„Der Snob" von Carl Sternheim. Wege und Mittel des sozialen Aufstiegs der Figur Christian Maske


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

- Einleitung

- Hauptteil
- Carl Sternheim & der Expressionismus
- Dramenanalyse ÄDer Snob“
- Figurenkonstellation
- Wege & Mittel Christian Maskes
- Der Begriff der Mannigfaltigkeit

- Schluss und Ausblick: Gesamtinterpretation

- Literaturverzeichnis
- Quellen/Primärtexte
- Verwendete Literatur
- Internetquellen

Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit ÄDer Snob - Wege und Mittel des sozialen Aufstiegs Christian Maskes“ werde ich Carl Sternheims komödiantisches Drama ÄDer Snob“, erschienen im Jahre 1914, hinsichtlich des sozialen Aufstieges des Protagonisten, Christian Maske, analysieren.

Nachdem wir in dem Seminar den ersten Teil, ÄDie Hose“, der Maske-Tetralogie gelesen, besprochen und analysiert haben, wurde mein Interesse geweckt und hat mich dazu bewogen den zweiten Teil, ÄDer Snob“, als Grundlage für meine Hausarbeit zu verwenden.

Neben den gesellschaftlichen Problemen, die dieses Drama behandelt, hat mich besonders der Charakter des Christian Maske beeindruckt. Durch seine harte Arbeit, sein Durchsetzungsvermögen, sein Talent sich größer darzustellen, als er wirklich ist und seinem unbändigen Willen schafft er es in einer erfolgreichen Bergwerkgesellschaft zum Generaldirektor ernannt zu werden. Die Heirat mit der Tochter des Grafen Palen ist sein letzter und wichtigster Schritt hin zu seinem großen Ziel, der soziale Aufstieg.

Gerade in der wilhelminischen Gesellschaft, Anfang des 20. Jahrhunderts, ist der Sprung in eine höhere Gesellschaftsschicht nicht der Einfachste gewesen, da der herrschende Konflikt zwischen den einzelnen Schichten für Konflikte und auch Spannungen in der Gesellschaft gesorgt hat.

Nach einer eingehenden Dramenanalyse, bezüglich des kulturhistorischen Hintergrundes, der Epochenzuordnung und einer Gattungsbestimmung werde ich besonders auf die Figur ‚Christian Maske‘ und seine sozialen Beziehungen, sowohl zu seinen Eltern, als auch zu seiner neuen Familie, die des Grafen Palen, eingehen. Außerdem richte ich meine Analyse besonders auf die Wege und Mittel, mit denen Christian Maske sein Ziel erreicht hat, aus.

Zum Schluss gehe ich noch auf den Begriff der ÄMannigfaltigkeit“ ein, der in diesem Drama auffallend häufig verwendet wurde, ein.

Hauptteil

Carl Sternheim & der Expressionismus

Carl Sternheim ist ein bekannter Expressionist, der Ädie Rolle des vieldiskutierten Provokateurs“1 in der deutschen Literaturszene Anfang des 20. Jahrhunderts angenommen hat. Allerdings Ä[nahm] die literarischen Öffentlichkeit Deutschlands von Carl Sternheim erst 1911 mit der Aufführung der Komödie ÄDie Hose“ und den damit zusammenhängenden Querelen Notiz“2.

ÄDie ersten Erfahrungen des Publikums mit diesem Autor bestimmten auch für die Folgezeit die Erwartungen: man verband mit dem Namen ÄSternheim“ Kritik, Zynismus und Frivolitäten. Diese - bis in die heutige wissenschaftliche Diskussion fortwirkende - Identifikation des Autors als Provokateur, als unbequemer Außenseiter bzw. die darauf bezogene ÄRettungen“ Sternheims lenkten ab vom Problem einer differenzierten Gliederung des ÄGesamtwerks“, das sich bei aller Kontinuität der Motive, Figuren und Themen doch deutlich in Abschnitte einteilen läßt, deren Grenzen sowohl bestimmt sind von den Ereignissen des privaten Lebensraums Carl Sternheims wie von solchen des politisch-sozialen Gesamtzusammenhangs des frühen 20. Jahrhunderts.“3

Seine Figuren lässt Sternheim nicht durch Handlungen oder Emotionen menschlich wirken, alleine die Sprache weist auf eine menschliche Lebensform hin.4

Carl Sternheim ist ein bekannter Expressionist, der genau zu der expressionistischen Hochphase, der Ämodernen Revolution in Kunst und Literatur […] [die] zwischen 1910 und 1925 in Deutschland besondere Bedeutung erhalten hat“5, durch seinen Zyklus Aus dem bürgerlichen Heldenleben zu literarischer Bekanntheit gelang.

Als er 1914 ÄDer Snob“ verfasst hat, lebt er schon zwei Jahre mit seiner Familie in der Nähe von Brüssel, auf dem Landsitz ÄClairecolline“, wo der Kunstkenner seine Gemäldesammlung, die unter anderem Künstler wie Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Henri Matisse und Pablo Picasso erfasste, erweitert.6

Zu der Zeit als ÄDer Snob“ entstand, waren Carl Sternheims Dramen bekannt für ÄDefinitorisches Beschreiben typischer Verhaltensweisen und Vorgänge im wilhelminischen Bürgertum“7, die er in der Reihe Aus dem bürgerlichen Heldenleben auf unterschiedlichste Weise dargestellt hat.

Im ÄDer Snob“ spielt Sternheim mit einem entscheidenden Merkmal des Expressionismus, dem Gegensatz von Pessimismus und Optimismus8, denn trotz seiner schlechten Ausgangslage erreicht der Protagonist sein lang ersehntes Ziel.

ÄSternheims Sprache teilt einige Eigenschaften mit der mancher Expressionisten, obgleich Sternheim sich auch gegen diese seine engsten Zeitgenossen animos abhebt; denn gerade auch bei ihnen sieht er den Lügenteufel der Metapher am Werk“9, die er in seinem ÄKampf der Metapher“10 verteufelt. Er wehrt sich Ägegen Formen, die im sprachlichen Ausdruck reale Dinge so überhöhen oder mit unerreichbaren Zielen identifizieren, daß deren wesentliche Eigenschaften nicht mehr zu Tage kommen“11.

Doch Ä[v]or [seinen] Werken darf man wirklich das viel mißbrauchte Wort Expressionismus aussprechen. Und aus dieser Kunst stammt auch Sternheims Vorliebe für die ausdrückende Gebärde, die einprägsame, zusammenfassende Geste, die in allen diesen Dramen wiederkehrt“12, wie auch in der Komödie ÄDer Snob“, in der Christian am Ende mit der Geste, der Äausgebreiteten Arme[…]“13, das Drama auf zynische Weise enden lässt.

Auch wenn sich Carl Sternheim dagegen gewehrt hat, mit anderen Expressionisten in einen Atemzug erwähnt zu werden, so konnte er sich schlussendlich doch nicht dagegen stellen, denn zu viele der Eigenarten seiner Person spiegeln sich in Äder expressionistischen Generation“14 Anfang des 20. Jahrhunderts wieder.

Dramenanalyse „Der Snob“

Der Snob ist ein komödiantisches Drama, der zweite Teil der Maske-Tetralogie und ein Werk der Reihe Aus dem bürgerlichen Heldenleben, von Carl Sternheim. Der Nachfolger des Dramas Die Hose, erschien im Jahre 1914 und wurde noch im selben Jahr, am 02. Februar 1914, unter der Regie von Max Reinhardt im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt15.

In dem Drama versucht der Sohn von Louise und Theobald Maske, Christian Maske, aus seinem bürgerlichen Leben auszubrechen, getrieben von seiner Machtgier, die Karriereleiter zu erklimmen und somit ein Leben in der höheren Gesellschaft führen zu können.

Er bricht das Philologiestudium ab, um seine Karriere in einer großen Bergwerkgesellschaft zu starten und nach vier Jahren Arbeit zum Generaldirektor ernannt zu werden.

Seine Beziehung zu Sybil Hull beendet er, nachdem sie ihn finanziell unterstützt und ihm alle notwendigen Manieren für die soziale Oberschicht beigebracht hat. Zusätzlich bietet Christian ihr eine Summe, in der er all ihre finanzielle Zuwendung und auch ihre ÄArbeit“ entlohnt, sodass er ihr nichts mehr schuldig ist. Auch seine Eltern serviert er eiskalt ab, indem er ihnen eine beträchtliche Summe, als Aufwandsentschädigung bietet und von ihnen erwartet, nach Zürich zu ziehen und keine Rolle mehr in seinem zukünftigen Leben zu spielen.

Kurz darauf schließt sich Christian der Familie, des Grafen Palens an, indem er seine Tochter Marianne heiratet, und somit sein lang ersehntes Ziel erreicht, der gesellschaftliche Aufstieg.

Carl Sternheim`s Komödie hat einen klassischen Aufbau von 3 Akten, die wiederum in kleinere Auftritte unterteilt sind. Man erkennt einen klaren und zeitlich gegliederten Handlungsfaden, dessen Ereignisse aufeinander aufbauend sind. Neben dieser Haupthandlung, sind keine kleinen Nebenhandlungen zu erkennen, denn das ganze Drama dreht sich nur um den sozialen Aufstieg des Protagonisten und seinen ÄTriumph über den hohen Stand des Adels“16.

Eine direkte Zuordnung, zu einer bestimmten Dramenform, ist nicht einfach, da diese Komödie sowohl Aspekte einer geschlossenen, als auch offenen Form erfüllt. Auf den ersten Blick lässt sich die Komödie in die Kategorie der geschlossenen Form einordnen, da sie ganz klassisch aus 3 Akten besteht, einen logischen Handlungsverlauf hat, in einem sich nicht übermäßig ausgebreitete Zeitfenster abspielt und auch keine allzu großen räumlichen Sprünge zugelassen werden. Doch bei einer genauen Analyse lässt sich sehr schnell feststellen, dass auch einige Merkmale der offenen Form verwendet wurden, besonders schnell wird das auf der Textebene erkennbar, da der Sprachstil nicht der gehobenen Sprache zuzuordnen ist, sondern der Alltagssprache, die der einfachen Bürger, entspricht.

Auf der Ebene des Dramenaufbaus, ist anzumerken, dass die, zu einem geschlossenen Drama zugehörige, Exposition fehlt. Die Handlung beginnt aus dem Nichts, auch wenn die Vorgängerkomödie ÄDie Hose“ als inhaltliche Grundlage dient, so weiß ein Leser, der ÄDie Hose“ nicht gelesen hat, nicht, worum es am Anfang geht und kann auch nicht die wichtigen Bezüge zu dem 1. Teil nachvollziehen.

Der Spannungsbogen des Dramas steigt während der ganzen Zeit an, der Leser erwartet am Ende die Enttarnung des Snobs, doch entgegen aller Hoffnungen, festigt der Protagonist seinen Stand, in dem er seine Mutter als Ehebrecherin darstellt und sich so einer adlige Herkunft bedient. Die Geste am Ende des Dramas: ÄChristians Lächeln und erlöste große Gebärde.“17 unterstreicht den Triumph des Christian Maskes auf eine noch deutlichere Weise.

ÄDer Snob“ lässt sich ganz klar in die Kategorie der Komödie einordnen, denn viele Merkmale einer typischen Komödie treffen auf Sternheim`s Werk zu.

Seine Figuren sind, im Gegensatz zu den Figuren in der Tragödie, einfache Bürgerliche die sich einer alltäglichen Sprache bedienen und unter einfachen Verhältnissen leben.

Inhaltlich entspricht ÄDer Snob“ ebenfalls einer Komödie, da die Themen hauptsächlich Bezug zu Hochzeiten, Betrug, Festen und anderen alltägliche Vorkommnisse, die unter dem einfachen Volk vorkommen nehmen. In Sternheims Drama werden besonders die betrügerischen Absichten des Christian Maske in den Vordergrund gestellt, der seine Herkunft verleugnet, um sich der Familie des Grafen Palen anschließen zu können. Lediglich das Ende entspricht nicht dem Standard einer traditionellen Komödie.18

Kurz vor dem Schluss macht es den Anschein, als würde die Komödie, ganz klassisch, glücklich enden. Christian`s absurder Einfall, seiner Mutter eine Affäre mit einem Äfranzösische[n] Vicomte“19 anzudichten und somit eine adlige Abstammung zu schaffen, führt Ädie Machtbalance zwischen ihm und seiner adligen Frau und damit das gewünschte Ende der traditionellen Komödie auf der formalen Ebene“20 herbei. Doch Ä[statt] der Versöhnung des guten Endes der traditionellen Komödie triumphiert hier die Intrige“21, denn Christian Maske gelingt nicht nur der soziale Aufstieg durch Lug und Betrug, er, der eigentliche Betrüger, steht weiterhin als ein tadelloser Mann, der von seiner naiven Frau bewundert wird, da und bekommt nicht die verdiente Strafe für sein Handeln.

Auf der sprachlichen Ebene sind auch einige signifikante Merkmal zu erkennen, die für Carl Sternheims Schreiben typisch sind. ÄEin charakteristisches Merkmal Sternheimscher Sprache […] [ist] die Verknappung“22, diese er durch das Weglassen von Artikeln, Attributen und Adjektiven herbeiführt: ÄIch weiß nicht“23. Ein weiteres Merkmal seiner Sprache ist die eigenwillige Satzkonstruktion, die er durch eine häufige Verwendung des Genitivs: Äaus der Kraft meines Blutes“24, eine starke Rhythmisierung der Sprache und durch die Benutzung von Assonanzen und Alliterationen erstellt.25 ÄDem Subjekt gibt Sternheim seine hervorragende Stellung im Satz dadurch, daß er immer wieder versucht, es in die Mitte des Satzes zu rücken.“26, was dieser Satz repräsentativ darstellt: ÄStolzes Köpfchen, mein geliebter Junge, wie ich sage.“27.

[...]


1 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S.10

2 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S.9

3 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S.9

4 Vgl. Wendler: Materialienbuch, S.18

5 Sokel: Der literarische Expressionismus, S.7

6 Vgl. Metzler Autoren Lexikon, S.

7 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S. 12

8 Vgl. Sokel: Der literarische Expressionismus, S.8

9 Wendler: Materialienbuch, S.65

10 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S. 108

11 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S.109

12 Wendler: Materialienbuch, S.19

13 Sternheim: Aus dem bürgerlichen Heldenleben, S.215

14 Sokel: Der literarische Expressionismus, S.8

15 Vgl. Wikipedia: Der Snob

16 Liu: Carl Sternheim & die Komödie, S.60

17 Sternheim: Aus dem bürgerlichen Heldenleben, S. 215

18 Vgl. Asmuth: Einführung in die Dramenanalyse, S.24f

19 Sternheim: Aus dem bürgerlichen Heldenleben, S.210

20 Liu: Carl Sternheim & die Komödie, S.65

21 Liu: Carl Sternheim & die Komödie, S. 63

22 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S.109

23 Sternheim: Aus dem bürgerlichen Heldenleben, S. 206

24 Sternheim: Aus dem bürgerlichen Heldenleben, S. 207

25 Vgl. Schönert: Carl Sternheims Dramen, S.109f

26 Schönert: Carl Sternheims Dramen, S.110

27 Sternheim: Aus dem bürgerlichen Heldenleben, S. 201

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
„Der Snob" von Carl Sternheim. Wege und Mittel des sozialen Aufstiegs der Figur Christian Maske
Hochschule
Universität Paderborn  (Institut für vergleichende Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
Dramenanalyse: Expressionismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V337867
ISBN (eBook)
9783668272958
ISBN (Buch)
9783668272965
Dateigröße
939 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Carl Sternheim, Der Snob, Aus dem bürgerlichen Heldenleben, Expressionismus, Drama, Hausarbeit, Analyse, Komödie
Arbeit zitieren
Marvena Ratsch (Autor), 2015, „Der Snob" von Carl Sternheim. Wege und Mittel des sozialen Aufstiegs der Figur Christian Maske, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337867

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