroranschlägen auf Atomkraftwerke: Das Kapitel widmet sich der erhöhten Bedrohungslage durch Flugzeuganschläge und kritisiert die Geheimhaltung sicherheitsrelevanter Gutachten.
VIII. Die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll: Diese Sektion behandelt die massiven wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Hürden bei der Suche nach einem sicheren Endlager.
IX. Resümee: Wie kann Deutschland schneller aus der Atomkraft aussteigen?: Abschließend werden politische Möglichkeiten und Strategien zur Beschleunigung des Atomausstiegs diskutiert.
Schlüsselwörter
Atomausstieg, Atomkonsens, Kernkraft, Tschernobyl, Endlagerung, Gorleben, Anti-Atom-Bewegung, Terrorgefahr, GAU, Reaktorsicherheit, rot-grüne Regierung, Stromerzeugung, Umweltschutz, hochradioaktive Abfälle, Energiepolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den rot-grünen "Atomkonsens" und untersucht, warum der Atomausstieg in Deutschland trotz staatlicher Vereinbarungen weiterhin ein ungelöstes Problem darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Untersuchung umfasst die politische Umsetzung des Atomausstiegs, die Risiken von Störfällen und Terroranschlägen sowie die komplexen Herausforderungen bei der Endlagerung von radioaktivem Abfall.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welche Gefahren und Probleme durch die weitere Nutzung von Atomkraftwerken bestehen bleiben und ob die aktuelle politische Regelung tatsächlich als Ausstieg aus der Atomtechnologie gewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor verzahnt wissenschaftsjournalistische Ansätze mit politikwissenschaftlichen Methoden, um Akteurskonstellationen und politische Prozesse kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse politischer Parteipositionen, Sicherheitsstudien zu Flugzeugabstürzen, Berichte über Störfälle in AKW sowie eine tiefgehende Untersuchung zur geologischen Endlagerproblematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Atomausstieg, Atomkonsens, Reaktorsicherheit, Endlagerung, Terrorgefahr und der gesellschaftliche Konflikt um die Atomkraft.
Wie bewertet der Autor die Sicherheitslage bei Flugzeuganschlägen?
Der Autor verdeutlicht, dass die existierenden Sicherheitsvorkehrungen in deutschen Atomkraftwerken keineswegs für großräumige terroristische Angriffe mit Verkehrsflugzeugen ausgelegt sind und die aktuelle Geheimhaltung der Risikostudien den gesellschaftlichen Diskurs behindert.
Warum betrachtet der Autor Gorleben als ungeeigneten Standort?
Der Autor führt geologische Bedenken, wie die Durchlässigkeit des Deckgebirges und die Gefahr von Wassereinbrüchen, sowie die politische Vorbelastung des Standorts an, um die Eignung Gorlebens als Endlager in Zweifel zu ziehen.
- Quote paper
- Marko Ferst (Author), 2004, Atomausstieg in Deutschland - ein nach wie vor ungelöstes Problem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33780