Die Weltwirtschaftskrise 1929. Hauptursache für die Machtergreifung Hitlers?


Facharbeit (Schule), 2016
15 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Weltwirtschaftskrise 1929

3. Die Folgen des Börsenkrachs für Deutschland
3.1 Politisch-wirtschaftliche Folgen
3.2 Soziale Folgen

4. Hitlers Machtergreifung im Bezug auf die Wirtschaftskrise

5. Auswertung und Fazit

6. Glossar

7. Literaturvereichnis

1. Einleitung

Schon immer hat mich der Themenbereich rund um Adolf Hitler und seiner, mir komplett suspekten, Ideologie gefesselt. Bei den Erzählungen meiner Oma über ihre Erlebnisse im nationalsozialistischen Deutschland hat es angefangen und hat mich bis heute nicht wieder losgelassen. Dieser Mann, der seine ausgeklügelten Pläne so geschickt in die Tat umsetzen konnte und dabei Millionen von Menschen in den Tod stürzte, war mir schon immer ein gewaltiges Mysterium und immer wieder frage ich mich, wie es zu all diesen schrecklichen Ereignissen kommen konnte. Wie gelang es einem dermaßen „kranken“ Menschen, ein komplettes Land unter sein Kommando zu bringen und welche Gegebenheiten begünstigten seinen plötzlichen Aufstieg? In dieser Facharbeit gehe ich speziell auf die Weltwirtschaftskrise 1929 ein und beschäftige mich mit der Frage, ob sie der Hauptfaktor für die Machtergreifung Hitlers war.

2. Die Weltwirtschaftskrise 1929

Die Wirtschaftskrise hatte ihren Ursprung im New Yorker Börsenkrach vom Oktober 1929 und hatte in der ganzen Welt negative Auswirkungen.[1] Nachdem die USA als Sieger aus dem ersten Weltkrieg (1914-1918) hervortrat, bahnte sich in den Staaten eine Periode des wirtschaftlichen Aufschwungs und gesellschaftlichen Wohlstands an, die „RoaringTwenties“[2]. Die Bürger statteten sich besonders mit Autos, sowie Elektroartikeln wie Kühlschränken, Staubsaugern und Waschmaschinen aus, was die Konsumgüterindustrie deutlich ankurbelte.[3] Folge dessen war die Beschäftigung und Produktion in Amerika hoch und stieg stetig, was dazu führte, dass auch die Umsätze stiegen und die Geschäfte sehr gut liefen[4]. Dieser wirtschaftliche Aufstieg spiegelte sich dementsprechend auch an der Börse wieder, indem sich der Dow-Jones-Index innerhalb von knapp zwei Jahren von 191 (Anfang 1928) auf den Rekordstand von 381 Zählern (September 1929) verdoppelte.[5] Ein regelrechtes „Speku-lationsfieber“ brach aus, was dazu führte, dass „...schätzungsweise jeder vierte US-Haushalt...“[6] am Aktienmarkt handelte, was meist durch Kredite finanziert wurde. Folgedessen stiegen die täglichen Umsätze an der Börse rapide von 4 Millionen (März 1928) auf insgesamt 8,2 Millionen Aktien (1929) am Tag.[7] „Der Markt wurde als eine Orgie der Spekulation beschrieben, als eine Manie, eine Seifenblase [...]“[8], wobei die eigentliche Gefahr nicht in der Anzahl der Spekulanten lag, sondern in den oben bereits genannten Kreditfinanzierungen, vor denen schon der damalige US-Präsident, Herbert Hoover, warnte.[9] Bereits im Dezember 1928 und März 1929 kam es zu zwei scharfen Kurseinbrüchen, jedoch dachte man damals noch, dass es sich lediglich um eine Anpassung des Marktes handle.[10] Am 3. Oktober 1929 stellte sich diese Behauptung jedoch als falsch heraus, da, nach dem letztendlichen Höhepunkt im September, eine plötzliche Abschwächung eintrat.[11] Die Kurse liefen stetig zurück, bis es am 24. Oktober, dem „Schwarzen Donnerstag“, zu einer Panik unter den Spekulanten kam, welche sich am darauffolgenden Dienstag („Schwarzer Dienstag“), aufgrund eines erneuten abrutschen des Kurses, wie-derholte.[12] Es wurden in kürzester Zeit insgesamt 16,4 Millionen Aktien umgesetzt, ein Wert, der seit fast 40 Jahren nicht überboten wurde.[13] Am 13. November 1929 wurde schließlich der Jahrestiefstand mit 198 Zählern erreicht, woraufhin die New Yorker Finanzkreise vergeblich versuchten, den Kurs mit Direktkäufen und Krediteintritten für Dritte, stabil zu halten.[14] Zur gleichen Zeit erlitten die privaten Anleger immense Verluste und kürzten dementsprechend ihre Ausgaben, wodurch die Produktion Amerikas deutlich zurück ging.[15] Durch diese Einbußen verarmte der Großteil der Bürger, da sie plötzlich nicht mehr die Hypotheken für ihre Häuser, als auch die Kredite für die Wertpapiere nicht begleichen konnten.[16]

3. Die Folgen des Börsenkrachs für Deutschland

Auch Deutschland blieb von den Folgen des New Yorker Börsenkrachs nicht verschont. Um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Deutschland strukturiert zu erläutern, werde ich in den folgenden Punkten einerseits auf die wirtschaftlichen und andererseits auf die sozialen Folgen des Börsenkrachs eingehen.

3.1 Politisch-wirtschaftliche Folgen

Die Weimarer Republik, die sich bereits in den beiden vorherigen Jahren in der „Krise vor der Krise“[17] befand und über eine Million Arbeitslose zählte, hatte schon zuvor mit einer schlimmen Agrarkrise zu kämpfen, die vor allem Getreidebauern, aufgrund Überproduktions- und Ab-satzproblemen, betraf.[18] Aufgrund dessen mussten zahlreiche Betriebe und Landwirtschaftsgüter schließen und ganze Industriezweige mussten die Produktion einstellen.[19] Als nun auch noch die Wirtschaftskrise eintrat, zogen die amerikanischen Banken plötzlich jegliche Auslandsanleihen ab, um selbst liquide zu bleiben. Das führte dazu, dass sich die Staatschulden der Weimarer Republik plötzlich auf über 21 Milliarden Reichsmark verdoppelten, da besonders die Komunen dieses geliehene Geld längst investiert hatten und folge dessen erneute Kredite aufnehmen mussten, um es an die Vereinigten Staaten zurückzahlen zu können.[20] Hinzu kamen die vereinbarten Reparationszahlungen des Young-Plans*1, die Deutschland, nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg, zu leisten hatte und die Rentenzahlungen an anderthalb Millionen Kriegsversehrte und einen Teil der zweieinhalb Millionen Kriegshinterbliebenen.[21] Diesen Zahlungsverpflichtungen konnte die Weimarer Republik natürlich kaum nachkommen, da die Ausgaben des Staates zwischen 1925 und 1930 um 50 Prozent gestiegen waren, die Steuern jedoch, nur um etwa 38 Prozent erhöht wurden.[22] Das lag vor allem daran, dass die damaligen Großgrundbesitzer sich extrem gegen die Steuerhöhung einsetzten und die Regierung nicht stark genug war, die Steuern trotz deren Widerspruches aufzustocken.[23] Auf kurz oder lang musste in Deutschland also in Sachen Sparpolitik einiges geschehen. Deshalb konzentrierte man sich, während Heinrich Brünings Amtszeit als Reichskanzler (1930-1932), voll und ganz auf drastische Sparmaßnahmen, um den Staatshaushalt auszugleichen.[24]

3.2 Soziale Folgen

Als der „Schwarze Donnerstag“*2 (in Europa auch „Schwarzer Freitag“ genannt) eintraf, verschlimmerte sich die Situation in Deutschland so sehr, dass sich, angesichts der sozialen und politischen Krise, eine große Staats- als auch Wirtschaftskatastrophe anbahnte.[25] Die Arbeits-losenzahlen stiegen plötzlich von 1,3 Millionen (1928) auf beinahe sechs Millionen und eine Million Erwerbslose, die nicht von der Statistik erfasst wurden (Ende 1932).[26] Diese imense Anzahl von Arbeitslosen konnte die, von der Weimarer Republik eingeführten, Arbeitslosenversicherung nicht auffangen, da sie ursprünglich für eine durchschnittliche Anzahl von 700.000 bis 800.000 Erwerbslosen konzipiert war, was zur Folge hatte, dass zwischen den Jahren 1930 und 1932 die Zahlungen der Arbeitslosenversicherung drastisch gekürzt wurden.[27] Die Schlangen vor den Arbeitsämtern, in denen die Menschen darauf warteten, diese staatliche Hilfe beantragen zu können, wurden von Tag zu Tag länger, viele von ihnen jedoch, darunter besonders Jugendliche, wurden sofort abgewiesen.[28] Diejenigen, die das Glück hatten und diese Hilfe in Anspruch nehmen konnten, erhielten sie jedoch nur für höchstens sechs Wochen, was dazu führte, dass viele von ihnen später trotzdem von Suppenküchen abhängig wurden und sogar ihr Hab und Gut verpfändeten.[29] Die Beschäftigten, denen ihre Arbeit noch geblieben war, mussten täglich mit einer Kündigung rechnen oder mussten sich mit Kurzarbeit, Lohn- und Gehaltssenkungen, sowie steigenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen auseinandersetzen, woraufhin sie ihren Konsum deutlich einstellten.[30] Diese stetige Verunsicherung und Desorientierung brachte auch psychische Folgen mit sich, wie zum Beispiel Depressionen, Apathie, Alkoholismus und steigende Aggressivität, welche sich besonders in den häufig auftretenden Vermögens- und Gewaltdelikten widerspiegelte.[31] Außerdem sank auch die Lebensqualität der Betroffenen, da sie keine Verwendung für die plötzliche freie Zeit fanden, wodurch viele Familien verwahrlosten, was besonders an den Kindern sichtbar wurde.[32] Zudem verloren viele Menschen ihren Wohnraum und lebten teilweise auf der Straße, als auch in Asylheimen und Herbergen.[33] Diese nationale Armut hatte zur Folge, dass sich allein im Jahre 1932, 17.000 Menschen das Leben nahmen[34] und besonders bäuerliche Wähler von der Deutschen Volkspartei*3 und der Deutschnationalen Volkspartei*4 zur NSDAP abwanderten, da sie sich aufgrund der sinkenden Einkommen komplett verschuldet hatten.[35] Immer mehr Bürger begannen sich gegen das Regime und dem System der Weimarer Republik wenden, was besonders die linke und rechte Opposition ausnutzte, um öffentlich gegen die Regierung, dem System und den Parteien zu hetzen.[36] Dieses Auftreten hatte offensichtlich großen Erfolg, da genau diese Lager extremen Zulauf von Entlassenen, Verarmten und Heimatlosen erhielten.[37] Ende der Zwanziger, als sich das bisherige demokratisch-parlamentarische System als beinahe handlungsunfähig zeigte, erstarkten plötzlich radikale Bewegungen, die auf eine autoritäre oder sogar diktatorische Regierung aus waren und sich gegen Koalitionen mit anderen Parteien aussprachen oder von anderen Parteien als koalitionsunfähig erklärt wurden.[38] Mit diesen Veränderungen und der damaligen Regierung von Franz Papen, spiegelte sich der Wunsch nach einem neuen Staat auch im Volke wieder, was besonders den Regimegegnern entgegen kam.[39]

[...]


[1] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.139

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Roaring_Twenties, 05.02.2016, 19:54 Uhr

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise#Wirtschaftsboom_und_Spekulationsblase_in_den_USA, 06.02.2016, 17:17 Uhr

[4] Galbraith, John Kenneth: Der große Crash 1929 (2005), S.20 f.

[5] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.139

[6] http://www.dhm.de/lemo/rueckblick/der-boersenkrach-von-1929.html, 06.02.2016 16:00 Uhr

[7] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.140

[8] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.140

[9] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.140

[10] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.139 f.

[11] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.149

[12] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.149 f

[13] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.150

[14] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011), S.150 f

[15] Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939 (2011). S.158

[16] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.5

[17] Becker, Josef: 1933 – fünfzig Jahre danach (1983), S.16

[18] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.6 f.

[19] Knopp, Guido: Die Machtergreifung (2009), S.23

[20] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.7

[21] James, Harold: Deutschland in der Weltwirtschaftskrise 1924-1936 (1988), S.56

[22] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.8

[23] James, Harold: Deutschland in der Weltwirtschaftskrise 1929-1936 (1988), S.56

[24] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.8

[25] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.7

[26] Knopp, Guido: Die Machtergreifung (2009), S.23

[27] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.20 f

[28] Marcowitz, Reiner: Die Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.22

[29] Knopp, Guido: Die Machtergreifung (2009), S.23

[30] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.22 f

[31] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.23

[32] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.23

[33] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.24

[34] Knopp, Guido: Die Machtergreifung (2009), S.24

[35] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.7

[36] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.25

[37] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.25

[38] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.25

[39] Marcowitz, Reiner: Weimarer Republik 1929-1933 (2012), S.26

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Weltwirtschaftskrise 1929. Hauptursache für die Machtergreifung Hitlers?
Note
1-
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V337812
ISBN (eBook)
9783668271975
ISBN (Buch)
9783668271982
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
weltwirtschaftskrise, hauptursache, machtergreifung, hitlers
Arbeit zitieren
Celine Dora (Autor), 2016, Die Weltwirtschaftskrise 1929. Hauptursache für die Machtergreifung Hitlers?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337812

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