Das Thema der nun folgenden Darlegung soll die Heldendichtung des
Codex Regius sein, insbesondere die „Atlakviða in groenlenzka“ und das
„Hamðismál“. Zuerst möchte ich der Frage nachgehen, wie Heldendichtung
überhaupt zu definieren ist. Dafür werde ich erst versuchen, die Begriffe
„Heldendichtung“ und „Held“ im allgemeinen, anhand von verschiedenen
Beispielen der europäischen Heldendichtung, zu erläutern. Danach
möchte ich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der isländischen Heldendichtung
zur europäischen herausfinden. Im zweiten Teil der Arbeit
will ich die Ergebnisse auf zwei Heldenlieder des Codex Regius anwenden,
nämlich die „Atlakviða in groenlenzka“ und das „Hamðismál“. Diese beiden
Lieder scheinen mir hierfür besonders gut geeignet, da sie ein etwas
unterschiedliches Heldenbild liefern.
[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Was ist Heldendichtung?
1.1 Definition
1.2 Das Heldenbild
1.3 Die Heldenlieder des Codex Regius
2 Analyse
2.1 Hamðismál
2.2 Atlakviða in grœnlenzka
Abschließender Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Heldenbild in ausgewählten Heldenliedern des Codex Regius, insbesondere im Hamðismál und der Atlakviða in grœnlenzka. Ziel ist es, den Begriff der Heldendichtung zu definieren, Merkmale des Helden zu identifizieren und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten der isländischen Tradition gegenüber der europäischen Heldendichtung herauszuarbeiten.
- Definition und Grundlagen der Heldendichtung
- Konzeption und Merkmale des Heldenbildes
- Analyse des Hamðismál unter besonderer Berücksichtigung des Rachemordes
- Analyse der Atlakviða in grœnlenzka im Kontext der Verwandtenrache
- Vergleichende Untersuchung der Heldenbilder beider Lieder
Auszug aus dem Buch
1.2 Das Heldenbild
Eine genaue Definition für „den Helden“ zu finden ist sicherlich nicht möglich, da sich zu jeder der im folgenden genannten Kriterien irgendeine Ausnahme finden wird. Trotzdem gibt es einiges, das auf fast alle Helden der europäischen Heldendichtung zutrifft, und damit als ungefährer Maßstab für einen Helden dienen kann.
Vorbild für den Helden ist eine fiktive oder reale Person, die meist ins Übermenschliche stilisiert wird. Helden, die eine reale Person zum Vorbild haben, haben mit dieser Person allerdings in der Regel nicht mehr viel gemein. Verwandtschaftsverhältnisse werden in den Sagen geknüpft, die es in der Realität nie gegeben hat, und meist auch nicht hätte geben können, da die beteiligten Personen nicht gleichzeitig lebten. So zum Beispiel Dietrich von Bern, dessen historisches Vorbild der Ostgotenkönig Theoderich war, und Etzel/Atli, der auf Attila zurückgeht. Attila starb etwa zur gleichen Zeit, als Theoderich geboren wurde (um 450 n.Chr.). Charakteristisch für die Helden solcher Dichtungen sind außerdem ihre besonderen Fähigkeiten, die oft angeboren oder schon in früher Jugend erworben wurden, wie z. B. Sigfrids Hornhaut, oder generell übermenschliche Stärke. Trotz dieser Eigenschaften sterben die Helden sehr jung. Dieses Schicksal, dass ihnen meist schon vorhergesagt wird, nehmen sie in Kauf und gehen ohne zu zögern ihrem tragischen Ende entgegen. Die männlichen Helden werden getötet, die weiblichen begehen meist Selbstmord. Der Konflikt eines Helden besteht meist darin, dass er zwischen seiner Gefolgschafts- und Sippentreue wählen muss und dabei meist Verwandte töten, oder deren Tod in Kauf nehmen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit erläutert die Definition von Heldendichtung und das Vorgehen bei der Analyse der Heldenbilder in zwei ausgewählten Liedern des Codex Regius.
1 Was ist Heldendichtung?: Dieses Kapitel beleuchtet die mündlichen Wurzeln der Heldendichtung, den Einfluss des "heroic age" sowie die Spezifika der Lieder des Codex Regius.
1.1 Definition: Hier werden die historischen und soziologischen Bedingungen für das Entstehen von Heldendichtung sowie der Begriff der "oral poetry" erörtert.
1.2 Das Heldenbild: Dieses Kapitel definiert allgemeine Kriterien für den Helden, wie übermenschliche Stilisierung, tragisches Schicksal und den Konflikt zwischen Sippen- und Gefolgschaftstreue.
1.3 Die Heldenlieder des Codex Regius: Hier wird der Codex Regius zeitlich eingeordnet und die stilistische Form der darin enthaltenen Lieder sowie ihr skaldischer Einfluss diskutiert.
2 Analyse: In diesem Hauptteil werden die beiden Heldenlieder im Hinblick auf ihre spezifischen Heldenbilder und das zentrale Motiv der Rache untersucht.
2.1 Hamðismál: Die Untersuchung fokussiert auf das Geschlecht der Gjukungen, die Rolle der Mutter Gudrun und das Motiv der Verwandtenrache in diesem spezifischen Lied.
2.2 Atlakviða in grœnlenzka: Dieses Kapitel analysiert das Heldenbild des Gunnar sowie die Rolle der Gudrun und die spezifische Ausgestaltung des Rachemotivs.
Abschließender Vergleich: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Heldenbilder in beiden Liedern herauszuarbeiten.
Schlüsselwörter
Heldendichtung, Codex Regius, Hamðismál, Atlakviða in grœnlenzka, Heldenbild, Verwandtenrache, Skaldik, orale Überlieferung, germanische Heldensage, Sippentreue, Schicksal, Gudrun, Gunnar, Sörli, Hamdir.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Heldendichtung des Codex Regius und untersucht, wie Helden in diesen Texten konzipiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition der Heldendichtung, das allgemeine Heldenbild, das Motiv der Verwandtenrache sowie die spezifische Ausprägung dieser Aspekte in zwei ausgewählten Heldenliedern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der isländischen Heldendichtung zur europäischen Tradition zu analysieren und ein Verständnis für das Heldenbild im Codex Regius zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Untersuchung primärer Quellen des Codex Regius sowie der Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das "Hamðismál" und die "Atlakviða in grœnlenzka" analysiert, um das Handeln der Helden und die Funktion ihrer Rollen zu erläutern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Heldendichtung, Codex Regius, Verwandtenrache und Heldenbild charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Figur der Gudrun in den untersuchten Liedern?
Gudrun fungiert in beiden Liedern als treibende Kraft der Rache, wobei sie im Hamðismál eher als "hetzende Frau" agiert und in der Atlakviða aktiv selbst zur Rächerin wird.
Warum unterscheiden sich die Heldenbilder im Hamðismál und der Atlakviða?
Die Arbeit legt nahe, dass zeitliche Unterschiede in der Entstehung der Lieder sowie der Einfluss unterschiedlicher literarischer Typologien (wie der des besonnenen Beraters) zu den abweichenden Heldenbildern führen.
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- Daniela Rabe (Author), 2005, Eddische Heldendichtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33788